Die neue Platte von „Radio Doria“

Ich bin ein Fan deutschsprachiger Musik. Gut, vielleicht liegt es daran, dass ich zwangsläufig mit Schlagern und der „Neuen Deutschen Welle“ groß geworden bin. Aber nein, es hat sicher damit zu tun, dass ich mich trotz sehr guter Englisch-Kenntnisse meiner Muttersprache Deutsch einfach noch ein Stück näher fühle und sie mich gefühlsmäßig auf einer höheren Ebene anspricht – auch wenn ich mich der Englischen Sprache durchaus auch sehr nahe fühle, meine Muttersprache ist es nun einmal nicht. Zum anderen hat es aber auch damit zu tun, dass gerade in den letzten etwa 15 Jahren verdammt gut gemachte deutschsprachige Musik produziert wurde, und zwar gleichermaßen von Frauen wie auch Männern gesungen.

Vor wenigen Jahren bekam ich die erste Platte der Gruppe „Radio Doria“ geschenkt. Ganz in Pink gehalten schon optisch auffällig und mit dem Titel „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ Interesse weckend. Die Gruppe um den Schauspieler Jan Josef Liefers, der also nicht nur gut schauspielern, sondern auch recht annehmbar singen kann, macht wirklich gute Musik, die mitreißt und ins Ohr geht. Jetzt erschien das zweite Album der „boygroup“ mit dem Titel „2 Seiten“. Was soll ich sagen: wenn ich das erste Album schon toll fand, hat mich das zweite wirklich überzeugt. Die Lieder gefallen mir noch mal besser, musikalisch erscheint mir dieses Album etwas abwechslungsreicher, auch wenn es insgesamt etwas ruhiger und nachdenklicher daherkommt als das Debutalbum, aber gerade das gefällt mir sehr gut. Es enthält verdammt tolle Texte mit Tiefgang und Themen, die mich sehr ansprechen und auch etwas Interpretationsspielraum lassen. Sie passen zu mir. Es ist auf jeden Fall für mich keine Musik, die man mal eben so nebenher und als Hintergrundberieselung laufen lassen sollte, sonder es lohnt sich, ihr die ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Auch nach mehrmaligem Hören wird’s nicht langweilig – zumindest mir nicht.

Hier der Text von Lied Nr. 3 dieses neuen Albums. Ein verdammt schönes Lied, aber auch die anderen sind mehr als hören- und verstehenswert. Hört einfach mal rein.

Jeder meiner Fehler – Songtext von Radio Doria

Es fällt nicht leicht
Zu verstehen
Warum wir manchmal
Die falschen Wege gehen
Und die letzte Tür zurück
Ist mit Wenn und Aber zugebaut
Man findet sich zurecht
Aber nie raus aus seiner Haut

Doch mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende auch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Vielleicht kannst du damit leben
Kannst du mit mir leben?

Will mit dem Kopf
Durch jede Wand
Hab‘ so viel Pläne
Unterwegs verbrannt
Hab‘ mir selber oft den Boden
Unter den Füßen weggezogen
Wollten wir gradeaus
Bin ich doch abgebogen

Und mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende doch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Vielleicht kannst du damit leben
Kannst du mit mir leben?
Kannst du mit mir leben?
Oh, jeder meiner Fehler

Wovon werden wir erzählen
Zwischen all dem Schlecht und Gut?
Am meisten würd‘ ich bereuen
Hätten wir’s nie versucht
Und wenn die Mauern, die ich immer wieder bau‘
Irgendwann zerfallen zu Staub
Dann nur weil du an mich glaubst
Dann nur weil du mir vertraust
Oh, jeder meiner Fehler

Und mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende auch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Kannst du mit mir leben?
Willst du mit mir leben?

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Über Mut im Leben

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit“, sagt der Kommissar aus dem schweizer Tatort, den ich gestern zu später Stunde noch auf dem Fernsehsender One (früher Einsfestival) gesehen hatte, als er mit einem Koffer voller Klamotten die Wohnung seiner Freundin betritt. Beide, so hatte ich im Laufe des Tatorts gelernt, hatten gerade ihr 1-jähriges Beziehungsjubiläum gefeiert, sie ist zudem die Mutter zweier Kindern. In einer früheren Szene schlich er sich des Abends auf Socken in die gleiche Wohnung, sie fragte ihn, warum er das täte, und er antwortete so etwas wie, „Ich dachte, die Kinder schlafen schon“. Sie sagte daraufhin, „Die zwei sind bei ihrem Vater!“

