2 Jahre danach – mein Leben nach dem #Burnout

Der 5.03.2016 war ein Samstag. Ich war – wie so häufig an den Wochenenden – mit den Kindern alleine. Mir ging es schon seit Tagen so schlecht wie nie, jede kleine Bewegung stellte einen Kraftakt meines Körpers dar. Dieser zitterte und brummte schon seit Wochen, ich war selbst zum Sprechen zu schwach, mir war schwindelig und ich war unendlich müde – und eben komplett erschöpft. Atmen war schwierig, ich musste mich schon sehr darauf konzentrieren und als ich in der Küche stand, fing plötzlich mein linkes Bein wie verrückt an zu kribbeln – einfach so. Es war geradezu unheimlich. Ich konnte mich so nicht mehr um meine damals 4- und 2-jährigen Kinder kümmern. Ich konnte an diesem Samstag Anfang März einfach nicht mehr!

Ich rief die Großeltern meiner Kinder an, ob sie sofort kommen könnten. Ein Glück, dass sie da waren. Dann rief ich mir einen Krankenwagen.

Heute vor genau 2 Jahren also wurde mir durch den „richtigen“ Arzt in der Notaufnahme, der weitsichtig genug war zu erkennen, was mit mir los war, geholfen. Daran sind andere vor ihm gescheitert, denn mein Burnout kündigte sich locker fast ein Jahr lang an, immer wieder. Denn immer wieder ging es mir auf für mich unerklärliche Weise schlecht. Totaler Mattigkeit, Appetitlosigkeit, Zittern, immer wieder Herzrasen und Schwindelgefühle waren dabei beliebte Krankheitssymptome. Schlafen konnte ich auch schon lange nicht mehr gut, selbst wenn die  Kinder endlich mal schliefen. Ich schlief so selten mehr als 5 Stunden, eher weniger. Tagsüber war an Schlaf auch nicht zu denken. Wenn ich die Zeit doch mal hatte, lag ich nur dort und fand keine Ruhe. Meine stetige innere Unruhe trieb mich quasi immer weiter an. Ich war ein einziges Nervenbündel, das zu plötzlichen Heulanfällen und Wutausbrüchen neigte.

Immer wieder hatte ich mich sehr krank gefühlt, hatte das Gefühl, mein Kreislauf würde zusammen brechen. Und immer wieder diese komischen Atemprobleme. All das löste Ängste über ernsthafte Erkrankungen in mir aus. Panikattacken bis hin zur Hyperventilationstetanie waren die Folge.

Heute vor 2 Jahren war ein Wendepunkt. 11 Monate lang nahm ich ein Antidepressivum mit angstlösender Wirkung. Bis heute besuche ich regelmäßig eine Psychotherapeutin. Im Dezember letzten  Jahres hatte ich einen kleinen Rückfall. Morgen werde ich meine letzte Tablette mit Johanniskraut nehmen, das ich seit dem zur Unterstützung eingenommen habe, um über den dunklen Winter zu kommen.

Es hat sich seit diesem Tag vor 2 Jahren viel in mir getan. Die Erkenntnis, dass Selbstaufopferung für meine Familie und auch für meinen Job niemals der richtige Weg sein kann, weil es mich fast umgebracht hätte, ist eine davon. Dass ich einst die falsche Partnerwahl begangen habe und mein jahrelanger Trennungswunsch umgesetzt werden musste, um wieder zu mir zu finden – auch im Sinne der gemeinsamen Kinder – die andere. Ich bin noch mittendrin in einem Prozess, der viel Kraft braucht, aber ich bin voller Hoffnung und schaue zumindest die meiste Zeit zuversichtlich auf die kommenden Veränderungen in meinem Leben. Es kann nur besser werden, wenn ich wieder mehr ich selber sein darf, was nicht heißt, dabei meine Kinder aus den Augen zu verlieren – im Gegenteil. Aber nichts ist so schädlich wie das Verleugnen eigener Bedürfnisse. Ich bin jetzt wieder mehr bei mir, doch noch fehlt mir gerade für vieles die Motivation, ich denke und reflektiere zwar wie verrückt, aber es hilft mir, meine Themen zu bearbeiten. Ein großes Thema ist Schuld, selbstauferlegte oder von außen angenommene. Auch mein Selbstwertgefühl könnte besser sein. In vielen Punkten werde ich auch noch immer gerne getriggert und provoziert und es fehlt mir die nötige Portion Gelassenheit und „mir-doch-egal-Einstellung“, um besser damit umgehen zu können.

„Warum schreibt sie nur schon wieder vom gleichen Thema?“, wird sich der ein oder andere vielleicht fragen. Nun, mein Blogeintrag „Wenn Mama nicht mehr kann“ ist der mit Abstand am meisten geklickte Beitrag auf meinem Blog, dicht gefolgt von einem Nachfolge-Beitrag zum Thema. Auf diese Beiträge kommen die (vermutlich in erster Linie) Leserinnen durch Suchbegriffe wie Mütter, Erschöpfung, Kinder, Beruf, Vereinbarkeit oder auch schlicht Mama kann nicht mehr. Das zeigt mir, wie wichtig es wäre, dieser Problematik der erschöpften Mütter in der Öffentlichkeit mehr Beachtung zu schenken.

Übrigens: der dritthäufigste gelesene Beitrag auf meinem Blog ist dieser hier und bei den Suchbegriffe steht ganz klar im Vordergrund, warum Männer nicht aufräumen können oder die Frauen im Haushalt zu wenig unterstützt werden. Sogar die Frage danach, wie die Herren der Schöpfung das erlernen könnten oder wie man sie dazu bringt, mehr von sich aus zu tun, ist Anlass, die Suchmaschine zu aktivieren. Als wenn mir das nicht bekannt vorkäme… . Ich behaupte mal ganz frech, dass der Burnout der Mütter und zu wenig Unterstützung seitens der Väter irgendwie korrelieren – sofern Väter überhaupt nennenswert vorhanden sind. Ansonsten versteht sich der entstehende Zusammenhang wohl von selbst.

In diesem Sinne: achtet auf Euch und vergesst Euch bloß nicht selbst. Denn nur eine glückliche und zufriedene Mutter hat die reelle Chance, eine gute Mutter zu sein! 

 

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Die Patchwork-Familie – nicht nur ein Modell der Zukunft

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So bunt wie manchmal das (Familien-)Leben: eine Patchworkdecke (Bild: pixaby.com)

 

Patchwork, dieser Begriff erinnerte zumindest in früheren Zeiten in erster Linie an die aus bunten Flicken („patches“) zusammengenähten Decken. Ich hatte als Kind auch eine, die meine Omi mir aus den verschiedensten Wollresten zusammen gehandwerkelt hatte (Stricken und Häkeln, Sie erinnern sich vielleicht).

Heute verbinden wir mit dem Begriff Patchwork eher eine bunt zusammengewürftelte Form von Familie. Hierbei gibt es die unterschiedlichen Konstellationen. In diesem Zusammenhang gibt es auch den Begriff Regenbogenfamilie, den man verwendet, wenn ein homosexuelles Paar Kinder groß zieht, was ich aber gerade nur am Rande erwähnen möchte.

