Mama-Auszeit

Darf eine Mutter das? Ein paar Tage wegfahren, alleine und ohne ihre Kinder? Ja, behaupte ich, das darf sie – wenn es ihr gut tut und somit auch die Familie von einer erholten oder zumindest körperlich wie auch psychisch gestärkten Frau und Mutter nach deren Rückkehr profitiert.

Ich habe mir die Entscheidung zu dieser Auszeit von Familie und häuslichen Pflichten  nicht leicht gemacht, war ich doch erst im November 5 Tage auf Dienstreise – was allerdings aufgrund von Jetlag und Schlafmangel körperlich sehr anstrengend für mich war. Jetzt stand wieder eine Reise mit etwa der Hälfte meiner Kollegen an und ich hatte im Vorfeld immer wieder hin- und her überlegt. Grünes Licht gab es vom Mann. Und sogar Kind Nr. 1, am Tag meiner Abreise fiebrig, antwortete auf meine Frage hin, ob ich denn wirklich wegfahren könne, mit einem beherzten „Ja“. Also habe ich es getan und es nicht bereut. Es hat mir in vielerlei Sicht unheimlich gut getan. Ich konnte mich körperlich betätigen, ich habe mir einen Tag lang Zeit nur für mich genommen und diesen mit Spazierengehen, Lesen und Faulenzen verbracht. Am Abend saß ich dann bei  dem ein oder anderen Glas Rotwein in geselliger Runde vor dem Kamin. Ich habe neue Impulse bekommen und hatte eine gute Zeit.

Erst „grüne Wiese“, dann „Winterwonderland“

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Heute morgen kurz vor der Abfahrt nach Hause. Ein Winterwonderland.                                               (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Los ging es am Montagmorgen mit einer guten Stunde Verspätung, weil die Batterie des Busses leer war und erst der Pannendienst kommen musste. Die Fahrt führte uns gen Süden in ein deutsches Windersportgebiet. Für die eine Hälfte stand Skifahren auf dem Programm, für die anderen ein attraktives Alternativangebot, welches man auch noch flexibel gestalten konnte. Ski gefahren bin ich das letzte Mal vor 8 Jahren und habe es mir bei dieser Reise wegen meiner sportlichen Inaktivität der letzten Jahre nicht zugetraut – zumal ich immer noch Anfängerin auf den Brettern bin. Ich brauche immer einen Tag, bis ich mich auf den Skiern wieder einigermaßen erfolgreich den Hang hinunter bewegen kann – wenn dieser nicht zu steil ist. Ein wenig bereut habe ich es dann doch, denn ich hätte mal wieder Lust auf Skifahren und möchte das unbedingt noch mal machen.

Gerade fahren wir durch eine wunderschöne Schneelandschaft bei herrlichstem Sonnenschein und wolkenlosem blauen Himmel. Leider ist die Woche aber für uns schon wieder vorbei und wir sind etwas traurig, denn so schönes sonniges Wetter gab es nur an einem Tag, an den anderen kämpften wir mit Regen, Sturm und Schneefall. Zumal am Anfang so gut wie gar kein Schnee lag. Unsere Schneeschuhwanderung am Dienstag hat zwar trotzdem ganz viel Spaß gemacht, aber wir wurden ziemlich naß und den letzten Rest zum Gipfel hat nur eine kleine Gruppe gewagt, bei der ich nicht dabei war. Bei einem Wettersturz mit starkem Schneefall und stärkeren Windböen musste ich einfach passen. Auch blieb uns aufgrund der Wetterlage eine fanatische Aussicht über die Alpen verwehrt.

Was man sich so alles an die Füße schnallen kann, wenn Winter ist

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Die verlorenen Schnee-Schuhe bei der Rast an einer einsamen Almhütte. Spaß hat es gemacht, 4 Stunden Schneeschuhwandern. Es hätte nur etwas mehr Schnee auf dem Boden, dafür weniger von oben geben sollen. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Schneeschuhwandern ist auf jeden Fall etwas, was ich noch einmal machen möchte. Natürlich muss ich auch hier meine schlechte Kondition beachten. Ich bin alles andere als eine Bergziege und in dieser Hinsicht bisher auch noch nicht so gut erprobt. Steile Anstiege bereiten mir derzeit  konditionelle Probleme. Ganz im Gegensatz zu unserem Bergführer. Dieser Mann ist nicht nur doppelt so alt wie ich, er hat auch noch eine tausend Mal bessere Kondition. Ein faszinierender Mensch, der mit sehr viel Wissen aufwarten konnte und Erfahrung nicht nur im Besteigen deutscher wie weltweiter Berge hat, sondern auch sonst alles macht, was man in den Bergen so machen kann – mit fast 80 Jahren.

