Der Generationenvertrag – warum wir auch Kinder bekommen oder warum auch nicht

Warum bekommt man in der heutigen Zeit überhaupt noch Kinder? Brauchen wir die wirklich noch? Immerhin haben wir bereits über 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Die sind zwar nicht ganz optimal verteilt, aber es sind irgendwie ziemlich viele. Zu viele mit zu hohen Ansprüchen.

Kinder kosten uns Eltern einen riesigen Haufen Geld. Im Laufe der Jahre kommt da schon mal locker ein sechsstelliger Geldbetrag (ich las erst kürzlich in diesem Zusammenhang wieder die Zahl 120.000 €) zusammen, bis der Nachwuchs endlich alt genug ist, um für sich selber zu sorgen. Wenn. Denn das schaffen nicht alle. Belohnt werden wir Eltern kaum dafür, dass wir zukünftige Steuerzahler und Rentenkasseneinzahler groß ziehen, dafür, dass wir jahrelang investieren und uns selbst zurück nehmen. Dafür, dass ein großer Teil der Mütter der Altersarmut entgegensteuert (oder sich bereits in ihr befindet) und die Wahrscheinlichkeit auch noch mit jedem Kind (dabei sind mehr Kinder = mehr zukünftige Steuerzahler) steigt. Wozu also bekommen wir Kinder? In diesem Land ist das einfach viel zu sehr ein „Privatvergnügen“, Eltern bleiben auf ihren Kosten sitzen. Sie haben die Kinder ja gewollt. Von einem Generationenvertrag keine Spur.

Was tun wir nicht alles für die lieben Kleinen in all den vielen Jahren, in denen sie bei uns wohnen. Und selbstverständlich auch noch darüber hinaus. Und das nicht nur finanziell. Wir verzichten auf vieles. Ausreichend Schlaf ist dabei nur eine Sache. Wir reiben uns auf an der verflixten Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Letzteres aber brauchen wir aus deshalb, um den Kindern in der heutigen, teuren Zeit etwas bieten  zukönnen. Und ich spreche hier noch nicht von teuren Konsumgütern. Auch Bildung kostet. Ja, und bei manchen gehts schlicht um das nackte Überleben.

Ich finde nicht, dass wir es leichter haben als die Elterngeneration vor uns. Uns fehlt oft qualitativ hochwertige Zeit mit unseren Kinder – und auch für uns selbst, denn meist müssen beide Elternteile irgendwie malochen gehen, um die Kinder zu ernähren. Wir haben auch kein ganzes Dorf mehr, das unsere Kinder mit groß zieht. Ehrlich gesagt sind wir ziemlich oft ziemlich alleine mit dieser Mammutaufgabe. Und dennoch bekommen wir Kinder. Zumindest eines, meistens eher zwei. Manche auch schon mal drei.

Was also erhoffen wir uns davon? Ist es einfach ein Instinkt in uns, der uns sagt: vögelt und mehret Euch, die Natur hat’s so gewollt? Lieben wir Kinder so sehr, dass wir uns – meist blauäugig und romantisch-verklärt – in dieses Abenteuer stürzen, welches uns unerwartet viel abverlangt?

Früher war vieles anders

Damals, noch zu Uromas und Omas Zeiten, da kamen die Kinder einfach so wie sie eben kamen. Man hatte einen Partner oder eine Partnerin (und musste natürlich nicht zwangsläufig mit ihm oder ihr verheiratet sein, was aber einem großen Skandal gleich kam) und hatte eben Sex. Frau wurde schwanger. Kind wurde geboren. Frau wurde irgendwann wieder schwanger. Noch ein Kind wurde geboren. Manchmal starb Frau auch bei der Geburt. Dann suchte der Mann eine andere Frau. Für die Kinder und den Haushalt und vielleicht auch ein bißchen für sich. Weitere Kinder wurde geboren. Bis das Haus voll war. Mindestens. Und alle mussten mit anpacken. So war das eben damals.

Dann gab’s so politische Bewegungen und auch medizinische Errungenschaften. Sie machten uns Frauen immer unabhängiger, zunächst von der Tatsache, bei jedem Mal Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft befürchten zu müssen, weil der Typ sich mal wieder gegen das Kondom gewehrt hatte (die es in der heutigen Form ja auch nicht immer gab. Ich frag mich manchmal, wie es wohl mit so manchem Ur-Kondom… aber lassen wir das, würde an dieser Stelle zu weit führen). Die Pille also. Super Sache. Nicht ganz ohne Nebenwirkungen, aber durch ihre Erfindung gab es nach sehr geburtenstarken Jahrgängen in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts (vermutliche auch zurückzuführen auf die „fetten Jahre“ nach dem 2. Weltkrieg) erst mal den sog. Pillenknick. Weniger Kinder wurde geboren. Man überlegte sich genauer, mit wie vielen Kindern man überhaupt sein Familienleben bereichern wollte. Und man brauchte ja auch nicht mehr Scharen von Kindern als Altersabsicherung. Denn inzwischen konnte man im Alter auf etwas Rente hoffen. Der ein oder andere sogar auf Pension. (Der Herr mit dem aufgerollten Hering, also Fürst Otto von Bismarck, hatte sich da an sich etwas Gutes ausgedacht, wenn politisch gesehen vielleicht auch etwas zum Selbstzweck. Aber das soll hier nicht Thema sein). Und in den Siebzigern und auch den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts glaubte man auch noch daran, dass man im Alter ausreichend Rente bekäme, von welcher man gut leben könnte. Selbst dann, wenn die eigenen Kinder sich nicht die Bohne um einen scherten oder als mittellose Straßen-Junkies Karriere machten.

Frauen opfern sich (auf), wenn sie Mütter werden

In früheren Jahrzehnten waren die Rollen der Geschlechter klarer verteilt als heute. Das machte es einerseits einfacher, führte aber vermutlich auch schon damals zu Unzufriedenheit, vor allem bei den Frauen, die diese aber sicher nicht so offen zeigen durften. Es galt der Glaubenssatz: eine Frau hat zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich gefälligst um diese wie auch um einen perfekt geführten Haushalt zu kümmern. Der Mann hingegen sorgt hingegen für das nötige Geld – und für seinen eigenen Spaß. In den meisten Fällen wird das ganz gut funktioniert haben – zumindest nach außen. Aber die Zeiten änderten sich. Frauen wollten auch mal was sein, also außerhalb von selbstgestampftem Babybrei und Stoffwindeln, die täglich ausgekocht werden wollten – ohne Waschmaschine. Und es gab sie immer mehr, die Frauen, die auch Karriere machen wollten und es auch konnten. Trotzdem wurden noch Kinder geboren. Und spätestens beim zweiten stellte sich auch vor 30 oder 40 Jahren die Frage: wat nu? Also gab, wie auch meist heute noch, die Frau ihre Karriere auf. Eine Karriere, die unter Umständen wirklich diesen Namen verdient hatte und nicht nur aus einem Bürojob als Tippse oder Empfangsdame bestand. Und muss es denn so sein, dass jede Frau in ihrer Mutterrolle vollends aufgeht? Ich behaupte sogar, das war noch nie so, selbst in der Zeit nicht, als niemand etwas anderes von den zu Müttern gewordenen Frauen erwartete. Klar, Kinder sind toll. Manchmal anstrengend und nervenaufreibend und zum an-die-Wand-klatschen, aber generell schon toll. Dennoch darf eine Frau die Karriere oder die Möglichkeiten, die sie hatte, bevor die Kinder da waren, doch vermissen, denke ich. Und mitunter darunter leiden. Die meisten allerdings tun dies still und heimlich. Zu groß ist das in der Gesellschaft verankerte Schuldgefühl.

