Langsam (Songtext von Silbermond)

Langsam (Silbermond)

Ich will noch nicht gehn
Doch das Licht kommt schon durchs Fenster
Manche Tage sind so zäh wie Leim
Nur sowas schönes hier
Läuft 100 Meter in Bestzeit
Kannst du mich noch einmal in den Arm nehm‘
noch einmal in den Arm nehm‘
Zieh mich so nah wie’s geht zu dir
Und dann drehn wir uns langsam
gegen die Uhr der Zeit
Langsam
Wir klinken uns aus
und fallen Langsam
Denn wir wissen, die Welt
holt uns schnell genug ein
Also Langsam
Ich liebe uns beide
Hier im verkehrten Zeitraffer
Wie du mich küsst
in Zeitlupe küsst

Kannst du mich noch einmal in den Arm nehm‘
noch einmal in den Arm nehm‘
Zieh mich noch näher zu dir
Und dann drehn wir uns langsam
gegen die Uhr der Zeit
Langsam
Wir klinken uns aus
und fallen
Langsam
Denn wir wissen, die Welt
holt uns schnell genug ein
Also Langsam
Bei geschlossenen Augen
und meine Hand in deiner
Wir drehn die Uhr zurück auf Anfang
Langsam
Langsam
Langsam
Und dann drehn wir uns
langsam
Gegen die Uhr der Zeit
Wir klinken uns aus
und fallen
Langsam
Gegen die Uhr
wir fallen
Langsam
Langsam
Wir wolln‘ noch nicht gehn
Also Langsam
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Heute danke ich einfach mal mir – und den anderen fleißigen Müttern

Vorsicht: Dieser Text kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten!

Liebe Mütter,

ich wünsche, Frohe Weihnachten gehabt zu haben.Ich hoffe, Ihr habt all die Strapazen, die mit den Vorbereitungen und Ausführungen des Festes für Euch einhergingen, gut überstanden. Und ich danke all den Männern und Vätern, die ihren Frauen dabei tatsächlich tatkräftig unsterstützt haben! Soll es ja geben.

Weihnachten, das Fest, welches vor allem uns Frauen und Müttern alljährlich die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Manchmal ist es sogar mehr. In meinem Fall klappte ich vor zwei Wochen zusammen. Die Erschöpfungsdepression (Neudeutsch: Burnout) versuchte einen zweiten Anlauf. Ich hatte unschöne Symptome, die ich schon von vor zwei Jahren kenne. Aber keine Sorge, ich nehme jetzt Johanniskraut und bin nach ein paar wenigen Tagen, an denen ich mir jeweils mehr Ruhe und sogar etwas mehr Schlaf als sonst gönnte, wieder auf den Beinen. Letztlich war es ein über Monate anhaltender, zu extremer Schlafmangel und ein enormer Druck in vielen Bereichen meines Lebens. Neben meinen privaten Problemen, die mich seelisch sehr belasten, war es auch die Vereinbarkeit von Job, Familie und Haushalt. Wieder einmal. Denn neben meinem Job als Orchestermusikerin musste ich auch das Weihnachtsfest vorbereiten. Und dafür möchte ich mir heute einfach mal danken. Mir ganz alleine. Und ich bin auch die einzige, die Danke zu mir sagt. Denn niemand sonst aus meinem nächsten Umfeld (sprich: Vater meiner Kinder und seine Eltern. Die Kinder sowieso nicht, die sind auch noch zu klein dazu) ist auch nur ein klitzekleines „Danke“ oder gar „gut gemacht“ über die Lippen gekommen,  noch nicht mal annähernd.

Was wir Mütter leisten, wird als selbstverständlich angesehen

Und wenn wir es mal nicht mehr leisten können, werden wir unter Umständen auch noch dafür kritisiert. Dann waren wir wohl schlecht organisiert, faul oder machen sonst etwas falsch in unserem Leben.

