Vom Loslassen – ein Liedtext

Lass jetzt los (Orig.: Let IT go)

Der Schnee glänzt weiß
auf den Bergen heut Nacht,
keine Spuren sind zu sehen.
Ein einsames Königreich
und ich bin die Königin.
Der Wind, er heult so wie der
Sturm ganz tief in mir.
Mich zu kontrollieren,
ich hab‘ es versucht.
Lass sie nicht rein!
Lass sie nicht sehen
wie du bist. Nein!
Das darf niemals geschehen.
Du darfst nichts fühlen,
zeig ihnen nicht
dein wahres Ich!

Ich lass los, lass jetzt los.
Die Kraft, sie ist grenzenlos.
Ich lass los, lass jetzt los.
Und ich schlag die Türen zu.

Es ist Zeit, nun bin ich bereit!
Und ein Sturm zieht auf.
Die Kälte, sie ist nun ein Teil von mir.

Es ist schon eigenartig,
wie klein jetzt alles scheint.
Und die Ängste die in mir waren,
kommen nicht mehr an mich ran.
Was ich wohl alles machen kann.
Die Kraft in mir treibt mich voran.
Was hinter mir liegt ist vorbei,
endlich frei!

Ich lass los, lass jetzt los.
Nun bin ich endlich soweit!
Ich lass los, lass jetzt los.
Doch Tränen seht ihr nicht!

Hier bin ich, und bleibe hier!
Und ein Sturm zieht auf.

Ich spüre diese Kraft,

sie ist ein Teil von mir.
Sie fließt in meine Seele
und in all die Schönheit hier.
Nur ein Gedanke
und die Welt wird ganz aus Eis.
Ich geh nie mehr zurück,
das ist Vergangenheit!

Ich bin frei, endlich frei.
Und fühl mich wie neu geboren.
Ich bin frei, endlich frei.
Was war ist jetzt vorbei.
Hier bin ich, in dem hellem Licht.
Und ein Sturm zieht auf.

Die Kälte, sie ist nun ein Teil von mir.

Advertisements

Mein liebes inneres Kind,

ich schreibe Dir heute diese Geschichte. Ich muss Dich loslassen, aber es gelingt mir nicht. Bitte verzeih mir all den Schmerz, den Du meinetwegen ertragen musstest und noch immer musst. Lies meine Worte bitte aufmerksam und versuche, zu verstehen:

Ihr inneres Kind möchte gestreichelt werden, es möchte doch einfach nur mal gestreichelt und verstanden werden. Möchte, dass ihm jemand sanft über den Kopf streichelt, übers Haar streicht und sagt, „Ich verstehe Dich!“ und „Alles wird gut!“ Sie sehnt sich so sehr nach innerer Ruhe und innerem Frieden, zusammen mit dem Kind in ihr, das  einst so viele Verletzungen davon getragen haben muss.

Er kam ihrem inneren Kind so nah wie kein anderer zuvor. Er hat ihre Seele gestreichelt wie es niemand zuvor vermochte. Und doch blieb vieles unerreicht.

Ihr inneres Kind sehnt sich nach Liebe, so wie es Kinder nun einmal tun. Bedingungslose Liebe. Sie selber hat sich nach bedingungsloser Liebe gesehnt, auch danach, diese geben zu können.  Ihr inneres Kind sehnt sich wie alle Kinder danach, angenommen zu werden ganz so, wie es nun einmal ist. Immer wieder weint ihr inneres Kind bitterlich. Es ruft, doch niemand hört es, niemand kommt zu ihm. Es schreit vor lauter tief empfundenem Schmerz und manchmal schlägt es um sich, weil es sich hilflos fühlt und einfach nicht weiter weiß in all dem Schmerz. Wohin damit? Wohin mit sich? Aber es bleibt allein, unbeachtet. Es möchte doch einfach nur gesehen werden, auch etwas Aufmerksamkeit bekommen. Echte, die nur ihm gilt. Möchte den Schmerz darüber abschütteln können, nicht zu genügen. Immer wieder dieses, „Ich bin nicht gut genug. Ich genüge nicht!“ Es fühlt sich selbst all der Liebe nicht wert, die es zuletzt erfahren durfte. Wertlos, nicht liebenswert, innerlich hässlich. Es soll immer nur funktionieren, aber es funktioniert nicht, denn es lebt in seiner eigenen Welt. Und diese Welt ist noch immer voller Schmerz.