Spätestens wenn so manches (feinfühlige) Kind größer wird, erkennt es vielleicht, was die Mutter (oder eben auch der Vater) da für Opfer gebracht hat. Und sieht sich in der Schuld. Dieses Phänomen passiert vermutlich häufig ganz unbewusst, oder zumindest nur teilweise kann das betreffende „Kind“ (in Anführungszeichen, denn es wird zu dem Zeitpunkt der Erkenntnis häufig schon erwachsen sein oder zumindest auf dem besten Wege dahin) sich vollends bewußt machen, was da geschieht.

Kinder als Altersversorgung

In früheren Zeiten war das so. Man bekam Kinder. Man brauchte Kinder, um im Alter gut versorgt zu sein. Und heute? Auch heute werden die Kinder mit herangezogen, wenn die oft recht spärliche Rente der eigenen Eltern nicht ausreicht, aber hohe Kosten für Alters- und Pflegeheime anfallen. In einer alternden Gesellschaft mit immer höherer Lebenserwartung kann das schon mal vorkommen. Und seien wir ehrlich, nicht jedes Eltern-Kind-Verhältnis gestaltete sich immer so gut, dass die Kinder am Ende gerne den Eltern das zurück geben, was sie einst von ihnen bekommen haben. Wurzeln und Flügel. Oder eben auch: Liebe und finanzielle Unterstützung.

Aber es gibt sie noch, die Kinder, welche für ihre Eltern da sind oder da sein wollen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Es sind Kinder, die sich mitunter schuldig fühlen. Und aus diesem Schuldgefühl heraus und weil sie ihre Eltern eben lieben, fühlen sie sich verantwortlich, im Gegenzug nun für ihre Eltern da zu sein. Manche sind dafür bereit, ihr eigenes Leben, vielleicht ihre Träume nach einer eigenen, selbst gegründeten Familie und somit auch nach eigenen Nachkommen, nicht wirklich zu verfolgen. Sie sehen all die Opfer, die ihre Eltern einst für sie brachten. Was sie auf sich genommen oder gar zurück gelassen haben, damit es ihren Kindern einst besser gehen sollte. Die Eltern haben sich selbst ein großes Stück weit aufgeopfert und ihre Kinder meinen nun, gleiches für sie tun zu müssen. Wie bereits erwähnt, ich glaube, dies geschieht oft ganz unbewusst. Und keiner der Beteiligten würde diese Erwartungen offen aussprechen. Gerade wir Kinder der Kriegs- und Nachkriegskinder sind mitunter besonders betroffen. Denn unsere Eltern mussten häufig mit sehr vielen Entbehrungen groß werden, wurden vielleicht vertrieben oder gingen freiwillig, haben dabei alles verloren, auch geliebte Menschen. Sie wurden auch noch anders „erzogen“. Leid und Traurigkeit über diese Ereignisse durften nicht gezeigt werden. Es wurde über vieles schlicht geschwiegen. Was Frauen während und nach dem Krieg leisteten, aber auch ertragen mussten, fasziniert mich immer wieder. Sie waren in großen Teilen das, was wir heute als „Alleinerziehende“ bezeichnen. Und ich bin mir sicher, dass sie sich darüber eben nicht öffentlich beklagt haben. Es war eben so. Auch der Staat hat das nicht auffangen können, was viele Alleinerziehende heute fordern. Vielleicht gab es teilweise ein besseres soziales Netz, also andere Frauen und das in mehreren Generationen, die sich gegenseitig unterstützten. Aber ansonsten muss das eine sehr schwierige Zeit gewesen sein, um Kinder groß zu ziehen oder selber Kind gewesen zu sein. Alles das kann uns Kindern dieser Eltern eine besondere Last aufbürden.

Aber rechtfertigt all das von mir erwähnte eine Aufopferung der Kinder für ihre Eltern?  Verlangen Eltern sogar danach? Sind sie damit vielleicht sogar einverstanden?

Müssen Kinder für ihre alternden Eltern da sein – um jeden Preis?

Jein. Können sie, sollten sie versuchen. Aber nicht um den Preis des eigenen Glücks und der eigenen Vorstellung von einem zufrieden stellenden, eigenen Leben.

Ich selber habe meine Kinder unter anderem auch aus der Idee heraus bekommen, als alte Frau im Lehnstuhl noch jemanden um mich zu haben, der zur Familie gehört. Im Idealfall. Ob dies einst so sein wird, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Ich habe aber niemals daran gedacht Kinder zu bekommen, um im Alter einmal finanziell abgesichert zu sein, wenn der alte Sparstrumpf leer ist. Naiv wie ich bin, hoffe ich da immer noch auf staatliche Unterstützung durch meine jahrelange Berufstätigkeit (die ich bisher für meine Kinder eben nicht an den Nagel gehängt habe). (Allerdings bin ich erst spät in meinen Beruf gestartet und habe somit auch dadurch Abstriche zu machen). Ich dürfte also viele Jahre gearbeitet und – quasi nebenbei – Kinder groß gezogen haben. Was mir einiges an Opfern abverlangt, wie ich eingangs schon erwähnte. Was ich aber vielmehr hoffe ist, dass ich meinen Kindern genug mitgeben kann, damit sie ihren ganz ureigenen Weg finden und gehen können. Und Zufriedenheit und Freude erlangen. Ich hoffe, dass sie einen Beruf ergreifen können, der ihnen Spaß und Erfüllung bringt und dennoch dazu ausreicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Musikerin weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, den Studiengang nach eigener Gesinnung zu wählen und damit dann später ein ausreichendes Einkommen zum auskommen zu haben. Als Mutter, so nehme ich es mir zumindest vor, würde ich meinen Kindern aber nie in ihre Entscheidungen reinreden. So haben es auch meine Eltern gehandhabt. Und kein Kind sollte sich meiner Meinung nach später grämen, wenn es nicht schafft, seine Eltern im Alter zu unterstützen oder ihnen gar ein eigenes Haus zu finanzieren. So wie wir Eltern es nicht immer schaffen, unseren Kindern ein üppiges Erbe zu hinterlassen. Wir alle bringen unsere ganz persönlichen, kleineren oder auch größeren Opfer, allerdings haben wir unsere Kinder auch nicht gefragt, ob sie Teil dieser Welt werden wollen. Wir haben über ihre Köpfe hinweg entschieden, als wir ihnen das Leben schenkten. Niemals würde ich erwarten, dass sie für mich ihre Träume zurückstellen, nur um mich im Alter aufzufangen. Ich finde, als Eltern darf man das nicht von seinen Kindern erwarten oder gar einfordern. Man darf hoffen, dass sie vielleicht Sonntags mal zum Essen vorbei kommen oder einen Weihnachtsfeiertag mit einem verbringen – und die Enkelkinder mitbringen. Aber alles andere, Aufopferung der Kinder für die eigenen Eltern, das sehe ich persönlich nicht. Und würde es nicht zulassen wollen. So zumindest meine Meinung zum jetzigen Erfahrungsstand.

Nun, über 20 Jahre vor der Rente hab ich noch leicht Reden. Aber es sind Gedanken, die man sich ruhig einmal machen darf, wenn man Kinder in diese Welt setzen möchte. Wer kann heute schon mit Gewissheit sagen, was einmal sein wird? Das wäre wohl zu einfach. Es ist und bleibt spannend, gerade in den heutigen Zeiten! Lasst uns einfach so viel wie möglich tun, damit Träume wahr werden. Auch die eigenen. Und das dürfen auch Träume von einem ruhigen Leben mit eigenen Kindern und Enkelkindern sein. Ohne Verpflichtungen, Schuldgefühle und übergroßem Verantwortungsgefühl. Einfach nur mit Liebe, Respekt und Anerkennung dessen, was geleistet wurde und wird.

