48 Stunden im Leben einer berufstätigen Mutter

Der Blogbeitrag von mutterseelesonnig hat mich auf die Idee gebracht, einen Text von mir an ihren Text über die 48 Stunden im Leben einer Alleinerziehenden anzulehnen und etwas aus meinem Alltag zu erzählen, auch aus dem Bereich meines Jobs als Musikerin und wie man den vereinbaren kann mit Kindern. Nein, ich gehöre nicht zu der Gruppe der Alleinerziehenden. Noch nicht. Und selbst nach einer von mir angestrebten Trennung gehöre ich vermutlich eher zur Kategorie „getrennt erziehend“.

Wie dem auch sei, bei mir ist wahrlich nicht jeder Tag gleich. Das finde ich ansich sehr gut, ich brauche die Abwechslung. Aber die Vereinbarkeit, der Alltag mit Kindern wird dadurch nicht gerade leichter und es braucht ein gewisses Organisationstalent und auch viel Kraft.

Tag 1:

Es ist Dienstag, kurz vor 7 Uhr. Eigentlich habe ich endlich mal wieder lange genug geschlafen. Mal kein Weckerklingeln um kurz nach 6. Allerdings war meine Nacht sehr unruhig. Lag mal nicht an den Kindern, eher an den vielen Dingen, die mich beschäftigen. Habe mich den Großteil der Nacht nur rumgewälzt.
Wundere mich, dass mich noch kein Kind geweckt hat. Greife zum Handy. Lesen in der Früh, wie ungewöhnlich.
7:33h: K1 kommt zu mir, wir kuscheln und erzählen.
8:15h: Komisch, K2 schläft immer noch. Ich schleppe mich unter die Dusche. K1 verkleidet sich derweil als Pirat.
8:35h: Ich gehe in die Küche, räume die Spülmaschine aus, beseitige einen Teil des Chaos von gestern abend und decke den Tisch für ein Müsli-Frühstück. Bereite das KiGa-Frühstück für die Tochter und verstaue es in ihren Rucksack. Heute geht nur sie in den Kindergarten.
8:45h: beide Kinder trudeln in der Küche ein, im Schlafanzug. Ich koordiniere die Mahlzeit und achte darauf, dass kein Kakao umfällt oder eine Müslischüssel überläuft. Der Mann geht derweil duschen.
9:15h: ich will erst mal mich und die Kinder fertig machen, werde mich dem Chaos in der Küche später widmen. In einer halben Stunde müssen wir das Haus verlassen. Habe mit dem Sohn einen Arzttermin. Wie immer ist kein Kind bereit, sich anzuziehen.
9:20h: gebe auf und gehe ins Bad, Zähne putzen, Haare kämen und anföhnen, schminken.
9:30h: kein Kind will sich fertig machen lassen. Doch, K2 zieht sich mit meiner Hilfe um. Der Mann putzt ihr die Zähne. Zuvor hatte er noch mal eben seine Diensthemden gebügelt. Wann auch sonst. Haha.
9:35h: ich sage K1, dass wir gleich zum Termin müssen. Versuche immer wieder, ihn anzuziehen. Mache nebenher sein Bett ordentlich und Räume etwas auf.
9:55h: später als geplant sitzen wir endlich im Auto. In der Küche sieht es noch immer aus wie Sau. Später!
10:25h: wir sind 10 Minuten zu spät beim Termin. Hatte auch noch die ungünstigere Strecke gewählt. Müssen aber sowieso wie immer warten. Erst mal aufs Klo. Dann: Kind wird gewogen, gemessen etc. Dann Wartezimmer, spielen. Termin geht gut rum.
11:35h: stehen wieder auf der Strasse. Seit einer halben Stunde ist mein Parkschein abgelaufen. Puh, alles gut. Ich biete dem Kind an, entweder nach Hause zu fahren, wo ich ganz viel aufräumen  müsste, wir endlich mal Ostereier anmalen könnten und es später wie gewünscht Nudeln gibt oder: nach Schulranzen gucken und danach Pommes beim Fastfoodladen essen. Kind wählt zweiteres.
12:05h: Ankommen am empfohlenen Laden. 20 Minuten später hat eine Mitarbeiterin Zeit für uns. Bin ja nicht die einzige mit baldigem Schulkind, die ausgerechnet in den Ferien diesen Laden stürmt. Gute Beratung, Entscheidung.
13:05h: mit gekauftem Schulranzen und 225 Euro weniger auf dem Konto sitzen wir wieder im Auto. Fahrt zum Wohnort.
13:25h: Fastfood für Kind und Mutter. Merke den Zeitdruck. In spätestens 45 Minuten muss ich zum Dienst fahren.
13:50h: Verlassen des Fastfoodladens Richtung Grosseltern. Sie kümmern sich heute um die Kinder, holen später noch die Kleine vom Kindergarten ab und bringen dann beide nach Hause. Mann kommt erst 21:30 vom Dienst. Im Radio läuft „Supergirl“. Fange kurz zu heulen an.
14:05h: bin zu hause. Mache mich frisch, befülle meinen Rucksack mit dem, was ich noch brauche (Wasser und Schokoriegel nicht vergessen), Räume das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine, Tisch abwischen, Boden fegen. Briefkasten leeren.
14:20h: im Auto zur Dienststelle. Kleine Entspannung.
14:45h: Ankunft. Umziehen in Dienstkleidung für das heutige Konzert. Instrument, Noten, Jacke nicht vergessen. Alles in den Bus bringen. Noch mal aufs Klo.
15:07h: sitze im Bus. Noch 8 Minuten bis zur Abfahrt. Meine Augen brennen, ich fühle mich schon seit Tagen urlaubsreif. Träume von einem Wochenende ohne Kinder. Mein Akku ist leer. Jetzt im Bus versuche ich etwas zur Ruhe zu kommen. Beginne diesen Text. Mache die Augen zu, nachdenken. Dösen.
16:50h: Ankunft am heutigen Auftrittsort. Es gibt schönere! LKW wird entladen. Ich baue Notenpulte auf, schleppe sie an ihren Bestimmungsort, rücke Stühle, lege Noten. Baue mein Instrument zusammen. Die ersten Töne des Tages. Welches Blatt? Wie ist die Akkustik?
17:30h: die Anspielprobe des Orchesters beginnt.

