Das war er – unser Sommer 2016

Endlich Frühling. April, April, April, April… also unbeständiges, von Abwechslung und viel Regen geprägtes Wetter. Sommer? Wurde es mal warm, dampfte man sofort ob der hohen Luftfeuchtigkeit. „Irgendwann gibt’s hier wieder Dinosaurier“, scherzte ich.

Aber am Ende des Sommers wurde doch noch alles anders… viel zu heiß. Über 30 Grad Celsius brauche ich Nordlicht nicht. Gerade höre ich durch’s offene Fenster die Grillen zirpen. Und der Sonnenuntergang war gerade so lange so schön. Aber heute (30. August) ist auch der erste Tag, wo ich den Herbst zum ersten Mal in diesem Jahr sehr deutlich gespürt habe. Ich spüre das normalerweise, wenn die Jahreszeit wechselt. Und zu übersehen ist es auch nicht mehr, denn die Bäume und Sträucher verändern bereits ihre Farben und werden gelb und braun und rot.

Fortsetzung…

Und dann kam er noch einmal zurück, der Sommer 2016, und wir schwitzten erneut bei über 30 Grad. Der vor einigen Tagen erfolgte Kälteeinbruch kam plötzlich. Eine herbeigesehnte Abkühlung, aber doch bitte nicht derart krass, sodass die Gewöhnung wohl etwas dauern wird. Vorbei ist vorbei. Mir ist kalt! Der Herbst ist zu sehen und zu spüren. Und doch, ich weiß nicht warum, aber mein „Herbstgefühl“ ist in diesem Jahr weniger deutlich als sonst. Woran liegt das? Gehörte diese Jahreszeit doch immer zu meiner liebsten im Jahr. Aber der letzte Herbst war nicht gut und ich scheue die dunkle Jahreszeit wie nie zuvor, aus Angst vor der erneut fehlenden Energie durch fehlendes Tageslicht… .

Familiensommer

Was haben wir gemacht? Nach dem wir bereits im Mai verreist waren, entschieden wir uns letztendlich für einen ruhigen Sommer ohne große Reise. Das Hotel Mama brachte uns Eltern kleiner Kinder im August gleich zwei Mal etwas Entspannung. Dazwischen schuffteten wir im eigenen Garten und im Haus, richteten das Zimmer von KindNr. 2 her – endlich, und ich räumte viel auf und um. Das hatte ich schon lange erledigen wollen. Zwischendurch feierten wir noch einen Kindergeburtstag. Ausserdem blieb Zeit für zwei Schwimmbadbesuche, viel Zeit im Garten mit Planschbecken und Hängematte und im September war sogar noch ein Tag im Zoo drin. Ich denke, in der Hinsicht war es ein gelungener Sommer und manchmal ist weniger ja durchaus mehr. Überhaupt reden wir hier vom ersten Sommer seit 5 Jahren, wo ich bzw. wir als Eltern durchaus mal 5 ruhige Minuten im Garten hatten, während die Kinder spielten. Kein ständiges Hinterherrennen und Aufpassen mehr. Bis auf die Geschwisterstreitigkeiten, aber zumindest besser als die Jahre zuvor.

Die Hälfte einer Hängematte und Beine, dahinter der Baum, an dem sie befestigt ist

So hängt Mama am liebsten im Garten ab (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Zeit zu zweit

Dieser Sommer brachte weitere Neuigkeiten. Wir haben es endlich einmal gewagt, unsere Kinder gemeinsam „fremdübernachten“ zu lassen. Wir waren auf einem Konzert und ohne Kinder eine Nacht im Hotel. Wir waren Tanzen und konnten am nächsten Tag ausschlafen. Wir haben sogar eine kleine Radtour mal ohne Kinder gemacht und waren desweiteren chique essen. Es geht also bergauf, und das Leben macht auch abseits der Kinder wieder mehr Freude. Der sog. Ausgleich stimmte in diesem Sommer zum ersten Mal seit Jahren auch für mich wieder.

Die Schattenseiten

Leider hat mir der Sommer und die kürzeste Nacht des Jahres auch meinen Vater genommen link. Das war hart und klingt natürlich bis heute und noch für lange Zeit nach. Aber ich schaffte es, nach meinem schweren Burnout-Syndrom wieder auf die Beine zu kommen und flog sogar dienstlich über den „Großen Teich“. Seit dem sind Mittagsschlaf und Hausarbeit ignorieren meine neuen Lieblingsdisziplinen. Die Gesundheit geht vor – zu jeder Jahreszeit.

Noch liegen mehr als 3 Monate des Jahres 2016 vor uns. Ein Fazit ist sicherlich, dass es mal wieder verdammt schnell ging, mit dem Sommer und dem Jahr insgesamt. So spielt das Leben eben! Bleibt gesund!

 

Woran wir erkennen, dass wir alt sind

Ab wann gilt man in der heutigen Zeit als alt? Sind wir es bereits mit 30? Oder doch erst mit 40? Als ich die 30 überschritten hatte, dachte ich mit Grausen an die 40. Nun denke ich mit Grausen an die 50. Und wenn ich sehe, wie schnell – gefühlt – die letzten 10 und sogar 20 Jahre vergangen sind, dann wird es mir Bange. Die Hälfte ist um – mindestens.

Über das Älterwerden (von Wilhelm Busch)

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär‘.

Doch schon mit 18 denkt er: „Halt!
Wer über 20 ist, ist alt.“
Warum? Die 20 sind vergnüglich –
auch sind die 30 noch vorzüglich.

Zwar in den 40 – welche Wende –
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh‘!

Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
„Ich schaff‘ die 80, so Gott will.“

Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.

Doch hat die Mitte 90 man erreicht
– die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: „Na – vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!“

Ich denke, Wilhelm Busch, einer meiner Lieblingsautoren und -aphoristiker, hat es ganz gut getroffen, was die meisten von uns bewegt, wenn es um das Thema Alter geht.

Wir befinden uns jetzt also in der Mitte des Lebens, also ich und viele der Menschen, mit denen ich meine Kindheit verbracht und gemeinsam die Schulbank gedrückt habe. 20 Jahre sind nichts, das konnte ich auch an diesem Wochenende wieder feststellen, als ich einem Zusammentreffen mit Menschen, die ich 20 Jahre und teilweise noch länger nicht mehr gesehen, geschweige denn gesprochen habe, beiwohnen durfte.

Auch bei meinem Abi-Treffen im vergangenen Jahr erlebte ich das Phänomen des „als-wäre-es-erst-gestern-gewesen“, obwohl irre viel Zeit dazwischen lag. Wie kann es sein, dass das Abitur schon so lange her ist wie das Alter, das man beim Bestehen dieses überaus gefragten Schulabschlusses überhaupt erst inne hatte? (Wenn überhaupt).