 

 

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Am Strand des Lebens und des Todes

Fußspuren am Strand, im Hintergrund das Meer und der Himmel

Fußspuren am Omaha Beach in der Normandie (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Ich laufe über den Strand, ziehe Schuhe und Strümpfe aus und laufe mit meinen nackten Füßen durch die Wasserstellen, welche das Meer zurückgelassenen hat. Das Wasser ist so kalt an diesem Tag Anfang Juni. Und der Wind peitscht mir den erneut eingesetzten Regen gegen meinen Körper. Meine hochgekrempelte Jeans ist binnen Sekunden völlig durchnässt und ich halte mir mühsam die Kapuze meiner Regenjacke fest über den Kopf gezogen und laufe, laufe bis nach vorne zu den Wellen des Atlantiks. Ich sehe den zwei Surfern zu, die den Wind ausnutzen und bin traurig, weil ich kein Foto von diesen Wellen machen kann, denn der Regen würde in genau diesem Moment mein Handy komplett hinweg spülen. Und der Wind weht den Regen gegen meine Brille, bis ich fast nichts mehr sehen kann. So viel Wasser von oben, von der Seite und von unten. Es ist einer der schönsten Momente, den ich mit mir ganz alleine seit langem verbringen darf. Ich bin unendlich glücklich in diesem einen Augenblick, ich spüre die Großartigkeit des Lebens, höre dem Wind zu und dem Rauschen der tosenden Wellen. Meeresrauschen! Freiheit! So wunderbar frei wie die Möwen über mir fühle ich mich jetzt gerade. Das hier ist mein Leben und gerade kann ich nicht anders als es einfach nur lieben.

Der Blick zurück

Und ich stehe an diesem Strand, wo vor genau 73 Jahren tausende meist sehr junger Männer gestorben sind. Und nicht nur an diesem Tag, sondern noch Wochen und Monate darauf. Bis heute gibt es so viel Leid und Elend, gibt es den sinnlosen Tod durch zu viele Kriege auf dieser Welt. Und hier stehe ich und versuche, das Leid und Chaos in meinem eigenen kleinen, bescheidenen Leben möglichst klein zu halten. Und da sind immer wieder all diese überwältigenden Gefühle. Sie kommen über mich wie die Wellen des Meeres über den Strand. Das macht mich oft hilflos und traurig. So traurig vor allem auch dann, wenn ich an all die Menschen denke, die nicht nur im Zweiten Weltkrieg ihr Leben verloren, ihre Träume, ihre Hoffnungen, sondern lange davor und es heute noch tun. Wie gut wir es doch haben, unglaublich gut. Und ich stehe hier, durchnässt und mit den Füßen im Sand versinkend und bin selber ganz klein und unbedeutend in Anbetracht der gewaltigen Geschichte dieses Ortes.

Der Blick nach vorn

Immer wieder wechseln sich Regen und Sonne an diesem Tag ab. Aber nach diesem starken Regenguss am Meer kommt mir alles ganz warm vor und die immer wiederkehrenden Sonnenstrahlen wärmen mich. Auch der Wind erscheint mir nun ganz warm und trocknet zumindest teilweise meine Hose. Ich setze mich ins Café und trinke chocolat chaud und bin dankbar. Einfach nur dankbar! Es wird schon alles gut werden, ich werde den passenden Weg finden und ihn gehen. Wir werden ihn gehen. Daran will ich einfach glauben.

 

Herbstzeit – Abschiedszeit

Ein schöner Herbsttag wie man ihn sich wünscht. Die Sonne scheint auf die buntverfärbten Blätter. Sie  erleuchten in Gelb und Rot und Orange. Ihre Farben erscheinen mir in diesem Jahr besonders intensiv zu sein. Nicht mehr lange, dann werden alle zu Boden gefallen sein.

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Was auf dem Bild nur rosa daher kommt, leuchtet derzeit in einem strahlenden Rot: einer unserer Rotahornbäume

Und mit den fallenden Blätter neigt sich auch  dieses Jahr seinem Ende entgegen. Der viel zu erwachsenen Mensch fragt sich, „Wo ist das Jahr hin? Schon wieder Herbst, schon wieder Halloween (kann wech!), schon wieder Laternenbasteln, schon wieder das Weihnachtsfest vorbereiten. Habe ich nicht letzte Woche erst überlegt, was die Kinder in diesem Jahr Sinnvolles an Geschenken bekommen könnten? Haben wir nicht vorgestern erst Plätzchen gebacken? Habe ich nicht eben erst den Weihnachtsbaum geschmückt?“

Das geht mir alles viel zu schnell. Und in jedem Jahr schneller.

Ich schaue zurück auf dieses Jahr, in dem so viel passiert ist. Erinnere mich an mein ausgebranntes Selbst, an den nahenden und schließlich erfolgten totalen Zusammenbruch. Komplette körperliche und psychische Erschöpfung, als Mutter zweier kleiner Kinder. Auf dem Weg zur langsamen Genesung dann die Diagnose „Akute Leukämie“ bei meinem Papa. Ich hatte so etwas zu genau diesem Zeitpunkt geahnt und finde dieses bis heute irgendwie unheimlich. Dann der Abschied von ihm, meine Stunden an seinem Sterbebett. Das ist wirklich passiert, mitten im Sommer und zu einer Zeit, wo es mir zum ersten Mal seit langem endlich wieder besser ging.

In diesem Jahr – so schien es mir – fiel mir der Abschied vom warmen Sommer besonders schwer. Vielleicht, weil ich ihn zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder wirklich wahr genommen habe und er nicht nur so eben an mir vorbeirauschte, weil ich endlich wieder bereit war, etwas davon zu spüren, was den Sommer ausmachen kann. Weil ich mich trotz oder gerade wegen Krankheit und Tod um mich herum endlich wieder auf das Leben einlassen konnte. Leben! Den Moment im Hier und Jetzt genießen. Ich hatte es fast verlernt. Die lauen Sommerabende, ein paar habe ich erlebt. Nicht wie früher, zu Zeiten der Unbeschwertheit, aber endlich wieder einen Hauch davon, eine ganz neue Ahnung, wie schön das Leben eigentlich doch ist.

Nicht zuletzt hat dabei geholfen, dass meine Kinder jetzt ein Alter erreicht haben, bei dem mir mal 5 Minuten in meiner Hängematte bleiben. Auch das gab mir ein Stück dieses Gefühls zurück.

Herbstzeit ist Abschiedszeit. Aber auch Erinnerungszeit. Erinnerungen an den ein oder anderen, lange zurückliegenden Herbst. Das ist mehr ein Gefühl. Man stellt da so rein emotionale Verbindungen her und kann gar nichts dagegen machen. Aber auch das fühlt sich in diesem Jahr irgendwie anders an.

Die Natur verabschiedet sich in die Winterpause. Ich schaue auf die schöne Natur vor meinem Fenster und denke und denke. Ich nehme Abschied und freue mich gleichzeitig auf den Neubeginn. Ich habe wieder zu mehr Gelassenheit gefunden, auch wenn manche Probleme geblieben sind. Die Me-Time ist nach wie vor eng bemessen (und somit auch meine Beiträge in diesem Blog, obwohl es an Ideen nicht mangelt). Der „Feierabend“, wenn die Kinder endlich schlafen, beginnt allzu oft erst um 21:30h. Selten früher, manchmal später. Und die Nächte sind durch KindNr. 2 gerade wieder antrengender. Man wird nachts mehrere Stunden von ihr wach gehalten oder die Nacht endet auch an Tagen, wo man 7 Uhr als Ausschlafzeit ins Auge gefasst hat, bereits wieder um kurz nach 5. (Nach der unnötigen Zeitumstellung dann also noch etwas früher!). So ist das eben!

