Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

Eine unendliche Geschichte: die Vereinbarkeitslüge

Ursprünglich wollte ich meinen Blog auch mit anderen Geschichten füllen, mit Geschichten aus meiner Kindheit oder Gedanken zum Leben allgemein. Aber ich lande immer wieder hier, in der Falle der Vereinbarkeitslüge. Die Unvereinbarkeit meiner eigenen Berufstätigkeit mit meinem Mutterdasein lässt mich nicht los. Und ich jammere, das gebe ich zu, aber manchmal tut es gut, sich alles einfach von der Seele zu tippen.

Wieder einmal habe ich etwas nicht so hinbekommen wie ich sollte (wollte). Okay, so sollte ich nicht denken. Ich weiß inzwischen, was ich in den letzten Jahren alles geleistet habe – vieles ist eben aber meiner Meinung nach auch nicht so gut gelaufen. Ich bin keine Supermom und trotzdem schaffe ich es gleichzeitig nicht, auch noch eine Super-Arbeitnehmerin zu sein. Ich soll (nicht unbedingt gleichzusetzen mit ich möchte) auf 1000 Hochzeiten tanzen, also gleichzeitig, aber schaffe gerade mal eine, zersaust und ungeschminkt (bildlich betrachtet natürlich).

Ich weiß gar nicht, wo ich genau anfangen soll. Eine Woche ist vergangen, und die Enttäuschung über meinen Ausstieg aus einem Ressort, welches mir wirklich Spaß gemacht hat, hat mich anfangs viele Tränen vergießen lassen. Inzwischen bin ich etwas gefasster und sehe es als Chance, aus der Überforderung (zeitlich gesehen) als Mutter zweiter kleiner Kinder wieder etwas herauszukommen. Nicht umsonst hatte letztes Jahr das Burn-Out-Syndrom laut an meine Türe geklopft!

Warum ich immer so leicht verletzbar bin, ist die eine Frage. Wieso ich nicht über den Dingen stehen kann, die andere. Vielleicht, weil es sich zu oft wiederholt hat in meinem Leben, dieses „nicht genügen“, dieses „ausgeschlossen werden“. Ich muss ein so unglaublich unerträglicher Mensch sein, dass ich es langsam selber glaube. Meine Probleme sind von anderen nicht lösbar, das ist mir schon klar. Habe ich aber auch nie erwartet. Für Leute wie diesen Kollegen hier bin ich somit nicht tragbar, weshalb er mich jetzt aus seinem Team geworfen hat, nicht ohne mich spüren zu lassen, wie falsch ich doch mit meinen Ansichten liegen würde und wie wenig es ihn weiterhin interessiert, wenn es mir nicht gut geht, ich mich abstrampele, alles unter einen Hut zu bringen und durch die Überbelastung krank geworden bin. Ich genüge so seinen Ansprüchen nicht, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es andere doch auch schaffen würden.

Wo ist mein Weg?

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Bildrechte: DieverlorenenSchuhe

Ich war letztes Jahr sehr krank, ein paar Mal hat mein Körper mir einfach nicht mehr gehorcht – ich habe nicht mehr funktioniert, was neue Ängste in mir ausgelöst hat. Irgendwann im Frühjahr 2015 habe ich erkannt, dass es so nicht weitergeht und ich mich zugrunde richte, wenn ich die Situation weiterhin ignoriere. Und auch körperliche Beschwerden – welche mich immer begleiten. Die gehen nie ganz weg und kommen immer wieder. Ich hatte teilweise so starke Rückenschmerzen, eine Blockade im Sakralgelenk, nach dem ich viel zu lange einen erneuten Beckenschiefstand nach der Geburt von Kind 2 ignoriert hatte, Blockaden in der Halswirbelsäule, damit verbundenen Kopfschmerzen (das gerade wieder aktuell),  immer wieder Kribbeln in Händen, Füßen, Nasenspitze (seit ein paar Monaten, ganz interessantes Gefühl), Schmerzen in sämtlichen Gelenken, nächtliches Herzrasen, Atemprobleme (das Gefühl, keinen Sauerstoff mehr zu bekommen), Gefühl der extremen Schwäche bis hin zur Hyperventilationstetanie, weil ich mir dabei so langsam Sorgen gemacht habe, wie lange ich das noch überlebe. Und trotzdem hieß es für mich als zweifache Mutter mit Job immer nur: FUNKTIONIEREN!!! Und ich habe funktioniert, und dann eben auch ein paar Mal nicht mehr.

Seit ich vor 1 1/2 Jahren nach 9-monatiger Elternzeit und nun zweifacher Mutter wieder in meinen alten Beruf eingestiegen bin, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass ich das schaffen kann, weil ich es einfach schaffen wollte. Weil mein Frauenbild und meine Ansichten von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau skandinavisch-modern sind. Weil ich stark sein wollte. Aber schon schnell habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Es lief nicht mehr rund.

Ja, vielleicht wollte ich mir selber etwas beweisen, nämlich dass es geht. Um so enttäuschter bin ich jetzt von mir. Es geht nicht! Aber es muss gehen. Ich muss Geld verdienen, zumindest ein gewisses Sümmchen und habe keine Jobalternative. Und ich habe begreifen müssen, dass Mütter (oder auch Väter in gleicher Rolle) vom System nicht aufgefangen werden. Es ist ja auch ganz klar: einerseits sollen wir doch zeigen, was wir alles drauf haben, trotz der Mehrfachbelastung mit (kleinen) Kindern. Wir sollen unsere Gefühle im Griff haben und uns unsere Zerrissenheit und unsere Erschöpfung auf gar keinen Fall anmerken lassen. Das will niemand hören! Wir sind doch nicht alleine auf der Welt, jeder hat irgendetwas. Der eine Kollege hätte jetzt über Nacht einen Pflegefall in der Familie, der anderen starke Rückenschmerzen (bei dem Spruch konnte ich nur noch hysterisch auflachen!) Und andere (männliche!) Kollegen hätten doch auch zwei Kinder. Der Kollege unterstellt mir doch tatsächlich, ich würde nur mich sehen und nie die anderen. Und ich frage mich in meinem von Selbstzweifeln zerfressenen Dasein, was ich bloß ständig alles falsch mache, dass ich so rüberkomme.

Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass ich unter enormem Druck stehend und mit großer Erschöpfung behaftet meine Meinung gesagt hatte. Dieser Kollege erwartet – und das Gefühl habe ich nicht nur in Bezug auf mich – dass alle es so zu machen haben wie er, ungeahnt der Tatsache, wie deren aktuelle Lebenssituation gerade aussieht. Wann man also gerade quasi zu Kreuze kriecht, dann doch bitte mit Überstunden, so wie er. Wenn er aus einigen Musikformationen austritt und seine Solostelle an den Nagel hängt, habe ich doch bitte auch nicht danach zu streben, denn ich bin in seinem Team und da sind die anderen Dinge nicht mehr so wichtig. Es enttäuscht mich so. Und als ich beim Abschied meiner Lieblingskollegin vor dem Orchester unter Tränen gesagt habe, sie dürfe jetzt gehen, aber ich müsse noch hierbleiben, wird mir das sofort als negativ ausgelegt, so etwas könne ich vor den Leuten nicht bringen, als jemand, der das Orchester nach außen vertritt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Mein Fehler, ich wollte das so nicht erscheinen lassen.

Sie haben Gefühle? Behalten Sie diese bitte für sich!

Gefühle zeigen oder über eigene Probleme sprechen ist out. In dieser Gesellschaft ist das nicht gerne gesehen. Du darfst Deine Meinung nicht sagen, Du darfst keine Schwäche zeigen und ganz besonders solltest Du auf die Frage, „Und, wie geht es Dir heute!“ niemals ehrlich antworten, sollte dies negativ sein. Du hast nur noch zu reagieren, aber nicht zu agieren und schon gar nicht zu lamentieren. Wenn Du nicht mithalten kannst, wird Dich niemand mehr auffangen.

Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich auf einem besseren Weg, wollte aber nicht so wie er NOCH mehr Aufgaben außerhalb meines eigentlichen Jobs, der Musikerin, übernehmen, eben weil ich das nicht mehr schaffe. Ohne Kinder ja, mit eben nicht. Und dann sagt er zu mir, ich wolle ja alles! Nein, ich habe längst erkannt, dass ich nicht alles haben kann, aber ich habe vor allem auch eines erkannt und endlich angefangen, danach zu leben: dass ich Prioritäten setzen muss! Und zwar meine eigenen. Nur waren die eben nicht, 100%ig nach seiner Pfeife zu tanzen und jederzeit abrufbereit zu sein und so zu arbeiten, wie er das will. Bei den  Arbeitsbedingungen dort ohnehin ein Witz! Ein Computer für zig Mitarbeiter und so weiter. Ich war froh und dankbar für den Job, es hat mir echt Spaß gemacht, aber ich habe nie vorgegeben, ich würde dafür alles andere stehen und liegen lassen, mein geliebtes Instrument in die Ecke schmeißen und von nun an nichts anderes mehr machen als Presse und Öffentlichkeit durch Texte, Fotos und wat-weiß-ich zu beglücken.

Ich habe so manches mal länger gemacht, damit etwas fertig wurde. Texte für das CD-Booklet, die neue Internetpräsenz, wo am Anfang keiner wußte, wie es aussehen sollte und so weiter. Und zu Hause haben mein damals 3jähriger Sohn und meine gerade einmal 1jährige Tochter (und manchmal auf der Mann) auf mich gewartet. Es ist so unglaublich, dass ich das gemacht habe. Für (fast) nichts!

Und mit den Tränen kamen die Zweifel

Und die Wut, die ich mir vor einer Woche aus den Fingern getippt habe,  weswegen ich jetzt auch die letzten Abschnitte hier so stehen lasse, auch wenn es mir heute wieder etwas besser geht:

Mir fehlt inzwischen die Sinnhaftigkeit hinter meinem Tun, ich stelle das, was ich einst so geliebt habe, immer mehr in Frage. Mit jeder Verschlechterung glaube ich nicht mehr, dass es richtig ist, die Kindheit meiner Kleinen damit zu belasten, dass ich zu belastet bin durch zu viele Hochzeiten, auf denen ich bitteschön zu tanzen habe – tanzen ohne Schlaf und gesundheitlichem Wohlbefinden!

Ich verachte Leute die meinen, sie könnten anderen ihre Lebensweise aufstülpen. Man, ich habe mir für diese Firma den Arsch aufgerissen, ich habe so voll und ganz dahinter gestanden und das auch nach außen hin präsentiert, habe mich über die Leute (und tue es noch) innerlich aufgeregt, denen die „richtige Einstellung“ fehlt und die nichts besser können also mit dem Fallen des Taktstockes das Haus fluchtartig zu verlassen und anderen die Arbeit zu überlassen. Und dann, als ich selber gesundheitsbedingt und belastungsbedingt trotzdem noch mehr gemacht habe als die ein oder andere Nase dort, werde ich in den Arsch getreten und verleumdet.

Meine einstige Dankbarkeit darüber, diesen Job machen zu dürfen, schlägt immer mehr in Resignation um und mündet immer öfter in die Frage: Wozu das alles? Wozu tue ich mir das noch an? Habe ich das wirklich nötig? Wofür? Ich höre kein Dankeschön. Klar, er und noch weiter höhere Vorgesetzte haben meine Arbeit gelobt, meine Texte seien gut gewesen, meine Ideen und so weiter. Aber mir ist inzwischen bewusst geworden, dass meine Kinder – und vielleicht auch ich – sich in 20 Jahren nicht daran erinnern werden, welch tolle Berichterstattungen ich ins Internet geprügelt habe und wie schön ich mein Instrument gespielt habe (haha!), sondern daran, ob ich eine glückliche und zufriedene Mutter mit Geduld und guter Laune gewesen bin.

Und hier bin ich, gefangen, nicht in der Teilzeitfalle, die gibt es bislang bei uns immer noch nicht, aber in der Falle zwischen einst vorgestelltem Lebensweg und der bitteren Realität. Ja, wir Mütter sollen und wollen auch, ebenso wie die Männer, Kinder haben und arbeiten gehen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dabei von uns verlangt wird, was von Männern in gleicher Situation eher nicht erwartet wird: es alles 100%ig zu schaffen, ohne Verluste. Väter gelten nämlich schon als Helden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Mütter haben irgend ein Problem mit der Organisation, wenn sie Beruf, Haushalt und Kinder nicht gemeinsam gewuppt kriegen, sondern das Jammern anfangen. Hurra! Tolle Welt!

Familienfreundlichkeit hoch 0

Alle sprechen von Familienfreundlichkeit und der Vereinbarkeit von Familie & Beruf (den Begriff „Karriere“ lassen wir mal besser in diesem Zusammenhang, das wäre zu hoch gegriffen), doch es gibt Bereiche, in denen wir davon meilenweit entfernt sind und schlimmer noch: uns immer weiter entfernen. In diesem Bereich habe ich meinen Job, den ich bis zu dem Zeitpunkt als ich aus meiner zweiten Elternzeit zurückkehrte, immer sehr geliebt hatte.

Jetzt ist vieles anders, und wird nicht besser. Als Frau mit Kindern mutet die Vereinbarkeit in diesem Bereich geradezu grotesk an. Auch wird es mir immer schwerer gemacht, eine Berufszufriedenheit aufrecht zu halten, wie ich unter anderem hier schon einmal beschrieben habe. Jetzt kommt das nächste Sahnebonbon: Dienstzeiten werden nach vorne verlegt. Statt bisher an „normalen“ Tagen um 8 Uhr an meinem Dienstort sein zu müssen, soll es ab Januar 7:30 Uhr sein. Bei einer reinen Fahrtzeit von fast 30 Minuten und einem Kindergarten, der um 7:00 Uhr öffnet (immerhin!) darf ich also demnächst meine Kinder vor die Tür der KiTa stellen und dann sofort losdüsen. Wie ich es überhaupt schaffen soll, bis dahin zwei Kinder angezogen und glücklich zu hinterlassen, bleibt mir ein unlösbares Rätsel. Es war bisher schon immer knapp mit der Zeit, wie ich kürzlich auch in diesem Text erwähnt habe. Und später da sein und dafür länger machen bzw. dies von der Arbeitszeit abgezogen bekommen, erscheint mir im Moment auch noch nicht so richtig familienfreundlich. Natürlich gibt es auch andere Firmen, in denen es so läuft, aber wieso ein System kaputt machen, welches funktioniert hat?

Und so überlege ich erneut, ob es beruflich nicht so eine Alternative für mich geben könnte, finde sie aber nicht, schon gar nicht für das Gehalt. Weniger arbeiten und weniger verdienen, ok. Aber was soll ich machen? Ich war gerne Musikerin, und was „Vernünftiges“ habe ich nun einmal nicht gelernt. Wovon soll ich im Alter leben? Und möchte ich mich wirklich in dieses traditionelle Rollenmodell pressen lassen, in dem der Mann das Geld ranschafft und ich zu Hause bin (was finanziell nicht geht) und ich lediglich ein bißchen die Haushaltskasse mit aufbessere, im Alter aber aus der Röhre gucke? Und wenn wir uns scheiden lassen oder der Mann verstirbt, dann wird alles nur noch schlimmer.

In diesem Text hier hatte ich bereits von einem Ehepaar mit zwei Kindern geschrieben. Sie machen beide beruflich das gleiche, verdienen das gleiche. Und trotzdem hat der Mann nicht einen Monat Elternzeit genommen. Sie war jedesmal 2 Jahre zu Hause. Auch für sie ist ein vorgezogener Dienstbeginn mit organisatorischen Problemen verknüpft. Denn das erste Kind ist bereits in der Schule (was ja auch in knapp zwei Jahren auf mich zukommt). Mit Eintritt in die Grundschule verschärft sich das Problem der Kinderbetreuung, wenn auch Mutti (!) malochen geht. Beide suchen nach Alternativen, allerdings denke ich, dass sich beide in einem traditionellen Rollemodell sehr wohl fühlen, denn er sagte zu mir, sie kämen finanziell gut klar (die Raten für deren Haus alleine sind vermutlich sehr viel geringer als unsere) und sie könne zu Hause bleiben. Wow! Er geht arbeiten und sie bleibt zu Hause, mit Mitte 30. Bin ich neidisch? Oder einfach nur entsetzt?

Wieso ist in Deutschland nicht möglich, was in Ländern wie Norwegen und Schweden usus ist?