Es gibt ab einem bestimmten Alter durchaus noch anderen Gründe, um ein Treffen mit alten, äh also früheren Weggefährten zu veranstalten bzw. zu besuchen. Die Silberne Konfirmation ist ein solcher.

Damals vor unendlich langer Zeit

Im Frühjahr 1992 habe ich mein Elternhaus und Heimatdorf verlassen. Nur 3 Jahre zuvor hatte ich dort noch meine Konfirmation erlebt. Man machte das halt so. Wir Dorfkinder (und Kinder der 70iger Jahre) waren in der Regel alle getauft – in einer vorwiegend protestantischen Gegend. Die Konfirmation war nur eine logische Weiterführung und somit ein Brauchtum, dem der ein oder andere auch wegen der zu erwartenden Geldgeschenke gerne nachkam. Hinterfragt wurde das „weil-es-alle-machen“ häufig erst viel später. Also latschte auch ich zwei Jahre lang jeden Donnerstagnachmittag in das dorfeigene Pfarrhaus zum Konfirmandenunterricht und erlebte dabei gleich zwei Pfarrer, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der dazugehörige sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in der Dorfkirche wurde für mich dabei zur Farce. Zur gleichen Zeit probte nämlich der Musikzug des Dorfes, wo ich schon damals gerne in mein Instrument blies – lieber jedenfalls, als mit Dorfmitgliedern jenseits der 70 das Vaterunser zu beten. Das gab Ärger.

Aber im Frühjahr 1989 hatte ich es doch geschafft und wurde als vollwertiges Mitglied in die evangelisch-lutherische Kirche aufgenommen. Im Jahr zuvor hatten sich meine Eltern getrennt, meine Konfirmationsfeier war daher eines bestimmten Zaubers beraubt worden. Und auch geldmäßig kam ich wesentlich schlechter weg als so mancher Mitkonfirmand mit vermögenden Großeltern. Sei’s drum, für ein neues und überhaupt eigenes Instrument reichte es. Das habe ich zwar heute nicht mehr, dafür aber noch einige meist schlicht weiß gehaltene Handtücher im Schrank, die damals auch an mich überreicht wurden.

Sie haben Post!

Und dann kam im Frühjahr ein Brief eines ehemaligen Mitschülers und eben Mitkonfirmanden in meinem heutigen Zuhause an. Die Einladung zur Silbernen Konfirmation umfasste gleich sechs Jahrgänge. Ich überlegte, ob ich hingehen sollte. Immerhin lebe ich schon lange nicht mehr in diesem Dorf und war damals nicht gerade freudig dort verabschiedet worden. Im Gegenteil. Im Musikverein hatte man mich „rausgemobbt“, genau wie aus meinem Elternhaus. Aber ich war neugierig auf die Leute von früher.

 

Das Bild zeigt ein Abbild Jesus Christus, darüber steht Silberne Konfirmation

Das Bild auf der Urkunde, die jedem silbernen Konfirmanden überreicht wurde (Bildrechte: DieverlorenenSchuhe)

Dieses Wochenende war es also soweit. Und es war schön. Neben einem gemeinsamen Samstagabend im Wirtshaus gehörte ein Gottesdienst in der altvertrauten Kirche zum Programm. Und diese Kirche, welche ich seit eben dieser Konfirmation im Alter von knapp 14 Jahren nicht mehr betreten hatte (zumindest erinnere ich mich nicht an weitere Besuche) hat sich im Grunde nicht verändert. Gut, es gibt neue Gesangsbücher, und der Schriftzug auf dem Bogen vor dem Alter steht nun in moderneren Buchstaben dort, aber sonst alles ist gleich geblieben. Selbst der Wandteppich ist noch da, den ich während so mancher langweiliger Stunde dort angeschaut hatte.

Back to the roots

In dieser Kirche wurde ich getauft, hier fand mein Einschulungsgottensdienst statt und natürlich die Konfirmation meines acht Jahre älteren Bruders. Hier besuchte ich zumindest zur Zeit des Konfirmandenunterrichts den Gottesdienst am Heiligen Abend (meine Jungspuppe war beim Krippenspiel das Jesuskind!) und hier spielte ich unzählige Male das Blumenmädchen für heiratende Verwandtschaft und auch Nicht-Verwandtschaft (manche davon inzwischen wieder geschieden). Diese kleine Dorfkirche ist mir vertraut. Ebenso wie viele der inzwischen gealterten Gesichter von damals. Als hätte es diese lange Zeit dazwischen nie gegeben.

Erstaunlich viele der Anwesenden wohnen noch in diesem Dorf oder in einem der Dörfer drum herum. Ich hatte, so wurde immer wieder betont, von allen Anwesenden mit meinem über 300 Kilometern die weiteste Anreise. Und mein absolutes, persönliches Highlight: ich habe meine ehemals beste Freundin nach 20 Jahren wieder getroffen. Mit ihr hatte ich gar nicht gerechnet (und auf meine allererste beste Freundin gehofft, die aber nicht kommen konnte). Ach, was war und ist das schön! Ich bin so froh. So oft habe ich an sie gedacht und mir gewünscht, dass wir wieder in Kontakt treten. Sie immerhin wohnt seit über 20 Jahren in der 50 km entfernten Universitätsstadt. Was haben wir doch früher viel Zeit miteinander verbracht. Sie war mein Anker in schwierigen Zeiten und sie war mein Vorbild. Und sie ist noch immer diese überaus tolle Person – und redet und gestikuliert noch wie damals.

Ein Wochenende, das gut tat

Ja, als wäre die Zeit dazwischen nicht gewesen, mehrere Jahrzehnte, die wie im Fluge vergingen, aber viele gemeinsame Erinnerungen, die nach wie vor präsent sind oder wieder im Gespräch hervorgeholt wurden. Und für mich schön, bei dem ein oder anderen den dorfeigenen „Slang“ herauszuhören, den ich auch von meinem Vater kannte.

Wir sind alt geworden, aber noch nicht zu alt, um gemeinsam Spaß zu haben und wir spüren noch ein wenig von dem Zauber unserer Kindheit in diesem kleinen, beschaulichen Ort. Die Kinder der meisten sind bereits im konfirmationsfähigem Alter. Verrückt! An den Kindern, da merkt man auch sehr gut, wie die Jahre dahin rasen.

Auf das man den ein oder anderen wiedersieht – noch bevor die Goldene Konfirmation ansteht. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, so als „weiteste Konfirmandin von damals“!😉

P. S. Ich habe sicher ein gutes Gedächtnis für Gesichter, aber mit Namen – erst recht nach so langer Zeit, habe ich es einfach nicht so.

Paarzeit als Eltern

Was vielen kinderlosen Paaren ganz selbstverständlich erscheint, kann für ein Paar mit (kleinen) Kindern ein echter Kraftakt werden: wie findet man Zeit für sich selbst und Zeit für sich als Paar?