Abgesehen von der Rahmengeschichte, in der es um Tod, Mord und Posttraumatische Belastungsstörung geht, hat mich diese Liebesgeschichte um den nicht mehr so ganz jungen Kommissar und seine ebenfalls lebenserfahren wirkende Geliebte sehr beeindruckt. Ich gucke eigentlich nie Tatort, vielleicht einen im Jahr. Denn ich gucke nur noch äußerst selten Fernsehen(*).Und obwohl ich schon zu so später Stunde am liebsten in den Schlafmodus gefallen wäre, musste ich unbedingt wissen, wer der Mörder ist (es war die Psychologin, nicht der Gärtner) und wurde durch diesen allerletzten Satz des Films belohnt:

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit!“

Die erste Szene des Films zeigt das noch relativ frisch verliebte Paar, als es bei einem Lagerfeuer auf ihr 1-Jähriges anstößt. Sie sagt so etwas wie, „Heute sind wir seit einem Jahr zusammen“ und er sagt, „Ich dachte, das wäre erst in 3 Wochen. Unsere erste Nacht im Hotel…“, und sie sagt daraufhin, „Der erste Kuss zählt, nicht die erste Nacht im Hotel!“

Später, nach dem er sich wie oben erwähnt, in Socken über das  Parkett schlich und beide Sex gehabt haben (nur so eine Vermutung!), steht er aus ihrem Bett auf, sie bleibt liegen, sagt aber, „Bitte bleib!“ und er antwortet, „Gib mir noch Zeit!“ Daraufhin sagt sie nichts, beide lächeln sich an (glaube ich zumindest. Also, ich hätte das getan), er geht und sie kuschelt ihr Gesicht ins Kissen. In dem Moment hatte ich fast so etwas wie ein Déjà-Vu… .

Am Ende beweist der Mann also Mut, Mut aus Unwissenheit. Sein Fall ist gelöst, er zieht quasi bei ihr ein, zeigt ihr, dass er nun bereit ist, die Nächte bei ihr zu verbringen – und vielleicht auch mehr. Denn irgendwo sind ja auch noch ihre zwei Kinder, die vermutlich nicht immer bei deren Vater sein werden. Er kann nicht wissen, wie das Leben mit zwei Kindern ist, denn scheinbar hatte er zuvor auf dem Gebiet keine Erfahrung. Hatte noch zu seinem früheren Kumpel vom Militär, in diesem Fall das PTBS-Opfer im Film gesagt, nach dem dieser zu ihm meinte, er hätte Familie, zwei Kinder (aber getrennt, wie sich kurz darauf herausstellt), er selber hätte dies noch nicht „geschafft“.

Das mit dem Mut im Leben ist nicht immer ganz einfach. Ich selber würde mich als wenig mutig bezeichnen. Ich war schon als Kind nicht so der Draufgänger-Typ, eher ängstlicher Natur. Und dennoch habe ich in meinem Leben ein ums andere Mal Mut bewiesen.

Sehr mutig war ich vor 13 Jahren, als ich meine alten Jobs kündigte, um einen neuen Traumjob, relativ sicher und gut bezahlt, zu ergattern. Noch bevor ich also Probespiel und andere Einstellungstests erfolgreich absolviert hatte, setzte ich alles auf eine Karte, kündigte meine Honorarstellen an drei Musikschulen in meiner Studienstadt und nutzte die gewonnene Zeit, um mich intensiv auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Um weiter die Miete zahlen zu können, musste ich Sozialhilfe (war noch vor Hartz 4) beantragen, was finanziell übrigens auf das gleiche rauskam wie mit den Honorarstellen. Ich fühlte mich nur nicht unbedingt besser dabei, so als Bittsteller beim Staat.

Wieso machte ich das so? Ich wollte einen geraden Schnitt, wollte meine SchülerInnen nicht mitten im Schuljahr im Stich lassen, und so trat meine Kündigung zu Beginn der Sommerferien in Kraft. Ein bißchen Schuld hatte ich daran, dass ich danach nicht sofort die neue Stelle antreten konnte, weil mir zuvor der Mut gefehlt hatte, mich endlich darauf zu bewerben. Und wie gesagt, so hatte ich viel Zeit. Die brauchte ich vielleicht auch, denn am Ende schaffte ich es, mein Mut wurde belohnt. Den Job mache ich nun seit fast 13 Jahren und bin sehr dankbar dafür und froh über meinen Mut.

