Eltern in Trennung – Teil 2

Warum Beziehungen scheitern können und weshalb man das akzeptieren sollte. Eine Bestandsaufnahme.

Ich versuche, Bilanz zu ziehen nach einer langen Beziehung, nach einem langen Weg, den man gemeinsam gegangen ist. In einer langen Zeit, in der man verschiedene Phasen des eigenen Lebens in Anwesenheit des anderen durchlaufen hat. Dies kann eine Zeit der tiefsten Prägung für die Zukunft und somit auch für eine folgende Beziehung sein.

Dies hier soll keine „Abrechnung“ sein, nur niedergeschriebene Erklärungsversuche für mich selbst. Vielleicht helfe ich dem ein oder anderen damit. Jedenfalls versuche ich gerade, mir selber zu helfen, denn ich kann nicht mehr. Der derzeitige Zustand zermürbt mich, es zieht mich emotional extrem runter. Ich glaube sogar, dass das so gewollt ist. Ich soll klein beigeben, zusammen brechen (erneut!). Das mag eine Unterstellung sein, aber sie liegt so nahe.

Auch der Sich-Trennende leidet

Warum mache ich nach 16 Jahren und zwei gemeinsamen Kindern Schluß? Warum sieht es nach außen hin vielleicht so aus, als sei das ganz einfach für mich, eine Entscheidung aus einer Laune heraus? Ich kann sagen, dass es das eben nicht ist. Denn sonst hätte ich schon eher diesen Schritt gewagt. Aber auch ich habe moralische Bedenken, also meinen Kindern gegenüber. Auch ich hatte den Traum von einer heilen, glücklichen Familie.

Aber irgendwann kam die Erkenntnis: besser ein beherzter Trennungsschritt als ein jahrelanges Dahinsiechen der Partnerschaft oder Ehe! Doch genau diese Entscheidung erfordert Mut und Entschlossenheit. Wenn nicht, kann ein langsamer, depressiver Prozess einsetzen, der eine große Gefahr darstellt, nämlich seelische Krankheiten und körperliche Fehlfunktionen. Ja, hallo Burnout. Und hallo scheiss Zustand, in dem ich mich gerade befinde, niedergeschlagen und teilweise depressiv-verstimmt. Verzweifelt und traurig. Also lieber ein Ende mit Schmerz, als Schmerz ohne Ende.

Das Leben der anderen

Es wird vermutlich immer Leute geben, die mich verurteilen werden. Es wird Leute geben, die denken, ich mache das alles aus einer oberflächlichen Laune heraus oder weil ein anderer Mann meinen Weg gekreuzt hat. Es dürfte immer Leute geben, die einen neuen Partner in solch einer Situation als denjenigen betrachten, der die Ehe auseinander gebracht hat. Es wird immer Leute geben, die urteilen, ohne nach den Hintergründen zu fragen. Die Dinge sagen werden wie, „Die armen Kinder, wie kann sie das nur tun“ und „Ihr Mann ist doch so ein netter Typ“. Auf all das stelle ich mich ein und ganz ehrlich – es geht mir schon jetzt ziemlich am Allerwertesten vorbei. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich so unheimlich viel auf das Gerede und die Meinungen anderer über mich gebe. Das ist auch etwas, was ich nach meinem Burnout verbessern konnte.

Nur  i c h weiß, wie lange schon und wie heftig ich mit mir ringe. Nur ich weiß, durch welchen Gefühlssumpf ich gehe. Und nur ich kenne mein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht weiter zur völligen Aufopferung zur Verfügung stelle, bis meine eigene Gesundheit noch mehr darunter leidet.

Hey Leute, ich war ganz tief unten, mein Körper hatte sämtliche psychosomatische Register gezogen, die so ein Körper ziehen kann, und die alle gleichzeitig. Ich habe geglaubt, mein Leben wäre zu Ende. Aber ich bin noch da und in diesem einen Jahr, das vergangen ist, habe ich verdammt-noch-mal erkannt, was ich will, welche Werte mir im Grunde genommen wichtig sind und vor allem weiß ich, was ich nicht mehr will.

Ich will nicht mehr mit einem Menschen zusammen leben, der mich so viel vermissen lässt und mich seit Jahren – ob bewusst oder unbewusst spielt erst einmal keine Rolle – dermaßen runterzieht, dass ich mich gezwungen sehe, einen neuen Weg zu gehen, wenn ich am Leben bleiben möchte. Ich weiß schon lange: mit diesem Mann kann und will ich nicht alt werden. Nur für die Kinder wollte ich so lange wie möglich durchhalten. Aber wie lange kann ein „so lange wie möglich“ sein?

