Eisenherz – Liedtext von juli

Eisenherz

Mein lieber Freund, mein größter Feind
Was haben wir falsch gemacht
Die Hände leer, das Glück verkauft
so war das nicht gedacht
 
Mein lieber Freund
mein größter Feind
Wir haben beide nichts gelernt
Was immer auch zufrieden heißt
Wir sind weit davon entfernt
Und eigentlich geht´s mir jetzt besser
Und eigentlich
 
Mein lieber Freund, mein größter Feind
Was haben wir falsch gemacht
Die Hände leer, das Glück verkauft
so war das nicht gedacht
Und eigentlich geht´s mir jetzt besser
Und eigentlich geht´s mir nicht gut
Irgendwann ging´s mir mal besser
Irgendwann ging´s mir mal gut
 
Denn wir hatten Herzen aus Eisen
Und wir hatten Körper aus Glas
Wir mussten uns gar nichts beweisen
Denn wir glaubten das hier sei Spaß
Ich hab unsere Träume begraben
In der dreckigsten Stadt dieser Welt
Denn das was du willst, sollst du haben
Aber frag nicht ob mir das gefällt
 
Mein lieber Freund, mein größter Feind
Was hab ich dir gesagt
Das Spiel ist aus, der Spaß vorbei
Wir haben nicht gelacht
Und eigentlich geht es mir besser
Und eigentlich geht es mir gut
Aber irgendwann ging´s mir mal besser
Und irgendwann ging´s richtig gut
 
Denn wir hatten Herzen aus Eisen
Und wir hatten Körper aus Glas
Wir mussten uns gar nichts beweisen
Denn wir glaubten das hier sei Spaß
Ich hab unsere Träume begraben
In der dreckigsten Stadt dieser Welt
Denn das was du willst, sollst du haben
Aber frag nicht ob mir das gefällt
 
Frag nicht, ob mir
Frag nicht, ob mir das gefällt
 
Frag nicht, ob
Frag nicht, ob mir das gefällt
 
 

48 Stunden im Leben einer berufstätigen Mutter

Der Blogbeitrag von mutterseelesonnig hat mich auf die Idee gebracht, einen Text von mir an ihren Text über die 48 Stunden im Leben einer Alleinerziehenden anzulehnen und etwas aus meinem Alltag zu erzählen, auch aus dem Bereich meines Jobs als Musikerin und wie man den vereinbaren kann mit Kindern. Nein, ich gehöre nicht zu der Gruppe der Alleinerziehenden. Noch nicht. Und selbst nach einer von mir angestrebten Trennung gehöre ich vermutlich eher zur Kategorie „getrennt erziehend“.

Wie dem auch sei, bei mir ist wahrlich nicht jeder Tag gleich. Das finde ich ansich sehr gut, ich brauche die Abwechslung. Aber die Vereinbarkeit, der Alltag mit Kindern wird dadurch nicht gerade leichter und es braucht ein gewisses Organisationstalent und auch viel Kraft.

Tag 1:

