Die Mama und ihr Arschlochkind

Diese Mama, das bin ich. Ein (längst überfälliges) Outing.

Ich bin die Mutter eines inzwischen 5-jährigen Jungen. Er war dieses supersüße, blondgelockte Baby und Kleinkind, das so schlecht geschlafen, das viel geschrien und mich immer wieder in die Verzweiflung getrieben hat. Mein erstes Kind – und ich eine unerfahrene Mutter, die von 100 auf 0 ihr eigenes Leben abbremsen – ja, erst einmal komplett runterfahren musste. Und die viele Monate nicht mehr wirklich schlafen durfte. Es war die Hölle!

Ich traute mich kaum mit diesem Kind nach draußen. Spazieren gehen? Vergiss es, er schrie. Wurde zwar besser mit der Zeit, aber so hatte ich das nicht erwartet. Ich war gefesselt an mein Haus. Ich traute mich nicht in Gruppen mit anderen Müttern und deren (pflegeleichten) Kindern. Wir machten Babyschwimmen, das war ok. Dort traf ich eine Bekannte aus meinem Wochenend-Geburtsvorbereitungskurs wieder. Wir besuchen uns bis heute gegenseitig.  Als die beiden Jungs klein waren, griff ihrer den meinigen gerne mal körperlich an, Haare ziehen und so. Meiner war ein ruhiges, liebes Kind. Er machte nichts.

Bis er in den Kindergarten kam. Das war mit 25 Monaten und leider zeitgleich mit der Geburt seiner Schwester. Er wurde vom Thron geschuppst und war dann auch noch plötzlich täglich ca. 3 1/2 Stunden unter so vielen Kindern, in einer so lauten Umgebung, fort von MamaPapa und OmaOpa. Und da waren Kinder, die ich nicht gerne als Vorbilder gesehen habe. Die gibt es bis heute. Jetzt befindet er sich selbst im letzten Kindergartenjahr und gehört zu den großen Vorschulkindern.

Sein Verhalten gegenüber seiner Schwester war problematisch, obwohl ich versucht hatte, ihn vorzubereiten und einzubinden. Hinzu kam, dass ich selber völlig erschöpft war. Ich funktionierte irgendwie für beide kleinen Kinder, war auch nicht unbedingt unglücklich dabei, aber es wart hart! Einfach hart und sauanstrengend – jeden  einzelnenTag! Und ich war überfordert, diesem anspruchsvollen 2-jährigen gerecht zu werden, während ich noch ein Baby zu versorgen hatte und viel zu wenig Schlaf bekam.

Heute ist er nicht mehr der liebe, ruhige Junge

Zumindest ist er das nicht immer.

Ich habe mir oft die Schuld gegeben, dass ich in der Zeit, als ich eben die völlig überforderte Mutter war, viel bei ihm kaputt gemacht habe, oder in ihm. Dass ich sein problematisches soziales, also sein oppositionelles Verhalten, seine Wutausbrüche und seine Aggressivität, sein lautes Herumschreien, seine körperlichen Attacken gegenüber anderen Kindern und den Erzieherinnen zu verantworten habe. Nur ich! Weil ich die Mutter bin. Wenn jemand Schuld ist, dann die Mutter.

Ich bin die Mutter eines Jungen, der nicht so funktioniert wir er sollte, also wie unsere Gesellschaft sich das wünscht. Der in dieser braven Mädchen-ErzieherINNEN-Welt nicht vorkommen darf. Ein Junge, der viel Aufmerksamkeit braucht und Einzelbetreuung einfordert. Der ständig gesehen werden will und der lange gebraucht hat, sich auch mal alleine beschäftigen zu können. Das kann er inzwischen. Ein Junge mit auffälligem Sozialverhalten, der Neins schwer akzeptieren kann und selber Nein sagt. Der sich seine eigenen Regeln macht so wie es ihm gerade passt, damit er im Vorteil ist. Er, der immer der erste und beste sein will, der Willensstärke beweist und so fordernd ist. Der als anstrengend empfunden wird, auch von mir.

Aber er ist auch der Junge, der ein unheimlich gutes Gedächtnis hat und daher bereits jetzt einen großen Wissensschatz besitzt – und sich damit gerne zeigt. Er ist ein Kind mit Phantasie und Entdeckerfreude. Er kann seinen Namen schreiben und Zahlen, er kann rechnen und er interessiert sich für Englisch. Und für Autos – und manchmal möchte er eben kämpfen und jagen. Und dann ist er wieder so sanft und auch verständnisvoll, auch hilfsbereit kann er sein, wenn er es möchte.

„Was für ein fürchterliches Kind“

Bevor ich selber Mutter wurde bzw. bevor mein Kind sich so gezeigt hat, hatte auch ich Vorurteile gegenüber „schwierigen“ Kindern. Wie oft, wie schnell macht man dafür die Eltern verantwortlich. Heute weiß ich es besser, oder rede es mir zumindest ein. ICH BIN NICHT SCHULD! Es gab sicherlich ungünstige Umstände, es gab etliche Fehler meinerseits, aber er bringt dieses Wesen, diesen impulsiven Charakter auch ein Stück weit mit. Also auch die Gene dürften hier eine Rolle spielen.

Heute vor-verurteile ich keine Eltern mehr. Ich hinterfrage zwar, aber ich weiß, dass es immer mehrere Seiten der Geschichte gibt.

Verflucht sei der Kindergarten

Erst hieß es, er würde seine Grenzen austesten. Zu sehr. Immer wieder. Erste kleine Krisengespräche. Erste und dann wiederholte Empfehlungen an uns Eltern, einen  KESS-Kurs oder ähnliches zu besuchen, empfinde ich heute inzwischen geradezu als unverschämt. Ein Kindergarten, welcher also per se davon ausgeht, dass wir nicht mit unseren Kindern umzugehen wissen. Der gleiche Kindergarten, welcher erst vor wenigen Monaten mutmaßte, unser Sohn hätte eine Bindungsstörung zu uns Eltern und würde unter Trennungsängsten leiden– weil er mit seinen 5 Jahren äußerte,  er wolle lieber zu Mama und Papa. Der gleiche Kindergarten, welcher laut der selbstbewußten KiTa-Leitern über achsosuperausgebildete Pädagoginnen verfügt, die aber nicht mehr wussten, wie sie diesen Jungen in den Griff bekommen sollten (vor allem nicht unter krankheitsbedingtem Personalmangel in der Einrichtung) und statt dessen lieber uns Eltern baten, das Kind abzuholen. Klar, dass mein schlauer Sohn schon beim zweiten mal wusste,  was er tun muss, um früher nach Hause abgeholt zu werden. Diese tolle Einrichtung, die allerweltbeste in der ganzen weiten Umgebung – zumindest hört man das heraus, wenn man der Leiterin genau folgt, kommt mit meinem Kind nicht klar.

Vor einem Jahr bin ich nach dem damaligen Gespräch mit den Erzieherinnen komplett zusammen gebrochen. Zwei Tage später fing mein Körper zu zittern und zu brummen an, was den nahenden völligen Zusammenbruch ankündigte. Ich vermute, es war der Tropfen, der das Faß bei mir damals zum Überlaufen brachte.

