2 Jahre danach – mein Leben nach dem #Burnout

Der 5.03.2016 war ein Samstag. Ich war – wie so häufig an den Wochenenden – mit den Kindern alleine. Mir ging es schon seit Tagen so schlecht wie nie, jede kleine Bewegung stellte einen Kraftakt meines Körpers dar. Dieser zitterte und brummte schon seit Wochen, ich war selbst zum Sprechen zu schwach, mir war schwindelig und ich war unendlich müde – und eben komplett erschöpft. Atmen war schwierig, ich musste mich schon sehr darauf konzentrieren und als ich in der Küche stand, fing plötzlich mein linkes Bein wie verrückt an zu kribbeln – einfach so. Es war geradezu unheimlich. Ich konnte mich so nicht mehr um meine damals 4- und 2-jährigen Kinder kümmern. Ich konnte an diesem Samstag Anfang März einfach nicht mehr!

Ich rief die Großeltern meiner Kinder an, ob sie sofort kommen könnten. Ein Glück, dass sie da waren. Dann rief ich mir einen Krankenwagen.

Heute vor genau 2 Jahren also wurde mir durch den „richtigen“ Arzt in der Notaufnahme, der weitsichtig genug war zu erkennen, was mit mir los war, geholfen. Daran sind andere vor ihm gescheitert, denn mein Burnout kündigte sich locker fast ein Jahr lang an, immer wieder. Denn immer wieder ging es mir auf für mich unerklärliche Weise schlecht. Totaler Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Zittern, immer wieder Herzrasen und Schwindelgefühle waren dabei beliebte Krankheitssymptome. Schlafen konnte ich auch schon lange nicht mehr gut, selbst wenn die  Kinder endlich mal schliefen. Ich schlief so selten mehr als 5 Stunden, eher weniger. Tagsüber war an Schlaf auch nicht zu denken. Wenn ich die Zeit doch mal hatte, lag ich nur dort und fand keine Ruhe. Meine stetige innere Unruhe trieb mich quasi immer weiter an. Ich war ein einziges Nervenbündel, das zu plötzlichen Heulanfällen und Wutausbrüchen neigte.

Immer wieder hatte ich mich sehr krank gefühlt, hatte das Gefühl, mein Kreislauf würde zusammen brechen. Und immer wieder diese komischen Atemprobleme. All das löste Ängste über ernsthafte Erkrankungen in mir aus. Panikattacken bis hin zur Hyperventilationstetanie waren die Folge.

Heute vor 2 Jahren war ein Wendepunkt. 11 Monate lang nahm ich ein Antidepressivum mit angstlösender Wirkung. Bis heute besuche ich regelmäßig eine Psychotherapeutin. Im Dezember letzten  Jahres hatte ich einen kleinen Rückfall. Morgen werde ich meine letzte Tablette mit Johanniskraut nehmen, das ich seit dem zur Unterstützung eingenommen habe, um über den dunklen Winter zu kommen.

Es hat sich seit diesem Tag vor 2 Jahren viel in mir getan. Die Erkenntnis, dass Selbstaufopferung für meine Familie und auch für meinen Job niemals der richtige Weg sein kann, weil es mich fast umgebracht hätte, ist eine davon. Dass ich einst die falsche Partnerwahl begangen habe und mein jahrelanger Trennungswunsch umgesetzt werden musste, um wieder zu mir zu finden – auch im Sinne der gemeinsamen Kinder – die andere. Ich bin noch mittendrin in einem Prozess, der viel Kraft braucht, aber ich bin voller Hoffnung und schaue zumindest die meiste Zeit zuversichtlich auf die kommenden Veränderungen in meinem Leben. Es kann nur besser werden, wenn ich wieder mehr ich selber sein darf, was nicht heißt, dabei meine Kinder aus den Augen zu verlieren – im Gegenteil. Aber nichts ist so schädlich wie das Verleugnen eigener Bedürfnisse. Ich bin jetzt wieder mehr bei mir, doch noch fehlt mir gerade für vieles die Motivation, ich denke und reflektiere zwar wie verrückt, aber es hilft mir, meine Themen zu bearbeiten. Ein großes Thema ist Schuld, selbstauferlegte oder von außen angenommene. Auch mein Selbstwertgefühl könnte besser sein. In vielen Punkten werde ich auch noch immer gerne getriggert und provoziert und es fehlt mir die nötige Portion Gelassenheit und „mir-doch-egal-Einstellung“, um besser damit umgehen zu können.

„Warum schreibt sie nur schon wieder vom gleichen Thema?“, wird sich der ein oder andere vielleicht fragen. Nun, mein Blogeintrag „Wenn Mama nicht mehr kann“ ist der mit Abstand am meisten geklickte Beitrag auf meinem Blog, dicht gefolgt von einem Nachfolge-Beitrag zum Thema. Auf diese Beiträge kommen die (vermutlich in erster Linie) Leserinnen durch Suchbegriffe wie Mütter, Erschöpfung, Kinder, Beruf, Vereinbarkeit oder auch schlicht Mama kann nicht mehr. Das zeigt mir, wie wichtig es wäre, dieser Problematik der erschöpften Mütter in der Öffentlichkeit mehr Beachtung zu schenken.

Übrigens: der dritthäufigste gelesene Beitrag auf meinem Blog ist dieser hier und bei den Suchbegriffe steht ganz klar im Vordergrund, warum Männer nicht aufräumen können oder die Frauen im Haushalt zu wenig unterstützt werden. Sogar die Frage danach, wie die Herren der Schöpfung das erlernen könnten oder wie man sie dazu bringt, mehr von sich aus zu tun, ist Anlass, die Suchmaschine zu aktivieren. Als wenn mir das nicht bekannt vorkäme… . Ich behaupte mal ganz frech, dass der Burnout der Mütter und zu wenig Unterstützung seitens der Väter irgendwie korrelieren – sofern Väter überhaupt nennenswert vorhanden sind. Ansonsten versteht sich der entstehende Zusammenhang wohl von selbst.

In diesem Sinne: achtet auf Euch und vergesst Euch bloß nicht selbst. Denn nur eine glückliche und zufriedene Mutter hat die reelle Chance, eine gute Mutter zu sein! 

 

Advertisements

Heute danke ich einfach mal mir – und den anderen fleißigen Müttern

Vorsicht: Dieser Text kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten!

Liebe Mütter,

ich wünsche, Frohe Weihnachten gehabt zu haben.Ich hoffe, Ihr habt all die Strapazen, die mit den Vorbereitungen und Ausführungen des Festes für Euch einhergingen, gut überstanden. Und ich danke all den Männern und Vätern, die ihren Frauen dabei tatsächlich tatkräftig unsterstützt haben! Soll es ja geben.

Weihnachten, das Fest, welches vor allem uns Frauen und Müttern alljährlich die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Manchmal ist es sogar mehr. In meinem Fall klappte ich vor zwei Wochen zusammen. Die Erschöpfungsdepression (Neudeutsch: Burnout) versuchte einen zweiten Anlauf. Ich hatte unschöne Symptome, die ich schon von vor zwei Jahren kenne. Aber keine Sorge, ich nehme jetzt Johanniskraut und bin nach ein paar wenigen Tagen, an denen ich mir jeweils mehr Ruhe und sogar etwas mehr Schlaf als sonst gönnte, wieder auf den Beinen. Letztlich war es ein über Monate anhaltender, zu extremer Schlafmangel und ein enormer Druck in vielen Bereichen meines Lebens. Neben meinen privaten Problemen, die mich seelisch sehr belasten, war es auch die Vereinbarkeit von Job, Familie und Haushalt. Wieder einmal. Denn neben meinem Job als Orchestermusikerin musste ich auch das Weihnachtsfest vorbereiten. Und dafür möchte ich mir heute einfach mal danken. Mir ganz alleine. Und ich bin auch die einzige, die Danke zu mir sagt. Denn niemand sonst aus meinem nächsten Umfeld (sprich: Vater meiner Kinder und seine Eltern. Die Kinder sowieso nicht, die sind auch noch zu klein dazu) ist auch nur ein klitzekleines „Danke“ oder gar „gut gemacht“ über die Lippen gekommen,  noch nicht mal annähernd.