Und ich denke an all die Momente, in denen mir mein Papa in den letzten 4 Monaten, die seit seinem Tod vergangen sind, dennoch begegnet ist. Ich habe ihn gesehen, ich habe seine Stimme gehört – in meinem Träumen, immer wieder. Ich vermisse ihn so! Es hat immer wieder Wochen und Monate der Funkstille zwischen uns gegeben, weil wir beide nicht gerade die Gerne-Telefonierer sind, und weil die Entfernung oft viel zu weit war, meine Kinder damals noch zu klein für das ewige Hin- und Hergefahre, oder ich zu beschäftigt. Wie blöd war das, im Nachhinein betrachtet.

Und manchmal bedeutet so ein Herbst auch Abschied nehmen von einer Liebe. Etwas, was nicht sein sollte, nur kurz erlebt werden durfte, und dies noch nicht einmal in voller Bandbreite – und nun durch einen ganz amtlichen Schritt für immer beendet wird. Ich bleibe bei der Diagnose „Torschlusspanik“ für den werten Herren und wünsche ihm viel Erfolg in seiner selbstgewählten Regierungs-Abhängigkeit. Mein innnerer Kampf hingegen wird vermutlich noch ein wenig vor sich hin schwelen. Die Feuerwehr war da bisher nicht gründlich genug, arbeitet aber hart an der Schadensminimierung.

Aber bei allem Abschied hat mir dieses Jahr auch etwas Neues gebracht. Die Erkenntnis, dass ich vielleicht doch singen kann, zumindest ein bißchen. Ich habe da etwas für mich gefunden, vielleicht. Das Singen ist auch noch mit besonderen Menschen verbunden. Der Seele tut das gut. Zumindest vorerst. Mein Papa hat auch gesungen, immer. Das war sein Hobby. Ein Mal in der Woche zum Singen und hier und da ein Sängerfest, ein Auftritt. Das ist schon merkwürdig, dass ich es ihm kurz nach seinem Tod gleich mache. Wie gerne würde ich ihm davon erzählen, „Papa, ich singe jetzt auch im Chor!“ Aber vielleicht weiß er es ja. Und ja, er wäre stolz auf mich! Auch darauf!

So geht auch dieses Jahr zu Ende. Bald spiele ich wieder Adventskonzerte in den Kirchen. Immer schneller dreht sich das Rad, immer schneller kommen die Immer-wieder-gleichen Dinge. Immer größer werden die Kinder und immer älter ihre Eltern. Es ist das Leben, zu dem auch der Abschied gehört. Immer wieder auf’s Neue!

„Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“

(aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse)

 

Alter schützt vor Torheit nicht – ein Liebesdrama in mehreren Akten

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Bildrechte: Dieverlorenenschuhe

Sie hat die magische 40 längst überschritten, auch wenn sie sich vom Kopf her nicht so alt fühlt. In den Augen vieler ist sie es sicherlich. Kinder und Jugendliche werden sie als solch eine alte Frau wahrnehmen, wie sie selber in jungen Jahren die Ü30- oder Ü40-Leute um sich herum wahrgenommen hat. Alt und die beste Zeit hinter-sich-habend.

Doch jetzt kommt es ihr fast so vor, als sei sie wieder 20. Wenn überhaupt. Wann hatte sie dieses Gefühl das letzte Mal erlebt? Verliebtheit! Verrückt, in ihrem Alter…  und vor allem in ihrer Lebenssituation. Verheiratet, wenn auch nicht ganz so glücklich wie einst erträumt, zwei Kinder, einen Hauskredit in schwindelerregender Höhe und neuerdings zwei nagelneuen Autos vor der Tür. Verbeamtet ist sie quasi auch. Ein richtig spießiges Leben also. Da fehlt eigentlich nur noch ein Lover, am besten natürlich ein U30. Man gönnt sich ja sonst nichts…

Frau wird doch wohl noch träumen dürfen

Nur wenige Wochen ist es her, als sie nach ihrem Burn-Out-Zusammenbruch erkannte, dass das Leben eben doch zu kurz ist, um alles auf später oder auf ein Nimmer-Wiedersehen zu verschieben. Sie hat nach wie vor Wünsche. Und ja, sie hat nach wie vor Bedürfnisse. Jahrelang hatte sie sich quasi nicht mehr selbst gespürt. Lange Zeit hatte sie das, was sie ausmachte, total verdrängt. Schon immer ein eher nachdenklicher, tiefsinniger und melancholischer Mensch, hatte sie doch auch immer das Leben geliebt, ja, geliebt, gefeiert und getanzt. Und mehr als ein Mal zu oft ihr Herz verschenkt. Verliebt, so oft verliebt, immer auf der Suche nach Liebe und Gesehen-werden um ihrer selbst Willen, das hatte sie sich gewünscht, und so ein ums andere Mal ihr Herz an den Falschen vergeben.

Und von dem einen, da kam sie auch ewig lange nicht mehr richtig los. Sie waren fast 5 Jahre ein Paar. Er sah sie auf einer Party und liebte ihr Lächeln (damals noch mit zahnspangenbegradigten Zähnen, was sich im Laufe der Jahre wieder gegeben hat). Sie wollte nichts von ihm. Sie war gerade noch in einen anderen Typen verknallt, der sich im alkoholisierten Zustand gerne nach Hause fahren und verführen ließ.

Doch die Wochen in diesem denkwürdigen Herbst vergingen und mit der Vehemenz dieses Verehrers kam die Liebe. Er sah sie – zumindest damals. Stürmische 1 1/2 Jahre folgten, aber nach ihrem Umzug in ihren Studienort kam die Ernüchterung. Die Wochenendbeziehung bröckelte, ihr mangelndes Selbstbewusstsein und ihre Eifersucht ließen ihn kapitulieren. Er suchte sich eine andere und machte selber offiziell nicht Schluss. Dafür musste sie schon seine Mutter anrufen. Dieser Feigling.

Single sein und genießen?

Das konnte sie damals noch nicht so gut, einfach alleine auch glücklich sein. Sie brauchte immer jemanden. Heute wünscht sie sich oft, ungebunden zu sein. Damals aber kam ein knappes Jahr nach dieser großen Enttäuschung ihr Mann in ihr Leben. Sie lernte ihn zufällig über das Internet kennen. 15 Jahre ist das her. Es war für sie nie die große Liebe aus dem Märchenbuch. Und dazu fühlte sie sich auch nicht mehr im Stande. Es sollte etwas sein, was Sicherheit gab nach all den Enttäuschungen zuvor.

Verliebtsein, Liebeskummer, jemanden vermissen, sich so sehr wünschen, mit diesem jemand zusammen zu sein, sei es körperlich wie auch das Leben mit ihm zu teilen, diese Gefühle kannte sie schon lange nicht mehr. Und jetzt überwältigt es sie. Sie hofft, es dauert nur kurz. Immerhin ist sie erwachsen, eine Frau in der Mitte ihres Lebens. Da gehört sich so etwas nicht mehr! Da geht man anders damit um als damals, als man noch hormongesteuert und mit Bauchgefühl durch die Gegend stolperte. Heute stellt man sich doch der Realität, dass sich nach einer langen Beziehung mit vielen Up’s and Down’s eben nicht mehr immer Schmetterlinge im Bauch befinden.