Solche Familienmodelle sind nicht so ganz neu, nur gab es früher keinen so modern klingenden Begriff dafür. Wenn wir in der jüngere Geschichte zurückgehen, so vermute ich, dass vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg einige Patchworkfamilien entstanden. In einer Zeit, wo der leibliche Vater der Kinder gar nicht oder erst sehr spät aus dem Krieg zurückkehrte, die Frau aber in der Zwischenzeit einen neuen „Ernährer“ für die Kinder gefunden hatte und/ oder sich schlicht neu verliebte, dürfte patchworken nicht unüblich gewesen sein. Aber auch in den Jahrzehnten danach, wo ein noch viel traditionelleres Familienmodell gelebt wurde, gab es hier und da Frauen mit Kindern von verschiedenen Väter, neuen Partnern und ähnlichem. Dies kam in früheren Jahrzehten vermutlich noch eher einem Skandal gleich als im neuen Jahrtausend. Und erinnern wir uns, war nicht schon zu Märchens Zeiten, wo so häufig eine bösen Stiefmutter erwähnt wurde, somit nicht auch von Patchwork-Familien die Rede? Wie viele Frauen starben früher noch bei der Geburt oder kurz danach und der Vater meist zahlreicher Kinder brauchte schon aus Gründen der Versorgung eine neue Frau im Haus. Alles im Prinzip Patchwork.

Patchwork gibt es täglich um uns herum

Als ich mich aus gegebenem Anlass vor einigen Monaten über das Thema mit meiner Mutter unterhielt, nannte sie mir ein paar Beispiele aus dem Dorf, in dem ich groß geworden bin. Ich selber wusste es von den erwähnten Familien gar nicht, vielleicht auch, weil die Kinder etwas älter waren als ich. Es gab also auch schon in den 60er- und 70er Jahren z. B. Frauen, die mit eigenen Kindern geschieden wurden und dann einen neuen Partner fanden, der ebenfalls Kinder in die neue Ehe mitbrachte. Auch ein weiteres, gemeinsames Kind war üblich. Ich selber hatte kaum Scheidungskinder in meiner Grundschulklasse – zumindest nicht zu der Zeit, als wir Dorfkinder alle noch gemeinsam die Schulbank drückten. Unbekannt war es mir aber schon damals nicht, dass Eltern sich trennten. Ich hatte auch einen Mitschüler, der alleine mit seinem Vater aufwuchs – sicher bis heute eine Seltenheit – und später noch einen Halbbruder bekam, als sein Vater eine neue Partnerin hatte. Und ein kurzzeitig als Freundin erlebtes Mädchen aus der Klasse unter mir war die Tochter aus zweiter Ehe, ihr Halbbruder ist bis heute bester Freund meines Bruders.

Waren Ehen „damals“ scheinbar stabiler und langlebiger – und wenn ja, warum?

Frauen begaben sich bzw. blieben damals eher in der Abhängigkeit zu einem Mann, mussten es oft zwangsläufig und trennten sich nicht so schnell wie heute. Hier spielten sicher nicht nur alte Rollenvorstellungen mit hinein, sondern vor allem finanzielle Gründe. Frauen gingen seltener einer Erwerbstätigkeit nach und wenn, dann mit weniger Stunden und weniger Verdienst. Nun gut, das ist auch heute noch ein Thema und stürzt viele Frauen nach einer (gewollten oder ungewollten) Trennung in große finanzielle Nöte.

Ich kann nur spekulieren, wie viele Paare früher unglücklich nebeneinander herlebten, um den Status Quo zu wahren, den Schein von einer heilen Familie und um finanziell über die Runden zu kommen. Ich möchte nicht wissen, wie belastend es für Frauen war, sich Männern zu fügen, die sie schlecht behandelten oder gar schlugen – oder mit denen sie nach einiger Zeit einfach nicht mehr glücklich waren. Aber sie blieben öfter, auch wegen der Kinder. Manche warteten, bis die diese aus dem Gröbsten raus oder aus dem Haus waren. Manche warteten einfach bis zum Tod, entweder ihres eigenen oder dem des Partners. Als Frau ein selbstständigens, eigenes Leben auf die Füße zu stellen, war schlicht weniger verbreitet und angesagt.

Moderne Zeiten

Vielleicht erwarten gerade wir Frauen heute mehr von unserem Leben und sind daher bereit, eher auch den Schritt der Trennung zu gehen, wenn wir sehr unglücklich und unzufrieden sind. Ich habe einige Frauen, allesamt Mütter, um mich herum erlebt, die sich getrennt haben. Erstaunlich oft geht die Trennung heutzutage tatsächlich von den Frauen aus und nicht von den Männern. Wenn letztere nicht gerade eine Affäre beginnen und an dieser Frau „hängenbleiben“, dann verharren Männer scheinbar viel länger in einer unbefriedigenden Paarsituation. Ist oftmals auch viel bequemer. Selbst wenn die Beziehung an allen Ecken und Enden hakt, es ist immer noch jemand da für… die Wäsche oder so.

Aber zurück zum patchworken. Das passiert. Und meiner Meinung nach ist es nicht immer die schlechteste Variante für ein gutes Zusammenleben. Wenn in der Ursprungsfamilie und zwischen den Eltern nur noch „dicke Luft“ herrscht und somit ein Miteinander, ein Fairplay im Team nicht mehr möglich ist, sollten sich die Mannschaften besser trennen. Kinder profitieren von einer getrennten Lösung dann mehr als von einer zwanghaft aufrecht erhaltenden Beziehung, die mindestens einen der Beteiligten krank macht.

Beispiele aus dem Leben gegriffen

  • Eine Freundin von mir verlor vor nun 5 Jahren ihren Ehemann nach kurzer, schwerer Krankheit. Ihre Kinder waren damals knapp 4 und 2 Jahre alt. Zwei Jahre später begann sie ihre neue Beziehung zu einem (zufällig) 10 Jahre jüngeren Mann. In 4 Wochen ist Geburtstermin für ihr gemeinsames Kind. Sie befindet sich im 43. Lebensjahr. Und ich find’s einfach nur klasse. Sie war übrigens zuvor auch nicht glücklich in ihrer „Versorgerehe“, aber sie hätte den Mann nie verlassen. Das Schicksal hat, wenn auch unschön, aber doch eingegriffen. Sie sagt, ihre Lebensqualität in der neuen, glücklichen Beziehung sei um ein vielfaches höher als zuvor.

 

  • Ein Kollege ist mit einer um ein paar Jahre älteren Frau zusammen, sie hat bereits zwei Söhne aus erster Ehe. Er könnte sich durchaus ein gemeinsames Kind vorstellen. Ein paar Jahre gibt ihnen die biologische TicTac-Uhr da sicher noch.

 

  • Eine andere Freundin wurde früh Mutter, wurde früh geschieden. Die Beziehung danach scheitererte letztes Jahr nach mehreren Jahren. Jetzt ist sie glücklich liiert mit einem Mann, der ebenfalls schon ein Kind hat. Ein gemeinsames Kind ist sicher eine Option, beide sind noch recht jung und können sich da schlicht noch Zeit lassen.