Er, der neue Mann in ihrem Leben, war nah dran an ihrem inneren Kind. Er hat selber so ein inneres Kind, das manchmal weint und tieftraurig ist. Das so voller Gefühl, vor allem aber von so viel Sensibilität und Verletzlichkeit geprägt ist. Sein inneres Kind sucht ebenso nach Liebe, Geborgengeit und Halt im Leben. Da sind auch tief verborgene Schuldgefühle, die auch ihr inneres Kind mit sich herum trägt. Er empfindet Schuldgefühle gegenüber denen, die so viel für ihn aufgaben und opferten, damit er es besser hat. Nun opfert er sich, um alles wieder gut zu machen. Und sie schaut zu, ist alleine und weint, rollt sich zusammen und sagt zu ihm, „Geh weg, Du erkennst mich auch nicht! Du willst mich auch nicht wirklich, bedingungslos.“

Sie kann nicht erwarten, dass der andere, der Mensch, mit dem sie nun fast auf den Monat genau 17 Jahre zusammen gelebt hat, nur einen Hauch von Mitgefühl mit ihr hätte, auch wenn er das selbst für sich einfordert. Er hatte dies in den ganzen letzten Jahren nicht. Er versteht bis heute nicht, dass er sie mit all dem, was er tat bzw. nicht tat, mit all dem, was er sagte bzw. auch nicht sagte, zutiefst verletzte. Immer wieder. Er konnte nie auch nur ein Fünkchen Verantwortung für die Situation bei sich selber suchen, er konnte nie „Entschuldigung“ sagen oder es von Herzen so meinen. Er konnte sie auch nicht wertschätzen für all das, was sie getan hat und was sie immer wieder weit über ihre Kräfte forderte. Da fehlten Worte, da fehlten Gesten. Da fehlte einfach die emotionale Unterstützung und das Verständnis, dass sie und ihr inneres Kind in den anstrengenden Zeiten gebraucht hätten. Und nicht nur in diesen. Und somit konnte auch sie immer weniger geben von all dem, was sie so gerne gegeben hätte. Er hat sie und ihr inneres Kind gar nicht beachtet. Dabei hat auch er so ein inneres Kind, doch schafft er es nicht, diesem aufmerksam zuzuhören. Wie also könnte er sich in einen anderen Menschen so weit hineinfühlen, wenn er es schon bei sich selber nicht schafft? Sie hatte ihn immer wieder drum gebeten, aber er konnte es nicht. Es war schlicht von ihr zu viel verlangt. Mühsam, darüber noch weiter nachzudenken. Sie tut es trotzdem immer wieder.

Sie hat ja in seinen Augen auch immer ausreichend funktioniert, hat zwei Kinder innerhalb von 25 Monaten auf die Welt kommen lassen. Hat heftige Schwangerschaftsbegleiterscheinungen und viel Schlafmangel weggesteckt. Sie hat immer schnell wieder den Job gemacht wie zuvor, fast wie zuvor. Sie hat versucht (!), alles mit so viel Perfektionismus anzugehen wie bisher, nur dass da nun auch noch zwei Kinder und die schier erdrückende Verantwortung für diese kleinen Menschlein hinzukam. Ihr inneres Kind hat lauter gerufen als je zuvor. Und noch weniger als je zuvor konnte es gesehen werden. Wenn da jemand gewesen wäre. Wenn er damals schon da gewesen wäre, dann… Vielleicht.

Und jetzt weiß sie nicht, was sie tun soll. Es wird nicht so werden wie es ihr inneres Kind und wie auch sie es bräuchte. Niemand da, der ihr über den Kopf streichelt und sagt, „Alles wird gut!“ und „Wir schaffen das gemeinsam, zusammen sind wir stark genug gegen den Rest der Welt!“ Sie weiß, dass auch ihm das gerade schwer fällt und ihm die Kraft dazu fehlt. Im Moment. Aber vielleicht auch für immer. Auch wenn er sie gesehen hat, mehr, als je ein Mensch zuvor sie sehen konnte. Weil er sich die Mühe machte, immerhin das. Sie wollte auch sein inneres Kind behutsam in den Arm nehmen, immer wieder. Sie wollte so vieles und will es noch immer. Zu viel. Das Herz war laut, ist es noch immer. Sie wollte viel zu viel, viel zu sehr. Sie hat diese Träume und muss sie nun endlich begraben, viel zu lange hat sie sich dagegen gewehrt, sie endlich zu begraben. Für immer. Und sie weiß nicht weiter. Wenn er doch nur käme, ihr über den Kopf zu streicheln und sagte, „Alles wird gut. Ich bin da und wir schaffen das gemeinsam! Einfach, weil wir uns lieben. Weil diese Liebe groß genug ist, um Berge zu versetzen. Wir werden allem trotzen, was sich uns in den Weg stellt. Gemeinsam.“ Aber das ist viel zu viel verlangt und das weiß sie, auch wenn sie selber schon lange bereit dazu ist.