Dazu gehören gemeinsam verbrachte Abende, sei es auf der Couch zum Film schauen, ein gemeinsamer Kinoabend, ein schönes Abendessen in einem Restaurant, Tanzen oder ins Konzert und in die Oper gehen – was man eben immer so ganz gerne gemacht hat. Auch das Ausschlafen an freien Tagen, gemeinsame Urlaube voller Erlebnisse und Enspannung standen bei uns jahrelang (!) nicht mehr auf dem Programm. Oder nur äußerst selten und erst Recht nicht für beide Partner gleichzeitig. Denn da wir auch häufiger abends arbeiten müssen und dann einen Babysitter brauchen (in unserem Fall zum Glück OmaOpa), wollten wir nicht auch noch zusätzlich zu oft weg sein, um mal etwas gemeinsam zu tun. Und Fernsehen – ich persönlich gucke das nur noch ganz selten, und wenn, dann nur ausgesuchte Filme ohne Werbung. Aber selbst dafür fehlte oft Zeit und Kraft (Kinder schlafen eben nicht immer Punkt 20:15 Uhr) und man war froh, wenn man selber einfach nur noch ins Bett fallen konnte – zum Schlafen wohlgemerkt!

„Irgendwann wird es wieder anders“

Aber inzwischen haben auch unsere Kinder ein Alter – nämlich 5 und 3 Jahre – erreicht, in dem sie sogar gemeinsam eine Nacht bei OmaOpa verbringen können. Dieses Experiment haben wir in diesem Sommer gleich 2 x gemacht. Beim ersten Mal gönnten wir uns ein Rockkonzert mit anschließender Nacht im einer schönen Hotelsuite. Beim zweiten Mal sind wir ganz banal Tanzen gegangen. Mir persönlich hat das sehr gut getan, obwohl ich – in meinem Alter ist das wohl so – am nächsten Tag doch etwas erschöpft und müde war. Aber Abzappeln und nachts um 2 Uhr erst ins Bett gehen und dann schlafen bis kurz vor 10 Uhr (natürlich war ich zu gewohnter Zeit um 6 Uhr erst mal eine Weile wach), das war schon etwas absolut Besonderes. Anschließend im Bett frühstücken und gemeinsam ein entspannendes Bad nehmen, was kann es Schöneres geben, um einmal dem anstrengenden (Kinder-)Alltag zu entfliehen?

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Die über 20 Jahre alten (Tanz-)Schuhe ausgepackt und los ging’s! (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Und das schlechte Gewissen?

Ja, das hatte ich viel zu lange und viel zu lange viel zu sehr. Aber ich habe den Eindruck, dass es den Kindern nicht schadet, wenn sie alle paar Monate einmal ohne uns schlafen. Und wir Eltern gehen zumindest psychisch / seelisch unheimlich gestärkt aus unserer gemeinsamen Zeit heraus. Vor allem in Hinblick darauf, dass unsere Beziehung ernsthaft unter all den Belastungen der letzten Jahre gelitten hatte, ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, den ich – sofern organisatorisch möglich – nur allen Elternpaaren weiter empfehlen möchte. Gerade nach meinem Burnout vor einem halben Jahr, der mich über Wochen bettlägerig hatte werden lassen, tut es mir sehr gut, wieder etwas mehr an mich zu denken und Dinge zu tun, die mir abseits von meinen Kindern Freude bereiten, sei es alleine oder mit meinem Mann.

Liebe Eltern! Denkt also auch an Euch! Verliert Euch selber nicht ganz aus den Augen, damit es nicht nur Euren Kindern, sondern letztendlich Euch selbst gut geht!

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Ein Caipi durfte an diesem Abend auch nicht fehlen!   (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

 

 

Wir feiern Kindergeburtstag – Eine (Horror-)Story in 3 Akten

Ouvertüre

Die Gedanken arbeiten. KindNr. 1 hat bald Geburtstag. Ohje. Eine kleine Feier gab es damals zum 3. Jahrestag. Damals mit 2 Gastkindern, deren Familienangehörigen und somit irgendwie erträglich. Beim 4. Geburtstag habe ich mich gedrückt. Sommerferien (dieses Kind wird zu 95 % immer in den großen Ferien jubilieren – ich jubele darüber nicht, denn es macht die ganze Überlegung des „Wann-wird-gefeiert-und-mit-wem-und-wie-und-überhaupt“ noch komplizierter) und meine Erschöpfung ließen mich im letzten Jahr einfach keinen Zugang zu dieser gefürchteten Veranstaltung finden. Dieses Jahr muss ich wohl! Aber wann? Selbst der Kindergarten hat noch Ferien, wenn der Sohn Geburtstag hat. Also verschieben. Wann arbeitet der Mann denn einmal nicht am Wochenende? Große Ratlosigkeit. Wir entscheiden uns schlußendlich für ein Datum, es ist ein Sonntag, der Kindergarten dann schon wieder eine Woche am Laufen. Vielleicht klappt’s.

Zum Glück läuft es gut mit den Geburtstagsgeschenken für das Kind. Ich hatte eine gute Idee und der Mann den Autrag, diese umzusetzen.

1. Akt – Die Vorbereitungen

Nach dieser Entscheidung schreiben (Mama) und bemalen (Kind) wir Einladungskarten, die ich eigenhändig aus hellblauem Tonpapier geklöppelt ausgeschnitten habe und verteilen diese noch rechtzeitig (!) im Kindergarten. Ich habe eine Deadline für die Eltern gesetzt, bis zu welcher tatsächlich alle geladenen Kindergartenkinder zusagen (das eine extern geladene Kind ist im Urlaub) – plus Anhang wie die Mütter, ein Vater und einige Geschwisterkinder. Ich finde es in dem Alter ok, dass die Eltern noch dabei sind, und es nimmt mir den Horror, wie mein Mann und ich alleine auf so viele Kinder aufpassen und diese unter Umständen beschäftigen sollen. Bleibt nur die nächste Frage: wo bringen wir all diese Personen unter, und wie sieht es mit der Verköstigung aus? Die meisten waren auch noch nie bei uns. Das macht es für mich zusätzlich spannend.

Mama machst sich von nun an Gedanken. Hoffentlich spielt das Wetter mit. Eine schiere Horrorvorstellung, all diese Menschen im Haus zu haben, während es draußen wie aus Kübeln gießt (was im Sommer 2016 ja schon mal vorkommen kann). Was soll gebacken und gekocht werden? Was braucht man an  Getränken? Und wie sieht es hier eigentlich aus? Seit einem Dreivierteljahr hat niemand die Fenster geputzt. Der verregnete Sommer hat Büsche und Unkraut bis in den Himmel wachsen lassen. Und niemand hatte Lust und vor allem Zeit (oder umgekehrt), das Zeug zu zähmen.

