Herbstzeit – Abschiedszeit

Ein schöner Herbsttag wie man ihn sich wünscht. Die Sonne scheint auf die buntverfärbten Blätter. Sie  erleuchten in Gelb und Rot und Orange. Ihre Farben erscheinen mir in diesem Jahr besonders intensiv zu sein. Nicht mehr lange, dann werden alle zu Boden gefallen sein.

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Was auf dem Bild nur rosa daher kommt, leuchtet derzeit in einem strahlenden Rot: einer unserer Rotahornbäume

Und mit den fallenden Blätter neigt sich auch  dieses Jahr seinem Ende entgegen. Der viel zu erwachsenen Mensch fragt sich, „Wo ist das Jahr hin? Schon wieder Herbst, schon wieder Halloween (kann wech!), schon wieder Laternenbasteln, schon wieder das Weihnachtsfest vorbereiten. Habe ich nicht letzte Woche erst überlegt, was die Kinder in diesem Jahr Sinnvolles an Geschenken bekommen könnten? Haben wir nicht vorgestern erst Plätzchen gebacken? Habe ich nicht eben erst den Weihnachtsbaum geschmückt?“

Das geht mir alles viel zu schnell. Und in jedem Jahr schneller.

Ich schaue zurück auf dieses Jahr, in dem so viel passiert ist. Erinnere mich an mein ausgebranntes Selbst, an den nahenden und schließlich erfolgten totalen Zusammenbruch. Komplette körperliche und psychische Erschöpfung, als Mutter zweier kleiner Kinder. Auf dem Weg zur langsamen Genesung dann die Diagnose „Akute Leukämie“ bei meinem Papa. Ich hatte so etwas zu genau diesem Zeitpunkt geahnt und finde dieses bis heute irgendwie unheimlich. Dann der Abschied von ihm, meine Stunden an seinem Sterbebett. Das ist wirklich passiert, mitten im Sommer und zu einer Zeit, wo es mir zum ersten Mal seit langem endlich wieder besser ging.

In diesem Jahr – so schien es mir – fiel mir der Abschied vom warmen Sommer besonders schwer. Vielleicht, weil ich ihn zum ersten Mal seit 5 Jahren wieder wirklich wahr genommen habe und er nicht nur so eben an mir vorbeirauschte, weil ich endlich wieder bereit war, etwas davon zu spüren, was den Sommer ausmachen kann. Weil ich mich trotz oder gerade wegen Krankheit und Tod um mich herum endlich wieder auf das Leben einlassen konnte. Leben! Den Moment im Hier und Jetzt genießen. Ich hatte es fast verlernt. Die lauen Sommerabende, ein paar habe ich erlebt. Nicht wie früher, zu Zeiten der Unbeschwertheit, aber endlich wieder einen Hauch davon, eine ganz neue Ahnung, wie schön das Leben eigentlich doch ist.

Nicht zuletzt hat dabei geholfen, dass meine Kinder jetzt ein Alter erreicht haben, bei dem mir mal 5 Minuten in meiner Hängematte bleiben. Auch das gab mir ein Stück dieses Gefühls zurück.

Herbstzeit ist Abschiedszeit. Aber auch Erinnerungszeit. Erinnerungen an den ein oder anderen, lange zurückliegenden Herbst. Das ist mehr ein Gefühl. Man stellt da so rein emotionale Verbindungen her und kann gar nichts dagegen machen. Aber auch das fühlt sich in diesem Jahr irgendwie anders an.

