Mütter gegen Mütter – Teil II

Kürzlich war ich sehr begeistert von dem Text über die nicht immer zu verleugnenden Feindseligkeiten zwischen Müttern auf Kinder haben und trotzdem leben. Aber welche Erfahrungen habe ich selber mit dem Thema „mommy wars“ gemacht? Habe ich selber schon welche erlebt und am eigenen Leibe spüren müssen, wie eine Mutter mich „basht“ oder ich sie? Oder halte ich mich da eher heraus?

Wohl eher letzteres. Zumindest versuche ich das. Letztendlich glaube ich, handelt es sich hier um ein sehr sensibles Thema, was man nicht zuletzt an der Präsenz in den sozialen Medien erkennt. Es wird vermutlich immer kontrovers diskutiert werden, da es durchaus menschlich ist, anderen seine Meinung überstülpen zu wollen oder deren Meinung nur schwer hinnehmen kann. Der berühmte Satz „Wie man es macht, macht man es falsch!“ kommt hier einfach voll zum Tragen.

Die Mütter in meiner Umgebung

Ich habe eher wenig oder nur sporadischen Kontakt zu anderen Müttern, was unter anderem mit meiner zeitintensiven Berufstätigkeit zu tun hat. In meinem Job sind Frauen in der Minderheit – Mütter sowieso. Bisher sind wir zu zweit. Manche Mütter sind Freundinnen von mir, die ich noch aus der Zeit kenne, als wir „nur“ Frauen waren, also kinderlose Studentinnen und Berufsanfängerinnen, die ihren Weg im Leben suchten. Gerne hätte ich mehr Kontakt zu ehemals (guten) Freundinnen, Mitschülerinnen und Kommilitoninnen, die heute – so wie ich – Mütter sind. Dann wären es eben genau die Frauen, mit denen ich schon damals eher auf einer Wellenlänge lag. Ich glaube nämlich, dass sich auch unsere Ansichten in punkto Kindererziehung und Vorstellungen im Leben mit Kindern weniger unterscheiden würden und Kriege kaum aufkämen – eben weil wir damals schon so gut harmonierten. Oder wir ganz einfach so viel Achtung voreinander hätten, nicht auf den Erziehungsmethoden der anderen herumzuhacken. Vermutlich ist die Hemmschwelle dazu niedriger, wenn man sich quasi kaum kennt – und die Sympathien auch nicht unbedingt gegeben sind. Okay, eine Gefahr gibt es immer, nämlich nicht ganz ehrlich zueinander zu sein – oder nicht alles auszusprechen, was man denkt. Denn muss man das?

Bevor ich nämlich etwas sage, was zu einer riesengroßen Grundsatzdiskussion führen könnte, sage ich eher gar nichts. So z. B. geschehen im letzten Sommer, als eine langjährige Freundin von mir mit ihren zwei Kindern für zwei Tage bei uns zu Besuch war. Ihre Kinder sind nur wenig älter als meine. Wir machen sicher nicht alles gleich, auch unsere Leben und unsere Einstellungen unterscheiden sich teilweise, auch wenn wir einst sehr eng befreundet waren. Ich habe nichts gesagt, als ich während dieser Tage immer wieder miterleben musste, wie ihre Kinder so lange am Tisch sitzen bleiben mussten, bis sie ihre Portionen aufgegessen hatten – obwohl es sich innerlich in mir sträubte. Ich beobachtete ihre 5jährige Tochter, die sich die letzten Bissen Pizza reinquälte, da sie sich in ihrem Übermut und aus einer gewissen Fehleinschätzung heraus einfach noch ein Stück hatte geben lassen. Meine Freundin meinte, mit dieser Methode hätte sie es geschafft, gerade ihren 6jährigen Sohn, der immer ein sehr schlechter und wählerischer Esser gewesen ist, zum Essen zu bringen. Aha! Ja, mich ärgert es auch, dass meine Kinder, vor allem mein Sohn, oftmals noch nach Nachschlag verlangen, um dann nach dem ersten Bissen zu verkünden: „Ich bin fertig!“ Aber ich möchte sie nicht zwingen, sich vollzustopfen und mit der Zeit ihr natürliches Sättigungsgefühl zu verlieren. So dürfen sie auch inzwischen dann den Tisch verlassen, wenn sie definitiv fertig sind. Das ist mir lieber als das aus Langeweile entstehende Gemansche.