– „Ihr seid ein echtes Dreamteam“, sagte der unwissende Freund gestern noch. Er meinte wohl nur das gemeinsame Mischen der Spielkarten.

 

(Dieser Text entstand nach drei extrem schlaflosen Nächten (2, 3 und 4 Stunden) und sehr viel emotionalem Kummer. Völlig fertig, sie wird versuchen, weiter zu funkionieren, weil sie es muss. Die Hoffnung stirbt immer noch zuletzt).

Ehegattensplitting – wie Frau an der Nase herumgeführt wird

Nach meinem letzten Beitrag zur Familienpolitik möchte ich heute noch einen Text von Juramama teilen. Es geht um das Ehegattensplitting, an dem die Politik noch immer festhält, obwohl es so gar nicht mehr in unsere heutige Zeit passt.

Eine kleine Leseprobe, ein wirklich guter Abschnitt, findet Ihr im unteren Zitat. Den ganzen Text findet Ihr hier. Lesen lohnt sich.

„Den kinderlosen Single-Onkel gab es nämlich schon immer und es gibt ihn bis heute. Er hat zwar auch 2018 keinen Splittingvorteil aus einer Eheschließung und muss seine 60.000 Euro Jahresgehalt höher versteuern als die junge Familie ihre 60.000 Euro Familieneinkommen. Aber er sammelt Dank unseres merkwürdigen Rentensystems ein Erwerbsleben lang ungestört Vollzeitrentenpunkte, die er dann im Alter bei fremden Kindern einlösen darf. Er hat zwar nur einen Teil des Generationenvertrages eingehalten, wird aber von den Kindern der nächsten Generation finanziell mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen durch das Alter getragen. Das ist sozial gerechtfertigt und geht freilich klar. Was aber nicht klar geht und noch nie klar ging, sind die Dank der staatlichen Subvention des Ehegattensplittings automatisch fehlenden Rentenpunkte der Mütter.

Mütter, ob nun verheiratet oder unverheiratet, sind die einzigen, die im Alter kaum etwas bei ihren eigenen Kindern einlösen können und es wird uns bis zum heutigen Tage allen Ernstes verkauft, dass das gerecht ist.“

Familienpolitik – viel zu oft für’n A…

Ich bin kein sehr politischer Mensch und zugegeben auch nicht allzu engagiert in dem Bereich. Ich halte mich in vielem meist raus und bin mehr so die stille Beobachterin. Aber ich verfolge natürlich politisches Geschehen, kann lesen und nachdenken, lese auch auf diversen Blogs über das Thema. Nicht nur schlummert seit Monaten ein angefangener Artikel zum Thema #carearbeitmusssichtbarwerden – initiiert durch http://www.mama-streikt.de – in meinem Blog-Speicher, auch das Thema Alleinerziehend ist nicht zuletzt durch mama-arbeitet.de und mutterseelesonnig (ihr neuester Blogeintrag passend zum Thema hier    in der Bloggerwelt ein Thema.

Ich bin auf dem Weg zur Alleinerziehenden. Ganz freiwillig gehöre ich zu den Frauen, von denen die Trennung vom Vater ihrer Kinder ausgeht. Dafür gibt es vielfältige Gründe, zu denen ich stehe und die ich jedem gerne zu erläutern versuche, der sich dafür interessiert.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ (G. C. Lichtenberg)

Natürlich mache ich mir so meine Gedanken als demnächst Getrennterziehende (ein Begriff, den ich für unser Situation einfach passender finde). Wie komme ich dann mit nur einem Gehalt über die Runden? Und auch wenn ich jetzt schon vieles alleine stemme, wieviel mehr an Belastung wird da auf mich zukommen? Und wie wird die neue Situation für die Kinder sein?

