Ehegattensplitting – wie Frau an der Nase herumgeführt wird

Nach meinem letzten Beitrag zur Familienpolitik möchte ich heute noch einen Text von Juramama teilen. Es geht um das Ehegattensplitting, an dem die Politik noch immer festhält, obwohl es so gar nicht mehr in unsere heutige Zeit passt.

Eine kleine Leseprobe, ein wirklich guter Abschnitt, findet Ihr im unteren Zitat. Den ganzen Text findet Ihr hier. Lesen lohnt sich.

„Den kinderlosen Single-Onkel gab es nämlich schon immer und es gibt ihn bis heute. Er hat zwar auch 2018 keinen Splittingvorteil aus einer Eheschließung und muss seine 60.000 Euro Jahresgehalt höher versteuern als die junge Familie ihre 60.000 Euro Familieneinkommen. Aber er sammelt Dank unseres merkwürdigen Rentensystems ein Erwerbsleben lang ungestört Vollzeitrentenpunkte, die er dann im Alter bei fremden Kindern einlösen darf. Er hat zwar nur einen Teil des Generationenvertrages eingehalten, wird aber von den Kindern der nächsten Generation finanziell mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen durch das Alter getragen. Das ist sozial gerechtfertigt und geht freilich klar. Was aber nicht klar geht und noch nie klar ging, sind die Dank der staatlichen Subvention des Ehegattensplittings automatisch fehlenden Rentenpunkte der Mütter.

Mütter, ob nun verheiratet oder unverheiratet, sind die einzigen, die im Alter kaum etwas bei ihren eigenen Kindern einlösen können und es wird uns bis zum heutigen Tage allen Ernstes verkauft, dass das gerecht ist.“

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Familienpolitik – viel zu oft für’n A…

Ich bin kein sehr politischer Mensch und zugegeben auch nicht allzu engagiert in dem Bereich. Ich halte mich in vielem meist raus und bin mehr so die stille Beobachterin. Aber ich verfolge natürlich politisches Geschehen, kann lesen und nachdenken, lese auch auf diversen Blogs über das Thema. Nicht nur schlummert seit Monaten ein angefangener Artikel zum Thema #carearbeitmusssichtbarwerden – initiiert durch http://www.mama-streikt.de – in meinem Blog-Speicher, auch das Thema Alleinerziehend ist nicht zuletzt durch mama-arbeitet.de und mutterseelesonnig (ihr neuester Blogeintrag passend zum Thema hier    in der Bloggerwelt ein Thema.

Ich bin auf dem Weg zur Alleinerziehenden. Ganz freiwillig gehöre ich zu den Frauen, von denen die Trennung vom Vater ihrer Kinder ausgeht. Dafür gibt es vielfältige Gründe, zu denen ich stehe und die ich jedem gerne zu erläutern versuche, der sich dafür interessiert.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ (G. C. Lichtenberg)

Natürlich mache ich mir so meine Gedanken als demnächst Getrennterziehende (ein Begriff, den ich für unser Situation einfach passender finde). Wie komme ich dann mit nur einem Gehalt über die Runden? Und auch wenn ich jetzt schon vieles alleine stemme, wieviel mehr an Belastung wird da auf mich zukommen? Und wie wird die neue Situation für die Kinder sein?

Familienpolitik in Zeiten gesellschaftlichen Wandels

Das Finanzielle ist so eine Sache und da sind wir am Punkt angekommen. Die Familienpolitik in Deutschland ist auch im Jahr 2018 noch immer für’n Arsch. Ehegattensplitting war bei uns nie ein Thema, wir verdienen beide gleich viel wenig, aber ich bin dennoch dagegen, drängt es Frauen und Männer doch in eine Rollenverteilung von anno 1958. Und bringt oft den Frauen große Probleme wie fehlende Rente im Alter oder Probleme, sollte der Brötchenverdiener wegfallen. Auch wenn sich manche Paare diese traditionelle Rollenverteilung gerne wünschen, sollten Frauen dabei besonders vorsichtig sein. Ich las erst neulich von einer Frau, deren Mann ihr unter anderem vorgaukelte, er würde ihre Altersversorgung mitfinanzieren. Als er weg war bemerkte sie, dass er sie allerdings nicht nur in diesem Punkt belogen und betrogen hatte. Gut, Extrembeispiel, ich geb’s zu.

Das Elterngeld ist ansich ja eine gute Sache. Ohne dieses hätten wir finanziell durch die Geburt der Kinder erst mal echt alt ausgesehen. So haben wir nicht all unser Erspartes (sofern man sowas hat) aufgebraucht, aber auch sicher nichts mehr zurück legen können. Aber was passiert danach in vielen Familien? Viel zu schnell werden vor allem Frauen wieder zum Gelderwerb gedrängt, die Kinder müssen dann oft in Einrichtungen betreut werden, die viel zu oft viel zu viel von ihrem oftmals bescheidenen Teilzeitgehalt verschlingen (noch geht Rheinland-Pfalz da mit gutem Beispiel voran. Hier zahlt man ab dem 2. Geburtstag des  Kindes nur noch für das Essen). Zumindest sammeln Frauen, die schnell wieder Maloche gehen, so noch ein paar Rentenpunkte an. Und sammeln dabei zu früh nach der Geburt gerne mal zusätzlich Burnout-Punkte.

Die Politik investiert nicht immer an richtiger Stelle

KiTa-Ausbau, Betreuung bis in die Nacht hinein? Ja, kann für den ein oder anderen nützlich sein. Aber wer will das wirklich, sein Kind abends aus dem Schlaf reissen, um es zu Hause erneut zu betten, wenn das denn überhaupt gelingt? Fitte Kinder um Mitternacht… Eltern brauchen bekanntlich keinen Schlaf! Betreuung bis 22 oder gar 24h ist z. B. in meinem Beruf nicht ausreichend. Ich bin als durch die Lande reisende Orchestermusikerin oft noch später daheim. Und Schulkinder sind noch mal ein Thema für sich. Die müssen (viel zu früh) morgens schon aus den Federn. Wenn ich dann an so manchen Tagen nur nachmittags und abends arbeite, habe ich nicht wirklich viel Zeit mit meinem Schulkind verbracht. Schlaf ist aber auch dann Mangelware. Lieber hätte so manche Mutter  (und auch mancher Vater, Tendenz steigend) mehr Zeit für seine Kinder, quality time – ohne nicht zu wissen, wovon man laufende Kosten bedienen soll. Ohne auf Teufel komm raus zu „vereinbaren“ und uns früher oder später in der totalen Erschöpfung wieder zu finden. Been there, know that… .

