Der Generationenvertrag – warum wir auch Kinder bekommen oder warum auch nicht

Warum bekommt man in der heutigen Zeit überhaupt noch Kinder? Brauchen wir die wirklich noch? Immerhin haben wir bereits über 7 Milliarden Menschen auf diesem Planeten. Die sind zwar nicht ganz optimal verteilt, aber es sind irgendwie ziemlich viele. Zu viele mit zu hohen Ansprüchen.

Kinder kosten uns Eltern einen riesigen Haufen Geld. Im Laufe der Jahre kommt da schon mal locker ein sechsstelliger Geldbetrag (ich las erst kürzlich in diesem Zusammenhang wieder die Zahl 120.000 €) zusammen, bis der Nachwuchs endlich alt genug ist, um für sich selber zu sorgen. Wenn. Denn das schaffen nicht alle. Belohnt werden wir Eltern kaum dafür, dass wir zukünftige Steuerzahler und Rentenkasseneinzahler groß ziehen, dafür, dass wir jahrelang investieren und uns selbst zurück nehmen. Dafür, dass ein großer Teil der Mütter der Altersarmut entgegensteuert (oder sich bereits in ihr befindet) und die Wahrscheinlichkeit auch noch mit jedem Kind (dabei sind mehr Kinder = mehr zukünftige Steuerzahler) steigt. Wozu also bekommen wir Kinder? In diesem Land ist das einfach viel zu sehr ein „Privatvergnügen“, Eltern bleiben auf ihren Kosten sitzen. Sie haben die Kinder ja gewollt. Von einem Generationenvertrag keine Spur.

Was tun wir nicht alles für die lieben Kleinen in all den vielen Jahren, in denen sie bei uns wohnen. Und selbstverständlich auch noch darüber hinaus. Und das nicht nur finanziell. Wir verzichten auf vieles. Ausreichend Schlaf ist dabei nur eine Sache. Wir reiben uns auf an der verflixten Unvereinbarkeit von Familie und Beruf. Letzteres aber brauchen wir aus deshalb, um den Kindern in der heutigen, teuren Zeit etwas bieten  zukönnen. Und ich spreche hier noch nicht von teuren Konsumgütern. Auch Bildung kostet. Ja, und bei manchen gehts schlicht um das nackte Überleben.

Ich finde nicht, dass wir es leichter haben als die Elterngeneration vor uns. Uns fehlt oft qualitativ hochwertige Zeit mit unseren Kinder – und auch für uns selbst, denn meist müssen beide Elternteile irgendwie malochen gehen, um die Kinder zu ernähren. Wir haben auch kein ganzes Dorf mehr, das unsere Kinder mit groß zieht. Ehrlich gesagt sind wir ziemlich oft ziemlich alleine mit dieser Mammutaufgabe. Und dennoch bekommen wir Kinder. Zumindest eines, meistens eher zwei. Manche auch schon mal drei.

Was also erhoffen wir uns davon? Ist es einfach ein Instinkt in uns, der uns sagt: vögelt und mehret Euch, die Natur hat’s so gewollt? Lieben wir Kinder so sehr, dass wir uns – meist blauäugig und romantisch-verklärt – in dieses Abenteuer stürzen, welches uns unerwartet viel abverlangt?

Früher war vieles anders

Damals, noch zu Uromas und Omas Zeiten, da kamen die Kinder einfach so wie sie eben kamen. Man hatte einen Partner oder eine Partnerin (und musste natürlich nicht zwangsläufig mit ihm oder ihr verheiratet sein, was aber einem großen Skandal gleich kam) und hatte eben Sex. Frau wurde schwanger. Kind wurde geboren. Frau wurde irgendwann wieder schwanger. Noch ein Kind wurde geboren. Manchmal starb Frau auch bei der Geburt. Dann suchte der Mann eine andere Frau. Für die Kinder und den Haushalt und vielleicht auch ein bißchen für sich. Weitere Kinder wurde geboren. Bis das Haus voll war. Mindestens. Und alle mussten mit anpacken. So war das eben damals.

Dann gab’s so politische Bewegungen und auch medizinische Errungenschaften. Sie machten uns Frauen immer unabhängiger, zunächst von der Tatsache, bei jedem Mal Geschlechtsverkehr eine Schwangerschaft befürchten zu müssen, weil der Typ sich mal wieder gegen das Kondom gewehrt hatte (die es in der heutigen Form ja auch nicht immer gab. Ich frag mich manchmal, wie es wohl mit so manchem Ur-Kondom… aber lassen wir das, würde an dieser Stelle zu weit führen). Die Pille also. Super Sache. Nicht ganz ohne Nebenwirkungen, aber durch ihre Erfindung gab es nach sehr geburtenstarken Jahrgängen in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts (vermutliche auch zurückzuführen auf die „fetten Jahre“ nach dem 2. Weltkrieg) erst mal den sog. Pillenknick. Weniger Kinder wurde geboren. Man überlegte sich genauer, mit wie vielen Kindern man überhaupt sein Familienleben bereichern wollte. Und man brauchte ja auch nicht mehr Scharen von Kindern als Altersabsicherung. Denn inzwischen konnte man im Alter auf etwas Rente hoffen. Der ein oder andere sogar auf Pension. (Der Herr mit dem aufgerollten Hering, also Fürst Otto von Bismarck, hatte sich da an sich etwas Gutes ausgedacht, wenn politisch gesehen vielleicht auch etwas zum Selbstzweck. Aber das soll hier nicht Thema sein). Und in den Siebzigern und auch den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts glaubte man auch noch daran, dass man im Alter ausreichend Rente bekäme, von welcher man gut leben könnte. Selbst dann, wenn die eigenen Kinder sich nicht die Bohne um einen scherten oder als mittellose Straßen-Junkies Karriere machten.