 

  • Ein anderer Kollege heiratete eine Frau mit 3 Kindern, die Zwillinge waren gerade ein paar Monate alt, der älteste Sohn 4, als sie zusammen kamen. Sie hatte ihren betrügerischen Ex-Ehemann kurzerhand vor die Tür gesetzt. Respekt, dies in der Situation mit den kleinen Kindern durchzuziehen. Dass der Kollege und sie nun auch in Scheidung leben, ist eben ein weiterer Beweis dafür, wie das Leben spielen kann. Immerhin waren sie 15 Jahre zusammen. Er hätte gerne noch ein eigenes Kind gehabt, doch sie hatte sich damals bei der Geburt der Zwillinge sterilisieren lassen, somit war das Thema erledigt.

 

  • Ich selber kann mich mit einem Patchwork-Modell gut anfreunden, denn ich habe einfach Bock auf ein glückliches und erfülltes und auch buntes Leben. Ich sehe den Bonuspapa als Bereicherung für meine Kinder, eine Bonusmama soll es ruhig auch geben und ich hoffe, sie ist dann auch echt in Ordnung. Manchmal hängen da sogar noch Bonusgroßeltern mit dran. Davon haben Kinder doch allemal mehr als von einer unglücklichen Vater-Mutter-Kind-Situation. Halbgeschwister sind beim Vater sicher noch eher möglich als bei mir. Aber selbst ich bin alles andere als abgeneigt und habe mit dem Thema noch nicht ganz abgeschlossen.

 

Ist es nicht so, dass ein ganzes Dorf die Kinder groß ziehen sollte, statt nur wenige Einzelpersonen? Wenn eine Trennung vernünftig und ohne wild ausgelebte Fehden von Statten geht, wenn es den getrennten Partnern damit (irgendwann) besser geht, geht es auch den Kindern gut damit. Ich bin aber generell ein offener Mensch und nicht so sehr an Muster gebunden (so nach dem Muster, war schon immer so, muss auch immer so sein). Ich bin selber Scheidungskind. Auch wenn das damals auch nicht ohne Dramatik ablief, so sehe ich heute, dass es letztlich keine andere Lösung gab und wir damit gut klar gekommen sind. Es ist immer auch die Frage, wie eine Trennung angegangen und vollzogen wird, damit die Kinder damit gut leben können. Das ist zumindest meine Meinung.

Heute danke ich einfach mal mir – und den anderen fleißigen Müttern

Vorsicht: Dieser Text kann Spuren von Ironie und Sarkasmus enthalten!

Liebe Mütter,

ich wünsche, Frohe Weihnachten gehabt zu haben.Ich hoffe, Ihr habt all die Strapazen, die mit den Vorbereitungen und Ausführungen des Festes für Euch einhergingen, gut überstanden. Und ich danke all den Männern und Vätern, die ihren Frauen dabei tatsächlich tatkräftig unsterstützt haben! Soll es ja geben.

Weihnachten, das Fest, welches vor allem uns Frauen und Müttern alljährlich die Schweißperlen auf die Stirn treibt. Manchmal ist es sogar mehr. In meinem Fall klappte ich vor zwei Wochen zusammen. Die Erschöpfungsdepression (Neudeutsch: Burnout) versuchte einen zweiten Anlauf. Ich hatte unschöne Symptome, die ich schon von vor zwei Jahren kenne. Aber keine Sorge, ich nehme jetzt Johanniskraut und bin nach ein paar wenigen Tagen, an denen ich mir jeweils mehr Ruhe und sogar etwas mehr Schlaf als sonst gönnte, wieder auf den Beinen. Letztlich war es ein über Monate anhaltender, zu extremer Schlafmangel und ein enormer Druck in vielen Bereichen meines Lebens. Neben meinen privaten Problemen, die mich seelisch sehr belasten, war es auch die Vereinbarkeit von Job, Familie und Haushalt. Wieder einmal. Denn neben meinem Job als Orchestermusikerin musste ich auch das Weihnachtsfest vorbereiten. Und dafür möchte ich mir heute einfach mal danken. Mir ganz alleine. Und ich bin auch die einzige, die Danke zu mir sagt. Denn niemand sonst aus meinem nächsten Umfeld (sprich: Vater meiner Kinder und seine Eltern. Die Kinder sowieso nicht, die sind auch noch zu klein dazu) ist auch nur ein klitzekleines „Danke“ oder gar „gut gemacht“ über die Lippen gekommen,  noch nicht mal annähernd.

Was wir Mütter leisten, wird als selbstverständlich angesehen

Und wenn wir es mal nicht mehr leisten können, werden wir unter Umständen auch noch dafür kritisiert. Dann waren wir wohl schlecht organisiert, faul oder machen sonst etwas falsch in unserem Leben.

Obwohl ich noch mit dem Vater der Kinder unter einem Dach lebe, hat er sich dieses Jahr bei den Vorbereitungen besonders herausgehalten. Lediglich das Festessen am zweiten Feiertage ging auf seine Kappe. Natürlich könnte man ihm die Füße dafür küssen, denn er ist ja ein Mann und hat schier unglaubliches damit geleistet. Und er hat den Baum ins Wohnzimmer geschleppt. Aber hätte ich mich auf ihn verlassen wie er sich auf mich, hätten die Kinder am Heiligabend keinen Besuch vom Weihnachtsmann bekommen und wären leer ausgegangen. Denn wir Großen wissen es längst: die Geschenke besorgen die Eltern. Also meistens die Mütter. Ich habe das also in völliger Eigenregie gemacht. Habe Ideen gesammelt, ausführlich geschaut, Angebote verglichen, eingekauft oder bestellt, Pakete geschleppt, entpackt, teilweise wieder verpackt und was eben so dazu gehört. Ich konnte den Vater noch nötigen, am 23.12. die Spielküche für KindNr. 2 zusammen zu bauen, bekam jedoch zu hören, dass das doch jetzt sehr kurzfristig wäre, ich hätte ihm eher Bescheid sagen sollen. In Gedanken schlug ich kurz meine Stirn auf die Tischplatte und sagte ihm, dass ich ihn seit 3 Tagen um Hilfe diesbezüglich bitten würde. Unerwähnt ließ ich, dass der Karton mit der Spielküche bereits seit 2 Monaten im Keller liegt und er das irgendwie mitgekriegt haben müsste. War eigentlich kein Geheimnis, dass ich die kaufen gefahren bin. Noch irgendwelche Fragen?

Ich habe drei Tage am Stück gerödelt – ohne Pause und bis spät abends. Habe die Wohnräume – soweit ich konnte – gesäubert, aufgeräumt, zwischendurch Weihnachtsfeiern besucht, Pakete gepackt, eingekauft, den wunderschönen Weihnachtsbaum akribisch geschmückt, an Heiligabend das Essen bereitet und nebenher die Kinder betreut. Der mir wieder einmal wunderbar gelungene Weihnachtsbaum wurde von den Erwachsenen genau so wenig gewürdigt wie die tollen Geschenke für die Kinder. Warum auch? Es wurde auch im Vorfeld nie gefragt, ob und was sie zu erwarten hätten. Das nenne ich mal Ignoranz vom Kindsvater (und genau genommen auch von dessen Eltern).