Was wir Mütter leisten, wird als selbstverständlich angesehen

Und wenn wir es mal nicht mehr leisten können, werden wir unter Umständen auch noch dafür kritisiert. Dann waren wir wohl schlecht organisiert, faul oder machen sonst etwas falsch in unserem Leben.

Obwohl ich noch mit dem Vater der Kinder unter einem Dach lebe, hat er sich dieses Jahr bei den Vorbereitungen besonders herausgehalten. Lediglich das Festessen am zweiten Feiertage ging auf seine Kappe. Natürlich könnte man ihm die Füße dafür küssen, denn er ist ja ein Mann und hat schier unglaubliches damit geleistet. Und er hat den Baum ins Wohnzimmer geschleppt. Aber hätte ich mich auf ihn verlassen wie er sich auf mich, hätten die Kinder am Heiligabend keinen Besuch vom Weihnachtsmann bekommen und wären leer ausgegangen. Denn wir Großen wissen es längst: die Geschenke besorgen die Eltern. Also meistens die Mütter. Ich habe das also in völliger Eigenregie gemacht. Habe Ideen gesammelt, ausführlich geschaut, Angebote verglichen, eingekauft oder bestellt, Pakete geschleppt, entpackt, teilweise wieder verpackt und was eben so dazu gehört. Ich konnte den Vater noch nötigen, am 23.12. die Spielküche für KindNr. 2 zusammen zu bauen, bekam jedoch zu hören, dass das doch jetzt sehr kurzfristig wäre, ich hätte ihm eher Bescheid sagen sollen. In Gedanken schlug ich kurz meine Stirn auf die Tischplatte und sagte ihm, dass ich ihn seit 3 Tagen um Hilfe diesbezüglich bitten würde. Unerwähnt ließ ich, dass der Karton mit der Spielküche bereits seit 2 Monaten im Keller liegt und er das irgendwie mitgekriegt haben müsste. War eigentlich kein Geheimnis, dass ich die kaufen gefahren bin. Noch irgendwelche Fragen?

Ich habe drei Tage am Stück gerödelt – ohne Pause und bis spät abends. Habe die Wohnräume – soweit ich konnte – gesäubert, aufgeräumt, zwischendurch Weihnachtsfeiern besucht, Pakete gepackt, eingekauft, den wunderschönen Weihnachtsbaum akribisch geschmückt, an Heiligabend das Essen bereitet und nebenher die Kinder betreut. Der mir wieder einmal wunderbar gelungene Weihnachtsbaum wurde von den Erwachsenen genau so wenig gewürdigt wie die tollen Geschenke für die Kinder. Warum auch? Es wurde auch im Vorfeld nie gefragt, ob und was sie zu erwarten hätten. Das nenne ich mal Ignoranz vom Kindsvater (und genau genommen auch von dessen Eltern).

Und deswegen danke ich heute mal nur mir, dass ich das alles geschafft habe und meine Kinder glücklich machen konnte. Ich danke mir für ein weiteres Jahr voller Haus- und Versorgungsarbeit und vor allem für den ganzen, wirklich nicht unerheblichen Organisationsaufwand, den ich als Managerin meines Familienunternehmens leiste – neben meiner beruflichen Tätigkeit, welche in dieser Hinsicht auch noch einiges von mir abverlangt. Arbeit rund um Haus und Familie, die nicht nur unbezahlt, sondern auch ungelobt bleibt. Anerkennung seit Jahre gleich Null. Ich bin eben Mutter, es ist meine verdammte Pflicht, mich aufzuopfern, wenn es sein muss bis zur Erschöpfung (siehe oben). Dass ich eine Woche vor Weihnachten noch nicht einmal wusste, ob ich das Fest überhaupt in der Form schaffen könnte, so schlecht wie es mir da ging, war nie auch nur ein Wort wert. Das kann schon frustrieren und traurig machen.

Und ich danke Euch da draußen, Ihr fleißigen Mütter (und manchmal auch Väter). Ihr managt und organisiert wie verrückt ohne Rücksicht auf Eure Gesundheit und schafft es immer wieder, auch wenn Ihr manchmal – so wie ich – denkt, es geht nicht mehr. Aber bitte passt auf Euch auf! Denn aus Erfahrung weiß ich, dass es irgendwann wirklich nicht mehr geht, wenn Ihr Eure Grenzen zu oft und zu sehr überschreitet!

Alles Gute!

Keine Gefühle ist auch keine Lösung. Über die Liebe

Oder: Warum wir die Liebe brauchen und die Liebe uns.

Manchmal, wenn der Schmerz der Sehnsucht und des Vermissens zu unerträglich wird, weiß ich einfach nicht mehr, wovon ich noch träumen soll. Dabei habe ich lange nicht alles erreicht. Viel zwar schon, für manchen Außenstehenden sogar scheinbar alles, aber wer weiß schon, wie es wirklich in mir drinnen aussieht? Da ist diese immer wiederkehrende Leere, manchmal sogar Hoffnungslosigkeit, obwohl ich doch vieles positiv zu sehen versuche. An manchen Tagen liegt die Zukunft nur wage im Nebel.

Wenn der Schmerz mich wieder zu sehr übermannt, versuche ich einfach, gar nichts mehr zu fühlen – nur für den Moment. Und versage mir in diesem einen Moment, alle meine Träume zu träumen. Einfach von nichts mehr zu träumen, was mich umtreibt, beschäftigt, was ich zu gerne Wirklichkeit werden lassen würde, aber was nicht sein kann. Noch nicht. Vielleicht nie. Träumen verboten! Hoffen auch! Das große Glück zum Greifen nah und im nächsten Moment wieder unerreichbar fern. Was ist Glück überhaupt? Und wieviel darf man davon für sich selbst beanspruchen, was darf man erwarten, was sich gar nehmen? Muss es alles sein, oder reicht das kleine Glück. Bin ich einfach nur nicht bescheiden genug, dass ich immer (gleich) alles will?

Dieses eine Leben, das wir nur haben, es muss gut sein. Das erzeugt Druck. Auch Ungeduld, vor allem, wenn man sich bereits in der Mitte des Lebens befindet und die Sehnsucht riesengroß ist. Weil man nun sieht, wie es überhaupt richtig gut sein kann. Zum ersten Mal diese Ahnung davon, wie schön das Leben sein könnte, wenn… . Wie schön das Leben hätte sein können!