Frauen opfern sich (auf), wenn sie Mütter werden

In früheren Jahrzehnten waren die Rollen der Geschlechter klarer verteilt als heute. Das machte es einerseits einfacher, führte aber vermutlich auch schon damals zu Unzufriedenheit, vor allem bei den Frauen, die diese aber sicher nicht so offen zeigen durften. Es galt der Glaubenssatz: eine Frau hat zu heiraten, Kinder zu bekommen und sich gefälligst um diese wie auch um einen perfekt geführten Haushalt zu kümmern. Der Mann hingegen sorgt hingegen für das nötige Geld – und für seinen eigenen Spaß. In den meisten Fällen wird das ganz gut funktioniert haben – zumindest nach außen. Aber die Zeiten änderten sich. Frauen wollten auch mal was sein, also außerhalb von selbstgestampftem Babybrei und Stoffwindeln, die täglich ausgekocht werden wollten – ohne Waschmaschine. Und es gab sie immer mehr, die Frauen, die auch Karriere machen wollten und es auch konnten. Trotzdem wurden noch Kinder geboren. Und spätestens beim zweiten stellte sich auch vor 30 oder 40 Jahren die Frage: wat nu? Also gab, wie auch meist heute noch, die Frau ihre Karriere auf. Eine Karriere, die unter Umständen wirklich diesen Namen verdient hatte und nicht nur aus einem Bürojob als Tippse oder Empfangsdame bestand. Und muss es denn so sein, dass jede Frau in ihrer Mutterrolle vollends aufgeht? Ich behaupte sogar, das war noch nie so, selbst in der Zeit nicht, als niemand etwas anderes von den zu Müttern gewordenen Frauen erwartete. Klar, Kinder sind toll. Manchmal anstrengend und nervenaufreibend und zum an-die-Wand-klatschen, aber generell schon toll. Dennoch darf eine Frau die Karriere oder die Möglichkeiten, die sie hatte, bevor die Kinder da waren, doch vermissen, denke ich. Und mitunter darunter leiden. Die meisten allerdings tun dies still und heimlich. Zu groß ist das in der Gesellschaft verankerte Schuldgefühl.

Spätestens wenn so manches (feinfühlige) Kind größer wird, erkennt es vielleicht, was die Mutter (oder eben auch der Vater) da für Opfer gebracht hat. Und sieht sich in der Schuld. Dieses Phänomen passiert vermutlich häufig ganz unbewusst, oder zumindest nur teilweise kann das betreffende „Kind“ (in Anführungszeichen, denn es wird zu dem Zeitpunkt der Erkenntnis häufig schon erwachsen sein oder zumindest auf dem besten Wege dahin) sich vollends bewußt machen, was da geschieht.

Kinder als Altersversorgung

In früheren Zeiten war das so. Man bekam Kinder. Man brauchte Kinder, um im Alter gut versorgt zu sein. Und heute? Auch heute werden die Kinder mit herangezogen, wenn die oft recht spärliche Rente der eigenen Eltern nicht ausreicht, aber hohe Kosten für Alters- und Pflegeheime anfallen. In einer alternden Gesellschaft mit immer höherer Lebenserwartung kann das schon mal vorkommen. Und seien wir ehrlich, nicht jedes Eltern-Kind-Verhältnis gestaltete sich immer so gut, dass die Kinder am Ende gerne den Eltern das zurück geben, was sie einst von ihnen bekommen haben. Wurzeln und Flügel. Oder eben auch: Liebe und finanzielle Unterstützung.

Aber es gibt sie noch, die Kinder, welche für ihre Eltern da sind oder da sein wollen, und zwar in vielerlei Hinsicht. Es sind Kinder, die sich mitunter schuldig fühlen. Und aus diesem Schuldgefühl heraus und weil sie ihre Eltern eben lieben, fühlen sie sich verantwortlich, im Gegenzug nun für ihre Eltern da zu sein. Manche sind dafür bereit, ihr eigenes Leben, vielleicht ihre Träume nach einer eigenen, selbst gegründeten Familie und somit auch nach eigenen Nachkommen, nicht wirklich zu verfolgen. Sie sehen all die Opfer, die ihre Eltern einst für sie brachten. Was sie auf sich genommen oder gar zurück gelassen haben, damit es ihren Kindern einst besser gehen sollte. Die Eltern haben sich selbst ein großes Stück weit aufgeopfert und ihre Kinder meinen nun, gleiches für sie tun zu müssen. Wie bereits erwähnt, ich glaube, dies geschieht oft ganz unbewusst. Und keiner der Beteiligten würde diese Erwartungen offen aussprechen. Gerade wir Kinder der Kriegs- und Nachkriegskinder sind mitunter besonders betroffen. Denn unsere Eltern mussten häufig mit sehr vielen Entbehrungen groß werden, wurden vielleicht vertrieben oder gingen freiwillig, haben dabei alles verloren, auch geliebte Menschen. Sie wurden auch noch anders „erzogen“. Leid und Traurigkeit über diese Ereignisse durften nicht gezeigt werden. Es wurde über vieles schlicht geschwiegen. Was Frauen während und nach dem Krieg leisteten, aber auch ertragen mussten, fasziniert mich immer wieder. Sie waren in großen Teilen das, was wir heute als „Alleinerziehende“ bezeichnen. Und ich bin mir sicher, dass sie sich darüber eben nicht öffentlich beklagt haben. Es war eben so. Auch der Staat hat das nicht auffangen können, was viele Alleinerziehende heute fordern. Vielleicht gab es teilweise ein besseres soziales Netz, also andere Frauen und das in mehreren Generationen, die sich gegenseitig unterstützten. Aber ansonsten muss das eine sehr schwierige Zeit gewesen sein, um Kinder groß zu ziehen oder selber Kind gewesen zu sein. Alles das kann uns Kindern dieser Eltern eine besondere Last aufbürden.