Warum zielt die Politik und somit die Arbeitswelt nicht noch mehr darauf ab, beide Eltern gleich viel Zeit mit ihren Kindern einzuräumen? Warum muss es immer noch Feierabend-Wochenend-Väter geben und Frauen, die nie wirklich zur Ruhe kommen können und das Gefühl haben müssen, für alles alleine verantwortlich zu sein?

Steuerrecht? Murks

Warum muss ich nach einer Scheidung von Steuerklasse 4 (und damit bin ich ja als Frau schon eher die Ausnahme,  siehe oben unter Ehegattensplitting) steuerlich in Steuerklasse 2 oder vielleicht 1 schlechter dastehen, warum muss ich meine Familienzuschläge als nun Unverheiratete abgeben, obwohl ich mit meinen Kindern nach wie vor eine Familie bilde, auch wenn ich mit ihrem Vater nicht länger verheiratet bin? Und das, wo mir ohne ihn ohnehin schon ein ganzes zweites Gehalt in der Familienkasse fehlt und ich dadurch ohnehin schon finanziell schlechter dastehe? Und von nun nur einem Gehalt alleine Hauskredit bzw. Miete, Nebenkosten, Auto etc. pp. unterhalten muss. Und ich jammere da sicher schon auf hohem Niveau. Ich werde bestraft, wenn ich nicht in einer Ehe Kinder groß ziehe, sondern ohne Trauschein –  diese kleinen Wesen, die einmal fleißig folgende Generationen mit Rentenbeiträgen beglücken sollen und für die ich auf so vieles verzichte, während sich kinderlose Paare und auch so mancher kinderlose Single die Hände reibt? Ungerecht ist das, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

„Aus finanziellen Gründen sollten wir uns nicht scheiden lassen“, sagte der Noch-Ehemann  zu mir. Da hat er wohl mal recht. Eine Scheidung ist teuer und erfreut die Anwälte. Der hauptsächlich dem Staat dienende Versorgungsausgleich oder auch das Verschieben von Rentenpunkten ist eine bittere Pille. Aber ich mag den Staat und unsere Arbeitgeber letztlich nicht hinters Licht führen (nicht zuletzt, weil ich klare Verhältnisse wünsche und die Möglichkeit erhalten möchte, wieder zu heiraten – weil man dann finanziell besser dasteht als in „wilder Ehe“, muhaha…).

Vielmehr wünsche ich mir eine gerechtere Unterstützung von unverheirateten und geschiedenen Eltern und auch Alleinerziehenden, die Kinder groß ziehen und dafür nicht nur Lob und Anerkennung verdient hätten. Selbst das allein fehlt schon viel zu oft.

„Hättest‘ halt nie geheiratet und keine Kinder gekriegt. Oder Dich nicht getrennt.“ – Stimmt, selber schuld. Was für eine armselige Argumentation.

 

Die Patchwork-Familie – nicht nur ein Modell der Zukunft

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So bunt wie manchmal das (Familien-)Leben: eine Patchworkdecke (Bild: pixaby.com)

 

Patchwork, dieser Begriff erinnerte zumindest in früheren Zeiten in erster Linie an die aus bunten Flicken („patches“) zusammengenähten Decken. Ich hatte als Kind auch eine, die meine Omi mir aus den verschiedensten Wollresten zusammen gehandwerkelt hatte (Stricken und Häkeln, Sie erinnern sich vielleicht).

Heute verbinden wir mit dem Begriff Patchwork eher eine bunt zusammengewürftelte Form von Familie. Hierbei gibt es die unterschiedlichen Konstellationen. In diesem Zusammenhang gibt es auch den Begriff Regenbogenfamilie, den man verwendet, wenn ein homosexuelles Paar Kinder groß zieht, was ich aber gerade nur am Rande erwähnen möchte.

Solche Familienmodelle sind nicht so ganz neu, nur gab es früher keinen so modern klingenden Begriff dafür. Wenn wir in der jüngere Geschichte zurückgehen, so vermute ich, dass vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg einige Patchworkfamilien entstanden. In einer Zeit, wo der leibliche Vater der Kinder gar nicht oder erst sehr spät aus dem Krieg zurückkehrte, die Frau aber in der Zwischenzeit einen neuen „Ernährer“ für die Kinder gefunden hatte und/ oder sich schlicht neu verliebte, dürfte patchworken nicht unüblich gewesen sein. Aber auch in den Jahrzehnten danach, wo ein noch viel traditionelleres Familienmodell gelebt wurde, gab es hier und da Frauen mit Kindern von verschiedenen Väter, neuen Partnern und ähnlichem. Dies kam in früheren Jahrzehten vermutlich noch eher einem Skandal gleich als im neuen Jahrtausend. Und erinnern wir uns, war nicht schon zu Märchens Zeiten, wo so häufig eine bösen Stiefmutter erwähnt wurde, somit nicht auch von Patchwork-Familien die Rede? Wie viele Frauen starben früher noch bei der Geburt oder kurz danach und der Vater meist zahlreicher Kinder brauchte schon aus Gründen der Versorgung eine neue Frau im Haus. Alles im Prinzip Patchwork.

Patchwork gibt es täglich um uns herum

Als ich mich aus gegebenem Anlass vor einigen Monaten über das Thema mit meiner Mutter unterhielt, nannte sie mir ein paar Beispiele aus dem Dorf, in dem ich groß geworden bin. Ich selber wusste es von den erwähnten Familien gar nicht, vielleicht auch, weil die Kinder etwas älter waren als ich. Es gab also auch schon in den 60er- und 70er Jahren z. B. Frauen, die mit eigenen Kindern geschieden wurden und dann einen neuen Partner fanden, der ebenfalls Kinder in die neue Ehe mitbrachte. Auch ein weiteres, gemeinsames Kind war üblich. Ich selber hatte kaum Scheidungskinder in meiner Grundschulklasse – zumindest nicht zu der Zeit, als wir Dorfkinder alle noch gemeinsam die Schulbank drückten. Unbekannt war es mir aber schon damals nicht, dass Eltern sich trennten. Ich hatte auch einen Mitschüler, der alleine mit seinem Vater aufwuchs – sicher bis heute eine Seltenheit – und später noch einen Halbbruder bekam, als sein Vater eine neue Partnerin hatte. Und ein kurzzeitig als Freundin erlebtes Mädchen aus der Klasse unter mir war die Tochter aus zweiter Ehe, ihr Halbbruder ist bis heute bester Freund meines Bruders.