Es ist nicht neu, was für manch Außenstehenden neu erscheinen mag

Ich habe den Trennungswunsch und diese Empfindungen und Gedanken nicht erst seit letztem Jahr. Ich hatte sie schon einige Jahre davor, immer wieder. Ich hatte sie auch schon, noch bevor meine Kinder 2011 und 2013 geboren wurden. Irgendwas hat sich für mich schon lange falsch angefühlt. Und das weiß nicht nur ich, sondern das wissen engste Freunde von mir, das weiß meine Familie, also meine Mutter, mein Bruder (und natürlich mein Papa auf seiner Wolke). Sie alle kennen meine jahrelangen Zweifel, meine Äußerungen darüber, haben teilweise die Auseinandersetzungen mitbekommen. Und sie haben sich teilweise immer wieder gewundert. Darüber, dass ich weitergemacht habe, dass ich das Haus gekauft habe, vor allem, dass ich die Kinder bekommen habe mit diesem Mann. Meine Kinder, die ich über alles liebe und derenwegen ich versucht habe, immer wieder durchzuhalten in einer Lebens- und Paarsituation, die sich für mich immer falscher und falscher anfühlte, einfach nicht (mehr) zu mir passt. Muss eine Beziehung so sein, dass man versucht, dem anderen das Gefühl zu geben, klein und unbedeutend zu sein und alles falsch zu machen? Müssen Machtausübung und Dagegensprechen, müssen Ablehnung und Ignorieren des Partners wirklich sein? Muss eine Beziehung um jeden Preis weitergeführt werden, wenn das Kommunikationsverhalten auch nach wiederholten Verbesserungsversuchen einfach nicht zu ertragen ist? Wenn man nicht mehr weiß, wie man mit seinem Partner Probleme und Sorgen besprechen kann, wenn egal was man sagt, einem kein Verständnis oder Wohlwollen entgegen schlägt, sondern ein „Dagegen“ und sogar Ignoranz?Zumindest keine großartige Empathie, kein Trost oder ein gemeinsames Suchen nach Lösungen. Irgendwann bleibt einem nichts übrig als der eigene Rückzug. Und man fühlt sich mit allem verdammt alleine, unverstanden und ungeliebt. Und jedes einst positive Gefühl für den Partner geht den Bach hinunter.

Muss man all das ertragen wenn es darum geht, einen Alltag mit Kindern zu organisieren? Was ansich schon anstrengend ist und einem sowieso schon so viel Kraft abverlangt. Wenn dann statt eines Miteinanders gefühlt nur ein Gegeneinander stattfindet, neigt sich die Kraft schnell dem Ende zu. Gegenseitige blöde Bemerkungen sind in einem anstrengenden Alltag doppelt zermürbend.

Wenn zwei sich streiten, freut sich vielleicht ein dritter

Die Außenwelt mag denken was sie will. Das Stöckchen war schon lange weggezogen, welches den Stein des Anstoßes ins Rollen brachte. Dass der Stein an Geschwindigkeit zunahm, als ich bemerkte, dass ich Gefühle für einen anderen Mann habe, möchte ich nicht bestreiten. Überhaupt, dieses Gefühl des Verliebtseins kannte ich nicht mehr, hatte sogar geglaubt, dazu nicht mehr fähig zu sein. Aber ich weiß jetzt: es geht noch. Und es lag nicht an mir alleine.

So ist es also. Ich mag nichts mehr schönreden

Ich bin also seit Jahren total unzufrieden und unglücklich in dieser Partnerschaft. (Ich bin auch seit Jahren total untervögelt, aber das nur am Rande). Mir wird seit Jahren nicht zugehört, meine Trennungswünsche in der Vergangenheit wurden nie ernst genommen. Am nächsten Tag wurde weitergemacht wie immer, alles ignoriert und ich fühlte mich somit nicht für voll genommen. Heute wird sogar mehr oder weniger behauptet, dass es diese Ansagen von mir nie gegeben hätte. Auch nicht die Gespräche, die ich suchte, Monologe die ich führte, um irgendetwas noch zu retten oder zu bewegen. Leises Flehen, er möge sich doch auch (mal) Hilfe von außen holen, brachte nur ganz kurz einen Lichtblick und war so nicht ganz der richtige Weg. Und es war schon zu spät.