Erwarte ich also zu viel, verlange ich gar Unmögliches von meinem Schicksal? Sind meine Wünsche an das Universum zu unrealistisch? Dabei ist das Schicksal erst in jüngster Zeit so unglaublich gut zu mir gewesen. Es hat mir in einer Zeit der Hoffnungslosigkeit und Aussichtslosigkeit ein Zeichen gesandt. Und ich las es erst heute auf einem anderen Blog, diesen einen Satz, „Pfeiff‘ auf die erste große Liebe….Auf die letzte große Liebe kommt es an!“ (Nachzulesen in einem tollen Beitrag über die Liebe hier). Das ist so wahr, genauso wie die Aussage, dass man zur Liebe bereit sein und sich nicht aus Einsamkeit dazu verleiten lassen sollte. Das sind Fehler meiner Vergangenheit, die nur schwer wieder gerade biegen zu sind. Die Wunden sind groß und Narben werden bleiben, so oder so. Und doch muss ich lernen, das Vergangene vom Heute zu trennen – und (m)einen neuen Weg völlig unbedarft zu gehen. Das ist so schwer.

Ich bin bereit, bereit für die letzte große Liebe, für ein „für immer“. Endlich fühle ich dieses „Das ist der, mit dem ich alt werden will“. Zum allerersten Mal in meinem Leben. Ein erhabenes Gefühl. Ich bin dankbar für Engel und Schicksal. Ich bin dankbar. Dankbar für zwei gesunde Kinder und für meine gut bezahlte, feste Stelle. Das schöne (renovierungsbedürftige) alte Haus. Für vieles in meinem Leben habe ich hart gearbeitet und dafür auf anderes verzichtet. Denn natürlich ist mir bewusst, dass ich nicht alles haben kann. Was mehr darf ich also noch erwarten? Das alles so bleibt, schwere Schicksalsschläge ausbleiben, sollte mir doch gefälligst genügen. Bescheidenheit ist angesagt. Aber ich wollte schon immer ein klein wenig mehr. Und niemals Stillstand, gar Rückschritt akzeptieren.

Eine gute Partnerschaft, ein harmonisches Familienleben, danach sehne ich mich schon so lange. Denn ich war jahrelang schlicht „zweisam einsam“! Diese Sehnsucht nach Geborgenheit, nach Verständnis, gegenseitiger Wertschätzung, dieses „Ein-Team-Sein“, gemeinsame Ziele verfolgen und reden können und noch so einiges mehr, alles basierend auf einer tiefen, innigen und aufrichtigen Liebe füreinander – den starken Wunsch danach hatte ich letzten Endes aufgegeben und verdrängt. Bis er wieder spürbar wurde, weil ich wieder etwas spüren konnte. Weil ich wieder Gefühle zulassen konnte. Weil ich es mir wieder Wert bin. Und damit wurde so vieles in mir wieder zu neuem Leben erweckt. Nicht zuletzt auch die Hoffnung. Und die mag ich einfach nicht begraben. Nein, nein, nein!

Manchmal braucht es den totalen Zusammenbruch , damit sich wirklich etwas ändern kann. Auch das vermeintlich Schlimme hat seine guten Seiten. Also schaue ich nach vorne, nicht mehr zurück. Ich gehe gestärkt, ja, so stark wie seit vielen Jahren nicht mehr meinen Weg! Ich bin wachsam und gewappnet. Und ich bin dankbar!

Mütter häufig(er) vom Burn-Out betroffen

Warum nur, frage ich mich regelmäßig. Aber dann fällt es mir wieder ein: wir Mütter müssen einfach so viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Wir haben quasi mehrere Jobs, die alle gleichermassen gut erledigt sein wollen. Wir gehen nicht nur Geld verdienen, sondern arbeiten (!) zu Hause weiter, kümmern uns um Kinder und um den Haushalt. Sind sozusagen dauerbeansprucht, eben immer „in charge“ und für alles und jeden verantwortlich. Die Adventskalender müssen bestückt werden? Neue Winterklamotten her? Geschenke für diverse Kindergeburtstage organisiert werden? Weihnachten naht auch. Wer backt die Plätzchen, sucht Geschenke und Tannenbaum aus? Wer hat eben noch schnell die Martinslaterne gebastelt? Wer wäscht noch mal eben zwischendurch die dreckigen Klamotten und sieht dabei immer noch supersexy aus? Wir Mütter natürlich. Die Liste ist endlos lang von dem, was wir alles tun (müssen). Nicht, dass nicht auch Väter einige dieser Aufgaben übernehmen würden, das soll durchaus mal vorkommen. Aber sie denken nicht die ganze Zeit daran bzw. drüber nach. Ihre Köpfe sind nicht übervoll von To-Do’s. Wir Frauen fühlen uns einfach für alles zuständig, sind es häufig auch als wahre Organisationstalente und Multi-Tasker. Ich bin davon überzeugt: es sind weniger Väter, die derart gut den Überblick behalten können oder es überhaupt wollen. Entsprechend weniger brennen sie aus. Und manche schauen uns sogar seelenruhig dabei zu… .

Hier ein toller Artikel zum Thema.

Und noch einer.

Top lesenswert!

Was man so hört… XIV Stichwort: Antidpressiva bei Müttern

Die Juristin hat ein interessantes Zitat von Müttern gebracht, die an mehreren „Fronten“ kämpfen. Viele von uns kennen das, dieses Gefühl, dass alles zu viel ist.

Von anderen studierenden Müttern (Studium, Kinder, Hausbau):

„Erst seit ich die Antidepressivia nehme, merke ich plötzlich, wie schlecht es mir eigentlich die ganze Zeit ging.“

Hier gehts zum Original.

Meine eigene Erfahrung

Ich selber habe nach einem kompletten Zusammenbruch 11 Monate lang Antidepressiva genommen. Es dauerte eine Weile, bis sie ihre positive Wirkung gezeigt haben. Zunächst einmal hatten sie ein paar Wochen ihre möglichen Nebenwirkungen offenbart. Meine Panikattacken waren schlimmer und zahlreicher als je zuvor. Und dann ging es mir eine ganze Zeit lang richtig gut. Ich war viel gelassener und insgesamt besser drauf. Stresssituationen, egal ob körperlich oder psychisch bedingt, konnte ich besser verkraften. Und vor allem konnte ich besser schlafen. Auch tagsüber mal schnell einpennen, um für die Kinder und den Alltag wieder Kraft zu tanken, war mir nun endlich wieder gegeben. Das alles tat mir gut und ich fühlte mich so gut wie zuletzt, bevor ich Mutter wurde und noch mein altes Leben mit Ruhepausen und Zeit für mich leben konnte. Ich sagte immer, dass ich zu mir selbst zurück gefunden hätte, eben auch mit Hilfe von Antidepressiva.

Mit oder ohne?

Vor einem Monat habe ich die Tabletten nach dem typischen Ausschleichen über mehre Wochen komplett abgesetzt. Ich dachte, ich sei soweit, ohne klar zu kommen. Doch in der jüngsten Zeit fing es wieder an mit einigen der Symptome, die ich auch hatte, bevor ich die Tabletten nahm bzw. in den ersten Monaten nach dem Burnout auch unter den Tabletten immer noch mal auftraten. Nun kommt hinzu, dass ich eine emotional sehr anstrengende Zeit hinter mir habe (ehrlich gestanden stecke ich noch mitten drin), dazu kam umständehalber auch zu wenig Schlaf. Oft kann ich wieder nicht richtig „runterfahren“, zur Ruhe kommen und somit in den Schlaf finden. Oder mein Schlaf ist recht oberflächlich. Ich habe weniger gute Laune, bin wieder reizbarer, der Alltag erscheint mir wieder anstrengender, denn manche körperlichen Symptome beeinträchtigen meinen Alltag und logischerweise mein Wohlbefinden. Ich bin also gerade mal wieder komplett „durch“. Und so überlege ich tatsächlich, das Zeug wieder zu nehmen, wenn es schlimmer wird, es mir also nicht durch „gutes Zureden“ wieder besser geht. Hier entsteht nämlich ein Teufelskreis. Man fühlt sich scheiße und kommt aus dem Gefühl einfach nicht raus, weil die Probleme anhalten und man dazu nicht die richtige Einstellung oder Lösung findet. Eventuell steigert man sich dann noch mehr rein und verstärkt somit die Symptome, denn die körperlichen Symptome spielen eben mit. Sie signalisieren mir, dass irgend etwas nicht stimmt. Jedenfalls geht es mir in meinem konkreten Fall so.