Familienpolitik in Zeiten gesellschaftlichen Wandels

Das Finanzielle ist so eine Sache und da sind wir am Punkt angekommen. Die Familienpolitik in Deutschland ist auch im Jahr 2018 noch immer für’n Arsch. Ehegattensplitting war bei uns nie ein Thema, wir verdienen beide gleich viel wenig, aber ich bin dennoch dagegen, drängt es Frauen und Männer doch in eine Rollenverteilung von anno 1958. Und bringt oft den Frauen große Probleme wie fehlende Rente im Alter oder Probleme, sollte der Brötchenverdiener wegfallen. Auch wenn sich manche Paare diese traditionelle Rollenverteilung gerne wünschen, sollten Frauen dabei besonders vorsichtig sein. Ich las erst neulich von einer Frau, deren Mann ihr unter anderem vorgaukelte, er würde ihre Altersversorgung mitfinanzieren. Als er weg war bemerkte sie, dass er sie allerdings nicht nur in diesem Punkt belogen und betrogen hatte. Gut, Extrembeispiel, ich geb’s zu.

Das Elterngeld ist ansich ja eine gute Sache. Ohne dieses hätten wir finanziell durch die Geburt der Kinder erst mal echt alt ausgesehen. So haben wir nicht all unser Erspartes (sofern man sowas hat) aufgebraucht, aber auch sicher nichts mehr zurück legen können. Aber was passiert danach in vielen Familien? Viel zu schnell werden vor allem Frauen wieder zum Gelderwerb gedrängt, die Kinder müssen dann oft in Einrichtungen betreut werden, die viel zu oft viel zu viel von ihrem oftmals bescheidenen Teilzeitgehalt verschlingen (noch geht Rheinland-Pfalz da mit gutem Beispiel voran. Hier zahlt man ab dem 2. Geburtstag des  Kindes nur noch für das Essen). Zumindest sammeln Frauen, die schnell wieder Maloche gehen, so noch ein paar Rentenpunkte an. Und sammeln dabei zu früh nach der Geburt gerne mal zusätzlich Burnout-Punkte.

Die Politik investiert nicht immer an richtiger Stelle

KiTa-Ausbau, Betreuung bis in die Nacht hinein? Ja, kann für den ein oder anderen nützlich sein. Aber wer will das wirklich, sein Kind abends aus dem Schlaf reissen, um es zu Hause erneut zu betten, wenn das denn überhaupt gelingt? Fitte Kinder um Mitternacht… Eltern brauchen bekanntlich keinen Schlaf! Betreuung bis 22 oder gar 24h ist z. B. in meinem Beruf nicht ausreichend. Ich bin als durch die Lande reisende Orchestermusikerin oft noch später daheim. Und Schulkinder sind noch mal ein Thema für sich. Die müssen (viel zu früh) morgens schon aus den Federn. Wenn ich dann an so manchen Tagen nur nachmittags und abends arbeite, habe ich nicht wirklich viel Zeit mit meinem Schulkind verbracht. Schlaf ist aber auch dann Mangelware. Lieber hätte so manche Mutter  (und auch mancher Vater, Tendenz steigend) mehr Zeit für seine Kinder, quality time – ohne nicht zu wissen, wovon man laufende Kosten bedienen soll. Ohne auf Teufel komm raus zu „vereinbaren“ und uns früher oder später in der totalen Erschöpfung wieder zu finden. Been there, know that… .

Warum zielt die Politik und somit die Arbeitswelt nicht noch mehr darauf ab, beide Eltern gleich viel Zeit mit ihren Kindern einzuräumen? Warum muss es immer noch Feierabend-Wochenend-Väter geben und Frauen, die nie wirklich zur Ruhe kommen können und das Gefühl haben müssen, für alles alleine verantwortlich zu sein?

Steuerrecht? Murks

Warum muss ich nach einer Scheidung von Steuerklasse 4 (und damit bin ich ja als Frau schon eher die Ausnahme,  siehe oben unter Ehegattensplitting) steuerlich in Steuerklasse 2 oder vielleicht 1 schlechter dastehen, warum muss ich meine Familienzuschläge als nun Unverheiratete abgeben, obwohl ich mit meinen Kindern nach wie vor eine Familie bilde, auch wenn ich mit ihrem Vater nicht länger verheiratet bin? Und das, wo mir ohne ihn ohnehin schon ein ganzes zweites Gehalt in der Familienkasse fehlt und ich dadurch ohnehin schon finanziell schlechter dastehe? Und von nun nur einem Gehalt alleine Hauskredit bzw. Miete, Nebenkosten, Auto etc. pp. unterhalten muss. Und ich jammere da sicher schon auf hohem Niveau. Ich werde bestraft, wenn ich nicht in einer Ehe Kinder groß ziehe, sondern ohne Trauschein –  diese kleinen Wesen, die einmal fleißig folgende Generationen mit Rentenbeiträgen beglücken sollen und für die ich auf so vieles verzichte, während sich kinderlose Paare und auch so mancher kinderlose Single die Hände reibt? Ungerecht ist das, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