In letzter Zeit gab es einige längere Gespräche mit mir / uns im Kindergarten, und es nimmt kein Ende. Ein mir total unsymphatischer Pädagoge der Stadt (Träger der Einrichtung) oder what the fuck bohrte, was denn bei uns daheim bei uns nicht in Ordnung sei, dieses Verhalten müsse doch seinen Ursprung haben. Eine Leitung,  die sich so gut aus allem rausreden kann, die betont, wie toll sie doch alles machen und immer wieder versuchen würden. Und dazwischen ich, die versucht, stark und selbstbewusst zu sein. Und deren gute Erziehung sie davon abhält, einfach mal auf den Tisch zu hauen!

Ich, die Rabenmutter, die selber nach Antworten und Lösungen sucht. Verzweifelt. Oftmals getriggert von ihrem eigenen Kind. Die sich als Mutter erst finden musste und die irgendwann in der zunehmenden Erschöpfung nur noch versuchte zu funktionieren, weinend inmitten ihrer Familie sitzend, gereizt vor lauter Müdigkeit und Unterdrückung jeglicher eigener Bedürfnisse. Eine Mutter, nein eine Frau,  die nicht mehr lebte, sondern das Leben lediglich an sich vorbei ziehen sah, als wäre sie ihr eigener Zuschauer.

Die Hilfe, die ich hol(t)e

Neben dem ganzen Nachdenken, Reflektieren, Lesen von Literatur und dem Zerfleischen durch Selbstvorwürfe holte ich mir auch Hilfe von außen. Seit fast einem Jahr arbeiten wir mit einer Kinderpsychologin zusammen. Und ich spreche viel mit meiner eigenen Psychologin, die auch gelernte Erzieherin ist und in diesem Beruf auch mehrere gearbeitet hat. Vielleicht helfen mir diese Gespräche irgendwann dabei, das Gefühl von Schuld in mir zu besänftigen, dass NICHT ICH Schuld habe an diesem anspruchsvollen Kind, das uns alle so sehr fordert. Dass diese Momente, wo ich ihn an die Wand klatschen oder ihn zur Adoption frei geben möchte, neben meiner großen Liebe für ihn ganz normal sind. Ich muss mich dessen nicht schuldig fühlen. Und dass ich mit der Frage, „Warum gerade ich, warum hier? Warum MEIN KIND?“ nicht alleine bin. Ich schwanke zwischen Verzweiflung, wohin das führen soll und Zuversicht, wenn ich mit den Psychologen spreche. Er kommt bald in die Schule, dieses intelligente Kind. Wohin wird sein Weg ihn führen? Und werde ich dem auf Dauer gewachsen sein? Den Weg weiter mit ihm gehen, damit es gut wird?

Es gibt so viele gute Momente mit ihm

Und die Gedanken, es müsste doch irgendwann mal besser werden, ich gebe mir doch Mühe. Aber gebe mir wohl nicht genug Mühe, wenn sich nichts ändert. Und spüre die Schuldabladung der Einrichtung bei uns Eltern. Denn eines erkennt man bei den Gesprächen nie: dass der Kindergarten, sein (teilweise überfordertes und in Kur gehörendes) Personal, die vielleicht ungünstige Gruppenzusammenstellung (zu viele Raufbolde in der Gruppe meines Sohnes) und ganz speziell der Umgang mit meinem Sohn in den bestimmten Situationen auch nur irgendwie zur Verstärkung des „Problems“ beigetragen haben könnten. Nope!

Die Rolle des Kindergartens (Fortsetzung)

Oder: wir hetzen Ihnen mal eben ohne Vorankündigung bzw. unter Vortäuschung falscher Tatsachen das  Jugendamt auf den Hals

Da sitze ich nun. Es sollte eigentlich darum gehen, eine weitere Kraft in den Kindergarten zu holen, um die Betreuung unseres Sohnes zu unterstützen. Plötzlich ist da die junge Dame vom Jugendamt. Nein, es wird beschwichtigt, es geht ja nur darum uns zu helfen, nichts weiter. Aber es ist herauszuhören, dass die sich weiter aufzudrängen wünschen. Am liebsten hätten alle, also das Personal vom Jugendamt und die Erzieherinnen sowie in erster Linie vermutlich der Träger der KiTa, dass Leute vom Jugendamt zu uns nach Hause kommen. Alle, außer mir.  Und meine Wut auf die Einrichtung, seinen Träger und die KiTa-Leiterin steigt, je mehr und je länger ich darüber nachdenke, was hier eigentlich passiert. Aber ich bin auch wütend auf mich, weil ich mir das alles habe gefallen lassen / gefallen lasse und bei dem Gespräch natürlich wieder handzahm und höflich bleibe.

Wollen die uns wirklich für dumm verkaufen? Worum geht es hier eigentlich? Darum, dass wir als Eltern scheinbar total versagt haben und jetzt kontrolliert und neu angelernt werden müssen? Habe ich nicht schon genug unternommen? Dreht sich nicht mein Leben nur noch hauptsächlich um dieses eine Thema? Habe ich nicht schon seit einem Jahr therapeutische Hilfe an der Hand? Die Kinderpsychologin war auch bei uns zu Hause (und hatte im übrigen auch den Kindergarten und die Gruppe meines Sohnes besucht).

Was wollen die? 24 Stunden Überwachung? Das wäre nämlich nötig, um die schlechten Momente mit dem Sohn auch wirklich immer mit zu erleben. Oder unsere schlechten Momente als Eltern, die wir zweifelsohne haben, so wie vermutlich auch sehr viele der anderen Eltern der über 100 Kinder in dem Haus. Erwarten die vielleicht sogar, dass ich vor deren Augen mein Kind misshandele, damit sie es aus der Familie holen und sagen können, „Haben wir es doch gewußt!“ ? Glauben sie nicht daran, dass sie hier eine relativ normale Familie erwartet, wo vor allem der Streit der Geschwister zu Unmut führt? Sie wollen uns kontrollieren? Kontrollieren Sie bitte erst einmal ihre überforderten Erzieherinnen, vor allem die eine Haupterzieherin in der Gruppe meines Sohnes, die ich schon seit Jahren als „ausgebrannt“ bezeichnen würde.

Der Träger möchte, dass unser Sohn weiterhin aus dem Kindergarten abgeholt wird, wenn er aufmuckt. Diese Woche war er drei Tage dort, zwei Tage krank. An zwei der drei Tagen musste er um die Mittagszeit abgeholt werden. Einmal habe ich dafür den Großvater aus dem Mittagsschlaf geklingelt. Jeden Tag habe ich Angst, dass ich meine Arbeit stehen und liegen lassen muss, um dort hin zu eilen.

Mein Kind ist toll

Es weiß nur nicht, wohin mit seiner Wut. Die Wut, die ich nachvollziehen kann. Wut auf ungerechte Behandlung durch das pädagogische Personal seiner KiTa. Wut auf Fremdbestimmung. Wut auf seine Schwester, weil sie einfach da ist. Wut auf seine Eltern, die ihn nicht immer den großen Bestimmer, also den Boss markieren lassen, obwohl ihm das so wichtig ist.

