Mama singt – ein Hobby kann so schön sein

Alle Welt singt. Sei es unter der Dusche, im Auto zu den Songs aus dem Radio oder auf etwas professionellerem Niveau. Singen ist das Ur-Instrument der Menschheit, unsere Stimme ist unverwechselbar mit uns verbunden. Natürlicher kann man Musik nicht erklingen lassen. Und nun singe auch ich, sogar mit anderen zusammen.

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(Quelle: pixabay.com)

 

Ich habe einst mein Hobby zum Beruf gemacht und mich vor über 20 Jahren für ein Musikstudium und einen Werdegang als Berufsmusikerin entschieden. Viel Zeit für andere Dinge blieb da in meinem Leben kaum, was ich aber nie als besonders schlimm empfand. Ich liebe und lebe die Musik, ich habe mich immer sehr mit meinen Instrumenten identifiziert, auch wenn es lange gedauert hat, bis ich ein hohes Niveau erreichen konnte.

Als ich Kinder bekam, fehlte mir die intensive Auseinandersetzung mit meinen Instrumenten sehr. Und gleichzeitig merkte ich, dass ich neben meinem Beruf als Orchestermusikerin und als Mutter und Familienmanagerin einen Ausgleich bräuchte. Dann kam mein Burnout und mit ihm die Erkenntnis, dass ich mich nicht nur über die letzten Jahre hinweg komplett verausgabt und selbst verloren hatte, sondern dass ich etwas bräuchte, was man Hobby, genauer als Freizeitgestaltung und Verfolgung von Interessen außerhalb der zwei genannten Lebensbereiche nennen könnte.

Ich dachte ans Reiten und ans Tanzen. Letzteres hat wieder etwas mit Musik zu tun und ich bewege meinen Körper wahnsinnig gerne zum Rhythmus der Musik. Und Reiten wollte ich schon immer mal ausprobieren.

Entschieden habe ich mich für das Singen.

Singen und Musikalität in meiner Ursprungsfamilie

Auch mein Papa ging einst „zum Singen“, wie es bei uns zu Hause immer hieß (und auch meine Mutter für einige Jahre, aber ich glaube, sie war nie eine Begabung, ähnlich wie mein Bruder). Mein Vater allerdings liebte es zu singen, und unabhängig davon, Noten lesen zu können – das konnte er nämlich nicht – konnte er wirklich gut singen. Er hatte eine angenehme Stimme. Meines Wissens sang er im Männergesangverein unseres Dorfes den 2. Tenor und studierte diesen eben ausschließlich nach Gehör ein. Mit zunehmendem Alter fiel ihm dies schwerer, auch weil andere gute Tenöre um ihn herum fehlten. Nur wenige Jahre vor seinem Tod im letzten Jahr wurde der Chor mangels Nachwuchs und aufgrund wegsterbender Altmitglieder mit dem Chor des Nachbardorfes zusammen gelegt.

Papa sang auch noch bis kurz vor meiner Geburt

Meine Mutter bemerkte an einem Freitagabend Wehen. Ihr zweites Kind, also ich, war unterwegs. Sie rief mehrmals, damals natürlich noch über Festnetz, in der Kneipe an, wo sich der Männergesangverein jeden Freitagabend (erst später immer Donnerstags) zum Singen einfand, aber mein Vater kam und kam nicht, um sie ins Krankenhaus zu fahren. Damals war es ja nicht üblich, die Frauen bei der Geburt zu begleiten, lediglich die Fahrt zum Ort des Geschehens und das Warten vor der Tür sollten drin sein. Es war ein Pfingstsamstag, als ich geboren wurde, nachts zwischen 2 und 3  Uhr. Mein Vater hatte es also doch noch rechtzeitig geschafft. Dass er vermutlich nicht ganz nüchtern auf der Fahrt ins 6 Kilometer entfernte Krankenhaus war, gehört zwar nicht zur Erzählung der Anekdote durch meine Mutter, ich vermute dies allerdings stark. Denn natürlich gehörte nicht nur das Erarbeiten der Lieder während der Proben dazu, sondern auch die Geselligkeit und das ein oder andere Bier (und manchmal sicher auch das ein oder andere Schnäppschen).

So wie bei mir nun auch, also bis auf das Bier und den Schnaps. Aber auch bei meinem Chor ist man hinterher gerne noch eine Weile zusammen. Meist gehen wir zum Italiener gegenüber, aber auch andere Restaurants sowie die Eisdiele im Ort sind beliebte Anlaufpunkte nach einer etwa 1 1/2- stündigen Probe.