Mama muss funktionieren

Aber verdammt noch mal, ich muss funktionieren. Sei es in meinem Job oder als Mutter und Hausfrau etc. Ich wollte nicht noch einmal erleben, was ich vor einem Jahr erlebt habe. Aber es ist eben das Leben, mein Leben mit meiner (Hoch-)Sensibilität und der Vorbelastung aus einer depressiven Episode / dem Burnout. Da ist die Angst, das wieder zu erleben, sobald’s im Leben irgendwo hakt, eben ein (fast) ständiger Begleiter. Und ich habe nach wie vor wenig Zeit für mich, auch wenn es mir besser gelingt, sie für mich einzufordern als in der Zeit, als die Kinder noch sehr klein waren.

–> Gerade bin ich home alone, die Kinder sind bei den Großeltern, die ich spontan gefragt habe, mir zu helfen, weil es mir wirklich nicht gut geht. Und ich habe natürlich wieder das berühmte Mutter-Schlechte-Gewissen. Und das, obwohl die Kinder freudestrahlend ihre Sachen gepackt haben und ohne zu weinen mit OmaOpa mit gefahren sind. Ich vermisse meine Kinder tatsächlich gerade, aber ich habe gespürt, dass ich dringendst endlich mal wieder eine kleine Auszeit brauche und mal einen Morgen, an dem ich etwas länger schlafen darf. Ich weiß nicht, wie viele Monate es her ist, dass ich mal ausschlafen durfte. <–

Warum Antidepressiva?

Nun dürfte der Grund für die Einnahme von happy pills sehr individuell sein und die Präparate sind auch unterschiedlich. Der Gründe, warum eben auch vermehrt wir Mütter zu diesen Medikamten greifen, dürften also recht individuell sein. Aber oft ist eben eine deutliche Überbelastung und die in der heutigen Zeit extrem hohen Anforderungen, die an uns Frauen mit Kindern gestellt werden, dafür verantwortlich, dass es nicht ohne geht. Und das macht mich nachdenklich und traurig zugleich. Für mich entsteht hier ein Teufelskreis. Ich würde so gerne ohne diese Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, also das Zeug, was ich mir eingeworfen habe) auskommen, ich fände es für mich persönlich schade, wenn es auf Dauer nicht ohne ginge. Denn die Tabletten dämpfen auch schöne Gefühle. (Und z. B. sexuell ist’s ohne einfach schöner 😉). Und sie haben noch weitere Nebenwirkungen. Aber am Ende zählt eben, dass es mir so gut geht, dass ich für die Kinder eine gute Mutter bin. So ist das eben.

Am Ende möchte ich meine LeserInnen bitten: traut Euch, schreibt mir Eure Erfahrungen zum Thema, natürlich gerne anonym. Ihr würdet mir echt helfen. Es ist noch immer ein großes Tabuthema, wenn Menschen – und eben auch wir Mütter – solche Medikationen benötigen, um auf den Beinen zu bleiben. Wieviele sind es wirklich da draußen. Meldet Euch!

Reblogged: „Ich will nicht brennen. Ich will glühen.“

Vor wenigen Wochen bin ich auf einen neuen Blog gestoßen. Nun, das ist ansich nichts ungewöhnliches, wenn man seine EntspannungsMomente u. a. gerne damit verbringt, sich durch diverse Blogs zu lesen. Allerdings hat nicht jeder das Potential, mich so zu fesseln, dass ich immer wieder rein schauen möchte. Bei meiner Neuentdeckung jedoch stimmen die Inhalte, und die Autorin – im übrigen 3-fache Mutter – hat einen, wie ich finde fantastischen Schreibstil. Sie schafft wunderbare Bilder (Metaphern) zu Themen, die interessieren. Ihr aktuellster Beitrag beschäftigt sich so auch mit dem „Ausbrennen“. Ihre Worte tun gut und ich habe beim Lesen die ganze Zeit zustimmend nicken können.

Ihr (Lebens-)Motto lautet dann auch, „Sei dir gut!“

Drei so einfach klingende Worte, die so viel bewirken, wenn wir uns nur täglich an sie erinnern und versuchen, danach zu leben.

Aber lest selbst! Hier findet ihr besagten Blogeintrag. Liebe Natalia, herzlichen Dank für deine Erlaubnis zum Rebloggen deines Textes zum Thema Burnout.

 

(M)ein Leben nach dem #Burnout – Ich bin „jede 5. Mutter“ *

p1000330

Der Weg ist das Ziel (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

(Aktualisierte und ergänzte Fassung vom 19. Jan. 2017)

Jetzt schreibt sie ja schon wieder von diesem Thema, das ewig gleiche. Die erschöpfte Mutter. Aber ich finde, das ist ein Thema, über das man in der heutigen Zeit nicht oft genug schreiben kann, um das Umfeld dafür zu sensibilieren. Um den Leuten, vor allem denen ohne Kinder und auch noch etlichen Herren der Schöpfung, einmal klar zu machen, dass wir Frauen und Mütter nicht immer das perfekt-schöne Leben führen, auch wenn wir zu Hause eine (angeblich) ruhige Kugel mit Kind(ern) schieben, im „Babyurlaub“ sind und gerade nicht „arbeiten“ im Sinne von Gelderwerb. Auch nicht dann, wenn viele Mütter häufig nur noch in Teilzeit arbeiten, so neben den Kindern und dem bißchen Haushalt, haha.

Wie aber geht es mir ganz persönlich nach diesem Zusammenbruch, den ich als „schweren Burnout“ bezeichne, wenn ich ihn mal „so nebenbei“ erwähne? Das ist gar nicht einfach zu beantworten. Ich werde es weiter unten versuchen. Fragen tut auf jeden Fall keiner – oder nur engste Freunde. Aber an und zu ergibt sich für mich die Gelegenheit, im Kollegen- oder Bekanntenkreis davon zu berichten. Beiläufig, mich möglichst nicht zu sehr in den Vordergrund drängend. Ich möchte andere für dieses ernste Thema sensibilisieren. Burnout – das trifft eben nicht nur überforderte Manager oder Arbeitnehmer, nein, es trifft auch Frauen, besser gesagt Mütter, die versuchen, Familie, Beruf und ihre eigenen Wünsche unter einen Hut zu bringen und allem und möglichst jedem gerecht zu werden. Mütter,  die gerade in der heutigen Zeit enorm unter Druck stehen. Weil einfach so viel von ihnen auf allen möglichen Ebenen verlangt und erwartet wird. Oder wir Mütter glauben, überall annähernd perfekt mitmischen zu müssen.