Ganz unwissend war ich damals vielleicht nicht, ich hatte zumindest eine wage Vorstellung, was mich erwarten würde, kannte andere, die mir davon erzählt hatten. Aber wie es wirklich sein würde, sich für mich und mein Leben anfühlen würde, wusste ich erst, als ich mittendrin steckte.

Ähnlich erging es mir dann 7 Jahre später, als ich Mutter wurde. Die Aussage, „Das hast Du doch vorher gewusst“, habe ich zwar einige Male gehört, doch kann ich dazu inzwischen nur noch mit dem Kopf schütteln. Sie kommt in den allermeisten Fällen von Unwissenden, also Kinderlosen.

Kinder zu bekommen erfordert Mut, viel Mut. In unserer heutigen Zeit und Gesellschaft mehr denn je. Ein Mann, der sich für eine Frau entscheidet, die Kinder mit in in die Verbindung bringt, braucht es Mut, Vetrauen in sich und sie, Zuversicht und viel Liebe.  Umgekehrt übrigens auch. Es gibt ja auch Väter, die neue Beziehungen eingehen. Ich glaube daran. Ich glaube auch an das Funktionieren von Patchwork-„Systemen“. Es erfordert nur viel Gefühl, Menschenverstand und eben Mut. Ich selber bin mutig, bin dieses Jahr bereits sehr mutig gewesen und froh und auch stolz auf mich. Endlich springen. Das Seil wird halten, der Fallschirm schon aufgehen. Urvertrauen und Mut!

 

(*)Abgesehen davon gucke ich meistens auf meinem Laptop per Livestream, so wie gestern, oder suche mir etwas in der Mediathek. Gestern wollte ich sogar richtig fernsehen, aber leider hatte wohl nach „Die Sendung mit der Maus“ irgendetwas (oder irgendwer?) unseren Receiver geschrottet.

Durch die Nacht – Silbermond

Durch die Nacht – Songtext von Silbermond

Kann mich wieder nich‘ ablenken.
Alles dreht sich nur um Dich.
Ich liege hier und zähl die Tage,
wie viele noch kommen, ich weiß es nich‘.
Was hast Du mit mir gemacht?
Warum tust du mir das an?
Was soll ich noch ändern?
Ich komm nur wieder bei Dir an.

Ich will weg von hier!
Doch es scheint egal wohin ich lauf,
das mit Dir hört nicht auf,
sag mir wann hört das auf!

Und ich kämpf mich durch die Nacht.
Hab keine Ahnung was Du mit mir machst.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei will ich doch!

Und ich kämpf mich durch die Nacht.
Bin unter Tränen wieder aufgewacht.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei muss ich doch!

Alle meine Wünsche
habe ich an Dir verbraucht.
Ich kann es selbst nich‘ glauben,
denn nur ich hol mich da raus.
Es fällt mir schwer das zu kapier’n,
doch irgendwie wird es schon gehen.
Alles würde sich verändern, wenn ich Dich nich‘ mehr wiederseh‘.

Ich will weg von hier!
Doch ich weiß, egal wohin ich lauf,
das mit Dir hört nich‘ auf.
Sag mir wann hört das auf!

Und ich kämpf mich durch die Nacht.
Hab keine Ahnung was Du mit mir machst.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei will ich doch!

Und ich kämpf mich durch die Nacht.
Bin unter Tränen wieder aufgewacht.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei muss ich doch!

(Ich, ich, ich, oh ich, kann nich‘ mehr, ich kann nich‘ mehr!)

Doch ich kämpf mich durch die Nacht.
Hab keine Ahnung was Du mit mir machst.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei will ich doch!

Und ich kämpf mich durch die Nacht.
Bin unter Tränen wieder aufgewacht.
Ich krieg‘ Dich nich‘ aus meinem Kopf und dabei muss ich doch!

Symphonie – Silbermond

Symphonie – Songtext von Silbermond

Sag mir was ist bloß um uns geschehn
Du scheinst mir auf einmal völlig fremd zu sein
Warum geht’s mir nicht mehr gut
Wenn ich in deinen Armen liege
Ist es egal geworden, was mit uns passiert

Wo willst du hin, ich kann dich kaum noch sehn
Unsre Eitelkeit stellt sich uns in den Weg
Wollten wir nicht alles wagen, haben wir uns vielleicht verraten
Ich hab geglaubt, wir könnten echt alles ertragen

Symphonie
Und jetzt wird es still um uns
Denn wir stehn hier im Regen, haben nichts mehr zu geben
Und es ist besser wenn du gehst