Es ist Dienstag, kurz vor 7 Uhr. Eigentlich habe ich endlich mal wieder lange genug geschlafen. Mal kein Weckerklingeln um kurz nach 6. Allerdings war meine Nacht sehr unruhig. Lag mal nicht an den Kindern, eher an den vielen Dingen, die mich beschäftigen. Habe mich den Großteil der Nacht nur rumgewälzt.
Wundere mich, dass mich noch kein Kind geweckt hat. Greife zum Handy. Lesen in der Früh, wie ungewöhnlich.
7:33h: K1 kommt zu mir, wir kuscheln und erzählen.
8:15h: Komisch, K2 schläft immer noch. Ich schleppe mich unter die Dusche. K1 verkleidet sich derweil als Pirat.
8:35h: Ich gehe in die Küche, räume die Spülmaschine aus, beseitige einen Teil des Chaos von gestern abend und decke den Tisch für ein Müsli-Frühstück. Bereite das KiGa-Frühstück für die Tochter und verstaue es in ihren Rucksack. Heute geht nur sie in den Kindergarten.
8:45h: beide Kinder trudeln in der Küche ein, im Schlafanzug. Ich koordiniere die Mahlzeit und achte darauf, dass kein Kakao umfällt oder eine Müslischüssel überläuft. Der Mann geht derweil duschen.
9:15h: ich will erst mal mich und die Kinder fertig machen, werde mich dem Chaos in der Küche später widmen. In einer halben Stunde müssen wir das Haus verlassen. Habe mit dem Sohn einen Arzttermin. Wie immer ist kein Kind bereit, sich anzuziehen.
9:20h: gebe auf und gehe ins Bad, Zähne putzen, Haare kämen und anföhnen, schminken.
9:30h: kein Kind will sich fertig machen lassen. Doch, K2 zieht sich mit meiner Hilfe um. Der Mann putzt ihr die Zähne. Zuvor hatte er noch mal eben seine Diensthemden gebügelt. Wann auch sonst. Haha.
9:35h: ich sage K1, dass wir gleich zum Termin müssen. Versuche immer wieder, ihn anzuziehen. Mache nebenher sein Bett ordentlich und Räume etwas auf.
9:55h: später als geplant sitzen wir endlich im Auto. In der Küche sieht es noch immer aus wie Sau. Später!
10:25h: wir sind 10 Minuten zu spät beim Termin. Hatte auch noch die ungünstigere Strecke gewählt. Müssen aber sowieso wie immer warten. Erst mal aufs Klo. Dann: Kind wird gewogen, gemessen etc. Dann Wartezimmer, spielen. Termin geht gut rum.
11:35h: stehen wieder auf der Strasse. Seit einer halben Stunde ist mein Parkschein abgelaufen. Puh, alles gut. Ich biete dem Kind an, entweder nach Hause zu fahren, wo ich ganz viel aufräumen  müsste, wir endlich mal Ostereier anmalen könnten und es später wie gewünscht Nudeln gibt oder: nach Schulranzen gucken und danach Pommes beim Fastfoodladen essen. Kind wählt zweiteres.
12:05h: Ankommen am empfohlenen Laden. 20 Minuten später hat eine Mitarbeiterin Zeit für uns. Bin ja nicht die einzige mit baldigem Schulkind, die ausgerechnet in den Ferien diesen Laden stürmt. Gute Beratung, Entscheidung.
13:05h: mit gekauftem Schulranzen und 225 Euro weniger auf dem Konto sitzen wir wieder im Auto. Fahrt zum Wohnort.
13:25h: Fastfood für Kind und Mutter. Merke den Zeitdruck. In spätestens 45 Minuten muss ich zum Dienst fahren.
13:50h: Verlassen des Fastfoodladens Richtung Grosseltern. Sie kümmern sich heute um die Kinder, holen später noch die Kleine vom Kindergarten ab und bringen dann beide nach Hause. Mann kommt erst 21:30 vom Dienst. Im Radio läuft „Supergirl“. Fange kurz zu heulen an.
14:05h: bin zu hause. Mache mich frisch, befülle meinen Rucksack mit dem, was ich noch brauche (Wasser und Schokoriegel nicht vergessen), Räume das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine, Tisch abwischen, Boden fegen. Briefkasten leeren.
14:20h: im Auto zur Dienststelle. Kleine Entspannung.
14:45h: Ankunft. Umziehen in Dienstkleidung für das heutige Konzert. Instrument, Noten, Jacke nicht vergessen. Alles in den Bus bringen. Noch mal aufs Klo.
15:07h: sitze im Bus. Noch 8 Minuten bis zur Abfahrt. Meine Augen brennen, ich fühle mich schon seit Tagen urlaubsreif. Träume von einem Wochenende ohne Kinder. Mein Akku ist leer. Jetzt im Bus versuche ich etwas zur Ruhe zu kommen. Beginne diesen Text. Mache die Augen zu, nachdenken. Dösen.
16:50h: Ankunft am heutigen Auftrittsort. Es gibt schönere! LKW wird entladen. Ich baue Notenpulte auf, schleppe sie an ihren Bestimmungsort, rücke Stühle, lege Noten. Baue mein Instrument zusammen. Die ersten Töne des Tages. Welches Blatt? Wie ist die Akkustik?
17:30h: die Anspielprobe des Orchesters beginnt.

