Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

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Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.

Muttertag – ist der sinnvoll oder kann der weg?

Mein allererster Muttertag vor 4 Jahren wurde von meinem Mann rigoros ignoriert. Mir ist dieser Tag an sich relativ schnuppe. Ich hätte mir damals trotzdem gewünscht, dass er die Tatsache, dass auch ich nun Mutter bin, einfach mal erwähnt. Nur mal so, ganz nebenbei und gerne auch etwas scherzhaft. Ja, da hätte ich nichts dagegen gehabt.

Dieses Jahr hat er dann mit KindNr. 1 im Kindergarten für den Muttertag gebastelt. Eine Bastelaktion nur für Väter und ihre Sprösslinge. Ich denke, mein Mann hat daran freiwillig teilgenommen, um einfach (Bastel-)Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, als kleines besonderes Ereignis in der Vater-Sohn-Beziehung sozusagen. Herausgekommen ist ein wunderschöner Schmetterling, hergestellt aus einem Ast unseres Apfelbaums. KindNr. 1 wollte eigentlich lieber gerne damit (weiter) spielen statt ihn mir zu überlassen. Die eventuelle Bedeutung eines Muttertages hat er bestimmt noch nicht verstanden, und das muss er aus meiner Sicht auch nicht.

365 Tage im Jahr im Einsatz: Mütter und Väter

Und in diesem Jahr sogar einen Tag mehr. An genau so vielen Tagen sollte uns (und unserem Umfeld) bewusst sein, was Mütter (und auch immer mehr engagierte Väter) Tag ein und Tag aus leisten, um den Nachwuchs gesund und glücklich aufwachsen zu sehen. Wie oft wir dabei an unsere eigenen Grenzen und darüber hinaus kommen, muss ich den meisten Eltern nicht erklären. Leider ist das unseren kinderlosen Mitmenschen und selbst den Politikern nicht immer so ganz bewusst, daher finde ich die Aktion #muttertagswunsch #vatertagswunsch von mutterseelesonnig und mama-arbeitet sehr wichtig und es gefällt mir, wie die Berichte darüber durch sämtliche Medien gewandert sind. Sehr viele gute und sinnvolle Wünsche konnte ich in dem einen oder anderen Blog lesen, wollte mich aber nicht auch noch selber dazu äußern.

Müssen wir wirklich an diesem zweiten Sonntag im Mai an einem Muttertag festhalten, nur um Floristen oder die Schokoladenindustrie finanziell zu unterstützen? Um Geschenke und Bastelarbeiten der Kinder entgegen zu nehmen und vielleicht ein Frühstück serviert zu bekommen? Sollte das nicht auch an anderen Tagen des Jahres möglich sein, mal von der eigenen Familie in dieser Hinsicht „entlohnt“ zu werden? Auch zweifele ich die Wichtigkeit eines Vatertags an, der von den Männern quasi dem einst christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt abgerungen wurde. Natürlich ist es schön, so einen freien Tag am Donnerstag zu haben, vor allem wenn noch die Möglichkeit auf ein langes Wochenende durch den Brücken-Freitag besteht. Aber wo steht der Sinn darin, wenn dabei vor allem Nicht-Väter torkelnd und mit Bollerwagen im Schlepptau durch die Gegend ziehen? Löblich, wenn die Väter diesen freien Tag nutzen, um ganz für ihre Familie da zu sein und mit den Kindern explizit Zeit zu verbringen.

Übrigens hat mein Mann an Himmelfahrt den ganzen Tag gearbeitet und ich war mit den Kindern alleine, wie so oft auch an anderen Feier- und Sonntagen.

So war mein Muttertag 2016

Kurz nach 6 Uhr beginnt der Tag, die Kinder werden wach. Moment: DAS Kind! Nr. 1 übernachtet nämlich bei OmaOpa und kommt erst nachmittags zurück. Ein entspannter Vormittag also, möchte man meinen. Aber warum steht KindNr. 2 heute so früh auf und schläft nicht wie sonst schon mal bis 7 Uhr? Grmpf. Der Papa kehrt kurze Zeit später aus der Nachtschicht zurück. Er übernimmt das Kind und geht mit ihr in die Küche, wo er Eier kocht, Brötchen aufbackt und den Frühstückstisch deckt, damit Mama währenddessen in Ruhe duschen kann. Das ist nichts ungewöhnliches, denn so etwas ist er auch an anderen Tagen zu leisten bereit. Auf Blumen, Schokolade oder eine Erwähnung dieses Tages im speziellen könnte ich lange warten. Dann überlässt er uns Damen zum Frühstücken das Feld und geht ins Bett.

Wir essen, ich räume danach die Küche auf. Es ist nett, wenn ich ausnahmsweise mal nur ein Kind bedienen muss. Anschließend wasche ich ab und putze in der Küche an Stellen Staub, die sehr lange keinen Lappen mehr gesehen haben. Aber nicht zu viel, wir wollen es ja nicht übertreiben. Nebenbei reiche ich der Tochter Malutensilien zum Tuschen und Filzstifte zum Anmalen von Papier und Händen. Anschließend verlangt sie nach Knete. Ich putze zwischendurch weiter. Außerdem wechsele ich noch ihre Windeln (mal wieder voll bis zum Hals, aber Baden ist ja derzeit nicht erwünscht *augenroll*), ziehe sie an, putze ihre und meine Zähne und käme mir selber mal die nassen Haare. Danach Staub wischen, Saugen… . Es ist Muttertag? Nein, es ist ein ganz normaler Tag und ich nutze die Ruhe mit nur einem Kind, endlich mal wieder etwas aufzuräumen. KindNr. 2 hilft kräftig mit, schmeißt alle Kissen vom Sofa, damit sie darauf besser saugen kann und spielt zwischendurch noch auf dem Klavier herum.

Zum Glück muss ich heute kein Mittagessen kochen, es ist noch genug vom Vortag da. Das Kind möchte jetzt aber lieber Schokolade. Auch die Erdbeeren locken sie nicht. Sie wird sauer, als ich ihren Wunsch vehement verneine. Ich gebe ihr stattdessen ihren Nuckel, denn ich kenne das schon. Solch schlechte Laune kurz vor 13 Uhr bedeutet, dass sie müde ist. Schon legt sie den Kopf auf den Tisch. Ich nehme sie hoch, trage sie etwas und lege das schlafende Kind dann aufs Sofa.

Mein Muttertagsgeschenk: KindNr. 2 macht heute Mittagsschlaf

Kommt zu Hause eher selten vor, im Kindergarten meistens. Mit allen Folgen für das abendliche Einschlafen. Heute ist es mir egal. Ich lag letzte Nacht wieder ein paar Stunden wach, ich bin einfach müde. Erst mal beende ich selber in Ruhe mein Mittagessen und lege dann die Füße hoch. Es ist immerhin Muttertag. Statt weiter zu putzen, Wäsche zu waschen oder sonst einer wenig geliebten Tätigkeit nachzugehen, liegen wir zwei Mädels auf dem Sofa, ich penne immer wieder auch mit weg. Schlafen tagsüber – eine absolute Rarität in meinem Mutterleben. Ich genieße und lasse die Tochter 2 1/2 Stunden schlummern und übergebe sie dann an den Vater, der inzwischen auch wieder wach ist.

Für eine Stunde ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, Kraft schöpfen für den Abend. Derweil kommt der Sohn nach Hause. Als OmaOpa sich verabschieden, stehe ich auch wieder auf der Matte. Noch etwas (Mutter) spielen und das Abendbrot vorbereiten. Es ist 17.25 Uhr. Der Mann verabschiedet sich zur nächsten Nachtarbeit und die Kinder zeigen wenig Interesse am Abendmahl. Stattdessen wie so oft Rumgespiele und Chaos am Tisch, sie stacheln sich mal wieder gegenseitig an und denken gar nicht daran, auf mich zu hören. Ich bin genervt und beende das Essen, räume noch den Tisch auf, packe das halbe Käsebrötchen der Tochter, welches mal wieder umsonst geschmiert wurde, unter Frischhaltefolie und esse den Rest von Sohnemann Salamibrötchen auf. Während die Kinder noch etwas puzzeln, klimpere ich noch etwas auf dem Klavier herum. Danach stehen waschen, Zähne putzen, umziehen und das Sandmännchen auf dem Programm. Es zieht sich.