Waren Ehen „damals“ scheinbar stabiler und langlebiger – und wenn ja, warum?

Frauen begaben sich bzw. blieben damals eher in der Abhängigkeit zu einem Mann, mussten es oft zwangsläufig und trennten sich nicht so schnell wie heute. Hier spielten sicher nicht nur alte Rollenvorstellungen mit hinein, sondern vor allem finanzielle Gründe. Frauen gingen seltener einer Erwerbstätigkeit nach und wenn, dann mit weniger Stunden und weniger Verdienst. Nun gut, das ist auch heute noch ein Thema und stürzt viele Frauen nach einer (gewollten oder ungewollten) Trennung in große finanzielle Nöte.

Ich kann nur spekulieren, wie viele Paare früher unglücklich nebeneinander herlebten, um den Status Quo zu wahren, den Schein von einer heilen Familie und um finanziell über die Runden zu kommen. Ich möchte nicht wissen, wie belastend es für Frauen war, sich Männern zu fügen, die sie schlecht behandelten oder gar schlugen – oder mit denen sie nach einiger Zeit einfach nicht mehr glücklich waren. Aber sie blieben öfter, auch wegen der Kinder. Manche warteten, bis die diese aus dem Gröbsten raus oder aus dem Haus waren. Manche warteten einfach bis zum Tod, entweder ihres eigenen oder dem des Partners. Als Frau ein selbstständigens, eigenes Leben auf die Füße zu stellen, war schlicht weniger verbreitet und angesagt.

Moderne Zeiten

Vielleicht erwarten gerade wir Frauen heute mehr von unserem Leben und sind daher bereit, eher auch den Schritt der Trennung zu gehen, wenn wir sehr unglücklich und unzufrieden sind. Ich habe einige Frauen, allesamt Mütter, um mich herum erlebt, die sich getrennt haben. Erstaunlich oft geht die Trennung heutzutage tatsächlich von den Frauen aus und nicht von den Männern. Wenn letztere nicht gerade eine Affäre beginnen und an dieser Frau „hängenbleiben“, dann verharren Männer scheinbar viel länger in einer unbefriedigenden Paarsituation. Ist oftmals auch viel bequemer. Selbst wenn die Beziehung an allen Ecken und Enden hakt, es ist immer noch jemand da für… die Wäsche oder so.

Aber zurück zum patchworken. Das passiert. Und meiner Meinung nach ist es nicht immer die schlechteste Variante für ein gutes Zusammenleben. Wenn in der Ursprungsfamilie und zwischen den Eltern nur noch „dicke Luft“ herrscht und somit ein Miteinander, ein Fairplay im Team nicht mehr möglich ist, sollten sich die Mannschaften besser trennen. Kinder profitieren von einer getrennten Lösung dann mehr als von einer zwanghaft aufrecht erhaltenden Beziehung, die mindestens einen der Beteiligten krank macht.

Beispiele aus dem Leben gegriffen

  • Eine Freundin von mir verlor vor nun 5 Jahren ihren Ehemann nach kurzer, schwerer Krankheit. Ihre Kinder waren damals knapp 4 und 2 Jahre alt. Zwei Jahre später begann sie ihre neue Beziehung zu einem (zufällig) 10 Jahre jüngeren Mann. In 4 Wochen ist Geburtstermin für ihr gemeinsames Kind. Sie befindet sich im 43. Lebensjahr. Und ich find’s einfach nur klasse. Sie war übrigens zuvor auch nicht glücklich in ihrer „Versorgerehe“, aber sie hätte den Mann nie verlassen. Das Schicksal hat, wenn auch unschön, aber doch eingegriffen. Sie sagt, ihre Lebensqualität in der neuen, glücklichen Beziehung sei um ein vielfaches höher als zuvor.

 

  • Ein Kollege ist mit einer um ein paar Jahre älteren Frau zusammen, sie hat bereits zwei Söhne aus erster Ehe. Er könnte sich durchaus ein gemeinsames Kind vorstellen. Ein paar Jahre gibt ihnen die biologische TicTac-Uhr da sicher noch.

 

  • Eine andere Freundin wurde früh Mutter, wurde früh geschieden. Die Beziehung danach scheitererte letztes Jahr nach mehreren Jahren. Jetzt ist sie glücklich liiert mit einem Mann, der ebenfalls schon ein Kind hat. Ein gemeinsames Kind ist sicher eine Option, beide sind noch recht jung und können sich da schlicht noch Zeit lassen.

 

  • Ein anderer Kollege heiratete eine Frau mit 3 Kindern, die Zwillinge waren gerade ein paar Monate alt, der älteste Sohn 4, als sie zusammen kamen. Sie hatte ihren betrügerischen Ex-Ehemann kurzerhand vor die Tür gesetzt. Respekt, dies in der Situation mit den kleinen Kindern durchzuziehen. Dass der Kollege und sie nun auch in Scheidung leben, ist eben ein weiterer Beweis dafür, wie das Leben spielen kann. Immerhin waren sie 15 Jahre zusammen. Er hätte gerne noch ein eigenes Kind gehabt, doch sie hatte sich damals bei der Geburt der Zwillinge sterilisieren lassen, somit war das Thema erledigt.

 

  • Ich selber kann mich mit einem Patchwork-Modell gut anfreunden, denn ich habe einfach Bock auf ein glückliches und erfülltes und auch buntes Leben. Ich sehe den Bonuspapa als Bereicherung für meine Kinder, eine Bonusmama soll es ruhig auch geben und ich hoffe, sie ist dann auch echt in Ordnung. Manchmal hängen da sogar noch Bonusgroßeltern mit dran. Davon haben Kinder doch allemal mehr als von einer unglücklichen Vater-Mutter-Kind-Situation. Halbgeschwister sind beim Vater sicher noch eher möglich als bei mir. Aber selbst ich bin alles andere als abgeneigt und habe mit dem Thema noch nicht ganz abgeschlossen.