Und deswegen danke ich heute mal nur mir, dass ich das alles geschafft habe und meine Kinder glücklich machen konnte. Ich danke mir für ein weiteres Jahr voller Haus- und Versorgungsarbeit und vor allem für den ganzen, wirklich nicht unerheblichen Organisationsaufwand, den ich als Managerin meines Familienunternehmens leiste – neben meiner beruflichen Tätigkeit, welche in dieser Hinsicht auch noch einiges von mir abverlangt. Arbeit rund um Haus und Familie, die nicht nur unbezahlt, sondern auch ungelobt bleibt. Anerkennung seit Jahre gleich Null. Ich bin eben Mutter, es ist meine verdammte Pflicht, mich aufzuopfern, wenn es sein muss bis zur Erschöpfung (siehe oben). Dass ich eine Woche vor Weihnachten noch nicht einmal wusste, ob ich das Fest überhaupt in der Form schaffen könnte, so schlecht wie es mir da ging, war nie auch nur ein Wort wert. Das kann schon frustrieren und traurig machen.

Und ich danke Euch da draußen, Ihr fleißigen Mütter (und manchmal auch Väter). Ihr managt und organisiert wie verrückt ohne Rücksicht auf Eure Gesundheit und schafft es immer wieder, auch wenn Ihr manchmal – so wie ich – denkt, es geht nicht mehr. Aber bitte passt auf Euch auf! Denn aus Erfahrung weiß ich, dass es irgendwann wirklich nicht mehr geht, wenn Ihr Eure Grenzen zu oft und zu sehr überschreitet!

Alles Gute!

Mütter häufig(er) vom Burn-Out betroffen

Warum nur, frage ich mich regelmäßig. Aber dann fällt es mir wieder ein: wir Mütter müssen einfach so viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Wir haben quasi mehrere Jobs, die alle gleichermassen gut erledigt sein wollen. Wir gehen nicht nur Geld verdienen, sondern arbeiten (!) zu Hause weiter, kümmern uns um Kinder und um den Haushalt. Sind sozusagen dauerbeansprucht, eben immer „in charge“ und für alles und jeden verantwortlich. Die Adventskalender müssen bestückt werden? Neue Winterklamotten her? Geschenke für diverse Kindergeburtstage organisiert werden? Weihnachten naht auch. Wer backt die Plätzchen, sucht Geschenke und Tannenbaum aus? Wer hat eben noch schnell die Martinslaterne gebastelt? Wer wäscht noch mal eben zwischendurch die dreckigen Klamotten und sieht dabei immer noch supersexy aus? Wir Mütter natürlich. Die Liste ist endlos lang von dem, was wir alles tun (müssen). Nicht, dass nicht auch Väter einige dieser Aufgaben übernehmen würden, das soll durchaus mal vorkommen. Aber sie denken nicht die ganze Zeit daran bzw. drüber nach. Ihre Köpfe sind nicht übervoll von To-Do’s. Wir Frauen fühlen uns einfach für alles zuständig, sind es häufig auch als wahre Organisationstalente und Multi-Tasker. Ich bin davon überzeugt: es sind weniger Väter, die derart gut den Überblick behalten können oder es überhaupt wollen. Entsprechend weniger brennen sie aus. Und manche schauen uns sogar seelenruhig dabei zu… .

Hier ein toller Artikel zum Thema.

Und noch einer.

Top lesenswert!

Über Mut im Leben

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit“, sagt der Kommissar aus dem schweizer Tatort, den ich gestern zu später Stunde noch auf dem Fernsehsender One (früher Einsfestival) gesehen hatte, als er mit einem Koffer voller Klamotten die Wohnung seiner Freundin betritt. Beide, so hatte ich im Laufe des Tatorts gelernt, hatten gerade ihr 1-jähriges Beziehungsjubiläum gefeiert, sie ist zudem die Mutter zweier Kindern. In einer früheren Szene schlich er sich des Abends auf Socken in die gleiche Wohnung, sie fragte ihn, warum er das täte, und er antwortete so etwas wie, „Ich dachte, die Kinder schlafen schon“. Sie sagte daraufhin, „Die zwei sind bei ihrem Vater!“

Abgesehen von der Rahmengeschichte, in der es um Tod, Mord und Posttraumatische Belastungsstörung geht, hat mich diese Liebesgeschichte um den nicht mehr so ganz jungen Kommissar und seine ebenfalls lebenserfahren wirkende Geliebte sehr beeindruckt. Ich gucke eigentlich nie Tatort, vielleicht einen im Jahr. Denn ich gucke nur noch äußerst selten Fernsehen(*).Und obwohl ich schon zu so später Stunde am liebsten in den Schlafmodus gefallen wäre, musste ich unbedingt wissen, wer der Mörder ist (es war die Psychologin, nicht der Gärtner) und wurde durch diesen allerletzten Satz des Films belohnt:

„Mut ist manchmal pure Unwissenheit!“

Die erste Szene des Films zeigt das noch relativ frisch verliebte Paar, als es bei einem Lagerfeuer auf ihr 1-Jähriges anstößt. Sie sagt so etwas wie, „Heute sind wir seit einem Jahr zusammen“ und er sagt, „Ich dachte, das wäre erst in 3 Wochen. Unsere erste Nacht im Hotel…“, und sie sagt daraufhin, „Der erste Kuss zählt, nicht die erste Nacht im Hotel!“

Später, nach dem er sich wie oben erwähnt, in Socken über das  Parkett schlich und beide Sex gehabt haben (nur so eine Vermutung!), steht er aus ihrem Bett auf, sie bleibt liegen, sagt aber, „Bitte bleib!“ und er antwortet, „Gib mir noch Zeit!“ Daraufhin sagt sie nichts, beide lächeln sich an (glaube ich zumindest. Also, ich hätte das getan), er geht und sie kuschelt ihr Gesicht ins Kissen. In dem Moment hatte ich fast so etwas wie ein Déjà-Vu… .

Am Ende beweist der Mann also Mut, Mut aus Unwissenheit. Sein Fall ist gelöst, er zieht quasi bei ihr ein, zeigt ihr, dass er nun bereit ist, die Nächte bei ihr zu verbringen – und vielleicht auch mehr. Denn irgendwo sind ja auch noch ihre zwei Kinder, die vermutlich nicht immer bei deren Vater sein werden. Er kann nicht wissen, wie das Leben mit zwei Kindern ist, denn scheinbar hatte er zuvor auf dem Gebiet keine Erfahrung. Hatte noch zu seinem früheren Kumpel vom Militär, in diesem Fall das PTBS-Opfer im Film gesagt, nach dem dieser zu ihm meinte, er hätte Familie, zwei Kinder (aber getrennt, wie sich kurz darauf herausstellt), er selber hätte dies noch nicht „geschafft“.

Das mit dem Mut im Leben ist nicht immer ganz einfach. Ich selber würde mich als wenig mutig bezeichnen. Ich war schon als Kind nicht so der Draufgänger-Typ, eher ängstlicher Natur. Und dennoch habe ich in meinem Leben ein ums andere Mal Mut bewiesen.

Sehr mutig war ich vor 13 Jahren, als ich meine alten Jobs kündigte, um einen neuen Traumjob, relativ sicher und gut bezahlt, zu ergattern. Noch bevor ich also Probespiel und andere Einstellungstests erfolgreich absolviert hatte, setzte ich alles auf eine Karte, kündigte meine Honorarstellen an drei Musikschulen in meiner Studienstadt und nutzte die gewonnene Zeit, um mich intensiv auf die anstehenden Prüfungen vorzubereiten. Um weiter die Miete zahlen zu können, musste ich Sozialhilfe (war noch vor Hartz 4) beantragen, was finanziell übrigens auf das gleiche rauskam wie mit den Honorarstellen. Ich fühlte mich nur nicht unbedingt besser dabei, so als Bittsteller beim Staat.