Zwischenspiel

Ich werde dauernd gefragt, was sich das Kind wünscht. Ist gar nicht so einfach. Meiner Ansicht nach hat er alles, und teure Vorschläge möchte ich natürlich nicht machen. Zum Glück fallen mir am Ende und rechtzeitig noch ein paar Sachen ein. Jedenfalls finde ich die Dinge, die er bekommen hat, ziemlich ok.

2. Akt – es wird konkreter

Außerdem mache ich mich auf, um Zeugs für die Kinder zu kaufen. Also etwas, was man als Mitgebsel in Tütchen füllen kann. Eine große amerikanische Spielzeugladenkette wird mein Anlaufpunkt. Ich entscheide mich für Zeugs von der Eiskönigin Elsa & Co. für die zwei Mädels und meinen Sohn und für Krams, was mit Autos zu tun hat, für die Jungs. Die Süßigkeiten werden mit dem Großeinkauf besorgt. Außerdem gibt es noch Feuerwehrmann Sam und die bereits erwähnte Frozen-Mannschaft auf völlig überteuerten Servietten. Drei Tennisbälle sollen als Wurfgeschosse für die 10 Dosen… Moment, ich habe bisher nur 9 leere Dosen. Da muss wohl noch eine Dose Ananas geöffnet werden. (Ich mache äußerst selten Dosen und dann noch in dieser Größe auf, aber was muss, das muss). Notfalls kann ich auch noch auf Eierlaufen zurück greifen, denn ich habe zwei Holzeier, die hier normalerweise unter der Rubrik Percussion-Instrumente laufen. Dazu zwei große Löffel, et voilà. Topfschlagen? Sehe ich am Ende von ab.

Wir organisieren Partytische und Bänke und tätigen einen Großeinkauf, der nicht nur einige Stunden Zeit in Anspruch nimmt (vom Zusammenstellen des Einkaufzettels mal ganz abgesehen), sondern dessen Endpreis an der Kasse im dreistelligen Bereich mit – ich zähle jetzt auch mal die anderen Besorgungen dazu – einer 3 davor, mich doch etwas schwindelig werden lässt. Genau so wie der Preis der Fensterputzer, die in nur einer Stunde und leider ziemlich oberflächlich alle unsere Fenster putzen. Nun ja, zumindest kann man jetzt erst einmal wieder durchgucken und die Gäste erhalten somit vielleicht einen besseren Eindruck von meinem Sinn für Sauberkeit.

Showdown. 1 1/2 Tage verbringe ich in der Küche. Ok, ohne Kinder hätte es etwas weniger lange gedauert.Aber ohne Kinder hätte ich das auch nicht gemacht. (Ich selber feiere nämlich nie meinen Geburtstag). Ich stelle 3  Kuchen und ein zwei Blech Muffins her, außerdem Pizza-Muffins (was für ein Aufwand, was für ein Gematsche), zwei Salate und eine sauleckere Tomaten-Knoblauch-Butter sowie Pizzabrötchen. Mixie sei Dank! Desweiteren soll es am Abend kleine Bouletten (self-made), panierte Hühnerstückchen und kleine Bratwürstchen geben. Die kann man schnell noch nebenbei brutzeln, während einem die Kinder die Bude verwüsten. Und die Oma bringt auch noch Kuchen und Salat mit.

Dies war sicher der anstrengendste Teil von allem, aber ich habe gelernt: nächstes Mal gibt weniger, besser is‘ das!

3. Akt und Finale:

Das Ende unserer Vorbereitungen nähert sich dem Höhepunkt und wird eine zeitliche Punktlandung. Wir sind gerade so mit allem fertig, als die ersten Gäste in den sonnig-warmen (!) Garten schlendern. Ich habe sogar noch die Mitgebsel-Tüten rechtzeitig gefüllt.

Von da an nimmt das Schicksal seinen Lauf. Läuft aber ganz gut. Die von mir als Geschenk georderten Wasserbomben und der spielverrückte Papa vom Kindergartenfreund nehmen schon einmal viel Aufmerksamkeit der Kinder in Anspruch, und somit Zeit, in welcher die lieben Kleinen gut beschäftigt sind.

Irgendwie wandern die Kinder zum Spielen auch immer wieder in das Haus – mit ihnen der Inhalt des Sandkastens  (zumindest in Teilen) und aus dem Haus wandert das Spielzeug und verteilt sich in unserem Garten. Ich nehme es gelassen und trinke noch ein Glas Holunderblüten-Prosecco und freue mich, dass die Zeit so schnell vergeht. Die Kinder freuen sich auch und mein Sohn verteidigt immer wieder mit viel Gebrüll sein Fahrrad und sein Laufrad vor der Invasion. Dann lieber noch einen Prosecco bitte! Das Kuchenbuffet ist eröffnet, später auch das Abendbuffet. Finde ich so am besten, jeder kann sich im Esszimmer direkt an der Terrasse bedienen, wie er mag. Zwischendurch tragen wir dreckige Teller und Besteck ins Haus, und Kinderteller mit Unmengen an nicht gegessenem, aber anstandshalber zumindest zermatschten Kuchen. Ähnlich wird es dem Abendessen ergehen. Kurz angeleckt und dann… Spielen ist eben interessanter!

Am Ende räumen wir noch so weit auf, dass man wieder durch Haus und Garten kommt, ohne unwillentlich auf irgendetwas zu treten. Der Rest kommt am nächsten Tag dran, inklusive Sand Staub saugen.

 Nachspiel

Die Bude ist wieder einigermaßen sauber und wir ernähren uns noch tagelang von den Resten, ich friere Kuchen ein. Hatte aber auch etwas Gutes, dieser Überfluss, denn wir hatten am nächsten Tag noch einen netten (Fress-)Abend mit den Eltern des einen Jungen. Die sind eh klasse und wir haben immer viel Spaß zusammen.

Fazit: Eigentlich bin ich froh, dass KindNr. 1 während des Sommerurlaubs Geburtstag hat. Wie ich all das hätte schaffen sollen, während ich auch noch arbeiten gehe, das male ich mir erst dann aus, wenn dieser Fall einmal eintreten sollte.

Nur noch wenige Wochen bis zum 3. Geburtstag von KindNr. 2. Äh, mal sehen… .

Urlaub im Hotel Mama / -Oma

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Hotel Mama – natürlich mit Gartennutzung (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Was gibt es besseres als ein schönes „Hotel Mama“?!

Wir lieben es als Heranwachsende, als Studenten, die wieder einmal nach Hause zurückkehren oder eben auch, wenn wir selbst bereits Eltern sind und einfach mal etwas Entlastung im Alltag wünschen. Also am besten weniger Alltag. Weniger Wäsche, weniger Kochen und weniger Putzen. Weniger von dem, was den Tag so nervig machen kann.