Er hat ein ungemein großes Wissen, er saugt alles förmlich auf. Er ist ansonsten absolut schulreif, kann Buchstaben und Zahlen schreiben und rechnen. Er kann schon jetzt um die Ecke denken und sich auf vieles seinen eigenen Reim machen. Er hat Phantasie und beweist Kreativität im Spiel. Er ist mein Kind und ich liebe ihn. Immer wieder aber muss ich mir gut zureden, dass ich ihn so annehme, wie er ist. Weil mir von außen suggeriert wird, dass er nicht normal ist. Vielleicht ist er tatsächlich nicht normal, vielleicht ist aber auch das System heute nicht normal. Sicher habe ich Fehler gemacht und ich kämpfe gegen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen an. Ich zermartere mir das Gehirn darüber. Und ich habe inzwischen diese StinkeWUT in mir auf diesen Kindergarten.

Noch ein halbes Jahr bis zur Einschulung. Was wird dann und was können wir bis dahin an positiver Entwicklung erreichen? Wir werden sehen.

Ich gebe nicht auf und kämpfe. Immer weiter – wenn es sein muss, bis zum nächsten Burnout.

Lesetipp: http://elternmorphose.de/du-hast-deine-kinder-nicht-im-griff-ueber-perfekte-eltern-und-kinder/

Kinderkrankentage

Wir haben vermutlich noch Glück. Es gibt Kinder, die sind häufiger krank als unsere. *3malaufholzklopf*. Trotzdem müssen auch wir manchmal jonglieren, um unvorhergesehene Erkrankungen unserer Kinder in unseren Arbeitsalltag zu integrieren.

In diesem Fall kommen uns unsere Jobs im Schichtdienst vermutlich sogar entgegen (muss ja auch mal für was gut sein). Wir sind immer auch mal Vormittags daheim, vor allem der Mann. Dafür arbeitet dieser häufiger an den Wochenenden. Oder ich kann unwichtige Dienste gut ignorieren, dann ist jedoch der Weg zum Kinderarzt vorgegeben, wegen der benötigten Krankmeldung für den Arbeitgeber. Zu guter Letzt können auch noch die Großeltern einspringen,  wenn es gar nicht anders zu organisieren geht.

Ich selber kam so im letzten Jahr gerade einmal auf 4 bzw. 1 Kinderkrankentag (e) für meine zwei Kinder – und das bei voller Lohnfortzahlung. Auch ein kleiner Vorteil, wenn man nach Tarifen des Öffentlichen Dienstes vergütet wird. (Auch im Falle eigener längerer Krankheit ein Plus).

Und trotz dieser Vorteile kommt man schon mal ins Schleudern. Überlegt. Muss Entscheidungen treffen und oft spontan agieren. Und die eigenen Kräfte mehr als sonst ausbeuten. Weniger Schlaf, weniger Zeit, noch weniger Pausen. Manchmal sind Kinder krank, ein Besuch von Kita oder Schule kommt nicht in Frage – obwohl das Kind weitestgehend munter und entsprechend fordernd ist.

Krankheiten erkennen und einstufen lernen

Hat das Kind Fieber bzw. erhöhte Temperatur,  bleibt es zu hause. Auch noch mindenstens am Tag nach Abklingen dieser Körperreaktion. Das ist Gesetz bei uns. Der Körper ist mit irgendetwas beschäftigt und braucht mehr Ruhe als sonst. Jetzt gilt es nur noch, die Ursache dafür heraus zu finden.

Je kleiner das  Kind, desto schwieriger ist sicherlich die eigene Diagnosestellung, da der Patient noch nicht so gut äußern bzw. selber erkennen kann, was los ist.

Abends und am Wochenende…

… hat der Kinderarzt nicht auf. Dann bleibt uns nur der Weg in die Pädiatrie des Krankenhauses in einer 30 km entfernten Stadt. Ist ok. Wir kennen uns da inzwischen aus. KindNr. 1 lag vor fast drei Jahren dort 8 Nächte stationär inklusive OP und Vollnarkose. Und die Säuglingsintensivstation dort war nur 48 Std. nach der Geburt von KindNr. 2 für weitere 3 Nächte meine ganz persönliche Horrorstation.

Übrigens werden meine Kinder gerne bevorzugt am Wochenende krank.

Neulich stand ich jedoch auch unter der Woche vor der Entscheidung: Krankenhaus oder warten bis zum nächsten Morgen. Es war 21:00 h und meine Tochter hatte nicht nur Husten, sondern pfiff beim Ein- und Ausatmen. Sie war gerade eingeschlafen und ich konnte erkennen, wie anstrengend das Atmen ihrem kleinen Körper fiel. Ich packte ein paar Sachen in den Rucksack und um 21:30 h schnappte ich mein Kind samt Schlafsack und fuhr los.

Warten im Krankenhaus

2 Stunden später. Um kurz nach Mitternacht waren wir endlich dran. Weil ab 22:30 h die ambulante Versorgung der Station angegliedert wird, dauerte es eben schon mal länger. Ich hätte doch eher hin fahren sollen! Mein Kind machte wie immer alles gut mit. Nur „kurz vor Schluß“ fehlte ihr Nuckel, den ich im Auto vergessen hatte. Aber zum Glück gibt es diese Tröster auch vor Ort von der Kinderkrankenschwester.

Diagnose/n

Ich bin selber Asthmatiker (gewesen), von daher war mein erstes Anliegen und weshalb ich mich in erster Linie für die Fahrt ins Kh entschied, ein bronchienerweiterndes Spray für sie zu bekommen. Das bekamen wir auch und dazu den Verdacht auf eine leichte Lungenentzündung.  So fuhr ich am nächsten Vormittag doch zum Kinderarzt unseres Vertrauens, der abwinkte: Antibiotikum nicht notwendig. Ich bekam ausserdem die Krankschreibung für meinen Arbeitgeber.

Trotz dieses Mehraufwandes finde ich meine Entscheidung richtig, auch wenn wir erst um 1 h nachts aus dem Kh zurück waren. Wir hatten eine ansonsten ruhige Nacht und konnten uns am nächsten Morgen bei starkem Schneefall Zeit lassen. Zum Glück half der Mann mit dem anderen Kind.

Lieber einmal mehr

Auch wenn man mit den Jahren ruhiger wird und nicht mehr bei jeder Kleinigkeit in Panik verfällt. Und so habe ich vor zwei Tagen KindNr. 1  mit Husten und erhöhter Temperatur kurzerhand mit zum Dienst genommen.  Das war ihm sehr recht und es hat super geklappt.  Auch das geht also und den Weg zum Arzt haben wir uns gespart. Ich konnte auch so hören,  dass der Hustenschleim locker und recht weit oben sitzt.

Ja, auch das gehört zum Alltag mit Kindern. Auf das uns schlimmere Erkrankungen auch in Zukunft erspart bleiben *wieder3malaufholzhau*.

Reblogged: „Ich will nicht brennen. Ich will glühen.“

Vor wenigen Wochen bin ich auf einen neuen Blog gestoßen. Nun, das ist ansich nichts ungewöhnliches, wenn man seine EntspannungsMomente u. a. gerne damit verbringt, sich durch diverse Blogs zu lesen. Allerdings hat nicht jeder das Potential, mich so zu fesseln, dass ich immer wieder rein schauen möchte. Bei meiner Neuentdeckung jedoch stimmen die Inhalte, und die Autorin – im übrigen 3-fache Mutter – hat einen, wie ich finde fantastischen Schreibstil. Sie schafft wunderbare Bilder (Metaphern) zu Themen, die interessieren. Ihr aktuellster Beitrag beschäftigt sich so auch mit dem „Ausbrennen“. Ihre Worte tun gut und ich habe beim Lesen die ganze Zeit zustimmend nicken können.