Ich habe meine Unzufriedenheit offen gezeigt. Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung und die Liebe groß. Denn ich bin kein guter Schauspieler.

Ja klar, es gab auch gute Momente, Phasen, in denen dieser Mann nett zu mir war, sich bemühte und ich Hoffnung schöpfte. Es waren die Momente, die mich dann erst einmal zum bleiben animierten. Und in denen auch ich wieder anders sein, aus meinem Schneckenhäuslein über die Mauer schauen konnte. Aber immer wieder hatte ich das Gefühl, dass es ihm dann am besten ging, wenn es mir am schlechtesten ging. Mein Burnout, den er im Vorfeld nicht erkannte und auch nicht durch emotionale Unterstützung zu verhindern suchte – denn ich bin überzeugt, dass mir das in einer guten Partnerschaft so nie passiert wäre – wird mir heute regelrecht zum Vorwurf gemacht. Weil er ja dann auf der Arbeit so viel gefehlt hat, um für mich da zu sein! Und er wäre ja für mich da gewesen! Und er hätte ja reden wollen.

Dass das alles zu spät war und ich zu dem Zeitpunkt schon lange resigniert und die Schotten zugemacht hatte, wird heute nicht gesehen. Überhaupt, Selbstreflektion, was ist das? Oder Schuld und Verantwortung auch einmal bei sich selber suchen, sich gar zu entschuldigen, aufeinander zu zugehen wie erwachsene Menschen, bei diesem Mann scheint das ein Fremdwort zu sein. Statt dessen bin ich an allem, wirklich an allem Schuld.  Das ist die bittere Realität.

Natürlich habe ich weiß-Gott nicht alles richtig gemacht. Ich habe mir selber auch viele Fehler vorzuhalten. Aber ich kann das auch, denn reflektieren kann ich. Und es einsehen und mich entschuldigen kann ich auch.

Aber davon handelt der 3. Teil meiner kleinen Serie mitten aus dem Leben, „Eltern in Trennung“.

 

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Kein Zurück – Wolfsheim

KEIN ZURÜCK SONGTEXT

Es gibt keinen Weg zurück
Weißt du noch, wie’s war
Kinderzeit, wunderbar
Die Welt ist bunt und schön
Bis du irgendwann begreifst
Dass nicht jeder Abschied heißt
Es gibt auch ein Wiederseh’n.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

Ein Wort zu viel im Zorn gesagt
Nen‘ Schritt zu weit nach vorn gewagt
Schon ist es vorbei
Was auch immer jetzt getan
Was ich gesagt hab, ist gesagt
Was wie ewig schien, ist schon Vergangenheit.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.

Ach und könnt‘ ich doch nur ein einz’ges Mal
Die Uhren rückwärts dreh’n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß
Hätt‘ ich lieber nie geseh’n.

Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück
Es gibt keinen Weg zurück

Dein Leben dreht sich nur im Kreis
So voll von weggeworfener Zeit
Deine Träume schiebst du endlos vor dir her
Du willst noch leben irgendwann
Doch wenn nicht heute, wann denn dann?
Denn irgendwann ist auch ein Traum zu lange her.

Immer vorwärts, Schritt um Schritt
Es gibt keinen Weg zurück
Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n
Die Zeit läuft uns davon
Was getan ist, ist getan
Was jetzt ist, wird nie mehr so gescheh’n.
Ach und könnt‘ ich doch nur ein einziges Mal
Die Uhren rückwärts dreh’n
Denn wie viel von dem, was ich heute weiß
Hätt‘ ich lieber nie geseh’n.

In Gedenken an Papa – Mittsommernacht

Lieber Papa,

vor genau einem Jahr schrieb ich Dir einen Abschiedsbrief, schrieb Dir, um Dich loslassen und Dich gehen lassen zu können. Danach war mir leichter ums Herz. Du wirst es vielleicht gespürt haben, denn wenige Stunden später schliefst Du für immer ein. Dass Du dafür die Mittsommernacht wähltest – oder sie Dich – passte irgendwie. Du weißt, ich bin im Herzen Skandinavierin und die Sommersonnenwende bedeutet mir viel.

