Warum „Die verlorenen Schuhe“

Verlorene Schuhe begegnen einem immer mal wieder im Leben. Meist liegen sie irgendwo am Straßenrand, im Graben, verloren, aber nicht immer unbedingt vergessen.

Ich sehe diesen von mir gewählten  Titel einerseits als Metapher, als Sinnbild für das, was immer wieder in unserem Leben geschieht: dass wir etwas oder jemanden „verlieren“, ein neuer Lebensabschnitt beginnt und damit oft ein alter unwiederbringlich zu Ende geht und wir in neue „Fußstapfen“ treten. Regelmäßig kaufen wir neue Schuhe*, entweder weil die alten zu klein geworden oder abgenutzt sind oder schlicht und einfach nicht mehr gefallen.

Auf der anderen Seite habe auch ich schon Schuhe verloren, unfreiwillig. Es waren ausgerechnet meine ersten Schuhe, in denen ich einst begann, die Welt auf den eigenen zwei Beinen und Füßen laufend zu erobern.

Ich schmeiße ungern Dinge weg. Mein großes Haus macht es mir inzwischen einfach, alles zu horten, was man eventuell vielleicht möglicherweise irgendwann noch einmal gebrauchen könnte. In meinem Elternhaus sah das anders aus. Es war verhältnismäßig klein – auch wenn es mir als Kind natürlich riesig vorkam – hatte keinen Keller und der Dachboden, in dem ich so gerne Stunden verbrachte und stöberte, wurde irgendwann ausgebaut und zu meinem neuen Zimmer, weil mein bisheriges Kinderzimmer als Krankenzimmer für meinen Vater herhalten musste. Auch die Garage konnte nicht alle alten Schätze fassen, und als mein Vater eine andere angemietete Scheune aufgeben musste, verschwanden damit auch viele meiner alten Spielsachen aus meinem Leben.

Meine Mutter übergab mir während der Umbauarbeiten in unserem Haus damals Mitte der 80er Jahre mein erstes Paar Schuhe, damit ich es für immer als Andenken verwahren konnte.

In Gedanken sind sie noch da

Ich sehe sie immer wieder vor mir, meine ersten Schuhe. Eine Mischung aus rotbraunem Leder, der vordere Teil ziemlich abgewetzt. Die Größe weiß ich leider nicht mehr genau. Vermutlich war es eine Größe 18 oder 19, vielleicht aber auch 20 oder 21.
Angeblich habe ich sehr früh laufen gelernt. Aber was heißt früh. Die meisten Kinder laufen die ersten freien Schritte um ihren 1. Geburtstag herum. Das haben auch meine eigenen Kinder getan, jeweils einige Tage vor besagtem Datum.

Irgendwann tauchten meine ersten Schuhe also wieder in meinem Leben auf. Ich bewahrte sie fortan in meinem Kinderzimmer auf, wo sie auf der Fensterbank des Dachfensters standen.

Aber kurze Zeit später verschwanden diese Schuhe dann plötzlich wieder aus meinem Leben. In meinem 12ten Lebensjahr verlor ich also meine ersten Schuhe – und ein Stück meiner Kindheit. Ich kam nach Hause und sie standen nicht mehr auf besagter Fensterbank in meinem Zimmer. Das Zimmer, welches ich bis dahin bewohnt hatte. Welches noch immer die gleiche Tapete und den gleichen Teppich hatte wie all die Jahre davor. An eine andere Einrichtung kann ich mich nicht erinnern. Wenn meine Eltern auch regelmäßig den unteren Teil des Hauses mit neuen Tapeten bestückten, mein Zimmer schien über all die Jahre immer gleich geblieben zu sein.

Die Schuhe waren von meinem Vater einfach auf den Müll geworfen worden. Er sollte in den nächsten Jahren viele Dinge wegschmeißen, einfach weil kein Platz war, um sie aufzuheben. Das alles tat er, ohne mich jemals zu fragen. Nach einigen dieser Dinge sehne ich mich noch heute, hätte sie noch gerne als Erinnerungsstücke oder Spielzeug für meine eigenen Kinder. Aber alles Trauern hilft nichts, weg ist weg.
Die Schuhe waren fort und damit wurde auch das Ende meiner Kindheit eingeläutet. Mein Lieblingsspielzeug, eine große Art von Legolandschaft mit Tieren ausgebreitet auf dem Fußboden meines Kinderzimmers, musste in Kisten verstaut werden. Nicht ich durfte bestimmen, ab wann ich mich von dieser Art zu Spielen verabschieden wollte, es wurde mich sozusagen aufgezwungen. Es ist übrigens so ziemlich das einzige Spielzeug meiner Kindheit, das ich bis heute gerettet (und Dank ebay erweitert) habe.**
Dann wurde wie gesagt die obere Etage unseres Hauses umgebaut und eine neue Zimmeraufteilung geschaffen.

Mit den verlorenen ersten Schuhen meines Daseins verlor ich noch viel mehr, nur gute zwei Jahre später und von einem auf den anderen Tag: meine Kindheit. Wenn anderen Teenagern Zeit gegeben wurde, sich langsam an das Erwachsensein zu gewöhnen, ging es bei mir an diesem Mittwoch im Oktober Ende der achziger Jahre innerhalb von wenigen Stunden plötzlich ganz schnell.