Machen wir uns nichts vor: in der (deutschen) Gesellschaft gelten Kinder immer noch als „Privatvergnügen“. Mit der Mehrfachbelastung muss Frau man halt irgendwie klar kommen, möglichst ohne sich anmerken zu lassen, wie sehr das an

die eigene Substanz gehen kann. Jammern unerwünscht! Ändern wird sich sowieso nichts. Wenn man es nicht schafft oder dabei vor die Hunde geht, ist das eben auch „Privatsache“ und man ist selber Schuld, weil man an der ein oder anderen Stelle die Organisation nicht auf die Reihe kriegt oder wie auch immer. Niemanden interessiert das! Oder schafft Euch halt keine Kinder an, ihr habt es doch vorher gewußt! Gerade in dem Job! (Habe ich glatt  in dem Zusammenhang von einer kinderlosen Kollegin zu hören bekommen!).

Genau. War doch vorher klar, dass sich irgendwann alles nur verschlechtern statt verbessern würde, haha! Wir hätten zumindest damit rechnen und das Kinderkriegen daher sein lassen müssen! Dass wir Eltern – meiner Meinung nach – auch einen Dienst für die Gesellschaft leisten, wenn wir Kinder großziehen, scheint gerne verdrängt zu werden. Vielleicht machen sich die kinderlosen Besserwisser ja mal Gedanken darüber, wer ihnen im Alter den Arsch abwischt oder ihre Rente finanziert.
Mit Sicherheit nicht ihr Dackel oder Schäferhund.

Eltern müssen also wahnsinnig flexibel sein, damit wir die (sich verschlechternden) Jobbedingungen unter einen Hut zaubern können, nur damit sich vor allem für die Kinderlosen nichts ändert. Wer schon viel zu tragen hat, darf gerne noch etwas oben drauf bekommen.

Gemeinschaftliches Tun war gestern

Ich beobachte schon seit Jahren, dass das Leben mit seinem ganzen Drumherum immer mehr zum Einzelkampf wird, gegenseitige Hilfe ist immer weniger zu beobachten. Die Individualisierung der Gesellschaft führt auch bei mir dazu, dass ich keinen Bock mehr habe, mich übermäßig einzubringen. Dank dafür hört man sowieso nie! Auf jeden Fall steht für mich fest, dass es Eltern durch diese Einstellung nicht leichter gemacht wird. Das ganze Dorf, welches die Kinder (mit) groß zieht, ist schon lange  Geschichte!

Ich weiß nicht, was in zwei Jahren sein wird, oder in fünf. Ich plane nicht mehr so viel, versuche aber, immer auch mit dem Schlimmsten zu rechnen bzw. mich nicht allzu sehr festzulegen. Das erhöht die eigene Frustrationstoleranz und die eigene Flexibilität. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, nicht alles kehrt sich immer zum Guten, und so muss man mit allem rechnen und das Best daraus machen. Hoffe ich also, dass mir die Großeltern der Kinder als Einspringer in der Betreuung noch lange erhalten bleiben, nur mal so, um einen der Risikofaktoren zu nennen, die das Kartenhaus schnell zum Einsturz bringen können… .

Das Ende der Fahnenstange ist mit Sicherheit noch nicht erreicht. Na dann, Gute Nacht liebes Deutschland!

 

Warum berufstätige Kinderlose nerven

Ein wenig in Anlehnung an den bei BrigitteMom erschienenen Artikel „Warum berufstätige Mütter nerven“ schreibe ich nun dieses: Mich nerven diese kinderlosen Kollegen, weil sie einfach nicht in der Lage sind, sich unsere Situation als berufstätige Mütter auch nur annähernd vorzustellen. Sie verlangen weiterhin, dass wir nach ihrer „Pfeife tanzen“ und betonen, dass sie ja viel mehr leisten, weil sie gewillt sind, ständig Überstunden zu schieben. Die Armen!

Ausschlaggebend waren die letzten zwei Wochen. Mein Entschluss ist gefasst. Ich bin nicht länger gewillt, alles zu leisten, was man von mir verlangt, ohne dabei auch auf mich selber Rücksicht zu nehmen. Angefangen habe ich damit schon im Frühjahr, als ich wegen starker Erschöpfung sogar krank geschrieben wurde. Doch dies scheint in Kollegenkreisen etwas in Vergessenheit geraten zu sein.

Ich habe mir vorgenommen, nach meinen Prioritäten zu leben und zu arbeiten. Das heißt nicht, dass ich mich „auf die faule Haut“ legen werde. Auch sollte mir kein Egoismus unterstellt werden. Es wird immer noch genug geben, dem ich mich fügen muss, rein arbeitstechnisch. Ich kann mich selbstverständlich nicht allem auf Dauer entziehen. Aber ich weiß, was mir gut tut und was ich will. Und ich erwarte tatsächlich, dreist wie ich bin, Verständnis und Rücksichtnahme von denen, die – in meinen Augen – ein freieres und selbstbestimmteres Leben führen als ich, die ich zwei kleine Kinder zu versorgen habe und trotzdem fast Vollzeit arbeiten gehe, mit halben Nachtschichten und wenig Schlaf.

Doch das Dilemma folgt auf dem Fuße

Gerne würde ich mehr „leisten“, beruflich wie auch privat. Aber es geht nicht, meine Kräfte reichen eben nicht für alles aus. Denn immerhin habe ich nicht nur den Job und eine regelmäßige Erholung von selbigem. Erholung findet bei mir kaum noch statt. Denn nach (oder vor) der Arbeit wartet mein anderer „Job“ auf mich. Und ich stehe diesbezüglich zu meiner Meinung. Kinder sind auch Arbeit! Und es ist anstrengend, Mutter zu sein und ganz nebenher wie von Zauberhand den Haushalt zu organisieren.

Gerne hätte ich bewiesen, was alles in mir steckt, hätte die beruflichen Angebote und Herausforderungen alle angenommen. Aber es geht nicht. Also mache ich hier Abstriche und verzichte, wohl weislich, dass ich daran zugrunde gehen würde und auch meinen Kindern damit nicht gedient wäre.

Auf der einen Seite wollen und sollen wir Mütter uns beweisen. Vorsicht, Sarkasmus: „Bitteschön, sie schafft das doch alles mit Links. Sieht zwar ein wenig müde aus, aber es geht doch, man muss es nur wollen!“

Auf der anderen Seite müssen sehr viele Mütter feststellen: es geht eben nicht! Es sei denn, wir wollen uns dabei umbringen, dann bitteschön… .

All das kennt mein Kollege nicht, dessen Verhalten jetzt ausschlaggebend für meine „Endwut“, wie ich es einmal nennen möchte, war. Er ist alterstechnisch um die fünfzig und kinderlos.

Das ich von Seiten meines Arbeitgebers inzwischen recht beschnitten bin, was die Ausübung meines eigentlichen Berufs, nämlich den der Orchestermusikerin, angeht, habe ich bereits hier versucht zu verdeutlichen. Für mich gehört es zum Berufsbild und Selbstverständnis eines ausübenden Musikers, dass er täglich ein paar Stunden zu üben hat, um sich fit zu halten. Ähnlich wie ein Leistungssportler ohne tägliches Training nicht seine Leistung bringen kann. Ich kann und werde von dieser Einstellung nicht abweichen. Nun bringt es meine Berufsvielfalt wie auch mein Alltag zu Hause mit den Kindern leider mit sich, dass ich inzwischen wesentlich weniger üben kann als ich es von früher her gewohnt war. Und auch die Mittagspause zwischen Proben im Orchester und anderen Tätigkeiten dort darf ich nicht mehr zum Üben nutzen – und mache es in der Regel nicht mehr. Meistens schreibe ich dann. Denn ein weiterer Job von mir liegt im Bereich Pressearbeit, ich bin also nebenbei beim selben Arbeitgeber noch journalistisch tätig. Dies führe ich als Stellvertreterin aus. Mein mir vorgesetzter Kollege ist sehr ehrgeizig und perfektionistisch veranlagt. Das bin ich auch, allerdings habe ich längst begriffen, dass ich als Mutter nicht mehr überall und jederzeit 100 % geben kann. Die Mehrfachbelastung in meinem Leben ist einfach zu groß und es fällt mir schwer, allem gerecht zu werden. Meine Kraft reicht eben nicht für alles aus.

Natürlich ärgert mich das ein Stück weit. Und hier kommen die Prioritäten ins Spiel. Während mein Kollege, ein hervorragender Instrumentalist, von mir nun scheinbar erwartet, dass ich die Prioritäten in seinen Arbeitsbereich Presse setze, weil er das eben auch so tut, sehe ich mich nach wie vor an erster Stelle als Musikerin. Denn ich liebe mein Instrument, das regelmäßige Üben fehlt mir sehr und auch die tolle Musik, die ich früher nebenbei noch gemacht habe. Dieses Instrument ist ein Teil von mir. Fast 2/3 meines bisherigen Lebens habe ich ihm gewidmet, 20 Jahre davon sehr intensiv. Wenn ich als Mutter auch auf so vieles verzichten muss, was mir weitere Freude bereitet hat, so möchte ich, dass wenigstens eines als Konstante in meinem Leben bleibt: mein Instrument!

