Das war er – unser Sommer 2016

Endlich Frühling. April, April, April, April… also unbeständiges, von Abwechslung und viel Regen geprägtes Wetter. Sommer? Wurde es mal warm, dampfte man sofort ob der hohen Luftfeuchtigkeit. „Irgendwann gibt’s hier wieder Dinosaurier“, scherzte ich.

Aber am Ende des Sommers wurde doch noch alles anders… viel zu heiß. Über 30 Grad Celsius brauche ich Nordlicht nicht. Gerade höre ich durch’s offene Fenster die Grillen zirpen. Und der Sonnenuntergang war gerade so lange so schön. Aber heute (30. August) ist auch der erste Tag, wo ich den Herbst zum ersten Mal in diesem Jahr sehr deutlich gespürt habe. Ich spüre das normalerweise, wenn die Jahreszeit wechselt. Und zu übersehen ist es auch nicht mehr, denn die Bäume und Sträucher verändern bereits ihre Farben und werden gelb und braun und rot.

Fortsetzung…

Und dann kam er noch einmal zurück, der Sommer 2016, und wir schwitzten erneut bei über 30 Grad. Der vor einigen Tagen erfolgte Kälteeinbruch kam plötzlich. Eine herbeigesehnte Abkühlung, aber doch bitte nicht derart krass, sodass die Gewöhnung wohl etwas dauern wird. Vorbei ist vorbei. Mir ist kalt! Der Herbst ist zu sehen und zu spüren. Und doch, ich weiß nicht warum, aber mein „Herbstgefühl“ ist in diesem Jahr weniger deutlich als sonst. Woran liegt das? Gehörte diese Jahreszeit doch immer zu meiner liebsten im Jahr. Aber der letzte Herbst war nicht gut und ich scheue die dunkle Jahreszeit wie nie zuvor, aus Angst vor der erneut fehlenden Energie durch fehlendes Tageslicht… .

Familiensommer

Was haben wir gemacht? Nach dem wir bereits im Mai verreist waren, entschieden wir uns letztendlich für einen ruhigen Sommer ohne große Reise. Das Hotel Mama brachte uns Eltern kleiner Kinder im August gleich zwei Mal etwas Entspannung. Dazwischen schuffteten wir im eigenen Garten und im Haus, richteten das Zimmer von KindNr. 2 her – endlich, und ich räumte viel auf und um. Das hatte ich schon lange erledigen wollen. Zwischendurch feierten wir noch einen Kindergeburtstag. Ausserdem blieb Zeit für zwei Schwimmbadbesuche, viel Zeit im Garten mit Planschbecken und Hängematte und im September war sogar noch ein Tag im Zoo drin. Ich denke, in der Hinsicht war es ein gelungener Sommer und manchmal ist weniger ja durchaus mehr. Überhaupt reden wir hier vom ersten Sommer seit 5 Jahren, wo ich bzw. wir als Eltern durchaus mal 5 ruhige Minuten im Garten hatten, während die Kinder spielten. Kein ständiges Hinterherrennen und Aufpassen mehr. Bis auf die Geschwisterstreitigkeiten, aber zumindest besser als die Jahre zuvor.

Die Hälfte einer Hängematte und Beine, dahinter der Baum, an dem sie befestigt ist

So hängt Mama am liebsten im Garten ab (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Zeit zu zweit

Dieser Sommer brachte weitere Neuigkeiten. Wir haben es endlich einmal gewagt, unsere Kinder gemeinsam „fremdübernachten“ zu lassen. Wir waren auf einem Konzert und ohne Kinder eine Nacht im Hotel. Wir waren Tanzen und konnten am nächsten Tag ausschlafen. Wir haben sogar eine kleine Radtour mal ohne Kinder gemacht und waren desweiteren chique essen. Es geht also bergauf, und das Leben macht auch abseits der Kinder wieder mehr Freude. Der sog. Ausgleich stimmte in diesem Sommer zum ersten Mal seit Jahren auch für mich wieder.

Die Schattenseiten

Leider hat mir der Sommer und die kürzeste Nacht des Jahres auch meinen Vater genommen link. Das war hart und klingt natürlich bis heute und noch für lange Zeit nach. Aber ich schaffte es, nach meinem schweren Burnout-Syndrom wieder auf die Beine zu kommen und flog sogar dienstlich über den „Großen Teich“. Seit dem sind Mittagsschlaf und Hausarbeit ignorieren meine neuen Lieblingsdisziplinen. Die Gesundheit geht vor – zu jeder Jahreszeit.