Wieso machte ich das so? Ich wollte einen geraden Schnitt, wollte meine SchülerInnen nicht mitten im Schuljahr im Stich lassen, und so trat meine Kündigung zu Beginn der Sommerferien in Kraft. Ein bißchen Schuld hatte ich daran, dass ich danach nicht sofort die neue Stelle antreten konnte, weil mir zuvor der Mut gefehlt hatte, mich endlich darauf zu bewerben. Und wie gesagt, so hatte ich viel Zeit. Die brauchte ich vielleicht auch, denn am Ende schaffte ich es, mein Mut wurde belohnt. Den Job mache ich nun seit fast 13 Jahren und bin sehr dankbar dafür und froh über meinen Mut.

Ganz unwissend war ich damals vielleicht nicht, ich hatte zumindest eine wage Vorstellung, was mich erwarten würde, kannte andere, die mir davon erzählt hatten. Aber wie es wirklich sein würde, sich für mich und mein Leben anfühlen würde, wusste ich erst, als ich mittendrin steckte.

Ähnlich erging es mir dann 7 Jahre später, als ich Mutter wurde. Die Aussage, „Das hast Du doch vorher gewusst“, habe ich zwar einige Male gehört, doch kann ich dazu inzwischen nur noch mit dem Kopf schütteln. Sie kommt in den allermeisten Fällen von Unwissenden, also Kinderlosen.

Kinder zu bekommen erfordert Mut, viel Mut. In unserer heutigen Zeit und Gesellschaft mehr denn je. Ein Mann, der sich für eine Frau entscheidet, die Kinder mit in in die Verbindung bringt, braucht es Mut, Vetrauen in sich und sie, Zuversicht und viel Liebe.  Umgekehrt übrigens auch. Es gibt ja auch Väter, die neue Beziehungen eingehen. Ich glaube daran. Ich glaube auch an das Funktionieren von Patchwork-„Systemen“. Es erfordert nur viel Gefühl, Menschenverstand und eben Mut. Ich selber bin mutig, bin dieses Jahr bereits sehr mutig gewesen und froh und auch stolz auf mich. Endlich springen. Das Seil wird halten, der Fallschirm schon aufgehen. Urvertrauen und Mut!

 

(*)Abgesehen davon gucke ich meistens auf meinem Laptop per Livestream, so wie gestern, oder suche mir etwas in der Mediathek. Gestern wollte ich sogar richtig fernsehen, aber leider hatte wohl nach „Die Sendung mit der Maus“ irgendetwas (oder irgendwer?) unseren Receiver geschrottet.

Der Generationenvertrag – warum wir auch Kinder bekommen oder warum auch nicht

Warum bekommt man in der heutigen Zeit überhaupt noch Kinder? Brauchen wir die wirklich noch? Immerhin haben wir bereits über 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Die sind zwar nicht ganz optimal verteilt, aber es sind irgendwie ziemlich viele. Zu viele mit zu hohen Ansprüchen.

Kinder kosten uns Eltern einen riesigen Haufen Geld. Im Laufe der Jahre kommt da schon mal locker ein sechsstelliger Geldbetrag (ich las erst kürzlich in diesem Zusammenhang wieder die Zahl 120.000 €) zusammen, bis der Nachwuchs endlich alt genug ist, um für sich selber zu sorgen. Wenn. Denn das schaffen nicht alle. Belohnt werden wir Eltern kaum dafür, dass wir zukünftige Steuerzahler und Rentenkasseneinzahler groß ziehen, dafür, dass wir jahrelang investieren und uns selbst zurück nehmen. Dafür, dass ein großer Teil der Mütter der Altersarmut entgegensteuert (oder sich bereits in ihr befindet) und die Wahrscheinlichkeit auch noch mit jedem Kind (dabei sind mehr Kinder = mehr zukünftige Steuerzahler) steigt. Wozu also bekommen wir Kinder? In diesem Land ist das einfach viel zu sehr ein „Privatvergnügen“, Eltern bleiben auf ihren Kosten sitzen. Sie haben die Kinder ja gewollt. Von einem Generationenvertrag keine Spur.

Was tun wir nicht alles für die lieben Kleinen in all den vielen Jahren, in denen sie bei uns wohnen. Und selbstverständlich auch noch darüber hinaus. Und das nicht nur finanziell. Wir verzichten auf vieles. Ausreichend Schlaf ist dabei nur eine Sache. Wir reiben uns auf an der verflixten Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Letzteres aber brauchen wir aus deshalb, um den Kindern in der heutigen, teuren Zeit etwas bieten  zukönnen. Und ich spreche hier noch nicht von teuren Konsumgütern. Auch Bildung kostet. Ja, und bei manchen gehts schlicht um das nackte Überleben.

Ich finde nicht, dass wir es leichter haben als die Elterngeneration vor uns. Uns fehlt oft qualitativ hochwertige Zeit mit unseren Kinder – und auch für uns selbst, denn meist müssen beide Elternteile irgendwie malochen gehen, um die Kinder zu ernähren. Wir haben auch kein ganzes Dorf mehr, das unsere Kinder mit groß zieht. Ehrlich gesagt sind wir ziemlich oft ziemlich alleine mit dieser Mammutaufgabe. Und dennoch bekommen wir Kinder. Zumindest eines, meistens eher zwei. Manche auch schon mal drei.

Was also erhoffen wir uns davon? Ist es einfach ein Instinkt in uns, der uns sagt: vögelt und mehret Euch, die Natur hat’s so gewollt? Lieben wir Kinder so sehr, dass wir uns – meist blauäugig und romantisch-verklärt – in dieses Abenteuer stürzen, welches uns unerwartet viel abverlangt?

Früher war vieles anders

Damals, noch zu Uromas und Omas Zeiten, da kamen die Kinder einfach so wie sie eben kamen. Man hatte einen Partner oder eine Partnerin (und musste natürlich nicht zwangsläufig mit ihm oder ihr verheiratet sein, was aber einem großen Skandal gleich kam) und hatte eben Sex. Frau wurde schwanger. Kind wurde geboren. Frau wurde irgendwann wieder schwanger. Noch ein Kind wurde geboren. Manchmal starb Frau auch bei der Geburt. Dann suchte der Mann eine andere Frau. Für die Kinder und den Haushalt und vielleicht auch ein bißchen für sich. Weitere Kinder wurde geboren. Bis das Haus voll war. Mindestens. Und alle mussten mit anpacken. So war das eben damals.