Konzentration aufs Wesentliche

Die Halle hält, was sie verspricht, nämlich nichts. Die Akustik ist Mist,  ich höre mich selber kaum. Das wird ein Konzert mit weniger Spielfreude. Zum Kratzen im Hals gesellt sich sich ein Grummeln im Gedärm. Mir ist leicht übel. Hab ich schon erwähnt, dass ich recht müde bin? Ob ich krank werde?
17:30h: Probenende und Essen. Das mit Abstand schlechteste der letzten Zeit. Ich bin leicht frustriert. Zum Glück beginnt das Konzert heut schon um
19:30h: durch das die Halle füllende Publikum geht es jetzt mit der Akustik. Ich gebe mir Mühe. Immerhin liebe ich mein Instrument. Ich denke an die Kinder, die jetzt so langsam ins Bett gehen, heute begleitet von den Großeltern. Wird schon klappen. Mit etwas Glück bin ich noch kurz vor 1 Uhr in meinem Bettchen.
20:50h: die 2. Konzerthälfte beginnt. Das 2. Stück davon ist mein Lieblingsstück des aktuellen Programms, hier darf ich viele schnelle Töne spielen. Ich reisse mich zusammen, bin heute aber nicht so zufrieden. Nach diesem Stück verlässt mich wie immer so langsam die Kraft und Konzentration. Der Tag war immerhin schon lang.
21:50h: das Konzert ist zu Ende. Wir müssen noch abbauen. Ab dem Zeitpunkt wo die Busse rollen, dauert es noch 2 Stunden bis zu meinem Bett.
22:25h: wir sind schnell heute. Die Fahrzeuge rollen. Der Vollmond strahlt mich an. Ich setze meine Schlamassel auf und döse. Tief schlafen kann ich in Bus und Flugzeug leider nie.
23:45h: Ankunft am Dienstort. Torkele schlaftrunken aus dem Bus. Umziehen, Auto fahren. Immer wieder eine Herausforderung mit der nächtlichen Müdigkeit.
00:20h: bin zu Hause. Früher als erwartet. Wenn Konzerte weiter weg sind und zudem später beginnen, wird es auch schon mal 1:30h.
Dadele noch etwas auf dem Handy. Gegen 1 Uhr schlafe ich ein.

Was ich heute nicht geschafft habe: wichtige Termine machen. Vom Bus aus mag ich nicht telefonieren.

