Du lügst so schön – in love with Juli

Du lügst so schön

Mach das Pflaster nicht ab
Führ‘ mich hinter das Licht
Auch wenn wir verloren gehen, bitte sag es mir nicht
Auch wenn das Glück uns verlässt
Auch wenn wir ohnmächtig sind
Bitte lass mich im Glauben, dass wir heilig sind
Ich will die Wahrheit gar nicht wissen
Ich will die Wahrheit gar nicht hören
Denn du Lügst so schön,
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann
du Lügst so schön
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann

 Du gibst mir reines Gift
Und ich trink‘ es wie Gold
Ich hab vergessen warum
Aber ich habe es gewollt
Wenn mich der Glaube verlässt
Bitte behalt es für dich
Du hältst mich am Leben
Mit jedem Wort das du sprichst
Mit jedem Wort das du sprichst
Mit jedem Wort das du sprichst
Mit jedem Wort das du sprichst

Denn du Lügst so schön
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann
du Lügst so schön
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann
das ich dir nicht glauben kann

Wir hol’n unser Spiel
Du beherrscht es so gut
Lass das Dunkel im Dunkeln
Versprich dass du es tust

Denn du Lügst so schön
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann
du Lügst so schön
du Lügst so schön
du Lügst so schön
das ich dir nicht glauben kann
das ich dir nicht glauben kann
das ich dir nicht glauben kann
das ich dir nicht glauben kann.

Was man so hört… XIV Stichwort: Antidpressiva bei Müttern

Die Juristin hat ein interessantes Zitat von Müttern gebracht, die an mehreren „Fronten“ kämpfen. Viele von uns kennen das, dieses Gefühl, dass alles zu viel ist.

Von anderen studierenden Müttern (Studium, Kinder, Hausbau):

„Erst seit ich die Antidepressivia nehme, merke ich plötzlich, wie schlecht es mir eigentlich die ganze Zeit ging.“

Hier gehts zum Original.

Meine eigene Erfahrung

Ich selber habe nach einem kompletten Zusammenbruch 11 Monate lang Antidepressiva genommen. Es dauerte eine Weile, bis sie ihre positive Wirkung gezeigt haben. Erst einmal habe sie ein paar Wochen ihre möglichen Nebenwirkungen gezeigt. Meine Panikattacken waren schlimmer und zahlreicher als je zuvor. Und dann ging es mir eine ganze Zeit lang richtig gut. Ich war viel gelassener und insgesamt besser drauf. Stresssituationen, egal ob körperlich oder psychisch bedingt, konnte ich besser verkraften. Und vor allem konnte ich besser schlafen. Auch tagsüber mal schnell einpennen, um für die Kinder und den Alltag wieder Kraft zu tanken, war mir nun endlich wieder gegeben. Das alles tat mir gut und ich fühlte mich so gut wie zuletzt, bevor ich Mutter wurde und noch mein altes Leben mit Ruhepausen und Zeit für mich leben konnte. Ich sagte immer, dass ich zu mir selbst zurück gefunden hätte, eben auch mit Hilfe von Antidepressiva.

Mit oder ohne?

Vor einem Monat habe ich die Tabletten nach dem typischen Ausschleichen über mehre Wochen komplett abgesetzt. Ich dachte, ich sei soweit, ohne klar zu kommen. Doch in der jüngsten Zeit fing es wieder an mit einigen der Symptome, die ich auch hatte, bevor ich die Tabletten nahm bzw. in den ersten Monaten nach dem Burnout auch unter den Tabletten immer noch mal auftraten. Nun kommt hinzu, dass ich eine emotional sehr anstrengende Zeit hinter mir habe (ehrlich gestanden stecke ich noch mitten drin), dazu kam umständehalber auch zu wenig Schlaf. Oft kann ich wieder nicht richtig „runterfahren“, zur Ruhe kommen und somit in den Schlaf finden. Oder mein Schlaf ist recht oberflächlich. Ich habe weniger gute Laune, bin wieder reizbarer, der Alltag erscheint mir wieder anstrengender, denn manche körperlichen Symptome beeinträchtigen meinen Alltag und logischerweise mein Wohlbefinden. Ich bin also gerade mal wieder komplett „durch“. Und so überlege ich tatsächlich, das Zeug wieder zu nehmen, wenn es schlimmer wird, es mir also nicht durch „gutes Zureden“ wieder besser geht. Hier entsteht nämlich ein Teufelskreis. Man fühlt sich scheiße und kommt aus dem Gefühl einfach nicht raus, weil die Probleme anhalten und man dazu nicht die richtige Einstellung oder Lösung findet. Eventuell steigert man sich dann noch mehr rein und verstärkt somit die Symptome, denn die körperlichen Symptome spielen eben mit. Sie signalisieren mir, dass irgend etwas nicht stimmt. Jedenfalls geht es mir in meinem konkreten Fall so.