Heute ist es also wieder so weit. Der längste Tag des Jahres geht zu Ende, die kürzeste Nacht steht bevor. Wie wahnsinnig schnell das Jahr vergangen ist, und doch ist so einiges passiert in diesem einen Jahr, seit Du nicht mehr bei uns bist. Es gibt so vieles, was ich Dir gerne erzählen würde. Die guten wie auch die schlimmen Dinge, die passiert sind während der letzten 12 Monate. Wie gerne würde ich Dir erzählen, dass Dein Haus inzwischen verkauft wurde und wir, Dein Sohn und Deine Tochter, nach einem ein Jahr währenden Rechtsstreit auf unseren Pflichtteil warten.

Wie gerne hätte ich Dir erzählt, dass ich nur gut einen Monat nach Deinem Tod etwas begonnen habe, was immer Dein Hobby gewesen ist: das Singen im Chor.   Ich könnte Dir erzählen, dass ich sogar mit dem Gesangsunterricht angefangen habe. Das alles hätte Dir gefallen, da bin ich mir sicher. Wenn ich in irgendeiner Form Talent zum Singen habe, dann habe ich es von Dir geerbt. Du warst ein guter Sänger und das ganz ohne Noten lesen zu können. Ich würde Dir auch erzählen, dass ich eine Entscheidung für mich und mein Leben getroffen habe, deren Auswirkung ich jetzt noch nicht in gänze abschätzen kann. Aber Du hättest es verstanden und Du hättest mich auch niemals deswegen verurteilt. Den „neuen“ Menschen in meinem Herzen würdest Du ohne viel zu Fragen begrüßen und auch hier niemals bewertend sein. Du hast mir immer vertraut bei dem, was ich tue. Dafür bin ich Dir sehr dankbar!

Am 19. Juni 2016 sagte ich Dir an Deinem Sterbebett zum Abschied leise „Ich hab Dich lieb, Papa“. Ich wußte nicht genau, ob ich Dich ein paar Tage später noch einmal lebend wiedersehen würde. An diesem 19. Juni habe ich Dich das letzte Mal gesehen. In dem Moment Deines endgültigen Abschieds wirst Du alleine gewesen sein, aber nur kurze Zeit später waren Dein Sohn bei Dir und Dein Lieblingscousin. Sie beweinten Dich, während Deine zweite Frau und Erbschleicher-Hexe laut mit ihrer Freundin beratschlagte, was am nächsten Morgen alles zu tun sei, ohne Trauer zu zeigen, kaum dass Deine Seele Deinen leblosen Körper verlassen hatte.

Das erste halbe Jahr nach Deinem Abschied war am schlimmsten für mich, bis zu Deinem Geburtstag. Erst dann begriff ich, dass Du wirklich nicht mehr da bist. Aber auch jetzt kommen mir noch so manches Mal die Tränen, wenn ich an Dich denke, vor allem, wenn ich mal über Dich spreche. Wenn ich erzähle, was ich alles von Dir habe, wie die schlanke Statur und die blonden Haare. Oder auch die ein oder andere Eigenschaft. Aber auch die etwas schlechteren Deiner Gene haben sich in mir verewigt. Das ist nicht schlimm, denn Du kannst ja nichts dafür.

Ich werde Dich nie vergessen, lieber Papa. Für mich bist Du immer noch da, bis auch ich irgendwann nicht mehr sein werde. So lange trage ich die Erinnerung an Dich in mir. Und Deine Gene, die sich auch in Deinen Enkelkindern wiederfinden.

Lass‘ es Dir weiter gut gehen da oben auf Deiner Wolke!

Deine Tochter

Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

Eltern in Trennung – Teil 1

„Das Leben ist kein „Ponyschlecken“, wir gehen durch unsere kleineren und größeren Krisen und wissen manchmal nicht, wo der Weg uns hinführt. Wir streben nach Glück und Zufriedenheit und das ist gut so. Viel schlimmer wäre es wohl, wenn jegliches Streben eingestellt und nur noch kampflos hingenommen werden würde.

Nach einigen Jahren der größeren Krise in meinem eigenen Leben, nach Erschöpfung und Zusammenbruch, nach stark gespürter Unzufriedenheit und vielen Zweifeln, habe ich mich in ein neues Leben aufgemacht, unter anderem mit psychotherapeutischer Unterstützung, aber auch durch viel Selbstreflektion. Nach dem ich jahrelang eigene Bedürfnisse und Gefühle ignoriert habe, ignorieren musste, habe ich durch meine Erkrankung und die Zeit danach erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf und die unzufriedene Mutter und Frau niemandem nützt. Und das mein eigenes Leben etwas wert ist, MIR etwas wert sein sollte. Und in der berühmten Lebensmitte, also so um die 40, gehen so einige Menschen in sich, ziehen Bilanz und sortieren ihr Leben noch einmal neu.