Tag 2:
Irgendwas zwischen 5:30 und 6 h: bin wach. Scheiß innere Uhr. Der Mann musste um 5:30h zur Frühschicht. Dösen.
6:27h: K1 kommt zu mir ins Zimmer. Warum reden Kinder schon morgens so laut? Er darf sich auf YouTube Videos über Playmobil Spielzeug ansehen. Unpädagogisch, aber meine Rettung. Döse weiter, höre die Stimmen von den Videos.
Schätzungsweise 7:30h: K2 kommt dazu. Ich höre alles, döse aber noch. Bin einfach zu müde. Könnte jetzt wieder einschlafen.
8:00h: Handywecker klingelt. K2 verlangt nach Peppa Wutz auf meinem Laptop. Mache ihr alles an. Schleppe mich unter die Dusche. In Ruhe duschen und anziehen ist den Medienkonsum der Kinder allemal wert.
8:30h: verkünde den Kindern, dass ich nun in die Küche gehe. Ob sie frühstücken wollen? Schmeisse Toast in den Toaster. Bereite mir ein Müsli für unterwegs. Wird mein Mittag sein.
8:36h: frage die ganze Kinder erneut, ob sie Frühstück wünschen.
8:41h: K1 kommt mit meinem Handy in die Küche. Er durfte es haben, wir sind ja unter uns.
K2 schlurft hinterher. Ich tische Müsli auf. Erfülle Sonderwünsche, schlichte Streit, renne in die Speisekammer im Keller. Bereite die Brotdosen für den KiGa. Versuche irgendwann, selber zu frühstücken.
9:10h: Räume den Tisch ab. Kinder sind fertig. Stelle die von ihnen kaum angerührten Müslis in den Kühlschrank. Spülmaschine einräumen, Tisch abwischen, fegen.
9:17h: bin im Bad. Was man so macht, Zähne putzen, schminken, Haare kämen. Kinder spielen derweil.
9:35h: Die Zeit drängt. K2 kriege ich angezogen. Sogar gewaschen und Zähne geputzt. K1 ignoriert mein Flehen und meine Drohung, ihn im Schlafanzug zu bringen.
9:45h: langsam werde ich nervös. Müssen um 10 h im Kiga sein.
Ich ziehe ihn um. Gesicht waschen. Haare kämen.
9:55h: alle noch mal Pipi. Nach mehrfacher Aufforderung ziehen die Kinder selbstständig ihre Schuhe an. Ich räume unsere Rucksäcke in den Kofferraum und prokele den Kindersitz, den der Opa gestern brauchte, ins Isofix.
9:58h: losfahren
10:03: endlich im Kindergarten. Dort herrscht Tumult. Vor dem Garderobenplatz der Tochter werden Osterzöpfe geformt.
10:10h: sitze wieder im Auto. Seufze ganz tief. Geschafft. Im doppelten Sinne. Während der Fahrt merke ich, wie müde ich eigentlich bin. Augen auf behalten kann hohe Kunst sein.
10:40h: Ankunft am Dienstort. Sachen von letzter Nacht aufräumen. Nichts für heute vergessen und alles in den Bus räumen.
11:19h: sitze im Bus.
11:30: Bus rollt.
13:30h: verspätete Ankunft am Auftrittsort. Hatten Stau. Schnell rein in die Klamotten, Instrument aufbauen, noch mal aufs Klo.
15:00h: Bus rollt wieder und direkt in den Stau auf der Autobahn.
16:40h: zurück am Dienstort. Trotz Einnickens im Bus gerädert. Bräuchte mal einen freien Tag, zumindest ab jetzt.
17:32h: endlich zu hause nach Stau und Umweg. Bin zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Habe heute den Luxus, mit den Kindern nicht alleine zu sein. Abendbrot für alle. Danach ziehe ich mich etwas zurück. Mit schlechtem Gewissen zwar, aber nach einem Burnout lernt man dazu. Kann einfach nicht nehr, kann aber leider nicht schlafen.

Kinder ins Bett bringen – die allabendlichen Terrorhölle

21:00h: endlich kehrt Ruhe für heute ein. Ich habe Erschöpfungsanzeichen. Beine tun weh und ich bin verdächtig kurzatmig. Da ich aber über den Einschlaf-Punkt erst mal drüber bin, klappt es mit dem Runterfahren nicht. Schlafe erst ca. 23h ein. Bin ab grob halb 3 wach. Schlafe erst gegen 6h wieder ein. Was ich heute wieder nicht geschafft habe: wichtige Termine vereinbaren. Mal üben. Haushalt.

Am 3. Tag:

Werde um 7:03h von K1 geweckt. Benommenheit. Verzichte heute entgegen meiner Gewohnheit auf die Dusche und komme so nur eine halbe Stunde zu spät zu Dienst. Der Tag wird sich schrecklich ziehen und ich werde nachmittags wieder verzweifelt und erfolglos versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Und im haushältlichen Chaos versinken.

 

Ehrlichkeit – sich selbst gegenüber

Heute möchte ich Euch wieder einmal auf einen wundervollen Text aus einem anderen Blog aufmerksam machen, dessen Lesen sich so unheimlich lohnt. Den Beitrag von Natalia findet Ihr hier in voller Länge.