 

Ist es nicht so, dass ein ganzes Dorf die Kinder groß ziehen sollte, statt nur wenige Einzelpersonen? Wenn eine Trennung vernünftig und ohne wild ausgelebte Fehden von Statten geht, wenn es den getrennten Partnern damit (irgendwann) besser geht, geht es auch den Kindern gut damit. Ich bin aber generell ein offener Mensch und nicht so sehr an Muster gebunden (so nach dem Muster, war schon immer so, muss auch immer so sein). Ich bin selber Scheidungskind. Auch wenn das damals auch nicht ohne Dramatik ablief, so sehe ich heute, dass es letztlich keine andere Lösung gab und wir damit gut klar gekommen sind. Es ist immer auch die Frage, wie eine Trennung angegangen und vollzogen wird, damit die Kinder damit gut leben können. Das ist zumindest meine Meinung.

Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.

Muttertag – ist der sinnvoll oder kann der weg?

Mein allererster Muttertag vor 4 Jahren wurde von meinem Mann rigoros ignoriert. Mir ist dieser Tag an sich relativ schnuppe. Ich hätte mir damals trotzdem gewünscht, dass er die Tatsache, dass auch ich nun Mutter bin, einfach mal erwähnt. Nur mal so, ganz nebenbei und gerne auch etwas scherzhaft. Ja, da hätte ich nichts dagegen gehabt.

Dieses Jahr hat er dann mit KindNr. 1 im Kindergarten für den Muttertag gebastelt. Eine Bastelaktion nur für Väter und ihre Sprösslinge. Ich denke, mein Mann hat daran freiwillig teilgenommen, um einfach (Bastel-)Zeit mit seinem Sohn zu verbringen, als kleines besonderes Ereignis in der Vater-Sohn-Beziehung sozusagen. Herausgekommen ist ein wunderschöner Schmetterling, hergestellt aus einem Ast unseres Apfelbaums. KindNr. 1 wollte eigentlich lieber gerne damit (weiter) spielen statt ihn mir zu überlassen. Die eventuelle Bedeutung eines Muttertages hat er bestimmt noch nicht verstanden, und das muss er aus meiner Sicht auch nicht.

365 Tage im Jahr im Einsatz: Mütter und Väter

Und in diesem Jahr sogar einen Tag mehr. An genau so vielen Tagen sollte uns (und unserem Umfeld) bewusst sein, was Mütter (und auch immer mehr engagierte Väter) Tag ein und Tag aus leisten, um den Nachwuchs gesund und glücklich aufwachsen zu sehen. Wie oft wir dabei an unsere eigenen Grenzen und darüber hinaus kommen, muss ich den meisten Eltern nicht erklären. Leider ist das unseren kinderlosen Mitmenschen und selbst den Politikern nicht immer so ganz bewusst, daher finde ich die Aktion #muttertagswunsch #vatertagswunsch von mutterseelesonnig und mama-arbeitet sehr wichtig und es gefällt mir, wie die Berichte darüber durch sämtliche Medien gewandert sind. Sehr viele gute und sinnvolle Wünsche konnte ich in dem einen oder anderen Blog lesen, wollte mich aber nicht auch noch selber dazu äußern.

Müssen wir wirklich an diesem zweiten Sonntag im Mai an einem Muttertag festhalten, nur um Floristen oder die Schokoladenindustrie finanziell zu unterstützen? Um Geschenke und Bastelarbeiten der Kinder entgegen zu nehmen und vielleicht ein Frühstück serviert zu bekommen? Sollte das nicht auch an anderen Tagen des Jahres möglich sein, mal von der eigenen Familie in dieser Hinsicht „entlohnt“ zu werden? Auch zweifele ich die Wichtigkeit eines Vatertags an, der von den Männern quasi dem einst christlichen Feiertag Christi Himmelfahrt abgerungen wurde. Natürlich ist es schön, so einen freien Tag am Donnerstag zu haben, vor allem wenn noch die Möglichkeit auf ein langes Wochenende durch den Brücken-Freitag besteht. Aber wo steht der Sinn darin, wenn dabei vor allem Nicht-Väter torkelnd und mit Bollerwagen im Schlepptau durch die Gegend ziehen? Löblich, wenn die Väter diesen freien Tag nutzen, um ganz für ihre Familie da zu sein und mit den Kindern explizit Zeit zu verbringen.

Übrigens hat mein Mann an Himmelfahrt den ganzen Tag gearbeitet und ich war mit den Kindern alleine, wie so oft auch an anderen Feier- und Sonntagen.

So war mein Muttertag 2016

Kurz nach 6 Uhr beginnt der Tag, die Kinder werden wach. Moment: DAS Kind! Nr. 1 übernachtet nämlich bei OmaOpa und kommt erst nachmittags zurück. Ein entspannter Vormittag also, möchte man meinen. Aber warum steht KindNr. 2 heute so früh auf und schläft nicht wie sonst schon mal bis 7 Uhr? Grmpf. Der Papa kehrt kurze Zeit später aus der Nachtschicht zurück. Er übernimmt das Kind und geht mit ihr in die Küche, wo er Eier kocht, Brötchen aufbackt und den Frühstückstisch deckt, damit Mama währenddessen in Ruhe duschen kann. Das ist nichts ungewöhnliches, denn so etwas ist er auch an anderen Tagen zu leisten bereit. Auf Blumen, Schokolade oder eine Erwähnung dieses Tages im speziellen könnte ich lange warten. Dann überlässt er uns Damen zum Frühstücken das Feld und geht ins Bett.

Wir essen, ich räume danach die Küche auf. Es ist nett, wenn ich ausnahmsweise mal nur ein Kind bedienen muss. Anschließend wasche ich ab und putze in der Küche an Stellen Staub, die sehr lange keinen Lappen mehr gesehen haben. Aber nicht zu viel, wir wollen es ja nicht übertreiben. Nebenbei reiche ich der Tochter Malutensilien zum Tuschen und Filzstifte zum Anmalen von Papier und Händen. Anschließend verlangt sie nach Knete. Ich putze zwischendurch weiter. Außerdem wechsele ich noch ihre Windeln (mal wieder voll bis zum Hals, aber Baden ist ja derzeit nicht erwünscht *augenroll*), ziehe sie an, putze ihre und meine Zähne und käme mir selber mal die nassen Haare. Danach Staub wischen, Saugen… . Es ist Muttertag? Nein, es ist ein ganz normaler Tag und ich nutze die Ruhe mit nur einem Kind, endlich mal wieder etwas aufzuräumen. KindNr. 2 hilft kräftig mit, schmeißt alle Kissen vom Sofa, damit sie darauf besser saugen kann und spielt zwischendurch noch auf dem Klavier herum.