Konzentration aufs Wesentliche

Die Halle hält, was sie verspricht, nämlich nichts. Die Akustik ist Mist,  ich höre mich selber kaum. Das wird ein Konzert mit weniger Spielfreude. Zum Kratzen im Hals gesellt sich sich ein Grummeln im Gedärm. Mir ist leicht übel. Hab ich schon erwähnt, dass ich recht müde bin? Ob ich krank werde?
17:30h: Probenende und Essen. Das mit Abstand schlechteste der letzten Zeit. Ich bin leicht frustriert. Zum Glück beginnt das Konzert heut schon um
19:30h: durch das die Halle füllende Publikum geht es jetzt mit der Akustik. Ich gebe mir Mühe. Immerhin liebe ich mein Instrument. Ich denke an die Kinder, die jetzt so langsam ins Bett gehen, heute begleitet von den Großeltern. Wird schon klappen. Mit etwas Glück bin ich noch kurz vor 1 Uhr in meinem Bettchen.
20:50h: die 2. Konzerthälfte beginnt. Das 2. Stück davon ist mein Lieblingsstück des aktuellen Programms, hier darf ich viele schnelle Töne spielen. Ich reisse mich zusammen, bin heute aber nicht so zufrieden. Nach diesem Stück verlässt mich wie immer so langsam die Kraft und Konzentration. Der Tag war immerhin schon lang.
21:50h: das Konzert ist zu Ende. Wir müssen noch abbauen. Ab dem Zeitpunkt wo die Busse rollen, dauert es noch 2 Stunden bis zu meinem Bett.
22:25h: wir sind schnell heute. Die Fahrzeuge rollen. Der Vollmond strahlt mich an. Ich setze meine Schlamassel auf und döse. Tief schlafen kann ich in Bus und Flugzeug leider nie.
23:45h: Ankunft am Dienstort. Torkele schlaftrunken aus dem Bus. Umziehen, Auto fahren. Immer wieder eine Herausforderung mit der nächtlichen Müdigkeit.
00:20h: bin zu Hause. Früher als erwartet. Wenn Konzerte weiter weg sind und zudem später beginnen, wird es auch schon mal 1:30h.
Dadele noch etwas auf dem Handy. Gegen 1 Uhr schlafe ich ein.