Inzwischen habe ich sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich während meiner Dienstzeit übe. Als Orchestermusikerin! Und an dem Punkt habe ich mich gefragt: wo bin ich hier eigentlich?

Frau kann eben nicht auf allen Hochzeiten tanzen

Natürlich ist die andere Arbeit auch wichtig. Und das Schreiben macht mir sogar Spaß. Allerdings flutschen die Texte für meinen Arbeitgeber auch nicht mal so eben aus meinen Händen, immerhin muss ich dort eine Menge beachten (und habe im Übrigen ja kein Journalismus-Studium absolviert, sondern Musik studiert).

Vor zwei Wochen, als ich ohnehin schon recht fertig war, wie ich in meinem letzten Blogeintrag berichtete, war es dann soweit und das Fass kam zum Überlaufen. Ich hatte den ganzen Vormittag Probe, nachmittags belagerte mich besagter Kollege. Er erzählte mir von einem Journalismus-Lehrgang, den ich eigentlich statt seiner hätte besuchen sollen, aber wegen des Lehrgangs meines Mannes nicht konnte. Leider, denn die Thematik war sicherlich sehr interessant. So erzählte er mir stundenlang davon. Die nächsten Tage nahmen wir etwas durchaus Wichtiges in Angriff. Ich hatte es etwas vor mir hergeschoben, das gebe ich zu: das Einrichten eines neuen Dienstrechnerzugangs für mich. Vor allem wichtig, um auf Netzwerkordner und das offizielle Mailprogramm zugreifen zu können. Ich muss allerdings dazu sagen, dass es bei uns viel zu wenige Rechner für viel zu viele Leute gibt, die diese für ihre Arbeit mehr oder weniger häufig benötigen. Deshalb schreibe ich auf meinem privaten Laptop, welches ich sinnvollerweise auch überall mit hinnehmen kann. So habe ich ein Homeoffice, sollte es nötig sein oder kann während unserer stundenlangen Busfahrten schreiben, wenn es einmal dringend ist. Sehr praktisch also. Der Kollege machte trotzdem Druck. Ich fühle mich allerdings nicht wohl, wenn ich ständig darauf warten soll, dass für meine Arbeit mal sein Rechner frei wird.

Was für diesen Kollegen noch bezeichnend ist, ist die Tatsache, dass er Gespräche unnötig in die Länge zieht. Er kommt vom Hundertsten ins Tausende, auch wenn es über private Themen geht. Es nervt! Und zwar nicht nur mich. Mit ihm „mal zwischendurch“ ein Gespräch zu beginnen, sollte man sich besser gut überlegen, oder viel Zeit mitbringen.

(Arbeitende) Mütter haben keine Zeit. Ihr Tag ist durchgetaktet.

Viele arbeitende Mütter sind gut organisiert. Sie strukturieren und optimieren ihren Arbeitstag und können in gleicher Zeit häufig mehr leisten als ein kinderloser Arbeitnehmer. Diese Spezies, welche sich nach getaner Arbeit und einigen Überstunden trotzdem noch zu Hause erst mal auf die Couch legen und chillen kann. Ich persönlich hasse es, wenn diese Struktur durch andere ständig gestört und unterbrochen wird. Auch wenn ich Phänomen des Ständig-Unterbrochen-Werdens natürlich von zu Hause her kennen, auf der Arbeit nervt noch mehr, denn hier halte ich es oftmals für völlig unnötig!

Was kann ich dafür, dass in der Chefetage oft so vieles nicht rund läuft? Muss ich dafür gerade stehen, in dem ich bestimmte Gespräche nicht führen kann, weil der Kollege xy mal wieder unsere Verabredung nicht einhält, ihm gerade ein anderes Gespräch (und sei es eher privater Natur) dazwischen gekommen ist? Deswegen bleibe ich sicher nicht länger am Arbeitsplatz als nötig – oder ich nutze die Zeit anderweitig!

Wenn es angeblich so gewünscht ist, dass wir Mütter schnell an unseren Arbeitsplatz zurückkehren, um als Arbeitsameise wieder strebsam sein zu können, dann bitte auch zu unseren Bedingungen. Denn wir können das! Zwar sieht es manchmal so aus, als würden wir zu Hause im Chaos versinken, doch hat das alles System. Zumindest ist das bei mir so. Ich lasse mir von niemandem vorwerfen, ich sei chaotisch und unorganisiert! Wenn ich morgens meinen Arbeitsplatz betrete, habe ich schon einige Stunden hinter mir, in denen ich nicht eine Sekunde zur Ruhe gekommen bin. Während der ein oder andere Kollege eben noch mit der Kaffeetasse in der Hand die Zeitung gelesen hat, habe ich versucht, zwei Kleinkinder in ihre Klamotten zu kriegen und ihnen die Zähne zu putzen. Anschließend habe ich sie in der KiTa abgegeben und bin zur Arbeit gehetzt. Gerne komme ich dann mal ein paar Minütchen zu spät und ernte gelegentlich dafür unverständliche Blicke. Vielleicht habe ich auch schon ein krankes Kind versorgt und die Betreuung durch die Großeltern sicher gestellt, damit ich nicht schon wieder am Arbeitsplatz fehle. Aber Tatsache ist, dass auch ich meine Pausen brauche, und seien es noch so wenige und noch so kurze. Ohne sie breche ich auf Dauer komplett zusammen, und damit ist niemandem gedient. Auffällig sollte im Kollegenkreis allerdings sein, dass ich, seit ich Kinder habe, so gut wie nicht mehr zum Kaffeeklatsch in der Kaffeebude aufschlage, und auch Gespräche auf dem Flur nach Dringlichkeit sortiere. Ich habe einfach immer etwas zu tun.

 Was machen die Kollegen, wenn die offizielle Arbeitszeit endet?

Während der Arbeitstag von uns Eltern im Grunde genommen erst dann endet, wenn das Kind / die Kinder im Bett liegen und hoffentlich lange am Stück schlafen, haben die kinderlosen Kollegen bereits ein paar Stündchen selbstbestimmte Zeit hinter sich. Wenn unsere Kinder im schlimmsten Falle erst 20:30h schlafen, räumen wir noch ein wenig auf und freuen uns auf eine Stunde FREIzeit. Bei mir kommt es leider oft gar nicht mehr dazu. Während ich darauf warte, dass die Kinder in den Schlaf entschlummern, werde ich – wenn nicht vorher schon so gewesen – entsetzlich müde. Und dann heißt es bei mir: rien ne va plus. Selber ab ins Bett!

Wenn mein kinderloser Kollege noch Überstunden im Büro schiebt, weil er den Tag über – seien wir doch mal ganz ehrlich – mehrere Stunden mit Labern vergeudet hat – hole ich meine Kinder von der KiTa ab. Mein Arbeitstag geht auch dann noch weiter. Irgendwie muss ab und zu auch noch eingekauft werden (wenn ich das nicht schon in der Mittagspause erledigt habe, mein Mann das nach Dienstschluss macht oder mal wieder der Samstagvormittag dafür herhalten muss etc.), ich wasche nebenbei noch ein paar Maschinen Wäsche oder sauge das Haus. Am Wochenende, wenn auch ich das Bedürfnis habe, endlich mal auszuschlafen oder zumindest länger liegen zu bleiben, statt wie jeden Tag um 6:30 Uhr endgültig aufzustehen (und das ist schon eine gute Zeit!) oder auf dem Sofa zu chillen oder ähnliches, kümmere ich mich um die Kinder und den Haushalt. Manchmal liege natürlich auch ich auf der Couch, aber ich bin die ganze Zeit empfangsbereit, schlichte Geschwisterstreitereien, beantworte gefühlt 1 Million „Warum“-Fragen und repariere Spielzeug. Zwischendurch bereite ich Mahlzeiten vor, nach deren Einnehmen ich jedes Mal einen Großputz in der Küche starten muss, damit wir nicht alle auf den Fliesen kleben bleiben. Selbstbestimmte Zeit, Hobbys gar, gibt es in meinem Leben nicht mehr. Wenn der kinderlose Kollege ein paar Runden mit seinem Rad dreht oder mit seiner Frau einen Wochenendtrip in die nächste tolle europäische Stadt macht, nehme ich die Wäsche ab und versuche, dem Bügelberg einigermaßen beizukommen und freue mich wie Bolle, wenn ich mal alleine aufs Klo kann.