Obwohl ich noch mit dem Vater der Kinder unter einem Dach lebe, hat er sich dieses Jahr bei den Vorbereitungen besonders herausgehalten. Lediglich das Festessen am zweiten Feiertage ging auf seine Kappe. Natürlich könnte man ihm die Füße dafür küssen, denn er ist ja ein Mann und hat schier unglaubliches damit geleistet. Und er hat den Baum ins Wohnzimmer geschleppt. Aber hätte ich mich auf ihn verlassen wie er sich auf mich, hätten die Kinder am Heiligabend keinen Besuch vom Weihnachtsmann bekommen und wären leer ausgegangen. Denn wir Großen wissen es längst: die Geschenke besorgen die Eltern. Also meistens die Mütter. Ich habe das also in völliger Eigenregie gemacht. Habe Ideen gesammelt, ausführlich geschaut, Angebote verglichen, eingekauft oder bestellt, Pakete geschleppt, entpackt, teilweise wieder verpackt und was eben so dazu gehört. Ich konnte den Vater noch nötigen, am 23.12. die Spielküche für KindNr. 2 zusammen zu bauen, bekam jedoch zu hören, dass das doch jetzt sehr kurzfristig wäre, ich hätte ihm eher Bescheid sagen sollen. In Gedanken schlug ich kurz meine Stirn auf die Tischplatte und sagte ihm, dass ich ihn seit 3 Tagen um Hilfe diesbezüglich bitten würde. Unerwähnt ließ ich, dass der Karton mit der Spielküche bereits seit 2 Monaten im Keller liegt und er das irgendwie mitgekriegt haben müsste. War eigentlich kein Geheimnis, dass ich die kaufen gefahren bin. Noch irgendwelche Fragen?

Ich habe drei Tage am Stück gerödelt – ohne Pause und bis spät abends. Habe die Wohnräume – soweit ich konnte – gesäubert, aufgeräumt, zwischendurch Weihnachtsfeiern besucht, Pakete gepackt, eingekauft, den wunderschönen Weihnachtsbaum akribisch geschmückt, an Heiligabend das Essen bereitet und nebenher die Kinder betreut. Der mir wieder einmal wunderbar gelungene Weihnachtsbaum wurde von den Erwachsenen genau so wenig gewürdigt wie die tollen Geschenke für die Kinder. Warum auch? Es wurde auch im Vorfeld nie gefragt, ob und was sie zu erwarten hätten. Das nenne ich mal Ignoranz vom Kindsvater (und genau genommen auch von dessen Eltern).

Und deswegen danke ich heute mal nur mir, dass ich das alles geschafft habe und meine Kinder glücklich machen konnte. Ich danke mir für ein weiteres Jahr voller Haus- und Versorgungsarbeit und vor allem für den ganzen, wirklich nicht unerheblichen Organisationsaufwand, den ich als Managerin meines Familienunternehmens leiste – neben meiner beruflichen Tätigkeit, welche in dieser Hinsicht auch noch einiges von mir abverlangt. Arbeit rund um Haus und Familie, die nicht nur unbezahlt, sondern auch ungelobt bleibt. Anerkennung seit Jahre gleich Null. Ich bin eben Mutter, es ist meine verdammte Pflicht, mich aufzuopfern, wenn es sein muss bis zur Erschöpfung (siehe oben). Dass ich eine Woche vor Weihnachten noch nicht einmal wusste, ob ich das Fest überhaupt in der Form schaffen könnte, so schlecht wie es mir da ging, war nie auch nur ein Wort wert. Das kann schon frustrieren und traurig machen.

Und ich danke Euch da draußen, Ihr fleißigen Mütter (und manchmal auch Väter). Ihr managt und organisiert wie verrückt ohne Rücksicht auf Eure Gesundheit und schafft es immer wieder, auch wenn Ihr manchmal – so wie ich – denkt, es geht nicht mehr. Aber bitte passt auf Euch auf! Denn aus Erfahrung weiß ich, dass es irgendwann wirklich nicht mehr geht, wenn Ihr Eure Grenzen zu oft und zu sehr überschreitet!

Alles Gute!

Keine Gefühle ist auch keine Lösung. Über die Liebe

Oder: Warum wir die Liebe brauchen und die Liebe uns.