Abends grüßt das Murmeltier

Nach dem Sandmännchen geht es ins Bett, und zwar ins 1,40 m breite Ehebett, Mama sitzt eingequetscht zwischen beiden Kindern und gibt noch zwei Bücher zum Besten. Die Hoffnung darauf, dass die Kinder heute mal etwas schneller einschlafen, zerschlägt sich schnell. Dass es bei der Tochter aufgrund des ausgedehnten Mittagsschlafes nicht gut klappen würde, war absehbar, aber auch der Sohn hat heute keine Lust auf einschlafen. Es wird herumgezappelt, geredet und mit den Nachtlichtern gespielt. Ich verspreche dem Sohn Belohnungspunkte, wenn er ab morgen endlich mal alleine im eigenen Bett einschläft, denn diese Einschlafsituation, wenn ich mit den Kindern alleine bin, beginnt mich zu nerven. Ich will das so nicht mehr!

Endlich schlummert KindNr. 1 weg. Um 21:10 Uhr (!) verlasse ich das Schlafzimmer, nach dem ich KindNr. 2 in ihr Bettchen gehievt habe und mache es mir mit ein paar Chips, Schokolade und einem Glas Dornfelder auf meinem Schlafsofa bequem. Das habe ich mir jetzt einfach verdient. Ich habe noch Energie für ein Buch und lese etwas in Jesper Juuls „Elterncoaching“. Wie oft schlafe ich abends neben der Tochter ein, weil es oft sehr lange dauert, bis sie selbst eingeschlafen ist. Oder ich werde dabei so müde, dass nichts mehr geht. Meinem Mann geht es  ähnlich. Gemeinsame Abende, Paarbeziehung, Zeit für sich selbst oder zu erledigender Papierkram bleiben fast permanent auf der Strecke. Oder einer von uns arbeitet abends oder nachts.

Ich schlafe wie so oft schlecht. KindNr. 1 kommt in der Nacht zu mir. Ich kann neben dem schmatzenden, sich wälzenden Kind nicht gut schlafen und ziehe zurück ins Schlafzimmer. Hier findet er sich um 5 Uhr erneut ein. Ich muss ohnehin gleich aufstehen. Um 6:30 Uhr ist der Mann von seiner Nachtschicht zurück. Ich breche um 7 Uhr zum Dienst auf und er bringt trotz durchgemachter Nacht noch die Kinder in den Kindergarten.

Es ist ganz egal, ob Muttertag, Vatertag, Feiertag oder Sonntag – so ist eben unser Alltag.

Ich wäre dann gerne mal weg

Endlich mal wieder ein Beitrag auf „Babykram & Kinderkacke“, einer meiner Lieblingsbloggerinnen, nachzulesen hier.

Ich lese den Text spät abends, nach dem ich gerade meine Tochter in ihr Bett gelegt und selbst die Schlafstätte gewechselt habe. Wie so oft bin ich bei ihr eingeschlafen. Es kann schon mal eine gute Stunde dauern, bis sie eingeschlafen ist, vor allem, wenn sie im Kindergarten Mittagsschlaf gehalten hat. Und dann döse auch ich weg, schaffe es nicht mehr, mich zu erheben und noch das mit dem Abend anzufangen, was ich normalerweise vor hatte. Ein Stündchen nur für mich. Lese dann manchmal noch im Handy, das geht auch ohne Licht. Am liebsten hätte ich sofort selbst in die Tasten gehauen, so sehr trifft der Text wieder einen Nerv von mir, lese ich von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen und all dem, was mich selber immer wieder und allzu oft beschäftigt.

Wie oft habe ich in den letzten Monaten oder gar Jahren darüber nachgedacht, einfach auszusteigen aus diesem (gehetzten) Leben! Ich meine jetzt nicht unbedingt diese Gedanken, Mann und Kinder zurück zu lassen und wieder mein eigenes Ding zu machen, frei und ohne diese teils bleibernde Belastung der Verantwortung für Menschen, die ich in diese Welt gesetzt habe. Auch diese Momente gibt es, das gebe ich zu. Aber mit meiner Familie (oder zumindest mit meinen zwei Kindern) ein neues Leben beginnen, abseits dieser Konsum-Gesellschaft mit ihrem Druck, der schon auf die Kleinsten und somit auch deren Eltern ausgeübt wird, erscheint mir immer wieder verlockend. Weg von diesem ständigen „Höher-Schneller-Weiter-Besser“, diesem Leistungsdenken und vor allem der Profit-Gier. Alles wird individualisiert, Gemeinschaft, wie ich sie in meiner eigenen Kindheit noch kennenlernen durfte, existiert immer weniger.

Irgendwo auf dem Lande, Bio und viel Selbstversorgung, und andere Menschen, die uns ähnlich sind. Andere Familien und somit andere Kinder. Freiheit, Unbekümmertheit, Handeln zum Wohle aller, gemeinsam sind wir stärker. Ein bißchen „heile Welt“. Aber das sind alles Fantasien, schöne Tagträume… .

Elternschaft anno 2016 – einfach war gestern

Längst ist das Leistungsdenken auch in der Elternschaft angekommen. Dies trifft vor allem die Mütter, aber auch immer mehr Väter. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Gehalt heute in den seltensten Fällen reicht, um einen gewissen, durchaus nicht übertriebenen Lebensstandard zu finanzieren, fehlt vielen Eltern schlicht und einfach ein gut ausgebautes soziales Netz und somit der doppelte Boden. Gerade in meinem persönlichen Fall, die ich (und auch mein Mann) Heimat und bekannte Strukturen aufgrund von Studium und Job aufgegeben haben, um sich an einem Ort niederzulassen, der mitsamt seinen Menschen im Grunde so fremd ist, ist das noch immer eine Tücke des Alltags. Ich las es erst kürzlich irgendwo: anders als in vielen Naturvölkern wird uns Frauen hierzulande kurz nach der Geburt abverlangt, alles wieder zu schaffen wie zuvor, und zwar alleine (und eigentlich geht das schon in der Schwangerschaft los). Der Mann geht meist schnell wieder arbeiten, die umsorgende Verwandtschaft, Freunde, Bekannte und Nachbarn sind wenig bis gar nicht vorhanden. Da hat eine Frau / ein Paar ein (weiteres) Kind bekommen und soll  doch sehen, wie sie klar kommen! Geburtsverletzungen, Kaiserschnitt (also Bauch-OP)? Ach, die soll sich mal nicht so anstellen. Andere schaffen das doch auch!

Ich habe es selber erlebt. Schwiegereltern – zumindest bei der Geburt von Kind Nr. 2 vor Ort – was haben sie gemacht? Wie haben sie uns bzw. MICH unterstützt? Einmal Essen vorbei gebracht, nach dem mein Mann sie darum gebeten hatte. Und ja, mal Kind Nr. 1 genommen, aber eher selten, ging da ja schon in den Kindergarten. Spazierengehen mit Baby? Fehlanzeige. Kochen, Putzen für die frisch Entbundene oder einfach mal fragen, ob etwas benötigt wird? Nö. Ich hätte um alles bitten müssen, was für mich persönlich in solch einem (offensichtlichen) Fall einem Betteln gleich käme. Habe ich also nicht gemacht. Habe mich statt dessen mit dem Mann darum gestritten, dass seine Eltern so etwas von alleine sehen, kapieren und anbieten müssten.