Ihr (Lebens-)Motto lautet dann auch, „Sei dir gut!“

Drei so einfach klingende Worte, die so viel bewirken, wenn wir uns nur täglich an sie erinnern und versuchen, danach zu leben.

Aber lest selbst! Hier findet ihr besagten Blogeintrag. Liebe Natalia, herzlichen Dank für deine Erlaubnis zum Rebloggen deines Textes zum Thema Burnout.

 

(M)ein Leben nach dem #Burnout – Ich bin „jede 5. Mutter“ *

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Der Weg ist das Ziel (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

(Aktualisierte und ergänzte Fassung vom 19. Jan. 2017)

Jetzt schreibt sie ja schon wieder von diesem Thema, das ewig gleiche. Die erschöpfte Mutter. Aber ich finde, das ist ein Thema, über das man in der heutigen Zeit nicht oft genug schreiben kann, um das Umfeld dafür zu sensibilieren. Um den Leuten, vor allem denen ohne Kinder und auch noch etlichen Herren der Schöpfung, einmal klar zu machen, dass wir Frauen und Mütter nicht immer das perfekt-schöne Leben führen, auch wenn wir zu Hause eine (angeblich) ruhige Kugel mit Kind(ern) schieben, im „Babyurlaub“ sind und gerade nicht „arbeiten“ im Sinne von Gelderwerb. Auch nicht dann, wenn viele Mütter häufig nur noch in Teilzeit arbeiten, so neben den Kindern und dem bißchen Haushalt, haha.

Wie aber geht es mir ganz persönlich nach diesem Zusammenbruch, den ich als „schweren Burnout“ bezeichne, wenn ich ihn mal „so nebenbei“ erwähne? Das ist gar nicht einfach zu beantworten. Ich werde es weiter unten versuchen. Fragen tut auf jeden Fall keiner – oder nur engste Freunde. Aber an und zu ergibt sich für mich die Gelegenheit, im Kollegen- oder Bekanntenkreis davon zu berichten. Beiläufig, mich möglichst nicht zu sehr in den Vordergrund drängend. Ich möchte andere für dieses ernste Thema sensibilisieren. Burnout – das trifft eben nicht nur überforderte Manager oder Arbeitnehmer, nein, es trifft auch Frauen, besser gesagt Mütter, die versuchen, Familie, Beruf und ihre eigenen Wünsche unter einen Hut zu bringen und allem und möglichst jedem gerecht zu werden. Mütter,  die gerade in der heutigen Zeit enorm unter Druck stehen. Weil einfach so viel von ihnen auf allen möglichen Ebenen verlangt und erwartet wird. Oder wir Mütter glauben, überall annähernd perfekt mitmischen zu müssen.

Vielleicht sind Alleinerziehende häufiger von einer totalen physischen und psychischer Erschöpfung betroffen, vor allem dann, wenn sie wirklich für alles alleine verantwortlich sind, es keinen Wochenend-Papa, Großeltern oder ein anderes verfügbares soziales Netzwerk gibt. Das ist dann der „worst case“. Aber auch Frauen mit viel arbeitenden Männern an ihrer Seite, oder mit Männern, die sich wenig für die Belange von „Mutti“ interessieren, sind in Gefahr. Ich selber fange den Schichtdienst meines Mannes auf, dazu gehören von ihm durchgearbeitete Wochenenden (wenn ich selber mal eine Pause bräuchte), Nachtschichten, vor und nach denen der Mann schlafen muss oder eben häufige 12-Stunden-Schichten. Hinzu kommen meine eigenen oft unregelmäßigen Arbeitszeiten, die bis in die Nacht hinein gehen.

Letztendlich können auch Mütter, die mit ihren Kindern gänzlich zu Hause sind, von einem  Burnout betroffen sein. Denn viele Faktoren spielen beim Entstehen dieser Erkrankung eine Rolle.

Wenn der Körper streikt

Sicherlich sind Menschen unterschiedlich disponiert, was ihre ganz eigenen Resilienz, also ihrer Widerstandskraft gegenüber Belastungen angeht. Die einen halten länger unter hohen Belastungen durch, brauchen weniger Schlaf, weniger Auszeiten für sich selber und nehmen sich nicht gleich alle (gefühlte) Kritik  zu Herzen. Und andere trifft es eben eher. Sie sind weniger gelassen, halten dem übervollen Sorgenkonto irgendwann nicht mehr stand und erliegen schließlich ihrer totalen körperlichen und psychischen Erschöpfung. So wie ich. Als hochsensibler Mensch stoße ich vielleicht früher an meine Grenzen, wo mir alles zu viel wird als jemand, der mehr von den äußeren Reizen wegfiltern kann. Mir fehlt vor allem immer wieder Ruhe, Zeit mit mir alleine,  mein Selbst, meine Interessen, mein eigenes Leben eben – abseits meiner Kinder und der dazu kommenden, mehr als lästigen Hausarbeit. Auch habe ich unter meinen zwei Kindern ein sehr anstrengendes, welches uns Eltern in vielen Belangen sehr fordert. Und ich habe Altlasten.

Ausgebrannt

Ja, mir ist es passiert. Ich konnte irgendwann gar nicht mehr, nach dem ich schon lange nur noch aus dem „letzten Loch pfiff“. Ich habe mich lange gequält und es nicht wahr haben wollen. Besser, ich musste erst einmal realisieren, was da mit mir überhaupt geschieht und das es tatsächlich Panikattacken sind, die mich immer wieder heim suchen. Und die Ärzte, zu denen ich tatsächlich bereits ein gutes Jahr zuvor hilfesuchend ging, erwähnten, dass ein Burnout im Bereich des Möglichen wäre, aber keiner konnte mir sagen, was ich tun sollte, damit es nicht so weit kommt. Hier oder da mal ein Stündchen für mich hat einfach nicht mehr ausgereicht, um noch die Kurve zu kriegen, um mich so weit erholen zu können, dass die Akkus wieder annährend voll waren. Es war längst zu spät. Ich kam aus der Spirale nicht mehr heraus. So richtig hat mir also niemand geholfen und konnte mir niemand helfen. Damit war der totale Zusammenbruch quasi vorprogrammiert.

Um allen möglicherweise Betroffenen einerseits Mut zu machen, dass es ein „Leben danach“ gibt, aber auch eventuell eine Möglichkeit, dass es erst gar nicht so weit kommen muss, dafür möchte ich hier noch einmal aufschreiben, welche Symptome und Anzeichen es bei mir gegeben hat. Und was ist überhaupt ein Burnout? Eine Begriffserklärung aus meiner Sicht, ohne jetzt den Duden oder einschlägige psychologische Seiten zu konsultieren:

Burnout, das ist erst einmal ein moderner Begriff für eine Erschöpfungsdepression (oder auch: psychisches Belastungs-oder Erschöpfungssyndrom), ist also artverwandt mit einer Depression. Aber für mich ist es nicht unbedingt das gleiche. Es fühlt sich zeitweise vermutlich gleich an – und ich habe lange überlegt, ob ich nun depressiv bin oder nicht. Sicher, solche Momente geprägt von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, vielleicht sogar Aussichtslosigkeit, zumindest in dem Moment, die gab und gibt es immer mal wieder. Ich selber bin aber ein viel zu lebensbejahender und optimistischer Mensch – zumindest meiner ganz persönlichen Einschätzung nach – das ich glauben kann, eine (immer wiederkehrende) Depression zu haben. Eine depressive Episode war mein Burnout aber zweifelsohne. Und dem voraus ging eine Zeit, in dem mein Denken zunehmend von Sinnlosigkeit geprägt wurde.