Manchmal, wenn der Schmerz der Sehnsucht und des Vermissens zu unerträglich wird, weiß ich einfach nicht mehr, wovon ich noch träumen soll. Dabei habe ich lange nicht alles erreicht. Viel zwar schon, für manchen Außenstehenden sogar scheinbar alles, aber wer weiß schon, wie es wirklich in mir drinnen aussieht? Da ist diese immer wiederkehrende Leere, manchmal sogar Hoffnungslosigkeit, obwohl ich doch vieles positiv zu sehen versuche. An manchen Tagen liegt die Zukunft nur wage im Nebel.

Wenn der Schmerz mich wieder zu sehr übermannt, versuche ich einfach, gar nichts mehr zu fühlen – nur für den Moment. Und versage mir in diesem einen Moment, alle meine Träume zu träumen. Einfach von nichts mehr zu träumen, was mich umtreibt, beschäftigt, was ich zu gerne Wirklichkeit werden lassen würde, aber was nicht sein kann. Noch nicht. Vielleicht nie. Träumen verboten! Hoffen auch! Das große Glück zum Greifen nah und im nächsten Moment wieder unerreichbar fern. Was ist Glück überhaupt? Und wieviel darf man davon für sich selbst beanspruchen, was darf man erwarten, was sich gar nehmen? Muss es alles sein, oder reicht das kleine Glück. Bin ich einfach nur nicht bescheiden genug, dass ich immer (gleich) alles will?

Dieses eine Leben, das wir nur haben, es muss gut sein. Das erzeugt Druck. Auch Ungeduld, vor allem, wenn man sich bereits in der Mitte des Lebens befindet und die Sehnsucht riesengroß ist. Weil man nun sieht, wie es überhaupt richtig gut sein kann. Zum ersten Mal diese Ahnung davon, wie schön das Leben sein könnte, wenn… . Wie schön das Leben hätte sein können!

Erwarte ich also zu viel, verlange ich gar Unmögliches von meinem Schicksal? Sind meine Wünsche an das Universum zu unrealistisch? Dabei ist das Schicksal erst in jüngster Zeit so unglaublich gut zu mir gewesen. Es hat mir in einer Zeit der Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit ein Zeichen gesandt. Und ich las es erst heute auf einem anderen Blog, diesen einen Satz, „Pfeiff‘ auf die erste große Liebe….Auf die letzte große Liebe kommt es an!“ (Nachzulesen in einem tollen Beitrag über die Liebe hier). Das ist so wahr, genauso wie die Aussage, dass man zur Liebe bereit sein und sich nicht aus Einsamkeit dazu verleiten lassen sollte. Das sind Fehler meiner Vergangenheit, die nur schwer wieder gerade biegen zu sind. Die Wunden sind groß und Narben werden bleiben, so oder so. Und doch muss ich lernen, das Vergangene vom Heute zu trennen – und (m)einen neuen Weg völlig unbedarft zu gehen. Das ist so schwer.

Ich bin bereit, bereit für die letzte große Liebe, für ein „für immer“. Endlich fühle ich dieses „Das ist der, mit dem ich alt werden will“. Zum allerersten Mal in meinem Leben. Ein erhabenes Gefühl. Ich bin dankbar für Engel und Schicksal. Ich bin dankbar. Dankbar für zwei gesunde Kinder und für meine gut bezahlte, feste Stelle. Das schöne (renovierungsbedürftige) alte Haus. Für vieles in meinem Leben habe ich hart gearbeitet und dafür auf anderes verzichtet. Denn natürlich ist mir bewusst, dass ich nicht alles haben kann. Was mehr darf ich also noch erwarten? Das alles so bleibt, schwere Schicksalsschläge ausbleiben, sollte mir doch gefälligst genügen. Bescheidenheit ist angesagt. Aber ich wollte schon immer ein klein wenig mehr. Und niemals Stillstand, gar Rückschritt akzeptieren.

Eine gute Partnerschaft, ein harmonisches Familienleben, danach sehne ich mich schon so lange. Denn ich war jahrelang schlicht „zweisam einsam“! Diese Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Verständnis, gegenseitiger Wertschätzung, dieses „Ein-Team-Sein“, gemeinsame Ziele verfolgen und reden können und noch so einiges mehr, alles basierend auf einer tiefen, innigen und aufrichtigen Liebe füreinander – den starken Wunsch danach hatte ich letzten Endes aufgegeben und verdrängt. Bis er wieder spürbar wurde, weil ich wieder etwas spüren konnte. Weil ich wieder Gefühle zulassen konnte. Weil ich es mir wieder Wert bin. Und damit wurde so vieles in mir wieder zu neuem Leben erweckt. Nicht zuletzt auch die Hoffnung. Und die mag ich einfach nicht begraben. Nein, nein, nein!