Ich hatte mir für diese Reise noch etwas vorgenommen: nach 10 Jahren endlich einmal wieder Schlittschuhe an die Füße schnallen und Eislaufen gehen. Eine große Eissporthalle bot sich an, und so packte ich meine weißen Kunsteislaufschuhe ins Gepäck und hoffte, dass ich es zeitlich wahr machen konnte. Am letzten Tag vor unserer Abreise war es soweit. Bei miesem Wetter kann man gerne einmal ein paar Stunden (!) in einer Eislaufhalle zubringen. Während vier Kollegen, die mich zunächst begleitet hatten, nach einer halben Stunde aufgaben, zog ich 3 1/2 Stunden meine Runden, bis ich die Schmerzen in den Beinen nicht mehr aushielt und die Reisegruppe ohnehin im Bus die Rückfahrt zur Unterkunft antrat und mich vor der Eislaufhalle wieder einsammelte. Während also die vier Kollegen ein alkoholisches Getränk nach dem anderen in einer überhitzten Skihütte zu sich nahmen, zog ich meine Runden.

Nun, ich habe durchaus gemerkt, dass ich mit 40 Jahren nicht mehr ganz so gelenkig bin wie früher. In diesem Alter, das sollte man nicht vergessen, müssen Profis in diesem Bereich ihre aktive Karriere schon an den Nagel hängen, von daher versuche ich bei meinen eigenen Ansprüchen an meine Fähigkeiten natürlich auf dem (Eis-)Boden zu bleiben. Nach einer halben Stunde war ich aber wieder drin, hatte die Ängstlichkeiten überwunden und konnte fahren, wie ich es früher auch so oft getan hatte. Klar, ich kann keine Pirouetten drehen oder waghalsige Sprünge zeigen, aber ich bin zufrieden, dass ich sturzfrei und sicher übers Eis geglitten bin, mit den Kuven an Füßen durchaus gut variieren und spielen konnte und sogar mein Rückfährtsfahren etwas vorangetrieben habe – etwas, was ich unbedingt noch können möchte. Ich habe sehr junge Mädels beobachtet, die ihren Kunsteislauf geübt haben. Faszinierend. Ich habe früher so gerne Eiskunstlauf und auch Eiskunsttanzen im Fernsehen geschaut. Diese Sportart hat mich schon immer fasziniert. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich hoffe, dass dieses Mal nicht wieder ein Jahrzehnt vergeht, bevor ich mich erneut auf die Kuven wage. Wieso überhaupt so eine lange Pause, bin ich doch früher häufiger gefahren. Die letzten 5 Jahre sind selbsterklärend, aber die 5 davor? Und außerdem kommt Kind Nr. 1 so langsam in das Alter, in dem ich ihn mal mitnehmen könnte. Juchuh!

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Mama On Ice. Leider konnte ich meine eigenen Schlittschuhe nicht benutzen. Sie müssen dringen einen neuen Schliff bekommen, und das passiert hier nur am Wochenende. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Warum sollten Mütter nicht dürfen, was für viele Väter selbstverständlich zu sein scheint

Es war für mich also die richtige Entscheidung, diese Reise anzutreten. Im Vorfeld habe ich mich auch gefragt, wieso ich darauf verzichten sollte, wenn doch auch Kollegen mitfahren, die kleine Kinder daheim haben, also Familienväter, die nun auch ihrer Frau und anderen Menschen wie Großeltern oder Erzieherinnen die Kinderbetreuung einmal für ein paar Tage komplett überlassen. Wieso sollten Väter das eher dürfen als Mütter? Eben. Natürlich ist es immer ein zwiespältiges Gefühl, für ein paar Tage von den eigenen Kindern getrennt zu sein und damit leben zu müssen, dass man in der Zeit zu Hause bestimmt nicht die Nummer Eins ist und vielleicht auch nach der Rückkehr die eigenen Kinder erst einmal wieder mit einem warm werden müssen. Nun habe ich ohnehin Papa-Kinder zu Hause, das macht es mir vielleicht etwas leichter. Übrigens war es das erste Mal, dass ich nicht geweint habe, als ich das Haus zur Abreise verlassen musste. Vielleicht zeigt das auch, wie erholungsbedürftig ich gerade die letzten Wochen, die aus bestimmten Gründen echt hart für mich waren, gewesen bin.