Vielleicht ist es einfach der Wunsch, noch einmal wieder gesehen zu werden. Sie möchte endlich einmal wieder angenommen werden wie sie ist, ohne ständig für jede Kleinigkeit kritisiert zu werden. Sie kann das  Gemeckere oft einfach nicht mehr hören. Und dieses Gefühl, immer an jedem noch so kleinem Sch*** Schuld zu sein, die Schuld zugeschoben zu bekommen, möchte sie einfach endlich ablegen. Immer sie, nie der andere! Auf Dauer und unter dem Stress des alltäglichen Lebens ist das einfach nur zermürbend.

Träumen für  Fortgeschrittene

Mit ihm, so ist sie sich sicher, gäbe es das nicht. Nicht HEUTE, nicht nach all den Lektionen, die sie in den vergangenen Jahren gelernt hat. Und vorher? Sie weiß es nicht. Es ist müßig, darüber nachzudenken, „was wäre gewesen, wenn…“ oder „was könnte sein, wenn…“. Sie weiß nur, dass sie nicht aufhören kann, an die gemeinsame Zeit zu denken. Sie sollte sich zwingen dazu, aber es geht nicht. Sie hat die Freiheit gespürt und das glückliche Leben erahnt. Sie möchte noch nicht so schnell aus diesem Traum erwachen!

Diese „Liebesgeschichte“ hat  eine längere Vorgeschichte. Und deswegen kann sich diese einer gewissen Tragik nicht verwehren. Sie hat nicht einfach jemanden neues kennengelernt. Er war schon lange da. Auch hat sie ihn in all den Jahren nicht übersehen, sondern ihre Gefühle für ihn regelmäßig verdrängt, gar unterdrückt. Zur Seite geschoben und sich gesagt, „is‘ halt Pech, vielleicht im nächsten Leben. Ihr hattet Eure Chance – oder eben auch nicht“. Zumindest hatte sie nie jemand von beiden genutzt. Wieso also dann jetzt all das? Wieso kommt er erst jetzt mit dieser Deutlichkeit „um die Ecke“? Das hätte er doch damals schon tun können. Zum Beispiel vor 7 Jahren während dieser anderen großen Dienstreise, bei der sie beide dabei gewesen sind. Was soll das also nun, zu einem Zeitpunkt, wo keine andere Entscheidung mehr möglich zu sein scheint?!

Happy Ending… gibt es nur im Film

Und sie vermutet es ganz stark: wenn auch er tatsächlich all die Jahre etwas für sie empfunden hat, und dieses Gefühl jetzt – aus welchen Gründen auch immer – weiteren Nährboden erhielt, dann kann das nur Torschlußpanik sein! Ja, so nennt man das, wenn ein Mann im Begriff ist, einen nicht mehr rückgängig zu machenden Schritt zu tun. Ebenfalls in der Lebensmitte, kurz vor der 40. Ein magisches Alter. The Point Of No Return!

Er hat das Haus für die andere gebaut. Er wird vielleicht auch noch einen Baum pflanzen. Und in nicht allzu ferner Zeit wird er wissen, ob er dieses Zimmer in Rosa oder doch Himmelblau streichen soll (die Autorin empfiehlt im übrigen ein neutrales Gelb oder Beige!). Endgültig zu spät. Sie schüttelt den Kopf. Wieso macht sie sich überhaupt Gedanken darüber? Jetzt ist es nun einmal zu spät. Wenn man nicht zu den total Mutigen gehört. Die gibt es auch. Die setzen tatsächlich alles aufs Spiel, wenn die Gefühle sie übermannen. Die Feiglinge erstarren und harren aus in der Situation, in der sie sich schon so lange befinden. Sie gehört nicht zu den Mutigen. Er auch nicht.

Das Heute – auch immer eine Reise in die eigene Vergangenheit

Sie denkt an all das, was war und an alle, die da waren, und an ihre Gefühlsduseleien von damals. Sie denkt an die kurzen Ausflüge, die andere in ihr Herz machten. Irgendwelche bekloppten Musiker in irgend welchen Orchestern. Der norwegische Klarinettist gefolgt vom norwegischen Schlagzeuger. Die Norweger haben eben etwas magisches an sich, sie strahlen so viel Ruhe und Gelassenheit aus, findet sie. Dazwischen der Dirigierstudent aus W. Nie wieder kann sie Le Sacre du Printemps oder den ersten Teil der Filmmusik zu Harry Potter hören, ohne wehmütig an ihn zu denken. All das war nur einseitig. Vergessen hat sie es trotzdem nicht.

Das hier ist nicht neu. Das war doch so ähnlich alles schon mal da, denkt sie. Nur dieses Mal betrifft es sie wirklich. Irgendwann im Leben kann man nicht mehr so oft neu anfangen. Irgendwann ist es eben alles vorbei. Er berührt eben etwas in ihr. Das war irgendwie schon immer so, und sie kann sich nicht erklären, woher das kommt. Einfach da, einfach schön. Sie hatten eine schöne Zeit. Harmlos fing sie an, so wie immer. Miteinander verbrachte Zeit. Nicht im Traum hätte sie daran gedacht, dass er dieses Mal mehr daraus entstehen lassen würde. Jetzt ist es so. Sie hat vom Kuchen gekostet, sich erinnert, dass da in ihrem Herzen schon immer so viel Platz für ihn war.

Sie siniert darüber, was sie hätte haben können. Immer wieder hatte sie es geahnt, die ganzen vielen Jahre über. Jetzt hat sie für sich persönlich die Gewissheit geschaffen. Und diese Gewissheit hat etwas schmerzliches. Ein Zurück, ein nachträgliches Zurechtrücken des eigenen Lebensweges käme einem schweren Erdbeben gleich. Und doch träumt sie sich manchmal in diese Möglichkeiten hinein, ganz still und heimlich. Andere tun es doch auch. Und sie denkt an ihre Freundin gleichen Alters. Ihr Lover ist wirklich nur ganz knapp U30, und darf man einem solchen Mann den eigenen Kinderwunsch verwehren, wenn Frau eigentlich schon eher aus dem Alter heraus ist? Und wie verrückt ist das denn? Wie kann sie überhaupt nur einen Moment an so etwas denken?

Es sind nur die Hormone, sagt sie sich, und die Sehnsucht nach etwas, was sie eigentlich schon seit ihrer Trennung von diesem Ex bewegt. Mehr als 15 Jahre hat sie gebraucht, um ihn gänzlich loszulassen. Die Sehnsucht nach etwas, das man nicht (mehr) haben kann. Da ist irgend etwas, was nur schwer zu erklären ist. Es hat etwas von Schicksal. Fate – wie man im Englischen sagen würde. Negativ besetztes Schicksal. Und sie denkt hin und her, aber sie findet keine Lösung. Sie merkt nur, dass es weh tut, und das sie immer noch mehr will, aber auch, dass sie zur Ruhe kommen kann, wenn sie sich nur genug Mühe gibt. Ein Teil von ihr ist noch dort, in diesem großen Land. Doch nach und nach kehrt sie zurück in ihre Alltagspersönlichkeit, beladen mit Frust und Resignation.

„Ein Liebhaber muss her, eine schöne Affaire, um sich etwas abzulenken“, dachte sie also vor ein paar Wochen. Das Universum erhörte ihren Wunsch, verhörte sich dabei und lässt sie nun am langen Arm zappeln. „Dann eben nicht! Werde ich eben ohne Lover alt und faltig und komplett unansehnlich. Schwelge ich weiter in Erinnerungen an längst vergangene Zeiten“.