Vielleicht sind Alleinerziehende häufiger von einer totalen physischen und psychischer Erschöpfung betroffen, vor allem dann, wenn sie wirklich für alles alleine verantwortlich sind, es keinen Wochenend-Papa, Großeltern oder ein anderes verfügbares soziales Netzwerk gibt. Das ist dann der „worst case“. Aber auch Frauen mit viel arbeitenden Männern an ihrer Seite, oder mit Männern, die sich wenig für die Belange von „Mutti“ interessieren, sind in Gefahr. Ich selber fange den Schichtdienst meines Mannes auf, dazu gehören von ihm durchgearbeitete Wochenenden (wenn ich selber mal eine Pause bräuchte), Nachtschichten, vor und nach denen der Mann schlafen muss oder eben häufige 12-Stunden-Schichten. Hinzu kommen meine eigenen oft unregelmäßigen Arbeitszeiten, die bis in die Nacht hinein gehen.

Letztendlich können auch Mütter, die mit ihren Kindern gänzlich zu Hause sind, von einem  Burnout betroffen sein. Denn viele Faktoren spielen beim Entstehen dieser Erkrankung eine Rolle.

Wenn der Körper streikt

Sicherlich sind Menschen unterschiedlich disponiert, was ihre ganz eigenen Resilienz, also ihrer Widerstandskraft gegenüber Belastungen angeht. Die einen halten länger unter hohen Belastungen durch, brauchen weniger Schlaf, weniger Auszeiten für sich selber und nehmen sich nicht gleich alle (gefühlte) Kritik  zu Herzen. Und andere trifft es eben eher. Sie sind weniger gelassen, halten dem übervollen Sorgenkonto irgendwann nicht mehr stand und erliegen schließlich ihrer totalen körperlichen und psychischen Erschöpfung. So wie ich. Als hochsensibler Mensch stoße ich vielleicht früher an meine Grenzen, wo mir alles zu viel wird als jemand, der mehr von den äußeren Reizen wegfiltern kann. Mir fehlt vor allem immer wieder Ruhe, Zeit mit mir alleine,  mein Selbst, meine Interessen, mein eigenes Leben eben – abseits meiner Kinder und der dazu kommenden, mehr als lästigen Hausarbeit. Auch habe ich unter meinen zwei Kindern ein sehr anstrengendes, welches uns Eltern in vielen Belangen sehr fordert. Und ich habe Altlasten.

Ausgebrannt

Ja, mir ist es passiert. Ich konnte irgendwann gar nicht mehr, nach dem ich schon lange nur noch aus dem „letzten Loch pfiff“. Ich habe mich lange gequält und es nicht wahr haben wollen. Besser, ich musste erst einmal realisieren, was da mit mir überhaupt geschieht und das es tatsächlich Panikattacken sind, die mich immer wieder heim suchen. Und die Ärzte, zu denen ich tatsächlich bereits ein gutes Jahr zuvor hilfesuchend ging, erwähnten, dass ein Burnout im Bereich des Möglichen wäre, aber keiner konnte mir sagen, was ich tun sollte, damit es nicht so weit kommt. Hier oder da mal ein Stündchen für mich hat einfach nicht mehr ausgereicht, um noch die Kurve zu kriegen, um mich so weit erholen zu können, dass die Akkus wieder annährend voll waren. Es war längst zu spät. Ich kam aus der Spirale nicht mehr heraus. So richtig hat mir also niemand geholfen und konnte mir niemand helfen. Damit war der totale Zusammenbruch quasi vorprogrammiert.

Um allen möglicherweise Betroffenen einerseits Mut zu machen, dass es ein „Leben danach“ gibt, aber auch eventuell eine Möglichkeit, dass es erst gar nicht so weit kommen muss, dafür möchte ich hier noch einmal aufschreiben, welche Symptome und Anzeichen es bei mir gegeben hat. Und was ist überhaupt ein Burnout? Eine Begriffserklärung aus meiner Sicht, ohne jetzt den Duden oder einschlägige psychologische Seiten zu konsultieren:

Burnout, das ist erst einmal ein moderner Begriff für eine Erschöpfungsdepression (oder auch: psychisches Belastungs-oder Erschöpfungssyndrom), ist also artverwandt mit einer Depression. Aber für mich ist es nicht unbedingt das gleiche. Es fühlt sich zeitweise vermutlich gleich an – und ich habe lange überlegt, ob ich nun depressiv bin oder nicht. Sicher, solche Momente geprägt von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, vielleicht sogar Aussichtslosigkeit, zumindest in dem Moment, die gab und gibt es immer mal wieder. Ich selber bin aber ein viel zu lebensbejahender und optimistischer Mensch – zumindest meiner ganz persönlichen Einschätzung nach – das ich glauben kann, eine (immer wiederkehrende) Depression zu haben. Eine depressive Episode war mein Burnout aber zweifelsohne. Und dem voraus ging eine Zeit, in dem mein Denken zunehmend von Sinnlosigkeit geprägt wurde.

Burnout, das heißt ausgebrannt sein. Und das trifft es für mich sehr gut. Die Akkus sind irgendwann komplett leer und lassen sich nicht so null-komma-nichts wieder aufladen. Wie gesagt, kleine Auszeiten haben es irgendwann nicht mehr gebracht. Ich war leer, wirklich ausgebrannt und zu nichts mehr fähig, mein Körper hat seinen Dienst schließlich komplett versagt.

Wie alles begann. Eine Mutmaßung

Angefangen hat das ganze vermutlich schon nach der Geburt meines ersten Kindes. Wenn ich ganz ehrlich bin, so habe ich die Weichen dafür vermutlich noch viel eher gestellt (Stichwort Altlasten). Mein Leben hat sich vor nun fast 5 1/2 Jahren von einem Tag auf den anderen mit der Geburt meines Sohnes total verändert. Nichts war mehr so wie vorher, alles, was zuvor mein Leben bestimmt hatte, schien plötzlich in weiter Ferne. Und auch die Liebe zu diesem neuen Menschlein konnte diesen gewissen Verlust nicht immer kompensieren. Hinzu kam wirklich ein unglaublicher Schlafmangel ausgelöst durch ein wirklich extrem schlecht schlafendes, viel schreiendes Baby. Und eine Monotonie des Alltags, die ich so nicht kannte. Nach 7 Monaten schließlich kam die Mehrfachbelastung, ich ging wieder in meinen alten Job zurück, und machte diesen – oder versuchte es zumindest – wie zuvor auch. Als wäre nichts gewesen.

2 Jahre später kam mein zweites Kind auf die Welt. Auch wenn ich dieses Mal wusste, was da auf mich zukommt oder kommen könnte und mir vieles leichter erschien, so hatte ich nun ja zwei kleine Menschlein zu versorgen. Auch wenn mir KindNr. 1 plötzlich so groß vorkam, so weiß ich heute, dass er noch so unglaublich klein war. Ich war schlicht überfordert, müde, ausgelaugt und vor allem existierte ich selber nicht mehr – und ging nach 9 Monaten erneut in den Job. Dieses Mal zweifelte ich diese Entscheidung aber enorm an, so wie plötzlich alles, was mein Leben und auch in der Vergangenheit gemachte Entscheidungen anbelangte. Und diese Zweifel wurden mit zunehmender Erschöpfung immer größer. Wozu mache ich das alles? Aber ich muss ja Geld verdienen, um im Jetzt und erst recht im Alter von etwas leben zu können. Mein Mann verdient zu wenig, um eine vierköpfige Familie zu ernähren, und in die Abhängigkeit würde ich mich ebenfalls niemals begeben wollen. Schon gar nicht bei unseren Paarproblemen, die mich zusätzlich – oder vielleicht sogar zu großen Teilen – mit nach unten zogen.