Übrigens habe ich auch schon im letzten Mai eine Auszeit von der Familie genommen und bin für 4 Nächte in meine nordische Lieblingsstadt geflogen. Natürlich sollte man im Gegenzug auch seinem Partner so ein Privileg zugestehen. So fährt auch mein Mann jedes Jahr für ein Wochenende mit seinen Kollegen weg. Worauf ich mich aber auch immer wieder besonders freue, sind Aktivitäten mit der ganzen Familie. Und ich gehe davon aus, dass es mit zunehmendem Alter der Kinder einfacher wird, auch mal einen Wander- oder Skiurlaub einzulegen oder Dinge zu tun, die jetzt einfach noch (fast) unmöglich sind oder nur mit sehr viel Aufwand und Stress verbunden wären.

 

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„Freu Dich aufs Allgäu“, so hieß es noch am Montag. Der Bus rollt nun wieder Richtung Norden. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Mein persönliches Fazit

Natürlich wird es auch Stimmen geben – ich höre sie förmlich schon – die der Meinung sind, dass Eltern sich Zeit ohne ihre Kinder in keinem Fall erlauben dürften. Letztendlich muss selbstverständlich jede Mutter, jeder Vater selbst entscheiden, ob er oder sie es für richtig oder falsch hält, ein Wochenende oder noch länger ohne seine Kinder zu sein. (Es soll ja durchaus Eltern geben, die sich einmal ein Wochenende oder sogar eine ganze Woche ohne ihre Kinder gönnen. Bei uns ist bisher immer ein Elternteil daheim geblieben. Denn tatsächlich finde ich unsere Kinder noch zu jung dafür, glaube aber fest daran, dass wir in mehreren Jahren einmal ohne Kinder Urlaub machen werden). Ich finde eben, man sollte es nicht von vorne herein verurteilen oder gänzlich für sich ausschließen. Es gibt sicherlich unterschiedliche Einstellungen zu dem Thema und auch Mütter, die einfach immer nur mit ihren Kindern sein wollen. Aber wenn der Gedanke aufkommt, eine Auszeit zu nehmen, sollte man sich nicht scheuen, es wahr werden zu lassen. Es kann allen sehr gut tun, wie ich weiter oben bereits erwähnt habe. Ich selber bin eben eine Mutter, die ihre Kinder bei Abwesenheit zwar vermisst und vom schlechten Gewissen ohnehin immer wieder eingeholt wird, aber ich brauche Auszeiten. Da ich mir diese im alltäglichen Leben kaum nehme (nehmen kann), versuche ich es immer wieder einmal auf die nun geschehene Weise. Erkannt habe ich allerdings, dass es für mich und meine körperliche wie auch psychische Gesundheit sehr wichtig wäre, öfter einmal hier und da ein Stündchen für ich zu haben, wo ich nicht noch eben alleine schnell das Haus putze oder andere alltägliche Dinge erledige, sondern etwas tue, was nur für mich ist. Ich hoffe, das in den nächsten Jahren besser umsetzen zu können. Denn egal, wie sehr ich meine Kinder auch liebe, auch mein eigenes Leben getrennt von der Familie hat eine gewissen Bedeutung für mich. Vielleicht versteht das ja der/die ein oder andere meiner LeserInnen.

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Reblog: Ich gegen mich

Heute möchte ich Euch den Beitrag einer anderen Bloggerin vorstellen. Sie ist Ende 20, Mutter zweier Kinder und absolviert „nebenbei“ auch noch ein Studium. Die in Leipzig lebende Autorin schreibt ungemein offen und ehrlich aus ihrem eigenen Leben mit ihren zwei Kindern und, wie sie selber sagt, über die  „[…] Vereinbarkeit von Kindern & Selbstbestimmungsdrang, „Erziehungsproblemen“, Launen, Ideen und Nervenverlust. Vom vergeblichen Versuch, halbwegs richtig zu Leben… […]“.