Das Leben ist eben kein Wunschkonzert!

 

A lovestory it could have been

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Bildrechte: Dieverlorenenschuhe

Das Leben schreibt verrückte Geschichten, manche kann man sich nicht ausdenken und manche stellt man sich einfach vor. Was wäre gewesen, wenn…

 

„Was will der Idiot von mir?“, dachte sie über ihren neuen Kollegen. So ein Kotzbrocken, ein Angeber, ein Schwätzer, ein Arschloch… .  Das war vor fast 10 Jahren.

„Ich heirate in Kürze!“ Hatte sie ihm das damals gesagt, als er neu bei ihnen war und er sie auf der Party so blöd anmachte, immer diese Sprüche in ihre Richtung? Sie weiß das nicht mehr so genau. Vielleicht hatte es ihm auch jemand anderes gesagt.

Wann hatte das Blatt sich gedreht? An welchem Punkt hatte sie angenfangen, ihn zu mögen, sich ein paar Jahre später gar über den Icq-Chat mit ihm zu unterhalten? Einer ihrer Lieblingskollegen. Nein, DER Lieblingskollege, das war er ab einem bestimmten Zeitpunkt. Mit phasenweisen Ausnahmen, immer dann, wenn er wieder zu viele blöde Sprüche in ihre Richtung ab ließ. Aber sie verstanden sich doch, saßen eine Zeitlang nebeneinander, spielten ihre Instrumente. Das funktionierte gut. Er war gut und irgendwie waren sie sich ähnlich. Und die Sprüche eines anderen Kollegen, das ist schon Jahre her, aber sie weiß es noch, „Ihr habt doch bestimmt irgendwann was miteinander!“ oder so ähnlich. Das war Quatsch, denn das hatten sie nie.

Sie bekam mit, dass er jetzt eine Freundin hatte. Wieso fühlte sich das für sie so komisch an? Sie schob das Gefühl schnell beseite, doch es tauchte immer wieder auf, wenn sie beide zusammen sah, sogar, wenn sie erwähnt wurde.

Auch wenn er ihr durch seine Launenhaftigkeit negativ auffiel und durch seine Dummschwätzerei, so konnte sie es doch gut: hinter die Fassade blicken. Ein intelligenter Mensch, für den sie ihn hielt, der verhält sich nicht einfach nur so. Es hat einen tieferen Grund. Aber sie sah auch die vielen kleinen „Versprechen“, die er dann doch nie wahr machte. Und dass sie sich nie sicher sein konnte, was er wirklich über sie dachte oder wie er gar über sie sprach, wenn sie nicht dabei war.

Vor vielen Jahren im Chat kamen sie irgendwann mal drauf, dass es mit ihnen vielleicht was hätte werden können, also auch von seiner Seite aus. Danach sprachen sie nie wieder davon.

„Ich möchte einfach nur, dass es Dir gut geht. Wenn es Dir gut geht, geht es mir auch gut!“ Das war auf der letzten Flugreise, damals im Herbst. Das hatte er wirklich gesagt.

Sie aber träumte. Keine Tagträume, aber die Träume, welche so real wirken konnten, kamen immer wieder des Nachts bei ihr zu Besuch. Dagegen konnte sie gar nichts machen, aber für einen kurzen Moment hatten diese Träume die Macht, sie zu verwirren. Und in den Momenten, wo sie sich trotz Ehemann und irgendwann auch trotz ihrer Kinder so verdammt einsam und unverstanden fühlte und sich endlich mal wieder nach Liebe und Bestätigung sehnte, nach jemandem, der sich wirklich für sie interessierte und ihr zuhörte, da fiel ihr immer niemand ein – außer er. Wenn nochmal irgendwer anderes, dann er. Jemand anderes, der diese diffuse (!) Anziehungskraft auf sie ausübte, lief ihr einfach nicht über den Weg. Doch, da waren mal welche, aber die waren ja noch weiter weg. Das war alles noch viel länger her. Und jemand neues erschien ihr nur in ihren Träumen, gewollt oder unbewußt. Die waren nicht real. Mit denen konnte man nicht sprechen oder sie gar anfassen.

Keiner da

Sie hatte es nicht kommen sehen. Sie hatte das Gefühlschaos nicht erkannt, bevor es nicht direkt vor ihr stand. Was war bloß geschehen? „1000 Mal berührt…“, dachte sie. Er war einfach da. Zum Essen gehen, in der Pause zum chillen, zum Spazieren gehen, zum Einkaufen. Essen, Kino, gemeinsam durch die unbekannte Stadt laufen, die immer vertrauter wurde. So wie sie beide. Komisch war das. Sie hatten einfach eine gute Zeit. Erst die Bilderrätsel, dann die ersten kleinen Bemerkungen. Und wie er öfter auf sie wartete, damit sie wieder gemeinsam gehen oder die Pausen miteinander verbringen konnten. Es war nicht unüblich, sie hatten das bestimmt schon öfter zuvor getan. Gerade auf längeren Touren wurden sie gerne zu einer Art Verbündeter. Verbündete gegen den Trubel und den Dummschwatz der anderen.

Aber wann hatte es bei ihm begonnen? War das erst hier geschehen oder schon vor längerer Zeit? Wieso aber war er ausgerechnet jetzt bereit, einen Schritt weiter zu gehen und nicht schon (lange) zuvor? „Es ist angenehm mit Dir!“ Ja, das konnte sie nachempfinden, das fand sie genau so. Ob beim Sich-Unterhalten oder auch Nebeneinander-Schweigen, es war immer schön irgendwie. Aber das war auch kein Alltag, sondern Dienst gepaart mit ein bißchen Urlaubsfeeling. Gutes Essen und das Meer vor der und den Wind um die Nase.

Und dann, der letzte Abend nahte, und sie war später als er zurück. Es war sehr spät, und sie lief nicht gerne alleine durch die große Stadt. Aber der letzte Bus war schon weg. Und da kam er ihr entgegen. Sie war fast am Ziel, aber er lief ihr entgegen. Sie erkannte ihn schon von weitem. Sie erkannt ihn an seinem Gang und sie erkannte ihn, weil sie nur ein paar Straßen zuvor diesen verrückten Gedanken gehabt hatte: „Was, wenn er mir jetzt entgegenliefe, damit ich nicht alleine mitten in der Nacht durch die Stadt rennen muss? Aber das geht nicht, er weiß ja gar nicht, wo ich lang gehe!“

Aber da war er, und eigentlich hätte sie jetzt etwas sagen müssen, etwas richtig liebes. Seine Hände nehmen und verstehen müssen, denn in dem Moment war es doch klar. Aber sie wollte nicht verstehen. Seit Tagen hatte sie gegrübelt und es nicht geglaubt. Warum auch? Jetzt, nach so langer Zeit? Und sie konnte jetzt nicht bleiben, verwirrt, irritiert, sie wußte einfach nicht, wie sie sich jetzt verhalten sollte. Das Herz sagte ja, und die Angst sagte nein.

Unter anderen Umständen und/ oder vor langer Zeit, da wären sie ein gutes Team geworden. Das hatte sie schon lange irgendwie gespürt, aber sie war sich nicht sicher gewesen, ob er das nur annährend auch so empfand. Doch, sie werden ein gutes Team sein, gemeinsam nebeneinander an ihren Instrumenten. Sie werden hoffentlich für lange Zeit nicht nur gute Kollegen, sondern auch Freunde sein. Mehr geht nicht mehr, dafür ist es längst zu spät!

