Wie man es macht… Teil 2

Andere Familien, andere Vorstellungen, andere Modelle

Es hängt von so vielen Faktoren ab, wie Familien die „Vereinbarkeit“ (hüstel, schon wieder dieser miese Begriff) von  Familie & Beruf (also Erwerbseinkommenstätigkeiten) miteinander vereinbaren können. Gerade im Westen unserer Republik hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nur eine „Zuhausebleib-Mutter“ auch eine gute Mutter ist und der Vater möglichst alleine für den Familienunterhalt zu sorgen hat. Die Politik unterstützt dieses nach wie vor mit dem Ehegattensplitting.

Ich persönlich fände es toll, wenn Eltern – also beide Elternteile –  in Teilzeit gehen könnten und eben so viele Stunden in der Woche arbeiten, wie es sich für sie am besten anfühlt, ohne dabei in die Armut zu stürzen. Sprich: sollte unter dem Strich dabei nicht genug herauskommen, zumal noch Betreuungskosten für die Kinder anfallen, könnte der Staat unterstützend eingreifen. In Schweden ist das z. B. meines Wissens so. Damit würde sich in vielen Familien die Lage entspannen.

Ich selber versuche mit meinem Partner ein gleichberechtigtes Modell zu fahren. Bei zwei Beamten mit sehr ähnlichem Gehalt ist das relativ einfach. Allerdings macht keiner von uns Teilzeit, sondern arbeitet Vollzeit bzw. vollzeitnah. Unsere wechselnden Arbeitszeiten verlangen dabei viel Flexibiltät, auch von unseren Kindern, und ein gewisses Organisationstalent. Manchmal haben wir sehr entspannte Wochen, dann aber wieder „knubbelt“ es sich und kann schon sehr anstrengend sein. Konzerte, von denen ich mitten in der Nacht heim komme, aber nach 3-4 Stunden Schlaf wieder für die Kinder da sein muss, weil der Mann eben auch Nachtschicht hatte oder früh wieder zum Dienst muss, sind dabei die besonderen Herausforderungen für mich. Auch die Wochenenddienste vor allem meines Mannes, die mir nach einer anstrengenden Arbeitswoche keine Pause gönnen, können zur Belastung werden. Dass die Organisation des Haushalts hauptsächlich in meinen Händen liegt, ist hierbei wohl typisch.

Aber wie machen das eigentlich die anderen?

  • Sie ist nun schon 2 Jahre in Elternzeit und kümmert sich um die Kinder und den Haushalt, er geht arbeiten, ist mal mehr, mal weniger viel von zu Hause weg. So war es beim ersten Kind auch. In ein paar Monaten will sie wiederkommen, wenn endlich der Kindergartenplatz für das jüngste Kind frei bzw. es eingewöhnt ist. Das ältere geht bereits in die Grundschule. Und da wird es tricky. Ganztagesgrundschule? Fehlanzeige. Und will man das überhaupt? Nicht zwangsläufig, wenn das Angebot nicht stimmt oder es ein Zwang ist, sein Kind bis 16 Uhr in der Betreuung lassen zu müssen, statt wie bisher flexibel in der Abholzeit sein zu können. Er war übrigens nicht bereit, in Elternzeit zu gehen, auch die sog. Vätermonate hat er nicht genommen, dabei verdienen auch hier beide das gleiche, machen sogar das gleiche im Job. Eine Aufteilung wäre also möglich. Aber hier stellt sich einfach die Frage: was möchten die Partner? Leben sie die traditionelle Rollenaufteilung gerne? Warum auch nicht! Er traut es sich nicht zu, nur Zuhausebleib-Papa zu sein, wenn auch auf Zeit! Oder traut sie es ihm nicht zu? Nein, ich glaube, sie leben einfach gerne dieses altbewährte Rollenspiel von Vater-Mutter-Kind(er). Und das sollen sie auch. Und wenn es auf längere Dienstreisen geht, fährt eben er, nicht sie. Wenn sie nicht so an ihrem Job hängt und sogar die Überlegung im Raum steht, dass sie – weil Teilzeit nicht möglich ist – in einen anderen Bereich wechselt, wo sie vormittags am Schreibtisch sitzen und sich nachmittags um ihre Kinder kümmern kann, während er es macht, wie er es immer gemacht hat, dann ist es deren Entscheidung. Sie werden sich das gut überlegen, auch im Hinblick auf ihre Rente. Der Wegfall von einem Teil des Gehaltes ist wohl gut machbar, das haben sie in der Elternzeit festgestellt (Elterngeld aufgeteilt auf 24 Monate plus sein volles Gehalt).

„Ich kenne niemand sonst, der es so macht wie ihr“

  • Das sagte eine Bekannte zu mir, und meint damit die Tatsache, dass mein Mann und ich uns bei etwa gleichem Gehalt gleich auch die Elternzeit bei jedem Kind geteilt haben. Gut, ich war bei Kind Nr. 2 aus rein egoistischen Gründen dazu bereit, auch 12 Monate statt der 9, die es dann geworden sind, daheim zu bleiben. Mein Mann wollte das nicht, denn so wichtig ist ihm seine Arbeit auch nicht, als dass er nicht darauf für eine Weile verzichten könnte. So war es auch finanziell, auch in Sachen Rentenpunkte, bezüglich der Kinderbetreuung gerecht aufgeteilt bei uns. Der eine machte nicht zwangsläufig mehr Verluste als der andere! Im Endeffekt kam sowieso trotzdem das gleiche Geld in die Familienkasse, denn wir haben ein gemeinsames Familienkonto, aber jeder trotzdem noch ein eigenes – was für mich als Frau eine nette Sache ist. Ich fühle mich nicht finanziell abhängig von meinem Mann und muss nicht um Geld betteln, wenn ich mir selber etwas schönes kaufen möchte.
  • Zurück zur Bekannten: ihr Mann verdient sehr gut! Er bringt vermutlich locker alleine nach Hause, was mein Mann und ich gemeinsam jeden Monat anschleppen. D. h., aus finanziellen Gründen muss sie nicht arbeiten, begibt sich aber damit in die berühmte Abhängigkeit. Sollte er man nicht mehr da sein… .  Und dann ist da noch das Ding mit der Altersversorgung. Ich tippe hier auf eine zusätzliche private Rentenversicherung, immerhin könnten sie sich das jeden Monat zusätzlich leisten. Das Privileg haben aber auch nicht alle Familien, die mit jedem Euro rechnen müssen.
  • Die Putzhilfe macht jede Woche das Haus gründlich sauber, und das schon seit ihrer ersten Schwangerschaft. Kind Nr. 1 kam im Alter von 1  Jahr zur Tagesmutter, dann konnte sie wieder im Ort ein paar Stunden in der Woche arbeiten, insgesamt wohl so 20. Nach der einjährigen Elternzeit nach der Geburt des zweiten Kindes war es genau so geplant. Beide Kinder sind nun bis nachmittags im Kindergarten (auch das einjährige), aber sie hat gemerkt, dass es ihr zu stressig bzw. zu viel ist, 20 Stunden in der Woche zu arbeiten. Nun arbeitet sie 15 Stunden – im Monat! Der Job ist eh nicht so toll, sagt sie. Sie will nur nicht ganz raus kommen. Ihren tollen Job, den sie hatte, bevor sie Mutter wurde, konnte sie nicht behalten. Vollzeit hatte ihr der alte Arbeitgeber angeboten, sie wollte Teilzeit. Das hat er nicht möglich gemacht und ihr statt dessen eine Abfindung gezahlt.
  • Nun ist sie 2 Vormittage in der Woche im Ort bei der Arbeit, die anderen 3 Vormittage ist sie zu Hause. Sie hat viel Zeit für sich. (Das ist der Punkt, wo bei mir etwas Neid aufkommt, ehrlich gesagt). Nachmittags kümmert sie sich um die Kinder, auch am Wochenende hat sie hier die Hauptlast. Ihr Mann arbeitet sehr viel, kommt immer spät nach Hause und muss sich am Wochenende auch mal ausschlafen und sich ausruhen.