Meine persönliche Gesangskarriere bisher

Schon als Kind habe ich gerne und viel gesungen, und gerade deutsches Liedgut wurde an meiner Grundschule noch hoch gehalten. So sangen wir fast jeden Morgen vor der ersten Unterrichtsstunde alle gemeinsam ein paar Lieder. Und auch bei den allseits beliebten Wandertagen erklang jedes Mal „Das Wandern ist des Müllers Lust“.

Nun, wie kam jetzt ausgerechnet ich zum Chorgesang? Eigentlich liegt es auf der Hand: Ich habe Musik studiert, habe also ein Verständnis und Gefühl für Musik, ich kann Noten lesen und einigermaßen (hüstel) danach singen. Ich hatte während meines Studiums ein halbes Jahr Gesangsunterricht. Während meiner Gymnasialzeit habe ich mich aus Lust an der Sache auch im Schulchor probiert, der zu der Zeit durchaus ganz gut war. Aber damals war ich vielleicht selber noch nicht die super Musikerin, und da ich keine Sopranstimme habe, sondern den Alt singe(n muss), tat ich mich schwer mit dem Gehör und somit mit dem Treffen der richtigen Töne und gab schnell auf. Außerdem war ich ja schon als Instrumentalistin im Schulorchster und der Big Band unterwegs.

Während des Studiums dann musste ich im ersten Semester auch Chor belegen, bevor ich ab dem 2. Semester immer Scheine im Orchesterspiel machen musste (durfte). Gleiches Problem: ich bin Altistin, mit Übung und gut eingesungen allenfalls Mezzosopran, aber diese Mittelstimme zu singen, fiel mir schwer und ich gab erneut auf. Ich war eben Orchestermusikerin und nichts anderes.

Singen im Alltag

Meinen Kindern habe ich viel und gerne (Einschlaf-)Lieder vorgesungen, als sie noch kleiner waren und dies noch nicht, so wie inzwischen, ablehnten und das hat meine Stimme endlich wieder trainiert.

Schon vor Jahren hatte ein sehr lieber Kollege angefragt, ob ich nicht mit ihm im Chor singen wolle. Er hatte diesen erst kürzlich für sich entdeckt – durch seine neue Freundin. Ich lehnte ab und sagte, ich könne nicht besonders gut singen, schon gar nicht im Chor. Dann kamen die Kinder, dann kam die fehlende Zeit. Zwischenzeitlich fragte er immer mal wieder. Denn auch dieser Chor war plötzlich geschrumpft. Nicht nur, dass seine Freundin diesen nach der Trennung von ihm verließ, auch ein anderer Chorkollege wurde von seiner Freundin „aufgegeben“ und somit verlor der Chor ein weiteres Mitglied. Eine andere Kollegin von mir sang für etwa 2 Jahre die Altstimme, die ja nun fehlte, obwohl sie eigentlich Sopran ist. Nach der Geburt ihres Babys nahm sie eine Auszeit. Vor kurzem ist sie zurückgekehrt und verstärkt nun die Sopranlage.

Auch ein paar andere Mitglieder verließen im Laufe der Jahre diesen ohnehin eher kleinen Chor. Zurück blieb die jetzige Stammmannschaft. Der Chor ist übrigens in Familienhand. Einer der Tenöre und die Sopranistin sind Geschwister (mit einer Mutter, die einst Opernsängerin war), der Vater der beiden leitet den Chor. Mein Kollege singt die Bass-Stimme (obwohl er Bariton ist, aber durch Gesangsunterricht hat er seinen Tonumfang in beide Richtungen erweitert). Ein zweiter Tenor ist auch dabei, und bis auf meinen Kollegen singen die drei anderen bereits seit Anfang der 90iger Jahre zusammen.

Einzig es fehlte plöztlich ein Alt. Und ohne Alt geht es auch im kleinsten Chor nicht.

Und dann kam die singende Mama

Und dann fragte mein Kollege im Frühjahr / Sommer erneut an. Er nervte ein wenig, das muss ich zugeben, ließ einfach nicht locker. Ich hatte doch keine Zeit, die Kinder, der Schichtdienst des Mannes, der feste Termine auch nur schwer zulässt, dazu ein weiterer Anfahrtsweg. Schlußendlich gab ich mich geschlagen und sagte ihm, dass ich mir den „Laden“ mal anschauen würde, aber kaum Chorerfahrung vorzuweisen hätte.