Mama muss funktionieren

Aber verdammt noch mal, ich muss funktionieren. Sei es in meinem Job oder als Mutter und Hausfrau etc. Ich wollte nicht noch einmal erleben, was ich vor einem Jahr erlebt habe. Aber es ist eben das Leben, mein Leben mit meiner (Hoch-)Sensibilität und der Vorbelastung aus einer depressiven Episode / dem Burnout. Da ist die Angst, das wieder zu erleben, sobald’s im Leben irgendwo hakt, eben ein (fast) ständiger Begleiter. Und ich habe nach wie vor wenig Zeit für mich, auch wenn es mir besser gelingt, sie für mich einzufordern als in der Zeit, als die Kinder noch sehr klein waren.

–> Gerade bin ich home alone, die Kinder sind bei den Großeltern, die ich spontan gefragt habe, mir zu helfen, weil es mir wirklich nicht gut geht. Und ich habe natürlich wieder das berühmte Mutter-Schlechte-Gewissen. Und das, obwohl die Kinder freudestrahlend ihre Sachen gepackt haben und ohne zu weinen mit OmaOpa mit gefahren sind. Ich vermisse meine Kinder tatsächlich gerade, aber ich habe gespürt, dass ich dringendst endlich mal wieder eine kleine Auszeit brauche und mal einen Morgen, an dem ich etwas länger schlafen darf. Ich weiß nicht, wie viele Monate es her ist, dass ich mal ausschlafen durfte. <–

Warum Antidepressiva?

Nun dürfte der Grund für die Einnahme von happy pills sehr individuell sein und die Präparate sind auch unterschiedlich. Der Gründe, warum eben auch vermehrt wir Mütter zu diesen Medikamten greifen, dürften also recht individuell sein. Aber oft ist eben eine deutliche Überbelastung und die in der heutigen Zeit extrem hohen Anforderungen, die an uns Frauen mit Kindern gestellt werden, dafür verantwortlich, dass es nicht ohne geht. Und das macht mich nachdenklich und traurig zugleich. Für mich entsteht hier ein Teufelskreis. Ich würde so gerne ohne diese Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, also das Zeug, was ich mir eingeworfen habe) auskommen, ich fände es für mich persönlich schade, wenn es auf Dauer nicht ohne ginge. Denn die Tabletten dämpfen auch schöne Gefühle. (Und z. B. sexuell ist’s ohne einfach schöner 😉). Und sie haben noch weitere Nebenwirkungen. So habe ich z. B. nach dem Absetzen von jetzt auf gleich 2 kg an Gewicht verloren, die ich zuvor zugenommen hatte. In meinem Fall nicht viel, aber mich hatte das trotzdem gestört. Aber am Ende zählt eben, dass es mir so gut geht, dass ich für die Kinder eine gute Mutter bin. So ist das eben.

Am Ende möchte ich meine LeserInnen bitten: traut Euch, schreibt mir Eure Erfahrungen zum Thema, natürlich gerne anonym. Ihr würdet mir echt helfen. Es ist noch immer ein großes Tabuthema, wenn Menschen – und eben auch wir Mütter – solche Medikationen benötigen, um auf den Beinen zu bleiben. Wieviele sind es wirklich da draußen. Meldet Euch!

Juraexamen mit Kind - war Justitia Mutter?

Von anderen studierenden Müttern (Studium, Kinder, Hausbau):

„Erst seit ich die Antidepressivia nehme, merke ich plötzlich, wie schlecht es mir eigentlich die ganze Zeit ging.“

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Gefühle im Frühling

Frühling liegt in der Luft. Frühlingsgefühle sind zu vernehmen, ganz eindeutig. Die Sonne scheint und wärmt schon ein wenig, auch wenn es im Schatten, auch wenn die Nächte noch sehr kalt sein können. Am meisten liebe ich am Frühling, dass die Vöglein wieder singen. Sie singen so schön und laut. Es ist so schön, des morgens zu ihrem herrlichen Gesang aufzuwachen, aber sie auch tagsüber aus allen Ecken zwitschern zu hören. Ja, sie kommen mir gerade sehr laut vor. Ich denke an „Alle Vögel sind schon da“ und an „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ und freue mich mit ihnen, bewundere ihre Lebensfreude, ihre von der Natur vorherbestimmten Ambitionen, einen Partner zu finden und ihre Art zu erhalten. Sie tun das einfach. Der Vogelgesang ist eine Musik, die ich den Winter über immer sehr vermisse.