Aber rechtfertigt all das von mir erwähnte eine Aufopferung der Kinder für ihre Eltern?  Verlangen Eltern sogar danach? Sind sie damit vielleicht sogar einverstanden?

Müssen Kinder für ihre alternden Eltern da sein – um jeden Preis?

Jein. Können sie, sollten sie versuchen. Aber nicht um den Preis des eigenen Glücks und der eigenen Vorstellung von einem zufrieden stellenden, eigenen Leben.

Ich selber habe meine Kinder unter anderem auch aus der Idee heraus bekommen, als alte Frau im Lehnstuhl noch jemanden um mich zu haben, der zur Familie gehört. Im Idealfall. Ob dies einst so sein wird, kann heute niemand mit Gewissheit sagen. Ich habe aber niemals daran gedacht Kinder zu bekommen, um im Alter einmal finanziell abgesichert zu sein, wenn der alte Sparstrumpf leer ist. Naiv wie ich bin, hoffe ich da immer noch auf staatliche Unterstützung durch meine jahrelange Berufstätigkeit (die ich bisher für meine Kinder eben nicht an den Nagel gehängt habe). (Allerdings bin ich erst spät in meinen Beruf gestartet und habe somit auch dadurch Abstriche zu machen). Ich dürfte also viele Jahre gearbeitet und – quasi nebenbei – Kinder groß gezogen haben. Was mir einiges an Opfern abverlangt, wie ich eingangs schon erwähnte. Was ich aber vielmehr hoffe ist, dass ich meinen Kindern genug mitgeben kann, damit sie ihren ganz ureigenen Weg finden und gehen können. Und Zufriedenheit und Freude erlangen. Ich hoffe, dass sie einen Beruf ergreifen können, der ihnen Spaß und Erfüllung bringt und dennoch dazu ausreicht, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Als Musikerin weiß ich, dass es nicht immer einfach ist, den Studiengang nach eigener Gesinnung zu wählen und damit dann später ein ausreichendes Einkommen zum auskommen zu haben. Als Mutter, so nehme ich es mir zumindest vor, würde ich meinen Kindern aber nie in ihre Entscheidungen reinreden. So haben es auch meine Eltern gehandhabt. Und kein Kind sollte sich meiner Meinung nach später grämen, wenn es nicht schafft, seine Eltern im Alter zu unterstützen oder ihnen gar ein eigenes Haus zu finanzieren. So wie wir Eltern es nicht immer schaffen, unseren Kindern ein üppiges Erbe zu hinterlassen. Wir alle bringen unsere ganz persönlichen, kleineren oder auch größeren Opfer, allerdings haben wir unsere Kinder auch nicht gefragt, ob sie Teil dieser Welt werden wollen. Wir haben über ihre Köpfe hinweg entschieden, als wir ihnen das Leben schenkten. Niemals würde ich erwarten, dass sie für mich ihre Träume zurückstellen, nur um mich im Alter aufzufangen. Ich finde, als Eltern darf man das nicht von seinen Kindern erwarten oder gar einfordern. Man darf hoffen, dass sie vielleicht Sonntags mal zum Essen vorbei kommen oder einen Weihnachtsfeiertag mit einem verbringen – und die Enkelkinder mitbringen. Aber alles andere, Aufopferung der Kinder für die eigenen Eltern, das sehe ich persönlich nicht. Und würde es nicht zulassen wollen. So zumindest meine Meinung zum jetzigen Erfahrungsstand.

Nun, über 20 Jahre vor der Rente hab ich noch leicht Reden. Aber es sind Gedanken, die man sich ruhig einmal machen darf, wenn man Kinder in diese Welt setzen möchte. Wer kann heute schon mit Gewissheit sagen, was einmal sein wird? Das wäre wohl zu einfach. Es ist und bleibt spannend, gerade in den heutigen Zeiten! Lasst uns einfach so viel wie möglich tun, damit Träume wahr werden. Auch die eigenen. Und das dürfen auch Träume von einem ruhigen Leben mit eigenen Kindern und Enkelkindern sein. Ohne Verpflichtungen, Schuldgefühle und übergroßem Verantwortungsgefühl. Einfach nur mit Liebe, Respekt und Anerkennung dessen, was geleistet wurde und wird.

 

 

Eltern in Trennung – Teil 2

Warum Beziehungen scheitern können und weshalb man das akzeptieren sollte. Eine Bestandsaufnahme.