Ich verfolge ihren Blog nun schon mehrere Jahre, nicht nur, weil ihr zweites Kind nur eine Woche älter ist als mein zweites Kind, sondern weil ihre Beiträge jedesmal ein stürmisches Kopfnicken in mir hervorrufen, so als könne sie meine Gedanken und teilweise auch Probleme lesen und diese auf ihrem Blog beschreiben. Sie schreibt also oftmals direkt aus meinem Herzen. Neben dem Alltag mit Kindern, Partner und Studium hat sie außerdem mit mehreren chronischen Krankheiten zu tun, welche ihr den Alltag zusätzlich erschweren (unter anderem mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn). Aber lest selbst! Der Text hat schon auch mit meinem letzten Thema zu tun, der „bereuten Elternschaft“. Er ist lang, aber ich kann nur sagen: es lohnt sich total!

BABYKRAM & KINDERKACKE

1) Immer wieder spülen meine Timelines Artikel in mein Blickfeld wie jüngst „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ von Franziska Schutzbach. Artikel also, die irgendwie mehr oder weniger mit dem „regretting  motherhood“-Ding zu tun haben.

2) Mein letzter Artikel ist vom 13. Dezember. In meinen jüngsten Artikeln ging es häufig nicht oder nur am Rande um Elternschaft, Mutterschaft, Leben mit Kindern.

3) Ich stecke mitten in einem Morbus Crohn-Schub und bin aktuell zusätzlich auf Cortison-Entzug. Ich fühle mich wie von jemandem ausgekackt, der einen dauerhaft entzündeten Darm hat. Sorry, für die Direktheit. Ich schlafe abends 21 Uhr mit den Kindern ein, wache kur nach 7 auf und fühle mich wie vom LKW überfahren. Meine Augen sind entzündet, ich hab Akne und ein Neurodermitis-Schub kündigt sich an. Wie schon so oft habe ich das Gefühl, dass mein verdammter Körper nicht für dieses verdammte Leben gemacht ist. Im…

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#regrettingmotherhood versus #regrettingfatherhood

Oder: Wer darf eigentlich mehr bereuen?

Die bereute Mutterschaft war vor fast einem Jahr ein ganz großes Thema, nicht nur im Internet, sondern auf sämtlichen anderen Kanälen wie den Printmedien, Radio und TV. Nun dürfen auch die Männer bereuen, ganz ehrlich und öffentlich. Jedenfalls hat es einer gewagt. Doch wer hat eigentlich mehr Rechte auf dieses Gefühl?

Auch ich hatte damals versucht, in einem Blogbeitrag etwas näher auf diese Thematik aus meiner Sicht einzugehen. Jetzt haben sich Väter zu Wort gemeldet. Und das dürfen sie auch. Dürfen sie aber auch bereuen?

Witzigerweise hatte ich gerade an dem Abend zuvor genau darüber nachgedacht und mich gefragt, ab wann denn nun Väter auf den Zug aufspringen und der erste Artikel mit dem Hashtag #regrettingfatherhood veröffentlicht wird. Und zack, las ich diesen Blogbeitrag von Mutterseelesonnig, der mich gleich zur haz und der großen Frage weiterführte, „Machen Kinder unglücklich?“

Was ist Glück?

Das Kinder nicht immer nur glücklich machen, mag für den ein oder anderen vielleicht neu sein. Für viele Eltern allerdings ist es die Realität ihres Alltags, mit solch teilweise ambivalenten Gefühlen umgehen zu müssen, die neben oder aus der eigenen Erschöpfung und Übermüdung, ja auch Überforderung heraus entstehen. Es gibt sogar Studien dazu, welche belegen sollen, dass das Gefühl des Unglücklichseins in den ersten Jahren nach der Geburt eines (oder mehrerer) Kinder so stark zunehmen kann wie sonst nur nach dem Verlust der Arbeitsstelle oder dem Tod des Partners. (Bei weiteren Interesse bitte gugeln). Erst mit zunehmendem Alter der Kinder steige des Glücksgefühl über das eigene Leben wieder an. Nun bin ich zweifache Mutter, seit Jahren leide ich unter (teilweise) ernormen Schlafmangel und Zeitnot (vor allem für mich selber und für meinen Partner) und kann sagen, dass mich meine Mutterschaft bisher nicht zu einem glücklicheren Menschen hat werden lassen als der, welcher ich vor dieser Zeit war. Dazu stehe ich und habe es daher hier auch schon mehrfach ungeschönt von mir gegeben. Und ich finde, das dürfen auch Väter sagen.