Burnout, das heißt ausgebrannt sein. Und das trifft es für mich sehr gut. Die Akkus sind irgendwann komplett leer und lassen sich nicht so null-komma-nichts wieder aufladen. Wie gesagt, kleine Auszeiten haben es irgendwann nicht mehr gebracht. Ich war leer, wirklich ausgebrannt und zu nichts mehr fähig, mein Körper hat seinen Dienst schließlich komplett versagt.

Wie alles begann. Eine Mutmaßung

Angefangen hat das ganze vermutlich schon nach der Geburt meines ersten Kindes. Wenn ich ganz ehrlich bin, so habe ich die Weichen dafür vermutlich noch viel eher gestellt (Stichwort Altlasten). Mein Leben hat sich vor nun fast 5 1/2 Jahren von einem Tag auf den anderen mit der Geburt meines Sohnes total verändert. Nichts war mehr so wie vorher, alles, was zuvor mein Leben bestimmt hatte, schien plötzlich in weiter Ferne. Und auch die Liebe zu diesem neuen Menschlein konnte diesen gewissen Verlust nicht immer kompensieren. Hinzu kam wirklich ein unglaublicher Schlafmangel ausgelöst durch ein wirklich extrem schlecht schlafendes, viel schreiendes Baby. Und eine Monotonie des Alltags, die ich so nicht kannte. Nach 7 Monaten schließlich kam die Mehrfachbelastung, ich ging wieder in meinen alten Job zurück, und machte diesen – oder versuchte es zumindest – wie zuvor auch. Als wäre nichts gewesen.

2 Jahre später kam mein zweites Kind auf die Welt. Auch wenn ich dieses Mal wusste, was da auf mich zukommt oder kommen könnte und mir vieles leichter erschien, so hatte ich nun ja zwei kleine Menschlein zu versorgen. Auch wenn mir KindNr. 1 plötzlich so groß vorkam, so weiß ich heute, dass er noch so unglaublich klein war. Ich war schlicht überfordert, müde, ausgelaugt und vor allem existierte ich selber nicht mehr – und ging nach 9 Monaten erneut in den Job. Dieses Mal zweifelte ich diese Entscheidung aber enorm an, so wie plötzlich alles, was mein Leben und auch in der Vergangenheit gemachte Entscheidungen anbelangte. Und diese Zweifel wurden mit zunehmender Erschöpfung immer größer. Wozu mache ich das alles? Aber ich muss ja Geld verdienen, um im Jetzt und erst recht im Alter von etwas leben zu können. Mein Mann verdient zu wenig, um eine vierköpfige Familie zu ernähren, und in die Abhängigkeit würde ich mich ebenfalls niemals begeben wollen. Schon gar nicht bei unseren Paarproblemen, die mich zusätzlich – oder vielleicht sogar zu großen Teilen – mit nach unten zogen.

Jobalternativen gab (und gibt) es keine. Also machte ich einfach weiter. Mit schwierigem KindNr. 1, den ständigen, von ihm ausgehenden Geschwisterstreitigkeiten, meiner schwieriger Ehe, vielen Altlasten und dieser unsagbaren Müdigkeit. Und dann war da vor allem auch noch der Anspruch an mich und andere. Gut geführter, nicht allzu chaotischer Haushalt und gut im Job. Gute Mutter, die nicht ausrastet, wenn ihr alles zu viel wird, was ich nicht schaffte… . Also begleiteten mich auch noch diese ständigen Schuldgefühle, weil ich all meinen Aufgaben nicht gerecht werden konnte und viel zu viele Fehler machte. Darunter unverzeihliche. Und je schlechter es mir ging, desto mehr glaube ich, das gehöre so, also dass ich mich so aufopfere, dass ich selber nicht mehr zähle, dass ich keinen Anspruch mehr auf mich habe dürfe. Immerhin: ich hatte mich doch für das Muttersein entschieden, ich wollte Kinder, also bitte, dann muss ich da jetzt auch durch, dann ist es ganz normal, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr zur Debatte stehen. Das Darben gehört halt einfach dazu, basta! Ich glaube, ich müsse mich quälen, das würde man von mir verlangen bzw. ich verlangte es aufgrund dieser Vorstellungen von mir. Und lange Zeit hat mir auch niemand erzählt, dass ich auch irgendwie wichtig wäre. Ich ahnte es zwar und sehnte mich nach meinem alten Leben, wieder mit schlechtem Gewissen. Und klar, so lange die Kinder sehr klein sind, ist die Belastung besonders hoch. Da ist es sehr schwer oder nur mit sehr gut ausgebautem Netzwerk und viel Gelassenheit und Resilienz möglich, gut durch diese Zeit zu kommen. Ich hatte zu wenig von all dem und kam eben nicht durch. Ich funktionierte nicht mehr!

Meine Symptome – Mama funktioniert nicht mehr

Meine Symptome waren folgende, mit der Zeit traten immer mehr auf (die Reihenfolge entspricht allerdings nicht ihrem tatsächlichen Auftreten):