Hätte ich etwas sagen sollen? Wozu? Es sind ihre Regeln und ihre Meinung.

Andere Familien, andere Sitten

Es interessiert mich, wie andere es machen, Mütter und Väter. Nicht zuletzt deswegen verbringe ich inzwischen viel Zeit mit dem Lesen anderer (Familien-)Blogs. Ich möchte in erster Linie zuhören, nicht bewertend rüberkommen, wenn wir über unseren Alltag sprechen. Ich erzähle gerne, wie ich es mache, wenn man mich danach fragt und lege meine Meinung dar, ohne dass ich möchte, dass diese als die allgemeingültige erscheint. Das ist nicht mein Ziel. Und trotzdem kann ich mich natürlich nicht völlig frei machen von Bewertungen. Auch mein Blog lebt sicher davon, dass ich andersartiges in Frage stelle.

Ich finde nur wenig Anschluss zu anderen Müttern, die ich vorher nicht kannte, bevor meine Kinder auf der Welt waren bzw. den Kindergarten besucht haben, wo ich anderen Müttern (und hin und wieder auch anderen Vätern) nun regelmäßig über den Weg laufe. Ich bin eher der zurückhaltende Typ und mir ist es nicht ganz unwichtig, was andere über mich denken. Deshalb scheue ich auch Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Vielleicht mit ein Grund, wieso ich selten von mir aus versucht habe, Kontakte aufzubauen.

Kritikfähigkeit gilt es immer zu überdenken

Nehme ich mir zu Herzen, was andere sagen? Wie interpretiere ich die ein oder andere Aussage? Fühle ich mich persönlich angegriffen? Habe ich selber Angst vor Kritik? Ja, vielleicht. Das liegt aber auch daran, dass ich von Natur aus ein Mensch bin, der sehr schnell in ein Rechtfertigungsverhalten verfällt, das vielleicht nicht immer sein müsste.

Gerade im Netz und hier insbesondere auf facebook kann man meiner Meinung nach gut beobachten, wie Mütter sich gegenseitig „virtuell an die Gurgel springen“. Natürlich gibt es beim geschriebenen Wort immer das Problem mit der Verständlichkeit. Es fehlen Tonfall, Gestik und Mimik und somit mag die ein oder andere Aussage eben schärfer verstanden werden als sie ursprünglich gemeint war. Oft wollen Mütter nur beschreiben, wie es bei ihnen zu Hause abläuft  und damit unterstützend wirken für all die Unsicheren unter den Meinungsfindern. Trotzdem glaube ich manchmal herauszulesen, wie toll die ein oder andere es doch macht und wie super es ausgerechnet bei ihr funktioniert, während die andere Mutter es nicht auf die Reihe kriegt. Und auch gerade, wenn die Thematik „Zu Hause bleiben versus Arbeiten gehen“ im Fokus steht, wird oft heiß diskutiert. Gerade hier bleibt auch bei mir oft der Eindruck hängen, „wie Frau es macht, macht sie es falsch!“

Meiner Ansicht nach kann es bei der Fülle an Möglichkeiten, die auch wir Mütter in der heutigen Zeit haben, unser Leben zu gestalten (zumindest theoretisch) nicht ausbleiben, dass Unsicherheiten entstehen – und damit zwangsläufig Angriffspunkte. Wenn das Selbstbewusstsein und die Überzeugung darüber, dass man selber es richtig macht sinkt, dann sinkt auch die eigene Kritikfähigkeit und man wird verletzlicher.

