Das Wunschgeschlecht – ein Tabu

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(Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Im letzter Zeit habe ich mehrere Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen. Der Tenor lautete, dass wir uns gefälligst über jedes Kind gleich stark zu freuen haben, also ganz gleich, ob es ein Mädchen oder Junge wird. „Hauptsache gesund!“ Der Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht gilt als verpönt.

Natürlich sind wir erst einmal froh und erleichtert, wenn wir ein gesundes Kind zur Welt bringen. Aber unabhängig davon kann ich die zwiespältigen Gefühle, die eine Schwangere oder auch der zukünftige Vater haben können, wenn ihnen auf dem Ultraschallbildschirm das Geschlecht ihres zukünftigen Mitbewohners entgegen leuchtet, gut nachvollziehen.

Kleidchen, Zöpfchen, Puppenspiel

Ich wollte immer ein Mädchen. Wenn Kinder, dann auf jeden Fall ein kleines Mädchen. Ein Herzenswunsch, woher auch immer der kam. Vielleicht, weil ich selber ein Mädchen war / bin, und das gerne und aus voller Überzeugung. Kleine Mädchen haben mich immer mehr in ihren Bann gezogen als kleine Jungs. Ich weiß halt eher, wie die ticken. Denn das hier – bei allem Bedienen von Klischees – Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Hirnfunktionen vorhanden sind, davon bin ich überzeugt.

„Herzlichen Glückwunsch,  es wird ein Junge!“

Mein erstes Kind hat sich schon sehr früh als Junge geoutet. Der Schniedel auf dem Monitor war nicht zu übersehen. Ich war vorbereitet, denn wenige Wochen zuvor hatte mir ein Wahrsager ungefragt die frohe Botschaft kund getan. Er sollte also Recht behalten (allerdings nicht mit Geburtstermin und Gewicht, höhö).

Ich war enttäuscht. Ja, ich war kurz traurig. Und dann lies ich mich darauf ein, ändern konnte ich es ja nicht.

Der „Stammhalter“, wie man es so gerne ausdrückt, wurde geboren. Ich tat mein bestes, aber im Hinterkopf lauerte,  „Das zweite MUSS ein Mädchen werden!“

Wer meinen Blog schon länger verfolgt weiss, das mir dies gelungen ist. Für mein Seelenheil war das ganz wichtig. Und so habe ich das nicht ganz dem Zufall überlassen, sondern Zeitpunkt der Zeugung, die Stellung und sogar den Chinesischen Empfängniskalender als unterstützende Mittel hinzugezogen. Auch wenn letzteres nicht immer zutrifft, bei mir hatte er beide Male recht.

Ungewisse Wochen

Schon in der 11. SS sagte mir der Pränataldiagnostiker, dass es wohl ein Mädchen würde, er es aber nicht in letzter Bestimmtheit sagen könne. Ich hatte nicht danach gefragt.  Erst 15. Wochen später hatte ich absolute Gewissheit, als er bei der nächsten Untersuchung und nach der Frage, ob wir wissen wollten, was es wird, mit dem ersten Ansetzen des Schallkopfes genau das Geschlecht traf. Meine Freude war entsprechend groß. Ein Herzenswunsch, ein Lebenstraum sollte wahr werden. Und endlich konnte ich den Namen vergeben, den ich schon vor meiner ersten Schwangerschaft in petto hatte.

Einer Freundin ging es ähnlich. Und das ist nicht die einzige Frau, von der ich sicher weiß, dass sie sich eine Tochter wünscht oder gewünscht hat. Der Wunsch nach einem Jungen ist meiner Erfahrung nach unter Frauen weniger weit verbreitet als unter Männern.

Und ich kenne Mütter, die auch nach zwei oder drei Jungs gerne noch einen weiteren Versuch auf ein Mädchen starten würden / gestartet hätten.

Warum dieses Gefühl?

Woher auch immer das innige Bedürfnis nach einer Tochter stammt, vielleicht aus der Evolutionsgeschichte heraus, in der uns ein geborenes Mädchen eher als Hilfe im Haus zur Verfügung steht oder wie auch immer – ich finde, wir sollten uns dieses Gefühls nicht schämen. Das belastet nur zusätzlich. Und ja, ich fühle mich unendlich reich beschenkt und dankbar für mein Pärchen. Ein Junge UND ein Mädchen, ein unendlich großes Glück in meinem Muttersein. Aber natürlich birgt es auch eine gewisse Gefahr, wenn sich diese Gefühle unbewusst auf die Kinder übertragen.