Ich versuche, Bilanz zu ziehen nach einer langen Beziehung, nach einem langen Weg, den man gemeinsam gegangen ist. In einer langen Zeit, in der man verschiedene Phasen des eigenen Lebens in Anwesenheit des anderen durchlaufen hat. Dies kann eine Zeit der tiefsten Prägung für die Zukunft und somit auch für eine folgende Beziehung sein.

Dies hier soll keine „Abrechnung“ sein, nur niedergeschriebene Erklärungsversuche für mich selbst. Vielleicht helfe ich dem ein oder anderen damit. Jedenfalls versuche ich gerade, mir selber zu helfen, denn ich kann nicht mehr. Der derzeitige Zustand zermürbt mich, es zieht mich emotional extrem runter. Ich glaube sogar, dass das so gewollt ist. Ich soll klein beigeben, zusammen brechen (erneut!). Das mag eine Unterstellung sein, aber sie liegt so nahe.

Auch der Sich-Trennende leidet

Warum mache ich nach 16 Jahren und zwei gemeinsamen Kindern Schluß? Warum sieht es nach außen hin vielleicht so aus, als sei das ganz einfach für mich, eine Entscheidung aus einer Laune heraus? Ich kann sagen, dass es das eben nicht ist. Denn sonst hätte ich schon eher diesen Schritt gewagt. Aber auch ich habe moralische Bedenken, also meinen Kindern gegenüber. Auch ich hatte den Traum von einer heilen, glücklichen Familie.

Aber irgendwann kam die Erkenntnis: besser ein beherzter Trennungsschritt als ein jahrelanges Dahinsiechen der Partnerschaft oder Ehe! Doch genau diese Entscheidung erfordert Mut und Entschlossenheit. Wenn nicht, kann ein langsamer, depressiver Prozess einsetzen, der eine große Gefahr darstellt, nämlich seelische Krankheiten und körperliche Fehlfunktionen. Ja, hallo Burnout. Und hallo scheiss Zustand, in dem ich mich gerade befinde, niedergeschlagen und teilweise depressiv-verstimmt. Verzweifelt und traurig. Also lieber ein Ende mit Schmerz, als Schmerz ohne Ende.

Das Leben der anderen

Es wird vermutlich immer Leute geben, die mich verurteilen werden. Es wird Leute geben, die denken, ich mache das alles aus einer oberflächlichen Laune heraus oder weil ein anderer Mann meinen Weg gekreuzt hat. Es dürfte immer Leute geben, die einen neuen Partner in solch einer Situation als denjenigen betrachten, der die Ehe auseinander gebracht hat. Es wird immer Leute geben, die urteilen, ohne nach den Hintergründen zu fragen. Die Dinge sagen werden wie, „Die armen Kinder, wie kann sie das nur tun“ und „Ihr Mann ist doch so ein netter Typ“. Auf all das stelle ich mich ein und ganz ehrlich – es geht mir schon jetzt ziemlich am Allerwertesten vorbei. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich so unheimlich viel auf das Gerede und die Meinungen anderer über mich gebe. Das ist auch etwas, was ich nach meinem Burnout verbessern konnte.

Nur  i c h weiß, wie lange schon und wie heftig ich mit mir ringe. Nur ich weiß, durch welchen Gefühlssumpf ich gehe. Und nur ich kenne mein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht weiter zur völligen Aufopferung zur Verfügung stelle, bis meine eigene Gesundheit noch mehr darunter leidet.

Hey Leute, ich war ganz tief unten, mein Körper hatte sämtliche psychosomatische Register gezogen, die so ein Körper ziehen kann, und die alle gleichzeitig. Ich habe geglaubt, mein Leben wäre zu Ende. Aber ich bin noch da und in diesem einen Jahr, das vergangen ist, habe ich verdammt-noch-mal erkannt, was ich will, welche Werte mir im Grunde genommen wichtig sind und vor allem weiß ich, was ich nicht mehr will.

Ich will nicht mehr mit einem Menschen zusammen leben, der mich so viel vermissen lässt und mich seit Jahren – ob bewusst oder unbewusst spielt erst einmal keine Rolle – dermaßen runterzieht, dass ich mich gezwungen sehe, einen neuen Weg zu gehen, wenn ich am Leben bleiben möchte. Ich weiß schon lange: mit diesem Mann kann und will ich nicht alt werden. Nur für die Kinder wollte ich so lange wie möglich durchhalten. Aber wie lange kann ein „so lange wie möglich“ sein?