Von einem Tag auf den anderen alleinerziehend – aber ohne Job

  • Ähnlich hatte sie es gemacht, mein drittes Beispiel: Ein abgeschlossenes Studium, das in seiner Fachrichtung nicht so richtig einen Job gebracht hat. War auch nicht schlimm. Heiraten und Kinder kriegen ist auch auf der Wunschliste gewesen. Also gesagt, getan. Die beiden Kinder kamen mit relativ kleinem Altersabstand auf die Welt. 2 Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes keimt der Wunsch auf, zum Familienunterhalt beizutragen. Immerhin ist der Mann Hauptverdiener. Auch er fordert am Wochenende seine Ruhezeiten und bringt sich auch sonst in die Haus- und Familienarbeit kaum ein. Das führt oft zu Spannungen und vor allem zu Frust auf Seiten der jungen Mutter. Wenn die Kinder und sie krank sind, kümmert sie sich. Wer sonst. Wer bringt die Kinder ins Bett? Sie. Wer sonst. Mit einem kleinen Haushaltsgeld von ihrem Mann versucht sie, Kleidung für die Kinder und natürlich die Lebensmittel zu erwerben. Für sie bleibt nichts übrig. Ein Minijob muss her, der ihr nach kurzer Zeit mit dem Vorwand wieder gekündigt wird, sie sei als Mutter zu unflexibel für unregelmäßigen Arbeitszeiten. Abends oder am Wochenende kann sie nämlich nicht, denn dann ist der Kindergarten geschlossen.
  • Und dann passiert, womit keiner gerechnet hat. Der Mann erkrankt und verstirbt innerhalb weniger Tage. Ein Drama, wie man es sich für sich selber nicht vorstellen möchte. Die Lebensversicherung deckt nicht ganz den Kredit des Hauses. Doch sie rappelt sich hoch, ist so unfassbar stark. Bekommt einen neuen Job, der sie und die Kinder einigermaßen über die Runden bringt – und verliebt sich neu. Große Liebe. Es ist ihr Chef, aber das ist erst einmal Nebensache. Sie ist glücklich, und das sei ihr von Herzen gegönnt.

Dies sind nur ein paar Fallbeispiele. Auffällig oft kenne ich Frauen, die weniger arbeiten als ich, länger zu Hause geblieben sind und hinterher nicht in einen Vollzeitjob wieder einsteigen oder nach Alternativen zu diesem suchen. Ich verstehe sie alle. Ich möchte in meinen Ausführungen nicht (ver)urteilend rüber kommen, auch wenn ich hier und da vielleicht etwas polemisiere. Nicht mein Modell halte ich für das einzig richtige, sondern denke, jeder sollte seinen ganz persönlichen Weg finden. Auch ich bin immer wieder auf der Suche. Aber seien wir ehrlich, oft sind nicht alle Alternativen gegeben, um sich überhaupt das für sich beste aus dem großen Topf der Möglichen auswählen zu können. Denn wenn ich könnte, würde auch ich einiges anders machen. Leider geht das nicht, ohne früher oder später neue Probleme herbei zu beschwören.

In diesem Sinne möchte ich es vorerst dabei belassen.

Und für alle, die sich mit dem Thema „Working Mom“ weiter beschäftigen möchten, empfehle ich folgenden link, der Stimmen einiger arbeitenden Mütter noch mal etwas zusammen fasst.

Wie man es macht…

Familie, Beruf und dazu gar Freizeit & Hobbys sind nur schwer zu vereinbaren. Das ist keine Neuigkeit für alle Eltern. Mann, pardon, FRAU kann heutzutage alles haben – so rein theoretisch, aber nicht alles gleich intensiv oder gar zu hundert Prozent. Diese 100 % müssen aufgeteilt werden, sinnvoll und so, dass niemand auf der Strecke bleibt.

Als erstes – seien wir ehrlich – stecken immer noch die Frauen zurück. Sie haben nach der Geburt die längste Betreuungszeit zu Hause, steigen also bis zu mehreren Jahren aus der Erwerbstätigkeit aus, steigen dann irgendwann meist in Teilzeit wieder ein (Vollzeit arbeitende Mütter sind immer noch genauso eine Ausnahme wie Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen) oder lassen das arbeiten sogar ganz – sofern der Mann genug Kohle nach Hause bringt. Häufig landen sie in der sog. Teilzeitfalle, ob nun gewollt oder ungewollt. D. h., häufig ist dann nach mehreren Jahren in Teilzeit ein Arbeiten in Vollzeit nicht mehr möglich, auch wenn man das wieder wünscht. Damit begeben sie sich aber auch in das Risiko Altersarmut, nach dem sie Mutter geworden sind. Noch ’ne Muddi hat es auf den Punkt gebracht und ihre persönliche Situation und Meinung zu dem Thema beschrieben.