Denn es ist Zeit
Sich einzugestehn, dass es nicht geht
Es gibt nichts mehr zu reden, denn wenn es regnet
Ist es besser aufzugeben

Und es verdichtet sich die Stille über uns
Ich versteh nicht ein Wort mehr aus deinem Mund
Haben wir zu viel versucht, warum konnten wir’s nicht ahnen
Es wird nicht leicht sein, das alles einzusehn

Symphonie
Und jetzt wird es still um uns
Denn wir stehn hier im Regen, haben uns nichts mehr zu geben
Und es ist besser wenn du gehst

Denn es ist Zeit
Sich einzugestehn, dass es nicht geht
Es gibt nichts mehr zu reden, denn wenn es regnet
Ist es besser aufzugeben

Irgendwo sind wir gescheitert
Und so wie’s ist, so geht’s nicht weiter
Das Ende ist schon lang geschrieben
Und das war unsre…

Symphonie
Und jetzt wird es still um uns
Denn wir stehn hier im Regen, haben uns nichts mehr zu geben
Und es ist besser wenn du gehst

Denn es ist Zeit
Sich einzugestehn, dass es nicht geht
Es gibt nichts mehr zu reden, denn wenn es regnet
Ist es besser aufzugeben

Das Beste – Silbermond

Das Beste – Songtext von Silbermond

Ich habe einen Schatz gefunden
Und er trägt deinen Namen
So wunderschön und wertvoll
Und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen
Du schläfst neben mir ein
Ich könnt‘ dich die ganze Nacht betrachten
Sehen wie du schläfst, hören wie du atmest
Bis wir am morgen erwachen
Hast es wieder einmal geschafft
Mir den Atem zu rauben
Wenn du neben mir liegst
Dann kann ich es kaum glauben
Dass jemand wie ich, sowas Schönes wie dich, verdient hat
Du bist das Beste was mir je passiert ist
Es tut so gut wie du mich liebst
Vergess‘ den Rest der Welt
Wenn du bei mir bist
Du bist das Beste was mir je passiert ist
Es tut so gut wie du mich liebst
Ich sag’s dir viel zu selten
Es ist schön, dass es dich gibt
Dein Lachen macht süchtig
Fast so als wär‘ es nicht von dieser Erde
Auch wenn deine Nähe Gift wär‘
Ich würd‘ bei dir sein
Solange bis ich sterbe
Dein Verlassen würde Welten zerstören
Doch daran will ich nicht denken
Viel zu schön ist es mit dir
Wenn wir uns gegenseitig Liebe schenken
Betank‘ mich mit Kraft
Nimm mir Zweifel von den Augen
Erzähl‘ mir tausend Lügen, ich würd‘ sie dir alle glauben
Doch ein Zweifel bleibt
Dass ich, jemand wie dich, verdient hab‘
Du bist das Beste was mir je passiert ist
Es tut so gut wie du mich liebst
Vergess‘ den Rest der Welt
Wenn du bei mir bist
Du bist das Beste was mir je passiert ist
Es tut so gut wie du mich liebst
Ich sag’s dir viel zu selten
Es ist schön, dass es dich gibt
Wenn sich mein Leben überschlägt
Bist du die Ruhe und die Zuflucht
Weil alles was du mir gibst
Einfach so unendlich gut tut
Wenn ich rastlos bin, bist du die Reise ohne Ende
Deshalb lege ich meine kleine, große Welt in deine schützenden Hände
Du bist das Beste was mir je passiert ist
Es tut so gut wie du mich liebst
Vergess‘ den Rest der Welt
Wenn du bei mir bist
Ich sag’s dir viel zu selten
Es ist schön dass es dich gibt

Über Enttäuschung, Wut und Traurigkeit – spontan gedacht

Woher kommt eigentlich dieses Wort „Enttäuschung“? Lag man einer Täuschung auf, die nun aufgehoben ist? Nun ist man also ent-.  Wurde man getäuscht oder hat sich ganz einfach selbst getäuscht und als Folge dessen ist man eben nun ent-täuscht? Weil es die Täuschung, den guten Glauben an etwas so nicht mehr gibt?! Hat man das sich dann nicht selbst zuzuschreiben wegen all der verdammten Erwartungen die man immer hat? Diese kack Erwartungen eben, Hoffnungen, Wünsche, Ideen, die oft mit einer gewissen Vorfreude einhergehen. Man fühlt sich besser, wenn man so ein schönes Ziel in unmittelbarer Nähe vor Augen hat. Es belebt und motiviert, die Laune steigt und damit auch die Tatkraft. Doch damit besch… man sich selbst, bindet sich selbst den berühmten Bären auf. Täuscht sich. Selbsttäuschung. Ent-täuscht.