Es ist sicher ebenso ein Tabu zuzugeben, dass man seine Kinder unterschiedlich stark liebt

Ja, gefühlsmäßig stehe ich meiner Tochter nach wie vor näher als meinem Sohn. Es tut mir leid, aber es ist nun einmal ein vorhandenes Gefühl. Ja, vielleicht schadet es sogar der Mutter-Sohn-Bindung. Und lange habe ich mich gefragt, ob es bei den Problemen zwischen den Geschwistern eine Rolle spielen könnte oder das schwierige Verhalten vom Sohn begünstigt.

Ich weiß es nicht. Vielleicht wird sich auch einst alles umkehren, wenn die Kinder älter sind. Vielleicht hat die Tochter es auch leichter, weil sie das zweitgeborene ist, ich bereits Erfahrung als Mutter hatte und sie insgesamt das „einfachere“ Kind ist. Das alles verbuche ich vorerst unter den Begriff Spekulation. Am Ende bleibt nur zu sagen, „Es ist wie es ist!“

 

Die Mama und ihr Arschlochkind

Diese Mama, das bin ich. Ein (längst überfälliges) Outing.

Ich bin die Mutter eines inzwischen 5-jährigen Jungen. Er war dieses supersüße, blondgelockte Baby und Kleinkind, das so schlecht geschlafen, das viel geschrien und mich immer wieder in die Verzweiflung getrieben hat. Mein erstes Kind – und ich eine unerfahrene Mutter, die von 100 auf 0 ihr eigenes Leben abbremsen – ja, erst einmal komplett runterfahren musste. Und die viele Monate nicht mehr wirklich schlafen durfte. Es war die Hölle!

Ich traute mich kaum mit diesem Kind nach draußen. Spazieren gehen? Vergiss es, er schrie. Wurde zwar besser mit der Zeit, aber so hatte ich das nicht erwartet. Ich war gefesselt an mein Haus. Ich traute mich nicht in Gruppen mit anderen Müttern und deren (pflegeleichten) Kindern. Wir machten Babyschwimmen, das war ok. Dort traf ich eine Bekannte aus meinem Wochenend-Geburtsvorbereitungskurs wieder. Wir besuchen uns bis heute gegenseitig.  Als die beiden Jungs klein waren, griff ihrer den meinigen gerne mal körperlich an, Haare ziehen und so. Meiner war ein ruhiges, liebes Kind. Er machte nichts.

Bis er in den Kindergarten kam. Das war mit 25 Monaten und leider zeitgleich mit der Geburt seiner Schwester. Er wurde vom Thron geschuppst und war dann auch noch plötzlich täglich ca. 3 1/2 Stunden unter so vielen Kindern, in einer so lauten Umgebung, fort von MamaPapa und OmaOpa. Und da waren Kinder, die ich nicht gerne als Vorbilder gesehen habe. Die gibt es bis heute. Jetzt befindet er sich selbst im letzten Kindergartenjahr und gehört zu den großen Vorschulkindern.

Sein Verhalten gegenüber seiner Schwester war problematisch, obwohl ich versucht hatte, ihn vorzubereiten und einzubinden. Hinzu kam, dass ich selber völlig erschöpft war. Ich funktionierte irgendwie für beide kleinen Kinder, war auch nicht unbedingt unglücklich dabei, aber es wart hart! Einfach hart und sauanstrengend – jeden  einzelnenTag! Und ich war überfordert, diesem anspruchsvollen 2-jährigen gerecht zu werden, während ich noch ein Baby zu versorgen hatte und viel zu wenig Schlaf bekam.

Heute ist er nicht mehr der liebe, ruhige Junge

Zumindest ist er das nicht immer.

Ich habe mir oft die Schuld gegeben, dass ich in der Zeit, als ich eben die völlig überforderte Mutter war, viel bei ihm kaputt gemacht habe, oder in ihm. Dass ich sein problematisches soziales, also sein oppositionelles Verhalten, seine Wutausbrüche und seine Aggressivität, sein lautes Herumschreien, seine körperlichen Attacken gegenüber anderen Kindern und den Erzieherinnen zu verantworten habe. Nur ich! Weil ich die Mutter bin. Wenn jemand Schuld ist, dann die Mutter.