Ich kann das Thema „Vereinbarkeit“ nicht mehr hören. Ich stoße mich schon an dem Begriff, und auch an der Tatsache, dass es meistens uns Frauen – also die Mütter – betrifft, die alles unter einen Hut zaubern müssen, während immer noch ein Großteil der Männer so weiter macht wie bisher. Keine Abstriche im Job oder auf lange Sicht an der Rente und oft auch weniger Abstriche in der Freizeitgestaltung. Noch immer wird von vielen als normal erachtet, dass es die Frauen sind, welche ihren Job (teilweise) aufgeben, um für Kinder und Haushalt (!!!) genügend Zeit zu haben.

Warum sind es eigentlich meistens die Frauen?

Gut, es gibt genug Frauen, die sich das wirklich wünschen, nur für die Kinder da zu sein, und so langsam verstehe ich auch, warum. Das ist auch schön, aber eben auch schön anstrengend! Man möchte doch viel Zeit mit den Kindern verbringen, sie prägen, für sie da sein und glaubt oft, dass auch unsere Kinder am liebsten nur mit uns zusammen sind.

Durch meine zunehmende Unzufriedenheit mit meiner Gesamtsituation in meinem einst so geliebten Beruf und der insgesamt zu großen Belastung, die mich ins Burnout getrieben hat, verstehe ich alle, die es anders machen wollen. Und wenn man einen Beruf hat oder eine Job hatte, der einen ohnehin nicht so ausgefüllt hat, ist es die logische Konsequenz, sich voll und ganz auf Heim & Kinder zu konzentrieren. Auch verdienen Männer in ihren Jobs oft immer noch um einiges mehr als die Frauen in den ihrigen – was an sich natürlich ein Skandal ist. Wer da zu Hause bleibt oder auf Teilzeit geht, ist dann oft nicht länger diskussionswürdig.

Ich finde es trotzdem traurig, dass diese Gesellschaft vor allem von uns Frauen erwartet, dass wir das alles schaffen. Und wenn man es dann nicht schafft und irgendwie scheitert, kriegt man auch noch einen übergebraten. Unsere Lebensmodelle werden zu unserem Nachteil, egal, wofür wie wir uns entscheiden. Irgendwer findet immer ein Haar in der Suppe!

Die Kinder sollen glücklich sein – „Unser Alltag ist ihre Kindheit!“

Ich bin davon überzeugt, dass auch andere Bezugspersonen wichtig für unsere Kinder sind, spätestens nach dem ersten Babyjahr. Ich weiß von Kleinkindern, die sich nur durch Mami ins Bett bringen lassen, weil sie es nicht anders kennen. Meine Kinder kennen auch den Papa, und zwar sehr gut (so dass ich mich selber manchmal frage, ob ich nicht überflüssig bin). Desweiteren gibt es noch ein Großelternpaar am Wohnort. Meine Kinder lieben ihre Großeltern, und das nimmt mir ein wenig das schlechte Gewissen, wenn ich sie von ihnen betreuen lasse, weil ich selber arbeiten muss.

Ich kann nicht rund um die Uhr für meine Kinder da sein. Ich vermisse sie, wenn ich nicht da bin. Ob sie mich vermissen, weiß ich nicht. Sie werden groß, viel zu schnell natürlich, und es wird der Tag kommen, wo ich vermutlich noch froh sein werde, sie überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Aber trotzdem geht das jetzt nicht immer, nur Mama hier und Mama da! Ich brauche meinen Ausgleich. Da für Hobbys keine Zeit ist (oder ich sie mir nicht nehme), ist das meist mein Job. Den muss ich leider Vollzeit ausüben, da mir eine Teilzeit von oberster Stelle bisher verwehrt wird. Das ginge hier nicht. Den Klageweg bin ich bisher nicht beschritten, denn bisher war es soweit in Ordnung und machbar und wechselnde Arbeitszeiten verlangen zwar viel Flexibiltät, aber man ist eben nicht jeden Tag den ganzen Tag weg.

Und trotzdem ändern sich die Zeiten, ändern sich Einstellungen. Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder mit der Situation gut klar kommen, da sie neben mir verlässliche Betreuungspersonen haben und auch gerne in den Kindergarten zu gehen scheinen. Es ist doch oft reiner Egoismus, dass gerade wir Mütter glauben, für unsere Kinder unersätzlich zu sein, weil wir Mütter Zeit mit ihnen verbringen wollen. Bloß nichts verpassen in deren Entwicklung!

Doch in Bezug auf meinen Job frage ich mich in letzter Zeit schon immer öfter, warum ich das noch mache, außer für das Geld! Für den Spaß an der Sache, für eine Sinnhaftigkeit, die für mich ganz persönlich dahinter steht, daran zweifele ich immer mehr bzw. in bestimmten Momenten besonders stark. Meine Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer weiter und eine Vereinbarkeit von meinem Beruf mit meiner Familie wird dadurch nicht einfacher. In zwei Jahren kommt das erste Kind in die Grundschule. Eine total neue Herausforderung, der wir uns rechtzeitig stellen müssen. Dann werden die Karten vermutlich noch einmal neu gemischt.

Es gibt ein Leben nach der Erwerbstätigkeit

Was viele Frauen in Teilzeit oder sog. „Zuhausebleib-Mütter“ oft meiner Meinung nach ignorieren, oder zumindest verdrängen, ist die drohende Altersarmut. Wenn dann irgendwann auch noch der Partner ausfallen sollte, kann dies zu einem echten Disaster führen. Übrigens auch schon während des Erwerbstätigenalter. Durch Trennung oder im schlimmsten Falle sogar durch einen frühzeitigen Tod steht die Frau mit den Kindern dann meist alleine da.

Das Geld im Hier und Jetzt ist die eine Sache, sicher kann man da Abstriche machen. Drei Mal im Jahr in den Urlaub fahren braucht kein Mensch, wohl aber beruhigt ein kleines Häufchen Erspartes für den Fall, dass die Heizung den Geist aufgibt oder das Auto kaputt geht. Auch deswegen arbeite ich heute, damit ich später auch noch ein klein wenig habe, zumal meine Erwerbsbiografie in der Hinsicht sowieso nicht lückenlos ist.

Im nächsten Beitrag zu diesem Thema möchte ich den wehrten Leser noch mit ein paar Fallbeispielen aus meinem Umfeld beglücken. Denn wie man es macht… Und jeder so, wie er meint. Wir sollten zu unseren Entscheidungen stehen. Ich übe das noch!