Nach dem wir bereits im Mai das Weite gesucht hatten und mit unseren Kindern in den Urlaub* gefahren sind, hatte ich lange überlegt, ob wir während der Sommerferien eine weitere Reise antreten sollten, habe mich aber schlußendlich dagegen entschieden. Nicht nur, um den Geldbeutel zu schonen, sondern auch unsere elterlichen Nerven. Da wir uns derzeit einfach in der Hauptsaison (und vielleicht auch sonst eher nicht) eines dieser attraktiv erscheinenden Familienhotels mit Kinderbetreuung einfach nicht leisten können (wollen), uns aber zurzeit eine erneute Woche mit 24 Stunden Rundumbetreuung unserer Kinder nicht mehr zumuten wollten, blieb nur ein Reiseziel: Hotel Mama! All inclusive! Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung und natürlich Vollpension. Ein großer Garten zur Mitbenutzung und neuerdings (!) auch zeitweilige Kinderbetreuung, z. B. in Form eines Hundes zum Gassi gehen (KindNr. 1 ist dann erst mal ein Stündchen außer Haus) oder stundenlanges Spielzeugautos-durch-die-Gegend-Schieben (wieder ist KindNr. 1 sehr glücklich) durch (Stief-)Opa’s-1:1-Betreuung (und der Opa hatte zu unserem Glück auch noch Urlaub), oder auch ein paar andere Erwachsene, die im Garten oder Haus mal ein Auge auf die Kinder haben, während man selber in Ruhe aufs Klo / unter die Dusche gehen kann oder sich mal eben unter den großen Walnussbaum auf eine Decke fläzt. Die Kinder sind jetzt in einem Alter, wo das geht. Absolutes Neudingens: die Eltern fahren in ein Luxus-Restaurant essen und lassen die Kinder von den Großeltern ins Bett bringen. Hat super geklappt! KindNr. 2 schlief nur etwas sehr spät ein.😉

Tag 1: Nachmittags um 14:30 Uhr sind wir endlich soweit und können losfahren. 300 km ins Hotel Mama / -Oma liegen vor uns. Die Mama (also in dem Fall ich) hat den ganzen morgen gepackt. Der Papa schafft das Zeug ins mittlerweise sehr geräumige (weil neue) Auto und los geht’s.

Vier Stunden später sind wir am Ziel. Und weil beide Kinder so schön im Auto geschlafen haben, wird die abendliche Schlafenszeit natürlich großzügig nach hinten verschoben. Gäääähn!

Tag 2: Wie immer schläft der Papa mit KindNr. 1 in einem Zimmer und Mama mit KindNr. 2 in einem anderen, denn das Haus ist klein und so sind auch die Zimmer. KindNr. 2 schläft etwas länger, das ist schön. Es folgt ein ausgedehntes Frühstück  und Kinder, die im Schlafanzug im Garten herum laufen. In Ruhe duschen hat was. In der Nähe vom Hotel Mama ist ein Spielplatz, auf dem wir den restlichen Vormittag verbringen. Dann ruft das Mittagsmenu aus der stets hervorrangenden Küche à la Hotel Mama.

Am Nachmittag steht ein ungewöhnlicher Besuch auf dem Programm. Wir besuchen unsere Großtante. Ich selbst habe sie seit über 15 Jahren nicht gesehen. Das letzte Mal auf dem 60. Geburtstag meines Vaters. Es ist also einiges an Zeit vergangen seit damals. Sie hat mich auch nicht gleich erkannt. Diese Tante war die Lieblingstante meines Vaters, die Frau, die ihn (mit) groß gezogen hat. Nächsten Monat feiert sie ihren 90. Geburtstag. Sie hat Papa überlebt. Ich habe sie nicht nur in guter Erinnerung, ist sie doch eine anstrengende Person (gewesen). Aber sie war auch für uns da, als sich meine Eltern damals getrennt hatten. Nun erzählen wir über 2 Stunden lang. Sie erzählt sehr gerne von früher. Ein bißchen Glück ist es, dass KindNr. 1 nicht mit wollte. So haben wir mehr Ruhe. Und KindNr. 2 schläft auch erst mal ein Stündchen im Altenpflegeheim auf dem Teppich (was sich natürlich später rächen wird, allerdings an diesem Abend nicht für uns). Hier lebt die alte Dame seit 4 Jahren. Nach einem Schlaganfall, der ihren noch gesunden linken Arm lahm legte, ist sie auf Hilfe angewiesen. Ihr rechter Arm ist seit ihrer Geburt ohne Unterarm und Hand. Warum habe ich sie erst jetzt besucht? Ich habe mich nie getraut. Aber nach dem Tod unseres Vaters hatte sie meinem Bruder und mir eine sehr liebe Karte geschrieben, und dafür wollten wir uns persönlich bedanken.

Nach dem wir zurück sind, ist auch bald Abendbrotzeit. Hätte ich nur nicht so viel zu Mittag gegessen, denke ich, als mir der Mann kurz vor der Abendbrotzeit verkündet, dass wir zwei heute noch essen fahren werden. Er hat da etwas ausgesucht. Wir machen die Kinder soweit bettfertig und wünschen den Großeltern viel Glück für den restlichen Abend. Dann fahren wir 30 km, um bei bekanntem Landadel festlich (und sehr teuer!) zu speisen. Zum Glück hatte ich ein schönes Kleid und eine feinere Jacke eingepackt. Wir gönnen uns ein 3-Gänge-Menü, werden hervorragend bedient und ich bekomme auch noch ein Wein-Menü dazu. Das in Kombination mit zu viel Schokolade zum Dessert vertrage ich allerdings nicht so gut. Die Nacht wird etwas hart für mich. Schade um das gute Zeug!

Tag 3: Der dritte Tag beginnt daher für mich nicht ganz so angenehm. Ich brauche etwas, bis ich in Gang komme. Zu meinem Glück ist KindNr. 2 erst kurz vor unserer Ankuft nach 23 Uhr richtig eingeschlafen (die arme Oma) und schläft ein wenig länger am nächsten Morgen.

Am späten Vormittag steht ein für die Kinder neues Event auf dem Programm. Nach neun Jahren trauen sich ihre Eltern endlich wieder einmal auf Inliner, um in voller Montur eine ehemalige, jetzt seit vielen Jahren asphaltierte Bahnstrecke zu befahren. Der Anfang ist etwas holprig. Als ich den ersten Schwung nehmen will, trete ich erst einmal ins Leere. Mist, es sind keine Schlittschuhe, sondern Roller Blades unter meinen Füßen! Die Kinder benutzen ihre Laufräder, um den Eltern zwischen den Beinen herum zu fahren und sie zu etwas zu zwingen, was nicht gerade zu deren Stärke bei dieser Sportart gehört: das Bremsen. Aber schnelles Fahren ist ohnehin kaum möglich, so gelingt auch das Bremsen mehr oder weniger sicher. Wir haben trotzdem Spaß und kehren nach 1 1/2 Stunden zufrieden zu unserem Auto zurück. Nicht zu vergessen, dass wir ein paar schöne Steine gefunden haben. Mit denen haben wir noch etwas besonderes vor.