Was ich heute nicht geschafft habe: wichtige Termine machen. Vom Bus aus mag ich nicht telefonieren.

Tag 2:
Irgendwas zwischen 5:30 und 6 h: bin wach. Scheiß innere Uhr. Der Mann musste um 5:30h zur Frühschicht. Dösen.
6:27h: K1 kommt zu mir ins Zimmer. Warum reden Kinder schon morgens so laut? Er darf sich auf YouTube Videos über Playmobil Spielzeug ansehen. Unpädagogisch, aber meine Rettung. Döse weiter, höre die Stimmen von den Videos.
Schätzungsweise 7:30h: K2 kommt dazu. Ich höre alles, döse aber noch. Bin einfach zu müde. Könnte jetzt wieder einschlafen.
8:00h: Handywecker klingelt. K2 verlangt nach Peppa Wutz auf meinem Laptop. Mache ihr alles an. Schleppe mich unter die Dusche. In Ruhe duschen und anziehen ist den Medienkonsum der Kinder allemal wert.
8:30h: verkünde den Kindern, dass ich nun in die Küche gehe. Ob sie frühstücken wollen? Schmeisse Toast in den Toaster. Bereite mir ein Müsli für unterwegs. Wird mein Mittag sein.
8:36h: frage die ganze Kinder erneut, ob sie Frühstück wünschen.
8:41h: K1 kommt mit meinem Handy in die Küche. Er durfte es haben, wir sind ja unter uns.
K2 schlurft hinterher. Ich tische Müsli auf. Erfülle Sonderwünsche, schlichte Streit, renne in die Speisekammer im Keller. Bereite die Brotdosen für den KiGa. Versuche irgendwann, selber zu frühstücken.
9:10h: Räume den Tisch ab. Kinder sind fertig. Stelle die von ihnen kaum angerührten Müslis in den Kühlschrank. Spülmaschine einräumen, Tisch abwischen, fegen.
9:17h: bin im Bad. Was man so macht, Zähne putzen, schminken, Haare kämen. Kinder spielen derweil.
9:35h: Die Zeit drängt. K2 kriege ich angezogen. Sogar gewaschen und Zähne geputzt. K1 ignoriert mein Flehen und meine Drohung, ihn im Schlafanzug zu bringen.
9:45h: langsam werde ich nervös. Müssen um 10 h im Kiga sein.
Ich ziehe ihn um. Gesicht waschen. Haare kämen.
9:55h: alle noch mal Pipi. Nach mehrfacher Aufforderung ziehen die Kinder selbstständig ihre Schuhe an. Ich räume unsere Rucksäcke in den Kofferraum und prokele den Kindersitz, den der Opa gestern brauchte, ins Isofix.
9:58h: losfahren
10:03: endlich im Kindergarten. Dort herrscht Tumult. Vor dem Garderobenplatz der Tochter werden Osterzöpfe geformt.
10:10h: sitze wieder im Auto. Seufze ganz tief. Geschafft. Im doppelten Sinne. Während der Fahrt merke ich, wie müde ich eigentlich bin. Augen auf behalten kann hohe Kunst sein.
10:40h: Ankunft am Dienstort. Sachen von letzter Nacht aufräumen. Nichts für heute vergessen und alles in den Bus räumen.
11:19h: sitze im Bus.
11:30: Bus rollt.
13:30h: verspätete Ankunft am Auftrittsort. Hatten Stau. Schnell rein in die Klamotten, Instrument aufbauen, noch mal aufs Klo.
15:00h: Bus rollt wieder und direkt in den Stau auf der Autobahn.
16:40h: zurück am Dienstort. Trotz Einnickens im Bus gerädert. Bräuchte mal einen freien Tag, zumindest ab jetzt.
17:32h: endlich zu hause nach Stau und Umweg. Bin zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Habe heute den Luxus, mit den Kindern nicht alleine zu sein. Abendbrot für alle. Danach ziehe ich mich etwas zurück. Mit schlechtem Gewissen zwar, aber nach einem Burnout lernt man dazu. Kann einfach nicht nehr, kann aber leider nicht schlafen.