(„Es ist nie zu spät!“)
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Bildrechte: Dieverlorenenschuhe

Aber für einen kurzen Moment durfte sie erahnen, wie es hätte sein können. Für einen kurzen Moment hat sie die Tränen um den Verlust in ihrer Familie mit den Tränen um den Verlust dieser Möglichkeit getauscht. Aber da ist auch diese Dankbarkeit, dass es doch noch geht, woran sie nicht mehr geglaubt hatte. Das sie dieses Gefühl noch einmal kurz spüren durfte, nur für zwei Tage. Dieses Gefühl, dass da doch noch mal jemand sein könnte, der sich für sie interessiert und sie annimmt, wie sie ist und sie versucht zu verstehen. Und sie einfach nur mal halten kann. Und bei dem sie sich ganz hingeben könnte… Das tat so gut! In diesem Moment.

Und das sie – und vielleicht auch er – sich am Ende noch einmal alles schönreden. Dass es ja doch nie hätte funktionieren können, in der Praxis. Das ist alles nur Makulatur. Und sie fragt sich, ob er das aushalten kann, wenn er jetzt so viel mehr über sie erfährt. Und sie fragt sich, ob sie es aushalten kann, dass sie ihn hergibt, diesen Traum. Und dass sie niemals weiter denken darf, das verbietet sie sich, dass sie und er es niemals wagen würden, das aufgebaute aufzugeben. So verrückt sind sie dann doch nicht. Dafür ist sie zu sehr ein Mensch der Beständigkeit und dafür denkt sie zu sehr an das Glück der anderen statt an ihr eigenes… .

Aber es hat etwas verändert. Was genau? Es wird sich vielleicht zurückverändern können, mit der Zeit. Ja, ganz bestimmt!

Und ein paar Tage nach ihrer Rückkehr kneift sie sich und denkt, was für ein schöner Traum. Das ist alles gar nicht wirklich gewesen, das war alles nur geträumt!

A lovestory it could have been

under other circumstances

 

 

 

Wie viele Kinderl hätten’s denn gerne?

Manche wissen schon früh, was sie wollen: viele Kinder müssen einst her – wenn es dann einmal soweit sein sollte, es also passt mit Partner, Karriere, Heim etc. Manchmal kommt es dann doch anders als man dachte. Plötzlich sind es mehr – oder weniger – (oder vielleicht auch gar keine Kinder) als ursprünglich geplant! Vielleicht ist auch der Zeitpunkt ein ganz anderer. Und manchmal hilft alles Planen nichts, denn es kommt doch anders als man denkt!

Schon so mancher hat mit einem Kinderwunsch von zwei oder gar drei „Gören“ nach dem Erstgeborenen das Handtuch geworfen. Oder ist dann erst richtig auf den Geschmack gekommen, obwohl es immer nur eines sein sollte!

Zwei – habe ich früher jedenfalls gerne behauptet. Wir selber sind auch 2, also mein Bruder und ich. Und natürlich kannte ich einige andere Familien mit zwei Kindern. Wobei es in meinem kindlichen Umfeld doch auch einige mit 3 oder mehr gab. Häufig kam das Dritte gerne ein paar Jahre später, als kleiner Nachzügler. Natürlich gab es auch Ein-Kind-Familien. So richtig kinderreiche Familien, für mich ab 4 Kindern, habe ich in meinem Umfeld schon als Kind selten erlebt.

Für mich stand jedenfalls immer fest: Kinder gehören zum Leben dazu. Trotzdem habe ich sehr lange gezögert und „es“ dann letztendlich vermutlich deswegen gewagt, weil ich Angst hatte, die Entscheidung später zu bereuen, wenn ich mich gegen ein Leben mit Kindern entschieden hätte. Ich wollte nicht über 40 sein, den Sinn des Lebens vielleicht irgendwann auf dem Weg dorthin verloren und vermissen, was andere haben: ein Kind! Ich wollte wissen wie es ist, wenn man selbst ein Kind ausgetragen und geboren hat und sich mit der Aufgabe konfrontiert sieht, für dieses Wesen nun für lange Zeit die Verantwortung zu haben. Wobei ich das mit der Verantwortung damals vermutlich noch nicht ganz so schwerwiegend betrachtet habe. Denn wie genau dieses Leben mit Kind aussehen und wie das Kind sein würde, das kann man vorher bestenfalls erahnen. Und niemand, der es nicht wirklich selber erlebt hat, dieses Mutter- (und Eltern-)Sein bis in die kleinste Faser der eigenen Existenz, bis in den kleinsten Winkel des eigenen Seins, mit allen schönen, aber eben auch schwierigen Momenten, kann da meiner Meinung nach wirklich mitreden.

In meinem Fall gestaltete sich das Ankommen im Muttersein recht schwierig. Mit einem sehr schlecht schlafenden (am Tage nur unter erhöhtem eigenen Einsatz, und wenn, dann schlief das Baby höchstens für kurze Zeit auf dem Arm ein, beim Stillen oder eben auf dem Körper, sicher aber so gut wie nie abgelegt irgendwo in einem Bettchen oder so), ziemlich viel schreienden Baby, das notorisch unzufrieden zu sein schien, war ich komplett überfordert. Von einem Tag auf den anderen habe ich mich selber aufgeben müssen mit allem, was mir bis dahin so lieb war. Mein Leben, wie ich es bisher kannte, war weg, und zwar komplett. Und darauf war ich so dann doch nicht vorbereitet.

Warum man sich das Kinderkriegen ein weiteres Mal antut…

… und noch einmal und noch einmal?! Oder eben auch nicht!

Obwohl mir mein erstes Kind als Säugling quasi die Hölle auf Erden beschert hat und ich aufgrund des extremen Schlafmangels, den ich mit ihm durchlebte, und das über viele Monate hinweg, völlig an den Rand der Erschöpfung brachte, habe ich mich nur 16 Monate nach seiner Geburt für ein weiteres Kind entschieden. Ich war immer gegen ein Einzelkind. Ein Gedanke, den ich immer doof fand. Außerdem wollte ich unbedingt noch nach dem Jungen (dessen „Outing“ für mich eher einem kleinen Schock gleichkam) noch ein Mädchen, weil ich immer schon ein Mädchen wollte!

Wenn Kind Nr. 1 bereits ein Mädchen gewesen wäre, hätte ich ähnlich gehandelt, mich aber nicht so angestrengt, dass wirklich nur ein Mädchen dabei herauskommen konnte. Gut, der Schuß (haha!) hätte auch nach hinten losgehen könnten, aber ich hatte Glück. Mein Herzenswunsch wurde erfüllt und gut 25 Monate nach Kind Nr. 1 kam meine Tochter zur Welt. Und obwohl auch sie über einen längeren Zeitraum zumindest nachts ein ähnlich bescheidenes Schlafverhalten an den Tag legte, war mit ihr vieles einfacher. Ein genügsames Wenig-Schrei-Baby war geboren, und eine entspannte Mutter die dieses Mal wußte, dass zumindest ein Teil ihres alten Lebens irgendwann (!) wiederkehren würde. Deswegen konnte ich dieses Mal ganz entspannt mein Instrument für ein halbes Jahr komplett zur Seite legen, ohne es zu vermissen. Ich war angekommen im Mutter-Sein!
Dachte ich zumindest… .