Jobalternativen gab (und gibt) es keine. Also machte ich einfach weiter. Mit schwierigem KindNr. 1, den ständigen, von ihm ausgehenden Geschwisterstreitigkeiten, meiner schwieriger Ehe, vielen Altlasten und dieser unsagbaren Müdigkeit. Und dann war da vor allem auch noch der Anspruch an mich und andere. Gut geführter, nicht allzu chaotischer Haushalt und gut im Job. Gute Mutter, die nicht ausrastet, wenn ihr alles zu viel wird, was ich nicht schaffte… . Also begleiteten mich auch noch diese ständigen Schuldgefühle, weil ich all meinen Aufgaben nicht gerecht werden konnte und viel zu viele Fehler machte. Darunter unverzeihliche. Und je schlechter es mir ging, desto mehr glaube ich, das gehöre so, also dass ich mich so aufopfere, dass ich selber nicht mehr zähle, dass ich keinen Anspruch mehr auf mich habe dürfe. Immerhin: ich hatte mich doch für das Muttersein entschieden, ich wollte Kinder, also bitte, dann muss ich da jetzt auch durch, dann ist es ganz normal, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr zur Debatte stehen. Das Darben gehört halt einfach dazu, basta! Ich glaube, ich müsse mich quälen, das würde man von mir verlangen bzw. ich verlangte es aufgrund dieser Vorstellungen von mir. Und lange Zeit hat mir auch niemand erzählt, dass ich auch irgendwie wichtig wäre. Ich ahnte es zwar und sehnte mich nach meinem alten Leben, wieder mit schlechtem Gewissen. Und klar, so lange die Kinder sehr klein sind, ist die Belastung besonders hoch. Da ist es sehr schwer oder nur mit sehr gut ausgebautem Netzwerk und viel Gelassenheit und Resilienz möglich, gut durch diese Zeit zu kommen. Ich hatte zu wenig von all dem und kam eben nicht durch. Ich funktionierte nicht mehr!

Meine Symptome – Mama funktioniert nicht mehr

Meine Symptome waren folgende, mit der Zeit traten immer mehr auf (die Reihenfolge entspricht allerdings nicht ihrem tatsächlichen Auftreten):

  • Schwindelgefühle, und zwar nicht nur dann, wenn ich mal eben aufstand, sondern einfach so zwischendurch
  • Müdigkeit, permanente. Auch nach einer guten Nacht. Nach sehr wenig Schlaf hätte ich auf der Stelle einschlafen können, aber durfte nicht. Wie oft musste ich mich wachhalten und weiter funktionieren. Und wenn ich mal die Chance hatte, ging es auch nicht. Denn ich hatte
  • Schlafstörungen Tagsüber einschlafen konnte ich nicht mehr, und nachts wachte ich ständig auf, lag mehrere Stunden wach und das alles zu den von den Kindern verursachten Störungen. (Ich war allerdings schon lange ein schlechter Schläfer und glaubte, es gehöre dazu).
  • Gereiztheit, Aggressivität. Ich habe echt geglaubt, ich sei der schlechteste Mensch überhaupt und dass ich so langsam verrückt werde. Ja, richtig verrückt, psychische Störung, psychische Erkrankung oder so etwas. Ich habe mich nicht mehr für normal gehalten, sondern einfach für krank. Und ich fing häufiger an zu heulen, einfach so, aus dem Nichts. Sitze da mit den spielenden Kindern und plötzlich heule ich los.
  • Die ganzen körperlichen Symptome setzten eine Spirale der Angst in Gang. Ich fühlte mich fast immer so elend, ich konnte nur schwer körperlich krank sein. Krebs oder sonst etwas. Wieviel ich meine Symptome googelte, was das alles sein konnte. Und mein Blutbild wies sowieso immer einige Ungereimtheiten auf, zu hohe Entzündungswerte z. B. Und ein schwerer Eisenmangel der Körpereisenwerte. Auch das erschöpfte mich sicher zusätzlich.
  • Aus Angst, krank zu sein, frühzeitig sterben zu müssen, nicht mehr meine Kinder aufwachsen zu sehen, nicht mehr funktionieren zu können, bekam ich noch mehr Angst. Dies erzeugte Angst vor der Angst, ich hatte Angst- und Panikattacken. Wenn mich nach dem Zusammenbruch Leute fragten, was ich denn hätte, habe ich immer gesagt, ich leide unter einer Angst- und Panikstörung (mit depressiven Anteilen), denn das war meine Diagnose. Gerade als meine Erschöpfung ihren Höhepunkt erreichte und ich schließlich anfing, Antidepressiva zu nehmen, hatte ich unglaublich starke Panikattacken. Ich erlebte, wozu der Körper fähig ist, also im negativen Sinne.
  • Ich hatte immer wieder Herzrasen. Das wurde abgeklärt, es sollte alles in Ordnung sein. Es fühlte sich so an, als würde mein Kreislauf einfach zusammenbrechen. Am Ende war das natürlich besonders schlimm. Da lag ich einmal einfach nur auf dem Sofa und sah meinen Kindern beim Spielen zu und es wurde mir plötzlich ganz komisch und ich glaubte, im nächsten Moment sterben zu müssen.
  • Ich hatte Atemprobleme, für mich eines der schlimmsten Symptome, die mich lange und immer wieder begleiteten. Fühlte sich an, als wäre zu wenig Sauerstoff um mich herum. Ich bekam einfach nicht genug von dem lebenswichtigen Zeug. Und ich atmete häufiger nicht mehr autonom. Ich musste mich richtig darauf konzentrieren, damit ich das Atmen nicht vergesse. Nachts wachte ich auf, weil ich zu Atmen aufgehört hatte. Besonders in der ersten Zeit nach dem Komplettabsturz meines Systems gab das ganz schlimme Nächte, zusammen mit den nächtlichen Panikattacken. Ich war einfach kurzatmig, weil mir ja auch generell die Kraft fehlte.
  • Ganz am Ende hatte ich noch nicht einmal mehr die körperliche Kraft zum Sprechen. Versuchte, meinem Sohn ein Gute-Nacht-Buch vorzulesen und konnte fast nur Flüstern.
  • Ich kam kaum mehr hoch, musste mich richtiggehend zwingen. Ich hatte mental noch Lust auf das Leben, aber mein Körper wollte nicht mehr. Ich erinnere mich, dass ich auch nach einer gut geschlafenen Nacht nicht mehr konnte, mich unter die Dusche schleppte – und mich schließlich das erste Mal von meinem Mann ins Krankenhaus fahren ließ. Auf dem Weg dahin hatte ich eine Hyperventilationstetanie, mein gesamter Körper kribbelte und verkrampfte und ich dachte, ich müsse sterben. Es war mein Nahtoderlebnis. Seit dem ist eine Tüte mein ständiger Begleiter. Allerdings tauchte das Kribbeln auch auf, wenn ich wieder besonders unter Anspannung stand, ich also der Meinung war, nicht völlig falsch geatmet zu haben. Das Kribbeln meiner Nasenspitze z. B. war einfach nervig undunheimlich.
  • Überhaupt, mein Körper war zusehends total verkrampft. Ich konnte gar nicht mehr entspannen. Er muss überschüttet gewesen sein mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Diese Verkrampfung hatte ich auch hinterher, also nach den Monaten nach dem Zusammenbruch immer noch, es fühlte sich an wie eine Verkrampfung von innen. Fürchterliches Gefühl, als würde das Blut sich verfestigen und man innerlich verkleben oder so.
  • Ich hatte, passend zum Schwindel auch Sehstörungen. Also unscharf sehen auch mit Brille auf der Nase. Aber auch immer wieder einen gewissen Druck im Kopf und im gesamten Körper.
  • Ich hatte am Ende so etwas wie Hitzewallungen (und dachte an eine verfrühte Menopause), vor allem Hitzegefühle hinter der Stirn. Auch ein Gefühl, das man echt nicht haben muss.
  • Und dann fing irgendwann das Brummen und Zittern an. Spätestens da wusste ich, dass irgendwas Schlimmes im Gange sein muss. Dieses Brummen wurde immer lauter, es war so unheimlich laut, wie ein Tinnitus, der von meinem gesamten Körper produziert wurde. Das war vor allem nachts unheimlich nervig.
  • Es kribbelte, in den Händen, in den Füßen, das Gesicht, alles. Ich überlegte, was das sein könnte. Multiple Sklerose vielleicht? Und in den Tagen, bevor ich mich vom Krankenwagen abholen ließ, da fing plötzlich einfach mal ein komplettes Bein zu kribbeln an.