Noch liegen mehr als 3 Monate des Jahres 2016 vor uns. Ein Fazit ist sicherlich, dass es mal wieder verdammt schnell ging, mit dem Sommer und dem Jahr insgesamt. So spielt das Leben eben! Bleibt gesund!

 

Woran wir erkennen, dass wir alt sind

Ab wann gilt man in der heutigen Zeit als alt? Sind wir es bereits mit 30? Oder doch erst mit 40? Als ich die 30 überschritten hatte, dachte ich mit Grausen an die 40. Nun denke ich mit Grausen an die 50. Und wenn ich sehe, wie schnell – gefühlt – die letzten 10 und sogar 20 Jahre vergangen sind, dann wird es mir Bange. Die Hälfte ist um – mindestens.

Über das Älterwerden (von Wilhelm Busch)

Das große Glück, noch klein zu sein,
sieht mancher Mensch als Kind nicht ein
und möchte, dass er ungefähr
so 16 oder 17 wär‘.

Doch schon mit 18 denkt er: „Halt!
Wer über 20 ist, ist alt.“
Warum? Die 20 sind vergnüglich –
auch sind die 30 noch vorzüglich.

Zwar in den 40 – welche Wende –
da gilt die 50 fast als Ende.
Doch in den 50, peu à peu,
schraubt man das Ende in die Höh‘!

Die 60 scheinen noch passabel
und erst die 70 miserabel.
Mit 70 aber hofft man still:
„Ich schaff‘ die 80, so Gott will.“

Wer dann die 80 biblisch überlebt,
zielsicher auf die 90 strebt.
Dort angelangt, sucht er geschwind
nach Freunden, die noch älter sind.

Doch hat die Mitte 90 man erreicht
– die Jahre, wo einen nichts mehr wundert -,
denkt man mitunter: „Na – vielleicht
schaffst du mit Gottes Hilfe auch die 100!“

Ich denke, Wilhelm Busch, einer meiner Lieblingsautoren und -aphoristiker, hat es ganz gut getroffen, was die meisten von uns bewegt, wenn es um das Thema Alter geht.

Wir befinden uns jetzt also in der Mitte des Lebens, also ich und viele der Menschen, mit denen ich meine Kindheit verbracht und gemeinsam die Schulbank gedrückt habe. 20 Jahre sind nichts, das konnte ich auch an diesem Wochenende wieder feststellen, als ich einem Zusammentreffen mit Menschen, die ich 20 Jahre und teilweise noch länger nicht mehr gesehen, geschweige denn gesprochen habe, beiwohnen durfte.

Auch bei meinem Abi-Treffen im vergangenen Jahr erlebte ich das Phänomen des „als-wäre-es-erst-gestern-gewesen“, obwohl irre viel Zeit dazwischen lag. Wie kann es sein, dass das Abitur schon so lange her ist wie das Alter, das man beim Bestehen dieses überaus gefragten Schulabschlusses überhaupt erst inne hatte? (Wenn überhaupt).

Es gibt ab einem bestimmten Alter durchaus noch anderen Gründe, um ein Treffen mit alten, äh also früheren Weggefährten zu veranstalten bzw. zu besuchen. Die Silberne Konfirmation ist ein solcher.

Damals vor unendlich langer Zeit

Im Frühjahr 1992 habe ich mein Elternhaus und Heimatdorf verlassen. Nur 3 Jahre zuvor hatte ich dort noch meine Konfirmation erlebt. Man machte das halt so. Wir Dorfkinder (und Kinder der 70iger Jahre) waren in der Regel alle getauft – in einer vorwiegend protestantischen Gegend. Die Konfirmation war nur eine logische Weiterführung und somit ein Brauchtum, dem der ein oder andere auch wegen der zu erwartenden Geldgeschenke gerne nachkam. Hinterfragt wurde das „weil-es-alle-machen“ häufig erst viel später. Also latschte auch ich zwei Jahre lang jeden Donnerstagnachmittag in das dorfeigene Pfarrhaus zum Konfirmandenunterricht und erlebte dabei gleich zwei Pfarrer, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können. Der dazugehörige sonntägliche Besuch des Gottesdienstes in der Dorfkirche wurde für mich dabei zur Farce. Zur gleichen Zeit probte nämlich der Musikzug des Dorfes, wo ich schon damals gerne in mein Instrument blies – lieber jedenfalls, als mit Dorfmitgliedern jenseits der 70 das Vaterunser zu beten. Das gab Ärger.