Die erste Probe wurde für mich und mein Lampenfieber in so fern entschärft, dass eine liebe Freundin und ebenfalls ehemalige Kollegin (ja, wir hier aus dem Orchester sind halt überall) mit dabei war und mich beim Blattsingen unterstützte. Und am Ende wurde ich gefragt, ob ich wiederkäme. Ich sagte spontan zu.

Dazugehörigkeit ist wichtig

Inzwischen sind die Leute des Chors so etwas wie meine Freunde geworden. Es sind wirklich so herzliche und wertvolle Menschen und sie tun mir allesamt gut. Also freue ich mich nicht nur jeden Freitag aufs Singen, wenn ich wieder eine halbe Stunde mit dem Auto durch die Pampa zum Probenort düse, nein, ich freue mich auf meine Freunde, auf die besondere Gemeinschaft und auf das Gefühl der Zugehörigkeit, welches so wichtig für mich ist und mein Musikerdasein immer besonders ausgemacht hat. Und was soll ich sagen: ich singe zwar nicht immer perfekt und muss üben (müsste mehr üben), ich möchte auch Gesangsunterricht nehmen, aber ich habe ziemlich schnell durch meine angeblich wohlklingende und schöne Altstimme – denn so behauptet man – begeistert. Wenn Leute, die schon viele Stimmen gehört haben und ein erfahrener Chorleiter so etwas sagen, muss ich das Lob wohl annehmen, so schwer mir das in meinem Perfektionismus auch fällt. Genauso wie die Aussage, mit niemand Neuem wären sie bisher beim Einstudieren der Chorstücke so schnell voran gekommen  wie mit mir. Da werde ich gleich rot. Ja, es kamen sogar die Worte, ich hätte den Chor gerettet. Ok, ich habe ihn über diese Zeit gerettet, wo es keine Altistin gab. Ich weiß, dass den Gründungsmitgliedern das Fortbestehen sehr am Herzen lag und liegt. Also bin ich gerne so etwas wie ein Retter in der Not.

Aussichten und Auftritte

In einem Monat steht unser erstes gemeinsames Chorkonzert an. Ok, eher ein kleinerer Auftritt mit vier zu singenden Liedern. Eine renovierte Kirche oder zumindest ein Teil davon – soweit ich das verstanden habe – wird eingeweit. Der Chor konnte nun schon längere Zeit nicht auftreten, was einer solchen Instituion sicher nicht gut tut. Ich bin schon etwas aufgeregt, wenn ich an den Auftritt denke, und das, obwohl das Musizieren vor Publikum (fast) mein täglich Brot ist. Allerdings bin ich mit meinem Instrument mehr verwachsen als mit meiner Gesangsstimme. Ich habe noch einige Schwächen in punkto sauberen Chorgesang aufzuweisen. So kann ich den ersten Ton nicht immer abnehmen, wenn der Akkord zu schnell gegeben wird. Das muss ich trainieren. Und wenn ich nach einer Pause mit einem weiter entfernten Ton wieder einsetzen soll, ist das auch kritisch, vor allem, wenn das Lied noch relativ neu für mich ist oder die Harmonien nicht ganz so eingängig sind. Genauso können mich die anderen Stimmen je nach Komplexität noch immer irritieren, und ich muss etwas lauter singen oder mir mal ein Ohr zuhalten, damit ich sie weniger wahrnehme und meine eigenen Töne singe. Aber ich hoffe, dass ich im Laufe der Zeit einfach noch besser und sicherer werde. Einfach, weil das zum einen mein Anspruch an mich selbst ist, zum anderen fühle ich mich dahingehend den anderen verpflichtet.

Das ist also mein neues Hobby. Singen tut der Seele gut und es befreit, egal wie gut man ist. Deshalb: einfach singen!

 

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Leben mit Kindern I

Ich wurde draußen gerade abgelöst bei der Kinderbetreuung. Endlich mal durchschnaufen. Auch wenn es schön war in der Sonne. Der Sohn ist heute seiner kleinen Schwester gegenüber mal wieder ziemlich aggro. Und die Tochter ist derzeit recht weinerlich und trotzig. Fühlt sich irgendwie wie Pubertät an. Sie ist 3 1/2. Das ist halt auch anstrengend.

Seit heute nacht um 4 Uhr war sie wieder wach. Nächste Nacht lege ich mich also wieder zu ihr. Dann schläft sie schneller wieder ein und ich finde den Nuckel, ohne dass ich dafür erst mal über den großen Flur tapern und ihn lange suchen muss.