„Aus finanziellen Gründen sollten wir uns nicht scheiden lassen“, sagte der Noch-Ehemann  zu mir. Da hat er wohl mal recht. Eine Scheidung ist teuer und erfreut die Anwälte. Der hauptsächlich dem Staat dienende Versorgungsausgleich oder auch das Verschieben von Rentenpunkten ist eine bittere Pille. Aber ich mag den Staat und unsere Arbeitgeber letztlich nicht hinters Licht führen (nicht zuletzt, weil ich klare Verhältnisse wünsche und die Möglichkeit erhalten möchte, wieder zu heiraten – weil man dann finanziell besser dasteht als in „wilder Ehe“, muhaha…).

Vielmehr wünsche ich mir eine gerechtere Unterstützung von unverheirateten und geschiedenen Eltern und auch Alleinerziehenden, die Kinder groß ziehen und dafür nicht nur Lob und Anerkennung verdient hätten. Selbst das allein fehlt schon viel zu oft.

„Hättest‘ halt nie geheiratet und keine Kinder gekriegt. Oder Dich nicht getrennt.“ – Stimmt, selber schuld. Was für eine armselige Argumentation.

 

2 Jahre danach – mein Leben nach dem #Burnout

Der 5.03.2016 war ein Samstag. Ich war – wie so häufig an den Wochenenden – mit den Kindern alleine. Mir ging es schon seit Tagen so schlecht wie nie, jede kleine Bewegung stellte einen Kraftakt meines Körpers dar. Dieser zitterte und brummte schon seit Wochen, ich war selbst zum Sprechen zu schwach, mir war schwindelig und ich war unendlich müde – und eben komplett erschöpft. Atmen war schwierig, ich musste mich schon sehr darauf konzentrieren und als ich in der Küche stand, fing plötzlich mein linkes Bein wie verrückt an zu kribbeln – einfach so. Es war geradezu unheimlich. Ich konnte mich so nicht mehr um meine damals 4- und 2-jährigen Kinder kümmern. Ich konnte an diesem Samstag Anfang März einfach nicht mehr!

Ich rief die Großeltern meiner Kinder an, ob sie sofort kommen könnten. Ein Glück, dass sie da waren. Dann rief ich mir einen Krankenwagen.

Heute vor genau 2 Jahren also wurde mir durch den „richtigen“ Arzt in der Notaufnahme, der weitsichtig genug war zu erkennen, was mit mir los war, geholfen. Daran sind andere vor ihm gescheitert, denn mein Burnout kündigte sich locker fast ein Jahr lang an, immer wieder. Denn immer wieder ging es mir auf für mich unerklärliche Weise schlecht. Totaler Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Zittern, immer wieder Herzrasen und Schwindelgefühle waren dabei beliebte Krankheitssymptome. Schlafen konnte ich auch schon lange nicht mehr gut, selbst wenn die  Kinder endlich mal schliefen. Ich schlief so selten mehr als 5 Stunden, eher weniger. Tagsüber war an Schlaf auch nicht zu denken. Wenn ich die Zeit doch mal hatte, lag ich nur dort und fand keine Ruhe. Meine stetige innere Unruhe trieb mich quasi immer weiter an. Ich war ein einziges Nervenbündel, das zu plötzlichen Heulanfällen und Wutausbrüchen neigte.

Immer wieder hatte ich mich sehr krank gefühlt, hatte das Gefühl, mein Kreislauf würde zusammen brechen. Und immer wieder diese komischen Atemprobleme. All das löste Ängste über ernsthafte Erkrankungen in mir aus. Panikattacken bis hin zur Hyperventilationstetanie waren die Folge.

Heute vor 2 Jahren war ein Wendepunkt. 11 Monate lang nahm ich ein Antidepressivum mit angstlösender Wirkung. Bis heute besuche ich regelmäßig eine Psychotherapeutin. Im Dezember letzten  Jahres hatte ich einen kleinen Rückfall. Morgen werde ich meine letzte Tablette mit Johanniskraut nehmen, das ich seit dem zur Unterstützung eingenommen habe, um über den dunklen Winter zu kommen.

