Ehegattensplitting – wie Frau an der Nase herumgeführt wird

Nach meinem letzten Beitrag zur Familienpolitik möchte ich heute noch einen Text von Juramama teilen. Es geht um das Ehegattensplitting, an dem die Politik noch immer festhält, obwohl es so gar nicht mehr in unsere heutige Zeit passt.

Eine kleine Leseprobe, ein wirklich guter Abschnitt, findet Ihr im unteren Zitat. Den ganzen Text findet Ihr hier. Lesen lohnt sich.

„Den kinderlosen Single-Onkel gab es nämlich schon immer und es gibt ihn bis heute. Er hat zwar auch 2018 keinen Splittingvorteil aus einer Eheschließung und muss seine 60.000 Euro Jahresgehalt höher versteuern als die junge Familie ihre 60.000 Euro Familieneinkommen. Aber er sammelt Dank unseres merkwürdigen Rentensystems ein Erwerbsleben lang ungestört Vollzeitrentenpunkte, die er dann im Alter bei fremden Kindern einlösen darf. Er hat zwar nur einen Teil des Generationenvertrages eingehalten, wird aber von den Kindern der nächsten Generation finanziell mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen durch das Alter getragen. Das ist sozial gerechtfertigt und geht freilich klar. Was aber nicht klar geht und noch nie klar ging, sind die Dank der staatlichen Subvention des Ehegattensplittings automatisch fehlenden Rentenpunkte der Mütter.

Mütter, ob nun verheiratet oder unverheiratet, sind die einzigen, die im Alter kaum etwas bei ihren eigenen Kindern einlösen können und es wird uns bis zum heutigen Tage allen Ernstes verkauft, dass das gerecht ist.“

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Eltern in Trennung – Teil 1

„Das Leben ist kein „Ponyschlecken“, wir gehen durch unsere kleineren und größeren Krisen und wissen manchmal nicht, wo der Weg uns hinführt. Wir streben nach Glück und Zufriedenheit und das ist gut so. Viel schlimmer wäre es wohl, wenn jegliches Streben eingestellt und nur noch kampflos hingenommen werden würde.

Nach einigen Jahren der größeren Krise in meinem eigenen Leben, nach Erschöpfung und Zusammenbruch, nach stark gespürter Unzufriedenheit und vielen Zweifeln, habe ich mich in ein neues Leben aufgemacht, unter anderem mit psychotherapeutischer Unterstützung, aber auch durch viel Selbstreflektion. Nach dem ich jahrelang eigene Bedürfnisse und Gefühle ignoriert habe, ignorieren musste, habe ich durch meine Erkrankung und die Zeit danach erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf und die unzufriedene Mutter und Frau niemandem nützt. Und das mein eigenes Leben etwas wert ist, MIR etwas wert sein sollte. Und in der berühmten Lebensmitte, also so um die 40, gehen so einige Menschen in sich, ziehen Bilanz und sortieren ihr Leben noch einmal neu.

Manchmal muss sich einfach etwas ändern

Nach dem ich in beruflicher Hinsicht wenig ändern konnte und wollte (außer zu mehr Gelassenheit zu gelangen), war es mein Privatleben, meine Beziehung zu Menschen und zu meinem Mann, wo ich ansetzen musste. Dass meine Ehe seit Jahren schon für mich wenig Glück bedeutete, war hierbei keine neue Erkenntnis, aber dazu später mehr.

Viele Jahre fühlte ich mich – heimatfern und entwurzelt – sozial ziemlich abgeschnitten und einsam. Dann fand ich eine inzwischen gute Freundin hier im Ort und durch ein neues Hobby tolle Menschen in der Nähe. Und endlich konnte ich das auch wieder zulassen, dieses Zwischenmenschliche, was mir in meinem Leben so sehr gefehlt hatte.

Bloggen als Lebenshilfe

Aber es sind nicht immer nur die Menschen von nebenan. Mir bleibt wenig Zeit, andere Blogs mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Ich habe es aber zu schätzen gelernt, auf diese Weise in die Gedanken anderer einzutauchen. Ich schätze es sehr, wenn die fleißigen Blogger da draußen uns auf diese Weise an ihrem teilweise tiefsten Gefühlsleben und ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen. Gerade als geforderte Mutter mit Beruf und Haushalt, mit Problemen und Sorgen tut es immer wieder gut, durch dieses Medium zu sehen: ich bin nicht alleine mit dem ganzen Mist! Da sind andere. Und zu lesen, wie sie damit umgehen, kann mir helfen, meinen eigenen Weg zu gestalten.