Und so konnte ich mich schließlich einfach nicht mehr auf den Beinen halten. Nichts ging mehr.

Wieder einmal in der Notaufnahme

Und dann kam der Arzt im Krankenhaus, der mich soweit ernst nahm und mir ein Antidepressivum verschrieb. Eines aus der Gruppe der SSRI, ein sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Und es begann ein langer Prozess der Genesung bzw. des Akzeptierens, des Lernens, des Änderns meiner inneren Einstellung. Was mir gelang, als es mir körperlich besser ging. So gut wie seit Jahren nicht mehr. Also doch nicht todkrank, nur manchmal etwas müde und schlapp und einfach überfordert.

In den ersten Wochen lag ich einfach nur da, die Nächte waren schlimm und tagsüber konnte ich gar nicht schlafen. Ich konnte anfangs gar nichts machen, selbst Lesen war mir zu viel. Fast zwei Wochen habe ich gar nichts gegessen, selbst Schokolade kam mir nicht über die Lippen. Um meine Kinder musste sich mein Mann ganz alleine kümmern. Ich starte die Decke an oder hielt die Augen nach Möglichkeit einfach geschlossen, denn das war weniger anstrengend. Da lag ich und gab meinem Körper und Geist das, was er sich jahrelang immer deutlicher eingefordert hatte: Ruhe! Nach einiger Zeit konnte ich mich zeitweise in den Sessel oder auf meinen Sitzsack setzen. Ich schaute aus dem Fenster und genoss diese ruhigen Momente, wenn meine Kinder im Kindergarten waren. Viel tun konnte ich nicht. Bestimmt nicht üben oder all die Dinge, nach denen ich mich so lange schon sehnte, z. B. Klavier spielen oder Lesen. Irgendwann machte ich wieder ein wenig im Haushalt, aber nicht zu viel. Und ich fragte mich, ob dieses scheußliche Brummen und Zittern meinen Körper irgendwann wieder verlassen würde. Es sollte Wochen dauern, bis es weniger wurde, und Monate, bis ich es gar nicht mehr spürte….

Und heute? Oder: Phoenix aus der Asche

Wie geht es mir heute, 10 Monate danach?

Ich hatte den Text schon vor zwei Monaten getippt und ihn jetzt überarbeitet. Ja, zwischenzeitlich ging es mir richtig gut. Lest selbst:

Ich kann besser schlafen. D. h., ich schlafe auch tagsüber viel leichter wieder ein. Ich kann nämlich etwas besser loslassen und setze andere Prioritäten. Ich schlafe halt, anstatt den Haushalt zu machen oder zu glauben, noch Zeit für mich, für meine Interessen haben zu müssen. Schlafzeit ist die gesündeste Form der me-time. Ich übe noch weniger bis gar nicht, ich komme zu vielem nicht. Aber ich versuche, die Maschine am Laufen zu halten durch Schlaf und Ruhe.

Ich kann zu wenig Schlaf – und ich komme schnell unter das Pensum, welches ich eigentlich bräuchte –  überhaupt nicht mehr ab. Und sobald ich mich nicht gut fühle, irgendwas nicht stimmt, kommt die Angst zurück, die Angst davor, dass ich irgendwann wieder so ein Burnout erlebe, dass mein Körper erneut nicht mehr kann und aufhört zu funktionieren oder ich eben doch schwer krank bin. Ich muss auf mich achten, aber es ist gar nicht so einfach im Alltag, als berufstätige Mutter zweier Kinder. Ich habe gelernt, Dinge liegen zu lassen, weniger zu tun. Ich habe wieder mehr Freude am Leben, ich tue manchmal wieder etwas für mich. Ich habe meine Einstellung zu vielem geändert. Ich bin gelassener und ruhiger geworden.

Außerdem schrieb ich vor einiger  Zeit:

Im Internet las ich einen Artikel darüber, dass ein Burnout durch 4 Phasen ginge. Bevor man also komplett zusammen bricht, kündige sich das Ganze nach und nach an. Leider ist der Artikel online nicht mehr verfügbar, aber ich dachte mir beim Lesen so, dass ich sie alle erlebt habe, diese 4 Phasen eines Burnouts.

(An anderer Stelle fand ich eine 12-stufige Spirale, die den Weg zum totalen Zusammenbruch anzeigt).

Was mir von dem Artikel am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist der Abschnitt darüber, dass das eigene Leben plötzlich verstärkt angezweifelt wird und Entscheidungen nur noch sehr schwer zu treffen sind. So war es auch bei mir. Ich war erstaunt darüber, dass mich selbst Kleinigkeiten vor schwerwiegende Entscheidungsfindungen stellten. Ich konnte mich oft einfach nicht mehr entscheiden, weil ich Angst davor hatte, Fehler zu machen. Für mein weiteres Leben gravierende Fehler. Ich habe in meiner starken physischen wie auch psychischen Erschöpfung mein Leben komplett angezweifelt, und zwar jede Facette. Angefangen von der Partnerwahl, meinem Wohnort und Haus, meinem Job bis hin zu der Entscheidung, zwei Kinder bekommen zu haben. Ich konnte kaum mehr nachvollziehen, dass es eine Zeit in meinem Leben gegeben haben sollte, wo ich mich für Dinge entschieden hatte und Risiken eingegangen war, um etwas z. B. beruflich zu erreichen. Dieses Wesen erschien mir so unheimlich weit weg. Auch der lebenslustige Mensch, der Freude an so vielen Dinge hatte, nicht zuletzt an der Gesellschaft anderer Menschen und geselliger Runden, kannte ich nicht mehr.

Mein Körper zeigte mir mehr als ein Mal an, dass ihm alles zu viel war. Ich war immer wieder „komisch und für mich unerklärbar“ krank. Ich wußte einfach nicht, was es ist, was mich da immer so lahm legte, dass ich kaum mehr hoch kam – oder sofort wieder völlig kraftlos zusammen sackte. Frauen entwickeln aus dieser völligen Überbeanspruchung ihrer Kräfte dann häufig eine Angst- und / oder Panikstörung. Auch die zeigte sich bei mir bereits immer wieder im Laufe des dem Zusammenbruch vorangehenden Jahres. Aber ich habe sie lange Zeit nicht erkannt und mit schlimmen Krankheiten in Verbindung gebracht, die ich mir ergoogelte oder über wikipedia zu Gemüte führte. Die Symptome hätten auch oft gepasst. Aber Herzrasen, Atemnot, totale körperliche Schwäche und Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, völlige Verspannung des gesamten Körpers, das passiert eben auch, wenn der Körper über Jahre extremem Schlafmangel und permanenten Stress ausgesetzt ist. Vieles von dem Stress selbstgemacht und im Kopf entstanden. Als dann noch permanenten Zittern und auch Kribbeln im Körper dazu kam, kam auch  immer öfter die Todesangst. Ernsthaft! Gleich bricht mein Kreislauf komplett zusammen, dachte ich mehr als ein Mal.