Dieses Gefühl

Am 18. Juni diesen Jahres hatte ich bereits folgenden Text verfasst und seit dem in meinem Entwürfe-Ordner aufbewahrt (und heute leicht bearbeitet). Kurze Zeit nach dem Schreiben dieser Zeilen wurde ich sehr krank – unerklärlich krank – für eine ganze Woche war ich damals quasi komplett „außer Gefecht gesetzt“. Ich dachte, es könnte irgendein Infekt gewesen sein, bloß welcher, das war mir nicht klar. Da ich vor kurzem so ziemlich die gleichen Symptome hatte und diese auch noch in einer Panik-Attacke mit Hyperventilationstetanie endeten – und ich in der Notaufnahme des Krankenhauses – vermute ich einfach, dass mein Körper beide Male förmlich nach einer Pause, nach einer Auszeit gebettelt hat. Dabei war es doch in letzter Zeit gar nicht mehr so schlimm mit dem absoluten Stress und ich war sogar in vielen Alltagssituationen entspannter – dachte ich zumindest:

Immerzu gehetzt, nie zur Ruhe kommend. Tausend Sachen gleichzeitig erledigen (wollen). Pläne machen, die dann wieder über den Haufen geworfen werden (müssen). Eine Frustrationstoleranz, die permanent überschritten wird. So sieht mein Leben aus.

Es fühlt sich an, als würde ich immer mehr zerbröseln, bis von mir nichts mehr übrig bleibt. Und wenn es ganz schlimm kommt habe ich das Gefühl, jeden Moment in mindestens tausend Einzelteile zu zerspringen. Seit es mich selber kaum noch gibt, kenne ich dieses Gefühl der Wut im Bauch und den Wunsch, einfach nur davon zu rennen und vor allem und jeden zu flüchten.

Was macht ein Mensch, der immer so gerne alleine war und diese Momente für sich und seine Interessen so sehr genossen hat? Der stundenlang versinken konnte, sei es vor dem Fernsehgerät (Entspannung pur und aus heutiger Sicht natürlich die absolut größte Zeitverschwendung ever), in einem Buch oder mit einem Musikinstrument. Das Gefühl von Flow kann sich kaum mehr einstellen. Wenn ich übe, verfolgt mich der Gedanke, dass ich sehr bald wieder aufhören muss, um mich meinen Kindern oder anderen Aufgaben zu widmen. Das schlechte Gewissen verfolgt mich, wenn ich auch nur etwas länger arbeite als die Kollegen, obwohl ein früherer Dienstschluss ausgerufen wurde, der mich nicht sofort nach Hause eilen lässt. Wenn ich dann nach Hause stürme, erstelle ich während der Fahrt einen genauen Plan, wie ich die eine geschenkte (halbe) Stunde nutzen kann. Ich mache dann alles gleichzeitig, und das in einem „Affentempo“, dass meine Noch-Putzfrau* mit dem Gucken nicht hinterher käme. Während ich die Spülmaschine aus- und wieder einräume, räume ich gleichzeitig Wäsche in die Waschmaschine und mache mir quasi im selben Augenblick auch noch ein schnelles und selten gesundes Mittagessen, fege die Küche und den Flur und sammele sämtliche Gegenstände auf und versuche, sie an ihren Bestimmungsort zurück zu bringen. Im häuslichen Alltag gehe ich nie ohne mindestes 2 Dinge in einer Hand von einem Zimmer oder einer Etage in das / die nächste (während der Mann im Haus sämtliches, was sich meiner Meinung nach am vermeindlich falsche Ort befindet, auch über Tage ignorieren kann). Beim Spielzeug, das sich über das ganze Haus verteilt, habe ich allerdings inzwischen resigniert. Mein Aufräumen beschränkt sich hier auf das Allernötigste. Und dann werde ich wieder verfolgt vom schlechten Gewissen: statt sofort die Kinder abzuholen, liege ich jetzt ausnahmsweise mal auf dem Sofa herum, tippe und warte darauf, dass ich die Wäsche aus dem Schnellprogramm nehmen und aufhängen kann. Überhaupt Tätigkeiten, die ich nach Möglichkeit nur noch irgendwie zwischendurch mache, weil das einfacher ist als mit zwei Kleinkindern im Schlepptau. Sind sie dabei, wird alles zur Herausforderung.

Multitasking Deluxedas können nur Frauen ?!

Mir scheint es oft so. Aber ich merke, wie mich dieses nun schon jahrelang anhaltende Getriebensein so langsam zerfallen lässt. Und wenn es ganz „Dicke“ kommt und ich so wie zuletzt wieder einmal tagelang nicht einen einzigen Moment für mich ganz alleine hatte, sondern immer nur Menschen um mich herum, die reden, schreien, laut sind, etwas von mir wollen und mich meines gesunden Schlafes berauben, wenn ich so dauer-angespannt bin, dass die Rücken- und Nackenschmerzen überhaupt nicht mehr verschwinden, dann bin ich kurz vor dem Platzen und weiß: wenn ich jetzt nicht sofort eine klitzekleine Auszeit kriege, ein Stündchen im Internet, mit einem Buch oder einem meiner Instrumente oder besser noch, einfach mal kurz Augen und Ohren zumachen darf, dass ich dann sofort meinen Koffer nehmen und in die Klinik gehen kann. Hallo Burn-Out!

Einen Ausweg aus dem Dilemma gibt es nicht?

Es ist kein schönes Gefühl, wenn man total erschöpft ist und förmlich um eine Pause bettelt, wenn einen die Nerven verlassen, nur weil eines der Kinder schon wieder den Küchenboden mit Essen übersät, aber es kommt immer wieder und ich kann nichts dagegen tun. Ich bin nun mal nicht entspannter, ich kann nun mal nicht jeden Tag sagen, „jetzt ist das so, die Kinder sind noch klein, irgendwann wird es besser“ und hoffen, dass ich in 10 Jahren als alte Frau endlich mal wieder mehr Momente für mich haben werde. Totale Erschöpfung, bei der oft auch diese kleinen Momente des Innehaltens gar nicht mehr helfen – auf Dauer macht das richtig krank. Und ich merke das bereits seit einiger Zeit. Aber was soll ich tun? Ich nehme mir doch schon die Freiheit, meine Kinder nicht immer sofort abzuholen, sondern noch eine Stunde weiter zu machen, mit Arbeit, Üben, Haushalt, auch mal was essen, aber etwas für mich ganz alleine habe ich damit noch lange nicht getan. Ich habe angefangen, mir Hilfe zu suchen, aber es geht nur sehr, sehr langsam voran.