Dann gab’s so politische Bewegungen und auch medizinische Errungenschaften. Sie machten uns Frauen immer unabhängiger, zunächst von der Tatsache, bei jedem Mal Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft befürchten zu müssen, weil der Typ sich mal wieder gegen das Kondom gewehrt hatte (die es in der heutigen Form ja auch nicht immer gab. Ich frag mich manchmal, wie es wohl mit so manchem Ur-Kondom… aber lassen wir das, würde an dieser Stelle zu weit führen). Die Pille also. Super Sache. Nicht ganz ohne Nebenwirkungen, aber durch ihre Erfindung gab es nach sehr geburtenstarken Jahrgängen in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts (vermutliche auch zurückzuführen auf die „fetten Jahre“ nach dem 2. Weltkrieg) erst mal den sog. Pillenknick. Weniger Kinder wurde geboren. Man überlegte sich genauer, mit wie vielen Kindern man überhaupt sein Familienleben bereichern wollte. Und man brauchte ja auch nicht mehr Scharen von Kindern als Altersabsicherung. Denn inzwischen konnte man im Alter auf etwas Rente hoffen. Der ein oder andere sogar auf Pension. (Der Herr mit dem aufgerollten Hering, also Fürst Otto von Bismarck, hatte sich da an sich etwas Gutes ausgedacht, wenn politisch gesehen vielleicht auch etwas zum Selbstzweck. Aber das soll hier nicht Thema sein). Und in den Siebzigern und auch den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts glaubte man auch noch daran, dass man im Alter ausreichend Rente bekäme, von welcher man gut leben könnte. Selbst dann, wenn die eigenen Kinder sich nicht die Bohne um einen scherten oder als mittellose Straßen-Junkies Karriere machten.

Frauen opfern sich (auf), wenn sie Mütter werden

In früheren Jahrzehnten waren die Rollen der Geschlechter klarer verteilt als heute. Das machte es einerseits einfacher, führte aber vermutlich auch schon damals zu Unzufriedenheit, vor allem bei den Frauen, die diese aber sicher nicht so offen zeigen durften. Es galt der Glaubenssatz: eine Frau hat zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich gefälligst um diese wie auch um einen perfekt geführten Haushalt zu kümmern. Der Mann hingegen sorgt hingegen für das nötige Geld – und für seinen eigenen Spaß. In den meisten Fällen wird das ganz gut funktioniert haben – zumindest nach außen. Aber die Zeiten änderten sich. Frauen wollten auch mal was sein, also außerhalb von selbstgestampftem Babybrei und Stoffwindeln, die täglich ausgekocht werden wollten – ohne Waschmaschine. Und es gab sie immer mehr, die Frauen, die auch Karriere machen wollten und es auch konnten. Trotzdem wurden noch Kinder geboren. Und spätestens beim zweiten stellte sich auch vor 30 oder 40 Jahren die Frage: wat nu? Also gab, wie auch meist heute noch, die Frau ihre Karriere auf. Eine Karriere, die unter Umständen wirklich diesen Namen verdient hatte und nicht nur aus einem Bürojob als Tippse oder Empfangsdame bestand. Und muss es denn so sein, dass jede Frau in ihrer Mutterrolle vollends aufgeht? Ich behaupte sogar, das war noch nie so, selbst in der Zeit nicht, als niemand etwas anderes von den zu Müttern gewordenen Frauen erwartete. Klar, Kinder sind toll. Manchmal anstrengend und nervenaufreibend und zum an-die-Wand-klatschen, aber generell schon toll. Dennoch darf eine Frau die Karriere oder die Möglichkeiten, die sie hatte, bevor die Kinder da waren, doch vermissen, denke ich. Und mitunter darunter leiden. Die meisten allerdings tun dies still und heimlich. Zu groß ist das in der Gesellschaft verankerte Schuldgefühl.

Spätestens wenn so manches (feinfühlige) Kind größer wird, erkennt es vielleicht, was die Mutter (oder eben auch der Vater) da für Opfer gebracht hat. Und sieht sich in der Schuld. Dieses Phänomen passiert vermutlich häufig ganz unbewusst, oder zumindest nur teilweise kann das betreffende „Kind“ (in Anführungszeichen, denn es wird zu dem Zeitpunkt der Erkenntnis häufig schon erwachsen sein oder zumindest auf dem besten Wege dahin) sich vollends bewußt machen, was da geschieht.

Kinder als Altersversorgung

In früheren Zeiten war das so. Man bekam Kinder. Man brauchte Kinder, um im Alter gut versorgt zu sein. Und heute? Auch heute werden die Kinder mit herangezogen, wenn die oft recht spärliche Rente der eigenen Eltern nicht ausreicht, aber hohe Kosten für Alters- und Pflegeheime anfallen. In einer alternden Gesellschaft mit immer höherer Lebenserwartung kann das schon mal vorkommen. Und seien wir ehrlich, nicht jedes Eltern-Kind-Verhältnis gestaltete sich immer so gut, dass die Kinder am Ende gerne den Eltern das zurück geben, was sie einst von ihnen bekommen haben. Wurzeln und Flügel. Oder eben auch: Liebe und finanzielle Unterstützung.

Aber es gibt sie noch, die Kinder, welche für ihre Eltern da sind oder da sein wollen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Es sind Kinder, die sich mitunter schuldig fühlen. Und aus diesem Schuldgefühl heraus und weil sie ihre Eltern eben lieben, fühlen sie sich verantwortlich, im Gegenzug nun für ihre Eltern da zu sein. Manche sind dafür bereit, ihr eigenes Leben, vielleicht ihre Träume nach einer eigenen, selbst gegründeten Familie und somit auch nach eigenen Nachkommen, nicht wirklich zu verfolgen. Sie sehen all die Opfer, die ihre Eltern einst für sie brachten. Was sie auf sich genommen oder gar zurück gelassen haben, damit es ihren Kindern einst besser gehen sollte. Die Eltern haben sich selbst ein großes Stück weit aufgeopfert und ihre Kinder meinen nun, gleiches für sie tun zu müssen. Wie bereits erwähnt, ich glaube, dies geschieht oft ganz unbewusst. Und keiner der Beteiligten würde diese Erwartungen offen aussprechen. Gerade wir Kinder der Kriegs- und Nachkriegskinder sind mitunter besonders betroffen. Denn unsere Eltern mussten häufig mit sehr vielen Entbehrungen groß werden, wurden vielleicht vertrieben oder gingen freiwillig, haben dabei alles verloren, auch geliebte Menschen. Sie wurden auch noch anders „erzogen“. Leid und Traurigkeit über diese Ereignisse durften nicht gezeigt werden. Es wurde über vieles schlicht geschwiegen. Was Frauen während und nach dem Krieg leisteten, aber auch ertragen mussten, fasziniert mich immer wieder. Sie waren in großen Teilen das, was wir heute als „Alleinerziehende“ bezeichnen. Und ich bin mir sicher, dass sie sich darüber eben nicht öffentlich beklagt haben. Es war eben so. Auch der Staat hat das nicht auffangen können, was viele Alleinerziehende heute fordern. Vielleicht gab es teilweise ein besseres soziales Netz, also andere Frauen und das in mehreren Generationen, die sich gegenseitig unterstützten. Aber ansonsten muss das eine sehr schwierige Zeit gewesen sein, um Kinder groß zu ziehen oder selber Kind gewesen zu sein. Alles das kann uns Kindern dieser Eltern eine besondere Last aufbürden.

Aber rechtfertigt all das von mir erwähnte eine Aufopferung der Kinder für ihre Eltern?  Verlangen Eltern sogar danach? Sind sie damit vielleicht sogar einverstanden?

Müssen Kinder für ihre alternden Eltern da sein – um jeden Preis?