Und die Traurigkeit über das Verhalten eines Menschen kann durchaus in Wut umschlagen, sich durch wütendes Verhalten äußern. Und wenn es nur das Erheben der Stimme ist. Das aber kommt nicht an, wie zuvor auch die Appelle an die Person nicht, die einen durch ihr Verhalten traurig macht. Erst traurig, dann wütend. Oder umgekehrt. Aber irgendwie wütend, nicht zuletzt auch auf einen selbst. Weil man das Gefühl wieder zugelassen hat.

Ich finde, Traurigkeit und Wut sind verwandte Seelen. Und das wiederum führt zu Ent-täuschungen. Im schlimmsten Falle auf beiden Seiten. Mit manchen Menschen bleibt es aber auch ein einseitiges Gefühl. Denn Einfühlungsvermögen in andere, auch Empathie genannt, ist eine Gabe, die nicht jeder gleichermaßen besitzt. Aber bei Wut kann sogar mich die Empathie mal eben am Arsch lecken. Dann bin ich eben sauer. Dann bin ich direkt, offen und ehrlich sowieso. Dann bin ich nicht immer besonnen, wohlwollend, nur auf der Seite des Gegenübers. Dann leide ich.

Wertschätzung, das ist eigentlich der Schlüssel zum Glück. Wertgeschätzt zu werden kann der Ursprung einer jeden zwischenmenschlichen Verbindung sein, also um positivsten Sinne. Harmonie erzeugen und manchmal sogar Liebe befeuern, das kann die kleinste entgegengebrachte Wertschätzung. Respekt und Achtung. Wertschätzung fängt mit ganz kleinen Dingen an, zeigt sich in den kleinsten Gesten und Taten. Nicht immer bedarf es dann großer Reden. Was es aber bedarf, ist viel Selbstreflektion. Und genug Qualität im Oberstübchen.

Im Kleinen ge(wert)schätzt zu werden, kann Großes bewirken. Und wenn man sich dann nicht täuscht, ist man hinterher auch weniger ent-. Sie wissen schon.

Der Generationenvertrag – warum wir auch Kinder bekommen oder warum auch nicht

Warum bekommt man in der heutigen Zeit überhaupt noch Kinder? Brauchen wir die wirklich noch? Immerhin haben wir bereits über 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Die sind zwar nicht ganz optimal verteilt, aber es sind irgendwie ziemlich viele. Zu viele mit zu hohen Ansprüchen.

Kinder kosten uns Eltern einen riesigen Haufen Geld. Im Laufe der Jahre kommt da schon mal locker ein sechsstelliger Geldbetrag (ich las erst kürzlich in diesem Zusammenhang wieder die Zahl 120.000 €) zusammen, bis der Nachwuchs endlich alt genug ist, um für sich selber zu sorgen. Wenn. Denn das schaffen nicht alle. Belohnt werden wir Eltern kaum dafür, dass wir zukünftige Steuerzahler und Rentenkasseneinzahler groß ziehen, dafür, dass wir jahrelang investieren und uns selbst zurück nehmen. Dafür, dass ein großer Teil der Mütter der Altersarmut entgegensteuert (oder sich bereits in ihr befindet) und die Wahrscheinlichkeit auch noch mit jedem Kind (dabei sind mehr Kinder = mehr zukünftige Steuerzahler) steigt. Wozu also bekommen wir Kinder? In diesem Land ist das einfach viel zu sehr ein „Privatvergnügen“, Eltern bleiben auf ihren Kosten sitzen. Sie haben die Kinder ja gewollt. Von einem Generationenvertrag keine Spur.

Was tun wir nicht alles für die lieben Kleinen in all den vielen Jahren, in denen sie bei uns wohnen. Und selbstverständlich auch noch darüber hinaus. Und das nicht nur finanziell. Wir verzichten auf vieles. Ausreichend Schlaf ist dabei nur eine Sache. Wir reiben uns auf an der verflixten Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Letzteres aber brauchen wir aus deshalb, um den Kindern in der heutigen, teuren Zeit etwas bieten  zukönnen. Und ich spreche hier noch nicht von teuren Konsumgütern. Auch Bildung kostet. Ja, und bei manchen gehts schlicht um das nackte Überleben.