Es ist nicht neu, was für manch Außenstehenden neu erscheinen mag

Ich habe den Trennungswunsch und diese Empfindungen und Gedanken nicht erst seit letztem Jahr. Ich hatte sie schon einige Jahre davor, immer wieder. Ich hatte sie auch schon, noch bevor meine Kinder 2011 und 2013 geboren wurden. Irgendwas hat sich für mich schon lange falsch angefühlt. Und das weiß nicht nur ich, sondern das wissen engste Freunde von mir, das weiß meine Familie, also meine Mutter, mein Bruder (und natürlich mein Papa auf seiner Wolke). Sie alle kennen meine jahrelangen Zweifel, meine Äußerungen darüber, haben teilweise die Auseinandersetzungen mitbekommen. Und sie haben sich teilweise immer wieder gewundert. Darüber, dass ich weitergemacht habe, dass ich das Haus gekauft habe, vor allem, dass ich die Kinder bekommen habe mit diesem Mann. Meine Kinder, die ich über alles liebe und derenwegen ich versucht habe, immer wieder durchzuhalten in einer Lebens- und Paarsituation, die sich für mich immer falscher und falscher anfühlte, einfach nicht (mehr) zu mir passt. Muss eine Beziehung so sein, dass man versucht, dem anderen das Gefühl zu geben, klein und unbedeutend zu sein und alles falsch zu machen? Müssen Machtausübung und Dagegensprechen, müssen Ablehnung und Ignorieren des Partners wirklich sein? Muss eine Beziehung um jeden Preis weitergeführt werden, wenn das Kommunikationsverhalten auch nach wiederholten Verbesserungsversuchen einfach nicht zu ertragen ist? Wenn man nicht mehr weiß, wie man mit seinem Partner Probleme und Sorgen besprechen kann, wenn egal was man sagt, einem kein Verständnis oder Wohlwollen entgegen schlägt, sondern ein „Dagegen“ und sogar Ignoranz?Zumindest keine großartige Empathie, kein Trost oder ein gemeinsames Suchen nach Lösungen. Irgendwann bleibt einem nichts übrig als der eigene Rückzug. Und man fühlt sich mit allem verdammt alleine, unverstanden und ungeliebt. Und jedes einst positive Gefühl für den Partner geht den Bach hinunter.

Muss man all das ertragen wenn es darum geht, einen Alltag mit Kindern zu organisieren? Was ansich schon anstrengend ist und einem sowieso schon so viel Kraft abverlangt. Wenn dann statt eines Miteinanders gefühlt nur ein Gegeneinander stattfindet, neigt sich die Kraft schnell dem Ende zu. Gegenseitige blöde Bemerkungen sind in einem anstrengenden Alltag doppelt zermürbend.

Wenn zwei sich streiten, freut sich vielleicht ein dritter

Die Außenwelt mag denken was sie will. Das Stöckchen war schon lange weggezogen, welches den Stein des Anstoßes ins Rollen brachte. Dass der Stein an Geschwindigkeit zunahm, als ich bemerkte, dass ich Gefühle für einen anderen Mann habe, möchte ich nicht bestreiten. Überhaupt, dieses Gefühl des Verliebtseins kannte ich nicht mehr, hatte sogar geglaubt, dazu nicht mehr fähig zu sein. Aber ich weiß jetzt: es geht noch. Und es lag nicht an mir alleine.

So ist es also. Ich mag nichts mehr schönreden

Ich bin also seit Jahren total unzufrieden und unglücklich in dieser Partnerschaft. (Ich bin auch seit Jahren total untervögelt, aber das nur am Rande). Mir wird seit Jahren nicht zugehört, meine Trennungswünsche in der Vergangenheit wurden nie ernst genommen. Am nächsten Tag wurde weitergemacht wie immer, alles ignoriert und ich fühlte mich somit nicht für voll genommen. Heute wird sogar mehr oder weniger behauptet, dass es diese Ansagen von mir nie gegeben hätte. Auch nicht die Gespräche, die ich suchte, Monologe die ich führte, um irgendetwas noch zu retten oder zu bewegen. Leises Flehen, er möge sich doch auch (mal) Hilfe von außen holen, brachte nur ganz kurz einen Lichtblick und war so nicht ganz der richtige Weg. Und es war schon zu spät.

Ich habe meine Unzufriedenheit offen gezeigt. Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung und die Liebe groß. Denn ich bin kein guter Schauspieler.

Ja klar, es gab auch gute Momente, Phasen, in denen dieser Mann nett zu mir war, sich bemühte und ich Hoffnung schöpfte. Es waren die Momente, die mich dann erst einmal zum bleiben animierten. Und in denen auch ich wieder anders sein, aus meinem Schneckenhäuslein über die Mauer schauen konnte. Aber immer wieder hatte ich das Gefühl, dass es ihm dann am besten ging, wenn es mir am schlechtesten ging. Mein Burnout, den er im Vorfeld nicht erkannte und auch nicht durch emotionale Unterstützung zu verhindern suchte – denn ich bin überzeugt, dass mir das in einer guten Partnerschaft so nie passiert wäre – wird mir heute regelrecht zum Vorwurf gemacht. Weil er ja dann auf der Arbeit so viel gefehlt hat, um für mich da zu sein! Und er wäre ja für mich da gewesen! Und er hätte ja reden wollen.

Dass das alles zu spät war und ich zu dem Zeitpunkt schon lange resigniert und die Schotten zugemacht hatte, wird heute nicht gesehen. Überhaupt, Selbstreflektion, was ist das? Oder Schuld und Verantwortung auch einmal bei sich selber suchen, sich gar zu entschuldigen, aufeinander zu zugehen wie erwachsene Menschen, bei diesem Mann scheint das ein Fremdwort zu sein. Statt dessen bin ich an allem, wirklich an allem Schuld.  Das ist die bittere Realität.

Natürlich habe ich weiß-Gott nicht alles richtig gemacht. Ich habe mir selber auch viele Fehler vorzuhalten. Aber ich kann das auch, denn reflektieren kann ich. Und es einsehen und mich entschuldigen kann ich auch.