*die ich einen Monat später fristlos entlassen musste. Seit dem bin ich wieder mal ohne…

Herbstzeit

Es ist Herbst. Eine überaus attraktive Jahreszeit, manchmal wird es noch angenehm warm und sonnig (so wie die letzten Tage), das Laub verfärbt sich so schön und überhaupt sind da die Erinnerungen an andere Herbstzeiten…

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Kürbissuppe gab’s auch. Blick aus dem Küchenfenster. (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Aber Herbst bedeutet auch, Abschied zu nehmen. Der Sommer ist unwiderbringlich vorbei. Es wird dauern, bis er das nächste Mal um die Ecke kommt. Und dazwischen ist diese ungemütliche Zeit mit Kälte, Nässe, leider Dank der Klimaerwärmung viel zu wenig Schnee und viel zu wenig Tageslicht, was sich nicht besonders positiv auf mein Gemüt auswirkt. Bald werden die schönen bunten Blätter auch Geschichte sein. Zuletzt färben sich immer die Rotahornbäume auf unserem Grundstück so wunderschön knallig rot. Und dann wird alles nackig und kahl.

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Ein „paar“ Kastanien für die Kinder. (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Die Kinder sammelten Kastanien. Wir haben tatsächlich eine Quelle aufgetan – und was für eine. Ein riesiger alter Kastanienbaum und Kastanien bis zum Abwinken. Wir hätten noch stundenlang weitersammeln können. Und der Baum hängt noch immer voll bis obenhin.

„Backen Sie, backen Sie!“

Ähnlich erging es uns dieses Jahr mit unserem Apfelbaum. Eine leckere Sorte, sofern man sie schnell vertilgt. Leider ist der Apfel überhaupt nicht lagerungsfähig und vergammelt schon nach kurzer Zeit. Weil ich gar nicht so viel Zeit oder auch Lust habe, um alle zu verarbeiten, sind viele Früchte einfach zu Fallobst geworden. Im übrigen auch schon vor der eigentlichen Reife. Ich habe mir für nächstes Jahr vorgenommen, Äpfel zur Mosterei zu bringen. Leider gehen die Äpfel beim Herunterfallen sehr schnell kaputt. Und sie sind echt Bio, was man an dem ein oder anderen Wurm sehr gut erkennen kann. Alles in allem könnte ich mich mit den vielen Äpfeln totschmeißen (habe das aber nicht ernsthaft vor!) und kann sie auch so langsam nicht mehr sehen. Habe Apfelringe gemacht, mache vielleicht noch Mus, aber bitte keinen Apfelkuchen mehr, denn 3 Stück innerhalb von 2 Wochen reichen mir. Wobei ich ein tolles Rezept gefunden habe, das schnell und einfach geht und lecker schmeckt. Habe es aus der Brigitte Mom und aussehen tut das letzte Ergebnis so:

20151004_130911_resized_1Apfelkuchen einfach & lecker: man nehme zwei Becher Sahne à 200 g. Diese kommen in eine Rührschüssel, die Becher werden anschließend sauber gemacht und als Maß benutzt. Ein Becher Zucker (ich nehme etwas weniger, ist immer noch süß genug), kommt zu der Milch, dazu noch ein Päckchen Vanillezucker. Alles gut verrühren, bis die Sahne fast steif ist. Dann kommen 5 Eier hinzu und 3 Becher Mehl plus ein Päckchen Backpulver. Wieder gut verrühren und ab damit aufs Backblech (etwas tiefer, geht ja noch auf). Darauf folgen die Äpfel. Dieses Mal habe ich sie nicht geschält, nur das Kerngehäuse entfernt und in großzügig dicke Schnitze geschnitten. 15 Minuten backt das ganze dann bei 160 ° Umluft oder 200 ° Ober-, Unterhitze. In der Zeit kann man den „Belag“ fertig machen:

125 g Butter zusammen mit einem halben Becher Zucker und einem halben Becher Milch in einem Topf aufkochen, dazu 100 g gehobelte Mandeln geben. (Letzteres ist variabel, wie ich finde. Kokosflocken dazu schmecken z. B. auch ganz gut). Das kommt auf den Kuchen und der wird für weitere 15 Minuten gebacken und dann ist er auch schon fertig. Tata!

(Keine Gewähr. Habe es soeben aus der Erinnerung aufgeschrieben. Bin mir aber ziemlich sicher… . Fehlen tun daher aber die Angaben für den Gas-Ofen).

Na, dann Guten Appetit und bis bald, wenn es wieder heißt: „Backen Sie! Bald ist Weihnachten, wir backen Plätzchen und lassen unsere Kinder die Küche versauen“. 😉

Früher war alles besser oder: Die Zeiten ändern sich nun einmal

Verbessern sollten sie sich, also die Zeiten! Das war immer mein Anliegen. In letzter Zeit stelle ich öfter fest, dass sich vieles verschlechtert – in meinen Augen. Damit meine nicht nur den Zustand meines alternden Körpers, für den ich zugegebenermaßen zu wenig Gutes tue!

Ich bin Musikerin in einem Orchester. Seit zehn Jahren mache ich den Job. Davor habe ich zwei Studiengänge in Musik absolviert und als Musikschullehrerin gearbeitet. Letzteres auch schon parallel zum Studium, immerhin gab es Bafög nur für 8 Semester, danach war finanziell der Ofen aus. Viel verdient habe ich als Honorarkraft an verschiedenen Musikschulen nicht, und in der heutigen Zeit ist es auch ein Ausnahmefall, wenn man an einer Musikschule als Lehrkraft so viel verdient, dass man davon vernünftig leben oder gar eine Familie ernähren könnte. Festanstellungen in dem Bereich sind rar, und auch die sind nicht so üppig vergütet, wenn man bedenkt, dass man vorher jahrelang studiert und sein halbes Leben lang seine Instrumente geübt hat.

Ich bin froh, dass ich meine heutige Stelle bekommen habe. Zunächst als Zeitvertrag, nach ein paar Jahren als Festanstellung. Zum ersten Mal in meinem Leben verdiene ich Geld, wovon ich leben kann, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich im nächsten Monat noch genug Geld für Miete UND Essen habe. Urlaub war bei mir jahrelang als Studentin gar nicht drin. Also als junger Mensch die Welt bereisen eher Fehlanzeige.