Zum Glück muss ich heute kein Mittagessen kochen, es ist noch genug vom Vortag da. Das Kind möchte jetzt aber lieber Schokolade. Auch die Erdbeeren locken sie nicht. Sie wird sauer, als ich ihren Wunsch vehement verneine. Ich gebe ihr stattdessen ihren Nuckel, denn ich kenne das schon. Solch schlechte Laune kurz vor 13 Uhr bedeutet, dass sie müde ist. Schon legt sie den Kopf auf den Tisch. Ich nehme sie hoch, trage sie etwas und lege das schlafende Kind dann aufs Sofa.

Mein Muttertagsgeschenk: KindNr. 2 macht heute Mittagsschlaf

Kommt zu Hause eher selten vor, im Kindergarten meistens. Mit allen Folgen für das abendliche Einschlafen. Heute ist es mir egal. Ich lag letzte Nacht wieder ein paar Stunden wach, ich bin einfach müde. Erst mal beende ich selber in Ruhe mein Mittagessen und lege dann die Füße hoch. Es ist immerhin Muttertag. Statt weiter zu putzen, Wäsche zu waschen oder sonst einer wenig geliebten Tätigkeit nachzugehen, liegen wir zwei Mädels auf dem Sofa, ich penne immer wieder auch mit weg. Schlafen tagsüber – eine absolute Rarität in meinem Mutterleben. Ich genieße und lasse die Tochter 2 1/2 Stunden schlummern und übergebe sie dann an den Vater, der inzwischen auch wieder wach ist.

Für eine Stunde ziehe ich mich in mein Zimmer zurück, Kraft schöpfen für den Abend. Derweil kommt der Sohn nach Hause. Als OmaOpa sich verabschieden, stehe ich auch wieder auf der Matte. Noch etwas (Mutter) spielen und das Abendbrot vorbereiten. Es ist 17.25 Uhr. Der Mann verabschiedet sich zur nächsten Nachtarbeit und die Kinder zeigen wenig Interesse am Abendmahl. Stattdessen wie so oft Rumgespiele und Chaos am Tisch, sie stacheln sich mal wieder gegenseitig an und denken gar nicht daran, auf mich zu hören. Ich bin genervt und beende das Essen, räume noch den Tisch auf, packe das halbe Käsebrötchen der Tochter, welches mal wieder umsonst geschmiert wurde, unter Frischhaltefolie und esse den Rest von Sohnemann Salamibrötchen auf. Während die Kinder noch etwas puzzeln, klimpere ich noch etwas auf dem Klavier herum. Danach stehen waschen, Zähne putzen, umziehen und das Sandmännchen auf dem Programm. Es zieht sich.

Abends grüßt das Murmeltier

Nach dem Sandmännchen geht es ins Bett, und zwar ins 1,40 m breite Ehebett, Mama sitzt eingequetscht zwischen beiden Kindern und gibt noch zwei Bücher zum Besten. Die Hoffnung darauf, dass die Kinder heute mal etwas schneller einschlafen, zerschlägt sich schnell. Dass es bei der Tochter aufgrund des ausgedehnten Mittagsschlafes nicht gut klappen würde, war absehbar, aber auch der Sohn hat heute keine Lust auf einschlafen. Es wird herumgezappelt, geredet und mit den Nachtlichtern gespielt. Ich verspreche dem Sohn Belohnungspunkte, wenn er ab morgen endlich mal alleine im eigenen Bett einschläft, denn diese Einschlafsituation, wenn ich mit den Kindern alleine bin, beginnt mich zu nerven. Ich will das so nicht mehr!

Endlich schlummert KindNr. 1 weg. Um 21:10 Uhr (!) verlasse ich das Schlafzimmer, nach dem ich KindNr. 2 in ihr Bettchen gehievt habe und mache es mir mit ein paar Chips, Schokolade und einem Glas Dornfelder auf meinem Schlafsofa bequem. Das habe ich mir jetzt einfach verdient. Ich habe noch Energie für ein Buch und lese etwas in Jesper Juuls „Elterncoaching“. Wie oft schlafe ich abends neben der Tochter ein, weil es oft sehr lange dauert, bis sie selbst eingeschlafen ist. Oder ich werde dabei so müde, dass nichts mehr geht. Meinem Mann geht es  ähnlich. Gemeinsame Abende, Paarbeziehung, Zeit für sich selbst oder zu erledigender Papierkram bleiben fast permanent auf der Strecke. Oder einer von uns arbeitet abends oder nachts.

Ich schlafe wie so oft schlecht. KindNr. 1 kommt in der Nacht zu mir. Ich kann neben dem schmatzenden, sich wälzenden Kind nicht gut schlafen und ziehe zurück ins Schlafzimmer. Hier findet er sich um 5 Uhr erneut ein. Ich muss ohnehin gleich aufstehen. Um 6:30 Uhr ist der Mann von seiner Nachtschicht zurück. Ich breche um 7 Uhr zum Dienst auf und er bringt trotz durchgemachter Nacht noch die Kinder in den Kindergarten.

Es ist ganz egal, ob Muttertag, Vatertag, Feiertag oder Sonntag – so ist eben unser Alltag.

Ich wäre dann gerne mal weg

Endlich mal wieder ein Beitrag auf „Babykram & Kinderkacke“, einer meiner Lieblingsbloggerinnen, nachzulesen hier.

Ich lese den Text spät abends, nach dem ich gerade meine Tochter in ihr Bett gelegt und selbst die Schlafstätte gewechselt habe. Wie so oft bin ich bei ihr eingeschlafen. Es kann schon mal eine gute Stunde dauern, bis sie eingeschlafen ist, vor allem, wenn sie im Kindergarten Mittagsschlaf gehalten hat. Und dann döse auch ich weg, schaffe es nicht mehr, mich zu erheben und noch das mit dem Abend anzufangen, was ich normalerweise vor hatte. Ein Stündchen nur für mich. Lese dann manchmal noch im Handy, das geht auch ohne Licht. Am liebsten hätte ich sofort selbst in die Tasten gehauen, so sehr trifft der Text wieder einen Nerv von mir, lese ich von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen und all dem, was mich selber immer wieder und allzu oft beschäftigt.