Wie ging es weiter mit dem kinderlosen Kollegen und mir?

In oben beschriebener Woche wurde es dann endlich Freitag und ich nahm mir vor, um 11:30h mein Büro zu verlassen. Aufgrund meiner geringen Anwesenheit in letzter Zeit zu Hause war vieles an Hausarbeit liegen geblieben. Ich wollte schnell etwas davon aufarbeiten, beim Drogeriemarkt einkaufen und um 14:30 h die Kinder abholen. Vorher noch schnell, zum ersten Mal in der Woche, eine Dreiviertelstunde Üben – endlich! Und was passiert, gerade als ich die ersten Töne gespielt habe? Der Kollege zitiert mich zu sich. Und so stehe ich, mit einem weiteren Kollegen, in seinem Büro und sehe zu, wie mal wieder nichts Wichtiges passiert und meine kostbare Zeit verschleudert wird. Und dann reicht es mir, und ich sage meine Meinung, versuche ihm einen kurzen Ausblick auf meine restlichen Tagespläne zu geben und höre mir noch an, dass er ja hier im Büro viiiel mehr arbeiten würde.

Ungeschickt von ihm finde ich vor allem, dass er am Montag darauf einen weiteren Kollegen, eine Art Vertrauensperson, zu mir schickt, statt mich direkt anzusprechen. Dadurch, dass ich dann am letzten Freitag auch noch dummerweise meinen schon fertigen (dienstlichen) Artikel inklusive aller Recherche-Notizen gelöscht habe, frei nach Murphy, wenn man keine Zeit hat, dann kommt’s noch dicker, war ich auch noch auf mich selber sauer. Ich muss den Artikel nun noch mal schreiben.

 Welche Konsequenzen ziehe ich daraus?

(Also, erst einmal mache ich öfter Sicherheitskopien, is‘ klar).

Ich möchte nicht noch mehr Aufgaben übernehmen als ich es jetzt schon habe. Das ist zwar nicht viel, aber zusammen mit der Musik reicht es. Wie ich oben bereits schrieb, sind meine Karriereambitionen aufgrund meiner Mutterschaft eingeschränkt. Ich möchte in 5 Jahren nicht auf den hauptamtlichen „Pressestuhl“ wechseln, auch wenn das auch einen Gehaltssprung mit sich bringen würde, denn ich weiß, dass ich mein Instrument dann vollends vergessen kann. Wenn ich kinderlos wäre, also keine Mutter wäre, würde ich derartige Überlegungen gar nicht anstellen, sondern zu dieser Beförderung sofort JA sagen. Übrigens Überlegungen, die Väter im Job so eher selten anstellen müssen. Sie haben ja Frauen, die ihnen den Rücken frei halten und müssen sich nicht neben der Karriere auch noch so für Haus und Kinder verantwortlich fühlen wie wir Frauen! 

Und all das muss ich dem Kollegen eben noch klar machen, auch wenn ich eines weiß: wie sich dieses Gefühl der Zerrissenheit anfühlt, das vor allem wir Mütter kennen, diese Erschöpfung, weil man neben Job und Kindern und Haushalt eben nie eine wirkliche Pause hat und in seinen persönlichen Freiheiten über sehr viele Jahre extrem beschnitten wird, wie es ist, wenn man nicht nur über Tage, sondern Jahre mit diesem Schlafmangel leben muss, all das kann ich ihm nicht klar machen. Dafür müsste er Kinder haben – und am besten weiblichen Geschlechts sein! Und auch wenn ich weiß, dass viele Paare ungewollt kinderlos bleiben, würde ich gerne nicht unerwähnt lassen, was mein Mann und ich als Eltern für die Gesellschaft und die Allgemeinheit leisten, und worauf wir alles verzichten. Und jetzt kommt mir nicht mit dem Spruch, das hätten wir so gewollt und vorher gewusst. Ich finde, dieses Engagement verdient an sich schon Anerkennung, mehr als ein mit unnötig in die Länge gezogenen Gesprächen teilweise verplemperten Vormittag im Büro, der dann eben Überstunden nötig macht – ohne dass ich die Arbeit des Kollegen schmälern will.

 Wer nervt jetzt also mehr?

Also nerven die berufstätigen Mütter doch, weil sie oft nur in Teilzeit arbeiten können und pünktlich gehen wollen, damit sie den Nachmittag mit ihren Kindern zu Hause `rumchillen können (haha!) oder sind sie auch so noch wertvoll für die arbeitende Gesellschaft?

Oder nerven doch eher die kinderlosen Kolleginnen und Kollegen, die denken, wir machten uns ein schönes Leben, weil wir weniger arbeiten als sie, also arbeiten im Sinne von bezahlter Erwerbstätigkeit? Selber aber keine Ahnung haben, was wir so „quasi nebenbei“ noch leisten und dass es einen Grund gibt, wieso wir ständig so müde und erschöpft daher kommen und zu bestimmten Projekten nicht bereit sind?

Lieber Leser, bilden Sie sich am besten ihre eigene Meinung!

 

Wie man es macht… Teil 2

Andere Familien, andere Vorstellungen, andere Modelle

Es hängt von so vielen Faktoren ab, wie Familien die „Vereinbarkeit“ (hüstel, schon wieder dieser miese Begriff) von  Familie & Beruf (also Erwerbseinkommenstätigkeiten) miteinander vereinbaren können. Gerade im Westen unserer Republik hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nur eine „Zuhausebleib-Mutter“ auch eine gute Mutter ist und der Vater möglichst alleine für den Familienunterhalt zu sorgen hat. Die Politik unterstützt dieses nach wie vor mit dem Ehegattensplitting.

Ich persönlich fände es toll, wenn Eltern – also beide Elternteile –  in Teilzeit gehen könnten und eben so viele Stunden in der Woche arbeiten, wie es sich für sie am besten anfühlt, ohne dabei in die Armut zu stürzen. Sprich: sollte unter dem Strich dabei nicht genug herauskommen, zumal noch Betreuungskosten für die Kinder anfallen, könnte der Staat unterstützend eingreifen. In Schweden ist das z. B. meines Wissens so. Damit würde sich in vielen Familien die Lage entspannen.

Ich selber versuche mit meinem Partner ein gleichberechtigtes Modell zu fahren. Bei zwei Beamten mit sehr ähnlichem Gehalt ist das relativ einfach. Allerdings macht keiner von uns Teilzeit, sondern arbeitet Vollzeit bzw. vollzeitnah. Unsere wechselnden Arbeitszeiten verlangen dabei viel Flexibiltät, auch von unseren Kindern, und ein gewisses Organisationstalent. Manchmal haben wir sehr entspannte Wochen, dann aber wieder „knubbelt“ es sich und kann schon sehr anstrengend sein. Konzerte, von denen ich mitten in der Nacht heim komme, aber nach 3-4 Stunden Schlaf wieder für die Kinder da sein muss, weil der Mann eben auch Nachtschicht hatte oder früh wieder zum Dienst muss, sind dabei die besonderen Herausforderungen für mich. Auch die Wochenenddienste vor allem meines Mannes, die mir nach einer anstrengenden Arbeitswoche keine Pause gönnen, können zur Belastung werden. Dass die Organisation des Haushalts hauptsächlich in meinen Händen liegt, ist hierbei wohl typisch.

Aber wie machen das eigentlich die anderen?