Jein. Können sie, sollten sie versuchen. Aber nicht um den Preis des eigenen Glücks und der eigenen Vorstellung von einem zufrieden stellenden, eigenen Leben.

Ich selber habe meine Kinder unter anderem auch aus der Idee heraus bekommen, als alte Frau im Lehnstuhl noch jemanden um mich zu haben, der zur Familie gehört. Im Idealfall. Ob dies einst so sein wird, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Ich habe aber niemals daran gedacht Kinder zu bekommen, um im Alter einmal finanziell abgesichert zu sein, wenn der alte Sparstrumpf leer ist. Naiv wie ich bin, hoffe ich da immer noch auf staatliche Unterstützung durch meine jahrelange Berufstätigkeit (die ich bisher für meine Kinder eben nicht an den Nagel gehängt habe). (Allerdings bin ich erst spät in meinen Beruf gestartet und habe somit auch dadurch Abstriche zu machen). Ich dürfte also viele Jahre gearbeitet und – quasi nebenbei – Kinder groß gezogen haben. Was mir einiges an Opfern abverlangt, wie ich eingangs schon erwähnte. Was ich aber vielmehr hoffe ist, dass ich meinen Kindern genug mitgeben kann, damit sie ihren ganz ureigenen Weg finden und gehen können. Und Zufriedenheit und Freude erlangen. Ich hoffe, dass sie einen Beruf ergreifen können, der ihnen Spaß und Erfüllung bringt und dennoch dazu ausreicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Musikerin weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, den Studiengang nach eigener Gesinnung zu wählen und damit dann später ein ausreichendes Einkommen zum auskommen zu haben. Als Mutter, so nehme ich es mir zumindest vor, würde ich meinen Kindern aber nie in ihre Entscheidungen reinreden. So haben es auch meine Eltern gehandhabt. Und kein Kind sollte sich meiner Meinung nach später grämen, wenn es nicht schafft, seine Eltern im Alter zu unterstützen oder ihnen gar ein eigenes Haus zu finanzieren. So wie wir Eltern es nicht immer schaffen, unseren Kindern ein üppiges Erbe zu hinterlassen. Wir alle bringen unsere ganz persönlichen, kleineren oder auch größeren Opfer, allerdings haben wir unsere Kinder auch nicht gefragt, ob sie Teil dieser Welt werden wollen. Wir haben über ihre Köpfe hinweg entschieden, als wir ihnen das Leben schenkten. Niemals würde ich erwarten, dass sie für mich ihre Träume zurückstellen, nur um mich im Alter aufzufangen. Ich finde, als Eltern darf man das nicht von seinen Kindern erwarten oder gar einfordern. Man darf hoffen, dass sie vielleicht Sonntags mal zum Essen vorbei kommen oder einen Weihnachtsfeiertag mit einem verbringen – und die Enkelkinder mitbringen. Aber alles andere, Aufopferung der Kinder für die eigenen Eltern, das sehe ich persönlich nicht. Und würde es nicht zulassen wollen. So zumindest meine Meinung zum jetzigen Erfahrungsstand.

Nun, über 20 Jahre vor der Rente hab ich noch leicht Reden. Aber es sind Gedanken, die man sich ruhig einmal machen darf, wenn man Kinder in diese Welt setzen möchte. Wer kann heute schon mit Gewissheit sagen, was einmal sein wird? Das wäre wohl zu einfach. Es ist und bleibt spannend, gerade in den heutigen Zeiten! Lasst uns einfach so viel wie möglich tun, damit Träume wahr werden. Auch die eigenen. Und das dürfen auch Träume von einem ruhigen Leben mit eigenen Kindern und Enkelkindern sein. Ohne Verpflichtungen, Schuldgefühle und übergroßem Verantwortungsgefühl. Einfach nur mit Liebe, Respekt und Anerkennung dessen, was geleistet wurde und wird.

 

 

Eltern in Trennung – Teil 2

Warum Beziehungen scheitern können und weshalb man das akzeptieren sollte. Eine Bestandsaufnahme.

Ich versuche, Bilanz zu ziehen nach einer langen Beziehung, nach einem langen Weg, den man gemeinsam gegangen ist. In einer langen Zeit, in der man verschiedene Phasen des eigenen Lebens in Anwesenheit des anderen durchlaufen hat. Dies kann eine Zeit der tiefsten Prägung für die Zukunft und somit auch für eine folgende Beziehung sein.

Dies hier soll keine „Abrechnung“ sein, nur niedergeschriebene Erklärungsversuche für mich selbst. Vielleicht helfe ich dem ein oder anderen damit. Jedenfalls versuche ich gerade, mir selber zu helfen, denn ich kann nicht mehr. Der derzeitige Zustand zermürbt mich, es zieht mich emotional extrem runter. Ich glaube sogar, dass das so gewollt ist. Ich soll klein beigeben, zusammen brechen (erneut!). Das mag eine Unterstellung sein, aber sie liegt so nahe.

Auch der Sich-Trennende leidet

Warum mache ich nach 16 Jahren und zwei gemeinsamen Kindern Schluß? Warum sieht es nach außen hin vielleicht so aus, als sei das ganz einfach für mich, eine Entscheidung aus einer Laune heraus? Ich kann sagen, dass es das eben nicht ist. Denn sonst hätte ich schon eher diesen Schritt gewagt. Aber auch ich habe moralische Bedenken, also meinen Kindern gegenüber. Auch ich hatte den Traum von einer heilen, glücklichen Familie.

Aber irgendwann kam die Erkenntnis: besser ein beherzter Trennungsschritt als ein jahrelanges Dahinsiechen der Partnerschaft oder Ehe! Doch genau diese Entscheidung erfordert Mut und Entschlossenheit. Wenn nicht, kann ein langsamer, depressiver Prozess einsetzen, der eine große Gefahr darstellt, nämlich seelische Krankheiten und körperliche Fehlfunktionen. Ja, hallo Burnout. Und hallo scheiss Zustand, in dem ich mich gerade befinde, niedergeschlagen und teilweise depressiv-verstimmt. Verzweifelt und traurig. Also lieber ein Ende mit Schmerz, als Schmerz ohne Ende.

Das Leben der anderen

Es wird vermutlich immer Leute geben, die mich verurteilen werden. Es wird Leute geben, die denken, ich mache das alles aus einer oberflächlichen Laune heraus oder weil ein anderer Mann meinen Weg gekreuzt hat. Es dürfte immer Leute geben, die einen neuen Partner in solch einer Situation als denjenigen betrachten, der die Ehe auseinander gebracht hat. Es wird immer Leute geben, die urteilen, ohne nach den Hintergründen zu fragen. Die Dinge sagen werden wie, „Die armen Kinder, wie kann sie das nur tun“ und „Ihr Mann ist doch so ein netter Typ“. Auf all das stelle ich mich ein und ganz ehrlich – es geht mir schon jetzt ziemlich am Allerwertesten vorbei. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich so unheimlich viel auf das Gerede und die Meinungen anderer über mich gebe. Das ist auch etwas, was ich nach meinem Burnout verbessern konnte.

Nur  i c h weiß, wie lange schon und wie heftig ich mit mir ringe. Nur ich weiß, durch welchen Gefühlssumpf ich gehe. Und nur ich kenne mein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht weiter zur völligen Aufopferung zur Verfügung stelle, bis meine eigene Gesundheit noch mehr darunter leidet.