Die Natur verabschiedet sich in die Winterpause. Ich schaue auf die schöne Natur vor meinem Fenster und denke und denke. Ich nehme Abschied und freue mich gleichzeitig auf den Neubeginn. Ich habe wieder zu mehr Gelassenheit gefunden, auch wenn manche Probleme geblieben sind. Die Me-Time ist nach wie vor eng bemessen (und somit auch meine Beiträge in diesem Blog, obwohl es an Ideen nicht mangelt). Der „Feierabend“, wenn die Kinder endlich schlafen, beginnt allzu oft erst um 21:30h. Selten früher, manchmal später. Und die Nächte sind durch KindNr. 2 gerade wieder antrengender. Man wird nachts mehrere Stunden von ihr wach gehalten oder die Nacht endet auch an Tagen, wo man 7 Uhr als Ausschlafzeit ins Auge gefasst hat, bereits wieder um kurz nach 5. (Nach der unnötigen Zeitumstellung dann also noch etwas früher!). So ist das eben!

Und ich denke an all die Momente, in denen mir mein Papa in den letzten 4 Monaten, die seit seinem Tod vergangen sind, dennoch begegnet ist. Ich habe ihn gesehen, ich habe seine Stimme gehört – in meinem Träumen, immer wieder. Ich vermisse ihn so! Es hat immer wieder Wochen und Monate der Funkstille zwischen uns gegeben, weil wir beide nicht gerade die Gerne-Telefonierer sind, und weil die Entfernung oft viel zu weit war, meine Kinder damals noch zu klein für das ewige Hin- und Hergefahre, oder ich zu beschäftigt. Wie blöd war das, im Nachhinein betrachtet.

Und manchmal bedeutet so ein Herbst auch Abschied nehmen von einer Liebe. Etwas, was nicht sein sollte, nur kurz erlebt werden durfte, und dies noch nicht einmal in voller Bandbreite – und nun durch einen ganz amtlichen Schritt für immer beendet wird. Ich bleibe bei der Diagnose „Torschlusspanik“ für den werten Herren und wünsche ihm viel Erfolg in seiner selbstgewählten Regierungs-Abhängigkeit. Mein innnerer Kampf hingegen wird vermutlich noch ein wenig vor sich hin schwelen. Die Feuerwehr war da bisher nicht gründlich genug, arbeitet aber hart an der Schadensminimierung.

Aber bei allem Abschied hat mir dieses Jahr auch etwas Neues gebracht. Die Erkenntnis, dass ich vielleicht doch singen kann, zumindest ein bißchen. Ich habe da etwas für mich gefunden, vielleicht. Das Singen ist auch noch mit besonderen Menschen verbunden. Der Seele tut das gut. Zumindest vorerst. Mein Papa hat auch gesungen, immer. Das war sein Hobby. Ein Mal in der Woche zum Singen und hier und da ein Sängerfest, ein Auftritt. Das ist schon merkwürdig, dass ich es ihm kurz nach seinem Tod gleich mache. Wie gerne würde ich ihm davon erzählen, „Papa, ich singe jetzt auch im Chor!“ Aber vielleicht weiß er es ja. Und ja, er wäre stolz auf mich! Auch darauf!

So geht auch dieses Jahr zu Ende. Bald spiele ich wieder Adventskonzerte in den Kirchen. Immer schneller dreht sich das Rad, immer schneller kommen die Immer-wieder-gleichen Dinge. Immer größer werden die Kinder und immer älter ihre Eltern. Es ist das Leben, zu dem auch der Abschied gehört. Immer wieder auf’s Neue!

„Wohlan denn Herz, nimm Abschied und gesunde!“

(aus dem Gedicht „Stufen“ von Hermann Hesse)

 

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Herbstzeit

Es ist Herbst. Eine überaus attraktive Jahreszeit, manchmal wird es noch angenehm warm und sonnig (so wie die letzten Tage), das Laub verfärbt sich so schön und überhaupt sind da die Erinnerungen an andere Herbstzeiten…

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Kürbissuppe gab’s auch. Blick aus dem Küchenfenster. (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Aber Herbst bedeutet auch, Abschied zu nehmen. Der Sommer ist unwiderbringlich vorbei. Es wird dauern, bis er das nächste Mal um die Ecke kommt. Und dazwischen ist diese ungemütliche Zeit mit Kälte, Nässe, leider Dank der Klimaerwärmung viel zu wenig Schnee und viel zu wenig Tageslicht, was sich nicht besonders positiv auf mein Gemüt auswirkt. Bald werden die schönen bunten Blätter auch Geschichte sein. Zuletzt färben sich immer die Rotahornbäume auf unserem Grundstück so wunderschön knallig rot. Und dann wird alles nackig und kahl.