Moody schreibt in ihrem Text:

„Wenn ich darüber nachdenke, wie die Verhältnisse sind, in denen wir leben, stelle ich fest: Wir leben in einer kinder- bzw. familienunfreundlichen Gesellschaft. Meiner Ansicht nach führt die Art unseres Zusammenlebens zu einer Überforderung der Eltern, die kaum auszuhalten ist. Wenn man annimmt, dass Menschen die meiste Zeit ihrer Existenz in überschaubaren Sozialzusammenhängen gelebt habenmit intensivem Kontakt zu den Mitmenschen; in Gemeinschaften, in denen Frauen etwa aller 3-4 Jahre ein Kind bekamen (so lange wurde das Kind getragen und gestillt), Kinder ab 4-5 Jahren mehr Zeit mit anderen Kindern in einer Art Kinderkultur verbracht haben als mit Erwachsenen, darüber hinaus außerdem viele der erwachsenen Gemeinschaftsmitglieder als Ansprechpartner und Bezugspersonen hatten […], Naturnähe, weitgehend freies Rumtollen, Begleitung der Erwachsenen bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, viele andere Kinder… Wenn man nun diese Art des Gemeinschaftslebens dem heutigen gegenüberstellt: anonym, „zivilisiert“, individualisiert, Ich-bezogen, technisiert, geprägt von Lohnarbeit, rational, Grenzen, Zäune, Mauern, Straßen, Autos, in Städten kaum grün, separiert… dann stimmt mich das nachdenklich. […]

Das starke Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Aktion von (insbesondere jungen) Kindern kann von einem Elternpaar meiner Meinung nach gar nicht adäquat befriedigt werden. Heranwachsende hatten (und haben in einigen Sozialzusammenhängen) immer eine Vielzahl an Bezugspersonen und Gefährten. Undenkbar, dass zwei Erwachsene allein mit ihren Kindern leben. Völlig unsinnig, dass Erwachsene Kinderspiele spielen. Ich wage mich mal noch weiter aus dem Fenster: In keiner der bekannten Jäger und Sammler-Clan-Kulturen sind Neurosen und psychische Krankheiten in der Art der Industrienationen bekannt. Woran liegt das? Wenn man hinschaut und darüber nachdenkt, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass Eltern uncool mit ihren Kindern umgehen, weil deren Eltern in ihrer Kindheit auch uncool mit ihnen umgegangen sind und deren Eltern wiederum… Und so weiter. Wenn es stimmt, dass Kinder (so wie es z.B. Renz-Polster behauptet) ziemlich „ursprünglich“ ticken, dann sind sie womöglich in Erwartung einer solchen Clan-mäßigen Gemeinschaft… also genau damit ausgestattet, was es für ein Leben mit Eltern, vielen Kindern, mit dabei sein beim Tun der Erwachsenen und unterschiedlichen Bezugspersone braucht. Ständige unkomplizierte Aufmerksamkeit garantiert. Man ist überall dabei und in älterem Alter ziemlich frei in seinem Tun, beim Erkunden der Welt. (Zumindest bis zur Pubertät, aber das ist ein anderes Thema.) […]

Nun werden diese ursprünglich tickenden Kinder geboren in ein Umfeld, das ganz anders tickt. Die Eltern sind die einzigen Bezugspersonen und müssen all das leisten/erfüllen, was in einem Clan viele verschiedene Erwachsene leisten. Außerdem haben sie eigentlich ständig etwas anderes zu tun und/oder im Kopf. Am Anfang wird die Mutter aus der Gemeinschaft gekickt und ist mit einem Säugling auf sich allein gestellt, um sich voll und ganz dem kleinen Bündel zu widmen. (Dass sie dabei einen Knall kriegt, weil man blöde wird, wenn man den ganzen Tag keine Erwachsenen sieht, interessiert nicht. In „ursprünglichen“ Sozialzusammenhängen käme das einer Verbannung gleich – so ziemlich das schlimmste, was dir passieren kann, denn ohne Clan bist du nichts, zum Beispiel nicht überlebensfähig.) Die etwas größeren, aber immernoch kleinen Kinder können beim Tun der Erwachsenen nicht dabei sein, sondern werden in Betreuungseinrichtungen gegeben. Das wäre eigentlich gar nicht mal so schlecht, wenn es nicht 1. so früh wäre und 2. wenn die Erwachsenen die Kinder nicht ständig kontrollieren, erziehen, maßregeln würden. Immerhin kommen sie hier mit vielen anderen Kindern zusammen und können mal andere Menschen als ihre Eltern sehen. Allerdings befinden sie sich in einem Schonraum und kriegen nichts von der „Erwachsenenwelt“ mit. Die Erwachsenen gehen 8 Stunden oft ziemlich stupiden und/oder kopflastigen Arbeiten nach, die sie wahlweise körperlich einseitig belasten (war schon bei Anbau und Ernte von Weizen der Fall) oder geistig derartig auslaugen, dass sie danach eigentlich zum Ausgleich 4 Stunden durch grüne Wälder laufen müssten. Können sie aber nicht, denn die Uhr tickt, der Nachwuchs muss abgeholt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Erwachsenen eigentlich bereits völlig erschöpft und bräuchten dringend eine Pause von der Beanspruchung, müssen nun aber viele weitere Stunden in der „zweiten Schicht“ für ihre Kinder da und ansprechbar sein und verlangen sich – wie in jedem Bereich – alles ab. Dazwischen werden sie von Werbetafeln beballert und ihr Smartphone ruft nach ihnen. Wenn die Kinder abends schlafen, muss man sich noch um seine Selbstverwirklichung kümmern, man muss ja schließlich „was aus sich machen“. Der Kinder-„Schon“raum zieht sich dann 10-12 Jahre weiter in Institutionen, in denen Kinder sich stündlich wechselnd mit von Erwachsenen festgelegten Themen beschäftigen sollen, und zwar sitzend. 8-12 Stunden am Tag werden Informationen in sie hineingetrichtert und in regelmäßigen Abständen wird abgefragt, was sie sich merken konnten. Für die Eltern wird’s hier vielleicht etwas weniger stressig, weil die zweite Schicht quasi wegfällt. Die Kinder wollen gar nicht mehr so viel Aufmerksamkeit von ihren Eltern. Glotze, Smartphone und Zocken können das viel besser und ersetzen vom Action-Faktor vielleicht ein bisschen den Kick, den man sich eigentlich durch Stromern mit den anderen Clan-Kids in der Wildnis verschaffen würde. (In Jäger-Sammler-Gemeinschaften fangen „Kinder im Schulalter“ langsam an, die Erwachsenen bei der Jagd zu begleiten.)“

 

Ich denke, das trifft es einfach. Das hätte ich wahrlich nicht besser schreiben können.

 

Kinder haben ist anstrengend – heute mehr denn je

Haben sich meine Eltern jemals so viele Gedanken gemacht, machen müssen, wie sie mit uns Kindern interagieren? Heute werden Eltern viel schneller an den „Pranger“ gestellt.

Wenn das Kind nicht „funktioniert“, sind die falschen Erziehungsmethoden der Eltern Schuld.

Geht die Mutter arbeiten, ist sie eine Rabenmutter. Bleibt sie zu Hause, wird sie ebenso unverständlich angesehen.

Umsorgt man das Kind zu sehr, ist man ein Helikopter-Elter.

Lässt man ihnen zu viel Freiraum und alles durchgehen, ist man vernachlässigend und / oder gefährdet das Kindswohl.

usw. usf.