Kinder ins Bett bringen – die allabendlichen Terrorhölle

21:00h: endlich kehrt Ruhe für heute ein. Ich habe Erschöpfungsanzeichen. Beine tun weh und ich bin verdächtig kurzatmig. Da ich aber über den Einschlaf-Punkt erst mal drüber bin, klappt es mit dem Runterfahren nicht. Schlafe erst ca. 23h ein. Bin ab grob halb 3 wach. Schlafe erst gegen 6h wieder ein. Was ich heute wieder nicht geschafft habe: wichtige Termine vereinbaren. Mal üben. Haushalt.

Am 3. Tag:

Werde um 7:03h von K1 geweckt. Benommenheit. Verzichte heute entgegen meiner Gewohnheit auf die Dusche und komme so nur eine halbe Stunde zu spät zu Dienst. Der Tag wird sich schrecklich ziehen und ich werde nachmittags wieder verzweifelt und erfolglos versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Und im haushältlichen Chaos versinken.

 

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Eltern im Job – unterstützt oder rausgeekelt?

Nach dem die Juristin meinen letzten Artikel rebloggt habe, nehme ich mir heute einmal die Freiheit, es ihr mit ihrem neuesten Eintrag gleich zu tun. Hier fordert sie uns Eltern auf, unsere Erfahrungen im Job als Eltern mit ihr und anderen auf ihrer Seite zu teilen. Sie bittet um Gastbeiträge. Ich denke, für den ein oder anderen wäre es sicher toll, sich daran zu beteiligen.

 

 

Juraexamen mit Kind - war Justitia Mutter?

Nachdem ich bereits den Beitrag Die Vereinbarkeitslüge von dieverlorenenschuhe verlinkt habe, möchte ich, um dem Thema mehr Raum zu geben, unter der neuen Kategorie „Eltern im Job – Persönliches zur Vereinbarkeit“ in loser Reihe Müttern und Vätern als Gastautoren die Möglichkeiten geben, von ihren Erfahrungen zu berichten. Ich wünsche mir, dass die Unterscheidung der Arbeitswelt in „Eltern“ und „Menschen“ bald aufhört. Es kann ja nicht jeder selbständig sein. Wer mitmachen möchte, meldet sich einfach. Ihr könnt von Euren positiven oder negativen Erfahrungen berichten.

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Früher war alles besser oder: Die Zeiten ändern sich nun einmal

Verbessern sollten sie sich, also die Zeiten! Das war immer mein Anliegen. In letzter Zeit stelle ich öfter fest, dass sich vieles verschlechtert – in meinen Augen. Damit meine nicht nur den Zustand meines alternden Körpers, für den ich zugegebenermaßen zu wenig Gutes tue!

Ich bin Musikerin in einem Orchester. Seit zehn Jahren mache ich den Job. Davor habe ich zwei Studiengänge in Musik absolviert und als Musikschullehrerin gearbeitet. Letzteres auch schon parallel zum Studium, immerhin gab es Bafög nur für 8 Semester, danach war finanziell der Ofen aus. Viel verdient habe ich als Honorarkraft an verschiedenen Musikschulen nicht, und in der heutigen Zeit ist es auch ein Ausnahmefall, wenn man an einer Musikschule als Lehrkraft so viel verdient, dass man davon vernünftig leben oder gar eine Familie ernähren könnte. Festanstellungen in dem Bereich sind rar, und auch die sind nicht so üppig vergütet, wenn man bedenkt, dass man vorher jahrelang studiert und sein halbes Leben lang seine Instrumente geübt hat.

Ich bin froh, dass ich meine heutige Stelle bekommen habe. Zunächst als Zeitvertrag, nach ein paar Jahren als Festanstellung. Zum ersten Mal in meinem Leben verdiene ich Geld, wovon ich leben kann, ohne mir Gedanken darüber zu machen, ob ich im nächsten Monat noch genug Geld für Miete UND Essen habe. Urlaub war bei mir jahrelang als Studentin gar nicht drin. Also als junger Mensch die Welt bereisen eher Fehlanzeige.