Ein Hase, umgeben von viel grüner Natur

Der Osterhase? Die ersten Jahre besuchte uns dieser regelmäßig auf unserem Grundstück – und fand auch gefallen am Abfressen der Krokusblüten. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Ich liebe dieses Frühlingserwachen, dieses Erwachen der Natur. Die ersten Frühblüher zeigen sich  auch in unserem Garten. Schneeglöckchen und Krokusse sind schon da, aber auch die Osterglocken werden bald blühen und mit ihrem leuchtenden Gelb erfreuen. Danach kommen die Tulpen. Auch die ersten Knospen an den Sträuchern sind zu sehen. Nicht mehr lange, dann werden auch die Bäume wieder grün. Dieses helle, zarte Grün, das ich so liebe. So wie ich einfach den Frühling liebe. Als Maikind war dies schon immer meine bevorzugte Jahreszeit.

Morgens fahre ich nun wieder im Hellen zum Dienst. Wenn dann noch die Sonne scheint bzw. der Sonnenaufgang zu bewundern ist, lässt das den oft müden Start in den Tag für mich deutlich besser ertragen. (Wenn auch die Zeitumstellung Ende des Monats für kurze Zeit diesen Genuß wieder hinfällig sein lassen wird). Und auch der Tag kann nun wieder länger mit Außenaktivitäten gestaltet werden, was gerade mit Kindern ein großer Vorteil ist.

Bald wird dieser betörende Duft in der Luft liegen, den ich so liebe. Dieser wundervolle typische Frühlingsduft. Ich bin ohnehin ein Duft-Typ. So wie mich viele Gerüche abstoßen, wie z. B. Parfüms oder Deos mit einem starken Eigengeruch (und ich dieses alles selber nicht benutze – also Deo schon ;-), aber das riecht neutral), so liebe ich manche Gerüche ganz besonders. Düfte in der Natur, an schon lauen Frühlingsabenden im Mai. Düfte bestimmter Menschen… . Selbst dem Güllegeruch, der im Frühsommer von den Feldern herüber weht, kann ich durchaus etwas abgewinnen, erinnert er mich doch an meine Kindheit in einem kleinen Dorf mit viel Landwirtschaft drum herum.

Ja, nun beginnt alles noch einmal von vorne, möchte man meinen. Es ist ein Neubeginn, der da in der Luft liegt. Er verpflichtet auch, z. B. den Garten herzurichten oder den Winterstaub zu beseitigen. Er verpflichtet zum Ausmisten, sei es im Kleiderschrank oder im Herzen. Ich liebe den Frühling, ich setze jedes Jahr erneut so viel Hoffnung in ihn. Vor einem Jahr genau um diese Zeit fing ich gerade erst wieder an, nach meinem körperlichen Zusammenbruch aufzustehen und neuen Lebensmut zu schöpfen. Das wäre mir im Winter vielleicht nicht so gut gelungen.

Genießt die kommende Zeit. Genießt die Sonne, sofern sie Euch scheint. Freut Euch des Lebens, so wie die Vögelein es tun. Und seid gut zu Euch. Es ist Euer Leben, Ihr habt nur dieses eine.

Jetzt – und wieder nur ein Liedtext

Ich habe viel zu verarbeiten im Moment. Ich tue dies auch mit Musik. Im Moment ist es deutschsprache Musik, sind es Texte, die ich zu interpretieren versuche, bis sie zu mir passen. Beziehungsweise, wenn sie passen, dann kann ich mich in ihren verlieren. Irgendwie hilft mir das etwas…

Den hier hatte ich schon weiter unten, habe ich gerade gesehen. Egal, hier kommt es nochmal. Jetzt.

Jetzt (Juli)

Was gestern war verschlingt die Zeit
sie frisst und färbt, was davon übrig bleibt
und die Fotos zeigen irgendwas, was nie so war
Was morgen kommt ist perfekt geplant
Die Pläne sind gemacht bis ins nächste Jahr
doch Alles, was schon sicher scheint,
ist schon morgen nicht mehr da
Alles was wir haben ist jetzt
Alles was wir haben ist jetzt
kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
keine Karte, auf die man sich verlässt
Alles was wir haben ist jetzt
kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
keine Konto, auf das man sich verlässt
Alles was wir haben ist jetzt

Die Zukunft ist ein scheues Tier

wenn Du bei ihr bist, ist sie nicht mehr hier
Sie schlägt ihre Haken
und läuft davon auf allen Vieren
Die besten Pläne machen keinen Sinn,
weil ich heute noch nicht weiß
wer ich morgen bin
Ich geb die Kontrolle ab
bevor ich sie verlier
Alles was wir haben ist jetzt
Alles was wir haben ist jetzt

