Endlose Weiten der Erinnerungen

Orte der Vertrautheit. Gefühle der Geborgenheit. Orte, an denen Unbeschwertheit stattfand. Kinderlachen. Freude. Aber auch Trauer und Nachdenklichkeit. Eine andere Zeit mit anderen Menschen. Das ist meine Heimat – und wird es immer sein.

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Orte der Sehnsucht. Wie hier, ganz im Westen Kanadas. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

 

Sie steht auf der Anhöhe, ihr Blick gleitet über die unendliche Weite dieser Landschaft und über das Dorf ihrer Kindheit. Es ist ein wunderschöner sonniger Frühlingstag. Ja, früher standen diese Häuser hier noch nicht. Es war das Feld von Landwirt W. Sie erinnert sich gut daran. Ihre Siedlung endete an diesem Feld. Nun stehen hier schöne Häuser neueren Baujahrs. Wie sie die Leute beneidet, die hier leben, direkt an Feld und Flur. Wunderschön und ruhig. Eine herrliche Landschaft. Felder, so weit das Auge reicht, durchzogen von einzelnen Feldwegen. Oben auf den Anhöhen der Wald, vorwiegend Laubbäume, die sich je nach Jahreszeit in den unterschiedlichen Farben zeigen. Jetzt herrscht das Gelb der Rapsfelder vor. Sie leuchten in der Sonne. Früher war hier weniger Raps. Aber der ist heutzutage recht rentabel für die Landwirte, vermutet sie. Von denen gibt es hier noch immer genug.

Was für ein schönes Dorf. Es wirkt etwas keiner als früher, etwas enger, aber übersichtlich. Die alten Höfe, meist aus Fachwerk oder rotem Backstein. Alles noch immer so vertraut. Früher kannte sie hier jeden Stein, jeden noch so kleinen Weg und jede Abkürzung. Sie geht über den Friedhof. Viele neue Gräber sind dazu gekommen, alte verschwunden. Die meisten Menschen werden hier recht alt, aber einige sterben auch früh, zu früh. Alles unter 80 ist zu früh, denkt sie. Sie liest die in dieser Region vorherrschenden Familiennamen, die sie so gut kennt. Ja, viele Alte von früher sind jetzt nicht mehr da. Wie oft sind sie als Kinder über den Friedhof geschlichen. Es war immer so spannend, die Grabsteine zu lesen.

Nur wenige Kilometer weiter, die kleine Stadt

Hier ist sie geboren und hat ihr Abitur gemacht. Die schönste Kleindstadt der Welt. Sie läuft vorbei an alten Fachwerkhäusern und Jugendstilvillen. Wie schön es hier ist. Die kleinen Gassen, so heimelig. Die vielen Cafés. Die alten Gemäuer, voller Geschichte. Gut, hier und da bröckelt der Putz, wie vielerorts. Alles so vertraut. Die Stadt ist durchzogen von Grünflächen und Wasser. So viel Natur. Immer wieder dieser Fluß und seine Nebenarme, die das Stadtbild prägen. Es ist so schön hier, denkt sie wieder. Warum nur bin ich jemals fortgegangen? Wieso kann ich jetzt nicht einfach zurück kommen? Vielleicht in 20 Jahren, sagt ihr Bruder. Ja, vielleicht. Aber jetzt geht es nicht. Doch die Sehnsucht bleibt. Nach damals, als sie jung war, und voller Hoffnung. Jetzt, wo ihr das Leben manchmal keinen Sinn mehr zu geben scheint. Bis auf ihre Kinder. Denen würde es hier auch gefallen, bestimmt. Aber ihr Job, es geht nicht. Und der Mann, den würde sie nicht mitnehmen. Er würde sie nicht gehen lassen, nicht mit den Kindern. Und wie gesagt, der Job. Ohne ihn ist kein Geld da, und die Altersarmut vorprogrammiert. Ein großer Lottogewinn müsste her, dann würde sie… . Sofort. Warum nur ist es hier so schön?

Damals.

 

 

 

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