Ich habe diesen Job immer gerne gemacht, trotz einiger „Unannehmlichkeiten“, die nebenbei damit verbunden waren. Dieser Job war mir immerhin so wichtig, dass ich 7 bzw. 9 Monate nach der Geburt meiner Kinder wieder eingestiegen bin. Wie so oft im Leben bleibt auch hier nicht immer alles so, wie es mal war. Generell kann ich mit Veränderungen gut leben, wenn sie nicht eine krasse, im Grunde nicht tragbare Verschlechterung der Bedingungen mit sich bringen. Das ist in den letzten Jahren allerdings passiert, von mir sicher auch so empfunden, weil ich als Mutter zweier kleiner Kinder sehen muss, wo ich selber überhaupt noch bleibe und vor mir selber rechtfertigen muss, dass ich meine Kinder stundenlang fremdbetreuen lasse, während ich diesen teilweise inzwischen für mich sinnlos erscheinenden Tätigkeiten nachgehe. Zwar stimmt nach wie vor der Betrag, der am Ende eines jeden Monats im Voraus auf meinem Konto landet – und mit Verlaub, wir brauchen auch einen Großteil der Summe dafür, unseren mit gewissen Ansprüchen* versehenden Lebensunterhalt zu bestreiten, aber an anderer Stelle frage ich mich immer öfter, ob es das alles noch Wert ist – so wie es gerade ist.

„Musik wird oft nicht schön gefunden,

Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“

(Wilhelm Busch, aus: Dideldum! (1874) – Der Maulwurf)

So ist es! Seit meiner Jugend schlage ich mich herum mit „Zeiten, in denen man nicht üben darf“ (obwohl man gerade dann mal Zeit dafür hätte), bestimmte Stunden, die man täglich übend nicht überschreiten sollte, meckernden Mit-Mietern usw. Selbst an der Musikhochschule war es nicht immer einfach, einen Überaum zu ergattern, als MUSIKstudent wohlgemerkt. Häufig und zu bestimmten Stoßzeiten besonders extrem, musste man stundenlang warten, um den Raum dann für maximal 2 Stunden (was für einen Musikstudenten nun einmal nicht viel ist, (auch wenn ich mich heute über 2 Stunden tägliches Üben scheckig freuen würde!) übend nutzen zu dürfen – wenn nicht vorher ein Dozent des Weges kam, der dringend diese Örtlichkeit zum Popeln in der Nase Unterrichten seiner Studenten benötigte. Es war nicht immer einfach, Übelust und Übemöglichkeiten kompatibel zu halten. Sonntags war die Hochschule zumindest in den ersten Jahren meiner Zeit dort sowieso geschlossen, Samstags nur bis zum frühen Nachmittag geöffnet und unter der Woche  war abends um 20h „Zapfenstreich“.

„Los, arbeiten Sie. Seien Sie fleißig!“ –  „Ja, wie denn? Und vor allem, wo?“

Seit etwa 7 Jahren bewohne ich ein freistehendes Haus. Ok, die Fenster sind nicht besonders dicht, es dürfte viel meines Übegeräusches nach draußen dringen, aber es ist MEIN HAUS, und ich darf dort üben, wenn ich wollte auch nachts.

Ich habe das die ersten Jahre gut genutzt, also bis auf nachts. Aber dann kamen die Kinder. Das allabendliche Üben wurde abgelöst durch ein Sich-über-Stunden-hinziehendes Milchzähne putzen, mit dem Schlafanzug hinter Kindern herlaufen, Bücher ansehen und stundenlangem Hände halten. Und dann macht man auch keinen „Krach“ mehr, ganz abgesehen davon, dass ich es seit Langen noch nicht einmal mehr schaffe, mein E-Piano (Kopfhörer!) zu malträtieren. Ich wandere lieber sofort ins Bett vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung.

Sprich: meine Übezeit hat sich enorm reduziert. Zu Hause übe ich fast gar nicht mehr, weil ich entweder meine Kinder betreue, die Wäsche wasche, aufräume oder sonstige ungeliebte Hausarbeiten übernehme. Ich bin gezwungen, meine Übezeit auch in meine Dienstzeit zu verlegen. Nun erscheint das sicherlich dem ein oder anderen als völlig selbstverständlich: sie ist Musikerin im Orchester, neben den gemeinsamen Proben des Klangkörpers sollte Zeit für das Einzelstudium sein. Räume dürften doch genügend vorhanden sein, die man sich notfalls in Absprache mit den Kollegen teilen kann.

Ätsch bätsch! Das war einmal. Vor langer Zeit, in einem anderen Universum oder so.

Inzwischen sind wir so viele Leute und haben so viele Aufgaben neben der eigentlichen Tätigkeit als Musiker zu verrichten, dass ein Üben kaum mehr möglich ist. Auch fehlen die Räume, da ehemalige Übezellen nun „bewohnt“ werden. Und außerdem ist das Üben aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen inzwischen außer in den beiden Proberäumen schlichtweg untersagt!!! Man glaubt es kaum! Ich auch nicht!

60 Musikerinnen und Musiker sollen sich zwei Räume zum Üben teilen? Dazu noch diverse Gruppierungen, die dort meistens proben, wenn man selber gerade einmal Zeit hätte, ein Stündchen zu trällern?

Ich habe bis gestern trotzdem meine Zeit zum Üben dort genutzt so gut ich konnte. Dazu gehörte für mich auch die Mittagspause, in der ohnehin viele das Gebäude zum Essen verlassen. Bis gestern! Da störte das plötzlich zum ersten Mal einen Kollegen. Er müsse sich an einer Tätigkeit am PC konzentrieren. Ausgerechnet er, der nicht gerade für seinen Arbeitseifer bekannt ist… .

Auf eine eigene Nahrungsaufnahme habe ich häufig verzichtet, immerhin muss mal als Mutter, die zu Hause zu gar nichts kommt, was nicht unmittelbar mit Kinderaufzucht und Haushalt zu tun hat, eben sehen, wo man bleibt. Zwischen den Proben oder anderen zu erfüllenden Aufgaben hatte ich dieses Stündchen am Mittag – und das ist nun auch pfutsch.

„Sie sind noch motiviert? Suchen Sie sich besser einen anderen Job!“

Es ist mir unbegreiflich, wie man jemand, der noch immer so voller Liebe für sein Instrument steckt, noch immer so motiviert in dieser Hinsicht ist und für den das Üben quasi eine Art Lebenselixier darstellt, so derart demotivieren kann. Und das in diesem Beruf! Wenn die anderen nicht üben (die wenigsten tun das), auch nicht üben wollen, leidet insgesamt die Qualität des ganzen Orchesters darunter. Trotzdem ist das ein Stück weit deren Sache! Was mir aber, seit ich Mutter bin, am meisten fehlt, sind meine Instrumente und die ernsthafte Auseinandersetzung mit Musik.