Heute also dann Urlaubstag genommen, so habe ich noch eingepfercht zwischen meinen beiden Kindern bis fast 8 Uhr schlafen dürfen. Helau. So langsam werden sie knapp, die Urlaubstage. Morgen ist Sonderurlaub, Sohn wird vom Amtsarzt auf Schultauglichkeit untersucht. Wieder helau!

Heute habe ich dann beide um halb 10 in den Kindergarten gebracht, und das ging nur mit dem Versprechen, sie um 12 Uhr wieder abzuholen. Endlich mal Zeit, um ein paar Stellen sauber zu machen, zu denen ich sonst nie komme bzw. die ich schon am Wochenende machen wollte. 2 Stunden putzen, wie immer also doch unter Zeitdruck, aber ohne wuselnde Kinder. Und nur 10 Minuten, um endlich zu frühstücken – um viertel vor 12.

Boah, ich hasse Staub. Davon gibt es hier aber immer genug. Und in dem Zusammenhang noch ein Rat von mir: lasst Eure Kinder niiiiiemals nie nich mit Styropor Frau Holle spielen. Das kann man nur bereuen. Ich habe am Samstag ganze 2 Stunden im Wohnzimmer rum gesaugt, auch die Kinder selber abgesaugt, nur deswegen, und noch immer finde ich weiße Fitzelchen. Auch die Kleidung der Kinder von diesem Tag wartet noch auf Dekontermination. Hölle (nicht Holle)! Fast noch schlimmer als Sand und auf jeden Fall schlimmer als Playdoh-Knete. Man muss wissen, ich gehöre zu den Leuten, die sich wegen jedes Fussels und Krümmelchens bückt. Und ich bin ziemlich oft mit einem Staubsauger bewaffnet. Es ist zum niederknien. Und trotzdem, in diesem Haus kann man Dreck und Chaos nicht Herr, pardon, Frau werden. Ich arbeite da gegen drei (!) sehr unordentliche Menschen an (wobei, die Tochter geht, die räumt schon mal etwas weg). Der eine Mensch davon ist fast 40 und alles andere als ein Ordnungs-Genie. Er wird sofort sauer und wütend wenn man ihn mal bittet, etwas von seinem Kram wegzuräumen.

Leben mit Kindern halt. Ich darf jetzt endlich mal wieder üben. Scheiß auf den Rest. Alaaf!

P. S.: Und der Tochter die Klamotten wechseln.

P. P. S.: Und mich freuen. Die Freunde, die gerade den besten Kumpel vom Sohn vorbeigebracht haben, kommen nachher mit Pizza wieder. Ich habe keinen Hunger, aber ich freue mich auf Lachen und einen gemeinsamen Abend.

Das Wunschgeschlecht – ein Tabu

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(Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Im letzter Zeit habe ich mehrere Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen. Der Tenor lautete, dass wir uns gefälligst über jedes Kind gleich stark zu freuen haben, also ganz gleich, ob es ein Mädchen oder Junge wird. „Hauptsache gesund!“ Der Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht gilt als verpönt.

Natürlich sind wir erst einmal froh und erleichtert, wenn wir ein gesundes Kind zur Welt bringen. Aber unabhängig davon kann ich die zwiespältigen Gefühle, die eine Schwangere oder auch der zukünftige Vater haben können, wenn ihnen auf dem Ultraschallbildschirm das Geschlecht ihres zukünftigen Mitbewohners entgegen leuchtet, gut nachvollziehen.

Kleidchen, Zöpfchen, Puppenspiel

Ich wollte immer ein Mädchen. Wenn Kinder, dann auf jeden Fall ein kleines Mädchen. Ein Herzenswunsch, woher auch immer der kam. Vielleicht, weil ich selber ein Mädchen war / bin, und das gerne und aus voller Überzeugung. Kleine Mädchen haben mich immer mehr in ihren Bann gezogen als kleine Jungs. Ich weiß halt eher, wie die ticken. Denn das hier – bei allem Bedienen von Klischees – Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Hirnfunktionen vorhanden sind, davon bin ich überzeugt.

„Herzlichen Glückwunsch,  es wird ein Junge!“

Mein erstes Kind hat sich schon sehr früh als Junge geoutet. Der Schniedel auf dem Monitor war nicht zu übersehen. Ich war vorbereitet, denn wenige Wochen zuvor hatte mir ein Wahrsager ungefragt die frohe Botschaft kund getan. Er sollte also Recht behalten (allerdings nicht mit Geburtstermin und Gewicht, höhö).