Minusch ist eine von den wenigen, bei denen ich regelmäßig mitlese. Und ihre Offenheit fasziniert mich und tut mir immer wieder gut. Daher möchte ich einen ihrer aktuellsten Beiträge hier mit Euch teilen. Sie beschreibt darin so wunderbar die verschiedenen Phasen rund um die Trennung von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, die Schwierigkeiten drum herum. Sie lässt uns teilhaben an ihrem Leben alleine mit zwei Kindern, alleine in dieser großen Verantwortung ohne nennenswerte Unterstützung und mit finanziellen Problemen. Dabei sich und die eigenen Bedürfnisse nicht ganz aus den Augen zu verlieren, ist eine weitere Herausforderung nach einer Trennung. Um eben weiterhin durchzukommen, klar zu kommen und unter der riesigen Last möglichst nicht zusammenzubrechen, bedarf es der Mobilisierung oft letzter Kraftreserven. Immerhin ist das Aufziehen von Nachwuchs schon mit Partner ein echter Kraftakt.

Warum überhaupt Trennung?

Minusch ist nur eine von vielen Alleinerziehenden, meist ja Frauen, hierzulande. Und die Zahl steigt. Woran kann das liegen? Gehen Paare, die auch Eltern sind, heute wirklich leichtfertigen auseinander? Ich sage: jein! Manche tun das vielleicht, aber viele hadern ewig lange, grübeln und wägen ab.Aber wenn es einfach nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr!

Meine Mutter sagte vor einigen Wochen zu mir, dass Männer oft an einer eigentlich unbefriedigenden Situation / Paarbeziehung festhalten, während Frauen die Unzufriedenheit deutlicher spüren (und eher seltener mit einer simplen Sex-Affäre außerhalb zu kompensieren suchen) und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Und das kann ich auch beobachten. Immer öfter geht die Trennung von der Frau aus, und das, obwohl sie sich dann mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert sieht als zuvor. Oftmals bringt es neben dem ganzen Schmerz rund ums Scheitern der Beziehung auch finanzielle Probleme mit sich. Das Männergehalt fällt weg, Frauen verdienen im Schnitt aber weniger, können wegen der Kinder vielleicht nur in Teilzeit arbeiten und ähnliche Aspekte spielen hier eine Rolle. Wenn frau Glück hat, gibts zumindest Unterhalt für die Kinder und im besten Fall einen Vater, der sich sowieso kümmert. Aber das ist nicht immer so.

Gründe für eine Trennung sind vielfältig

Frauen, die eine Trennung initiieren, werden triftige Gründe haben, und das sind nicht immer ein „wir haben uns halt über die Kinder auseinander gelebt“, „die Liebe ist entschwunden“, „Ich hab mich in eine(n) andere(n) verguckt“ oder ähnlich banal erscheinende Gründe. Nein, ich spreche hier von häuslicher Gewalt, vom schlagenden und drohenden Mann, von psychischer Gewalt, von Unterdrückung und Machtausübung von Seiten des Mannes. Damit gebe ich nicht per se Männern die Schuld an einer Trennung oder schließe die Schuld auf Seiten der Frau generell aus. Aber es ist erschreckend, was hinter den Fassaden noch immer vor sich geht. Da kann eine Trennung ein echter Befreiungschlag und sogar im Sinne der Kinder sein. Ein „wir müssen aber wegen der Kinder zusamnenbleiben“, halte ich nicht für die ideale Lösung, wenn Spannungen und Streitereien den Alltag bestimmen und aggressives Verhalten, verbal oder gar körperlich, sogar im Beisein der Kinder ausgetragen wird.

Ich bin selber gerade in diesem Prozess, bin mittendrin. Meine Ehe ist gescheitert. Eine Trennung ist unausweichlich nach jahrelanger Unzufriedenheit und psychischer Überforderung meinerseits in einer Lebenssituation, die mich mit in den Burnout trieb. Davon aber mehr in der Fortsetzung zu diesem Thema.

 

Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.