Ich bin in einer dörflichen Gemeinschaft groß geworden, meine Mutter blieb die ersten 6 Jahre meines Lebens zu Hause, obwohl das finanziell nicht gerade günstig für die Familie war. Aber sie wollte nicht schon wieder ein Kind täglich weinend bei der Oma lassen, wie es ihr mit meinem älteren Bruder erging. Immerhin gab es diese Oma, gleich nebenan, mit einem großen Grundstück und riesigem Nutz-Garten. Dazu viele Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, Nachbarn, die einander geholfen haben. Viele Kinder in meinem Alter. Wir stromerten herum, oft den ganzen Tag. Schon ab dem Alter von 4 Jahren waren wir alleine unterwegs. Da ging das damals noch. Das ganze Dorf war nicht nur unser Spielplatz, sondern zog uns quasi mit groß. Es war eine Idylle, aus heutiger Sicht, und zwar auch für meine Eltern. Sie mussten nicht mit uns auf den Spielplatz gehen, obwohl sie gerade keine Lust oder Zeit dazu hatten. Wir sind alleine gegangen. Sie hatten Zeit, ihr eigenes Ding zu machen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Die Grundschule war nicht besonders anspruchsvoll. Es gab nicht den Druck, unbedingt Abitur machen zu müssen (und ich bin einige von sehr wenigen aus der damaligen zahlreichen Kindergemeinschaft mit Abi und abgeschlossenem Studium). Heute ist eben vieles ganz anders.

„Eltern sind heute m.E. überfordert, weil sie im Kleinfamilien-Kontext dazu gezwungen werden, etwas zu leisten, das unmenschlich ist. Sie müssen leisten, was „eigentlich“ eine Vielzahl von Menschen gemeinsam leisten sollte/müsste. Zudem ist der Einfluss der Eltern auf die Kinder (und ihre Psyche) dadurch, dass es kaum andere ernsthafte Beziehungen und Vorbilder für Kinder gibt, immens. Wo viele Erwachsene sind, die Kinder ständig beeinflussen, ist ein cholerischer Vater weniger ein Problem für die Entwicklung des Kindes. (Das Kind kann ihm im Zweifelsfall einfach aus dem Weg gehen.) Ist „der Choleriker“, „die Depressive“, „die Unentspannte“, „die Gereizte“ usw. aber die wichtigste bzw. einzige intensive Bezugsperson, multipliziert sich die Abhängigkeit von den und damit auch die Verantwortung der Eltern. Das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – eigentlich ziemlich unerträglich!

Erschwerend kommen hinzu: Individualismus, Selbstverwirklichungsdrängen, Biografiezwang. Wie soll man sich Kindern widmen, wenn man ständig den Zwang verspürt, das Beste aus sich herausholen zu müssen, um im Zweifelsfall auch zu erklären, wer man ist und was man macht? Die Kinder nehmen so viel Zeit weg, in der man etwas „sinnvolles“ tun könnte. Der Spruch oder Gedanke „Ich habe heute noch gar nichts geschafft“ am Abend eines Tages, den man „nur“ mit den Kindern verbracht hat, spricht Bände.

Dann wäre da noch: Eine rational eingerichtete Umwelt, die nicht zum „irrationalen“ Verhalten von Kindern passt: Funktionalität überall, bestimmte Arten und Weisen wie etwas „richtig“ zu gebrauchen ist und so so viel, was Kinder ständig falsch machen können. Und sie tun es ja auch ständig, etwas „falsch“ machen. Das geben wir ihnen auch ununterbrochen zu verstehen. Man könnte Kinder auch liebevoll in die Welt einführen, mit Verständnis dafür, dass sie xy nicht einfach so können und dass es Zeit braucht, bis das der Fall ist, so wie es in Jäger-Sammler-Kulturen. Aber dafür tickt hier und heute die Uhr zu laut, der Tag hat zu wenig Stunden für all das, was wir meinen, zu tun zu haben. Das viele, viele Andere. […]

So gesehen sind die Genervtheit, die Gereiztheit, die Überforderung, die Last, der Druck von Eltern völlig logische Konsequenzen. Und auch die zunehmende Anzahl von Kindern und Erwachsenen mit psychischen Problemen erscheint mir vor dem Hintergrund durchaus plausibel. Ebenso, dass immer weniger Menschen überhaupt Kinder bekommen (wollen). Wer kann das – in so einem Kontext – schon ernsthaft wollen? Eigentlich sind Kinder doch in einer rationalen, funktionalen, an Effizienz, Optimierung und Fortschritt ausgerichteten Industriegesellschaft überall im Weg. Ein einziges Ärgernis. Neue Menschen braucht aber auch diese Gesellschaft dummerweise. Können die nicht irgendwie als fertige, als „richtige“, als vernünftige Menschen zur Welt kommen? Dann wäre alles so viel einfacher. Die Genforschung wird dafür bestimmt bald eine Lösung haben.“

Ja!

 

Es braucht 2 Arme pro Kind – mindestens

Das ist meine Meinung. Ich habe 2 Kinder, aber nicht 4 Arme. So geht es vielen Alleinerziehenden und mir und meinem Mann immerhin zeitweise, weil der andere (hier vor allem der Mann) beruflich weg ist, auch an Feiertagen und dem Wochenende. Dann steht man mit allem oft völlig alleine da, weil eben das Auffangnetz sehr dünn ist. Und beim Lesen des Blogbeitrages wurde mir nicht zum ersten Mal klar, was wir hier in der heutigen Zeit leisten. Und das es anstrengend ist und sein darf und wir verdammt noch mal auch darüber sprechen dürfen und sollten!

„Also fing ich an, darüber zu schreiben. Und relativ bald zeigten andere Eltern ihre Erleichterung. Vermutlich, weil ich (und andere) zeigten, dass sie nicht allein sind, dass es anderen auch so geht wie ihnen, dass wir ähnliche Probleme teilen. Und auch meine Leserinnen gaben mir ein gutes Gefühl, weil es kurz – ganz kurz – meine Schuldgefühle reduzierte. Das fühlte sich gut und richtig an, nach einer eingeschworenen Gemeinschaft von desillusionierten Eltern wider der Romantisierung von Elternschaft.

[…] in denen sich Menschen über die „jammernden“ neuen Eltern beschwerten oder lustig machten, ließen mich zuweilen stark an „meinem Projekt“ zweifeln. Ist das öffentliche Äußern der eigenen Überforderung eine scheiß Idee? Sollte man das lieber für sich behalten und weiter die Zähne zusammenbeißen? […]

Warum kriege ich es nicht hin, meine Kinder zu genießen? Nett, verständnisvoll, geduldig zu sein? Ich habe den Fehler bei mir gesucht, dazu neige ich. Habe in mir gegraben, einiges gefunden und darunter gelitten, meinen Kindern keine „besser Mutter“ sein zu können. Ich fühlte mich mal egoistisch, mal egozentrisch, mal faul, mal schwach und unbelastbar, ständig unsicher und andauernd überfordert.“

Ich kenne das nur allzu gut mit den Schuldgefühlen, den Selbstzweifeln an der Mutterrolle und wie man sie ausübt, der Angst vor (weitreichenden) Fehlern im Umgang mit den lieben Kleinen, auch die Genervtheit und die Überforderung. Das alles ist eben nicht unsere Schuld alleine und schon gar nicht die der Kinder. Sie können am allerwenigsten dafür. Es ist das Land, diese Gesellschaft, diese schier nicht zu erreichenden Ansprüche. Auch wenn man versucht, sich davon zu befreien (immer mehr, und nach einem Burnout bleibt einem auch nichts anderes übrig), es ist allgegenwärtig und nicht immer leicht zu ignorieren. Ja, das Kind kommt bald in die Schule und muss dort „funktionieren“, was also tun? Was tun, wenn schon im Kindergarten „Druck“ gemacht wird, weil das Kind sich anders verhält, negativ auffällt? Wohin soll das noch alles führen? Sicher nicht zu einer gesünderen Gesellschaft und einem besseren Leben, davon bin ich überzeugt. „Früher war alles besser!“ An dieser Aussage ist doch manchmal etwas dran.