  • Sie ist nun schon 2 Jahre in Elternzeit und kümmert sich um die Kinder und den Haushalt, er geht arbeiten, ist mal mehr, mal weniger viel von zu Hause weg. So war es beim ersten Kind auch. In ein paar Monaten will sie wiederkommen, wenn endlich der Kindergartenplatz für das jüngste Kind frei bzw. es eingewöhnt ist. Das ältere geht bereits in die Grundschule. Und da wird es tricky. Ganztagesgrundschule? Fehlanzeige. Und will man das überhaupt? Nicht zwangsläufig, wenn das Angebot nicht stimmt oder es ein Zwang ist, sein Kind bis 16 Uhr in der Betreuung lassen zu müssen, statt wie bisher flexibel in der Abholzeit sein zu können. Er war übrigens nicht bereit, in Elternzeit zu gehen, auch die sog. Vätermonate hat er nicht genommen, dabei verdienen auch hier beide das gleiche, machen sogar das gleiche im Job. Eine Aufteilung wäre also möglich. Aber hier stellt sich einfach die Frage: was möchten die Partner? Leben sie die traditionelle Rollenaufteilung gerne? Warum auch nicht! Er traut es sich nicht zu, nur Zuhausebleib-Papa zu sein, wenn auch auf Zeit! Oder traut sie es ihm nicht zu? Nein, ich glaube, sie leben einfach gerne dieses altbewährte Rollenspiel von Vater-Mutter-Kind(er). Und das sollen sie auch. Und wenn es auf längere Dienstreisen geht, fährt eben er, nicht sie. Wenn sie nicht so an ihrem Job hängt und sogar die Überlegung im Raum steht, dass sie – weil Teilzeit nicht möglich ist – in einen anderen Bereich wechselt, wo sie vormittags am Schreibtisch sitzen und sich nachmittags um ihre Kinder kümmern kann, während er es macht, wie er es immer gemacht hat, dann ist es deren Entscheidung. Sie werden sich das gut überlegen, auch im Hinblick auf ihre Rente. Der Wegfall von einem Teil des Gehaltes ist wohl gut machbar, das haben sie in der Elternzeit festgestellt (Elterngeld aufgeteilt auf 24 Monate plus sein volles Gehalt).

„Ich kenne niemand sonst, der es so macht wie ihr“

  • Das sagte eine Bekannte zu mir, und meint damit die Tatsache, dass mein Mann und ich uns bei etwa gleichem Gehalt gleich auch die Elternzeit bei jedem Kind geteilt haben. Gut, ich war bei Kind Nr. 2 aus rein egoistischen Gründen dazu bereit, auch 12 Monate statt der 9, die es dann geworden sind, daheim zu bleiben. Mein Mann wollte das nicht, denn so wichtig ist ihm seine Arbeit auch nicht, als dass er nicht darauf für eine Weile verzichten könnte. So war es auch finanziell, auch in Sachen Rentenpunkte, bezüglich der Kinderbetreuung gerecht aufgeteilt bei uns. Der eine machte nicht zwangsläufig mehr Verluste als der andere! Im Endeffekt kam sowieso trotzdem das gleiche Geld in die Familienkasse, denn wir haben ein gemeinsames Familienkonto, aber jeder trotzdem noch ein eigenes – was für mich als Frau eine nette Sache ist. Ich fühle mich nicht finanziell abhängig von meinem Mann und muss nicht um Geld betteln, wenn ich mir selber etwas schönes kaufen möchte.
  • Zurück zur Bekannten: ihr Mann verdient sehr gut! Er bringt vermutlich locker alleine nach Hause, was mein Mann und ich gemeinsam jeden Monat anschleppen. D. h., aus finanziellen Gründen muss sie nicht arbeiten, begibt sich aber damit in die berühmte Abhängigkeit. Sollte er man nicht mehr da sein… .  Und dann ist da noch das Ding mit der Altersversorgung. Ich tippe hier auf eine zusätzliche private Rentenversicherung, immerhin könnten sie sich das jeden Monat zusätzlich leisten. Das Privileg haben aber auch nicht alle Familien, die mit jedem Euro rechnen müssen.
  • Die Putzhilfe macht jede Woche das Haus gründlich sauber, und das schon seit ihrer ersten Schwangerschaft. Kind Nr. 1 kam im Alter von 1  Jahr zur Tagesmutter, dann konnte sie wieder im Ort ein paar Stunden in der Woche arbeiten, insgesamt wohl so 20. Nach der einjährigen Elternzeit nach der Geburt des zweiten Kindes war es genau so geplant. Beide Kinder sind nun bis nachmittags im Kindergarten (auch das einjährige), aber sie hat gemerkt, dass es ihr zu stressig bzw. zu viel ist, 20 Stunden in der Woche zu arbeiten. Nun arbeitet sie 15 Stunden – im Monat! Der Job ist eh nicht so toll, sagt sie. Sie will nur nicht ganz raus kommen. Ihren tollen Job, den sie hatte, bevor sie Mutter wurde, konnte sie nicht behalten. Vollzeit hatte ihr der alte Arbeitgeber angeboten, sie wollte Teilzeit. Das hat er nicht möglich gemacht und ihr statt dessen eine Abfindung gezahlt.
  • Nun ist sie 2 Vormittage in der Woche im Ort bei der Arbeit, die anderen 3 Vormittage ist sie zu Hause. Sie hat viel Zeit für sich. (Das ist der Punkt, wo bei mir etwas Neid aufkommt, ehrlich gesagt). Nachmittags kümmert sie sich um die Kinder, auch am Wochenende hat sie hier die Hauptlast. Ihr Mann arbeitet sehr viel, kommt immer spät nach Hause und muss sich am Wochenende auch mal ausschlafen und sich ausruhen.

Von einem Tag auf den anderen alleinerziehend – aber ohne Job

  • Ähnlich hatte sie es gemacht, mein drittes Beispiel: Ein abgeschlossenes Studium, das in seiner Fachrichtung nicht so richtig einen Job gebracht hat. War auch nicht schlimm. Heiraten und Kinder kriegen ist auch auf der Wunschliste gewesen. Also gesagt, getan. Die beiden Kinder kamen mit relativ kleinem Altersabstand auf die Welt. 2 Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes keimt der Wunsch auf, zum Familienunterhalt beizutragen. Immerhin ist der Mann Hauptverdiener. Auch er fordert am Wochenende seine Ruhezeiten und bringt sich auch sonst in die Haus- und Familienarbeit kaum ein. Das führt oft zu Spannungen und vor allem zu Frust auf Seiten der jungen Mutter. Wenn die Kinder und sie krank sind, kümmert sie sich. Wer sonst. Wer bringt die Kinder ins Bett? Sie. Wer sonst. Mit einem kleinen Haushaltsgeld von ihrem Mann versucht sie, Kleidung für die Kinder und natürlich die Lebensmittel zu erwerben. Für sie bleibt nichts übrig. Ein Minijob muss her, der ihr nach kurzer Zeit mit dem Vorwand wieder gekündigt wird, sie sei als Mutter zu unflexibel für unregelmäßigen Arbeitszeiten. Abends oder am Wochenende kann sie nämlich nicht, denn dann ist der Kindergarten geschlossen.
  • Und dann passiert, womit keiner gerechnet hat. Der Mann erkrankt und verstirbt innerhalb weniger Tage. Ein Drama, wie man es sich für sich selber nicht vorstellen möchte. Die Lebensversicherung deckt nicht ganz den Kredit des Hauses. Doch sie rappelt sich hoch, ist so unfassbar stark. Bekommt einen neuen Job, der sie und die Kinder einigermaßen über die Runden bringt – und verliebt sich neu. Große Liebe. Es ist ihr Chef, aber das ist erst einmal Nebensache. Sie ist glücklich, und das sei ihr von Herzen gegönnt.

Dies sind nur ein paar Fallbeispiele. Auffällig oft kenne ich Frauen, die weniger arbeiten als ich, länger zu Hause geblieben sind und hinterher nicht in einen Vollzeitjob wieder einsteigen oder nach Alternativen zu diesem suchen. Ich verstehe sie alle. Ich möchte in meinen Ausführungen nicht (ver)urteilend rüber kommen, auch wenn ich hier und da vielleicht etwas polemisiere. Nicht mein Modell halte ich für das einzig richtige, sondern denke, jeder sollte seinen ganz persönlichen Weg finden. Auch ich bin immer wieder auf der Suche. Aber seien wir ehrlich, oft sind nicht alle Alternativen gegeben, um sich überhaupt das für sich beste aus dem großen Topf der Möglichen auswählen zu können. Denn wenn ich könnte, würde auch ich einiges anders machen. Leider geht das nicht, ohne früher oder später neue Probleme herbei zu beschwören.

In diesem Sinne möchte ich es vorerst dabei belassen.

Und für alle, die sich mit dem Thema „Working Mom“ weiter beschäftigen möchten, empfehle ich folgenden link, der Stimmen einiger arbeitenden Mütter noch mal etwas zusammen fasst.

Wie man es macht…

Familie, Beruf und dazu gar Freizeit & Hobbys sind nur schwer zu vereinbaren. Das ist keine Neuigkeit für alle Eltern. Mann, pardon, FRAU kann heutzutage alles haben – so rein theoretisch, aber nicht alles gleich intensiv oder gar zu hundert Prozent. Diese 100 % müssen aufgeteilt werden, sinnvoll und so, dass niemand auf der Strecke bleibt.