Manchmal braucht es den totalen Zusammenbruch , damit sich wirklich etwas ändern kann. Auch das vermeintlich Schlimme hat seine guten Seiten. Also schaue ich nach vorne, nicht mehr zurück. Ich gehe gestärkt, ja, so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr meinen Weg! Ich bin wachsam und gewappnet. Und ich bin dankbar!

Mütter häufig(er) vom Burn-Out betroffen

Warum nur, frage ich mich regelmäßig. Aber dann fällt es mir wieder ein: wir Mütter müssen einfach so viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Wir haben quasi mehrere Jobs, die alle gleichermassen gut erledigt sein wollen. Wir gehen nicht nur Geld verdienen, sondern arbeiten (!) zu Hause weiter, kümmern uns um Kinder und um den Haushalt. Sind sozusagen dauerbeansprucht, eben immer „in charge“ und für alles und jeden verantwortlich. Die Adventskalender müssen bestückt werden? Neue Winterklamotten her? Geschenke für diverse Kindergeburtstage organisiert werden? Weihnachten naht auch. Wer backt die Plätzchen, sucht Geschenke und Tannenbaum aus? Wer hat eben noch schnell die Martinslaterne gebastelt? Wer wäscht noch mal eben zwischendurch die dreckigen Klamotten und sieht dabei immer noch supersexy aus? Wir Mütter natürlich. Die Liste ist endlos lang von dem, was wir alles tun (müssen). Nicht, dass nicht auch Väter einige dieser Aufgaben übernehmen würden, das soll durchaus mal vorkommen. Aber sie denken nicht die ganze Zeit daran bzw. drüber nach. Ihre Köpfe sind nicht übervoll von To-Do’s. Wir Frauen fühlen uns einfach für alles zuständig, sind es häufig auch als wahre Organisationstalente und Multi-Tasker. Ich bin davon überzeugt: es sind weniger Väter, die derart gut den Überblick behalten können oder es überhaupt wollen. Entsprechend weniger brennen sie aus. Und manche schauen uns sogar seelenruhig dabei zu… .

Hier ein toller Artikel zum Thema.

Und noch einer.

Top lesenswert!

Die neue Platte von „Radio Doria“

Ich bin ein Fan deutschsprachiger Musik. Gut, vielleicht liegt es daran, dass ich zwangsläufig mit Schlagern und der „Neuen Deutschen Welle“ groß geworden bin. Aber nein, es hat sicher damit zu tun, dass ich mich trotz sehr guter Englisch-Kenntnisse meiner Muttersprache Deutsch einfach noch ein Stück näher fühle und sie mich gefühlsmäßig auf einer höheren Ebene anspricht – auch wenn ich mich der Englischen Sprache durchaus auch sehr nahe fühle, meine Muttersprache ist es nun einmal nicht. Zum anderen hat es aber auch damit zu tun, dass gerade in den letzten etwa 15 Jahren verdammt gut gemachte deutschsprachige Musik produziert wurde, und zwar gleichermaßen von Frauen wie auch Männern gesungen.

Vor wenigen Jahren bekam ich die erste Platte der Gruppe „Radio Doria“ geschenkt. Ganz in Pink gehalten schon optisch auffällig und mit dem Titel „Die freie Stimme der Schlaflosigkeit“ Interesse weckend. Die Gruppe um den Schauspieler Jan Josef Liefers, der also nicht nur gut schauspielern, sondern auch recht annehmbar singen kann, macht wirklich gute Musik, die mitreißt und ins Ohr geht. Jetzt erschien das zweite Album der „boygroup“ mit dem Titel „2 Seiten“. Was soll ich sagen: wenn ich das erste Album schon toll fand, hat mich das zweite wirklich überzeugt. Die Lieder gefallen mir noch mal besser, musikalisch erscheint mir dieses Album etwas abwechslungsreicher, auch wenn es insgesamt etwas ruhiger und nachdenklicher daherkommt als das Debutalbum, aber gerade das gefällt mir sehr gut. Es enthält verdammt tolle Texte mit Tiefgang und Themen, die mich sehr ansprechen und auch etwas Interpretationsspielraum lassen. Sie passen zu mir. Es ist auf jeden Fall für mich keine Musik, die man mal eben so nebenher und als Hintergrundberieselung laufen lassen sollte, sonder es lohnt sich, ihr die ganze Aufmerksamkeit zu schenken. Auch nach mehrmaligem Hören wird’s nicht langweilig – zumindest mir nicht.