Mir nützt auch nicht das vom Dienstherren gestattete Üben zu Hause, nach dem ich eine Anwesenheitspflicht im Dienstgebäude bis in den Nachmittag hinein, in der Regel so 15 Uhr, habe. Dann bin ich eine halbe Stunde später am Kindergarten und was dann zu Hause nicht mehr möglich ist, kann sich der aufmerksame Leser jetzt sicherlich denken.

Leider gibt es keine Jobalternative. Weder, um weniger zu arbeiten (und viel weniger zu verdienen), noch um wieder glücklicher im Job zu sein. Ich überlege hin und her und es gibt keine wirkliche Lösung. Ich muss das irgendwie aushalten, all das kommt auf den großen Frust-Berg einfach noch mit drauf! Vielleicht fällt mir doch noch was ein. Ich weiß es nicht. Aber es macht mich sauer, auch jetzt noch, eine Woche nach diesem Ereignis und nach dem ich gerade den Text noch einmal überarbeitet habe.

Dieses komische Gefühl

Man nennt es „Loslassen“, „Abschied nehmen“. Eine Phase des Lebens ist zu Ende und eine neue beginnt. Dies kann einhergehen mit „komischen Gefühlen“, die schwer zu benennen sind. Sie sind einfach da.

Seit gestern bringe ich beide Kinder gemeinsam in den Kindergarten. Gut, ich bin oft mit beiden dorthin gefahren, doch habe ich morgens meine kleine Tochter immer wieder mit nach Hause nehmen dürfen – oder, wenn ich arbeiten musste, zu den Großeltern gebracht. Nun ist sie zwei Jahre alt. Und so wie ihr großer Bruder darf sie nun auch in den Kindergarten gehen. Morgens macht sie sein Ritual mit: erst einmal in den Frühstücksgarten gehen, wo alle Kinder vormittags ab 8 Uhr frühstücken können, wenn und wann sie das möchten. Obwohl meine Kinder fast immer vorher zu Hause schon gefrühstückt haben, setzen sie sich sofort nach dem Ausziehen von Jacke und Co. und Anziehen der Hausschuhe an einen der kleinen Tische. Jetzt also Brüderchen & Schwesterchen nebeneinander. Ich sage dem Großen, er möge auf die Kleine aufpassen, sie danach in ihren Gruppenraum bringen und verabschiede mich dann. Die Kleine schaut mir hinterher, lächelt… .

Sie kommt gut klar im Kindergarten und Mama fährt Gedanken-Karrussell

Sie ist doch erst 2 Jahre alt! Noch so klein, eigentlich zu klein, um so viele Stunden ohne Mama (oder Papa!) zu sein. Das behaupten zumindest viele Stimmen. Kinder unter 3 (oder sogar 4) Jahren hätten in einer Fremdbetreuung nichts zu suchen, sondern gehören zu Mama (Väter werden in dem Zusammenhang seltener erwähnt) und die Mama gehört natürlich nach Hause, zu Kind(ern), Küche, Herd… . Wir kennen das! Nein, ich kann finanziell nicht auf meinen Job verzichten. Vielleicht auf einen Teil meines Gehaltes, mit den entsprechenden Einschränkungen, wie so gut wie nicht mehr in den Urlaub fahren (wir fahren nur ein Mal pro Jahr), jeden Cent umdrehen, sich selber nichts mehr gönnen (neue Klamotten für die Mama? Bücher? Haha…). Mein Mann verdient nicht genug, um uns alleine so durchzubringen, dass es total eng wird. Und ich mag es finanziell nicht total eng, denn genau so bin ich aufgewachsen! Ich höre sie, die Stimmen, die meinen, die ständige Nähe der Eltern sei wichtiger als ein paar Euros im Monat, die man großzügiger ausgeben kann, um mit den Kindern auch außerhalb der eigenen vier Wände mal was bieten zu können, oder gar etwas zu sparen, für später, für das neue Familienauto, für Renovierungsarbeiten am Haus. Außerdem habe ich keinen Bock auf totale Altersarmut, also kaum Rente! Sorry, ein sehr wichtiger Punkt für mich bezüglich meiner heutigen Erwerbstätigkeit. (Immerhin habe ich bis zu meinem 29. Lebensjahr studiert und gehe in meiner Branche auch nicht erst mit 67 in Rente).

Aber ich schweife ab.

Auch mein Sohn ist mit genau 2 Jahren in den Kindergarten eingewöhnt worden. Das war lange so geplant, noch vor meiner 2. Schwangerschaft. Bis dahin war auch er erst von mir, dann vom Vater, später von den Großeltern betreut worden. Letztere kommen hauptsächlich dann ins Spiel, wenn beide Elternteile gleichzeitig arbeiten müssen, was nicht immer der Fall ist. Denn wir haben beide Schichtdienst, allerdings in unterschiedlichen Branchen. Dadurch waren auch beide Kinder jeweils frühzeitig (also mit knapp 14 Monaten) daran gewöhnt, auch einmal ohne uns Eltern zu sein. Und das hat immer gut funktioniert – und daher, so vermute ich, auch die Kindergarteneingewöhnung.

Meine Tochter scheint sich wirklich wohl zu fühlen, sie kennt den Kindergarten ja im Prinzip auch bereits seit ihrer Geburt. Sie ist so offen und scheint keine Angst zu haben. Heute Morgen ist sie auch ohne ihren Bruder in den Frühstücksgarten gestratzt, der kam dann nach.

Ich versuche mich zu beruhigen: die Kinder brauchen andere Kinder, und nicht nur ihre Eltern

Für den Sohn war es damals dann doch etwas doof. Denn noch während seiner Eingewöhnungszeit wurde die kleine Schwester geboren. Aus meinem ruhigen, zurückhaltenden Jungen wurde in der Folgezeit im Kindergarten ein teilweise aufmüpfiges Kind, der mit aggressivem Verhalten und Kraftausdrücke nach Hause kam. Und ich rätsele bis heute, ob das a) nur mit der Geburt des Babys zu tun hatte oder b) mit den teilweise nicht gerade tollen Vorbildern im Kindergarten (manche, vor allem Jungs, sind da echt heftig) oder c) es eine ganz normale Entwicklung ist, die auch so gekommen wäre. Nun, ich werde wohl nie eine Antwort darauf finden, da ich das „Experiment“ nicht erneut und anders starten kann.