Aber davon handelt der 3. Teil meiner kleinen Serie mitten aus dem Leben, „Eltern in Trennung“.

 

Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

Eltern in Trennung – Teil 1

„Das Leben ist kein „Ponyschlecken“, wir gehen durch unsere kleineren und größeren Krisen und wissen manchmal nicht, wo der Weg uns hinführt. Wir streben nach Glück und Zufriedenheit und das ist gut so. Viel schlimmer wäre es wohl, wenn jegliches Streben eingestellt und nur noch kampflos hingenommen werden würde.

Nach einigen Jahren der größeren Krise in meinem eigenen Leben, nach Erschöpfung und Zusammenbruch, nach stark gespürter Unzufriedenheit und vielen Zweifeln, habe ich mich in ein neues Leben aufgemacht, unter anderem mit psychotherapeutischer Unterstützung, aber auch durch viel Selbstreflektion. Nach dem ich jahrelang eigene Bedürfnisse und Gefühle ignoriert habe, ignorieren musste, habe ich durch meine Erkrankung und die Zeit danach erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf und die unzufriedene Mutter und Frau niemandem nützt. Und das mein eigenes Leben etwas wert ist, MIR etwas wert sein sollte. Und in der berühmten Lebensmitte, also so um die 40, gehen so einige Menschen in sich, ziehen Bilanz und sortieren ihr Leben noch einmal neu.

Manchmal muss sich einfach etwas ändern

Nach dem ich in beruflicher Hinsicht wenig ändern konnte und wollte (außer zu mehr Gelassenheit zu gelangen), war es mein Privatleben, meine Beziehung zu Menschen und zu meinem Mann, wo ich ansetzen musste. Dass meine Ehe seit Jahren schon für mich wenig Glück bedeutete, war hierbei keine neue Erkenntnis, aber dazu später mehr.

Viele Jahre fühlte ich mich – heimatfern und entwurzelt – sozial ziemlich abgeschnitten und einsam. Dann fand ich eine inzwischen gute Freundin hier im Ort und durch ein neues Hobby tolle Menschen in der Nähe. Und endlich konnte ich das auch wieder zulassen, dieses Zwischenmenschliche, was mir in meinem Leben so sehr gefehlt hatte.

Bloggen als Lebenshilfe

Aber es sind nicht immer nur die Menschen von nebenan. Mir bleibt wenig Zeit, andere Blogs mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Ich habe es aber zu schätzen gelernt, auf diese Weise in die Gedanken anderer einzutauchen. Ich schätze es sehr, wenn die fleißigen Blogger da draußen uns auf diese Weise an ihrem teilweise tiefsten Gefühlsleben und ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen. Gerade als geforderte Mutter mit Beruf und Haushalt, mit Problemen und Sorgen tut es immer wieder gut, durch dieses Medium zu sehen: ich bin nicht alleine mit dem ganzen Mist! Da sind andere. Und zu lesen, wie sie damit umgehen, kann mir helfen, meinen eigenen Weg zu gestalten.

Minusch ist eine von den wenigen, bei denen ich regelmäßig mitlese. Und ihre Offenheit fasziniert mich und tut mir immer wieder gut. Daher möchte ich einen ihrer aktuellsten Beiträge hier mit Euch teilen. Sie beschreibt darin so wunderbar die verschiedenen Phasen rund um die Trennung von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, die Schwierigkeiten drum herum. Sie lässt uns teilhaben an ihrem Leben alleine mit zwei Kindern, alleine in dieser großen Verantwortung ohne nennenswerte Unterstützung und mit finanziellen Problemen. Dabei sich und die eigenen Bedürfnisse nicht ganz aus den Augen zu verlieren, ist eine weitere Herausforderung nach einer Trennung. Um eben weiterhin durchzukommen, klar zu kommen und unter der riesigen Last möglichst nicht zusammenzubrechen, bedarf es der Mobilisierung oft letzter Kraftreserven. Immerhin ist das Aufziehen von Nachwuchs schon mit Partner ein echter Kraftakt.

Warum überhaupt Trennung?

Minusch ist nur eine von vielen Alleinerziehenden, meist ja Frauen, hierzulande. Und die Zahl steigt. Woran kann das liegen? Gehen Paare, die auch Eltern sind, heute wirklich leichtfertigen auseinander? Ich sage: jein! Manche tun das vielleicht, aber viele hadern ewig lange, grübeln und wägen ab.Aber wenn es einfach nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr!

Meine Mutter sagte vor einigen Wochen zu mir, dass Männer oft an einer eigentlich unbefriedigenden Situation / Paarbeziehung festhalten, während Frauen die Unzufriedenheit deutlicher spüren (und eher seltener mit einer simplen Sex-Affäre außerhalb zu kompensieren suchen) und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Und das kann ich auch beobachten. Immer öfter geht die Trennung von der Frau aus, und das, obwohl sie sich dann mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert sieht als zuvor. Oftmals bringt es neben dem ganzen Schmerz rund ums Scheitern der Beziehung auch finanzielle Probleme mit sich. Das Männergehalt fällt weg, Frauen verdienen im Schnitt aber weniger, können wegen der Kinder vielleicht nur in Teilzeit arbeiten und ähnliche Aspekte spielen hier eine Rolle. Wenn frau Glück hat, gibts zumindest Unterhalt für die Kinder und im besten Fall einen Vater, der sich sowieso kümmert. Aber das ist nicht immer so.