Väter dürfen Jammern, genauso wie Mütter…

… sofern sie sich zu ähnlichen Anteilen in die Arbeit (ja, ich nenne es so!) rund um Kinder und Haushalt einbringen. Also ebenso durch diese neuen Pflichten in ihrem bis dato unabhängigem Leben stark eingeschränkt sind. So wie wir Frauen eben, die zu Müttern wurden.

Mutterseelesonnig hatte in ihrem Blogbeitrag von ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit ihrem Ex-Mann und Vater ihrer zwei Kinder berichtet, der mit der ganzen Situation und seiner Vaterrolle schlicht überfordert schien. Sein Verantwortungsgefühl scheint sich erst nach der Trennung gemeldet zu haben. Inzwischen nimmt er alle zwei Wochen für 3 Nächte und 2 1/2 Tage seine Kinder zu sich und engagiert sich damit als von der Mutter der Kinder getrennt lebender Vater recht gut für seine Kinder. Wir wissen, dass das auch ganz anders geht. Männer, die zu Vätern geworden sind, schaffen es immer noch eher, sich aus dieser Lebenssituation wieder heraus zu katapultieren, also zu gut Deutsch aus dem Staub zu machen, wenn sie ihnen zu viel wird. Ist das Verantwortungsbewusstsein von Vätern gegenüber ihrer Kinder tatsächlich kleiner? Wieso bringen es viel weniger Mütter „über’s Herz“, Mann und Kinder ganz einfach zu verlassen und ihr Leben so zu leben, wie es ihnen mehr liegt? Ist es nicht so, dass ich in den ganz schwierigen Momenten der letzten Jahre nicht auch mal darüber nachgedacht hätte? Kurz.

Im Netz ging nach dem Erscheinen des Beitrags zu #regrettingfatherhood ein kleiner Shit-Storm los. In diesem Artikel  wird etwas näher darauf eingegangen, dass den bereuenden Vätern nun mehr Kritik als Verständnis entgegenschlägt (anders als angeblich den Müttern im letzten Jahr). Sie hätten kein Recht dazu, da sie sich nach wie vor mehr Auszeiten und Freizeitvergnügen abseits der Familie gönnen würden. Ja, in vielen Fällen mag das stimmen. Väter führen ihr „altes Leben“ oftmals weiter, für sie ändert sich oft weniger nach der Geburt des Kindes als für die neuen Mütter. Doch weil es immer mehr Männer gibt, die sich familiär sehr engagieren und ebenfalls immer mehr zurück stecken, dürfen sie jetzt eben auch jammern und hinterher trauern, kurz: bereuen. Oder etwa nicht?

Es gibt unterschiedliche Facetten des Bereuens

Vor allem Frauen, die alleinerziehend sind oder viele Probleme mit ihren Partnern haben, finden es einfach nur lächerlich, dass die Väter sich nun zu Wort melden. Gut, ich verstehe die Wut, wenn die Säue sich einfach von Bord machen und die Frau mit allem alleine lassen. Feige Ar***. Und die Gesellschaft macht es ihnen nach wie vor leicht: ein Mann, der Frau und Kinder verlässt, wird noch immer weniger verurteilt als eine Frau, die einfach geht, weil ihr alles zu viel wird. Eine Frau wird viel eher gesellschaftlich verachtet, wenn sie bei einer Trennung die Kinder beim Vater lässt. Keiner will ihre Gründe verstehen.

Richtig drauf gehauen wird hier, und zwar auf Väter und Mütter gleichermaßen. Es tat mir schon fast körperlich weh, diesen Artikel zu lesen, so dass ich es nicht ein zweites Mal schaffe und hier nicht im Detail auf ihn eingehen kann. Lest selbst! Mich allerdings erinnert er an Aussagen von Leuten, für die der einzige Sinn im Leben eben in ihre Mutter- (oder Vater-)Rolle liegt oder die noch keine eigenen Kinder haben und daher nur unwissendes Geschwätz von sich geben.