Wie oft habe ich in den letzten Monaten oder gar Jahren darüber nachgedacht, einfach auszusteigen aus diesem (gehetzten) Leben! Ich meine jetzt nicht unbedingt diese Gedanken, Mann und Kinder zurück zu lassen und wieder mein eigenes Ding zu machen, frei und ohne diese teils bleibernde Belastung der Verantwortung für Menschen, die ich in diese Welt gesetzt habe. Auch diese Momente gibt es, das gebe ich zu. Aber mit meiner Familie (oder zumindest mit meinen zwei Kindern) ein neues Leben beginnen, abseits dieser Konsum-Gesellschaft mit ihrem Druck, der schon auf die Kleinsten und somit auch deren Eltern ausgeübt wird, erscheint mir immer wieder verlockend. Weg von diesem ständigen „Höher-Schneller-Weiter-Besser“, diesem Leistungsdenken und vor allem der Profit-Gier. Alles wird individualisiert, Gemeinschaft, wie ich sie in meiner eigenen Kindheit noch kennenlernen durfte, existiert immer weniger.

Irgendwo auf dem Lande, Bio und viel Selbstversorgung, und andere Menschen, die uns ähnlich sind. Andere Familien und somit andere Kinder. Freiheit, Unbekümmertheit, Handeln zum Wohle aller, gemeinsam sind wir stärker. Ein bißchen „heile Welt“. Aber das sind alles Fantasien, schöne Tagträume… .

Elternschaft anno 2016 – einfach war gestern

Längst ist das Leistungsdenken auch in der Elternschaft angekommen. Dies trifft vor allem die Mütter, aber auch immer mehr Väter. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Gehalt heute in den seltensten Fällen reicht, um einen gewissen, durchaus nicht übertriebenen Lebensstandard zu finanzieren, fehlt vielen Eltern schlicht und einfach ein gut ausgebautes soziales Netz und somit der doppelte Boden. Gerade in meinem persönlichen Fall, die ich (und auch mein Mann) Heimat und bekannte Strukturen aufgrund von Studium und Job aufgegeben haben, um sich an einem Ort niederzulassen, der mitsamt seinen Menschen im Grunde so fremd ist, ist das noch immer eine Tücke des Alltags. Ich las es erst kürzlich irgendwo: anders als in vielen Naturvölkern wird uns Frauen hierzulande kurz nach der Geburt abverlangt, alles wieder zu schaffen wie zuvor, und zwar alleine (und eigentlich geht das schon in der Schwangerschaft los). Der Mann geht meist schnell wieder arbeiten, die umsorgende Verwandtschaft, Freunde, Bekannte und Nachbarn sind wenig bis gar nicht vorhanden. Da hat eine Frau / ein Paar ein (weiteres) Kind bekommen und soll  doch sehen, wie sie klar kommen! Geburtsverletzungen, Kaiserschnitt (also Bauch-OP)? Ach, die soll sich mal nicht so anstellen. Andere schaffen das doch auch!

Ich habe es selber erlebt. Schwiegereltern – zumindest bei der Geburt von Kind Nr. 2 vor Ort – was haben sie gemacht? Wie haben sie uns bzw. MICH unterstützt? Einmal Essen vorbei gebracht, nach dem mein Mann sie darum gebeten hatte. Und ja, mal Kind Nr. 1 genommen, aber eher selten, ging da ja schon in den Kindergarten. Spazierengehen mit Baby? Fehlanzeige. Kochen, Putzen für die frisch Entbundene oder einfach mal fragen, ob etwas benötigt wird? Nö. Ich hätte um alles bitten müssen, was für mich persönlich in solch einem (offensichtlichen) Fall einem Betteln gleich käme. Habe ich also nicht gemacht. Habe mich statt dessen mit dem Mann darum gestritten, dass seine Eltern so etwas von alleine sehen, kapieren und anbieten müssten.

Moody schreibt in ihrem Text:

„Wenn ich darüber nachdenke, wie die Verhältnisse sind, in denen wir leben, stelle ich fest: Wir leben in einer kinder- bzw. familienunfreundlichen Gesellschaft. Meiner Ansicht nach führt die Art unseres Zusammenlebens zu einer Überforderung der Eltern, die kaum auszuhalten ist. Wenn man annimmt, dass Menschen die meiste Zeit ihrer Existenz in überschaubaren Sozialzusammenhängen gelebt habenmit intensivem Kontakt zu den Mitmenschen; in Gemeinschaften, in denen Frauen etwa aller 3-4 Jahre ein Kind bekamen (so lange wurde das Kind getragen und gestillt), Kinder ab 4-5 Jahren mehr Zeit mit anderen Kindern in einer Art Kinderkultur verbracht haben als mit Erwachsenen, darüber hinaus außerdem viele der erwachsenen Gemeinschaftsmitglieder als Ansprechpartner und Bezugspersonen hatten […], Naturnähe, weitgehend freies Rumtollen, Begleitung der Erwachsenen bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, viele andere Kinder… Wenn man nun diese Art des Gemeinschaftslebens dem heutigen gegenüberstellt: anonym, „zivilisiert“, individualisiert, Ich-bezogen, technisiert, geprägt von Lohnarbeit, rational, Grenzen, Zäune, Mauern, Straßen, Autos, in Städten kaum grün, separiert… dann stimmt mich das nachdenklich. […]

Das starke Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Aktion von (insbesondere jungen) Kindern kann von einem Elternpaar meiner Meinung nach gar nicht adäquat befriedigt werden. Heranwachsende hatten (und haben in einigen Sozialzusammenhängen) immer eine Vielzahl an Bezugspersonen und Gefährten. Undenkbar, dass zwei Erwachsene allein mit ihren Kindern leben. Völlig unsinnig, dass Erwachsene Kinderspiele spielen. Ich wage mich mal noch weiter aus dem Fenster: In keiner der bekannten Jäger und Sammler-Clan-Kulturen sind Neurosen und psychische Krankheiten in der Art der Industrienationen bekannt. Woran liegt das? Wenn man hinschaut und darüber nachdenkt, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass Eltern uncool mit ihren Kindern umgehen, weil deren Eltern in ihrer Kindheit auch uncool mit ihnen umgegangen sind und deren Eltern wiederum… Und so weiter. Wenn es stimmt, dass Kinder (so wie es z.B. Renz-Polster behauptet) ziemlich „ursprünglich“ ticken, dann sind sie womöglich in Erwartung einer solchen Clan-mäßigen Gemeinschaft… also genau damit ausgestattet, was es für ein Leben mit Eltern, vielen Kindern, mit dabei sein beim Tun der Erwachsenen und unterschiedlichen Bezugspersone braucht. Ständige unkomplizierte Aufmerksamkeit garantiert. Man ist überall dabei und in älterem Alter ziemlich frei in seinem Tun, beim Erkunden der Welt. (Zumindest bis zur Pubertät, aber das ist ein anderes Thema.) […]