Warum berührt mich Ihr Text so sehr? Alleine der folgende Abschnitt, der dort zu lesen ist, könnte Wort für Wort von mir selber stammen:

„Ich lebte aus einem Mangel heraus. Ich wollte gesehen werden, sah mich aber selbst nicht. Ich wollte Lob und Anerkennung, war aber mein größter Kritiker. Brauchte Unterstützung und Hilfe, war aber zu feige oder zu stolz, um mir Hilfe zu holen oder wenigstens danach zu fragen. Und nach vielen Jahren, der Missachtung meiner selbst, nach Jahren der Selbstanklage, kam der Schmerz, der die Schmerzgrenze übersteigt. So konnte und wollte ich nicht weiterleben. Weitermachen. Dieser Schmerz forderte eines ein: Ehrlichkeit.“

Sie schreibt weiter, dass jeder Mensch früher oder später an einen Punkt käme wo er realisiert, dass es „so nicht weiter geht“.

Das einerseits zu erkennen, aber dann andererseits auch den Mut aufzubringen, WIRKLICH etwas zu verändert, um sich selber treu zu bleiben oder wieder treu zu werden, auf diese Weise (zurück) zu sich selbst zu finden, erfordert einiges, vor allem viel Mut. Ich zitiere:

„Erst wenn dieser Punkt erreicht ist, wird man wirklich bereit sein etwas zu verändern. Man spürt, dass dieser Schritt einen großen, wahrscheinlich auch schmerzhaften Preis kostet, aber man ist bereit, diese Konsequenz zu (er-) tragen.“

Eine von Natalie zitierte Frau und Mutter sagte, was auch ich noch vor über einem Jahr, noch vor meinem Totalzusammenbruch selber hätte von mir geben können:

Das Fühlen und Spüren habe ich mir schon lange abgewöhnt. Wenn ich nur ein klein wenig wieder fühlen würde, bricht hier alles zusammen.“

Ehrlichkeit sich selbst, aber auch anderen gegenüber, vor allem, wenn uns diese Menschen sehr nah sind, macht in der Tat sehr verletzlich / verletzbar. Es birgt die Gefahr von Schmerz, den man erst einmal aushalten können muss. Aber es kann sich lohnen, etwas zu ändern, um aus vollster Überzeugung sagen zu können: Das bin ich! Das ist es, was ich wirklich will und was mein Herz mir sagt!

Und auch wenn der Weg dorthin anfangs unüberwindbar scheint, dürften wir am Ende feststellen, dass es der einzig richtige war. Es wird uns innerlich besser gehen, weil wir mit uns im Reinen sind.

Denn die von Natalie gestellte Frage, „Wovor läufst du weg und wohin will dein Herz?“ sollten wir uns alle immer wieder stellen, wenn wir bemerken, dass es „so nicht weitergeht“.

Unglücklich zu sein und immerzu faule Kompromisse entgegen der eigenen Gefühle einzugehen, darf nie die beste Lösung sein. Sich alles zu verwehren aus Angst vor Unannehmlichkeiten ebenfalls nicht. Das soll keine Aufforderung zum Ego-Trip oder „Gehen über Leichen“ sein, so einfach mache ich es mir nicht. Aber herauszufinden, was wir wirklich tief in unserem Herzen wollen, ist diese Reise ins (vielleicht) Ungewisse wert. Wir haben nur jeweils das eine Leben und manchmal kann’s doch einfach nur noch besser werden.

Ich habe mich nach meinem Burnout vor 13 Monaten aufgemacht, mich (erneut) selbst zu finden. Ich hatte mich verloren. Auf dieser Reise, auf die ich seit dem gegangen bin, habe ich schon so manches über mich gelernt. Und manches war nur verschütt gegangen. Habe mich meiner Wünsche und Bedürfnisse erinnert, die ich zuvor so lange überhört hatte. Das alles war den Burnout wert.