Ich war enttäuscht. Ja, ich war kurz traurig. Und dann lies ich mich darauf ein, ändern konnte ich es ja nicht.

Der „Stammhalter“, wie man es so gerne ausdrückt, wurde geboren. Ich tat mein bestes, aber im Hinterkopf lauerte,  „Das zweite MUSS ein Mädchen werden!“

Wer meinen Blog schon länger verfolgt weiss, das mir dies gelungen ist. Für mein Seelenheil war das ganz wichtig. Und so habe ich das nicht ganz dem Zufall überlassen, sondern Zeitpunkt der Zeugung, die Stellung und sogar den Chinesischen Empfängniskalender als unterstützende Mittel hinzugezogen. Auch wenn letzteres nicht immer zutrifft, bei mir hatte er beide Male recht.

Ungewisse Wochen

Schon in der 11. SS sagte mir der Pränataldiagnostiker, dass es wohl ein Mädchen würde, er es aber nicht in letzter Bestimmtheit sagen könne. Ich hatte nicht danach gefragt.  Erst 15. Wochen später hatte ich absolute Gewissheit, als er bei der nächsten Untersuchung und nach der Frage, ob wir wissen wollten, was es wird, mit dem ersten Ansetzen des Schallkopfes genau das Geschlecht traf. Meine Freude war entsprechend groß. Ein Herzenswunsch, ein Lebenstraum sollte wahr werden. Und endlich konnte ich den Namen vergeben, den ich schon vor meiner ersten Schwangerschaft in petto hatte.

Einer Freundin ging es ähnlich. Und das ist nicht die einzige Frau, von der ich sicher weiß, dass sie sich eine Tochter wünscht oder gewünscht hat. Der Wunsch nach einem Jungen ist meiner Erfahrung nach unter Frauen weniger weit verbreitet als unter Männern.

Und ich kenne Mütter, die auch nach zwei oder drei Jungs gerne noch einen weiteren Versuch auf ein Mädchen starten würden / gestartet hätten.

Warum dieses Gefühl?

Woher auch immer das innige Bedürfnis nach einer Tochter stammt, vielleicht aus der Evolutionsgeschichte heraus, in der uns ein geborenes Mädchen eher als Hilfe im Haus zur Verfügung steht oder wie auch immer – ich finde, wir sollten uns dieses Gefühls nicht schämen. Das belastet nur zusätzlich. Und ja, ich fühle mich unendlich reich beschenkt und dankbar für mein Pärchen. Ein Junge UND ein Mädchen, ein unendlich großes Glück in meinem Muttersein. Aber natürlich birgt es auch eine gewisse Gefahr, wenn sich diese Gefühle unbewusst auf die Kinder übertragen.

Es ist sicher ebenso ein Tabu zuzugeben, dass man seine Kinder unterschiedlich stark liebt

Ja, gefühlsmäßig stehe ich meiner Tochter nach wie vor näher als meinem Sohn. Es tut mir leid, aber es ist nun einmal ein vorhandenes Gefühl. Ja, vielleicht schadet es sogar der Mutter-Sohn-Bindung. Und lange habe ich mich gefragt, ob es bei den Problemen zwischen den Geschwistern eine Rolle spielen könnte oder das schwierige Verhalten vom Sohn begünstigt.

Ich weiß es nicht. Vielleicht wird sich auch einst alles umkehren, wenn die Kinder älter sind. Vielleicht hat die Tochter es auch leichter, weil sie das zweitgeborene ist, ich bereits Erfahrung als Mutter hatte und sie insgesamt das „einfachere“ Kind ist. Das alles verbuche ich vorerst unter den Begriff Spekulation. Am Ende bleibt nur zu sagen, „Es ist wie es ist!“

 

Wer Kinder kriegt, ist selber Schuld

In kaum einem westlichen Land gilt dieser Satz – meiner Meinung nach – so stark wie hier in Deutschland. Auch wenn der Staat in den letzten 10 Jahren versucht hat, Eltern zumindest einen kleinen (!) finanziellen Anreiz zum Kinderhaben zu geben (Stichwort Elterngeld), bekommt man hierzulande noch zu oft zu spüren, dass Kinder zu haben doch bitte ein rein freiwilliges Privatvergnügen darstellt.