Ich habe diesen Job immer gerne gemacht, trotz einiger „Unannehmlichkeiten“, die nebenbei damit verbunden waren. Dieser Job war mir immerhin so wichtig, dass ich 7 bzw. 9 Monate nach der Geburt meiner Kinder wieder eingestiegen bin. Wie so oft im Leben bleibt auch hier nicht immer alles so, wie es mal war. Generell kann ich mit Veränderungen gut leben, wenn sie nicht eine krasse, im Grunde nicht tragbare Verschlechterung der Bedingungen mit sich bringen. Das ist in den letzten Jahren allerdings passiert, von mir sicher auch so empfunden, weil ich als Mutter zweier kleiner Kinder sehen muss, wo ich selber überhaupt noch bleibe und vor mir selber rechtfertigen muss, dass ich meine Kinder stundenlang fremdbetreuen lasse, während ich diesen teilweise inzwischen für mich sinnlos erscheinenden Tätigkeiten nachgehe. Zwar stimmt nach wie vor der Betrag, der am Ende eines jeden Monats im Voraus auf meinem Konto landet – und mit Verlaub, wir brauchen auch einen Großteil der Summe dafür, unseren mit gewissen Ansprüchen* versehenden Lebensunterhalt zu bestreiten, aber an anderer Stelle frage ich mich immer öfter, ob es das alles noch Wert ist – so wie es gerade ist.

„Musik wird oft nicht schön gefunden,

Weil sie stets mit Geräusch verbunden.“

(Wilhelm Busch, aus: Dideldum! (1874) – Der Maulwurf)

So ist es! Seit meiner Jugend schlage ich mich herum mit „Zeiten, in denen man nicht üben darf“ (obwohl man gerade dann mal Zeit dafür hätte), bestimmte Stunden, die man täglich übend nicht überschreiten sollte, meckernden Mit-Mietern usw. Selbst an der Musikhochschule war es nicht immer einfach, einen Überaum zu ergattern, als MUSIKstudent wohlgemerkt. Häufig und zu bestimmten Stoßzeiten besonders extrem, musste man stundenlang warten, um den Raum dann für maximal 2 Stunden (was für einen Musikstudenten nun einmal nicht viel ist, (auch wenn ich mich heute über 2 Stunden tägliches Üben scheckig freuen würde!) übend nutzen zu dürfen – wenn nicht vorher ein Dozent des Weges kam, der dringend diese Örtlichkeit zum Popeln in der Nase Unterrichten seiner Studenten benötigte. Es war nicht immer einfach, Übelust und Übemöglichkeiten kompatibel zu halten. Sonntags war die Hochschule zumindest in den ersten Jahren meiner Zeit dort sowieso geschlossen, Samstags nur bis zum frühen Nachmittag geöffnet und unter der Woche  war abends um 20h „Zapfenstreich“.

„Los, arbeiten Sie. Seien Sie fleißig!“ –  „Ja, wie denn? Und vor allem, wo?“

Seit etwa 7 Jahren bewohne ich ein freistehendes Haus. Ok, die Fenster sind nicht besonders dicht, es dürfte viel meines Übegeräusches nach draußen dringen, aber es ist MEIN HAUS, und ich darf dort üben, wenn ich wollte auch nachts.

Ich habe das die ersten Jahre gut genutzt, also bis auf nachts. Aber dann kamen die Kinder. Das allabendliche Üben wurde abgelöst durch ein Sich-über-Stunden-hinziehendes Milchzähne putzen, mit dem Schlafanzug hinter Kindern herlaufen, Bücher ansehen und stundenlangem Hände halten. Und dann macht man auch keinen „Krach“ mehr, ganz abgesehen davon, dass ich es seit Langen noch nicht einmal mehr schaffe, mein E-Piano (Kopfhörer!) zu malträtieren. Ich wandere lieber sofort ins Bett vor lauter Müdigkeit und Erschöpfung.