Es gibt andere Kriege unter Frauen, die mich mehr stören

Dazu gehören eindeutig die auch in letzter Zeit vermehrt geführten Diskussionen darüber, wer es nun schwerer hat: die alleinerziehende Mutter oder die Mutter, welche noch einen Mann im Hintergrund hat, auch wenn dieser unter Umständen aufgrund von beruflichen Verpflichtungen durch häufige Abwesenheit glänzt – oder sich generell eher gerne aus allen häuslichen Pflichten heraus hält. Eigentlich könnte man die Liste unendlich weiterführen, denn es gibt nun einmal unterschiedliche Grundbedingungen. Ist es schwieriger, nur ein Kind zu haben, während manv ollzeit arbeiten geht, oder zwei Kinder, mit denen man zu Hause ist (um nur ein Beispiel zu nennen)? Letztendlich mag all das auch abhängig sein von der eigenen Konstitution und den eigenen Einstellungen.

Um noch mal auf die Alleinerziehende zurück zu kommen: ich erkenne mit viel Respekt an, was diese Frauen leisten. Aber um ganz ehrlich zu sein: ich kann es nicht mehr hören! Wie viel schwerer es diese Frauen haben im Gegensatz zu beispielsweise einer Frau, die auch Vollzeit arbeiten gehen muss, nach Dienstschluss und an den Wochenenden aber eben doch noch häufig mit den Kindern ganz alleine ist, auch sehr wenig schläft, weil sie ihren und den Schichtdienst des Mannes auffängt und ebenfalls manchmal nicht weiß, wann sie noch den Haushalt schaffen soll geschweige denn mal eine Stunde für sich haben könnte. Ja, das bin ich. Und ich finde das auch anstrengend. Ja, ich bin dankbar, dass ich noch einen Papa im Hintergrund habe, der sich so toll kümmert und aktuell mit den Kindern in der Sonne spazieren geht, damit ich – nach einer kurzen Nacht, noch etwas Ruhe finde. Danke! Ich mag mich nicht darüber streiten, wer es nun schwerer hat. Jede Mutter lebt ihr Modell, lebt nach ihren Vorstellungen, oder wenn das nicht geht, dann versucht sie zumindest mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Und wenn das bedeutet, dass sie viel arbeitet, dafür aber weniger mit den Kindern bastelt, dann ist das ebenso.

Und die Väter?

Ich glaube, für die ist das Ganze viel weniger ein Thema. Zumindest ist mir der Begriff „daddy wars“ noch nicht begegnet. Männer sind von Natur aus mit mehr Selbstbewusstsein und der Einstellung „Mir doch egal, wie ich es mache, ist es gut!“ ausgestattet. Frauen scheinen dem gegenüber viel öfter an sich und ihren Entscheidungen zu zweifeln. Sie wollen es besonders gut machen, es allen Recht machen und auf ihnen lastet in der Regel der meiste (gesellschaftliche) Druck in punkto Kinderbetreuung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber das ist ja nichts Neues.

Ein Fazit für mich lautet: ich vertrete meine Meinung, aber vor allem dann, wenn ich danach gefragt werde. Ungefragt gebe ich eher selten Tipps oder mische mich nur ungern ein. Wer wissen will, welche Erfahrungen ich gemacht habe, darf sich gerne berichten lassen. Sollte ich mich angegriffen fühlen, werde ich mich gerne rechtfertigen, weil ich das nur schwer abstellen kann. Oder schweigend lächeln.

Das Leben mit Kindern ist nicht einfach. So zumindest meine persönliche Erfahrung aus den letzten 4 1/2 Jahren. Ich bin nicht zur Supermom geboren. Machen wir uns nicht noch gegenseitig das Leben zur Hölle, sondern versuchen wir, Verständnis für den Weg des anderen zu zeigen und einander zu unterstützen, damit es gemeinsam leichter geht.

 

 

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