2 Jahre danach – mein Leben nach dem #Burnout

Der 5.03.2016 war ein Samstag. Ich war – wie so häufig an den Wochenenden – mit den Kindern alleine. Mir ging es schon seit Tagen so schlecht wie nie, jede kleine Bewegung stellte einen Kraftakt meines Körpers dar. Dieser zitterte und brummte schon seit Wochen, ich war selbst zum Sprechen zu schwach, mir war schwindelig und ich war unendlich müde – und eben komplett erschöpft. Atmen war schwierig, ich musste mich schon sehr darauf konzentrieren und als ich in der Küche stand, fing plötzlich mein linkes Bein wie verrückt an zu kribbeln – einfach so. Es war geradezu unheimlich. Ich konnte mich so nicht mehr um meine damals 4- und 2-jährigen Kinder kümmern. Ich konnte an diesem Samstag Anfang März einfach nicht mehr!

Ich rief die Großeltern meiner Kinder an, ob sie sofort kommen könnten. Ein Glück, dass sie da waren. Dann rief ich mir einen Krankenwagen.

Heute vor genau 2 Jahren also wurde mir durch den „richtigen“ Arzt in der Notaufnahme, der weitsichtig genug war zu erkennen, was mit mir los war, geholfen. Daran sind andere vor ihm gescheitert, denn mein Burnout kündigte sich locker fast ein Jahr lang an, immer wieder. Denn immer wieder ging es mir auf für mich unerklärliche Weise schlecht. Totaler Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Zittern, immer wieder Herzrasen und Schwindelgefühle waren dabei beliebte Krankheitssymptome. Schlafen konnte ich auch schon lange nicht mehr gut, selbst wenn die  Kinder endlich mal schliefen. Ich schlief so selten mehr als 5 Stunden, eher weniger. Tagsüber war an Schlaf auch nicht zu denken. Wenn ich die Zeit doch mal hatte, lag ich nur dort und fand keine Ruhe. Meine stetige innere Unruhe trieb mich quasi immer weiter an. Ich war ein einziges Nervenbündel, das zu plötzlichen Heulanfällen und Wutausbrüchen neigte.

Immer wieder hatte ich mich sehr krank gefühlt, hatte das Gefühl, mein Kreislauf würde zusammen brechen. Und immer wieder diese komischen Atemprobleme. All das löste Ängste über ernsthafte Erkrankungen in mir aus. Panikattacken bis hin zur Hyperventilationstetanie waren die Folge.

Heute vor 2 Jahren war ein Wendepunkt. 11 Monate lang nahm ich ein Antidepressivum mit angstlösender Wirkung. Bis heute besuche ich regelmäßig eine Psychotherapeutin. Im Dezember letzten  Jahres hatte ich einen kleinen Rückfall. Morgen werde ich meine letzte Tablette mit Johanniskraut nehmen, das ich seit dem zur Unterstützung eingenommen habe, um über den dunklen Winter zu kommen.

Es hat sich seit diesem Tag vor 2 Jahren viel in mir getan. Die Erkenntnis, dass Selbstaufopferung für meine Familie und auch für meinen Job niemals der richtige Weg sein kann, weil es mich fast umgebracht hätte, ist eine davon. Dass ich einst die falsche Partnerwahl begangen habe und mein jahrelanger Trennungswunsch umgesetzt werden musste, um wieder zu mir zu finden – auch im Sinne der gemeinsamen Kinder – die andere. Ich bin noch mittendrin in einem Prozess, der viel Kraft braucht, aber ich bin voller Hoffnung und schaue zumindest die meiste Zeit zuversichtlich auf die kommenden Veränderungen in meinem Leben. Es kann nur besser werden, wenn ich wieder mehr ich selber sein darf, was nicht heißt, dabei meine Kinder aus den Augen zu verlieren – im Gegenteil. Aber nichts ist so schädlich wie das Verleugnen eigener Bedürfnisse. Ich bin jetzt wieder mehr bei mir, doch noch fehlt mir gerade für vieles die Motivation, ich denke und reflektiere zwar wie verrückt, aber es hilft mir, meine Themen zu bearbeiten. Ein großes Thema ist Schuld, selbstauferlegte oder von außen angenommene. Auch mein Selbstwertgefühl könnte besser sein. In vielen Punkten werde ich auch noch immer gerne getriggert und provoziert und es fehlt mir die nötige Portion Gelassenheit und „mir-doch-egal-Einstellung“, um besser damit umgehen zu können.

„Warum schreibt sie nur schon wieder vom gleichen Thema?“, wird sich der ein oder andere vielleicht fragen. Nun, mein Blogeintrag „Wenn Mama nicht mehr kann“ ist der mit Abstand am meisten geklickte Beitrag auf meinem Blog, dicht gefolgt von einem Nachfolge-Beitrag zum Thema. Auf diese Beiträge kommen die (vermutlich in erster Linie) Leserinnen durch Suchbegriffe wie Mütter, Erschöpfung, Kinder, Beruf, Vereinbarkeit oder auch schlicht Mama kann nicht mehr. Das zeigt mir, wie wichtig es wäre, dieser Problematik der erschöpften Mütter in der Öffentlichkeit mehr Beachtung zu schenken.

Übrigens: der dritthäufigste gelesene Beitrag auf meinem Blog ist dieser hier und bei den Suchbegriffe steht ganz klar im Vordergrund, warum Männer nicht aufräumen können oder die Frauen im Haushalt zu wenig unterstützt werden. Sogar die Frage danach, wie die Herren der Schöpfung das erlernen könnten oder wie man sie dazu bringt, mehr von sich aus zu tun, ist Anlass, die Suchmaschine zu aktivieren. Als wenn mir das nicht bekannt vorkäme… . Ich behaupte mal ganz frech, dass der Burnout der Mütter und zu wenig Unterstützung seitens der Väter irgendwie korrelieren – sofern Väter überhaupt nennenswert vorhanden sind. Ansonsten versteht sich der entstehende Zusammenhang wohl von selbst.

In diesem Sinne: achtet auf Euch und vergesst Euch bloß nicht selbst. Denn nur eine glückliche und zufriedene Mutter hat die reelle Chance, eine gute Mutter zu sein! 

 

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2 Kommentare zu “2 Jahre danach – mein Leben nach dem #Burnout

  1. minimalismus sagt:

    Ich verstehe dich so gut und wünsche dir, viel Erfolg und gute Besserung 😊

    Gefällt mir

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