Sprich: meine Übezeit hat sich enorm reduziert. Zu Hause übe ich fast gar nicht mehr, weil ich entweder meine Kinder betreue, die Wäsche wasche, aufräume oder sonstige ungeliebte Hausarbeiten übernehme. Ich bin gezwungen, meine Übezeit auch in meine Dienstzeit zu verlegen. Nun erscheint das sicherlich dem ein oder anderen als völlig selbstverständlich: sie ist Musikerin im Orchester, neben den gemeinsamen Proben des Klangkörpers sollte Zeit für das Einzelstudium sein. Räume dürften doch genügend vorhanden sein, die man sich notfalls in Absprache mit den Kollegen teilen kann.

Ätsch bätsch! Das war einmal. Vor langer Zeit, in einem anderen Universum oder so.

Inzwischen sind wir so viele Leute und haben so viele Aufgaben neben der eigentlichen Tätigkeit als Musiker zu verrichten, dass ein Üben kaum mehr möglich ist. Auch fehlen die Räume, da ehemalige Übezellen nun „bewohnt“ werden. Und außerdem ist das Üben aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen inzwischen außer in den beiden Proberäumen schlichtweg untersagt!!! Man glaubt es kaum! Ich auch nicht!

60 Musikerinnen und Musiker sollen sich zwei Räume zum Üben teilen? Dazu noch diverse Gruppierungen, die dort meistens proben, wenn man selber gerade einmal Zeit hätte, ein Stündchen zu trällern?

Ich habe bis gestern trotzdem meine Zeit zum Üben dort genutzt so gut ich konnte. Dazu gehörte für mich auch die Mittagspause, in der ohnehin viele das Gebäude zum Essen verlassen. Bis gestern! Da störte das plötzlich zum ersten Mal einen Kollegen. Er müsse sich an einer Tätigkeit am PC konzentrieren. Ausgerechnet er, der nicht gerade für seinen Arbeitseifer bekannt ist… .

Auf eine eigene Nahrungsaufnahme habe ich häufig verzichtet, immerhin muss mal als Mutter, die zu Hause zu gar nichts kommt, was nicht unmittelbar mit Kinderaufzucht und Haushalt zu tun hat, eben sehen, wo man bleibt. Zwischen den Proben oder anderen zu erfüllenden Aufgaben hatte ich dieses Stündchen am Mittag – und das ist nun auch pfutsch.

„Sie sind noch motiviert? Suchen Sie sich besser einen anderen Job!“

Es ist mir unbegreiflich, wie man jemand, der noch immer so voller Liebe für sein Instrument steckt, noch immer so motiviert in dieser Hinsicht ist und für den das Üben quasi eine Art Lebenselixier darstellt, so derart demotivieren kann. Und das in diesem Beruf! Wenn die anderen nicht üben (die wenigsten tun das), auch nicht üben wollen, leidet insgesamt die Qualität des ganzen Orchesters darunter. Trotzdem ist das ein Stück weit deren Sache! Was mir aber, seit ich Mutter bin, am meisten fehlt, sind meine Instrumente und die ernsthafte Auseinandersetzung mit Musik.

Mir nützt auch nicht das vom Dienstherren gestattete Üben zu Hause, nach dem ich eine Anwesenheitspflicht im Dienstgebäude bis in den Nachmittag hinein, in der Regel so 15 Uhr, habe. Dann bin ich eine halbe Stunde später am Kindergarten und was dann zu Hause nicht mehr möglich ist, kann sich der aufmerksame Leser jetzt sicherlich denken.

Leider gibt es keine Jobalternative. Weder, um weniger zu arbeiten (und viel weniger zu verdienen), noch um wieder glücklicher im Job zu sein. Ich überlege hin und her und es gibt keine wirkliche Lösung. Ich muss das irgendwie aushalten, all das kommt auf den großen Frust-Berg einfach noch mit drauf! Vielleicht fällt mir doch noch was ein. Ich weiß es nicht. Aber es macht mich sauer, auch jetzt noch, eine Woche nach diesem Ereignis und nach dem ich gerade den Text noch einmal überarbeitet habe.