Gründe für eine Trennung sind vielfältig

Frauen, die eine Trennung initiieren, werden triftige Gründe haben, und das sind nicht immer ein „wir haben uns halt über die Kinder auseinander gelebt“, „die Liebe ist entschwunden“, „Ich hab mich in eine(n) andere(n) verguckt“ oder ähnlich banal erscheinende Gründe. Nein, ich spreche hier von häuslicher Gewalt, vom schlagenden und drohenden Mann, von psychischer Gewalt, von Unterdrückung und Machtausübung von Seiten des Mannes. Damit gebe ich nicht per se Männern die Schuld an einer Trennung oder schließe die Schuld auf Seiten der Frau generell aus. Aber es ist erschreckend, was hinter den Fassaden noch immer vor sich geht. Da kann eine Trennung ein echter Befreiungschlag und sogar im Sinne der Kinder sein. Ein „wir müssen aber wegen der Kinder zusamnenbleiben“, halte ich nicht für die ideale Lösung, wenn Spannungen und Streitereien den Alltag bestimmen und aggressives Verhalten, verbal oder gar körperlich, sogar im Beisein der Kinder ausgetragen wird.

Ich bin selber gerade in diesem Prozess, bin mittendrin. Meine Ehe ist gescheitert. Eine Trennung ist unausweichlich nach jahrelanger Unzufriedenheit und psychischer Überforderung meinerseits in einer Lebenssituation, die mich mit in den Burnout trieb. Davon aber mehr in der Fortsetzung zu diesem Thema.

 

Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.

Leben mit Kindern I

Ich wurde draußen gerade abgelöst bei der Kinderbetreuung. Endlich mal durchschnaufen. Auch wenn es schön war in der Sonne. Der Sohn ist heute seiner kleinen Schwester gegenüber mal wieder ziemlich aggro. Und die Tochter ist derzeit recht weinerlich und trotzig. Fühlt sich irgendwie wie Pubertät an. Sie ist 3 1/2. Das ist halt auch anstrengend.

Seit heute nacht um 4 Uhr war sie wieder wach. Nächste Nacht lege ich mich also wieder zu ihr. Dann schläft sie schneller wieder ein und ich finde den Nuckel, ohne dass ich dafür erst mal über den großen Flur tapern und ihn lange suchen muss.

Heute also dann Urlaubstag genommen, so habe ich noch eingepfercht zwischen meinen beiden Kindern bis fast 8 Uhr schlafen dürfen. Helau. So langsam werden sie knapp, die Urlaubstage. Morgen ist Sonderurlaub, Sohn wird vom Amtsarzt auf Schultauglichkeit untersucht. Wieder helau!

Heute habe ich dann beide um halb 10 in den Kindergarten gebracht, und das ging nur mit dem Versprechen, sie um 12 Uhr wieder abzuholen. Endlich mal Zeit, um ein paar Stellen sauber zu machen, zu denen ich sonst nie komme bzw. die ich schon am Wochenende machen wollte. 2 Stunden putzen, wie immer also doch unter Zeitdruck, aber ohne wuselnde Kinder. Und nur 10 Minuten, um endlich zu frühstücken – um viertel vor 12.

Boah, ich hasse Staub. Davon gibt es hier aber immer genug. Und in dem Zusammenhang noch ein Rat von mir: lasst Eure Kinder niiiiiemals nie nich mit Styropor Frau Holle spielen. Das kann man nur bereuen. Ich habe am Samstag ganze 2 Stunden im Wohnzimmer rum gesaugt, auch die Kinder selber abgesaugt, nur deswegen, und noch immer finde ich weiße Fitzelchen. Auch die Kleidung der Kinder von diesem Tag wartet noch auf Dekontermination. Hölle (nicht Holle)! Fast noch schlimmer als Sand und auf jeden Fall schlimmer als Playdoh-Knete. Man muss wissen, ich gehöre zu den Leuten, die sich wegen jedes Fussels und Krümmelchens bückt. Und ich bin ziemlich oft mit einem Staubsauger bewaffnet. Es ist zum niederknien. Und trotzdem, in diesem Haus kann man Dreck und Chaos nicht Herr, pardon, Frau werden. Ich arbeite da gegen drei (!) sehr unordentliche Menschen an (wobei, die Tochter geht, die räumt schon mal etwas weg). Der eine Mensch davon ist fast 40 und alles andere als ein Ordnungs-Genie. Er wird sofort sauer und wütend wenn man ihn mal bittet, etwas von seinem Kram wegzuräumen.

Leben mit Kindern halt. Ich darf jetzt endlich mal wieder üben. Scheiß auf den Rest. Alaaf!

P. S.: Und der Tochter die Klamotten wechseln.

P. P. S.: Und mich freuen. Die Freunde, die gerade den besten Kumpel vom Sohn vorbeigebracht haben, kommen nachher mit Pizza wieder. Ich habe keinen Hunger, aber ich freue mich auf Lachen und einen gemeinsamen Abend.

Das Wunschgeschlecht – ein Tabu

20160528_175103

(Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Im letzter Zeit habe ich mehrere Blogbeiträge zu diesem Thema gelesen. Der Tenor lautete, dass wir uns gefälligst über jedes Kind gleich stark zu freuen haben, also ganz gleich, ob es ein Mädchen oder Junge wird. „Hauptsache gesund!“ Der Wunsch nach einem bestimmten Geschlecht gilt als verpönt.