Eine unendliche Geschichte: die Vereinbarkeitslüge

Ursprünglich wollte ich meinen Blog auch mit anderen Geschichten füllen, mit Geschichten aus meiner Kindheit oder Gedanken zum Leben allgemein. Aber ich lande immer wieder hier, in der Falle der Vereinbarkeitslüge. Die Unvereinbarkeit meiner eigenen Berufstätigkeit mit meinem Mutterdasein lässt mich nicht los. Und ich jammere, das gebe ich zu, aber manchmal tut es gut, sich alles einfach von der Seele zu tippen.

Wieder einmal habe ich etwas nicht so hinbekommen wie ich sollte (wollte). Okay, so sollte ich nicht denken. Ich weiß inzwischen, was ich in den letzten Jahren alles geleistet habe – vieles ist eben aber meiner Meinung nach auch nicht so gut gelaufen. Ich bin keine Supermom und trotzdem schaffe ich es gleichzeitig nicht, auch noch eine Super-Arbeitnehmerin zu sein. Ich soll (nicht unbedingt gleichzusetzen mit ich möchte) auf 1000 Hochzeiten tanzen, also gleichzeitig, aber schaffe gerade mal eine, zersaust und ungeschminkt (bildlich betrachtet natürlich).

Ich weiß gar nicht, wo ich genau anfangen soll. Eine Woche ist vergangen, und die Enttäuschung über meinen Ausstieg aus einem Ressort, welches mir wirklich Spaß gemacht hat, hat mich anfangs viele Tränen vergießen lassen. Inzwischen bin ich etwas gefasster und sehe es als Chance, aus der Überforderung (zeitlich gesehen) als Mutter zweiter kleiner Kinder wieder etwas herauszukommen. Nicht umsonst hatte letztes Jahr das Burn-Out-Syndrom laut an meine Türe geklopft!

Warum ich immer so leicht verletzbar bin, ist die eine Frage. Wieso ich nicht über den Dingen stehen kann, die andere. Vielleicht, weil es sich zu oft wiederholt hat in meinem Leben, dieses „nicht genügen“, dieses „ausgeschlossen werden“. Ich muss ein so unglaublich unerträglicher Mensch sein, dass ich es langsam selber glaube. Meine Probleme sind von anderen nicht lösbar, das ist mir schon klar. Habe ich aber auch nie erwartet. Für Leute wie diesen Kollegen hier bin ich somit nicht tragbar, weshalb er mich jetzt aus seinem Team geworfen hat, nicht ohne mich spüren zu lassen, wie falsch ich doch mit meinen Ansichten liegen würde und wie wenig es ihn weiterhin interessiert, wenn es mir nicht gut geht, ich mich abstrampele, alles unter einen Hut zu bringen und durch die Überbelastung krank geworden bin. Ich genüge so seinen Ansprüchen nicht, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es andere doch auch schaffen würden.

Wo ist mein Weg?

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Bildrechte: DieverlorenenSchuhe

Ich war letztes Jahr sehr krank, ein paar Mal hat mein Körper mir einfach nicht mehr gehorcht – ich habe nicht mehr funktioniert, was neue Ängste in mir ausgelöst hat. Irgendwann im Frühjahr 2015 habe ich erkannt, dass es so nicht weitergeht und ich mich zugrunde richte, wenn ich die Situation weiterhin ignoriere. Und auch körperliche Beschwerden – welche mich immer begleiten. Die gehen nie ganz weg und kommen immer wieder. Ich hatte teilweise so starke Rückenschmerzen, eine Blockade im Sakralgelenk, nach dem ich viel zu lange einen erneuten Beckenschiefstand nach der Geburt von Kind 2 ignoriert hatte, Blockaden in der Halswirbelsäule, damit verbundenen Kopfschmerzen (das gerade wieder aktuell),  immer wieder Kribbeln in Händen, Füßen, Nasenspitze (seit ein paar Monaten, ganz interessantes Gefühl), Schmerzen in sämtlichen Gelenken, nächtliches Herzrasen, Atemprobleme (das Gefühl, keinen Sauerstoff mehr zu bekommen), Gefühl der extremen Schwäche bis hin zur Hyperventilationstetanie, weil ich mir dabei so langsam Sorgen gemacht habe, wie lange ich das noch überlebe. Und trotzdem hieß es für mich als zweifache Mutter mit Job immer nur: FUNKTIONIEREN!!! Und ich habe funktioniert, und dann eben auch ein paar Mal nicht mehr.

Seit ich vor 1 1/2 Jahren nach 9-monatiger Elternzeit und nun zweifacher Mutter wieder in meinen alten Beruf eingestiegen bin, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass ich das schaffen kann, weil ich es einfach schaffen wollte. Weil mein Frauenbild und meine Ansichten von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau skandinavisch-modern sind. Weil ich stark sein wollte. Aber schon schnell habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Es lief nicht mehr rund.

Ja, vielleicht wollte ich mir selber etwas beweisen, nämlich dass es geht. Um so enttäuschter bin ich jetzt von mir. Es geht nicht! Aber es muss gehen. Ich muss Geld verdienen, zumindest ein gewisses Sümmchen und habe keine Jobalternative. Und ich habe begreifen müssen, dass Mütter (oder auch Väter in gleicher Rolle) vom System nicht aufgefangen werden. Es ist ja auch ganz klar: einerseits sollen wir doch zeigen, was wir alles drauf haben, trotz der Mehrfachbelastung mit (kleinen) Kindern. Wir sollen unsere Gefühle im Griff haben und uns unsere Zerrissenheit und unsere Erschöpfung auf gar keinen Fall anmerken lassen. Das will niemand hören! Wir sind doch nicht alleine auf der Welt, jeder hat irgendetwas. Der eine Kollege hätte jetzt über Nacht einen Pflegefall in der Familie, der anderen starke Rückenschmerzen (bei dem Spruch konnte ich nur noch hysterisch auflachen!) Und andere (männliche!) Kollegen hätten doch auch zwei Kinder. Der Kollege unterstellt mir doch tatsächlich, ich würde nur mich sehen und nie die anderen. Und ich frage mich in meinem von Selbstzweifeln zerfressenen Dasein, was ich bloß ständig alles falsch mache, dass ich so rüberkomme.

Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass ich unter enormem Druck stehend und mit großer Erschöpfung behaftet meine Meinung gesagt hatte. Dieser Kollege erwartet – und das Gefühl habe ich nicht nur in Bezug auf mich – dass alle es so zu machen haben wie er, ungeahnt der Tatsache, wie deren aktuelle Lebenssituation gerade aussieht. Wann man also gerade quasi zu Kreuze kriecht, dann doch bitte mit Überstunden, so wie er. Wenn er aus einigen Musikformationen austritt und seine Solostelle an den Nagel hängt, habe ich doch bitte auch nicht danach zu streben, denn ich bin in seinem Team und da sind die anderen Dinge nicht mehr so wichtig. Es enttäuscht mich so. Und als ich beim Abschied meiner Lieblingskollegin vor dem Orchester unter Tränen gesagt habe, sie dürfe jetzt gehen, aber ich müsse noch hierbleiben, wird mir das sofort als negativ ausgelegt, so etwas könne ich vor den Leuten nicht bringen, als jemand, der das Orchester nach außen vertritt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Mein Fehler, ich wollte das so nicht erscheinen lassen.

Sie haben Gefühle? Behalten Sie diese bitte für sich!

Gefühle zeigen oder über eigene Probleme sprechen ist out. In dieser Gesellschaft ist das nicht gerne gesehen. Du darfst Deine Meinung nicht sagen, Du darfst keine Schwäche zeigen und ganz besonders solltest Du auf die Frage, „Und, wie geht es Dir heute!“ niemals ehrlich antworten, sollte dies negativ sein. Du hast nur noch zu reagieren, aber nicht zu agieren und schon gar nicht zu lamentieren. Wenn Du nicht mithalten kannst, wird Dich niemand mehr auffangen.

Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich auf einem besseren Weg, wollte aber nicht so wie er NOCH mehr Aufgaben außerhalb meines eigentlichen Jobs, der Musikerin, übernehmen, eben weil ich das nicht mehr schaffe. Ohne Kinder ja, mit eben nicht. Und dann sagt er zu mir, ich wolle ja alles! Nein, ich habe längst erkannt, dass ich nicht alles haben kann, aber ich habe vor allem auch eines erkannt und endlich angefangen, danach zu leben: dass ich Prioritäten setzen muss! Und zwar meine eigenen. Nur waren die eben nicht, 100%ig nach seiner Pfeife zu tanzen und jederzeit abrufbereit zu sein und so zu arbeiten, wie er das will. Bei den  Arbeitsbedingungen dort ohnehin ein Witz! Ein Computer für zig Mitarbeiter und so weiter. Ich war froh und dankbar für den Job, es hat mir echt Spaß gemacht, aber ich habe nie vorgegeben, ich würde dafür alles andere stehen und liegen lassen, mein geliebtes Instrument in die Ecke schmeißen und von nun an nichts anderes mehr machen als Presse und Öffentlichkeit durch Texte, Fotos und wat-weiß-ich zu beglücken.

Ich habe so manches mal länger gemacht, damit etwas fertig wurde. Texte für das CD-Booklet, die neue Internetpräsenz, wo am Anfang keiner wußte, wie es aussehen sollte und so weiter. Und zu Hause haben mein damals 3jähriger Sohn und meine gerade einmal 1jährige Tochter (und manchmal auf der Mann) auf mich gewartet. Es ist so unglaublich, dass ich das gemacht habe. Für (fast) nichts!

Und mit den Tränen kamen die Zweifel

Und die Wut, die ich mir vor einer Woche aus den Fingern getippt habe,  weswegen ich jetzt auch die letzten Abschnitte hier so stehen lasse, auch wenn es mir heute wieder etwas besser geht:

Mir fehlt inzwischen die Sinnhaftigkeit hinter meinem Tun, ich stelle das, was ich einst so geliebt habe, immer mehr in Frage. Mit jeder Verschlechterung glaube ich nicht mehr, dass es richtig ist, die Kindheit meiner Kleinen damit zu belasten, dass ich zu belastet bin durch zu viele Hochzeiten, auf denen ich bitteschön zu tanzen habe – tanzen ohne Schlaf und gesundheitlichem Wohlbefinden!

Ich verachte Leute die meinen, sie könnten anderen ihre Lebensweise aufstülpen. Man, ich habe mir für diese Firma den Arsch aufgerissen, ich habe so voll und ganz dahinter gestanden und das auch nach außen hin präsentiert, habe mich über die Leute (und tue es noch) innerlich aufgeregt, denen die „richtige Einstellung“ fehlt und die nichts besser können also mit dem Fallen des Taktstockes das Haus fluchtartig zu verlassen und anderen die Arbeit zu überlassen. Und dann, als ich selber gesundheitsbedingt und belastungsbedingt trotzdem noch mehr gemacht habe als die ein oder andere Nase dort, werde ich in den Arsch getreten und verleumdet.

Meine einstige Dankbarkeit darüber, diesen Job machen zu dürfen, schlägt immer mehr in Resignation um und mündet immer öfter in die Frage: Wozu das alles? Wozu tue ich mir das noch an? Habe ich das wirklich nötig? Wofür? Ich höre kein Dankeschön. Klar, er und noch weiter höhere Vorgesetzte haben meine Arbeit gelobt, meine Texte seien gut gewesen, meine Ideen und so weiter. Aber mir ist inzwischen bewusst geworden, dass meine Kinder – und vielleicht auch ich – sich in 20 Jahren nicht daran erinnern werden, welch tolle Berichterstattungen ich ins Internet geprügelt habe und wie schön ich mein Instrument gespielt habe (haha!), sondern daran, ob ich eine glückliche und zufriedene Mutter mit Geduld und guter Laune gewesen bin.

Und hier bin ich, gefangen, nicht in der Teilzeitfalle, die gibt es bislang bei uns immer noch nicht, aber in der Falle zwischen einst vorgestelltem Lebensweg und der bitteren Realität. Ja, wir Mütter sollen und wollen auch, ebenso wie die Männer, Kinder haben und arbeiten gehen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dabei von uns verlangt wird, was von Männern in gleicher Situation eher nicht erwartet wird: es alles 100%ig zu schaffen, ohne Verluste. Väter gelten nämlich schon als Helden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Mütter haben irgend ein Problem mit der Organisation, wenn sie Beruf, Haushalt und Kinder nicht gemeinsam gewuppt kriegen, sondern das Jammern anfangen. Hurra! Tolle Welt!

Familienfreundlichkeit hoch 0

Alle sprechen von Familienfreundlichkeit und der Vereinbarkeit von Familie & Beruf (den Begriff „Karriere“ lassen wir mal besser in diesem Zusammenhang, das wäre zu hoch gegriffen), doch es gibt Bereiche, in denen wir davon meilenweit entfernt sind und schlimmer noch: uns immer weiter entfernen. In diesem Bereich habe ich meinen Job, den ich bis zu dem Zeitpunkt als ich aus meiner zweiten Elternzeit zurückkehrte, immer sehr geliebt hatte.

Jetzt ist vieles anders, und wird nicht besser. Als Frau mit Kindern mutet die Vereinbarkeit in diesem Bereich geradezu grotesk an. Auch wird es mir immer schwerer gemacht, eine Berufszufriedenheit aufrecht zu halten, wie ich unter anderem hier schon einmal beschrieben habe. Jetzt kommt das nächste Sahnebonbon: Dienstzeiten werden nach vorne verlegt. Statt bisher an „normalen“ Tagen um 8 Uhr an meinem Dienstort sein zu müssen, soll es ab Januar 7:30 Uhr sein. Bei einer reinen Fahrtzeit von fast 30 Minuten und einem Kindergarten, der um 7:00 Uhr öffnet (immerhin!) darf ich also demnächst meine Kinder vor die Tür der KiTa stellen und dann sofort losdüsen. Wie ich es überhaupt schaffen soll, bis dahin zwei Kinder angezogen und glücklich zu hinterlassen, bleibt mir ein unlösbares Rätsel. Es war bisher schon immer knapp mit der Zeit, wie ich kürzlich auch in diesem Text erwähnt habe. Und später da sein und dafür länger machen bzw. dies von der Arbeitszeit abgezogen bekommen, erscheint mir im Moment auch noch nicht so richtig familienfreundlich. Natürlich gibt es auch andere Firmen, in denen es so läuft, aber wieso ein System kaputt machen, welches funktioniert hat?

Und so überlege ich erneut, ob es beruflich nicht so eine Alternative für mich geben könnte, finde sie aber nicht, schon gar nicht für das Gehalt. Weniger arbeiten und weniger verdienen, ok. Aber was soll ich machen? Ich war gerne Musikerin, und was „Vernünftiges“ habe ich nun einmal nicht gelernt. Wovon soll ich im Alter leben? Und möchte ich mich wirklich in dieses traditionelle Rollenmodell pressen lassen, in dem der Mann das Geld ranschafft und ich zu Hause bin (was finanziell nicht geht) und ich lediglich ein bißchen die Haushaltskasse mit aufbessere, im Alter aber aus der Röhre gucke? Und wenn wir uns scheiden lassen oder der Mann verstirbt, dann wird alles nur noch schlimmer.