Hier der Text von Lied Nr. 3 dieses neuen Albums. Ein verdammt schönes Lied, aber auch die anderen sind mehr als hören- und verstehenswert. Hört einfach mal rein.

Jeder meiner Fehler – Songtext von Radio Doria

Es fällt nicht leicht
Zu verstehen
Warum wir manchmal
Die falschen Wege gehen
Und die letzte Tür zurück
Ist mit Wenn und Aber zugebaut
Man findet sich zurecht
Aber nie raus aus seiner Haut

Doch mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende auch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Vielleicht kannst du damit leben
Kannst du mit mir leben?

Will mit dem Kopf
Durch jede Wand
Hab‘ so viel Pläne
Unterwegs verbrannt
Hab‘ mir selber oft den Boden
Unter den Füßen weggezogen
Wollten wir gradeaus
Bin ich doch abgebogen

Und mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende doch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Vielleicht kannst du damit leben
Kannst du mit mir leben?
Kannst du mit mir leben?
Oh, jeder meiner Fehler

Wovon werden wir erzählen
Zwischen all dem Schlecht und Gut?
Am meisten würd‘ ich bereuen
Hätten wir’s nie versucht
Und wenn die Mauern, die ich immer wieder bau‘
Irgendwann zerfallen zu Staub
Dann nur weil du an mich glaubst
Dann nur weil du mir vertraust
Oh, jeder meiner Fehler

Und mir scheint jeder meiner Fehler
Ist am Ende auch ein Schritt
Und jeder meiner Fehler
Brachte mich zu dir zurück
Und für jeden meiner Fehler
Will ich sagen: „Es tut mir leid“
Kannst du sie vergeben?
Kannst du mit mir leben?
Willst du mit mir leben?

Über Mut im Leben

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit“, sagt der Kommissar aus dem schweizer Tatort, den ich gestern zu später Stunde noch auf dem Fernsehsender One (früher Einsfestival) gesehen hatte, als er mit einem Koffer voller Klamotten die Wohnung seiner Freundin betritt. Beide, so hatte ich im Laufe des Tatorts gelernt, hatten gerade ihr 1-jähriges Beziehungsjubiläum gefeiert, sie ist zudem die Mutter zweier Kindern. In einer früheren Szene schlich er sich des Abends auf Socken in die gleiche Wohnung, sie fragte ihn, warum er das täte, und er antwortete so etwas wie, „Ich dachte, die Kinder schlafen schon“. Sie sagte daraufhin, „Die zwei sind bei ihrem Vater!“

Abgesehen von der Rahmengeschichte, in der es um Tod, Mord und Posttraumatische Belastungsstörung geht, hat mich diese Liebesgeschichte um den nicht mehr so ganz jungen Kommissar und seine ebenfalls lebenserfahren wirkende Geliebte sehr beeindruckt. Ich gucke eigentlich nie Tatort, vielleicht einen im Jahr. Denn ich gucke nur noch äußerst selten Fernsehen(*).Und obwohl ich schon zu so später Stunde am liebsten in den Schlafmodus gefallen wäre, musste ich unbedingt wissen, wer der Mörder ist (es war die Psychologin, nicht der Gärtner) und wurde durch diesen allerletzten Satz des Films belohnt:

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit!“

Die erste Szene des Films zeigt das noch relativ frisch verliebte Paar, als es bei einem Lagerfeuer auf ihr 1-Jähriges anstößt. Sie sagt so etwas wie, „Heute sind wir seit einem Jahr zusammen“ und er sagt, „Ich dachte, das wäre erst in 3 Wochen. Unsere erste Nacht im Hotel…“, und sie sagt daraufhin, „Der erste Kuss zählt, nicht die erste Nacht im Hotel!“