Am Nachmittag fahre ich mit meinem Bruder zu einem Anwalt für Familienrecht, dem bereits das Testament der bösen Stiefmutter vorliegt. Also ein gemeinsames Testament von ihr und unserem kürzlich verstorbenen Vater. Leider und so unglaublich die ganze Geschichte erscheint, ist das Testament gültig. Die alte Hexe bekommt allerdings dieser Tage Post von besagtem Anwalt. Wir klagen unseren Pflichtteil ein. Leider wird sie am Ende immer noch mehr kriegen als uns lieb ist, aber rein rechtlich dürfen wir nicht leer ausgehen. Der Streitwert, also unser Elternhaus, ist nicht allzu viel wert. Hier geht es uns in erster Linie um das Prinzip, einer Frau, die 25 Jahre auf dieses Erbe gewartet hat, unseren Vater gerade in seinen letzten Lebenswochen (aber auch schon viele Jahre zuvor) richtiggehend gequält hat, am Ende nicht ihren Willen zu lassen.

Tag 4: Wir treffen noch Vorbereitungen für den 5. Geburtstag von KindNr. 1 am nächsten Tag. Also Kuchen backen. Es wird eine Gemeinschaftsproduktion von Oma, Papa und mir. Außerdem bemale ich mit den Kindern die Steine. Allerdings habe ich – wie komischerweise so oft an Samstagen – meinen berühmten Durchhänger und döse am Nachmittag erst mal über eine Stunde, während die Kinder im Garten spielen. Gut, wenn andere Aufpasser bereit stehen. Dank Hotel Mama ist so etwas möglich.

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Für jedes Lebensjahr einen Luftballon (Bildrechte: DieverlorenenSchuhe)

Am Abend geht es bei herbstlichen Temperaturen zu einer Sommerparty in mein Heimatdorf. Der beste Freund meines Bruders und dessen Schwester feiern zusammen ihren 101. Geburtstag. Eine große Feier im Garten, direkt an Äckern gelegen und mit einem weiten Blick über meine Heimatgemeinde, dazu Live-Musik. Auch die Kinder haben Spaß an der ungewohnten Aktion und laufen munter durch die Tische und Bänke und rocken zur Rockmusik. Trotzdem brechen wir um 21:30 Uhr auf, das reicht für die Kids. Sie schlafen aber erstaunlicherweise nicht im Auto ein, sondern erst einige Zeit später in unseren Schlafkojen…

Tag 5: … und sind viel zu früh wieder wach. Gääähn!

Herzlichen Glückwunsch, Luftballons und Geschenke. Grillen bei endlich mal wieder sommerlichem Wetter und Kuchen am Nachmittag. Der Kindergeburtstag ist ganz nach meinem Geschmack. Nur zwei Kinder und ein paar Erwachsene.

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Ein Stück vom Geburtstagskuchen. Kein Meisterwerk, aber wie vom Kind gewünscht: Schokolade mit Erdbeeren. (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Am Nachmittag besuchen wir das (vermutete!) Urnengrab unseres Vaters, da wir auf der eigentlichen Beerdigung nicht dabei waren. Ich, weil ich auf Dienstreise war und die böse Stiefmutter „alles schnell hinter sich bringen wollte“, ergo nicht warten konnte mit dem Termin und mein Bruder aus reinem Protest und um den anderen zu zeigen, was abgeht wegen ihres Verhaltens, ebenfalls nicht hingegangen ist. Wir legen die bemalten Steine auf die Stelle, wo wir die Urne vermuten und ich lese mein Lieblingsgedicht „Stufen“ von Hermann Hesse vom Handy ab. Anschließend packe ich mein Instrument aus und spiele den zweiten Satz des berühmtesten Konzerts für dieses Instrument. Kalt, aus dem Stehgreif und leider mit 2-3 Kieksern, weil die Sonne dann doch nichts ist für dieses Instrument und dieses Stück auf dem „grünen Rasen“ eben anders klingt als in einem Raum mit Hall. Bin trotzdem zufrieden. Hatte mir das vorgenommen und habe es gemach! Anschließend lege ich die Steine vor die Gedenkstätte der anonymen Urnengräber. Bin gespannt, ob sie in zwei Wochen noch da sind.

Tag 6: …dient in erster Linie dem Verpacken und Abreisen aus dem Hotel Mama. Am Ende hinterlassen wir wie so oft eine Schneise der Verwüstung. Es mag egoistisch erscheinen, aber im Hotel Mama gehört es zum guten Service dazu: sind die Gäste fort, wird eben aufgeräumt, die Betten abgezogen und die benutzen Handtücher gewaschen und einmal kräftig durchgestaubsaugt. Bis zum nächsten Besuch.

Nachmittags um kurz nach 14 Uhr geht es abermals los und gute 4 Stunden später sind wir zurück in unserer „Villa Kunterbunt“. Helau! Damit ist der Urlaub im Hotel Mama vorerst beendet. Wir kommen wieder!🙂

 

 *Urlaub mit Kindern: die einen lieben es, die anderen sehen darin eine der größten Herausforderungen ihres Erwachsenenlebens.

„Ich glaube, er hat Schluss gemacht“

Der Sichelmond steht am Himmel, die Grillen zirpen. Endlich schlafen die Kinder. Wurde auch Zeit, ist immerhin schon Viertel vor Zehn. Fast zu spät und zu kalt für einen ruhigen Sommerabend im Freien, auf den sie nun schon seit Stunden hingefiebert hat. Mit Kindern erfüllen sich solche Wünsche selten. Sie ist selber müde, aber auch noch hungrig nach Ich-Zeit, me-time, wie man auf Neudeutsch gerne sagt. Einfach nur da sitzen und lauschen. Ruhe, also zumindest fast. Absolute Ruhe ist auch abends um 22 Uhr in einer Kleinstadt schwer zu finden.

Sie hängt ihren Gedanken nach. Es fühlt sich komisch an. Nach so vielen Wochen herrscht plötzlich Funkstille. Schlimmer noch. Es wurden ihr mehrere Wochen Auszeit verkündet, mehr als erwartet. Sie war zunächst irritiert, fragte sich, was in der Zwischenzeit geschehen sein könnte. „Ich glaube, er hat Schluss gemacht“, denkt sie. Und zu der Traurigkeit mischt sich so etwas wie Erleichterung. Jetzt wird alles so wie früher. Mal unterhält man sich, mal ignoriert man sich. Man geht seiner Wege, jeder den seinen. So wie all die vielen Jahre zuvor. Besser ist das.