Natürlich sind wir erst einmal froh und erleichtert, wenn wir ein gesundes Kind zur Welt bringen. Aber unabhängig davon kann ich die zwiespältigen Gefühle, die eine Schwangere oder auch der zukünftige Vater haben können, wenn ihnen auf dem Ultraschallbildschirm das Geschlecht ihres zukünftigen Mitbewohners entgegen leuchtet, gut nachvollziehen.

Kleidchen, Zöpfchen, Puppenspiel

Ich wollte immer ein Mädchen. Wenn Kinder, dann auf jeden Fall ein kleines Mädchen. Ein Herzenswunsch, woher auch immer der kam. Vielleicht, weil ich selber ein Mädchen war / bin, und das gerne und aus voller Überzeugung. Kleine Mädchen haben mich immer mehr in ihren Bann gezogen als kleine Jungs. Ich weiß halt eher, wie die ticken. Denn das hier – bei allem Bedienen von Klischees – Unterschiede aufgrund unterschiedlicher Hirnfunktionen vorhanden sind, davon bin ich überzeugt.

„Herzlichen Glückwunsch,  es wird ein Junge!“

Mein erstes Kind hat sich schon sehr früh als Junge geoutet. Der Schniedel auf dem Monitor war nicht zu übersehen. Ich war vorbereitet, denn wenige Wochen zuvor hatte mir ein Wahrsager ungefragt die frohe Botschaft kund getan. Er sollte also Recht behalten (allerdings nicht mit Geburtstermin und Gewicht, höhö).

Ich war enttäuscht. Ja, ich war kurz traurig. Und dann lies ich mich darauf ein, ändern konnte ich es ja nicht.

Der „Stammhalter“, wie man es so gerne ausdrückt, wurde geboren. Ich tat mein bestes, aber im Hinterkopf lauerte,  „Das zweite MUSS ein Mädchen werden!“

Wer meinen Blog schon länger verfolgt weiss, das mir dies gelungen ist. Für mein Seelenheil war das ganz wichtig. Und so habe ich das nicht ganz dem Zufall überlassen, sondern Zeitpunkt der Zeugung, die Stellung und sogar den Chinesischen Empfängniskalender als unterstützende Mittel hinzugezogen. Auch wenn letzteres nicht immer zutrifft, bei mir hatte er beide Male recht.

Ungewisse Wochen

Schon in der 11. SS sagte mir der Pränataldiagnostiker, dass es wohl ein Mädchen würde, er es aber nicht in letzter Bestimmtheit sagen könne. Ich hatte nicht danach gefragt.  Erst 15. Wochen später hatte ich absolute Gewissheit, als er bei der nächsten Untersuchung und nach der Frage, ob wir wissen wollten, was es wird, mit dem ersten Ansetzen des Schallkopfes genau das Geschlecht traf. Meine Freude war entsprechend groß. Ein Herzenswunsch, ein Lebenstraum sollte wahr werden. Und endlich konnte ich den Namen vergeben, den ich schon vor meiner ersten Schwangerschaft in petto hatte.

Einer Freundin ging es ähnlich. Und das ist nicht die einzige Frau, von der ich sicher weiß, dass sie sich eine Tochter wünscht oder gewünscht hat. Der Wunsch nach einem Jungen ist meiner Erfahrung nach unter Frauen weniger weit verbreitet als unter Männern.

Und ich kenne Mütter, die auch nach zwei oder drei Jungs gerne noch einen weiteren Versuch auf ein Mädchen starten würden / gestartet hätten.

Warum dieses Gefühl?

Woher auch immer das innige Bedürfnis nach einer Tochter stammt, vielleicht aus der Evolutionsgeschichte heraus, in der uns ein geborenes Mädchen eher als Hilfe im Haus zur Verfügung steht oder wie auch immer – ich finde, wir sollten uns dieses Gefühls nicht schämen. Das belastet nur zusätzlich. Und ja, ich fühle mich unendlich reich beschenkt und dankbar für mein Pärchen. Ein Junge UND ein Mädchen, ein unendlich großes Glück in meinem Muttersein. Aber natürlich birgt es auch eine gewisse Gefahr, wenn sich diese Gefühle unbewusst auf die Kinder übertragen.

Es ist sicher ebenso ein Tabu zuzugeben, dass man seine Kinder unterschiedlich stark liebt

Ja, gefühlsmäßig stehe ich meiner Tochter nach wie vor näher als meinem Sohn. Es tut mir leid, aber es ist nun einmal ein vorhandenes Gefühl. Ja, vielleicht schadet es sogar der Mutter-Sohn-Bindung. Und lange habe ich mich gefragt, ob es bei den Problemen zwischen den Geschwistern eine Rolle spielen könnte oder das schwierige Verhalten vom Sohn begünstigt.

Ich weiß es nicht. Vielleicht wird sich auch einst alles umkehren, wenn die Kinder älter sind. Vielleicht hat die Tochter es auch leichter, weil sie das zweitgeborene ist, ich bereits Erfahrung als Mutter hatte und sie insgesamt das „einfachere“ Kind ist. Das alles verbuche ich vorerst unter den Begriff Spekulation. Am Ende bleibt nur zu sagen, „Es ist wie es ist!“