Wie wird sich nun also die Kleine verändern? Sie, die nie Einzelkind war, durch ihren Bruder viel ertragen musste. Ist sie gerade deswegen härter, resistenter? Sie ist doch sowieso anders, oder nicht? Selbstbewußt, offen, wenig ängstlich.

Ich persönlich finde tatsächlich, dass Kinder unter 2 Jahren nicht in so einem großen und offenen Kindergarten wie den unseren gehören bzw. dass es je nach Kindertyp Probleme geben kann. Es gibt hier eine Raupengruppe für Kinder ab 1 Jahr, aber gerade nachmittags sind diese ‚Winzlinge bei den großen dabei, die 2jährigen sowieso immer, denn Nestgruppen gibt es nicht. Letzteres war für mich damals ein großer Punkt für Überlegungen, denn im Katholischen Kindergarten hier um die Ecke gibt es die. Ich habe mich dagegen entschieden, auch weil mir der Kommunale Kindergarten in anderer Hinsicht mehr zugesagt hat. Nachmittags, wenn ich das Kind (jetzt: die Kinder) abhole, treffe ich öfter auf einen 1jährigen Jungen, und sehe ihn immer nur weinen. Und leider wird er auch nur wenig getröstet, wie es mir scheint. Vielleicht haben die Erzieherinnen etwas resigniert. Auf jeden Fall ist das für mich immer etwas befremdlich… .

Mein Sohn ging in den ersten 14 Monaten seiner Kindergartenlaufbahn nur bis 12 Uhr dorthin, dann holte ich ihn zum Mittagessen nach Hause. Mit Baby (und dessen Bedürfnissen) war das eine echt stressige Zeit, von der mein Mann mich nach 9 Monaten ablöste. Ich hatte schon so ein schlechtes Gewissen genug, dass ich – gerade in Elternzeit – meinen Erstgeborenen überhaupt in eine „Einrichtung“ schickte. Aber ich dachte, so 3 am Tag mit anderen Kindern wären auch gut für ihn. Von unserem Ganztagesplatz bin ich damals also zurück getreten und habe ihn dann wieder aufleben lassen, als auch mein Mann seine Elternzeit beendete.

Was dieses Mal anders ist

Meine Tochter allerdings wird von Anfang an als Ganztageskind eingewöhnt, d. h. sie isst dort bereits zu Mittag und wird ab nächster Woche auch dort anschließend ruhen / Mittagsschlaf halten. Sie ist mit ihren gerade 2 Jahren also durchaus länger im Kindergarten als damals ihr Bruder, allerdings mit dem Vorteil, dass noch ein Familienmitglied in ihrer Nähe ist. Für mich bedeutet das: noch mehr Loslassen, vertrauen. Und beide Kinder doch eher nach Hause holen, wenn es meine beruflichen Verpflichtungen zulassen – Ihretwegen!

Was mir bei ihr einfach mehr Sorgen macht ist, dass sie insgesamt ein größerer Draufgänger ist. Mehr Klettern, Rumturnen und sich dabei überschätzen (oder das Gewicht des Köpfchens), ihr „Talent“, schnell über ihre eigenen Füße zu stolpern, weil sie oft nicht guckt, was im Wege lieget, oder sich am Kopf zu stoßen. Aber da muss ich durch und einfach hoffen, dass ich nie in die Situation komme, dass etwas schlimmeres passiert.

Wie man es macht, macht man es sowieso falsch

Zumindest in den Augen anderer. Ich habe versucht, einen „goldenen Mittelweg“ zu finden, was die Betreuung meiner Kinder angeht, um eben trotz dem Geld verdienen und meinem Beruf nachgehen zu können. Dass mich gerade letzteres zusehends nicht mehr so zufrieden macht wie früher, das ist einen extra Blogbeitrag wert (und in Arbeit).

Die ersten 9 Monate ihrer Geburt war ich Tag UND Nacht für sie da, fast nur ich. Ich konnte das genießen, es war anstrengend, aber ihre Nähe so wichtig für mich. Der erste Abschied kam, als mein Mann nach dieser Zeit auch die Nachtschichten übernahm (zu die Nachtschichten beim Sohn, wohlbemerkt). Ich ging wieder arbeiten, stillte die Kleine noch am Morgen und dann nach und nach gar nicht mehr. Denn als sie 10 Monate war, flog ich für eine Woche nach Finnland auf Dienstreise. Und das war dann total komisch. Davor hatte ich bereits ein Wochenende in Österreich Dienst gemacht, aber jetzt kam ich mir vor wie ein Junkie auf Entzug. Auch ohne meine Kinder konnte ich nicht durch- bzw. ausschlafen. Das ist bei mir nicht mehr drin. Sie fehlten mir so, vor allem die körperliche Nähe zu meinem Baby. Und so ging es weiter mit dem Abschied auf Raten. Die Nächte verbringe ich meist alleine, obwohl unsere Tochter noch immer im Schlafzimmer schläft. Wenn ich nachts bei ihr bin, schläft sie oft besonders schlecht, beim Vater meist gut. Sie scheint meine Nähe zu spüren und „knubbelt“ dann oft stundenlang wach an mir rum. Das ist einfach kein Ideal-Zustand.

Ehrlich gesagt habe ich mich auch auf diesen Tag gefreut, wo auch meine Tochter mit in den Kindergarten geht. Und nun sitze ich hier, habe Zeit für mich, kann mal wieder üben (oder bügeln, haha!) und natürlich fühlt sich das komisch an, wenn man gerade frei hat und die Kinder trotzdem nicht da sind. Das wird es öfter mal geben! Es ist sicher einfacher, wenn sie in der Schule sind, denn immerhin müssen sie in die Schule, brauchen aber nicht gezwungenermaßen einen Kindergarten besuchen. Und ja, bei meinem Beruf wird es vorkommen, dass wir uns dann tagsüber gar nicht sehen, weil ich eben erst mittags oder nachmittags zum Job muss. Früher hatte ich mir immer vorgenommen, sie dann vormittags aus dem Kindergarten zu lassen, aber sehe das auch als falsches Signal, denn in Schulzeiten wird das dann auch nicht mehr gehen. Ich muss da abwägen, von Fall zu Fall entscheiden und vor allem eines nicht vergessen: ich war nicht umsonst so lange Zeit so total erschöpft, dass ich sogar ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste! Nach 4 Jahren als Mutter wird es Zeit, selbige hin und wieder auch mal nur für mich zur Verfügung zu haben. Es wird nach wie vor nicht viel sein, aber es tut gut! Und damit versuche ich mich zu beruhigen! Loslassen und Durchatmen!