Ohne Kind Nr. 2 hätte ich diese Entspanntheit wohl nie erreicht. Dieses Mal konnte ich alles rund ums Baby genießen. Natürlich darf man dabei nicht vergessen, dass noch Kind Nr. 1 zu versorgen war, und das wiederum eine ganz neue Herausforderung darstellte. Ja, es ist mit zwei Kindern gleichzeitig, vor allem wenn sie noch so klein und der Altersabstand so gering ist, wirklich noch mal eine ganz andere Hausnummer! Aber auch hier war ich zuversichtlich, in so manch verzweifeltem Moment sagte ich mir, dass auch das irgendwann anders besser werden würde. Die Erkenntnis, die ich dabei gewonnen habe war allerdings, dass es später sicher nett sein kann, wenn die Kinder nicht so viele Jahre trennen, aber man sich anfangs einen größeren Altersabstand wünschen sollte. Wenn das erste Kind schon selbstständiger ist, wird vieles sicher leichter! Doch ich hatte fast keine Wahl, war ich beim ersten schon 36 und dann beim zweiten 38 Jahre alt. Ich wollte nicht länger warten und war darüber hinaus sowieso überrascht, dass Kind Nr. 2 quasi im zweiten Versuchsmonat bereits entstanden ist.

Und wie geht es nun weiter?

Mit etwas Abstand zu der Geburt des zweiten Kindes – es wird nun bald auch schon 2 Jahre alt und kommt in den Kindergarten – sieht manches anders aus. Ich würde nie wieder einen Altersabstand unter 3 Jahren wählen, und am besten auch früher mit dem Kinderkriegen anfangen (scheiß auf die Karriere! Welche Karriere überhaupt?). Die letzten 2 Jahre waren einfach sau-anstrengend, zumal der Erstgeborene seine kleine Schwester regelrecht foltert, schon immer, ohne dass ich dafür bisher eine Lösung gefunden hätte. Es ist einfach schlimm und sein Verhalten – auch nicht nur bezüglich seiner Schwester – eine echte Belastung für mich und den Familienfrieden geworden! (Aber das ist wohl ein anderes Thema).

Ich sehe mich nun damit konfrontiert, dass auch mein zweites Kind kein süßes kleines Baby mehr ist. Doch, süß ist sie, keine Frage! Aber es geht so schnell, die Kinder werden so schnell groß und die Momente des innigen Kuschelns werden immer weniger. Ich habe schon den Abschied vom Stillen von vor einem Jahr sehr bedauert.

Gerade bei ihr fällt mir dieses Loslassen besonders schwer. Da kommt kein weiteres Kind mehr nach:

  • ich bin zu alt für ein weiteres Kind. Ja, es gibt genug Frauen, die heutzutage auch mit über 40 noch gebären, doch dazu wollte ich nie gehören. Auch wenn schon meine Oma im Jahr 1960 mit 41 sogar noch Zwillinge bekam, bin ich der Meinung, dass man nicht zu spät „Schluss machen sollte“. Es wird nicht weniger anstrengend mit zunehmendem Alter. Und wenn man in Kindergarten oder Schule nicht für die Mutter, sondern eher für die Oma des eigenen Kindes gehalten wird, war es halt doch zu spät.
  • in Anbetracht eines gewünschten größeren Altersabstandes wäre ich also locker 41, sollte ich ein weiteres Mal Mutter werden
  • ich habe einfach keine Kraft mehr, ich bin schon jetzt so erschöpft und komme kaum mit zwei streitenden Kindern klar. Liegt vielleicht auch am Alter, aber auch an unseren beruflichen Situationen und nicht zuletzt an der gespannten Paarbeziehung. Eine weitere Schwangerschaft, die bei mir mit „Hyperemesis deluxe“ (Kotzen bis zum Umfallen) und einer Art Schwangerschaftsdepression über Wochen einhergeht, kann und ich will ich mir und auch meinen zwei bereits vorhandenen Kindern einfach nicht mehr antun. Außerdem hatte ich in der zweiten Schwangerschaft bereits von Anfang an starke Schlafstörungen. Mit zwei Kindern geht das einfach erst recht nicht mehr!
  • Schöne Urlaubsreisen mit 3 Kindern? Finanziell? Utopie… .
  • Auch wenn ich meine Karriere als solche gar nicht mehr bezeichnen möchte, kann ich mir nur schwer vorstellen, noch einmal länger auszusteigen. Zumal ich den frühen Wiedereinstieg inzwischen rückblickend als Belastung empfinde und so nicht noch einmal haben wollen würde. Es ist trotzdem Zeit, dass ich einmal wieder zum Zuge komme und auch an mich denke. Und ich freue mich auf die Zeit, wo so manches vielleicht mit zwei schon etwas älteren Kindern doch leichter von der Hand geht.

Und trotzdem sind da Zweifel, weil da bei einer Entscheidung immer Zweifel sind

„Drei wären doch auch ganz nett!“ Sch*** Natur, so gemein! Gerade fängt man wieder an zu leben, darf auch ab und zu wieder so viel schlafen, dass man die Treppe nicht nur kriechend hinauf kommt (vor Erschöpfung) und hat dann solche Gedanken, sieht kleine Babys und wird traurig. Wie schnell ist sie groß geworden, wie ist das bloß passiert? Mama weiß, in einem Jahr sieht die Welt schon ganz anders aus und das Baby wird aus ihrem Gesicht verschwinden und zurück bleibt ein mit allen Mitteln nach Autonomie strebendes Kind. Und doch macht es so traurig, nie wieder ein eigenes Baby im Bauch oder Arm zu haben, es zu Stillen und so weiter… . Dieses Kapitel des Lebens ist abgeschlossen, unwiederbringlich, für immer!

Aber ich muss den völlig irrationalen Gedanken beiseite schieben, denn die Liste dessen, was für ein weiteres Kind spräche, ist äußert kurz:

  • Die Gefühle der Verzückung, noch einmal das Wunder erleben
  • die Unterschiede zu sehen. Wie wäre ein Junge im Vergleich zum Erstgeborenen, wie ein Mädchen im Vergleich zu meiner wundervollen süßen Tochter? Alleine das Aussehen eines weiteren Kindes wäre so ungemein spannend zu erfahren
  • Das Haus ist eventuell groß genug, auch wenn ich dann mein eigenes Zimmer abgeben müsste und niemals Platz für ein Au-Pair oder Austauschschüler hätte
  • das geplante Familienauto reicht auch noch für eins mehr

Und wenn ich noch ein paar Jahre jünger wäre und somit noch ein paar Jahr mehr Zeit hätte, mir „das Ganze“ zu überlegen, dann… . Und wenn meine Ehe nicht so krieseln würde… . Aber nein, vorbei ist vorbei. Seien wir einfach mal dankbar und genießen wir, was wir haben und wollen wir nicht immer noch mehr! Auch wenn um mich herum doch mehr Familien als gedacht 3 Kinder beherbergen, muss ich diesen „Trend“ nicht mitmachen.

Fazit

Es wird bestimmt noch eine Weile weh tun, dass nun auch das zweite Kind den Babyschuhen und so bald auch dem Kleinkindalter entwachsen ist. Dieses Loslassen müssen kommt ja auch immer wieder im Leben mit Kindern. Ich habe mich nach ihrer Geburt so vollständig gefühlt. Und doch habe ich immer das Gefühl, dass noch etwas fehlt. Der Gedanke wird nie aufhören. Das große Geschwisterkind meiner beiden musste nach etwa 10 Wochen im Bauch sterben.  Ich werde nie aufhören zu überlegen, welches Geschlecht es hatte, wie es ausgesehen hätte und wie das Leben mit ihm oder ihr gewesen wäre. Und ob es mein geliebtes Kind Nr. 2 dann überhaupt gegeben hätte. Das Leben ist halt so!