Die beste Antwort auf den in der haz erschienenen Artikel findet sich bei Johnny vom weddingerberg.de. Jetzt lernen die neuen, modernen Väter eben auch endlich mal das Leben abseits von Freiheit, Hobbys und mmer toll aufgeräumter Wohnung kennen. Sie bringen sich ein, weil das in der heutigen Zeit von den Müttern eben so verlangt wird – und leiden nun eben auch unter der täglichen Überforderung und der Vereinbarkeitslüge. So schreibt Johnny unter anderem:

„Je mehr moderne Väter aktiv am Leben ihrer Kinder teilhaben haben möchten, desto mehr von ihnen werden genau die Erfahrung machen, die viele der Mütter schon hinter sich haben. Dass die Vereinbarkeit aller Lebensbereiche ein Drahtseilakt ist. Dass es den perfekten Elternteil, der immer alles richtig und magazintauglich hinbekommt nicht gibt. Dass Elternsein immer auch ein Kompromiss ist.

Natürlich darf ich meinem alten Leben romantisch hinterher blicken und sagen:“Hey Du, weißt Du noch? Damals..!“ Ich darf mit meinem derzeitigen Leben mindestens genauso frustriert sein. Sich aber dem Familienleben hingeben, obwohl man sich jeden Tag die Überstunden im Büro und die Cocktails mit den Kumpels herbeisehnt?

Oder anders formuliert: der Wunsch nach Erlebniskultur statt Vatersein? Freizeitpark statt Verantwortung? Einerseits will man also alles anders machen, als der eigene, emotionslose bzw. abwesende Vater. Andererseits sehnt man sich nach dem Leben in einer Werbebroschüre: immer verfügbar und immer cool. „Regretting fatherhood“ kommuniziert die Reue über das Elternwerden auf ganz anderen Ebenen, als reumütige Mütter dies zu tun scheinen. Kann das aber wirklich sein? Wäre das nicht erschreckend entlarvend? Mütter zweifeln an sich, Väter an ihrer Familie?“

Und mein Fazit?

Ich finde, wir dürfen alle mal sagen, wie anstrengend unser Leben und unser Alltag geworden ist, seit wir Kinder haben. Egal ob Mann oder Frau. Wenn wir es denn so empfinden, dann ist das eben so. Ich finde, wir dürfen ruhig mal laut äußern, auf was wir alles tagtäglich und auch im Großen und Ganzen verzichten und was wir manchmal schlicht und einfach in unserem Leben vermissen, seit wir Eltern sind – unabhängig davon, ob wir vieles in der Zeit vor unserer Elternschaft schon erlebt und gelebt haben. Das mag bei dem einen eben die schicke Designer-Wohnung, der tolle Sportwagen oder die durchgemachte Partynacht am Wochenende sein. Bei dem anderen ist es vielleicht ein ganz banaler Wunsch, wie endlich einmal wieder auszuschlafen oder in Ruhe zu duschen auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen. Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Kinder eben nicht jede Sekunde an jedem Tag der Woche unendlich glücklich machen (und das im Übrigen auch nicht ihre Aufgabe ist, aber das ist ein anderes Thema!), sondern dieses Leben mit Kindern mit vielen Kompromissen und Einschränkungen jedweder Art eine große Belastungsprobe sein kann. Für den einen mehr, für den anderen weniger.

Und noch ein Lesetipp zum Thema #regrettingsmotherhood

Und ganz neu und heute erst von mir entdeckt der Artikel von Franziska Schutzbach auf „Präzis und Kopflos“. Sie stellt die Frage, die ich mir selber schon so oft in den letzten Jahren gestellt habe. „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ Und sie findet eine Antwort, die meiner entspricht. Viel Spaß beim Lesen! (Und Danke fürs Lesen hier bei den verlorenenschuhen).

P. S.: Ganz vergessen zu erwähnen hatte ich diesen Beitrag hier von Liz von kiddo.the.kid. Bei ihr lese ich auch gerne, sie schreibt voller Humor.

 

 

Happy Birthday

Der 1. Geburtstag ist immer etwas besonderes. Jedenfalls habe ich das bei meinen Kindern so empfunden. Heute hat mein Blog Geburtstag. Ich hätte es vergessen, hätte mich wordpress nicht daran erinnert.

Und so möchte ich gemeinsam mit Euch anstoßen. Steckt mein Blog auch noch etwas in den Kinderschuhen und finde ich auch gerade keine Zeit, die Ideen zu neuen Beiträgen auf den Weg zu bringen, so danke ich doch an dieser Stelle den Leserinnen und Lesern, ja, sogar „Followern“ meines Blogs. Danke! Es wird weitere Beiträge geben, Ihr braucht nur etwas Geduld. Und früher oder später suche ich mir auch ein neues „Design“. Alles zu seiner Zeit!

Prost!