Ich finde nicht, dass wir es leichter haben als die Elterngeneration vor uns. Uns fehlt oft qualitativ hochwertige Zeit mit unseren Kinder – und auch für uns selbst, denn meist müssen beide Elternteile irgendwie malochen gehen, um die Kinder zu ernähren. Wir haben auch kein ganzes Dorf mehr, das unsere Kinder mit groß zieht. Ehrlich gesagt sind wir ziemlich oft ziemlich alleine mit dieser Mammutaufgabe. Und dennoch bekommen wir Kinder. Zumindest eines, meistens eher zwei. Manche auch schon mal drei.

Was also erhoffen wir uns davon? Ist es einfach ein Instinkt in uns, der uns sagt: vögelt und mehret Euch, die Natur hat’s so gewollt? Lieben wir Kinder so sehr, dass wir uns – meist blauäugig und romantisch-verklärt – in dieses Abenteuer stürzen, welches uns unerwartet viel abverlangt?

Früher war vieles anders

Damals, noch zu Uromas und Omas Zeiten, da kamen die Kinder einfach so wie sie eben kamen. Man hatte einen Partner oder eine Partnerin (und musste natürlich nicht zwangsläufig mit ihm oder ihr verheiratet sein, was aber einem großen Skandal gleich kam) und hatte eben Sex. Frau wurde schwanger. Kind wurde geboren. Frau wurde irgendwann wieder schwanger. Noch ein Kind wurde geboren. Manchmal starb Frau auch bei der Geburt. Dann suchte der Mann eine andere Frau. Für die Kinder und den Haushalt und vielleicht auch ein bißchen für sich. Weitere Kinder wurde geboren. Bis das Haus voll war. Mindestens. Und alle mussten mit anpacken. So war das eben damals.

Dann gab’s so politische Bewegungen und auch medizinische Errungenschaften. Sie machten uns Frauen immer unabhängiger, zunächst von der Tatsache, bei jedem Mal Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft befürchten zu müssen, weil der Typ sich mal wieder gegen das Kondom gewehrt hatte (die es in der heutigen Form ja auch nicht immer gab. Ich frag mich manchmal, wie es wohl mit so manchem Ur-Kondom… aber lassen wir das, würde an dieser Stelle zu weit führen). Die Pille also. Super Sache. Nicht ganz ohne Nebenwirkungen, aber durch ihre Erfindung gab es nach sehr geburtenstarken Jahrgängen in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts (vermutliche auch zurückzuführen auf die „fetten Jahre“ nach dem 2. Weltkrieg) erst mal den sog. Pillenknick. Weniger Kinder wurde geboren. Man überlegte sich genauer, mit wie vielen Kindern man überhaupt sein Familienleben bereichern wollte. Und man brauchte ja auch nicht mehr Scharen von Kindern als Altersabsicherung. Denn inzwischen konnte man im Alter auf etwas Rente hoffen. Der ein oder andere sogar auf Pension. (Der Herr mit dem aufgerollten Hering, also Fürst Otto von Bismarck, hatte sich da an sich etwas Gutes ausgedacht, wenn politisch gesehen vielleicht auch etwas zum Selbstzweck. Aber das soll hier nicht Thema sein). Und in den Siebzigern und auch den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts glaubte man auch noch daran, dass man im Alter ausreichend Rente bekäme, von welcher man gut leben könnte. Selbst dann, wenn die eigenen Kinder sich nicht die Bohne um einen scherten oder als mittellose Straßen-Junkies Karriere machten.