Manchmal muss sich einfach etwas ändern

Nach dem ich in beruflicher Hinsicht wenig ändern konnte und wollte (außer zu mehr Gelassenheit zu gelangen), war es mein Privatleben, meine Beziehung zu Menschen und zu meinem Mann, wo ich ansetzen musste. Dass meine Ehe seit Jahren schon für mich wenig Glück bedeutete, war hierbei keine neue Erkenntnis, aber dazu später mehr.

Viele Jahre fühlte ich mich – heimatfern und entwurzelt – sozial ziemlich abgeschnitten und einsam. Dann fand ich eine inzwischen gute Freundin hier im Ort und durch ein neues Hobby tolle Menschen in der Nähe. Und endlich konnte ich das auch wieder zulassen, dieses Zwischenmenschliche, was mir in meinem Leben so sehr gefehlt hatte.

Bloggen als Lebenshilfe

Aber es sind nicht immer nur die Menschen von nebenan. Mir bleibt wenig Zeit, andere Blogs mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Ich habe es aber zu schätzen gelernt, auf diese Weise in die Gedanken anderer einzutauchen. Ich schätze es sehr, wenn die fleißigen Blogger da draußen uns auf diese Weise an ihrem teilweise tiefsten Gefühlsleben und ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen. Gerade als geforderte Mutter mit Beruf und Haushalt, mit Problemen und Sorgen tut es immer wieder gut, durch dieses Medium zu sehen: ich bin nicht alleine mit dem ganzen Mist! Da sind andere. Und zu lesen, wie sie damit umgehen, kann mir helfen, meinen eigenen Weg zu gestalten.

Minusch ist eine von den wenigen, bei denen ich regelmäßig mitlese. Und ihre Offenheit fasziniert mich und tut mir immer wieder gut. Daher möchte ich einen ihrer aktuellsten Beiträge hier mit Euch teilen. Sie beschreibt darin so wunderbar die verschiedenen Phasen rund um die Trennung von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, die Schwierigkeiten drum herum. Sie lässt uns teilhaben an ihrem Leben alleine mit zwei Kindern, alleine in dieser großen Verantwortung ohne nennenswerte Unterstützung und mit finanziellen Problemen. Dabei sich und die eigenen Bedürfnisse nicht ganz aus den Augen zu verlieren, ist eine weitere Herausforderung nach einer Trennung. Um eben weiterhin durchzukommen, klar zu kommen und unter der riesigen Last möglichst nicht zusammenzubrechen, bedarf es der Mobilisierung oft letzter Kraftreserven. Immerhin ist das Aufziehen von Nachwuchs schon mit Partner ein echter Kraftakt.

Warum überhaupt Trennung?

Minusch ist nur eine von vielen Alleinerziehenden, meist ja Frauen, hierzulande. Und die Zahl steigt. Woran kann das liegen? Gehen Paare, die auch Eltern sind, heute wirklich leichtfertigen auseinander? Ich sage: jein! Manche tun das vielleicht, aber viele hadern ewig lange, grübeln und wägen ab.Aber wenn es einfach nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr!

Meine Mutter sagte vor einigen Wochen zu mir, dass Männer oft an einer eigentlich unbefriedigenden Situation / Paarbeziehung festhalten, während Frauen die Unzufriedenheit deutlicher spüren (und eher seltener mit einer simplen Sex-Affäre außerhalb zu kompensieren suchen) und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Und das kann ich auch beobachten. Immer öfter geht die Trennung von der Frau aus, und das, obwohl sie sich dann mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert sieht als zuvor. Oftmals bringt es neben dem ganzen Schmerz rund ums Scheitern der Beziehung auch finanzielle Probleme mit sich. Das Männergehalt fällt weg, Frauen verdienen im Schnitt aber weniger, können wegen der Kinder vielleicht nur in Teilzeit arbeiten und ähnliche Aspekte spielen hier eine Rolle. Wenn frau Glück hat, gibts zumindest Unterhalt für die Kinder und im besten Fall einen Vater, der sich sowieso kümmert. Aber das ist nicht immer so.