Aber im Frühjahr 1989 hatte ich es doch geschafft und wurde als vollwertiges Mitglied in die evangelisch-lutherische Kirche aufgenommen. Im Jahr zuvor hatten sich meine Eltern getrennt, meine Konfirmationsfeier war daher eines bestimmten Zaubers beraubt worden. Und auch geldmäßig kam ich wesentlich schlechter weg als so mancher Mitkonfirmand mit vermögenden Großeltern. Sei’s drum, für ein neues und überhaupt eigenes Instrument reichte es. Das habe ich zwar heute nicht mehr, dafür aber noch einige meist schlicht weiß gehaltene Handtücher im Schrank, die damals auch an mich überreicht wurden.

Sie haben Post!

Und dann kam im Frühjahr ein Brief eines ehemaligen Mitschülers und eben Mitkonfirmanden in meinem heutigen Zuhause an. Die Einladung zur Silbernen Konfirmation umfasste gleich sechs Jahrgänge. Ich überlegte, ob ich hingehen sollte. Immerhin lebe ich schon lange nicht mehr in diesem Dorf und war damals nicht gerade freudig dort verabschiedet worden. Im Gegenteil. Im Musikverein hatte man mich „rausgemobbt“, genau wie aus meinem Elternhaus. Aber ich war neugierig auf die Leute von früher.

 

Das Bild zeigt ein Abbild Jesus Christus, darüber steht Silberne Konfirmation

Das Bild auf der Urkunde, die jedem silbernen Konfirmanden überreicht wurde (Bildrechte: DieverlorenenSchuhe)

Dieses Wochenende war es also soweit. Und es war schön. Neben einem gemeinsamen Samstagabend im Wirtshaus gehörte ein Gottesdienst in der altvertrauten Kirche zum Programm. Und diese Kirche, welche ich seit eben dieser Konfirmation im Alter von knapp 14 Jahren nicht mehr betreten hatte (zumindest erinnere ich mich nicht an weitere Besuche) hat sich im Grunde nicht verändert. Gut, es gibt neue Gesangsbücher, und der Schriftzug auf dem Bogen vor dem Alter steht nun in moderneren Buchstaben dort, aber sonst alles ist gleich geblieben. Selbst der Wandteppich ist noch da, den ich während so mancher langweiliger Stunde dort angeschaut hatte.

Back to the roots

In dieser Kirche wurde ich getauft, hier fand mein Einschulungsgottensdienst statt und natürlich die Konfirmation meines acht Jahre älteren Bruders. Hier besuchte ich zumindest zur Zeit des Konfirmandenunterrichts den Gottesdienst am Heiligen Abend (meine Jungspuppe war beim Krippenspiel das Jesuskind!) und hier spielte ich unzählige Male das Blumenmädchen für heiratende Verwandtschaft und auch Nicht-Verwandtschaft (manche davon inzwischen wieder geschieden). Diese kleine Dorfkirche ist mir vertraut. Ebenso wie viele der inzwischen gealterten Gesichter von damals. Als hätte es diese lange Zeit dazwischen nie gegeben.

Erstaunlich viele der Anwesenden wohnen noch in diesem Dorf oder in einem der Dörfer drum herum. Ich hatte, so wurde immer wieder betont, von allen Anwesenden mit meinem über 300 Kilometern die weiteste Anreise. Und mein absolutes, persönliches Highlight: ich habe meine ehemals beste Freundin nach 20 Jahren wieder getroffen. Mit ihr hatte ich gar nicht gerechnet (und auf meine allererste beste Freundin gehofft, die aber nicht kommen konnte). Ach, was war und ist das schön! Ich bin so froh. So oft habe ich an sie gedacht und mir gewünscht, dass wir wieder in Kontakt treten. Sie immerhin wohnt seit über 20 Jahren in der 50 km entfernten Universitätsstadt. Was haben wir doch früher viel Zeit miteinander verbracht. Sie war mein Anker in schwierigen Zeiten und sie war mein Vorbild. Und sie ist noch immer diese überaus tolle Person – und redet und gestikuliert noch wie damals.

Ein Wochenende, das gut tat

Ja, als wäre die Zeit dazwischen nicht gewesen, mehrere Jahrzehnte, die wie im Fluge vergingen, aber viele gemeinsame Erinnerungen, die nach wie vor präsent sind oder wieder im Gespräch hervorgeholt wurden. Und für mich schön, bei dem ein oder anderen den dorfeigenen „Slang“ herauszuhören, den ich auch von meinem Vater kannte.