Es hat sich seit diesem Tag vor 2 Jahren viel in mir getan. Die Erkenntnis, dass Selbstaufopferung für meine Familie und auch für meinen Job niemals der richtige Weg sein kann, weil es mich fast umgebracht hätte, ist eine davon. Dass ich einst die falsche Partnerwahl begangen habe und mein jahrelanger Trennungswunsch umgesetzt werden musste, um wieder zu mir zu finden – auch im Sinne der gemeinsamen Kinder – die andere. Ich bin noch mittendrin in einem Prozess, der viel Kraft braucht, aber ich bin voller Hoffnung und schaue zumindest die meiste Zeit zuversichtlich auf die kommenden Veränderungen in meinem Leben. Es kann nur besser werden, wenn ich wieder mehr ich selber sein darf, was nicht heißt, dabei meine Kinder aus den Augen zu verlieren – im Gegenteil. Aber nichts ist so schädlich wie das Verleugnen eigener Bedürfnisse. Ich bin jetzt wieder mehr bei mir, doch noch fehlt mir gerade für vieles die Motivation, ich denke und reflektiere zwar wie verrückt, aber es hilft mir, meine Themen zu bearbeiten. Ein großes Thema ist Schuld, selbstauferlegte oder von außen angenommene. Auch mein Selbstwertgefühl könnte besser sein. In vielen Punkten werde ich auch noch immer gerne getriggert und provoziert und es fehlt mir die nötige Portion Gelassenheit und „mir-doch-egal-Einstellung“, um besser damit umgehen zu können.

„Warum schreibt sie nur schon wieder vom gleichen Thema?“, wird sich der ein oder andere vielleicht fragen. Nun, mein Blogeintrag „Wenn Mama nicht mehr kann“ ist der mit Abstand am meisten geklickte Beitrag auf meinem Blog, dicht gefolgt von einem Nachfolge-Beitrag zum Thema. Auf diese Beiträge kommen die (vermutlich in erster Linie) Leserinnen durch Suchbegriffe wie Mütter, Erschöpfung, Kinder, Beruf, Vereinbarkeit oder auch schlicht Mama kann nicht mehr. Das zeigt mir, wie wichtig es wäre, dieser Problematik der erschöpften Mütter in der Öffentlichkeit mehr Beachtung zu schenken.

Übrigens: der dritthäufigste gelesene Beitrag auf meinem Blog ist dieser hier und bei den Suchbegriffe steht ganz klar im Vordergrund, warum Männer nicht aufräumen können oder die Frauen im Haushalt zu wenig unterstützt werden. Sogar die Frage danach, wie die Herren der Schöpfung das erlernen könnten oder wie man sie dazu bringt, mehr von sich aus zu tun, ist Anlass, die Suchmaschine zu aktivieren. Als wenn mir das nicht bekannt vorkäme… . Ich behaupte mal ganz frech, dass der Burnout der Mütter und zu wenig Unterstützung seitens der Väter irgendwie korrelieren – sofern Väter überhaupt nennenswert vorhanden sind. Ansonsten versteht sich der entstehende Zusammenhang wohl von selbst.

In diesem Sinne: achtet auf Euch und vergesst Euch bloß nicht selbst. Denn nur eine glückliche und zufriedene Mutter hat die reelle Chance, eine gute Mutter zu sein! 

 

Die kleine Schnecke – eine Art Metapher

Es war einmal eine kleine Schnecke, die oft traurig war, weil niemand sie zu verstehen schien. Die Welt um sie herum erschien ihr oft viel zu groß und zu laut und sie fand sich nur schwer darin zurecht.