Alles nur geträumt

Ihr kommt der Gedanke, dass die letzten sechs Wochen womöglich nur geträumt waren. Gleich wacht sie auf. Alles wieder beim Alten. Das was war, das war gar nicht. Das wird auch nie sein. Solche Hirngespinste von ihrem kranken Geist. Ein leichter Anflug einer Midlife Crisis vielleicht. „Einmal verrückt sein und aus allen Zwängen flieh’n“. Ja, wie war das nochmal. Noch niemals war sie in New York oder San Francisco. Von Hawaii träumt sie erst gar nicht. Da ist es, ihr Leben. Spiessig und eintönig, immer der gleiche Trott. Aber auch wenn diese „Geschichte“ gar nicht wirklich war, so hat es ihr doch gezeigt, worauf es (ihr) ankommt. Sich selber nicht ganz zu verlieren. Nicht immer nur für andere da zu sein, sondern auch für sich selbst. Vor allem für sich selbst. Ihr Leben ist das immer noch. Ihre Bedürfnisse und ihre Wünsche und Träume. Nur wenn sie da dran bleibt, kann sie auch für andere nützlich sein.

„Ich glaube, er hat Schluss gemacht“, denkt sie erneut. Sie will nicht mehr warten, nachts beim Aufwachen nicht an ihn denken und das Handy nach einer Nachricht absuchen. Nicht an etwas hängen, was vielleicht nie (wirklich) stattgefunden hat. War wohl doch alles nur Einbildung. Sie seufzt erleichtert. Alles wird gut!

Alter schützt vor Torheit nicht – ein Liebesdrama in mehreren Akten

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Bildrechte: Dieverlorenenschuhe

Sie hat die magische 40 längst überschritten, auch wenn sie sich vom Kopf her nicht so alt fühlt. In den Augen vieler ist sie es sicherlich. Kinder und Jugendliche werden sie als solch eine alte Frau wahrnehmen, wie sie selber in jungen Jahren die Ü30- oder Ü40-Leute um sich herum wahrgenommen hat. Alt und die beste Zeit hinter-sich-habend.

Doch jetzt kommt es ihr fast so vor, als sei sie wieder 20. Wenn überhaupt. Wann hatte sie dieses Gefühl das letzte Mal erlebt? Verliebtheit! Verrückt, in ihrem Alter…  und vor allem in ihrer Lebenssituation. Verheiratet, wenn auch nicht ganz so glücklich wie einst erträumt, zwei Kinder, einen Hauskredit in schwindelerregender Höhe und neuerdings zwei nagelneuen Autos vor der Tür. Verbeamtet ist sie quasi auch. Ein richtig spießiges Leben also. Da fehlt eigentlich nur noch ein Lover, am besten natürlich ein U30. Man gönnt sich ja sonst nichts…

Frau wird doch wohl noch träumen dürfen

Nur wenige Wochen ist es her, als sie nach ihrem Burn-Out-Zusammenbruch erkannte, dass das Leben eben doch zu kurz ist, um alles auf später oder auf ein Nimmer-Wiedersehen zu verschieben. Sie hat nach wie vor Wünsche. Und ja, sie hat nach wie vor Bedürfnisse. Jahrelang hatte sie sich quasi nicht mehr selbst gespürt. Lange Zeit hatte sie das, was sie ausmachte, total verdrängt. Schon immer ein eher nachdenklicher, tiefsinniger und melancholischer Mensch, hatte sie doch auch immer das Leben geliebt, ja, geliebt, gefeiert und getanzt. Und mehr als ein Mal zu oft ihr Herz verschenkt. Verliebt, so oft verliebt, immer auf der Suche nach Liebe und Gesehen-werden um ihrer selbst Willen, das hatte sie sich gewünscht, und so ein ums andere Mal ihr Herz an den Falschen vergeben.

Und von dem einen, da kam sie auch ewig lange nicht mehr richtig los. Sie waren fast 5 Jahre ein Paar. Er sah sie auf einer Party und liebte ihr Lächeln (damals noch mit zahnspangenbegradigten Zähnen, was sich im Laufe der Jahre wieder gegeben hat). Sie wollte nichts von ihm. Sie war gerade noch in einen anderen Typen verknallt, der sich im alkoholisierten Zustand gerne nach Hause fahren und verführen ließ.

Doch die Wochen in diesem denkwürdigen Herbst vergingen und mit der Vehemenz dieses Verehrers kam die Liebe. Er sah sie – zumindest damals. Stürmische 1 1/2 Jahre folgten, aber nach ihrem Umzug in ihren Studienort kam die Ernüchterung. Die Wochenendbeziehung bröckelte, ihr mangelndes Selbstbewusstsein und ihre Eifersucht ließen ihn kapitulieren. Er suchte sich eine andere und machte selber offiziell nicht Schluss. Dafür musste sie schon seine Mutter anrufen. Dieser Feigling.

Single sein und genießen?

Das konnte sie damals noch nicht so gut, einfach alleine auch glücklich sein. Sie brauchte immer jemanden. Heute wünscht sie sich oft, ungebunden zu sein. Damals aber kam ein knappes Jahr nach dieser großen Enttäuschung ihr Mann in ihr Leben. Sie lernte ihn zufällig über das Internet kennen. 15 Jahre ist das her. Es war für sie nie die große Liebe aus dem Märchenbuch. Und dazu fühlte sie sich auch nicht mehr im Stande. Es sollte etwas sein, was Sicherheit gab nach all den Enttäuschungen zuvor.

Verliebtsein, Liebeskummer, jemanden vermissen, sich so sehr wünschen, mit diesem jemand zusammen zu sein, sei es körperlich wie auch das Leben mit ihm zu teilen, diese Gefühle kannte sie schon lange nicht mehr. Und jetzt überwältigt es sie. Sie hofft, es dauert nur kurz. Immerhin ist sie erwachsen, eine Frau in der Mitte ihres Lebens. Da gehört sich so etwas nicht mehr! Da geht man anders damit um als damals, als man noch hormongesteuert und mit Bauchgefühl durch die Gegend stolperte. Heute stellt man sich doch der Realität, dass sich nach einer langen Beziehung mit vielen Up’s and Down’s eben nicht mehr immer Schmetterlinge im Bauch befinden.

Vielleicht ist es einfach der Wunsch, noch einmal wieder gesehen zu werden. Sie möchte endlich einmal wieder angenommen werden wie sie ist, ohne ständig für jede Kleinigkeit kritisiert zu werden. Sie kann das  Gemeckere oft einfach nicht mehr hören. Und dieses Gefühl, immer an jedem noch so kleinem Sch*** Schuld zu sein, die Schuld zugeschoben zu bekommen, möchte sie einfach endlich ablegen. Immer sie, nie der andere! Auf Dauer und unter dem Stress des alltäglichen Lebens ist das einfach nur zermürbend.