  • Schwindelgefühle, und zwar nicht nur dann, wenn ich mal eben aufstand, sondern einfach so zwischendurch
  • Müdigkeit, permanente. Auch nach einer guten Nacht. Nach sehr wenig Schlaf hätte ich auf der Stelle einschlafen können, aber durfte nicht. Wie oft musste ich mich wachhalten und weiter funktionieren. Und wenn ich mal die Chance hatte, ging es auch nicht. Denn ich hatte
  • Schlafstörungen Tagsüber einschlafen konnte ich nicht mehr, und nachts wachte ich ständig auf, lag mehrere Stunden wach und das alles zu den von den Kindern verursachten Störungen. (Ich war allerdings schon lange ein schlechter Schläfer und glaubte, es gehöre dazu).
  • Gereiztheit, Aggressivität. Ich habe echt geglaubt, ich sei der schlechteste Mensch überhaupt und dass ich so langsam verrückt werde. Ja, richtig verrückt, psychische Störung, psychische Erkrankung oder so etwas. Ich habe mich nicht mehr für normal gehalten, sondern einfach für krank. Und ich fing häufiger an zu heulen, einfach so, aus dem Nichts. Sitze da mit den spielenden Kindern und plötzlich heule ich los.
  • Die ganzen körperlichen Symptome setzten eine Spirale der Angst in Gang. Ich fühlte mich fast immer so elend, ich konnte nur schwer körperlich krank sein. Krebs oder sonst etwas. Wieviel ich meine Symptome googelte, was das alles sein konnte. Und mein Blutbild wies sowieso immer einige Ungereimtheiten auf, zu hohe Entzündungswerte z. B. Und ein schwerer Eisenmangel der Körpereisenwerte. Auch das erschöpfte mich sicher zusätzlich.
  • Aus Angst, krank zu sein, frühzeitig sterben zu müssen, nicht mehr meine Kinder aufwachsen zu sehen, nicht mehr funktionieren zu können, bekam ich noch mehr Angst. Dies erzeugte Angst vor der Angst, ich hatte Angst- und Panikattacken. Wenn mich nach dem Zusammenbruch Leute fragten, was ich denn hätte, habe ich immer gesagt, ich leide unter einer Angst- und Panikstörung (mit depressiven Anteilen), denn das war meine Diagnose. Gerade als meine Erschöpfung ihren Höhepunkt erreichte und ich schließlich anfing, Antidepressiva zu nehmen, hatte ich unglaublich starke Panikattacken. Ich erlebte, wozu der Körper fähig ist, also im negativen Sinne.
  • Ich hatte immer wieder Herzrasen. Das wurde abgeklärt, es sollte alles in Ordnung sein. Es fühlte sich so an, als würde mein Kreislauf einfach zusammenbrechen. Am Ende war das natürlich besonders schlimm. Da lag ich einmal einfach nur auf dem Sofa und sah meinen Kindern beim Spielen zu und es wurde mir plötzlich ganz komisch und ich glaubte, im nächsten Moment sterben zu müssen.
  • Ich hatte Atemprobleme, für mich eines der schlimmsten Symptome, die mich lange und immer wieder begleiteten. Fühlte sich an, als wäre zu wenig Sauerstoff um mich herum. Ich bekam einfach nicht genug von dem lebenswichtigen Zeug. Und ich atmete häufiger nicht mehr autonom. Ich musste mich richtig darauf konzentrieren, damit ich das Atmen nicht vergesse. Nachts wachte ich auf, weil ich zu Atmen aufgehört hatte. Besonders in der ersten Zeit nach dem Komplettabsturz meines Systems gab das ganz schlimme Nächte, zusammen mit den nächtlichen Panikattacken. Ich war einfach kurzatmig, weil mir ja auch generell die Kraft fehlte.
  • Ganz am Ende hatte ich noch nicht einmal mehr die körperliche Kraft zum Sprechen. Versuchte, meinem Sohn ein Gute-Nacht-Buch vorzulesen und konnte fast nur Flüstern.
  • Ich kam kaum mehr hoch, musste mich richtiggehend zwingen. Ich hatte mental noch Lust auf das Leben, aber mein Körper wollte nicht mehr. Ich erinnere mich, dass ich auch nach einer gut geschlafenen Nacht nicht mehr konnte, mich unter die Dusche schleppte – und mich schließlich das erste Mal von meinem Mann ins Krankenhaus fahren ließ. Auf dem Weg dahin hatte ich eine Hyperventilationstetanie, mein gesamter Körper kribbelte und verkrampfte und ich dachte, ich müsse sterben. Es war mein Nahtoderlebnis. Seit dem ist eine Tüte mein ständiger Begleiter. Allerdings tauchte das Kribbeln auch auf, wenn ich wieder besonders unter Anspannung stand, ich also der Meinung war, nicht völlig falsch geatmet zu haben. Das Kribbeln meiner Nasenspitze z. B. war einfach nervig undunheimlich.
  • Überhaupt, mein Körper war zusehends total verkrampft. Ich konnte gar nicht mehr entspannen. Er muss überschüttet gewesen sein mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Diese Verkrampfung hatte ich auch hinterher, also nach den Monaten nach dem Zusammenbruch immer noch, es fühlte sich an wie eine Verkrampfung von innen. Fürchterliches Gefühl, als würde das Blut sich verfestigen und man innerlich verkleben oder so.
  • Ich hatte, passend zum Schwindel auch Sehstörungen. Also unscharf sehen auch mit Brille auf der Nase. Aber auch immer wieder einen gewissen Druck im Kopf und im gesamten Körper.
  • Ich hatte am Ende so etwas wie Hitzewallungen (und dachte an eine verfrühte Menopause), vor allem Hitzegefühle hinter der Stirn. Auch ein Gefühl, das man echt nicht haben muss.
  • Und dann fing irgendwann das Brummen und Zittern an. Spätestens da wusste ich, dass irgendwas Schlimmes im Gange sein muss. Dieses Brummen wurde immer lauter, es war so unheimlich laut, wie ein Tinnitus, der von meinem gesamten Körper produziert wurde. Das war vor allem nachts unheimlich nervig.
  • Es kribbelte, in den Händen, in den Füßen, das Gesicht, alles. Ich überlegte, was das sein könnte. Multiple Sklerose vielleicht? Und in den Tagen, bevor ich mich vom Krankenwagen abholen ließ, da fing plötzlich einfach mal ein komplettes Bein zu kribbeln an.

Und so konnte ich mich schließlich einfach nicht mehr auf den Beinen halten. Nichts ging mehr.

Wieder einmal in der Notaufnahme

Und dann kam der Arzt im Krankenhaus, der mich soweit ernst nahm und mir ein Antidepressivum verschrieb. Eines aus der Gruppe der SSRI, ein sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Und es begann ein langer Prozess der Genesung bzw. des Akzeptierens, des Lernens, des Änderns meiner inneren Einstellung. Was mir gelang, als es mir körperlich besser ging. So gut wie seit Jahren nicht mehr. Also doch nicht todkrank, nur manchmal etwas müde und schlapp und einfach überfordert.

In den ersten Wochen lag ich einfach nur da, die Nächte waren schlimm und tagsüber konnte ich gar nicht schlafen. Ich konnte anfangs gar nichts machen, selbst Lesen war mir zu viel. Fast zwei Wochen habe ich gar nichts gegessen, selbst Schokolade kam mir nicht über die Lippen. Um meine Kinder musste sich mein Mann ganz alleine kümmern. Ich starte die Decke an oder hielt die Augen nach Möglichkeit einfach geschlossen, denn das war weniger anstrengend. Da lag ich und gab meinem Körper und Geist das, was er sich jahrelang immer deutlicher eingefordert hatte: Ruhe! Nach einiger Zeit konnte ich mich zeitweise in den Sessel oder auf meinen Sitzsack setzen. Ich schaute aus dem Fenster und genoss diese ruhigen Momente, wenn meine Kinder im Kindergarten waren. Viel tun konnte ich nicht. Bestimmt nicht üben oder all die Dinge, nach denen ich mich so lange schon sehnte, z. B. Klavier spielen oder Lesen. Irgendwann machte ich wieder ein wenig im Haushalt, aber nicht zu viel. Und ich fragte mich, ob dieses scheußliche Brummen und Zittern meinen Körper irgendwann wieder verlassen würde. Es sollte Wochen dauern, bis es weniger wurde, und Monate, bis ich es gar nicht mehr spürte….

Und heute? Oder: Phoenix aus der Asche

Wie geht es mir heute, 10 Monate danach?

Ich hatte den Text schon vor zwei Monaten getippt und ihn jetzt überarbeitet. Ja, zwischenzeitlich ging es mir richtig gut. Lest selbst:

Ich kann besser schlafen. D. h., ich schlafe auch tagsüber viel leichter wieder ein. Ich kann nämlich etwas besser loslassen und setze andere Prioritäten. Ich schlafe halt, anstatt den Haushalt zu machen oder zu glauben, noch Zeit für mich, für meine Interessen haben zu müssen. Schlafzeit ist die gesündeste Form der me-time. Ich übe noch weniger bis gar nicht, ich komme zu vielem nicht. Aber ich versuche, die Maschine am Laufen zu halten durch Schlaf und Ruhe.