Nun werden diese ursprünglich tickenden Kinder geboren in ein Umfeld, das ganz anders tickt. Die Eltern sind die einzigen Bezugspersonen und müssen all das leisten/erfüllen, was in einem Clan viele verschiedene Erwachsene leisten. Außerdem haben sie eigentlich ständig etwas anderes zu tun und/oder im Kopf. Am Anfang wird die Mutter aus der Gemeinschaft gekickt und ist mit einem Säugling auf sich allein gestellt, um sich voll und ganz dem kleinen Bündel zu widmen. (Dass sie dabei einen Knall kriegt, weil man blöde wird, wenn man den ganzen Tag keine Erwachsenen sieht, interessiert nicht. In „ursprünglichen“ Sozialzusammenhängen käme das einer Verbannung gleich – so ziemlich das schlimmste, was dir passieren kann, denn ohne Clan bist du nichts, zum Beispiel nicht überlebensfähig.) Die etwas größeren, aber immernoch kleinen Kinder können beim Tun der Erwachsenen nicht dabei sein, sondern werden in Betreuungseinrichtungen gegeben. Das wäre eigentlich gar nicht mal so schlecht, wenn es nicht 1. so früh wäre und 2. wenn die Erwachsenen die Kinder nicht ständig kontrollieren, erziehen, maßregeln würden. Immerhin kommen sie hier mit vielen anderen Kindern zusammen und können mal andere Menschen als ihre Eltern sehen. Allerdings befinden sie sich in einem Schonraum und kriegen nichts von der „Erwachsenenwelt“ mit. Die Erwachsenen gehen 8 Stunden oft ziemlich stupiden und/oder kopflastigen Arbeiten nach, die sie wahlweise körperlich einseitig belasten (war schon bei Anbau und Ernte von Weizen der Fall) oder geistig derartig auslaugen, dass sie danach eigentlich zum Ausgleich 4 Stunden durch grüne Wälder laufen müssten. Können sie aber nicht, denn die Uhr tickt, der Nachwuchs muss abgeholt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Erwachsenen eigentlich bereits völlig erschöpft und bräuchten dringend eine Pause von der Beanspruchung, müssen nun aber viele weitere Stunden in der „zweiten Schicht“ für ihre Kinder da und ansprechbar sein und verlangen sich – wie in jedem Bereich – alles ab. Dazwischen werden sie von Werbetafeln beballert und ihr Smartphone ruft nach ihnen. Wenn die Kinder abends schlafen, muss man sich noch um seine Selbstverwirklichung kümmern, man muss ja schließlich „was aus sich machen“. Der Kinder-„Schon“raum zieht sich dann 10-12 Jahre weiter in Institutionen, in denen Kinder sich stündlich wechselnd mit von Erwachsenen festgelegten Themen beschäftigen sollen, und zwar sitzend. 8-12 Stunden am Tag werden Informationen in sie hineingetrichtert und in regelmäßigen Abständen wird abgefragt, was sie sich merken konnten. Für die Eltern wird’s hier vielleicht etwas weniger stressig, weil die zweite Schicht quasi wegfällt. Die Kinder wollen gar nicht mehr so viel Aufmerksamkeit von ihren Eltern. Glotze, Smartphone und Zocken können das viel besser und ersetzen vom Action-Faktor vielleicht ein bisschen den Kick, den man sich eigentlich durch Stromern mit den anderen Clan-Kids in der Wildnis verschaffen würde. (In Jäger-Sammler-Gemeinschaften fangen „Kinder im Schulalter“ langsam an, die Erwachsenen bei der Jagd zu begleiten.)“

 

Ich denke, das trifft es einfach. Das hätte ich wahrlich nicht besser schreiben können.

 

Kinder haben ist anstrengend – heute mehr denn je

Haben sich meine Eltern jemals so viele Gedanken gemacht, machen müssen, wie sie mit uns Kindern interagieren? Heute werden Eltern viel schneller an den „Pranger“ gestellt.

Wenn das Kind nicht „funktioniert“, sind die falschen Erziehungsmethoden der Eltern Schuld.

Geht die Mutter arbeiten, ist sie eine Rabenmutter. Bleibt sie zu Hause, wird sie ebenso unverständlich angesehen.

Umsorgt man das Kind zu sehr, ist man ein Helikopter-Elter.

Lässt man ihnen zu viel Freiraum und alles durchgehen, ist man vernachlässigend und / oder gefährdet das Kindswohl.

usw. usf.

Ich bin in einer dörflichen Gemeinschaft groß geworden, meine Mutter blieb die ersten 6 Jahre meines Lebens zu Hause, obwohl das finanziell nicht gerade günstig für die Familie war. Aber sie wollte nicht schon wieder ein Kind täglich weinend bei der Oma lassen, wie es ihr mit meinem älteren Bruder erging. Immerhin gab es diese Oma, gleich nebenan, mit einem großen Grundstück und riesigem Nutz-Garten. Dazu viele Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, Nachbarn, die einander geholfen haben. Viele Kinder in meinem Alter. Wir stromerten herum, oft den ganzen Tag. Schon ab dem Alter von 4 Jahren waren wir alleine unterwegs. Da ging das damals noch. Das ganze Dorf war nicht nur unser Spielplatz, sondern zog uns quasi mit groß. Es war eine Idylle, aus heutiger Sicht, und zwar auch für meine Eltern. Sie mussten nicht mit uns auf den Spielplatz gehen, obwohl sie gerade keine Lust oder Zeit dazu hatten. Wir sind alleine gegangen. Sie hatten Zeit, ihr eigenes Ding zu machen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Die Grundschule war nicht besonders anspruchsvoll. Es gab nicht den Druck, unbedingt Abitur machen zu müssen (und ich bin einige von sehr wenigen aus der damaligen zahlreichen Kindergemeinschaft mit Abi und abgeschlossenem Studium). Heute ist eben vieles ganz anders.