Gründe für eine Trennung sind vielfältig

Frauen, die eine Trennung initiieren, werden triftige Gründe haben, und das sind nicht immer ein „wir haben uns halt über die Kinder auseinander gelebt“, „die Liebe ist entschwunden“, „Ich hab mich in eine(n) andere(n) verguckt“ oder ähnlich banal erscheinende Gründe. Nein, ich spreche hier von häuslicher Gewalt, vom schlagenden und drohenden Mann, von psychischer Gewalt, von Unterdrückung und Machtausübung von Seiten des Mannes. Damit gebe ich nicht per se Männern die Schuld an einer Trennung oder schließe die Schuld auf Seiten der Frau generell aus. Aber es ist erschreckend, was hinter den Fassaden noch immer vor sich geht. Da kann eine Trennung ein echter Befreiungschlag und sogar im Sinne der Kinder sein. Ein „wir müssen aber wegen der Kinder zusamnenbleiben“, halte ich nicht für die ideale Lösung, wenn Spannungen und Streitereien den Alltag bestimmen und aggressives Verhalten, verbal oder gar körperlich, sogar im Beisein der Kinder ausgetragen wird.

Ich bin selber gerade in diesem Prozess, bin mittendrin. Meine Ehe ist gescheitert. Eine Trennung ist unausweichlich nach jahrelanger Unzufriedenheit und psychischer Überforderung meinerseits in einer Lebenssituation, die mich mit in den Burnout trieb. Davon aber mehr in der Fortsetzung zu diesem Thema.

 

Die Traumdeutung – leichtgemacht für Anfänger

Blick auf dem Flugzeug auf verklüfftete Landschaft mit Wasser und Wolken

Im Traumland (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Vor etwas über einem Jahr schrieb ich ein paar Träume auf. Träume, die des nachts meinen Weg kreuzten, die aus mir kamen. Träume sind oft wirr und können doch so klar sein. Und sie können viel erkennen lassen aus den Tiefen meiner Seele, meiner Gefühle, meines Empfindens und Denkens.

Heute schreibe ich sie aus meinem Büchlein ab und veröffentliche sie hier – unrevidiert, jedoch kommentiert.

15. April 2016:

Schon lange will ich wieder schreiben. Es wird Zeit! Wenn nicht jetzt, wann dann? Dies ist die bisher schlimmste Krise meines Lebens. Nie ging es mir so schlecht wie in den letzten Wochen. Es ging mir schon häufiger schlecht, aber nie hatte es so meinen ganzen Körper erfasst und mein Leben so dermaßen beeinträchtigt. Ich weiß nicht, ob es jemals besser wird, erträglicher, oder ob das nun immer so weiter geht.

Ich träume viel und lebhaft. Manche Inhalte kehren immer wieder, gerade auch in letzter Zeit. Ich träume oft von R. Es tut nicht mehr so weh wie früher – jetzt, 16 Jahre danach. Aber es ist bezeichnend. Den Traum der letzten Nacht sehe ich fast symbolisch. Er war da, so wie auch JPH und Mel (von beiden träume ich auch sehr oft, und sie sind dann immer wieder oder häufig ein Paar).

R. hing die ganze Zeit an mir, Alkohol war bei ihm auch im Spiel (also alles so wie früher). Dann haben wir beobachtet, wie er mit ’ner anderen ‚rumknutscht. Hat sich versucht zu verstecken. Ich kannte die nicht, kurze, dunkle Haare. Dann kam er zu mir und ich sagte, „Geh‘ nur. Ich wünsch‘ Dir noch ein schönes Leben!“

Und es war mir so egal. Kein Schmerz, keine Wehmut, nur Gleichgültigkeit. Genial! So muss es sein!

Erläuterung:

In diesem Traum verarbeite ich eine fast 5 Jahre dauernde Beziehung zu einem Mann, den ich, trotz anfänglicher Zweifel und eines Gefühls des „eigentlich-will-ich-ihn-gar-nicht“ letztendlich sehr geliebt habe, was mir die Trennung sehr schwer machte. Er verließ mich also 5 Jahre nach unserem ersten Kennenlernen, als er eine neue Freundin gefunden hatte (das war im Sommer 2000), konnte aber nicht offiziell mit mir Schluß machen. Erfahren habe ich es damals auf einer Party, auf der er auch zugegen war und einem Freund laut genug von der Neuen erzählte. Und von seiner Mutter, die es mir am Telefon sagte, nach dem er sich an selbigem verleugnen ließ. (Handys hatten wir damals noch keine, sonst hätte er es vielleicht per sms Schluß gemacht).