In diesem Text hier hatte ich bereits von einem Ehepaar mit zwei Kindern geschrieben. Sie machen beide beruflich das gleiche, verdienen das gleiche. Und trotzdem hat der Mann nicht einen Monat Elternzeit genommen. Sie war jedesmal 2 Jahre zu Hause. Auch für sie ist ein vorgezogener Dienstbeginn mit organisatorischen Problemen verknüpft. Denn das erste Kind ist bereits in der Schule (was ja auch in knapp zwei Jahren auf mich zukommt). Mit Eintritt in die Grundschule verschärft sich das Problem der Kinderbetreuung, wenn auch Mutti (!) malochen geht. Beide suchen nach Alternativen, allerdings denke ich, dass sich beide in einem traditionellen Rollemodell sehr wohl fühlen, denn er sagte zu mir, sie kämen finanziell gut klar (die Raten für deren Haus alleine sind vermutlich sehr viel geringer als unsere) und sie könne zu Hause bleiben. Wow! Er geht arbeiten und sie bleibt zu Hause, mit Mitte 30. Bin ich neidisch? Oder einfach nur entsetzt?

Wieso ist in Deutschland nicht möglich, was in Ländern wie Norwegen und Schweden usus ist?

Machen wir uns nichts vor: in der (deutschen) Gesellschaft gelten Kinder immer noch als „Privatvergnügen“. Mit der Mehrfachbelastung muss Frau man halt irgendwie klar kommen, möglichst ohne sich anmerken zu lassen, wie sehr das an

die eigene Substanz gehen kann. Jammern unerwünscht! Ändern wird sich sowieso nichts. Wenn man es nicht schafft oder dabei vor die Hunde geht, ist das eben auch „Privatsache“ und man ist selber Schuld, weil man an der ein oder anderen Stelle die Organisation nicht auf die Reihe kriegt oder wie auch immer. Niemanden interessiert das! Oder schafft Euch halt keine Kinder an, ihr habt es doch vorher gewußt! Gerade in dem Job! (Habe ich glatt  in dem Zusammenhang von einer kinderlosen Kollegin zu hören bekommen!).

Genau. War doch vorher klar, dass sich irgendwann alles nur verschlechtern statt verbessern würde, haha! Wir hätten zumindest damit rechnen und das Kinderkriegen daher sein lassen müssen! Dass wir Eltern – meiner Meinung nach – auch einen Dienst für die Gesellschaft leisten, wenn wir Kinder großziehen, scheint gerne verdrängt zu werden. Vielleicht machen sich die kinderlosen Besserwisser ja mal Gedanken darüber, wer ihnen im Alter den Arsch abwischt oder ihre Rente finanziert.
Mit Sicherheit nicht ihr Dackel oder Schäferhund.

Eltern müssen also wahnsinnig flexibel sein, damit wir die (sich verschlechternden) Jobbedingungen unter einen Hut zaubern können, nur damit sich vor allem für die Kinderlosen nichts ändert. Wer schon viel zu tragen hat, darf gerne noch etwas oben drauf bekommen.

Gemeinschaftliches Tun war gestern

Ich beobachte schon seit Jahren, dass das Leben mit seinem ganzen Drumherum immer mehr zum Einzelkampf wird, gegenseitige Hilfe ist immer weniger zu beobachten. Die Individualisierung der Gesellschaft führt auch bei mir dazu, dass ich keinen Bock mehr habe, mich übermäßig einzubringen. Dank dafür hört man sowieso nie! Auf jeden Fall steht für mich fest, dass es Eltern durch diese Einstellung nicht leichter gemacht wird. Das ganze Dorf, welches die Kinder (mit) groß zieht, ist schon lange  Geschichte!

Ich weiß nicht, was in zwei Jahren sein wird, oder in fünf. Ich plane nicht mehr so viel, versuche aber, immer auch mit dem Schlimmsten zu rechnen bzw. mich nicht allzu sehr festzulegen. Das erhöht die eigene Frustrationstoleranz und die eigene Flexibilität. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, nicht alles kehrt sich immer zum Guten, und so muss man mit allem rechnen und das Best daraus machen. Hoffe ich also, dass mir die Großeltern der Kinder als Einspringer in der Betreuung noch lange erhalten bleiben, nur mal so, um einen der Risikofaktoren zu nennen, die das Kartenhaus schnell zum Einsturz bringen können… .

Das Ende der Fahnenstange ist mit Sicherheit noch nicht erreicht. Na dann, Gute Nacht liebes Deutschland!

 

Wie man es macht… Teil 2

Andere Familien, andere Vorstellungen, andere Modelle

Es hängt von so vielen Faktoren ab, wie Familien die „Vereinbarkeit“ (hüstel, schon wieder dieser miese Begriff) von  Familie & Beruf (also Erwerbseinkommenstätigkeiten) miteinander vereinbaren können. Gerade im Westen unserer Republik hält sich hartnäckig die Vorstellung, dass nur eine „Zuhausebleib-Mutter“ auch eine gute Mutter ist und der Vater möglichst alleine für den Familienunterhalt zu sorgen hat. Die Politik unterstützt dieses nach wie vor mit dem Ehegattensplitting.

Ich persönlich fände es toll, wenn Eltern – also beide Elternteile –  in Teilzeit gehen könnten und eben so viele Stunden in der Woche arbeiten, wie es sich für sie am besten anfühlt, ohne dabei in die Armut zu stürzen. Sprich: sollte unter dem Strich dabei nicht genug herauskommen, zumal noch Betreuungskosten für die Kinder anfallen, könnte der Staat unterstützend eingreifen. In Schweden ist das z. B. meines Wissens so. Damit würde sich in vielen Familien die Lage entspannen.

Ich selber versuche mit meinem Partner ein gleichberechtigtes Modell zu fahren. Bei zwei Beamten mit sehr ähnlichem Gehalt ist das relativ einfach. Allerdings macht keiner von uns Teilzeit, sondern arbeitet Vollzeit bzw. vollzeitnah. Unsere wechselnden Arbeitszeiten verlangen dabei viel Flexibiltät, auch von unseren Kindern, und ein gewisses Organisationstalent. Manchmal haben wir sehr entspannte Wochen, dann aber wieder „knubbelt“ es sich und kann schon sehr anstrengend sein. Konzerte, von denen ich mitten in der Nacht heim komme, aber nach 3-4 Stunden Schlaf wieder für die Kinder da sein muss, weil der Mann eben auch Nachtschicht hatte oder früh wieder zum Dienst muss, sind dabei die besonderen Herausforderungen für mich. Auch die Wochenenddienste vor allem meines Mannes, die mir nach einer anstrengenden Arbeitswoche keine Pause gönnen, können zur Belastung werden. Dass die Organisation des Haushalts hauptsächlich in meinen Händen liegt, ist hierbei wohl typisch.

Aber wie machen das eigentlich die anderen?

  • Sie ist nun schon 2 Jahre in Elternzeit und kümmert sich um die Kinder und den Haushalt, er geht arbeiten, ist mal mehr, mal weniger viel von zu Hause weg. So war es beim ersten Kind auch. In ein paar Monaten will sie wiederkommen, wenn endlich der Kindergartenplatz für das jüngste Kind frei bzw. es eingewöhnt ist. Das ältere geht bereits in die Grundschule. Und da wird es tricky. Ganztagesgrundschule? Fehlanzeige. Und will man das überhaupt? Nicht zwangsläufig, wenn das Angebot nicht stimmt oder es ein Zwang ist, sein Kind bis 16 Uhr in der Betreuung lassen zu müssen, statt wie bisher flexibel in der Abholzeit sein zu können. Er war übrigens nicht bereit, in Elternzeit zu gehen, auch die sog. Vätermonate hat er nicht genommen, dabei verdienen auch hier beide das gleiche, machen sogar das gleiche im Job. Eine Aufteilung wäre also möglich. Aber hier stellt sich einfach die Frage: was möchten die Partner? Leben sie die traditionelle Rollenaufteilung gerne? Warum auch nicht! Er traut es sich nicht zu, nur Zuhausebleib-Papa zu sein, wenn auch auf Zeit! Oder traut sie es ihm nicht zu? Nein, ich glaube, sie leben einfach gerne dieses altbewährte Rollenspiel von Vater-Mutter-Kind(er). Und das sollen sie auch. Und wenn es auf längere Dienstreisen geht, fährt eben er, nicht sie. Wenn sie nicht so an ihrem Job hängt und sogar die Überlegung im Raum steht, dass sie – weil Teilzeit nicht möglich ist – in einen anderen Bereich wechselt, wo sie vormittags am Schreibtisch sitzen und sich nachmittags um ihre Kinder kümmern kann, während er es macht, wie er es immer gemacht hat, dann ist es deren Entscheidung. Sie werden sich das gut überlegen, auch im Hinblick auf ihre Rente. Der Wegfall von einem Teil des Gehaltes ist wohl gut machbar, das haben sie in der Elternzeit festgestellt (Elterngeld aufgeteilt auf 24 Monate plus sein volles Gehalt).