Ich bin die Mutter eines Jungen, der nicht so funktioniert wir er sollte, also wie unsere Gesellschaft sich das wünscht. Der in dieser braven Mädchen-ErzieherINNEN-Welt nicht vorkommen darf. Ein Junge, der viel Aufmerksamkeit braucht und Einzelbetreuung einfordert. Der ständig gesehen werden will und der lange gebraucht hat, sich auch mal alleine beschäftigen zu können. Das kann er inzwischen. Ein Junge mit auffälligem Sozialverhalten, der Neins schwer akzeptieren kann und selber Nein sagt. Der sich seine eigenen Regeln macht so wie es ihm gerade passt, damit er im Vorteil ist. Er, der immer der erste und beste sein will, der Willensstärke beweist und so fordernd ist. Der als anstrengend empfunden wird, auch von mir.

Aber er ist auch der Junge, der ein unheimlich gutes Gedächtnis hat und daher bereits jetzt einen großen Wissensschatz besitzt – und sich damit gerne zeigt. Er ist ein Kind mit Phantasie und Entdeckerfreude. Er kann seinen Namen schreiben und Zahlen, er kann rechnen und er interessiert sich für Englisch. Und für Autos – und manchmal möchte er eben kämpfen und jagen. Und dann ist er wieder so sanft und auch verständnisvoll, auch hilfsbereit kann er sein, wenn er es möchte.

„Was für ein fürchterliches Kind“

Bevor ich selber Mutter wurde bzw. bevor mein Kind sich so gezeigt hat, hatte auch ich Vorurteile gegenüber „schwierigen“ Kindern. Wie oft, wie schnell macht man dafür die Eltern verantwortlich. Heute weiß ich es besser, oder rede es mir zumindest ein. ICH BIN NICHT SCHULD! Es gab sicherlich ungünstige Umstände, es gab etliche Fehler meinerseits, aber er bringt dieses Wesen, diesen impulsiven Charakter auch ein Stück weit mit. Also auch die Gene dürften hier eine Rolle spielen.

Heute vor-verurteile ich keine Eltern mehr. Ich hinterfrage zwar, aber ich weiß, dass es immer mehrere Seiten der Geschichte gibt.

Verflucht sei der Kindergarten

Erst hieß es, er würde seine Grenzen austesten. Zu sehr. Immer wieder. Erste kleine Krisengespräche. Erste und dann wiederholte Empfehlungen an uns Eltern, einen  KESS-Kurs oder ähnliches zu besuchen, empfinde ich heute inzwischen geradezu als unverschämt. Ein Kindergarten, welcher also per se davon ausgeht, dass wir nicht mit unseren Kindern umzugehen wissen. Der gleiche Kindergarten, welcher erst vor wenigen Monaten mutmaßte, unser Sohn hätte eine Bindungsstörung zu uns Eltern und würde unter Trennungsängsten leiden– weil er mit seinen 5 Jahren äußerte,  er wolle lieber zu Mama und Papa. Der gleiche Kindergarten, welcher laut der selbstbewußten KiTa-Leitern über achsosuperausgebildete Pädagoginnen verfügt, die aber nicht mehr wussten, wie sie diesen Jungen in den Griff bekommen sollten (vor allem nicht unter krankheitsbedingtem Personalmangel in der Einrichtung) und statt dessen lieber uns Eltern baten, das Kind abzuholen. Klar, dass mein schlauer Sohn schon beim zweiten mal wusste,  was er tun muss, um früher nach Hause abgeholt zu werden. Diese tolle Einrichtung, die allerweltbeste in der ganzen weiten Umgebung – zumindest hört man das heraus, wenn man der Leiterin genau folgt, kommt mit meinem Kind nicht klar.

Vor einem Jahr bin ich nach dem damaligen Gespräch mit den Erzieherinnen komplett zusammen gebrochen. Zwei Tage später fing mein Körper zu zittern und zu brummen an, was den nahenden völligen Zusammenbruch ankündigte. Ich vermute, es war der Tropfen, der das Faß bei mir damals zum Überlaufen brachte.