Ich kann zu wenig Schlaf – und ich komme schnell unter das Pensum, welches ich eigentlich bräuchte –  überhaupt nicht mehr ab. Und sobald ich mich nicht gut fühle, irgendwas nicht stimmt, kommt die Angst zurück, die Angst davor, dass ich irgendwann wieder so ein Burnout erlebe, dass mein Körper erneut nicht mehr kann und aufhört zu funktionieren oder ich eben doch schwer krank bin. Ich muss auf mich achten, aber es ist gar nicht so einfach im Alltag, als berufstätige Mutter zweier Kinder. Ich habe gelernt, Dinge liegen zu lassen, weniger zu tun. Ich habe wieder mehr Freude am Leben, ich tue manchmal wieder etwas für mich. Ich habe meine Einstellung zu vielem geändert. Ich bin gelassener und ruhiger geworden.

Außerdem schrieb ich vor einiger  Zeit:

Im Internet las ich einen Artikel darüber, dass ein Burnout durch 4 Phasen ginge. Bevor man also komplett zusammen bricht, kündige sich das Ganze nach und nach an. Leider ist der Artikel online nicht mehr verfügbar, aber ich dachte mir beim Lesen so, dass ich sie alle erlebt habe, diese 4 Phasen eines Burnouts.

(An anderer Stelle fand ich eine 12-stufige Spirale, die den Weg zum totalen Zusammenbruch anzeigt).

Was mir von dem Artikel am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist der Abschnitt darüber, dass das eigene Leben plötzlich verstärkt angezweifelt wird und Entscheidungen nur noch sehr schwer zu treffen sind. So war es auch bei mir. Ich war erstaunt darüber, dass mich selbst Kleinigkeiten vor schwerwiegende Entscheidungsfindungen stellten. Ich konnte mich oft einfach nicht mehr entscheiden, weil ich Angst davor hatte, Fehler zu machen. Für mein weiteres Leben gravierende Fehler. Ich habe in meiner starken physischen wie auch psychischen Erschöpfung mein Leben komplett angezweifelt, und zwar jede Facette. Angefangen von der Partnerwahl, meinem Wohnort und Haus, meinem Job bis hin zu der Entscheidung, zwei Kinder bekommen zu haben. Ich konnte kaum mehr nachvollziehen, dass es eine Zeit in meinem Leben gegeben haben sollte, wo ich mich für Dinge entschieden hatte und Risiken eingegangen war, um etwas z. B. beruflich zu erreichen. Dieses Wesen erschien mir so unheimlich weit weg. Auch der lebenslustige Mensch, der Freude an so vielen Dinge hatte, nicht zuletzt an der Gesellschaft anderer Menschen und geselliger Runden, kannte ich nicht mehr.

Mein Körper zeigte mir mehr als ein Mal an, dass ihm alles zu viel war. Ich war immer wieder „komisch und für mich unerklärbar“ krank. Ich wußte einfach nicht, was es ist, was mich da immer so lahm legte, dass ich kaum mehr hoch kam – oder sofort wieder völlig kraftlos zusammen sackte. Frauen entwickeln aus dieser völligen Überbeanspruchung ihrer Kräfte dann häufig eine Angst- und / oder Panikstörung. Auch die zeigte sich bei mir bereits immer wieder im Laufe des dem Zusammenbruch vorangehenden Jahres. Aber ich habe sie lange Zeit nicht erkannt und mit schlimmen Krankheiten in Verbindung gebracht, die ich mir ergoogelte oder über wikipedia zu Gemüte führte. Die Symptome hätten auch oft gepasst. Aber Herzrasen, Atemnot, totale körperliche Schwäche und Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, völlige Verspannung des gesamten Körpers, das passiert eben auch, wenn der Körper über Jahre extremem Schlafmangel und permanenten Stress ausgesetzt ist. Vieles von dem Stress selbstgemacht und im Kopf entstanden. Als dann noch permanenten Zittern und auch Kribbeln im Körper dazu kam, kam auch  immer öfter die Todesangst. Ernsthaft! Gleich bricht mein Kreislauf komplett zusammen, dachte ich mehr als ein Mal.

Erst durch eine Einstellungsänderung zu meinem derzeitigen Leben, psychologische Unterstützung von mehreren Seiten und einem Serotonin-Wideraufnahme-Hemmer (SSRI, auch bekannt als Antidepressivum), haben mich wieder auf die Beine gebracht. Ich funktioniere weitestgehend wieder, sei es in meinem Job als Orchestermusikerin wie auch privat als Mutter. Ich habe wieder mehr Freude am Leben. Aber ich muss sehr auf mich Acht geben und Ruhepausen auch wirklich nutzen. Ich merke sofort, wenn ich zu wenig schlafe. Ich bekomme dann Angst, Angst im Alltag zu versagen, weil ich zu schwach bin für die Erledigung der mir auferlegten Aufgaben und Verantwortungen. Weil ich Angst habe, dass mir das wieder passiert. Ich möchte nicht wieder wochenlang aus meinem gewohnten Leben gerissen werden, weil ich nicht mehr kann. Ich möchte nicht wieder das Gefühl haben, total depressiv zu sein, obwohl ich meiner Ansicht nach allenfalls ein nachdenklicher und melancholischer Mensch bin, aber nicht ernsthaft depressiv. Ich habe Spaß am Leben! Aber dafür brauche ich inzwischen ein Grundmaß an Wohlbefinden. Alles andere kommt einer Quälerei gleich, durch die ich mehrere Jahre gegangen bin.

Ungläubig schaue ich heute manchmal zurück und frage mich, wie ich das schaffen konnte. Das alles, die letzten Jahre. Ich habe mich so alleine gefühlt – und war es wohl auch.

Und doch – und das hier ist die Fortsetzung 2 Monate später – gerade die letzten Wochen waren wieder sehr anstrengend für mich. Die Probleme mit KindNr. 1, die erneute (!) Verschlechterung meiner Beziehung, das alles bleibt eine große psychische Belastung und verlangt viel Kraft von mir. Auch die Schlafstörungen sind zurück. Ich bin bereits seit 2 Uhr heute nacht wach, konnte nicht mehr einschlafen. Jedenfalls nicht bis zu dem Zeitpunkt, als um 5:50 h mein Wecker klingelte. Dass ich nicht gut einschlafen kann oder wieder öfter aufwache, beobachte ich nun schon seit mehreren Wochen. Daher glaube ich, hat es wenig damit zu tun, dass ich vor 2 Wochen begonnen habe, das Antidepressivum auszuschleichen.

Dazu habe ich vermehrt (wieder) Magen-Darm-Probleme, unter anderem mit Magenschmerzen und Übelkeit, was mich kräftemäßig sehr runterzieht. Dazu große Probleme im  Nacken- und Rückenbereich, so dass ich inzwischen Gefühlsstörungen in den Fingern der linken Hand habe. Beängstigent, nicht nur als Linkshänderin, sondern als Berufsmusikerin, die alle ihre 10 Finger braucht. Mit dieser Sorge und tauben Fingern dem Alltag immer total gelassen zu begegnen, fällt mir nicht leicht. Und manchmal ist da wieder dieses Gefühl mit den Kreislauf und der Angst… . Also, Baustellen ohne Ende. Und gerade fehlt es mir wieder so, dass ich zu nichts komme, die Kinder, vor allem das erste, erst sehr spät ins Bett gehen. Da bleibt einfach keine Zeit für mich!  Schon gar keine qualitativ hochwertige.