Der Weg ist noch lang – aber er ist gleichzeitig das Ziel. Mein Weg, mein Ziel. Es wird mir noch viel Schmerz begegnen und auch die Menschen, die unmittelbar betroffen sind, kann ich nicht vor jedem Schmerz immerzu bewahren. Aber ich bin eben an den Punkt gekommen, wo ich erkennen mußte, „So geht es nicht weiter!“ Der Preis wäre einfach zu hoch, höher als die Konsequenzen meiner Entscheidung. Mein eigenes Leben ist auch wertvoll. Und ich lebe jetzt. Jetzt muss ich etwas verändern, damit es morgen besser wird.

Das Märchen vom kleinen Singvogel

Es war einmal ein kleiner zarter Singvogel, der saß in einem Goldenen Käfig. Sein Besitzer versorgte ihn mit allem Notwendigen, wie er meinte, gab ihm Wasser und jeden Tag ein paar Körnchen. Hin und wieder entfernte er sogar den Unrat des kleinen Singvogels aus dessen Goldenem Käfig. Und damit sollte es genug sein, dachte der Vogelfänger. Er hatte den kleinen Singvogel vor langer Zeit erhascht, weil dieser so schön sang, doch war der Vogelfänger von eher fragwürdiger Natur. Der kleine Singvogel hatte dies nicht gleich erkannt und war so mehr oder weniger bereitwillig mit ihm gegangen. Er hatte geglaubt, er könne es gut bei dem Vogelfänger haben.

Aber es war eben ein böser Vogelfänger und er war nicht der Richtige für den kleinen zarten Singvogel mit seiner tiefen und zerbrechlichen Seele. Dieser sang aus voller Kehle, zwitscherte und tirillierte nach Leibeskräften, um zu gefallen. Und weil es sein Naturell war. Aber mit der Zeit dünkte ihm, er könne doch den Goldenen Käfig einmal wieder verlassen. Nur kurz, nur für einen kleinen Moment. Aber der böse Vogelfänger öffnete den Käfig nicht. Und auch sonst reichte er ihm nichts als ein wenig Wasser und Futter. Immerhin, dachte der Singvogel, dann kann er so böse nicht sein. Aber Liebe, die erfuhr er schon bald nicht mehr, auch kein gutes Zureden, keine liebevollen Worte, die ihn seine Einsamkeit hätten vergessen lassen können. Statt dessen stellte der böse Vogelfänger den Goldenen Käfig auf die Fensterbank. So konnte der Singvogel seine Artgenossen im Garten beobachten. Das aber machte ihn nur noch trauriger. „Wie gut die es haben, sie dürfen fliegen. Hoch hinaus und immer höher, wohin sie nur immer wollen“ , dachte er bei sich. „Sie holen sich die feinsten Speisen und singen miteinander, tagein und tagaus. Sie haben einander gern und passen aufeinander auf“. Zu gerne wäre der kleine zarte Singvogel hinaus in den Garten geflogen, um mit seinen Artgenossen zu spielen, zu singen und zu fliegen. Aber so sehr er auch dem bösen Vogelfänger versuchte zu signalisieren, dass er sich nicht glücklich fühlte in seinem Goldenen Käfig, sein Verlangen wurde nicht beachtet, sein Flehen nicht erhört. Und so verstummte der kleine zarte Singvogel schließlich und wollte auch kein Futter mehr. Seine einst glänzenden Federn wurden matt und struppig.

Da kam ein anderer Vogelfänger auf Besuch. Der hatte ein gutes Herz. Er erkannte die Seele des Singvogels und vermutete einen wunderschönen Gesang in diesem kleinen Vogel. Er fragte den bösen Vogelfänger: „Was hast Du hier für einen schönen Vogel, schau! Wieso lässt Du ihn nicht einmal wieder fliegen?“ Der Kollege antwortete: „Schöner Vogel? Achwas, ein garstiges Geschöpf ist das. Sitzt in einem wunderschönen Goldenen Käfig, hat es warm und bekommt alles, was er braucht. Ich schaue Tag und Nacht nach ihm, beoachte ihn, was er wohl treibt. Aber er ist dabei so undankbar, dass er noch nicht einmal mehr singen mag. Und sieh sein Gefieder, wie es ausschaut. Ich kann diesem Vogel nicht viel abgewinnen. Aber er gehört nun einmal hierher, zu mir. Ich habe ihn gefangen. Er ist mein Singvogel ganz alleine. Einen Teufel werde ich tun, ihn fliegen zu lassen! Nie käme er zu mir zurück!“