Frauen opfern sich (auf), wenn sie Mütter werden

In früheren Jahrzehnten waren die Rollen der Geschlechter klarer verteilt als heute. Das machte es einerseits einfacher, führte aber vermutlich auch schon damals zu Unzufriedenheit, vor allem bei den Frauen, die diese aber sicher nicht so offen zeigen durften. Es galt der Glaubenssatz: eine Frau hat zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich gefälligst um diese wie auch um einen perfekt geführten Haushalt zu kümmern. Der Mann hingegen sorgt hingegen für das nötige Geld – und für seinen eigenen Spaß. In den meisten Fällen wird das ganz gut funktioniert haben – zumindest nach außen. Aber die Zeiten änderten sich. Frauen wollten auch mal was sein, also außerhalb von selbstgestampftem Babybrei und Stoffwindeln, die täglich ausgekocht werden wollten – ohne Waschmaschine. Und es gab sie immer mehr, die Frauen, die auch Karriere machen wollten und es auch konnten. Trotzdem wurden noch Kinder geboren. Und spätestens beim zweiten stellte sich auch vor 30 oder 40 Jahren die Frage: wat nu? Also gab, wie auch meist heute noch, die Frau ihre Karriere auf. Eine Karriere, die unter Umständen wirklich diesen Namen verdient hatte und nicht nur aus einem Bürojob als Tippse oder Empfangsdame bestand. Und muss es denn so sein, dass jede Frau in ihrer Mutterrolle vollends aufgeht? Ich behaupte sogar, das war noch nie so, selbst in der Zeit nicht, als niemand etwas anderes von den zu Müttern gewordenen Frauen erwartete. Klar, Kinder sind toll. Manchmal anstrengend und nervenaufreibend und zum an-die-Wand-klatschen, aber generell schon toll. Dennoch darf eine Frau die Karriere oder die Möglichkeiten, die sie hatte, bevor die Kinder da waren, doch vermissen, denke ich. Und mitunter darunter leiden. Die meisten allerdings tun dies still und heimlich. Zu groß ist das in der Gesellschaft verankerte Schuldgefühl.

Spätestens wenn so manches (feinfühlige) Kind größer wird, erkennt es vielleicht, was die Mutter (oder eben auch der Vater) da für Opfer gebracht hat. Und sieht sich in der Schuld. Dieses Phänomen passiert vermutlich häufig ganz unbewusst, oder zumindest nur teilweise kann das betreffende „Kind“ (in Anführungszeichen, denn es wird zu dem Zeitpunkt der Erkenntnis häufig schon erwachsen sein oder zumindest auf dem besten Wege dahin) sich vollends bewußt machen, was da geschieht.

Kinder als Altersversorgung

In früheren Zeiten war das so. Man bekam Kinder. Man brauchte Kinder, um im Alter gut versorgt zu sein. Und heute? Auch heute werden die Kinder mit herangezogen, wenn die oft recht spärliche Rente der eigenen Eltern nicht ausreicht, aber hohe Kosten für Alters- und Pflegeheime anfallen. In einer alternden Gesellschaft mit immer höherer Lebenserwartung kann das schon mal vorkommen. Und seien wir ehrlich, nicht jedes Eltern-Kind-Verhältnis gestaltete sich immer so gut, dass die Kinder am Ende gerne den Eltern das zurück geben, was sie einst von ihnen bekommen haben. Wurzeln und Flügel. Oder eben auch: Liebe und finanzielle Unterstützung.

Aber es gibt sie noch, die Kinder, welche für ihre Eltern da sind oder da sein wollen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Es sind Kinder, die sich mitunter schuldig fühlen. Und aus diesem Schuldgefühl heraus und weil sie ihre Eltern eben lieben, fühlen sie sich verantwortlich, im Gegenzug nun für ihre Eltern da zu sein. Manche sind dafür bereit, ihr eigenes Leben, vielleicht ihre Träume nach einer eigenen, selbst gegründeten Familie und somit auch nach eigenen Nachkommen, nicht wirklich zu verfolgen. Sie sehen all die Opfer, die ihre Eltern einst für sie brachten. Was sie auf sich genommen oder gar zurück gelassen haben, damit es ihren Kindern einst besser gehen sollte. Die Eltern haben sich selbst ein großes Stück weit aufgeopfert und ihre Kinder meinen nun, gleiches für sie tun zu müssen. Wie bereits erwähnt, ich glaube, dies geschieht oft ganz unbewusst. Und keiner der Beteiligten würde diese Erwartungen offen aussprechen. Gerade wir Kinder der Kriegs- und Nachkriegskinder sind mitunter besonders betroffen. Denn unsere Eltern mussten häufig mit sehr vielen Entbehrungen groß werden, wurden vielleicht vertrieben oder gingen freiwillig, haben dabei alles verloren, auch geliebte Menschen. Sie wurden auch noch anders „erzogen“. Leid und Traurigkeit über diese Ereignisse durften nicht gezeigt werden. Es wurde über vieles schlicht geschwiegen. Was Frauen während und nach dem Krieg leisteten, aber auch ertragen mussten, fasziniert mich immer wieder. Sie waren in großen Teilen das, was wir heute als „Alleinerziehende“ bezeichnen. Und ich bin mir sicher, dass sie sich darüber eben nicht öffentlich beklagt haben. Es war eben so. Auch der Staat hat das nicht auffangen können, was viele Alleinerziehende heute fordern. Vielleicht gab es teilweise ein besseres soziales Netz, also andere Frauen und das in mehreren Generationen, die sich gegenseitig unterstützten. Aber ansonsten muss das eine sehr schwierige Zeit gewesen sein, um Kinder groß zu ziehen oder selber Kind gewesen zu sein. Alles das kann uns Kindern dieser Eltern eine besondere Last aufbürden.