„Ich kenne niemand sonst, der es so macht wie ihr“

  • Das sagte eine Bekannte zu mir, und meint damit die Tatsache, dass mein Mann und ich uns bei etwa gleichem Gehalt gleich auch die Elternzeit bei jedem Kind geteilt haben. Gut, ich war bei Kind Nr. 2 aus rein egoistischen Gründen dazu bereit, auch 12 Monate statt der 9, die es dann geworden sind, daheim zu bleiben. Mein Mann wollte das nicht, denn so wichtig ist ihm seine Arbeit auch nicht, als dass er nicht darauf für eine Weile verzichten könnte. So war es auch finanziell, auch in Sachen Rentenpunkte, bezüglich der Kinderbetreuung gerecht aufgeteilt bei uns. Der eine machte nicht zwangsläufig mehr Verluste als der andere! Im Endeffekt kam sowieso trotzdem das gleiche Geld in die Familienkasse, denn wir haben ein gemeinsames Familienkonto, aber jeder trotzdem noch ein eigenes – was für mich als Frau eine nette Sache ist. Ich fühle mich nicht finanziell abhängig von meinem Mann und muss nicht um Geld betteln, wenn ich mir selber etwas schönes kaufen möchte.
  • Zurück zur Bekannten: ihr Mann verdient sehr gut! Er bringt vermutlich locker alleine nach Hause, was mein Mann und ich gemeinsam jeden Monat anschleppen. D. h., aus finanziellen Gründen muss sie nicht arbeiten, begibt sich aber damit in die berühmte Abhängigkeit. Sollte er man nicht mehr da sein… .  Und dann ist da noch das Ding mit der Altersversorgung. Ich tippe hier auf eine zusätzliche private Rentenversicherung, immerhin könnten sie sich das jeden Monat zusätzlich leisten. Das Privileg haben aber auch nicht alle Familien, die mit jedem Euro rechnen müssen.
  • Die Putzhilfe macht jede Woche das Haus gründlich sauber, und das schon seit ihrer ersten Schwangerschaft. Kind Nr. 1 kam im Alter von 1  Jahr zur Tagesmutter, dann konnte sie wieder im Ort ein paar Stunden in der Woche arbeiten, insgesamt wohl so 20. Nach der einjährigen Elternzeit nach der Geburt des zweiten Kindes war es genau so geplant. Beide Kinder sind nun bis nachmittags im Kindergarten (auch das einjährige), aber sie hat gemerkt, dass es ihr zu stressig bzw. zu viel ist, 20 Stunden in der Woche zu arbeiten. Nun arbeitet sie 15 Stunden – im Monat! Der Job ist eh nicht so toll, sagt sie. Sie will nur nicht ganz raus kommen. Ihren tollen Job, den sie hatte, bevor sie Mutter wurde, konnte sie nicht behalten. Vollzeit hatte ihr der alte Arbeitgeber angeboten, sie wollte Teilzeit. Das hat er nicht möglich gemacht und ihr statt dessen eine Abfindung gezahlt.
  • Nun ist sie 2 Vormittage in der Woche im Ort bei der Arbeit, die anderen 3 Vormittage ist sie zu Hause. Sie hat viel Zeit für sich. (Das ist der Punkt, wo bei mir etwas Neid aufkommt, ehrlich gesagt). Nachmittags kümmert sie sich um die Kinder, auch am Wochenende hat sie hier die Hauptlast. Ihr Mann arbeitet sehr viel, kommt immer spät nach Hause und muss sich am Wochenende auch mal ausschlafen und sich ausruhen.

Von einem Tag auf den anderen alleinerziehend – aber ohne Job

  • Ähnlich hatte sie es gemacht, mein drittes Beispiel: Ein abgeschlossenes Studium, das in seiner Fachrichtung nicht so richtig einen Job gebracht hat. War auch nicht schlimm. Heiraten und Kinder kriegen ist auch auf der Wunschliste gewesen. Also gesagt, getan. Die beiden Kinder kamen mit relativ kleinem Altersabstand auf die Welt. 2 Jahre nach der Geburt des jüngsten Kindes keimt der Wunsch auf, zum Familienunterhalt beizutragen. Immerhin ist der Mann Hauptverdiener. Auch er fordert am Wochenende seine Ruhezeiten und bringt sich auch sonst in die Haus- und Familienarbeit kaum ein. Das führt oft zu Spannungen und vor allem zu Frust auf Seiten der jungen Mutter. Wenn die Kinder und sie krank sind, kümmert sie sich. Wer sonst. Wer bringt die Kinder ins Bett? Sie. Wer sonst. Mit einem kleinen Haushaltsgeld von ihrem Mann versucht sie, Kleidung für die Kinder und natürlich die Lebensmittel zu erwerben. Für sie bleibt nichts übrig. Ein Minijob muss her, der ihr nach kurzer Zeit mit dem Vorwand wieder gekündigt wird, sie sei als Mutter zu unflexibel für unregelmäßigen Arbeitszeiten. Abends oder am Wochenende kann sie nämlich nicht, denn dann ist der Kindergarten geschlossen.
  • Und dann passiert, womit keiner gerechnet hat. Der Mann erkrankt und verstirbt innerhalb weniger Tage. Ein Drama, wie man es sich für sich selber nicht vorstellen möchte. Die Lebensversicherung deckt nicht ganz den Kredit des Hauses. Doch sie rappelt sich hoch, ist so unfassbar stark. Bekommt einen neuen Job, der sie und die Kinder einigermaßen über die Runden bringt – und verliebt sich neu. Große Liebe. Es ist ihr Chef, aber das ist erst einmal Nebensache. Sie ist glücklich, und das sei ihr von Herzen gegönnt.

Dies sind nur ein paar Fallbeispiele. Auffällig oft kenne ich Frauen, die weniger arbeiten als ich, länger zu Hause geblieben sind und hinterher nicht in einen Vollzeitjob wieder einsteigen oder nach Alternativen zu diesem suchen. Ich verstehe sie alle. Ich möchte in meinen Ausführungen nicht (ver)urteilend rüber kommen, auch wenn ich hier und da vielleicht etwas polemisiere. Nicht mein Modell halte ich für das einzig richtige, sondern denke, jeder sollte seinen ganz persönlichen Weg finden. Auch ich bin immer wieder auf der Suche. Aber seien wir ehrlich, oft sind nicht alle Alternativen gegeben, um sich überhaupt das für sich beste aus dem großen Topf der Möglichen auswählen zu können. Denn wenn ich könnte, würde auch ich einiges anders machen. Leider geht das nicht, ohne früher oder später neue Probleme herbei zu beschwören.

In diesem Sinne möchte ich es vorerst dabei belassen.

Und für alle, die sich mit dem Thema „Working Mom“ weiter beschäftigen möchten, empfehle ich folgenden link, der Stimmen einiger arbeitenden Mütter noch mal etwas zusammen fasst.