Familienpolitik – viel zu oft für’n A…

Ich bin kein sehr politischer Mensch und zugegeben auch nicht allzu engagiert in dem Bereich. Ich halte mich in vielem meist raus und bin mehr so die stille Beobachterin. Aber ich verfolge natürlich politisches Geschehen, kann lesen und nachdenken, lese auch auf diversen Blogs über das Thema. Nicht nur schlummert seit Monaten ein angefangener Artikel zum Thema #carearbeitmusssichtbarwerden – initiiert durch http://www.mama-streikt.de – in meinem Blog-Speicher, auch das Thema Alleinerziehend ist nicht zuletzt durch mama-arbeitet.de und mutterseelesonnig (ihr neuester Blogeintrag passend zum Thema hier    in der Bloggerwelt ein Thema.

Ich bin auf dem Weg zur Alleinerziehenden. Ganz freiwillig gehöre ich zu den Frauen, von denen die Trennung vom Vater ihrer Kinder ausgeht. Dafür gibt es vielfältige Gründe, zu denen ich stehe und die ich jedem gerne zu erläutern versuche, der sich dafür interessiert.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ (G. C. Lichtenberg)

Natürlich mache ich mir so meine Gedanken als demnächst Getrennterziehende (ein Begriff, den ich für unser Situation einfach passender finde). Wie komme ich dann mit nur einem Gehalt über die Runden? Und auch wenn ich jetzt schon vieles alleine stemme, wieviel mehr an Belastung wird da auf mich zukommen? Und wie wird die neue Situation für die Kinder sein?

Familienpolitik in Zeiten gesellschaftlichen Wandels

Das Finanzielle ist so eine Sache und da sind wir am Punkt angekommen. Die Familienpolitik in Deutschland ist auch im Jahr 2018 noch immer für’n Arsch. Ehegattensplitting war bei uns nie ein Thema, wir verdienen beide gleich viel wenig, aber ich bin dennoch dagegen, drängt es Frauen und Männer doch in eine Rollenverteilung von anno 1958. Und bringt oft den Frauen große Probleme wie fehlende Rente im Alter oder Probleme, sollte der Brötchenverdiener wegfallen. Auch wenn sich manche Paare diese traditionelle Rollenverteilung gerne wünschen, sollten Frauen dabei besonders vorsichtig sein. Ich las erst neulich von einer Frau, deren Mann ihr unter anderem vorgaukelte, er würde ihre Altersversorgung mitfinanzieren. Als er weg war bemerkte sie, dass er sie allerdings nicht nur in diesem Punkt belogen und betrogen hatte. Gut, Extrembeispiel, ich geb’s zu.

Das Elterngeld ist ansich ja eine gute Sache. Ohne dieses hätten wir finanziell durch die Geburt der Kinder erst mal echt alt ausgesehen. So haben wir nicht all unser Erspartes (sofern man sowas hat) aufgebraucht, aber auch sicher nichts mehr zurück legen können. Aber was passiert danach in vielen Familien? Viel zu schnell werden vor allem Frauen wieder zum Gelderwerb gedrängt, die Kinder müssen dann oft in Einrichtungen betreut werden, die viel zu oft viel zu viel von ihrem oftmals bescheidenen Teilzeitgehalt verschlingen (noch geht Rheinland-Pfalz da mit gutem Beispiel voran. Hier zahlt man ab dem 2. Geburtstag des  Kindes nur noch für das Essen). Zumindest sammeln Frauen, die schnell wieder Maloche gehen, so noch ein paar Rentenpunkte an. Und sammeln dabei zu früh nach der Geburt gerne mal zusätzlich Burnout-Punkte.

Die Politik investiert nicht immer an richtiger Stelle

KiTa-Ausbau, Betreuung bis in die Nacht hinein? Ja, kann für den ein oder anderen nützlich sein. Aber wer will das wirklich, sein Kind abends aus dem Schlaf reissen, um es zu Hause erneut zu betten, wenn das denn überhaupt gelingt? Fitte Kinder um Mitternacht… Eltern brauchen bekanntlich keinen Schlaf! Betreuung bis 22 oder gar 24h ist z. B. in meinem Beruf nicht ausreichend. Ich bin als durch die Lande reisende Orchestermusikerin oft noch später daheim. Und Schulkinder sind noch mal ein Thema für sich. Die müssen (viel zu früh) morgens schon aus den Federn. Wenn ich dann an so manchen Tagen nur nachmittags und abends arbeite, habe ich nicht wirklich viel Zeit mit meinem Schulkind verbracht. Schlaf ist aber auch dann Mangelware. Lieber hätte so manche Mutter  (und auch mancher Vater, Tendenz steigend) mehr Zeit für seine Kinder, quality time – ohne nicht zu wissen, wovon man laufende Kosten bedienen soll. Ohne auf Teufel komm raus zu „vereinbaren“ und uns früher oder später in der totalen Erschöpfung wieder zu finden. Been there, know that… .

Warum zielt die Politik und somit die Arbeitswelt nicht noch mehr darauf ab, beide Eltern gleich viel Zeit mit ihren Kindern einzuräumen? Warum muss es immer noch Feierabend-Wochenend-Väter geben und Frauen, die nie wirklich zur Ruhe kommen können und das Gefühl haben müssen, für alles alleine verantwortlich zu sein?