In letzter Zeit gab es einige längere Gespräche mit mir / uns im Kindergarten, und es nimmt kein Ende. Ein mir total unsymphatischer Pädagoge der Stadt (Träger der Einrichtung) oder what the fuck bohrte, was denn bei uns daheim bei uns nicht in Ordnung sei, dieses Verhalten müsse doch seinen Ursprung haben. Eine Leitung,  die sich so gut aus allem rausreden kann, die betont, wie toll sie doch alles machen und immer wieder versuchen würden. Und dazwischen ich, die versucht, stark und selbstbewusst zu sein. Und deren gute Erziehung sie davon abhält, einfach mal auf den Tisch zu hauen!

Ich, die Rabenmutter, die selber nach Antworten und Lösungen sucht. Verzweifelt. Oftmals getriggert von ihrem eigenen Kind. Die sich als Mutter erst finden musste und die irgendwann in der zunehmenden Erschöpfung nur noch versuchte zu funktionieren, weinend inmitten ihrer Familie sitzend, gereizt vor lauter Müdigkeit und Unterdrückung jeglicher eigener Bedürfnisse. Eine Mutter, nein eine Frau,  die nicht mehr lebte, sondern das Leben lediglich an sich vorbei ziehen sah, als wäre sie ihr eigener Zuschauer.

Die Hilfe, die ich hol(t)e

Neben dem ganzen Nachdenken, Reflektieren, Lesen von Literatur und dem Zerfleischen durch Selbstvorwürfe holte ich mir auch Hilfe von außen. Seit fast einem Jahr arbeiten wir mit einer Kinderpsychologin zusammen. Und ich spreche viel mit meiner eigenen Psychologin, die auch gelernte Erzieherin ist und in diesem Beruf auch mehrere gearbeitet hat. Vielleicht helfen mir diese Gespräche irgendwann dabei, das Gefühl von Schuld in mir zu besänftigen, dass NICHT ICH Schuld habe an diesem anspruchsvollen Kind, das uns alle so sehr fordert. Dass diese Momente, wo ich ihn an die Wand klatschen oder ihn zur Adoption frei geben möchte, neben meiner großen Liebe für ihn ganz normal sind. Ich muss mich dessen nicht schuldig fühlen. Und dass ich mit der Frage, „Warum gerade ich, warum hier? Warum MEIN KIND?“ nicht alleine bin. Ich schwanke zwischen Verzweiflung, wohin das führen soll und Zuversicht, wenn ich mit den Psychologen spreche. Er kommt bald in die Schule, dieses intelligente Kind. Wohin wird sein Weg ihn führen? Und werde ich dem auf Dauer gewachsen sein? Den Weg weiter mit ihm gehen, damit es gut wird?

Es gibt so viele gute Momente mit ihm

Und die Gedanken, es müsste doch irgendwann mal besser werden, ich gebe mir doch Mühe. Aber gebe mir wohl nicht genug Mühe, wenn sich nichts ändert. Und spüre die Schuldabladung der Einrichtung bei uns Eltern. Denn eines erkennt man bei den Gesprächen nie: dass der Kindergarten, sein (teilweise überfordertes und in Kur gehörendes) Personal, die vielleicht ungünstige Gruppenzusammenstellung (zu viele Raufbolde in der Gruppe meines Sohnes) und ganz speziell der Umgang mit meinem Sohn in den bestimmten Situationen auch nur irgendwie zur Verstärkung des „Problems“ beigetragen haben könnten. Nope!

Die Rolle des Kindergartens (Fortsetzung)

Oder: wir hetzen Ihnen mal eben ohne Vorankündigung bzw. unter Vortäuschung falscher Tatsachen das  Jugendamt auf den Hals

Da sitze ich nun. Es sollte eigentlich darum gehen, eine weitere Kraft in den Kindergarten zu holen, um die Betreuung unseres Sohnes zu unterstützen. Plötzlich ist da die junge Dame vom Jugendamt. Nein, es wird beschwichtigt, es geht ja nur darum uns zu helfen, nichts weiter. Aber es ist herauszuhören, dass die sich weiter aufzudrängen wünschen. Am liebsten hätten alle, also das Personal vom Jugendamt und die Erzieherinnen sowie in erster Linie vermutlich der Träger der KiTa, dass Leute vom Jugendamt zu uns nach Hause kommen. Alle, außer mir.  Und meine Wut auf die Einrichtung, seinen Träger und die KiTa-Leiterin steigt, je mehr und je länger ich darüber nachdenke, was hier eigentlich passiert. Aber ich bin auch wütend auf mich, weil ich mir das alles habe gefallen lassen / gefallen lasse und bei dem Gespräch natürlich wieder handzahm und höflich bleibe.