„Eltern sind heute m.E. überfordert, weil sie im Kleinfamilien-Kontext dazu gezwungen werden, etwas zu leisten, das unmenschlich ist. Sie müssen leisten, was „eigentlich“ eine Vielzahl von Menschen gemeinsam leisten sollte/müsste. Zudem ist der Einfluss der Eltern auf die Kinder (und ihre Psyche) dadurch, dass es kaum andere ernsthafte Beziehungen und Vorbilder für Kinder gibt, immens. Wo viele Erwachsene sind, die Kinder ständig beeinflussen, ist ein cholerischer Vater weniger ein Problem für die Entwicklung des Kindes. (Das Kind kann ihm im Zweifelsfall einfach aus dem Weg gehen.) Ist „der Choleriker“, „die Depressive“, „die Unentspannte“, „die Gereizte“ usw. aber die wichtigste bzw. einzige intensive Bezugsperson, multipliziert sich die Abhängigkeit von den und damit auch die Verantwortung der Eltern. Das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – eigentlich ziemlich unerträglich!

Erschwerend kommen hinzu: Individualismus, Selbstverwirklichungsdrängen, Biografiezwang. Wie soll man sich Kindern widmen, wenn man ständig den Zwang verspürt, das Beste aus sich herausholen zu müssen, um im Zweifelsfall auch zu erklären, wer man ist und was man macht? Die Kinder nehmen so viel Zeit weg, in der man etwas „sinnvolles“ tun könnte. Der Spruch oder Gedanke „Ich habe heute noch gar nichts geschafft“ am Abend eines Tages, den man „nur“ mit den Kindern verbracht hat, spricht Bände.

Dann wäre da noch: Eine rational eingerichtete Umwelt, die nicht zum „irrationalen“ Verhalten von Kindern passt: Funktionalität überall, bestimmte Arten und Weisen wie etwas „richtig“ zu gebrauchen ist und so so viel, was Kinder ständig falsch machen können. Und sie tun es ja auch ständig, etwas „falsch“ machen. Das geben wir ihnen auch ununterbrochen zu verstehen. Man könnte Kinder auch liebevoll in die Welt einführen, mit Verständnis dafür, dass sie xy nicht einfach so können und dass es Zeit braucht, bis das der Fall ist, so wie es in Jäger-Sammler-Kulturen. Aber dafür tickt hier und heute die Uhr zu laut, der Tag hat zu wenig Stunden für all das, was wir meinen, zu tun zu haben. Das viele, viele Andere. […]

So gesehen sind die Genervtheit, die Gereiztheit, die Überforderung, die Last, der Druck von Eltern völlig logische Konsequenzen. Und auch die zunehmende Anzahl von Kindern und Erwachsenen mit psychischen Problemen erscheint mir vor dem Hintergrund durchaus plausibel. Ebenso, dass immer weniger Menschen überhaupt Kinder bekommen (wollen). Wer kann das – in so einem Kontext – schon ernsthaft wollen? Eigentlich sind Kinder doch in einer rationalen, funktionalen, an Effizienz, Optimierung und Fortschritt ausgerichteten Industriegesellschaft überall im Weg. Ein einziges Ärgernis. Neue Menschen braucht aber auch diese Gesellschaft dummerweise. Können die nicht irgendwie als fertige, als „richtige“, als vernünftige Menschen zur Welt kommen? Dann wäre alles so viel einfacher. Die Genforschung wird dafür bestimmt bald eine Lösung haben.“

Ja!

 

Es braucht 2 Arme pro Kind – mindestens

Das ist meine Meinung. Ich habe 2 Kinder, aber nicht 4 Arme. So geht es vielen Alleinerziehenden und mir und meinem Mann immerhin zeitweise, weil der andere (hier vor allem der Mann) beruflich weg ist, auch an Feiertagen und dem Wochenende. Dann steht man mit allem oft völlig alleine da, weil eben das Auffangnetz sehr dünn ist. Und beim Lesen des Blogbeitrages wurde mir nicht zum ersten Mal klar, was wir hier in der heutigen Zeit leisten. Und das es anstrengend ist und sein darf und wir verdammt noch mal auch darüber sprechen dürfen und sollten!

„Also fing ich an, darüber zu schreiben. Und relativ bald zeigten andere Eltern ihre Erleichterung. Vermutlich, weil ich (und andere) zeigten, dass sie nicht allein sind, dass es anderen auch so geht wie ihnen, dass wir ähnliche Probleme teilen. Und auch meine Leserinnen gaben mir ein gutes Gefühl, weil es kurz – ganz kurz – meine Schuldgefühle reduzierte. Das fühlte sich gut und richtig an, nach einer eingeschworenen Gemeinschaft von desillusionierten Eltern wider der Romantisierung von Elternschaft.

[…] in denen sich Menschen über die „jammernden“ neuen Eltern beschwerten oder lustig machten, ließen mich zuweilen stark an „meinem Projekt“ zweifeln. Ist das öffentliche Äußern der eigenen Überforderung eine scheiß Idee? Sollte man das lieber für sich behalten und weiter die Zähne zusammenbeißen? […]

Warum kriege ich es nicht hin, meine Kinder zu genießen? Nett, verständnisvoll, geduldig zu sein? Ich habe den Fehler bei mir gesucht, dazu neige ich. Habe in mir gegraben, einiges gefunden und darunter gelitten, meinen Kindern keine „besser Mutter“ sein zu können. Ich fühlte mich mal egoistisch, mal egozentrisch, mal faul, mal schwach und unbelastbar, ständig unsicher und andauernd überfordert.“

Ich kenne das nur allzu gut mit den Schuldgefühlen, den Selbstzweifeln an der Mutterrolle und wie man sie ausübt, der Angst vor (weitreichenden) Fehlern im Umgang mit den lieben Kleinen, auch die Genervtheit und die Überforderung. Das alles ist eben nicht unsere Schuld alleine und schon gar nicht die der Kinder. Sie können am allerwenigsten dafür. Es ist das Land, diese Gesellschaft, diese schier nicht zu erreichenden Ansprüche. Auch wenn man versucht, sich davon zu befreien (immer mehr, und nach einem Burnout bleibt einem auch nichts anderes übrig), es ist allgegenwärtig und nicht immer leicht zu ignorieren. Ja, das Kind kommt bald in die Schule und muss dort „funktionieren“, was also tun? Was tun, wenn schon im Kindergarten „Druck“ gemacht wird, weil das Kind sich anders verhält, negativ auffällt? Wohin soll das noch alles führen? Sicher nicht zu einer gesünderen Gesellschaft und einem besseren Leben, davon bin ich überzeugt. „Früher war alles besser!“ An dieser Aussage ist doch manchmal etwas dran.