Erst durch eine Einstellungsänderung zu meinem derzeitigen Leben, psychologische Unterstützung von mehreren Seiten und einem Serotonin-Wideraufnahme-Hemmer (SSRI, auch bekannt als Antidepressivum), haben mich wieder auf die Beine gebracht. Ich funktioniere weitestgehend wieder, sei es in meinem Job als Orchestermusikerin wie auch privat als Mutter. Ich habe wieder mehr Freude am Leben. Aber ich muss sehr auf mich Acht geben und Ruhepausen auch wirklich nutzen. Ich merke sofort, wenn ich zu wenig schlafe. Ich bekomme dann Angst, Angst im Alltag zu versagen, weil ich zu schwach bin für die Erledigung der mir auferlegten Aufgaben und Verantwortungen. Weil ich Angst habe, dass mir das wieder passiert. Ich möchte nicht wieder wochenlang aus meinem gewohnten Leben gerissen werden, weil ich nicht mehr kann. Ich möchte nicht wieder das Gefühl haben, total depressiv zu sein, obwohl ich meiner Ansicht nach allenfalls ein nachdenklicher und melancholischer Mensch bin, aber nicht ernsthaft depressiv. Ich habe Spaß am Leben! Aber dafür brauche ich inzwischen ein Grundmaß an Wohlbefinden. Alles andere kommt einer Quälerei gleich, durch die ich mehrere Jahre gegangen bin.

Ungläubig schaue ich heute manchmal zurück und frage mich, wie ich das schaffen konnte. Das alles, die letzten Jahre. Ich habe mich so alleine gefühlt – und war es wohl auch.

Und doch – und das hier ist die Fortsetzung 2 Monate später – gerade die letzten Wochen waren wieder sehr anstrengend für mich. Die Probleme mit KindNr. 1, die erneute (!) Verschlechterung meiner Beziehung, das alles bleibt eine große psychische Belastung und verlangt viel Kraft von mir. Auch die Schlafstörungen sind zurück. Ich bin bereits seit 2 Uhr heute nacht wach, konnte nicht mehr einschlafen. Jedenfalls nicht bis zu dem Zeitpunkt, als um 5:50 h mein Wecker klingelte. Dass ich nicht gut einschlafen kann oder wieder öfter aufwache, beobachte ich nun schon seit mehreren Wochen. Daher glaube ich, hat es wenig damit zu tun, dass ich vor 2 Wochen begonnen habe, das Antidepressivum auszuschleichen.

Dazu habe ich vermehrt (wieder) Magen-Darm-Probleme, unter anderem mit Magenschmerzen und Übelkeit, was mich kräftemäßig sehr runterzieht. Dazu große Probleme im  Nacken- und Rückenbereich, so dass ich inzwischen Gefühlsstörungen in den Fingern der linken Hand habe. Beängstigent, nicht nur als Linkshänderin, sondern als Berufsmusikerin, die alle ihre 10 Finger braucht. Mit dieser Sorge und tauben Fingern dem Alltag immer total gelassen zu begegnen, fällt mir nicht leicht. Und manchmal ist da wieder dieses Gefühl mit den Kreislauf und der Angst… . Also, Baustellen ohne Ende. Und gerade fehlt es mir wieder so, dass ich zu nichts komme, die Kinder, vor allem das erste, erst sehr spät ins Bett gehen. Da bleibt einfach keine Zeit für mich!  Schon gar keine qualitativ hochwertige.

Die Schuldfrage

Damit kein falscher Eindruck entsteht: meine Kinder können nichts dafür. Sie sind gewollt, sie sind da und ich liebe sie. Aber: ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so anstrengend für mich sein würde, Mutter zu sein. Vielleicht hätte ich es als jüngere Mutter auch besser „weggestreckt“, diese ganze Anstrengung, die Anforderungen an mich und meinen Körper. Vielleicht aber auch nicht. Auf diese Frage werde ich keine Antwort mehr finden.

Ich bin der Meinung, es ist auch Schuld der Gesellschaft und eben dieser Zeit, in der wir gerade leben, denn die macht es uns heute nur auf den ersten Blick leichter. Ich glaube fest, dass unsere Eltern damals vor einigen Jahrzehnten eine leichtere Rolle als Eltern hatten.

Ich selber habe Schuld, weil ich vermutlich zu hohe Erwartungen an mein Leben habe und davon auch noch ein bißchen für mich übrig behalten möchte, mich also nicht komplett für andere aufopfern kann. Es ist ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren. Ich kann mich schwer davon frei machen, dass ich nicht doch einfach nur zu schwach bin für diese Welt. Auch wenn ich inzwischen weiß, dass ich mit meinem Burnout-Erlebnis kein Einzelfall bin, sondern eine von vielen Müttern  -Tendenz steigend – in dieser Situation. *

Insgesamt habe ich gerade in den letzten Wochen regelmäßig immer wieder das Gefühl, auf einen erneuten kleinen Zusammenbruch zu zusteuern. Ich muss mehr auf mich achten, is‘ klar. Ich muss mir die berühmten „Inseln“ schaffen und Zeit für mich einräumen. Klar, versuche ich. Gelingt aber nicht immer. Ich mache Kompromisse, jeden Tag. Ertrage den Dreck und das Chaos um mich herum und die Tatsache, dass vieles liegen bleibt. Und dass ich mich oft einfach nur als Rabenmutter fühle, damit ich selber nicht ganz zu kurz komme. Ich wäre schon froh, wenn die Abende, an denen ich zu Hause bin (also nicht arbeiten muss), auch einmal mehr mir gehören würden. Aber seit einer geraumen Zeit schlafen die Kinder später ein, Nr. 1 schafft es oft bis 21:30 Uhr und noch später. Und dann heißt es auch für Mama längst: Gute Nacht!

Aber ich darf nicht jammern. Ich bin Mutter. Ich habe es ja so gewollt!

Buchtipp:

Nicht direkt zum Thema Burnout, aber sehr interessiert habe ich vor einigen Wochen das Buch „Nur die Liebe fehlt – Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten“ von Petra Wiegers gelesen. Ich fand es klasse und die Fallbeispiele in dem Buch haben mir gezeigt, dass es viele Mütter gibt, denen es ähnlich wie mir geht. Ich hatte keine Postpartale Depression, sondern einfach nur eine schwere Zeit nach den Geburten meiner Kinder. Auch dies zu verarbeiten, zu akzeptieren und mir ein Stück weit zu verzeihen, dabei hat mir das Buch geholfen.

 

*Inzwischen hat das Thema „Burnout bei Müttern“ in den Medien an Präsenz gewonnen. Laut eines Textes, den ich vor nicht allzu langer Zeit lesen durfte, erkrankt heute jede 5. Mutter an einem Burnout. Die Anträge auf eine Mutter-Kind-Kur mit dieser Diagnose oder damit im Zusammenhang stehenden Diagnosen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.