Das Leben besteht aus Abschieden

Ich weiß nicht, wie andere im Nachhinein ihre Kindheit und Jugend sehen und mit welchen Gefühlen sie sich daran erinnern und ob ihnen das leicht fällt. Mein Leben bestand zu großen Teilen aus Abschieden. Ich habe im Grunde genommen alles zurück gelassen, was einst meine vertraute Welt bedeutete. Nichts ist mehr davon übrig. Es lebt nur noch in meinen immer wiederkehrenden Träumen und in meiner Erinnerung. Weil ich vieles aufgegeben habe, aufgeben musste und aufgegeben wurde, fällt es mir noch immer so schwer, diese Zeit einfach als das zu nehmen, was sie war. Meine Kindheit!

Noch einmal möchte ich in dieses Zimmer gehen und auf das Bett steigen, um an die Fensterbank des Dachfensters zu kommen, von welchem aus ich so oft die Spatzen beobachtet oder den Schnee (und den gab es damals noch jeden Winter reichlich) vom Dach gekratzt hatte, um die Schuhe in mein heutiges Leben mit  zunehmen. Und damit endlich alles hinter mir lassen zu können, was noch immer so weh tut.

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* Eine durchaus beliebte Sportart, wenn die eigenen Kinder noch sehr klein sind und sich damit in einem rasanten Wachstum befinden, was so manche Eltern an die Grenze des finanziellen Bankrotts bringen kann.

** Heute steht es in dem Keller meines eigenen Hauses. Mal sehen, was damit noch geschehen wird. Derzeit hängt mein Herz komischerweise wenig daran.

Das ganze Leben ist ein Kindergarten

Auch ohne Kinder vermutlich.

Kind #1 spielt derzeit gerne „Ich-bin-die-Mama“. Nein, nicht Papa, auch wenn er ein Junge ist, aber er wäre in dieser Lebensphase sowieso gerne lieber ein Mädchen, mit „Scheide“, versteht sich. Und fragt mich morgens (oder wann auch immer mich der Weg zum Dienst führt), ob ich in den Kindergarten gehen würde.

Das kann ich jedes Mal ohne schlechtes Gewissen bejahen! Ja, ich gehe in den Kindergarten, immer wieder. Auch wenn ich selber in den ersten 6 Jahren meines Lebens niemals eine solche Einrichtung besucht habe, bietet doch das Erwachsenen-Leben genug Kindergarten. Und vermutlich ist das sogar eine Beleidigung für die Einrichtung, die Kind #1 täglich besuchen darf. Aber auch unter den gut 60 „Mitarbeitern“ meiner „Firma“ wird täglich gespielt, geübt, gestritten und sich an sozialer Kompetenz versucht, die manche wohl nicht mehr zu erlernen im Stande sind.

Was dieser/s Blog zu bieten hat, wird sich zeigen

Nach dem ich mich schon einige Jahre schreibend vor allem über meinen Beruf (in der Anfangszeit) und später hauptsächlich über meine Kinder bzw. die (Un-)vereinbarkeit von dem einen mit dem anderen ausgelassen habe, hier nun eine Neuauflage. Anderer Titel, andere Domain, neuer Versuch. Ich werde weiterhin meinen Beruf erwähnen, zumindest in Grundzügen, aber nicht zu ausführlich, denn ich bin nur eine von sehr wenigen – Stichwort „Frauenquote“ – in diesem Land, die tatsächlich diesen Job in dieser Form machen. Daneben gehört das Klagen über meine Situation als berufstätige Mutter in einem noch immer familienunfreundlichem Land sicher zu den Hauptinhalten meines journalistischen Schaffens auf dieser Präsenz. Desweiteren, und das ist neu, möchte ich wirklich bunt gemischte Inhalte schaffen und damit auch Gedanken aufschreiben, die ich normalerweise ohne Internet einem Tagebuch anvertraut hätte (so wie ich es lange Zeit getan habe). Warum öffentlich? Vielleicht erspart mir das ja den Therapeuten. Ich bin auf Eure / Ihre Kommentare gespannt. Die hätte ich im Tagebuch nicht.

Schreibstil ist nicht gleich Schreibstil

Ich bin eher der saloppe Typ, wenn ich  mich nicht gerade – auch das soll vorkommen – tatsächlich als semiseriöse Autorin versuche. In meinem Schreibstil möchte ich durchaus meinen ausgeprägten Sinn für Humor durchschimmern lassen. Ob mir das gelingt, ist mir bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Aber vielleicht verfasse ich auch mal einen Text, der wieder in einem ganz anderen Ton daher kommt.

Tatsache ist: ich habe kaum Zeit zum schreiben! Mir fallen oft Themen und Formulierungen ein, die ich gerne mit meinen 10 Fingern mal eben flugs in die Tastatur hämmern würde, Worte, die im Kopf sprudeln und Gefallen bei mir finden – aber es ist eben gerade keine Gelegenheit dazu. Entweder habe ich mein Instrument in der Hand (Job) oder eines meiner zwei Kinder. Von daher werde ich auch nicht immer, so wie ich es sonst bei dem Verfassen von offiziellen Texten mache, stundenlang Korrektur lesen, Wörter hin- und her tauschen und meinem eigenen Perfektionismus Anspruch versuchen, zu genügen. Ich verfahre dann mehr nach dem Motto, „es kommt raus, wie es eben raus kommt“ Also meist ganz spontan. Letztendlich soll es doch zu meinem eigenen Vergnügen passieren. Und das muss ich hier leider jäh beenden. Es ist fast 22:00 h, mein Biorhythmus ist heute noch erstaunlich im Lot, aber leider sprechen Kinder (Wenigschläfer, extreme Frühaufsteher) eine andere Sprache.

In diesem Sinne, Gute Nacht allerseits und bis die Tage!