Ich habe viele Jahre schlimmste Albträume gehabt, in denen er mir erschien, als stünde er in echt vor mir. In diesen Träumen habe ich den ganzen Schmerz um diesen „Verlust“ jedesmal erneut gespürt, richtig körperlich  gespürt, und meist habe ich den halben Tag gebraucht, um dieses fürchterliche Gefühl wieder loszuwerden, welches durch den Traum in mir verursacht wurde. Mit dem oben Niedergeschriebenen von vor gut einem Jahr konnte ich spüren, dass ich einen endgültigen Schlußstrich gezogen hatte. Hatte ja auch lang‘  genug gedauert! Seit dem tut es nicht mehr weh! Da sind zwar – logisch – noch die Erinnerungen, aber sie schmerzen nicht mehr!

23. April 2016:

Ein Traum kommt häufig wieder, in abgewandelter Form, aber der Inhalt, der Kern ist immer derselbe: ich bin in Zeitnot. Ich muss noch meine Sachen packen. Schnell, schnell, alles in den Koffer. Chaos. Nichts vergessen dürfen. Es ist zuviel. Wieso bin ich so spät dran? Ist das wirklich meine Art? Ich darf die Abfahrt nicht verpassen. Meist sind es die Orchester-Busse. Sie müssen auf mich warten. Ich bin immer die letzte. Letzte Nacht sollte ich sogar den Bus fahren. Davor habe ich Angst, kann das doch gar nicht, habe das noch nie gemacht. Was also soll das Ganze?

Erläuterung:

Glasklar, oder? Ich bin ein gehetztes Tier, ich bin überfordert, es ist mir alles zu viel. Ich habe Angst vor immer neuen Aufgaben und Forderungen, die an mich gestellt werden (hier in Form von „Bus fahren“, welches ich nie gelernt habe).

Ich bin in der Tat oft auf Dienstreise und mit Bussen unterwegs. Ich habe noch nie eine Abfahrt verpasst, aber schon oft davon geträumt, dass ich es tue.

4. Mai 2016:

Ich träume viel, vieles wiederholt sich. Dinge, die mich nicht loslassen. Träume von ehemaligen Freundschaften (weiblich, aber auch von den männlichen Ex-Lovern). Ich kriege es nicht verarbeitet.

Der Traum der letzten Nacht ist bezeichnend. Die Suche nach einer Lösung. Wo könnte ich hinziehen, mit den Kindern? Ich habe mich für eines der schwarz-weißen Reihenhäuschen entschieden, die gegenüber vom Golfplatz. Alles schon eingerichtet, klein und urig. Hatte ich vorbereitet. Dann bin ich mit den Kindern hin, habe ihnen alles gezeigt, es ihnen schmackhaft gemacht. Hatte nur ihre Kleidung eingepackt, alles andere, auch von mir, erstmal im Haus zurück gelassen. Und so waren wir einfach weg, ohne dass der Mann etwas davon vorher wußte. Und dann war ich noch mal da (plötzlich Wohnzimmer S.) [in meinem Elternhaus, Anmerk. d. Redaktion] und er stellte fest, dass die Kinder weg sind. Ich habe ihm gesagt, dass sie in der Nähe sind und ich nun zu ihnen gehe.

Wollte nicht dass er weiß, wo wir sind. Aber natürlich hat er spioniert. Und dann die Vermischung mit R. Plötzlich war er R. Und Gewalt, verbal, aber auch körperlich. Und meine Trauer, die Traurigkeit um mein Haus, mein Zuhause und das der Kinder, welches ich nun doch aufgegeben hatte.

Und dann ein neuer Partner. Und mit ihm die Reise nach Cux. Alles durcheinander, verworren, so wie Träume eben sind.

Es geht so nicht, aber es ist ein durchaus interessanter Lösungsansatz für mein größtes bzw. belastendes Problem.