Wollen die uns wirklich für dumm verkaufen? Worum geht es hier eigentlich? Darum, dass wir als Eltern scheinbar total versagt haben und jetzt kontrolliert und neu angelernt werden müssen? Habe ich nicht schon genug unternommen? Dreht sich nicht mein Leben nur noch hauptsächlich um dieses eine Thema? Habe ich nicht schon seit einem Jahr therapeutische Hilfe an der Hand? Die Kinderpsychologin war auch bei uns zu Hause (und hatte im übrigen auch den Kindergarten und die Gruppe meines Sohnes besucht).

Was wollen die? 24 Stunden Überwachung? Das wäre nämlich nötig, um die schlechten Momente mit dem Sohn auch wirklich immer mit zu erleben. Oder unsere schlechten Momente als Eltern, die wir zweifelsohne haben, so wie vermutlich auch sehr viele der anderen Eltern der über 100 Kinder in dem Haus. Erwarten die vielleicht sogar, dass ich vor deren Augen mein Kind misshandele, damit sie es aus der Familie holen und sagen können, „Haben wir es doch gewußt!“ ? Glauben sie nicht daran, dass sie hier eine relativ normale Familie erwartet, wo vor allem der Streit der Geschwister zu Unmut führt? Sie wollen uns kontrollieren? Kontrollieren Sie bitte erst einmal ihre überforderten Erzieherinnen, vor allem die eine Haupterzieherin in der Gruppe meines Sohnes, die ich schon seit Jahren als „ausgebrannt“ bezeichnen würde.

Der Träger möchte, dass unser Sohn weiterhin aus dem Kindergarten abgeholt wird, wenn er aufmuckt. Diese Woche war er drei Tage dort, zwei Tage krank. An zwei der drei Tagen musste er um die Mittagszeit abgeholt werden. Einmal habe ich dafür den Großvater aus dem Mittagsschlaf geklingelt. Jeden Tag habe ich Angst, dass ich meine Arbeit stehen und liegen lassen muss, um dort hin zu eilen.

Mein Kind ist toll

Es weiß nur nicht, wohin mit seiner Wut. Die Wut, die ich nachvollziehen kann. Wut auf ungerechte Behandlung durch das pädagogische Personal seiner KiTa. Wut auf Fremdbestimmung. Wut auf seine Schwester, weil sie einfach da ist. Wut auf seine Eltern, die ihn nicht immer den großen Bestimmer, also den Boss markieren lassen, obwohl ihm das so wichtig ist.

Er hat ein ungemein großes Wissen, er saugt alles förmlich auf. Er ist ansonsten absolut schulreif, kann Buchstaben und Zahlen schreiben und rechnen. Er kann schon jetzt um die Ecke denken und sich auf vieles seinen eigenen Reim machen. Er hat Phantasie und beweist Kreativität im Spiel. Er ist mein Kind und ich liebe ihn. Immer wieder aber muss ich mir gut zureden, dass ich ihn so annehme, wie er ist. Weil mir von außen suggeriert wird, dass er nicht normal ist. Vielleicht ist er tatsächlich nicht normal, vielleicht ist aber auch das System heute nicht normal. Sicher habe ich Fehler gemacht und ich kämpfe gegen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen an. Ich zermartere mir das Gehirn darüber. Und ich habe inzwischen diese StinkeWUT in mir auf diesen Kindergarten.

Noch ein halbes Jahr bis zur Einschulung. Was wird dann und was können wir bis dahin an positiver Entwicklung erreichen? Wir werden sehen.

Ich gebe nicht auf und kämpfe. Immer weiter – wenn es sein muss, bis zum nächsten Burnout.

Lesetipp: http://elternmorphose.de/du-hast-deine-kinder-nicht-im-griff-ueber-perfekte-eltern-und-kinder/