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Ein „paar“ Kastanien für die Kinder. (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Die Kinder sammelten Kastanien. Wir haben tatsächlich eine Quelle aufgetan – und was für eine. Ein riesiger alter Kastanienbaum und Kastanien bis zum Abwinken. Wir hätten noch stundenlang weitersammeln können. Und der Baum hängt noch immer voll bis obenhin.

„Backen Sie, backen Sie!“

Ähnlich erging es uns dieses Jahr mit unserem Apfelbaum. Eine leckere Sorte, sofern man sie schnell vertilgt. Leider ist der Apfel überhaupt nicht lagerungsfähig und vergammelt schon nach kurzer Zeit. Weil ich gar nicht so viel Zeit oder auch Lust habe, um alle zu verarbeiten, sind viele Früchte einfach zu Fallobst geworden. Im übrigen auch schon vor der eigentlichen Reife. Ich habe mir für nächstes Jahr vorgenommen, Äpfel zur Mosterei zu bringen. Leider gehen die Äpfel beim Herunterfallen sehr schnell kaputt. Und sie sind echt Bio, was man an dem ein oder anderen Wurm sehr gut erkennen kann. Alles in allem könnte ich mich mit den vielen Äpfeln totschmeißen (habe das aber nicht ernsthaft vor!) und kann sie auch so langsam nicht mehr sehen. Habe Apfelringe gemacht, mache vielleicht noch Mus, aber bitte keinen Apfelkuchen mehr, denn 3 Stück innerhalb von 2 Wochen reichen mir. Wobei ich ein tolles Rezept gefunden habe, das schnell und einfach geht und lecker schmeckt. Habe es aus der Brigitte Mom und aussehen tut das letzte Ergebnis so:

20151004_130911_resized_1Apfelkuchen einfach & lecker: man nehme zwei Becher Sahne à 200 g. Diese kommen in eine Rührschüssel, die Becher werden anschließend sauber gemacht und als Maß benutzt. Ein Becher Zucker (ich nehme etwas weniger, ist immer noch süß genug), kommt zu der Milch, dazu noch ein Päckchen Vanillezucker. Alles gut verrühren, bis die Sahne fast steif ist. Dann kommen 5 Eier hinzu und 3 Becher Mehl plus ein Päckchen Backpulver. Wieder gut verrühren und ab damit aufs Backblech (etwas tiefer, geht ja noch auf). Darauf folgen die Äpfel. Dieses Mal habe ich sie nicht geschält, nur das Kerngehäuse entfernt und in großzügig dicke Schnitze geschnitten. 15 Minuten backt das ganze dann bei 160 ° Umluft oder 200 ° Ober-, Unterhitze. In der Zeit kann man den „Belag“ fertig machen:

125 g Butter zusammen mit einem halben Becher Zucker und einem halben Becher Milch in einem Topf aufkochen, dazu 100 g gehobelte Mandeln geben. (Letzteres ist variabel, wie ich finde. Kokosflocken dazu schmecken z. B. auch ganz gut). Das kommt auf den Kuchen und der wird für weitere 15 Minuten gebacken und dann ist er auch schon fertig. Tata!

(Keine Gewähr. Habe es soeben aus der Erinnerung aufgeschrieben. Bin mir aber ziemlich sicher… . Fehlen tun daher aber die Angaben für den Gas-Ofen).

Na, dann Guten Appetit und bis bald, wenn es wieder heißt: „Backen Sie! Bald ist Weihnachten, wir backen Plätzchen und lassen unsere Kinder die Küche versauen“. 😉