Hey Leute, ich war ganz tief unten, mein Körper hatte sämtliche psychosomatische Register gezogen, die so ein Körper ziehen kann, und die alle gleichzeitig. Ich habe geglaubt, mein Leben wäre zu Ende. Aber ich bin noch da und in diesem einen Jahr, das vergangen ist, habe ich verdammt-noch-mal erkannt, was ich will, welche Werte mir im Grunde genommen wichtig sind und vor allem weiß ich, was ich nicht mehr will.

Ich will nicht mehr mit einem Menschen zusammen leben, der mich so viel vermissen lässt und mich seit Jahren – ob bewusst oder unbewusst spielt erst einmal keine Rolle – dermaßen runterzieht, dass ich mich gezwungen sehe, einen neuen Weg zu gehen, wenn ich am Leben bleiben möchte. Ich weiß schon lange: mit diesem Mann kann und will ich nicht alt werden. Nur für die Kinder wollte ich so lange wie möglich durchhalten. Aber wie lange kann ein „so lange wie möglich“ sein?

Es ist nicht neu, was für manch Außenstehenden neu erscheinen mag

Ich habe den Trennungswunsch und diese Empfindungen und Gedanken nicht erst seit letztem Jahr. Ich hatte sie schon einige Jahre davor, immer wieder. Ich hatte sie auch schon, noch bevor meine Kinder 2011 und 2013 geboren wurden. Irgendwas hat sich für mich schon lange falsch angefühlt. Und das weiß nicht nur ich, sondern das wissen engste Freunde von mir, das weiß meine Familie, also meine Mutter, mein Bruder (und natürlich mein Papa auf seiner Wolke). Sie alle kennen meine jahrelangen Zweifel, meine Äußerungen darüber, haben teilweise die Auseinandersetzungen mitbekommen. Und sie haben sich teilweise immer wieder gewundert. Darüber, dass ich weitergemacht habe, dass ich das Haus gekauft habe, vor allem, dass ich die Kinder bekommen habe mit diesem Mann. Meine Kinder, die ich über alles liebe und derenwegen ich versucht habe, immer wieder durchzuhalten in einer Lebens- und Paarsituation, die sich für mich immer falscher und falscher anfühlte, einfach nicht (mehr) zu mir passt. Muss eine Beziehung so sein, dass man versucht, dem anderen das Gefühl zu geben, klein und unbedeutend zu sein und alles falsch zu machen? Müssen Machtausübung und Dagegensprechen, müssen Ablehnung und Ignorieren des Partners wirklich sein? Muss eine Beziehung um jeden Preis weitergeführt werden, wenn das Kommunikationsverhalten auch nach wiederholten Verbesserungsversuchen einfach nicht zu ertragen ist? Wenn man nicht mehr weiß, wie man mit seinem Partner Probleme und Sorgen besprechen kann, wenn egal was man sagt, einem kein Verständnis oder Wohlwollen entgegen schlägt, sondern ein „Dagegen“ und sogar Ignoranz?Zumindest keine großartige Empathie, kein Trost oder ein gemeinsames Suchen nach Lösungen. Irgendwann bleibt einem nichts übrig als der eigene Rückzug. Und man fühlt sich mit allem verdammt alleine, unverstanden und ungeliebt. Und jedes einst positive Gefühl für den Partner geht den Bach hinunter.

Muss man all das ertragen wenn es darum geht, einen Alltag mit Kindern zu organisieren? Was ansich schon anstrengend ist und einem sowieso schon so viel Kraft abverlangt. Wenn dann statt eines Miteinanders gefühlt nur ein Gegeneinander stattfindet, neigt sich die Kraft schnell dem Ende zu. Gegenseitige blöde Bemerkungen sind in einem anstrengenden Alltag doppelt zermürbend.

Wenn zwei sich streiten, freut sich vielleicht ein dritter

Die Außenwelt mag denken was sie will. Das Stöckchen war schon lange weggezogen, welches den Stein des Anstoßes ins Rollen brachte. Dass der Stein an Geschwindigkeit zunahm, als ich bemerkte, dass ich Gefühle für einen anderen Mann habe, möchte ich nicht bestreiten. Überhaupt, dieses Gefühl des Verliebtseins kannte ich nicht mehr, hatte sogar geglaubt, dazu nicht mehr fähig zu sein. Aber ich weiß jetzt: es geht noch. Und es lag nicht an mir alleine.

So ist es also. Ich mag nichts mehr schönreden

Ich bin also seit Jahren total unzufrieden und unglücklich in dieser Partnerschaft. (Ich bin auch seit Jahren total untervögelt, aber das nur am Rande). Mir wird seit Jahren nicht zugehört, meine Trennungswünsche in der Vergangenheit wurden nie ernst genommen. Am nächsten Tag wurde weitergemacht wie immer, alles ignoriert und ich fühlte mich somit nicht für voll genommen. Heute wird sogar mehr oder weniger behauptet, dass es diese Ansagen von mir nie gegeben hätte. Auch nicht die Gespräche, die ich suchte, Monologe die ich führte, um irgendetwas noch zu retten oder zu bewegen. Leises Flehen, er möge sich doch auch (mal) Hilfe von außen holen, brachte nur ganz kurz einen Lichtblick und war so nicht ganz der richtige Weg. Und es war schon zu spät.

Ich habe meine Unzufriedenheit offen gezeigt. Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung und die Liebe groß. Denn ich bin kein guter Schauspieler.

Ja klar, es gab auch gute Momente, Phasen, in denen dieser Mann nett zu mir war, sich bemühte und ich Hoffnung schöpfte. Es waren die Momente, die mich dann erst einmal zum bleiben animierten. Und in denen auch ich wieder anders sein, aus meinem Schneckenhäuslein über die Mauer schauen konnte. Aber immer wieder hatte ich das Gefühl, dass es ihm dann am besten ging, wenn es mir am schlechtesten ging. Mein Burnout, den er im Vorfeld nicht erkannte und auch nicht durch emotionale Unterstützung zu verhindern suchte – denn ich bin überzeugt, dass mir das in einer guten Partnerschaft so nie passiert wäre – wird mir heute regelrecht zum Vorwurf gemacht. Weil er ja dann auf der Arbeit so viel gefehlt hat, um für mich da zu sein! Und er wäre ja für mich da gewesen! Und er hätte ja reden wollen.

Dass das alles zu spät war und ich zu dem Zeitpunkt schon lange resigniert und die Schotten zugemacht hatte, wird heute nicht gesehen. Überhaupt, Selbstreflektion, was ist das? Oder Schuld und Verantwortung auch einmal bei sich selber suchen, sich gar zu entschuldigen, aufeinander zu zugehen wie erwachsene Menschen, bei diesem Mann scheint das ein Fremdwort zu sein. Statt dessen bin ich an allem, wirklich an allem Schuld.  Das ist die bittere Realität.

Natürlich habe ich weiß-Gott nicht alles richtig gemacht. Ich habe mir selber auch viele Fehler vorzuhalten. Aber ich kann das auch, denn reflektieren kann ich. Und es einsehen und mich entschuldigen kann ich auch.

Aber davon handelt der 3. Teil meiner kleinen Serie mitten aus dem Leben, „Eltern in Trennung“.