Als erstes – seien wir ehrlich – stecken immer noch die Frauen zurück. Sie haben nach der Geburt die längste Betreuungszeit zu Hause, steigen also bis zu mehreren Jahren aus der Erwerbstätigkeit aus, steigen dann irgendwann meist in Teilzeit wieder ein (Vollzeit arbeitende Mütter sind immer noch genauso eine Ausnahme wie Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen) oder lassen das arbeiten sogar ganz – sofern der Mann genug Kohle nach Hause bringt. Häufig landen sie in der sog. Teilzeitfalle, ob nun gewollt oder ungewollt. D. h., häufig ist dann nach mehreren Jahren in Teilzeit ein Arbeiten in Vollzeit nicht mehr möglich, auch wenn man das wieder wünscht. Damit begeben sie sich aber auch in das Risiko Altersarmut, nach dem sie Mutter geworden sind. Noch ’ne Muddi hat es auf den Punkt gebracht und ihre persönliche Situation und Meinung zu dem Thema beschrieben.

Ich kann das Thema „Vereinbarkeit“ nicht mehr hören. Ich stoße mich schon an dem Begriff, und auch an der Tatsache, dass es meistens uns Frauen – also die Mütter – betrifft, die alles unter einen Hut zaubern müssen, während immer noch ein Großteil der Männer so weiter macht wie bisher. Keine Abstriche im Job oder auf lange Sicht an der Rente und oft auch weniger Abstriche in der Freizeitgestaltung. Noch immer wird von vielen als normal erachtet, dass es die Frauen sind, welche ihren Job (teilweise) aufgeben, um für Kinder und Haushalt (!!!) genügend Zeit zu haben.

Warum sind es eigentlich meistens die Frauen?

Gut, es gibt genug Frauen, die sich das wirklich wünschen, nur für die Kinder da zu sein, und so langsam verstehe ich auch, warum. Das ist auch schön, aber eben auch schön anstrengend! Man möchte doch viel Zeit mit den Kindern verbringen, sie prägen, für sie da sein und glaubt oft, dass auch unsere Kinder am liebsten nur mit uns zusammen sind.

Durch meine zunehmende Unzufriedenheit mit meiner Gesamtsituation in meinem einst so geliebten Beruf und der insgesamt zu großen Belastung, die mich ins Burnout getrieben hat, verstehe ich alle, die es anders machen wollen. Und wenn man einen Beruf hat oder eine Job hatte, der einen ohnehin nicht so ausgefüllt hat, ist es die logische Konsequenz, sich voll und ganz auf Heim & Kinder zu konzentrieren. Auch verdienen Männer in ihren Jobs oft immer noch um einiges mehr als die Frauen in den ihrigen – was an sich natürlich ein Skandal ist. Wer da zu Hause bleibt oder auf Teilzeit geht, ist dann oft nicht länger diskussionswürdig.

Ich finde es trotzdem traurig, dass diese Gesellschaft vor allem von uns Frauen erwartet, dass wir das alles schaffen. Und wenn man es dann nicht schafft und irgendwie scheitert, kriegt man auch noch einen übergebraten. Unsere Lebensmodelle werden zu unserem Nachteil, egal, wofür wie wir uns entscheiden. Irgendwer findet immer ein Haar in der Suppe!

Die Kinder sollen glücklich sein – „Unser Alltag ist ihre Kindheit!“

Ich bin davon überzeugt, dass auch andere Bezugspersonen wichtig für unsere Kinder sind, spätestens nach dem ersten Babyjahr. Ich weiß von Kleinkindern, die sich nur durch Mami ins Bett bringen lassen, weil sie es nicht anders kennen. Meine Kinder kennen auch den Papa, und zwar sehr gut (so dass ich mich selber manchmal frage, ob ich nicht überflüssig bin). Desweiteren gibt es noch ein Großelternpaar am Wohnort. Meine Kinder lieben ihre Großeltern, und das nimmt mir ein wenig das schlechte Gewissen, wenn ich sie von ihnen betreuen lasse, weil ich selber arbeiten muss.

Ich kann nicht rund um die Uhr für meine Kinder da sein. Ich vermisse sie, wenn ich nicht da bin. Ob sie mich vermissen, weiß ich nicht. Sie werden groß, viel zu schnell natürlich, und es wird der Tag kommen, wo ich vermutlich noch froh sein werde, sie überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Aber trotzdem geht das jetzt nicht immer, nur Mama hier und Mama da! Ich brauche meinen Ausgleich. Da für Hobbys keine Zeit ist (oder ich sie mir nicht nehme), ist das meist mein Job. Den muss ich leider Vollzeit ausüben, da mir eine Teilzeit von oberster Stelle bisher verwehrt wird. Das ginge hier nicht. Den Klageweg bin ich bisher nicht beschritten, denn bisher war es soweit in Ordnung und machbar und wechselnde Arbeitszeiten verlangen zwar viel Flexibiltät, aber man ist eben nicht jeden Tag den ganzen Tag weg.

Und trotzdem ändern sich die Zeiten, ändern sich Einstellungen. Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder mit der Situation gut klar kommen, da sie neben mir verlässliche Betreuungspersonen haben und auch gerne in den Kindergarten zu gehen scheinen. Es ist doch oft reiner Egoismus, dass gerade wir Mütter glauben, für unsere Kinder unersätzlich zu sein, weil wir Mütter Zeit mit ihnen verbringen wollen. Bloß nichts verpassen in deren Entwicklung!

Doch in Bezug auf meinen Job frage ich mich in letzter Zeit schon immer öfter, warum ich das noch mache, außer für das Geld! Für den Spaß an der Sache, für eine Sinnhaftigkeit, die für mich ganz persönlich dahinter steht, daran zweifele ich immer mehr bzw. in bestimmten Momenten besonders stark. Meine Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer weiter und eine Vereinbarkeit von meinem Beruf mit meiner Familie wird dadurch nicht einfacher. In zwei Jahren kommt das erste Kind in die Grundschule. Eine total neue Herausforderung, der wir uns rechtzeitig stellen müssen. Dann werden die Karten vermutlich noch einmal neu gemischt.

Es gibt ein Leben nach der Erwerbstätigkeit

Was viele Frauen in Teilzeit oder sog. „Zuhausebleib-Mütter“ oft meiner Meinung nach ignorieren, oder zumindest verdrängen, ist die drohende Altersarmut. Wenn dann irgendwann auch noch der Partner ausfallen sollte, kann dies zu einem echten Disaster führen. Übrigens auch schon während des Erwerbstätigenalter. Durch Trennung oder im schlimmsten Falle sogar durch einen frühzeitigen Tod steht die Frau mit den Kindern dann meist alleine da.

Das Geld im Hier und Jetzt ist die eine Sache, sicher kann man da Abstriche machen. Drei Mal im Jahr in den Urlaub fahren braucht kein Mensch, wohl aber beruhigt ein kleines Häufchen Erspartes für den Fall, dass die Heizung den Geist aufgibt oder das Auto kaputt geht. Auch deswegen arbeite ich heute, damit ich später auch noch ein klein wenig habe, zumal meine Erwerbsbiografie in der Hinsicht sowieso nicht lückenlos ist.

Im nächsten Beitrag zu diesem Thema möchte ich den wehrten Leser noch mit ein paar Fallbeispielen aus meinem Umfeld beglücken. Denn wie man es macht… Und jeder so, wie er meint. Wir sollten zu unseren Entscheidungen stehen. Ich übe das noch!

Früher war alles besser oder: Die Zeiten ändern sich nun einmal

Verbessern sollten sie sich, also die Zeiten! Das war immer mein Anliegen. In letzter Zeit stelle ich öfter fest, dass sich vieles verschlechtert – in meinen Augen. Damit meine nicht nur den Zustand meines alternden Körpers, für den ich zugegebenermaßen zu wenig Gutes tue!

Ich bin Musikerin in einem Orchester. Seit zehn Jahren mache ich den Job. Davor habe ich zwei Studiengänge in Musik absolviert und als Musikschullehrerin gearbeitet. Letzteres auch schon parallel zum Studium, immerhin gab es Bafög nur für 8 Semester, danach war finanziell der Ofen aus. Viel verdient habe ich als Honorarkraft an verschiedenen Musikschulen nicht, und in der heutigen Zeit ist es auch ein Ausnahmefall, wenn man an einer Musikschule als Lehrkraft so viel verdient, dass man davon vernünftig leben oder gar eine Familie ernähren könnte. Festanstellungen in dem Bereich sind rar, und auch die sind nicht so üppig vergütet, wenn man bedenkt, dass man vorher jahrelang studiert und sein halbes Leben lang seine Instrumente geübt hat.