Wir sind alt geworden, aber noch nicht zu alt, um gemeinsam Spaß zu haben und wir spüren noch ein wenig von dem Zauber unserer Kindheit in diesem kleinen, beschaulichen Ort. Die Kinder der meisten sind bereits im konfirmationsfähigem Alter. Verrückt! An den Kindern, da merkt man auch sehr gut, wie die Jahre dahin rasen.

Auf das man den ein oder anderen wiedersieht – noch bevor die Goldene Konfirmation ansteht. Ich bin froh, dabei gewesen zu sein, so als „weiteste Konfirmandin von damals“! 😉

P. S. Ich habe sicher ein gutes Gedächtnis für Gesichter, aber mit Namen – erst recht nach so langer Zeit, habe ich es einfach nicht so.

Paarzeit als Eltern

Was vielen kinderlosen Paaren ganz selbstverständlich erscheint, kann für ein Paar mit (kleinen) Kindern ein echter Kraftakt werden: wie findet man Zeit für sich selbst und Zeit für sich als Paar?

Dazu gehören gemeinsam verbrachte Abende, sei es auf der Couch zum Film schauen, ein gemeinsamer Kinoabend, ein schönes Abendessen in einem Restaurant, Tanzen oder ins Konzert und in die Oper gehen – was man eben immer so ganz gerne gemacht hat. Auch das Ausschlafen an freien Tagen, gemeinsame Urlaube voller Erlebnisse und Enspannung standen bei uns jahrelang (!) nicht mehr auf dem Programm. Oder nur äußerst selten und erst Recht nicht für beide Partner gleichzeitig. Denn da wir auch häufiger abends arbeiten müssen und dann einen Babysitter brauchen (in unserem Fall zum Glück OmaOpa), wollten wir nicht auch noch zusätzlich zu oft weg sein, um mal etwas gemeinsam zu tun. Und Fernsehen – ich persönlich gucke das nur noch ganz selten, und wenn, dann nur ausgesuchte Filme ohne Werbung. Aber selbst dafür fehlte oft Zeit und Kraft (Kinder schlafen eben nicht immer Punkt 20:15 Uhr) und man war froh, wenn man selber einfach nur noch ins Bett fallen konnte – zum Schlafen wohlgemerkt!

„Irgendwann wird es wieder anders“

Aber inzwischen haben auch unsere Kinder ein Alter – nämlich 5 und 3 Jahre – erreicht, in dem sie sogar gemeinsam eine Nacht bei OmaOpa verbringen können. Dieses Experiment haben wir in diesem Sommer gleich 2 x gemacht. Beim ersten Mal gönnten wir uns ein Rockkonzert mit anschließender Nacht im einer schönen Hotelsuite. Beim zweiten Mal sind wir ganz banal Tanzen gegangen. Mir persönlich hat das sehr gut getan, obwohl ich – in meinem Alter ist das wohl so – am nächsten Tag doch etwas erschöpft und müde war. Aber Abzappeln und nachts um 2 Uhr erst ins Bett gehen und dann schlafen bis kurz vor 10 Uhr (natürlich war ich zu gewohnter Zeit um 6 Uhr erst mal eine Weile wach), das war schon etwas absolut Besonderes. Anschließend im Bett frühstücken und gemeinsam ein entspannendes Bad nehmen, was kann es Schöneres geben, um einmal dem anstrengenden (Kinder-)Alltag zu entfliehen?

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Die über 20 Jahre alten (Tanz-)Schuhe ausgepackt und los ging’s! (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Und das schlechte Gewissen?

Ja, das hatte ich viel zu lange und viel zu lange viel zu sehr. Aber ich habe den Eindruck, dass es den Kindern nicht schadet, wenn sie alle paar Monate einmal ohne uns schlafen. Und wir Eltern gehen zumindest psychisch / seelisch unheimlich gestärkt aus unserer gemeinsamen Zeit heraus. Vor allem in Hinblick darauf, dass unsere Beziehung ernsthaft unter all den Belastungen der letzten Jahre gelitten hatte, ist es ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, den ich – sofern organisatorisch möglich – nur allen Elternpaaren weiter empfehlen möchte. Gerade nach meinem Burnout vor einem halben Jahr, der mich über Wochen bettlägerig hatte werden lassen, tut es mir sehr gut, wieder etwas mehr an mich zu denken und Dinge zu tun, die mir abseits von meinen Kindern Freude bereiten, sei es alleine oder mit meinem Mann.

Liebe Eltern! Denkt also auch an Euch! Verliert Euch selber nicht ganz aus den Augen, damit es nicht nur Euren Kindern, sondern letztendlich Euch selbst gut geht!

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Ein Caipi durfte an diesem Abend auch nicht fehlen!   (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)