Schneckenhaus, Schnecke

(Bild: pixabay.com)

Wieder einmal saß sie in ihrem Häuschen, die kleine Schnecke. Ganz alleine und einsam. So oft schon streckte sie ihre zarten Schneckenfühler nach draußen, ganz zaghaft und vorsichtig, um nur erneut einen auf ihre empfindlichen Antennen zu bekommen. Sie konnte es nicht leiden, wie sich manche einen Spaß daraus machten, ihr auf die Äuglein zu tippen. Das tat so weh, aber keiner schien das zu verstehen. Dazu dann diese unsäglichen Schneckenrennen, da wollte sie einfach nicht mehr mitmachen. Was dachten sich die Kinder eigentlich bei diesem blöden Spiel? Und erst die anderen Schnecken mit ihrem Gehabe, wollten immer die schnellsten und besten Schnecken sein und anderen ihren Willen aufzwingen. Was immer die kleine Schnecke auch tat, in den Augen vieler Schnecken machte sie doch bloß immer alles falsch. Selten hörte sie ein liebes, wohlgesonnenes Wort oder gar ein Wort des Lobes und der Anerkennung. Dabei wollte sie nur ein klein wenig Verständnis dafür, dass sie eben nicht alles genauso machte wie die anderen. Ein bißchen kleiner, ein bißchen empfindsamer zu sein als diese Rennschnecken, war das wirklich so verkehrt? Sie wollte die Dinge endlich auch mal auf ihre Weise tun, ohne dafür nur kritisiert zu werden.

Irgendwann hatte sie einfach genug von all dem Schmerz und der Enttäuschung. „Ich bleibe jetzt für immer in meinem Haus und komme nicht mehr raus!“ sagt sie sich. Und so saß sie da und hatte es ganz dunkel um sich herum, gemütlich und warm. Nach einiger Zeit spürte sie auch den Hunger nicht mehr so sehr. So war es gut. Niemand da, der sie ärgern oder wütend machen konnte. Niemand, der ihre Bedürfnisse abtat, als dürfte es diese nicht geben. Und niemand, der sie beobachtete und ihren Weg zu kontrollieren versuchte. Hier in ihrem Schneckenhaus konnte sie ganz sie selbst sein. Hier fühlte sie sich geborgen und sicher.

Und was konnte sie dafür, dass sie so eine verletzliche Seite hatte und so eine sensible Schnecke war? All die Verletzungen in ihrem Leben hatten sich angehäuft, aufgetürmt zu schier unüberwindbaren Bergen und taten zu oft weh. Es war ja auch niemand da, der sie verstand oder gar fühlte wie sie. Das gab ihr immer wieder das Gefühl, anders zu sein, falsch und verkehrt in dieser viel zu großen, schnellen Welt. Sie konnte und wollte da nicht mithalten oder werden wie die anderen.

Schnecken, Liebe, Tier, Fühler

(Bild: pixabay.com)

Doch eines Tages hatte die kleine Schnecke genug von all der Dunkelheit und dem Eingegrabensein in sich selbst. Vorsichtig lugte sie aus ihrem Haus hervor, erst mit dem einen Auge, dann mit dem anderen. Schließlich zog sie mutig ihren ganzen Körper nach draußen und blinzelte in die Sonne. Was für ein herrlicher Frühlingstag sie da erwartete, der Duft war betörend und erinnerte sie an frühere Zeiten, als sie noch eine junge, hoffnungsvoll gestimmte Schnecke war. Sie schaute sich ein wenig um und sah plötzlich, nur wenige Schneckenmeter von sich entfernt, eine andere Schnecke. Die sah ihr sogar ähnlich, wirkte so erstaunlich vertraut. Die kleine Schnecke gab sich einen Ruck, doch dann zögerte sie. Die andere Schnecke hatte sie gesehen, schaute zu ihr herüber und lächelte. Was für ein unglaubliches Schneckenlächeln! Die Fühler in die Richtung der kleinen Schnecke gestreckt, bewegte sich diese Schnecke ein winziges Stück weiter. „Hab keine Angst“, sagte die kleine Schnecke zu sich, „sie scheint Dir ganz ähnlich zu sein. Sie ist eine von Dir!“ Beide Schnecken rutschten nun langsam und vorsichtig aufeinander zu. Die kleine Schnecke zögerte immer wieder, aber das Lächeln der anderen animierte sie, weiterzuziehen, es schien ihr so vertraut. Und dann, nach einer kleinen Ewigkeit, standen sie direkt voreinander.