Mit diesen Worten verließ der böse Vogelfänger das Zimmer. Der gute Mann aber öffnete die Käfigtür, nahm den verängstigten, aber  dennoch zutraulichen Singvogel auf seine Hand und sah ihn lange und mit ruhigem Blick an. Auch sprach er zärtliche Worte zu ihm. Da begann der kleine zarte Singvogel seine Stimme zu erheben, erst ganz leise, aber dann immer lauter und fröhlicher. Der gute Vogelfänger öffnete das Fenster und sagte zum Singvogel, „Flieg, wenn Du magst. Flieg hinaus in die Welt! Sei Du selbst, sei frei und fröhlich!“ Der Singvogel schaute ungläubig zwischen Vogelfänger und Garten hin und her und dachte, „Wie gern nur würde ich fliegen. Aber was erwartet mich dort draußen?  Lauern dort nicht neue Gefahren? Kann ich’s wirklich wagen und ihm vertrauen?“

Als hätte der gute Vogelfänger die Worte des Singvogels vernommen, sagte er liebevoll zu ihm: „Hab keine Angst. Es wird alles gut, Du musst nur fliegen und singen. Alles andere wird sich zeigen. Und Du kannst jederzeit zu mir zurück kommen. Ich habe zwar keinen Goldenen Käfig, aber ein gutes Herz und immer einen Platz für Dich. Und nun, flieg hoch hinaus und immer höher. So hoch Du nur kannst!“

Da nahm der kleine zarte Singvogel sich ein Herz und sprang hinunter auf das Fenstersimms, atmete die frische Frühlingsluft ein, breitete seine Flügel aus und gab sich einen Ruck. Und so flog der kleine zarte Singvogel in den Garten hinaus, zu all den anderen Singvögeln, die nur auf ihn gewartet hatten.

Und wenn er nicht gestorben ist, so singt, musiziert, zwitschert, trällert und tirilliert er noch heute!

Die Sterne fallen – Juli

Die  Sterne fallen – Liedtext von „Juli“

Plakate schreien uns an. Viel zu schrill und viel zu viel
Irgendjemand überklebt sie. Und dann ist es wieder still
Um uns herum zischen Torpedos. Die Welt ist voll bis an den Rand.
Etwas Leichtes, etwas Raues berührt fast meine Hand. Es berührt fast meine Hand.

Die Sterne fallen auf uns herunter. Und egal, was auch passiert.
Wir werden auf den Strahlen tanzen, während alles explodiert
In dem ganzen großen Chaos. Nur ein Blick, ein kurzer Schlag.
Eine flüchtige Berührung. Die es vielleicht so gar nicht gab. Die es vielleicht so gar nicht gab

 Die Sterne fallen auf uns herunter. Und egal, was auch passiert.

Wir werden auf den Strahlen tanzen, während alles explodiert
Die Sterne fallen auf uns herunter. Und der Himmel wird so klar.
Wie am aller ersten morgen. Vom aller ersten Tag

In jeder U-Bahn, in jedem Garten. Stehen Menschen und sie warten. Sie lesen Zeitung oder Karten. Und finden keinen Weg. Der nicht geschrieben steht. Weil keiner sich bewegt
Ob uns wohl jemand sieht

Die Sterne fallen auf uns herunter. Und egal, was auch passiert.
Wir werden auf den Strahlen tanzen, während alles explodiert

Die Sterne fallen auf uns herunter. Und der Himmel wird so klar.
Wie am aller ersten morgen. Vom aller ersten Tag