Träumen für  Fortgeschrittene

Mit ihm, so ist sie sich sicher, gäbe es das nicht. Nicht HEUTE, nicht nach all den Lektionen, die sie in den vergangenen Jahren gelernt hat. Und vorher? Sie weiß es nicht. Es ist müßig, darüber nachzudenken, „was wäre gewesen, wenn…“ oder „was könnte sein, wenn…“. Sie weiß nur, dass sie nicht aufhören kann, an die gemeinsame Zeit zu denken. Sie sollte sich zwingen dazu, aber es geht nicht. Sie hat die Freiheit gespürt und das glückliche Leben erahnt. Sie möchte noch nicht so schnell aus diesem Traum erwachen!

Diese „Liebesgeschichte“ hat  eine längere Vorgeschichte. Und deswegen kann sich diese einer gewissen Tragik nicht verwehren. Sie hat nicht einfach jemanden neues kennengelernt. Er war schon lange da. Auch hat sie ihn in all den Jahren nicht übersehen, sondern ihre Gefühle für ihn regelmäßig verdrängt, gar unterdrückt. Zur Seite geschoben und sich gesagt, „is‘ halt Pech, vielleicht im nächsten Leben. Ihr hattet Eure Chance – oder eben auch nicht“. Zumindest hatte sie nie jemand von beiden genutzt. Wieso also dann jetzt all das? Wieso kommt er erst jetzt mit dieser Deutlichkeit „um die Ecke“? Das hätte er doch damals schon tun können. Zum Beispiel vor 7 Jahren während dieser anderen großen Dienstreise, bei der sie beide dabei gewesen sind. Was soll das also nun, zu einem Zeitpunkt, wo keine andere Entscheidung mehr möglich zu sein scheint?!

Happy Ending… gibt es nur im Film

Und sie vermutet es ganz stark: wenn auch er tatsächlich all die Jahre etwas für sie empfunden hat, und dieses Gefühl jetzt – aus welchen Gründen auch immer – weiteren Nährboden erhielt, dann kann das nur Torschlußpanik sein! Ja, so nennt man das, wenn ein Mann im Begriff ist, einen nicht mehr rückgängig zu machenden Schritt zu tun. Ebenfalls in der Lebensmitte, kurz vor der 40. Ein magisches Alter. The Point Of No Return!

Er hat das Haus für die andere gebaut. Er wird vielleicht auch noch einen Baum pflanzen. Und in nicht allzu ferner Zeit wird er wissen, ob er dieses Zimmer in Rosa oder doch Himmelblau streichen soll (die Autorin empfiehlt im übrigen ein neutrales Gelb oder Beige!). Endgültig zu spät. Sie schüttelt den Kopf. Wieso macht sie sich überhaupt Gedanken darüber? Jetzt ist es nun einmal zu spät. Wenn man nicht zu den total Mutigen gehört. Die gibt es auch. Die setzen tatsächlich alles aufs Spiel, wenn die Gefühle sie übermannen. Die Feiglinge erstarren und harren aus in der Situation, in der sie sich schon so lange befinden. Sie gehört nicht zu den Mutigen. Er auch nicht.

Das Heute – auch immer eine Reise in die eigene Vergangenheit

Sie denkt an all das, was war und an alle, die da waren, und an ihre Gefühlsduseleien von damals. Sie denkt an die kurzen Ausflüge, die andere in ihr Herz machten. Irgendwelche bekloppten Musiker in irgend welchen Orchestern. Der norwegische Klarinettist gefolgt vom norwegischen Schlagzeuger. Die Norweger haben eben etwas magisches an sich, sie strahlen so viel Ruhe und Gelassenheit aus, findet sie. Dazwischen der Dirigierstudent aus W. Nie wieder kann sie Le Sacre du Printemps oder den ersten Teil der Filmmusik zu Harry Potter hören, ohne wehmütig an ihn zu denken. All das war nur einseitig. Vergessen hat sie es trotzdem nicht.

Das hier ist nicht neu. Das war doch so ähnlich alles schon mal da, denkt sie. Nur dieses Mal betrifft es sie wirklich. Irgendwann im Leben kann man nicht mehr so oft neu anfangen. Irgendwann ist es eben alles vorbei. Er berührt eben etwas in ihr. Das war irgendwie schon immer so, und sie kann sich nicht erklären, woher das kommt. Einfach da, einfach schön. Sie hatten eine schöne Zeit. Harmlos fing sie an, so wie immer. Miteinander verbrachte Zeit. Nicht im Traum hätte sie daran gedacht, dass er dieses Mal mehr daraus entstehen lassen würde. Jetzt ist es so. Sie hat vom Kuchen gekostet, sich erinnert, dass da in ihrem Herzen schon immer so viel Platz für ihn war.

Sie siniert darüber, was sie hätte haben können. Immer wieder hatte sie es geahnt, die ganzen vielen Jahre über. Jetzt hat sie für sich persönlich die Gewissheit geschaffen. Und diese Gewissheit hat etwas schmerzliches. Ein Zurück, ein nachträgliches Zurechtrücken des eigenen Lebensweges käme einem schweren Erdbeben gleich. Und doch träumt sie sich manchmal in diese Möglichkeiten hinein, ganz still und heimlich. Andere tun es doch auch. Und sie denkt an ihre Freundin gleichen Alters. Ihr Lover ist wirklich nur ganz knapp U30, und darf man einem solchen Mann den eigenen Kinderwunsch verwehren, wenn Frau eigentlich schon eher aus dem Alter heraus ist? Und wie verrückt ist das denn? Wie kann sie überhaupt nur einen Moment an so etwas denken?

Es sind nur die Hormone, sagt sie sich, und die Sehnsucht nach etwas, was sie eigentlich schon seit ihrer Trennung von diesem Ex bewegt. Mehr als 15 Jahre hat sie gebraucht, um ihn gänzlich loszulassen. Die Sehnsucht nach etwas, das man nicht (mehr) haben kann. Da ist irgend etwas, was nur schwer zu erklären ist. Es hat etwas von Schicksal. Fate – wie man im Englischen sagen würde. Negativ besetztes Schicksal. Und sie denkt hin und her, aber sie findet keine Lösung. Sie merkt nur, dass es weh tut, und das sie immer noch mehr will, aber auch, dass sie zur Ruhe kommen kann, wenn sie sich nur genug Mühe gibt. Ein Teil von ihr ist noch dort, in diesem großen Land. Doch nach und nach kehrt sie zurück in ihre Alltagspersönlichkeit, beladen mit Frust und Resignation.

„Ein Liebhaber muss her, eine schöne Affaire, um sich etwas abzulenken“, dachte sie also vor ein paar Wochen. Das Universum erhörte ihren Wunsch, verhörte sich dabei und lässt sie nun am langen Arm zappeln. „Dann eben nicht! Werde ich eben ohne Lover alt und faltig und komplett unansehnlich. Schwelge ich weiter in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten“.

Das Leben ist eben kein Wunschkonzert!