Später, nach dem er sich wie oben erwähnt, in Socken über das  Parkett schlich und beide Sex gehabt haben (nur so eine Vermutung!), steht er aus ihrem Bett auf, sie bleibt liegen, sagt aber, „Bitte bleib!“ und er antwortet, „Gib mir noch Zeit!“ Daraufhin sagt sie nichts, beide lächeln sich an (glaube ich zumindest. Also, ich hätte das getan), er geht und sie kuschelt ihr Gesicht ins Kissen. In dem Moment hatte ich fast so etwas wie ein Déjà-Vu… .

Am Ende beweist der Mann also Mut, Mut aus Unwissenheit. Sein Fall ist gelöst, er zieht quasi bei ihr ein, zeigt ihr, dass er nun bereit ist, die Nächte bei ihr zu verbringen – und vielleicht auch mehr. Denn irgendwo sind ja auch noch ihre zwei Kinder, die vermutlich nicht immer bei deren Vater sein werden. Er kann nicht wissen, wie das Leben mit zwei Kindern ist, denn scheinbar hatte er zuvor auf dem Gebiet keine Erfahrung. Hatte noch zu seinem früheren Kumpel vom Militär, in diesem Fall das PTBS-Opfer im Film gesagt, nach dem dieser zu ihm meinte, er hätte Familie, zwei Kinder (aber getrennt, wie sich kurz darauf herausstellt), er selber hätte dies noch nicht „geschafft“.

Das mit dem Mut im Leben ist nicht immer ganz einfach. Ich selber würde mich als wenig mutig bezeichnen. Ich war schon als Kind nicht so der Draufgänger-Typ, eher ängstlicher Natur. Und dennoch habe ich in meinem Leben ein ums andere Mal Mut bewiesen.

Sehr mutig war ich vor 13 Jahren, als ich meine alten Jobs kündigte, um einen neuen Traumjob, relativ sicher und gut bezahlt, zu ergattern. Noch bevor ich also Probespiel und andere Einstellungstests erfolgreich absolviert hatte, setzte ich alles auf eine Karte, kündigte meine Honorarstellen an drei Musikschulen in meiner Studienstadt und nutzte die gewonnene Zeit, um mich intensiv auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Um weiter die Miete zahlen zu können, musste ich Sozialhilfe (war noch vor Hartz 4) beantragen, was finanziell übrigens auf das gleiche rauskam wie mit den Honorarstellen. Ich fühlte mich nur nicht unbedingt besser dabei, so als Bittsteller beim Staat.

Wieso machte ich das so? Ich wollte einen geraden Schnitt, wollte meine SchülerInnen nicht mitten im Schuljahr im Stich lassen, und so trat meine Kündigung zu Beginn der Sommerferien in Kraft. Ein bißchen Schuld hatte ich daran, dass ich danach nicht sofort die neue Stelle antreten konnte, weil mir zuvor der Mut gefehlt hatte, mich endlich darauf zu bewerben. Und wie gesagt, so hatte ich viel Zeit. Die brauchte ich vielleicht auch, denn am Ende schaffte ich es, mein Mut wurde belohnt. Den Job mache ich nun seit fast 13 Jahren und bin sehr dankbar dafür und froh über meinen Mut.

Ganz unwissend war ich damals vielleicht nicht, ich hatte zumindest eine wage Vorstellung, was mich erwarten würde, kannte andere, die mir davon erzählt hatten. Aber wie es wirklich sein würde, sich für mich und mein Leben anfühlen würde, wusste ich erst, als ich mittendrin steckte.

Ähnlich erging es mir dann 7 Jahre später, als ich Mutter wurde. Die Aussage, „Das hast Du doch vorher gewusst“, habe ich zwar einige Male gehört, doch kann ich dazu inzwischen nur noch mit dem Kopf schütteln. Sie kommt in den allermeisten Fällen von Unwissenden, also Kinderlosen.