„Wir kennen uns doch von irgendwo her“, sagte die anderen Schnecke und lächelte wieder. – „Ich…ich w..weiß nicht“, antwortete die kleine Schnecke zögerlich. – „Doch, ich hab Dich schon mal gesehen! In meinem Traum. Das warst genau Du. Und Du sahst so anmutig aus mit Deinen langen großen Augen und dem Häuschen auf Deinem Rücken. Ist es sehr schwer?“„Es geht, gerade kommt es mir irgendwie leicht vor. Mh, Du kommst mir auch bekannt vor.“ 

„Sag, wo warst du so lange?“, fragte die andere Schnecke. – „Ich war in meinem Haus, traurig und verunsichert.“ – „Oh, das tut mir leid. Aber jetzt, wo wir uns endlich gefunden haben, könnten wir doch den Weg gemeinsam fortsetzen. Schau, da hinten sind die schönsten Salatblättet, die Du Dir nur vorstellen kannst.“ – „Ok. Ähm, warte!“ – „Ja?“ Die andere Schnecke schaute die kleine Schnecke liebevoll an. – „Ich habe etwas Angst. Man hat mir oft weh getan.“ – „Ja, ich weiß. Ich kenne das Gefühl zu gut. Und viele andere Gefühle auch. Bitte glaube und vertrau‘ mir, ich will Dir nichts Böses. Jetzt sind wir doch zu zweit und können uns gegenseitig Halt geben. Hab keine Angst mehr.“

Nun lächelte auch die kleine Schnecke immer mehr, aber dann fiel ihr noch etwas ein: „Es könnte sein, dass ich von Zeit zu Zeit wieder mehr Angst bekomme und mich dann in mein Schneckenhaus zurückziehe. Manchmal fühle ich mich vielleicht verletzt, obwohl Du mir ja gar nichts Böses wolltest. Ich bin einfach oft traurig, weißt Du.“ –

„Bitte mach‘ Dir nicht so viele Gedanken darüber. Du bist so eine unglaublich tolle Schnecke und ich passe von nun an auf Dich auf! Alles wird gut und wir werden auch die schweren Zeiten gemeinsam überstehen“, antwortete die andere Schnecke. Dass sie selber manchmal ein wenig Angst hatte, erwähnte sie lieber nicht.

Und so zogen beide Schnecken glücklich miteinander durch das Gras und erzählten sich aus ihrem Leben, erzählten von ihren Träumen und Hoffnungen und stellten immer wieder fest, wie ähnlich sie sich doch waren. Und das war gut so!

Und dann war die kleine Schnecke plötzlich ganz mutig und sagte, „Du, ich würde gern mal ans Meer. Meinst Du, wir könnten vielleicht zusammen…?“

Schnecken Schneckenhaus Schneckenhäuser Sc

(Bild: pixabay.com)

Hab keine Angst – Songtext

Vor einem Dreivierteljahr habe ich zufällig die Musik von Philipp Poisel für mich entdeckt. Da ich nicht wirklich immer up to date bin, was Musik angeht, hinke ich oft schon mal in der Aktualität hinterher. Allerdings interessiere ich mich generell nicht so sehr für die aktuellen Charts.

Das Projekt Seerosenteich ging schon 2012 live über die Bühnen. Die zwei CDs dazu sind für mich einfach weltklasse gut, wunderbar arrangiert -sogar mit Streichquartett. Ich mag die Musik, ich mag vor allem aber auch die Texte von Poisel. Er berührt damit meine melancholische Seele. Hier ein weiterer:

HAB KEINE ANGST (Lied von Philipp Poisel)

Hab keine Angst vor morgen
Hab keine Angst vor dir
Mach dir nur keine Sorgen
Ich schlafe neben dir
Heut Nacht

Lass mich rein
Lass mich rein
Lass mich rein
Lass mich rein

Bevor ich noch erfriere

Lass es sein
Lass es sein
Lass es sein
Lass es sein

Muss nicht sein
Dass ich das kapiere

Weine
Weine
Weine
Weine

Soviel und solange du willst

Wenn du brauchst
Lass ich dich auch alleine
Bis der Schnee auf den Gehwegen schmilzt
Ich verjage alle Geister
Und die Dämonen schick ich fort
Leg den Kopf an meine Schulter
Es ist der weltsicherste Ort

Hab keine Angst vor morgen
Hab keine Angst vor dir
Mach dir nur keine Sorgen
Ich schlafe neben dir
Heut Nacht

Weine
Weine
Weine
Weine

Soviel und solange du willst

Es gibt
Keine
Keine
Keine
Keine

Regeln
Bis der Schnee schmilzt
Ich verjage alle Geister
Und die Dämonen schick ich fort
Leg den Kopf an meine Schulter
Es ist der weltsicherste Ort

Hab keine Angst vor morgen
Hab keine Angst vor dir
Mach dir nur keine Sorgen
Ich schlafe neben dir
Heut Nacht