Aber rechtfertigt all das von mir erwähnte eine Aufopferung der Kinder für ihre Eltern?  Verlangen Eltern sogar danach? Sind sie damit vielleicht sogar einverstanden?

Müssen Kinder für ihre alternden Eltern da sein – um jeden Preis?

Jein. Können sie, sollten sie versuchen. Aber nicht um den Preis des eigenen Glücks und der eigenen Vorstellung von einem zufrieden stellenden, eigenen Leben.

Ich selber habe meine Kinder unter anderem auch aus der Idee heraus bekommen, als alte Frau im Lehnstuhl noch jemanden um mich zu haben, der zur Familie gehört. Im Idealfall. Ob dies einst so sein wird, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Ich habe aber niemals daran gedacht Kinder zu bekommen, um im Alter einmal finanziell abgesichert zu sein, wenn der alte Sparstrumpf leer ist. Naiv wie ich bin, hoffe ich da immer noch auf staatliche Unterstützung durch meine jahrelange Berufstätigkeit (die ich bisher für meine Kinder eben nicht an den Nagel gehängt habe). (Allerdings bin ich erst spät in meinen Beruf gestartet und habe somit auch dadurch Abstriche zu machen). Ich dürfte also viele Jahre gearbeitet und – quasi nebenbei – Kinder groß gezogen haben. Was mir einiges an Opfern abverlangt, wie ich eingangs schon erwähnte. Was ich aber vielmehr hoffe ist, dass ich meinen Kindern genug mitgeben kann, damit sie ihren ganz ureigenen Weg finden und gehen können. Und Zufriedenheit und Freude erlangen. Ich hoffe, dass sie einen Beruf ergreifen können, der ihnen Spaß und Erfüllung bringt und dennoch dazu ausreicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Musikerin weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, den Studiengang nach eigener Gesinnung zu wählen und damit dann später ein ausreichendes Einkommen zum auskommen zu haben. Als Mutter, so nehme ich es mir zumindest vor, würde ich meinen Kindern aber nie in ihre Entscheidungen reinreden. So haben es auch meine Eltern gehandhabt. Und kein Kind sollte sich meiner Meinung nach später grämen, wenn es nicht schafft, seine Eltern im Alter zu unterstützen oder ihnen gar ein eigenes Haus zu finanzieren. So wie wir Eltern es nicht immer schaffen, unseren Kindern ein üppiges Erbe zu hinterlassen. Wir alle bringen unsere ganz persönlichen, kleineren oder auch größeren Opfer, allerdings haben wir unsere Kinder auch nicht gefragt, ob sie Teil dieser Welt werden wollen. Wir haben über ihre Köpfe hinweg entschieden, als wir ihnen das Leben schenkten. Niemals würde ich erwarten, dass sie für mich ihre Träume zurückstellen, nur um mich im Alter aufzufangen. Ich finde, als Eltern darf man das nicht von seinen Kindern erwarten oder gar einfordern. Man darf hoffen, dass sie vielleicht Sonntags mal zum Essen vorbei kommen oder einen Weihnachtsfeiertag mit einem verbringen – und die Enkelkinder mitbringen. Aber alles andere, Aufopferung der Kinder für die eigenen Eltern, das sehe ich persönlich nicht. Und würde es nicht zulassen wollen. So zumindest meine Meinung zum jetzigen Erfahrungsstand.

Nun, über 20 Jahre vor der Rente hab ich noch leicht Reden. Aber es sind Gedanken, die man sich ruhig einmal machen darf, wenn man Kinder in diese Welt setzen möchte. Wer kann heute schon mit Gewissheit sagen, was einmal sein wird? Das wäre wohl zu einfach. Es ist und bleibt spannend, gerade in den heutigen Zeiten! Lasst uns einfach so viel wie möglich tun, damit Träume wahr werden. Auch die eigenen. Und das dürfen auch Träume von einem ruhigen Leben mit eigenen Kindern und Enkelkindern sein. Ohne Verpflichtungen, Schuldgefühle und übergroßem Verantwortungsgefühl. Einfach nur mit Liebe, Respekt und Anerkennung dessen, was geleistet wurde und wird.