Kinder zu bekommen erfordert Mut, viel Mut. In unserer heutigen Zeit und Gesellschaft mehr denn je. Ein Mann, der sich für eine Frau entscheidet, die Kinder mit in in die Verbindung bringt, braucht es Mut, Vetrauen in sich und sie, Zuversicht und viel Liebe.  Umgekehrt übrigens auch. Es gibt ja auch Väter, die neue Beziehungen eingehen. Ich glaube daran. Ich glaube auch an das Funktionieren von Patchwork-„Systemen“. Es erfordert nur viel Gefühl, Menschenverstand und eben Mut. Ich selber bin mutig, bin dieses Jahr bereits sehr mutig gewesen und froh und auch stolz auf mich. Endlich springen. Das Seil wird halten, der Fallschirm schon aufgehen. Urvertrauen und Mut!

 

(*)Abgesehen davon gucke ich meistens auf meinem Laptop per Livestream, so wie gestern, oder suche mir etwas in der Mediathek. Gestern wollte ich sogar richtig fernsehen, aber leider hatte wohl nach „Die Sendung mit der Maus“ irgendetwas (oder irgendwer?) unseren Receiver geschrottet.

Über Enttäuschung, Wut und Traurigkeit – spontan gedacht

Woher kommt eigentlich dieses Wort „Enttäuschung“? Lag man einer Täuschung auf, die nun aufgehoben ist? Nun ist man also ent-.  Wurde man getäuscht oder hat sich ganz einfach selbst getäuscht und als Folge dessen ist man eben nun ent-täuscht? Weil es die Täuschung, den guten Glauben an etwas so nicht mehr gibt?! Hat man das sich dann nicht selbst zuzuschreiben wegen all der verdammten Erwartungen die man immer hat? Diese kack Erwartungen eben, Hoffnungen, Wünsche, Ideen, die oft mit einer gewissen Vorfreude einhergehen. Man fühlt sich besser, wenn man so ein schönes Ziel in unmittelbarer Nähe vor Augen hat. Es belebt und motiviert, die Laune steigt und damit auch die Tatkraft. Doch damit besch… man sich selbst, bindet sich selbst den berühmten Bären auf. Täuscht sich. Selbsttäuschung. Ent-täuscht.

Und die Traurigkeit über das Verhalten eines Menschen kann durchaus in Wut umschlagen, sich durch wütendes Verhalten äußern. Und wenn es nur das Erheben der Stimme ist. Das aber kommt nicht an, wie zuvor auch die Appelle an die Person nicht, die einen durch ihr Verhalten traurig macht. Erst traurig, dann wütend. Oder umgekehrt. Aber irgendwie wütend, nicht zuletzt auch auf einen selbst. Weil man das Gefühl wieder zugelassen hat.

Ich finde, Traurigkeit und Wut sind verwandte Seelen. Und das wiederum führt zu Ent-täuschungen. Im schlimmsten Falle auf beiden Seiten. Mit manchen Menschen bleibt es aber auch ein einseitiges Gefühl. Denn Einfühlungsvermögen in andere, auch Empathie genannt, ist eine Gabe, die nicht jeder gleichermaßen besitzt. Aber bei Wut kann sogar mich die Empathie mal eben am Arsch lecken. Dann bin ich eben sauer. Dann bin ich direkt, offen und ehrlich sowieso. Dann bin ich nicht immer besonnen, wohlwollend, nur auf der Seite des Gegenübers. Dann leide ich.

Wertschätzung, das ist eigentlich der Schlüssel zum Glück. Wertgeschätzt zu werden kann der Ursprung einer jeden zwischenmenschlichen Verbindung sein, also um positivsten Sinne. Harmonie erzeugen und manchmal sogar Liebe befeuern, das kann die kleinste entgegengebrachte Wertschätzung. Respekt und Achtung. Wertschätzung fängt mit ganz kleinen Dingen an, zeigt sich in den kleinsten Gesten und Taten. Nicht immer bedarf es dann großer Reden. Was es aber bedarf, ist viel Selbstreflektion. Und genug Qualität im Oberstübchen.

Im Kleinen ge(wert)schätzt zu werden, kann Großes bewirken. Und wenn man sich dann nicht täuscht, ist man hinterher auch weniger ent-. Sie wissen schon.