Steuerrecht? Murks

Warum muss ich nach einer Scheidung von Steuerklasse 4 (und damit bin ich ja als Frau schon eher die Ausnahme,  siehe oben unter Ehegattensplitting) steuerlich in Steuerklasse 2 oder vielleicht 1 schlechter dastehen, warum muss ich meine Familienzuschläge als nun Unverheiratete abgeben, obwohl ich mit meinen Kindern nach wie vor eine Familie bilde, auch wenn ich mit ihrem Vater nicht länger verheiratet bin? Und das, wo mir ohne ihn ohnehin schon ein ganzes zweites Gehalt in der Familienkasse fehlt und ich dadurch ohnehin schon finanziell schlechter dastehe? Und von nun nur einem Gehalt alleine Hauskredit bzw. Miete, Nebenkosten, Auto etc. pp. unterhalten muss. Und ich jammere da sicher schon auf hohem Niveau. Ich werde bestraft, wenn ich nicht in einer Ehe Kinder groß ziehe, sondern ohne Trauschein –  diese kleinen Wesen, die einmal fleißig folgende Generationen mit Rentenbeiträgen beglücken sollen und für die ich auf so vieles verzichte, während sich kinderlose Paare und auch so mancher kinderlose Single die Hände reibt? Ungerecht ist das, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

„Aus finanziellen Gründen sollten wir uns nicht scheiden lassen“, sagte der Noch-Ehemann  zu mir. Da hat er wohl mal recht. Eine Scheidung ist teuer und erfreut die Anwälte. Der hauptsächlich dem Staat dienende Versorgungsausgleich oder auch das Verschieben von Rentenpunkten ist eine bittere Pille. Aber ich mag den Staat und unsere Arbeitgeber letztlich nicht hinters Licht führen (nicht zuletzt, weil ich klare Verhältnisse wünsche und die Möglichkeit erhalten möchte, wieder zu heiraten – weil man dann finanziell besser dasteht als in „wilder Ehe“, muhaha…).

Vielmehr wünsche ich mir eine gerechtere Unterstützung von unverheirateten und geschiedenen Eltern und auch Alleinerziehenden, die Kinder groß ziehen und dafür nicht nur Lob und Anerkennung verdient hätten. Selbst das allein fehlt schon viel zu oft.

„Hättest‘ halt nie geheiratet und keine Kinder gekriegt. Oder Dich nicht getrennt.“ – Stimmt, selber schuld. Was für eine armselige Argumentation.

 

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2 Kommentare zu “Familienpolitik – viel zu oft für’n A…

  1. jongleurin sagt:

    Ja, ein weites Feld… ich lese die von dir genannten Blogs ebenfalls, finde aber die Petition zu „Care-Arbeit muss sichtbar werden“ ziemlich kurzsichtig, da hier ja quasi gefordert wird, dass man Eltern 12 Jahre Abwesenheit aus dem Berufsleben finanziert – und danach? Ich habe einfach überhaupt keine Vorstellung, was danach kommen soll, und die Bloginhaberin hatte auf Nachfrage meinerseits auch nur schwammig geantwortet. Das kann es also nicht sein…
    Die Besteuerung finde ich aber auch gruselig, und das könnte man ja relativ unkompliziert ändern, wenn die politischen Mehrheiten das wollen. Ist aber nicht zu machen mit der CDU. Ich denke ja letzten Endes, dass – bei aller Kritik, dass das einfach nicht für alle umsetzbar ist, aber als neues Leitbild finde ich es sehr brauchbar – die Hinwendung zum Wechselmodell als Standard nach einer Trennung tatsächlich viel ändern könnte, da dies beide Elternteile betrifft und damit auch die Arbeitgeberinnen der Männer auf den Vereinbarkeitsdruck der Angestellten reagieren müssen. Und dass auch Frauen sich weniger oft dem traditionellen Modell hingeben, wenn sie wissen, dass sie ggf nach einer Trennung nur die Hälfte der Zeit für die Kinder zuständig sein würden.
    Denn aus eigener Erfahrung muss ich sagen, dass das Wechselmodell das Beste ist, was mir in Vereinbarkeitsfragen passieren konnte. Vor der Trennung war das schwieriger gewesen. Aber ganz klar zu wissen: Montag und Dienstag und jedes zweite Wochenende kann ich so lange arbeiten und Dienstreisen machen wie nötig, reicht mir und meinen Kolleginnen und meinem Chef als Verfügbarkeit in einem Job mit gelegentlichen Abendterminen und Wochenendeinsätzen gut aus.
    Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob und was du in nächster Zeit aus deinem Leben berichten wirst.

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    • Danke für Deinen langen und guten Kommentar. Ich habe meinen Text zum Thema „Care-Arbeit muss sichtbar werden“ ja bisher nicht vollendet, vielleicht weil mich der betreffende Blog noch nicht so ganz überzeugt hat, auch wenn das Thema mich generell immer wieder in Atem hält und es mehr an die Öffentlichkeit gehört, wie ich finde.
      Zum Wechselmodell: ich persönlich fände es kritisch, wenn es zur Pflicht würde nach einer Trennung. Man sollte vielmehr viel genauer auf die jeweilige individuelle Situation der betr. Familien schauen. Das benötigt sicher mehr Einsatz der entsprechenden Institutionen, aber nur so kann es gelingen und gerechter zugehen, vor allem aber im bestmöglichen Sinne der Kinder. Und die sind ja auch Individuen. Ich sehe es ganz genauso, dass Väter mehr eingebunden gehören und die Gesellschaft und Arbeitswelt darauf endlich verstärkt reagieren muss.
      Der Vater meiner zwei Kinder und ich müssen schon jetzt sehr um unsere etwas speziellen Jobs herumbalancieren und werden es in Zukunft erst recht tun müssen. Mal eine Woche hier und eine Woche da, ginge gar nicht. Ich hoffe aber sehr, dass wir es schaffen und die Kinder auch zukünftig damit klar kommen. Das Leben steckt voller Überraschungen und letztlich auch immer wieder voller Veränderungen. Alles Liebe weiterhin!

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