Erläuterung:

Der wohl wichtigste Traum von den drei genannten, vor allem, wenn man meine derzeitige Lebenssituation beachtet. Ich hatte mich schon lange mit einer Trennung auseinander gesetzt, sogar lange vor diesem Traum. Der letzte Satz ist hierbei der wichtigste für mich. Ich hatte nämlich auch schon früh für mich erkannt, dass mich meine Ehe ungemein belastet und ich so nicht glücklich oder zumindest nicht zufrieden sein kann. Schlimmer noch, mir wurde schnell klar, dass sie mit Grund war für meine Erkrankung. Also suchte ich träumend nach einer Lösung. Und finde mich schließlich in der Vermischung mit der Vergangenheit in Form von Ex- Freund und verlorenem Elternhaus und einer möglichen Zukunft mit einer neuen Liebe, nach der ich mich insgeheim sehnte (ebenfalls ein nächticher Traum, der einige Zeit immer wiederkehrte).

Fazit:

Das Leben ist verrückt, vor allem, wenn wir es sind! Und Träume können uns vieles aufzeigen, das wir uns im Alltag nicht immer eingestehen wollen. Also schenken wir ihnen doch ab und zu etwas mehr Aufmerksamkeit! Wenn man sie dann noch aufschreiben kann, hat man noch Jahre später etwas davon. Kann sehr spannend sein, finde ich!

 

Am Strand des Lebens und des Todes

Fußspuren am Strand, im Hintergrund das Meer und der Himmel

Fußspuren am Omaha Beach in der Normandie (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Ich laufe über den Strand, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und laufe mit meinen nackten Füßen durch die Wasserstellen, welche das Meer zurückgelassenen hat. Das Wasser ist so kalt an diesem Tag Anfang Juni. Und der Wind peitscht mir den erneut eingesetzten Regen gegen meinen Körper. Meine hochgekrempelte Jeans ist binnen Sekunden völlig durchnässt und ich halte mir mühsam die Kapuze meiner Regenjacke fest über den Kopf gezogen und laufe, laufe bis nach vorne zu den Wellen des Atlantiks. Ich sehe den zwei Surfern zu, die den Wind ausnutzen und bin traurig, weil ich kein Foto von diesen Wellen machen kann, denn der Regen würde in genau diesem Moment mein Handy komplett hinweg spülen. Und der Wind weht den Regen gegen meine Brille, bis ich fast nichts mehr sehen kann. So viel Wasser von oben, von der Seite und von unten. Es ist einer der schönsten Momente, den ich mit mir ganz alleine seit langem verbringen darf. Ich bin unendlich glücklich in diesem einen Augenblick, ich spüre die Großartigkeit des Lebens, höre dem Wind zu und dem Rauschen der tosenden Wellen. Meeresrauschen! Freiheit! So wunderbar frei wie die Möwen über mir fühle ich mich jetzt gerade. Das hier ist mein Leben und gerade kann ich nicht anders als es einfach nur lieben.

Der Blick zurück

Und ich stehe an diesem Strand, wo vor genau 73 Jahren tausende meist sehr junger Männer gestorben sind. Und nicht nur an diesem Tag, sondern noch Wochen und Monate darauf. Bis heute gibt es so viel Leid und Elend, gibt es den sinnlosen Tod durch zu viele Kriege auf dieser Welt. Und hier stehe ich und versuche, das Leid und Chaos in meinem eigenen kleinen, bescheidenen Leben möglichst klein zu halten. Und da sind immer wieder all diese überwältigenden Gefühle. Sie kommen über mich wie die Wellen des Meeres über den Strand. Das macht mich oft hilflos und traurig. So traurig vor allem auch dann, wenn ich an all die Menschen denke, die nicht nur im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren, ihre Träume, ihre Hoffnungen, sondern lange davor und es heute noch tun. Wie gut wir es doch haben, unglaublich gut. Und ich stehe hier, durchnässt und mit den Füßen im Sand versinkend und bin selber ganz klein und unbedeutend in Anbetracht der gewaltigen Geschichte dieses Ortes.

Der Blick nach vorn

Immer wieder wechseln sich Regen und Sonne an diesem Tag ab. Aber nach diesem starken Regenguss am Meer kommt mir alles ganz warm vor und die immer wiederkehrenden Sonnenstrahlen wärmen mich. Auch der Wind erscheint mir nun ganz warm und trocknet zumindest teilweise meine Hose. Ich setze mich ins Café und trinke chocolat chaud und bin dankbar. Einfach nur dankbar! Es wird schon alles gut werden, ich werde den passenden Weg finden und ihn gehen. Wir werden ihn gehen. Daran will ich einfach glauben.