Alles was wir haben ist jetzt
kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
keine Karte, auf die man sich verlässt
Alles was wir haben ist jetzt
kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
Keine Farbe, auf die man Alles setzt
Alles was wir haben ist jetzt
Alles was wir haben ist jetzt

Alles was wir haben ist jetzt
kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
keine Karte, auf die man sich verlässt
Alles was wir haben ist jetzt

kein Seil, keinen Fallschirm, kein Netz
keine Karte, auf die man Alles setzt
Alles was wir haben ist jetzt
Alles was wir haben ist jetzt
Alles was wir haben ist jetzt
Wir haben nur jetzt

Regen und Meer – Es ist Juli

Regen und Meer (Juli)

Du bist nicht wie ich,
Doch das ändert nicht,
Dass du bei mir bist
Und ich zuseh‘ wie du schläfst.

Du bist noch längst nicht wach,
Ich war’s die ganze Nacht
Und hab‘ mich still gefragt,
Was du tust, wenn ich jetzt geh‘

Und dann verlass‘ ich deine Stadt,
Ich seh‘ zurück und fühl‘ mich schwer,
Weil g’rade angefangen hat,
Was du nicht willst und ich zu sehr.

Ich bin der Regen
Und du bist das Meer.

Ich hab‘ gedacht, ich kann es schaffen,
Es zu lassen, doch es geht nicht.
Is’n bisschen übertrieben,
Dich zu lieben, doch es geht nicht.
Nichts unversucht gelassen,
Dich zu hassen, doch es geht nicht.
Es geht nicht.

Ich bin nicht wie du,
Ich mach die Augen zu,
Und lauf blindlings durch die Straßen,
Hier bin ich, doch wo bist du?

Soll das alles sein?
Ich war so lang allein,
Es war alles ganz in Ordnung,
Ganz okay, und dann kamst du.

Und jetzt verlass‘ ich deine Stadt,
Ich seh‘ zurück und fühl‘ mich schwer,
Weil g’rade angefangen hat,
Was du nicht willst und ich zu sehr.

Ich bin der Regen
Und du bist das Meer.

Ich hab‘ gedacht, ich kann es schaffen,
Es zu lassen, doch es geht nicht.
Is’n bisschen übertrieben,
Dich zu lieben, doch es geht nicht.
Nichts unversucht gelassen,
Dich zu hassen, doch es geht nicht.
Es geht nicht.

Uh
Uh
Uh

Ich bin der Regen, du das Meer
Und sanfter Regen regnet leise.
Ich bin der Regen, du das Meer
Und sanfter Regen zieht im Wasser große Kreise.

Ich hab‘ gedacht, ich kann es schaffen,
Es zu lassen, doch es geht nicht.
Is’n bisschen übertrieben,
Dich zu lieben, doch es geht nicht.
Nichts unversucht gelassen,
Dich zu hassen, doch es geht nicht.
Es geht nicht.

Ich hab‘ gedacht, ich kann es schaffen,
Es zu lassen.

Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.

Mein Herz ist eine Insel

Ein weiterer Liedtext von Juli

Insel

Ein kleiner Fleck im großen Meer
Ein kleiner Punkt, so weit entfernt
Niemand der mich sucht
und niemand der mich hört
Niemand der mich kennt
und niemand der mich stört

Mein Herz ist eine Insel
auf einem blauen Meer
Mein Herz ist eine Insel
so weit von dir entfernt
Und dein Schiff fährt am Horizont entlang
Ein kleiner Fleck im großen Meer
Mein Herz ist eine Insel
Ich schau dir hinterher

Um mich herum weißes Rauschen
ich bin geblendet vom weißen Strand
Ich liege nackt unter Palmen
leg meine Hände in den heißen Sand

Und keiner kann mir sagen wo, wo meine Gedanken sind,

vielleicht ja irgendwo da draußen wo, wo die Sonne im Meer versinkt
wo die Sonne im Meer versinkt

Mein Herz ist eine Insel
auf einem blauen Meer
Mein Herz ist eine Insel
so weit von dir entfernt
Und dein Schiff fährt am Horizont entlang
Ein kleiner Fleck im großen Meer
Mein Herz ist eine Insel
Ich schau dir hinterher

Lalala
(Mein Herz ist eine Insel)
(Mein Herz ist eine Insel)

Mein Herz ist eine Insel
auf einem blauen Meer
Mein Herz ist eine Insel
so weit von dir entfernt
Und dein Schiff fährt am Horizont entlang
Ein kleiner Fleck im großen Meer
Mein Herz ist eine Insel
Ich schau dir hinterher

Mein Herz ist eine Insel
Lalala
Mein Herz ist eine Insel
Lalala
So weit entfernt