Die Schuldfrage

Damit kein falscher Eindruck entsteht: meine Kinder können nichts dafür. Sie sind gewollt, sie sind da und ich liebe sie. Aber: ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so anstrengend für mich sein würde, Mutter zu sein. Vielleicht hätte ich es als jüngere Mutter auch besser „weggestreckt“, diese ganze Anstrengung, die Anforderungen an mich und meinen Körper. Vielleicht aber auch nicht. Auf diese Frage werde ich keine Antwort mehr finden.

Ich bin der Meinung, es ist auch Schuld der Gesellschaft und eben dieser Zeit, in der wir gerade leben, denn die macht es uns heute nur auf den ersten Blick leichter. Ich glaube fest, dass unsere Eltern damals vor einigen Jahrzehnten eine leichtere Rolle als Eltern hatten.

Ich selber habe Schuld, weil ich vermutlich zu hohe Erwartungen an mein Leben habe und davon auch noch ein bißchen für mich übrig behalten möchte, mich also nicht komplett für andere aufopfern kann. Es ist ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren. Ich kann mich schwer davon frei machen, dass ich nicht doch einfach nur zu schwach bin für diese Welt. Auch wenn ich inzwischen weiß, dass ich mit meinem Burnout-Erlebnis kein Einzelfall bin, sondern eine von vielen Müttern  -Tendenz steigend – in dieser Situation. *

Insgesamt habe ich gerade in den letzten Wochen regelmäßig immer wieder das Gefühl, auf einen erneuten kleinen Zusammenbruch zu zusteuern. Ich muss mehr auf mich achten, is‘ klar. Ich muss mir die berühmten „Inseln“ schaffen und Zeit für mich einräumen. Klar, versuche ich. Gelingt aber nicht immer. Ich mache Kompromisse, jeden Tag. Ertrage den Dreck und das Chaos um mich herum und die Tatsache, dass vieles liegen bleibt. Und dass ich mich oft einfach nur als Rabenmutter fühle, damit ich selber nicht ganz zu kurz komme. Ich wäre schon froh, wenn die Abende, an denen ich zu Hause bin (also nicht arbeiten muss), auch einmal mehr mir gehören würden. Aber seit einer geraumen Zeit schlafen die Kinder später ein, Nr. 1 schafft es oft bis 21:30 Uhr und noch später. Und dann heißt es auch für Mama längst: Gute Nacht!

Aber ich darf nicht jammern. Ich bin Mutter. Ich habe es ja so gewollt!

Buchtipp:

Nicht direkt zum Thema Burnout, aber sehr interessiert habe ich vor einigen Wochen das Buch „Nur die Liebe fehlt – Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten“ von Petra Wiegers gelesen. Ich fand es klasse und die Fallbeispiele in dem Buch haben mir gezeigt, dass es viele Mütter gibt, denen es ähnlich wie mir geht. Ich hatte keine Postpartale Depression, sondern einfach nur eine schwere Zeit nach den Geburten meiner Kinder. Auch dies zu verarbeiten, zu akzeptieren und mir ein Stück weit zu verzeihen, dabei hat mir das Buch geholfen.

 

*Inzwischen hat das Thema „Burnout bei Müttern“ in den Medien an Präsenz gewonnen. Laut eines Textes, den ich vor nicht allzu langer Zeit lesen durfte, erkrankt heute jede 5. Mutter an einem Burnout. Die Anträge auf eine Mutter-Kind-Kur mit dieser Diagnose oder damit im Zusammenhang stehenden Diagnosen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.

 

Neues Jahr, neues Glück

Neues Spiel. Neues Glück. Vielleicht.

Vermutlich bleibt alles beim alten. Keine New Year’s Resolutions. Die guten Vorsätze zu Beginn eines neuen Jahres. Wozu? Es geht so weiter wie die letzten Jahre auch. Das Hamsterrad des Alltags dreht sich unermüdlich, und nervt mich oft so kolossal. Gerade nicht glücklich. Die letzten Wochen waren anstrengend, voller Erledigungen, Sorgen, Grübeleien. Nicht-zu-Ruhe-kommen. Lange Abende mit den Kindern. So gut wie keine Me-Time möglich. Stress. Zittere wieder ein bißchen. Vielleicht auch, weil ich die Dosis der Tabletten herunter gesetzt habe. Will sie ausschleichen, will ohne das Zeug leben. Ohne die Nebenwirkungen, Gewichtszunahme. Was ist, wenn es nicht ohne geht? Noch nicht? Nie? Verzweiflung. Angst. Und manchmal Hoffnungslosigkeit.

2016 war ein Arschloch-Jahr. Überforderung, totale körperliche und seelische Erschöpfung. Völlig ausgebrannt. Schlimmste körperliche Reaktionen. Angst. Panikattacken. Totaler Zusammenbruch. Befürchtete Krankheit in der Familie. Und ich als Phoenix aus der Asche. Tod. Verlust. Schmerz. Sorgen. Probleme. Suche nach Lösungen. Anhaltend. Keine Erfolge. Schuld. Schuldzuweisungen. Und immer wieder Grübeleien. Verbesserung. Verschlechterung. Auswegslos erscheinende Situation(en).  Sehnsucht nach Liebe. Aufrichtigkeit. Leere. Menschliche Enttäuschungen. Was kann mich denn glücklich machen, wenn ich doch keine Zeit dazu habe? Immer gefordert. Keine Zeit für die Innere Einkehr. Wieder Erschöpfungsanzeichen. Schlaflosigkeit. Will nicht mehr, kann nicht mehr. Macht mich fertig. Sehnsucht nach Ruhe und Zeit für mich. Traurigkeit. Lustlosigkeit. Schwach. Schlapp. Unendliche Müdigkeit. Immer nur Zwänge. Muss muss muss. Abhängig von den Launen anderer Menschen. Stehaufmännchen.

Schnee ist Stille. Ich liebe Schnee, vermisse die Winter meiner Kindheit. Und meine Instrumente. Mit ihnen in und unter den Händen kann ich ruhiger werden, und zufriedener. Auch wenn für Zufriedenheit wenig Raum ist, weil zu wenig Übezeit. Ich brauche sie wie die Luft zum Atmen. Ich kann nicht nur für andere(s) da sein, ich brauche auch mich selbst und das, was mich so viele Jahre (Jahrzehnte) ausgemacht hat, worüber ich mich definiert habe. Musizieren. Auch mein Leben ist endlich und ich kann und will nicht alles auf „später, wenn die Kinder groß sind“ verschieben.

In 2016 gab es aber auch neue Freunde, meine Sangesbrüder und -Schwester. Papa hat auch gesungen. Er hätte das gut gefunden, denke ich.

 

Ich wünsche allen ein friedvolles Jahr! Vor allem Gesundheit, ohne die nichts geht. Freude und Freunde, die zum Glücklichsein beitragen. Und dass Ihr die Chance bekommt, nicht das, was Euch wichtig ist – was immer das sein mag – völlig aus den Augen zu verlieren. Das alles gibt in einer guten Mischung Zufriedenheit! Ohne die geht es nicht.