Ich bin froh, dass ich meine heutige Stelle bekommen habe. Zunächst als Zeitvertrag, nach ein paar Jahren als Festanstellung. Zum ersten Mal in meinem Leben verdiene ich Geld, wovon ich leben kann, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich im nächsten Monat noch genug Geld für Miete UND Essen habe. Urlaub war bei mir jahrelang als Studentin gar nicht drin. Also als junger Mensch die Welt bereisen eher Fehlanzeige.

Ich habe diesen Job immer gerne gemacht, trotz einiger „Unannehmlichkeiten“, die nebenbei damit verbunden waren. Dieser Job war mir immerhin so wichtig, dass ich 7 bzw. 9 Monate nach der Geburt meiner Kinder wieder eingestiegen bin. Wie so oft im Leben bleibt auch hier nicht immer alles so, wie es mal war. Generell kann ich mit Veränderungen gut leben, wenn sie nicht eine krasse, im Grunde nicht tragbare Verschlechterung der Bedingungen mit sich bringen. Das ist in den letzten Jahren allerdings passiert, von mir sicher auch so empfunden, weil ich als Mutter zweier kleiner Kinder sehen muss, wo ich selber überhaupt noch bleibe und vor mir selber rechtfertigen muss, dass ich meine Kinder stundenlang fremdbetreuen lasse, während ich diesen teilweise inzwischen für mich sinnlos erscheinenden Tätigkeiten nachgehe. Zwar stimmt nach wie vor der Betrag, der am Ende eines jeden Monats im Voraus auf meinem Konto landet – und mit Verlaub, wir brauchen auch einen Großteil der Summe dafür, unseren mit gewissen Ansprüchen* versehenden Lebensunterhalt zu bestreiten, aber an anderer Stelle frage ich mich immer öfter, ob es das alles noch Wert ist – so wie es gerade ist.

„Musik wird oft nicht schön gefunden,

Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“

(Wilhelm Busch, aus: Dideldum! (1874) – Der Maulwurf)

So ist es! Seit meiner Jugend schlage ich mich herum mit „Zeiten, in denen man nicht üben darf“ (obwohl man gerade dann mal Zeit dafür hätte), bestimmte Stunden, die man täglich übend nicht überschreiten sollte, meckernden Mit-Mietern usw. Selbst an der Musikhochschule war es nicht immer einfach, einen Überaum zu ergattern, als MUSIKstudent wohlgemerkt. Häufig und zu bestimmten Stoßzeiten besonders extrem, musste man stundenlang warten, um den Raum dann für maximal 2 Stunden (was für einen Musikstudenten nun einmal nicht viel ist, (auch wenn ich mich heute über 2 Stunden tägliches Üben scheckig freuen würde!) übend nutzen zu dürfen – wenn nicht vorher ein Dozent des Weges kam, der dringend diese Örtlichkeit zum Popeln in der Nase Unterrichten seiner Studenten benötigte. Es war nicht immer einfach, Übelust und Übemöglichkeiten kompatibel zu halten. Sonntags war die Hochschule zumindest in den ersten Jahren meiner Zeit dort sowieso geschlossen, Samstags nur bis zum frühen Nachmittag geöffnet und unter der Woche  war abends um 20h „Zapfenstreich“.

„Los, arbeiten Sie. Seien Sie fleißig!“ –  „Ja, wie denn? Und vor allem, wo?“

Seit etwa 7 Jahren bewohne ich ein freistehendes Haus. Ok, die Fenster sind nicht besonders dicht, es dürfte viel meines Übegeräusches nach draußen dringen, aber es ist MEIN HAUS, und ich darf dort üben, wenn ich wollte auch nachts.

Ich habe das die ersten Jahre gut genutzt, also bis auf nachts. Aber dann kamen die Kinder. Das allabendliche Üben wurde abgelöst durch ein Sich-über-Stunden-hinziehendes Milchzähne putzen, mit dem Schlafanzug hinter Kindern herlaufen, Bücher ansehen und stundenlangem Hände halten. Und dann macht man auch keinen „Krach“ mehr, ganz abgesehen davon, dass ich es seit Langen noch nicht einmal mehr schaffe, mein E-Piano (Kopfhörer!) zu malträtieren. Ich wandere lieber sofort ins Bett vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung.

Sprich: meine Übezeit hat sich enorm reduziert. Zu Hause übe ich fast gar nicht mehr, weil ich entweder meine Kinder betreue, die Wäsche wasche, aufräume oder sonstige ungeliebte Hausarbeiten übernehme. Ich bin gezwungen, meine Übezeit auch in meine Dienstzeit zu verlegen. Nun erscheint das sicherlich dem ein oder anderen als völlig selbstverständlich: sie ist Musikerin im Orchester, neben den gemeinsamen Proben des Klangkörpers sollte Zeit für das Einzelstudium sein. Räume dürften doch genügend vorhanden sein, die man sich notfalls in Absprache mit den Kollegen teilen kann.

Ätsch bätsch! Das war einmal. Vor langer Zeit, in einem anderen Universum oder so.

Inzwischen sind wir so viele Leute und haben so viele Aufgaben neben der eigentlichen Tätigkeit als Musiker zu verrichten, dass ein Üben kaum mehr möglich ist. Auch fehlen die Räume, da ehemalige Übezellen nun „bewohnt“ werden. Und außerdem ist das Üben aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen inzwischen außer in den beiden Proberäumen schlichtweg untersagt!!! Man glaubt es kaum! Ich auch nicht!

60 Musikerinnen und Musiker sollen sich zwei Räume zum Üben teilen? Dazu noch diverse Gruppierungen, die dort meistens proben, wenn man selber gerade einmal Zeit hätte, ein Stündchen zu trällern?

Ich habe bis gestern trotzdem meine Zeit zum Üben dort genutzt so gut ich konnte. Dazu gehörte für mich auch die Mittagspause, in der ohnehin viele das Gebäude zum Essen verlassen. Bis gestern! Da störte das plötzlich zum ersten Mal einen Kollegen. Er müsse sich an einer Tätigkeit am PC konzentrieren. Ausgerechnet er, der nicht gerade für seinen Arbeitseifer bekannt ist… .

Auf eine eigene Nahrungsaufnahme habe ich häufig verzichtet, immerhin muss mal als Mutter, die zu Hause zu gar nichts kommt, was nicht unmittelbar mit Kinderaufzucht und Haushalt zu tun hat, eben sehen, wo man bleibt. Zwischen den Proben oder anderen zu erfüllenden Aufgaben hatte ich dieses Stündchen am Mittag – und das ist nun auch pfutsch.

„Sie sind noch motiviert? Suchen Sie sich besser einen anderen Job!“

Es ist mir unbegreiflich, wie man jemand, der noch immer so voller Liebe für sein Instrument steckt, noch immer so motiviert in dieser Hinsicht ist und für den das Üben quasi eine Art Lebenselixier darstellt, so derart demotivieren kann. Und das in diesem Beruf! Wenn die anderen nicht üben (die wenigsten tun das), auch nicht üben wollen, leidet insgesamt die Qualität des ganzen Orchesters darunter. Trotzdem ist das ein Stück weit deren Sache! Was mir aber, seit ich Mutter bin, am meisten fehlt, sind meine Instrumente und die ernsthafte Auseinandersetzung mit Musik.

Mir nützt auch nicht das vom Dienstherren gestattete Üben zu Hause, nach dem ich eine Anwesenheitspflicht im Dienstgebäude bis in den Nachmittag hinein, in der Regel so 15 Uhr, habe. Dann bin ich eine halbe Stunde später am Kindergarten und was dann zu Hause nicht mehr möglich ist, kann sich der aufmerksame Leser jetzt sicherlich denken.

Leider gibt es keine Jobalternative. Weder, um weniger zu arbeiten (und viel weniger zu verdienen), noch um wieder glücklicher im Job zu sein. Ich überlege hin und her und es gibt keine wirkliche Lösung. Ich muss das irgendwie aushalten, all das kommt auf den großen Frust-Berg einfach noch mit drauf! Vielleicht fällt mir doch noch was ein. Ich weiß es nicht. Aber es macht mich sauer, auch jetzt noch, eine Woche nach diesem Ereignis und nach dem ich gerade den Text noch einmal überarbeitet habe.