Vom ganzen Dorf, das es braucht, Kinder groß werden zu lassen, ist selten etwas zu spüren. Unsere Gesellschaft ist kaum mehr ausgerichtet auf Kinder. Mehr noch, häufig werden sie als störend empfunden  (weil sie mit Geräusch verbunden. Frei nach Wilhelm Busch).

In Zeiten von Pille und Co. und einer Übervölkerung der Welt gilt als verrückt, wer 1, 2 oder gar mehr Kinder in die Welt setzt. Dass wir Eltern zukünftige Steuerzahler und somit Unterstützer unseres deutschen Rentensystems großziehen, wird gerne übersehen. So argumentiere ich gerade bei kinderlosen Mitmenschen auch gerne mal mit dem Punkt, dass es meine Kinder sein könnten, die ihnen irgendwann den Arsch abwischen und die Schnabeltasse halten. Oder immerhin die Kinder der nach Deutschland Zuwandernden.

Das andere Leben – ohne Kinder

Mit gewisser Wahrscheinlichkeit hätte auch ich ein angenehmeres, bequemeres und sorgenfreieres Leben, wenn ich keine Mutter geworden wäre. Ich hätte mich weiter in meinem Dasein als Musikerin selbstverwirklichen können, aber vermutlich hätte ich dann in den vergangenen Jahren auch nur halb so viel gelernt, und zwar über mich und über das Leben ganz allgemein. Und die Chance auf ein einsames Leben im Lehnstuhl wäre sehr viel wahrscheinlicher. Ganz ehrlich: nur ein oder mehrere Hunde ist dann eben auch nicht so meins. Ich wollte Kinder, wollte wissen, wie das Leben mit Kindern ist. Jetzt weiß ich es. Es ist sehr fordernd und manchmal ist da durchaus der Gedanke, dass es ohne auch gut gewesen wäre. Ich hätte definitiv mehr Schlaf und mehr Zeit für mich, aber vieles hätte ich ohne Kinder nie erlebt und erfahren. Sie prägen mich und meine Persönlichkeit nachhaltig, davon bin ich überzeugt.

Kleine Tyrannen-Gesellschaft

Sehr interessant, dass gerade mein Beitrag Die Mama und ihr Arschlochkind so viele Klicks erhalten hat. Das Wort Arschlochkind scheint also Leser magisch anzuziehen – warum auch immer. Nicht unbedingt – so vermute ich zumindest, weil sie selber ein kleines tyrannisches a******** Kind zu Hause haben, sondern diese ihrer Meinung nach täglich in ihrem Leben begegnen – als Kinder anderer. Es ist sehr einfach, Kinder als kleine Tyrannen zu bezeichnen oder zu behaupten, die heutige Elterngeneration würde in erster Linie selbige gross ziehen, wenn man nicht selber welche hat.

Wer keine Kinder hat, hält besser das Maul

Erst, wer eigene Kinder hat, kann wirklich bei diesem Thema mitreden. Alles andere sind Mutmaßungen. Ich selber weiß auch fast nichts über Hundehaltung. Erst, wer selbst durch bestimmte Probleme und schwierige Zeiten gegangen ist, kann diese nachvollziehen und den anderen verstehen. Schuldzuweisungen sind nicht angebracht. Ich rede auch keinem kinderlosen in seine Lebensentscheidung rein, er wird seine guten Gründe haben. Aber ich möchte auch nicht ständig diskriminiert werden, weil ich – auch zum gesellschaftlichen Nutzen, auf vieles verzichte, um Kinder gross zu ziehen. Ich erwarte dafür auch keine besondere Anerkennung, aber manchmal zumindest ein wenig Verständnis, dass Eltern ein anderes Leben führen und schon genug rotieren, um alles unter einen Hut zu bringen. Und ja, die heutigen Zeiten fordern uns anders als noch die Generation unserer Eltern. Vielen scheint das noch immer nicht klar zu sein.

Ich finde es toll, dass gerade wieder mehr Kinder in Deutschland geboren werden und es einen Trend zur Großfamilie (also ab dem 3. Kind) gibt. Kinder sind wichtig. Aber sie sollten auch von allen als wichtig und wertvoll behandelt werden. Familien, aber auch die zunehmende Zahl von Alleinerziehenden, also die Familien mit nur einem Elternteil, müssen von der Politik ernst genommen werden. Das Elterngeld ist da nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein.

Ich wünsche mir einfach mehr Kinderfreundlichkeit hierzulande.