Die Mama und ihr Arschlochkind

Diese Mama, das bin ich. Ein (längst überfälliges) Outing.

Ich bin die Mutter eines inzwischen 5-jährigen Jungen. Er war dieses supersüße, blondgelockte Baby und Kleinkind, das so schlecht geschlafen, das viel geschrien und mich immer wieder in die Verzweiflung getrieben hat. Mein erstes Kind – und ich eine unerfahrene Mutter, die von 100 auf 0 ihr eigenes Leben abbremsen – ja, erst einmal komplett runterfahren musste. Und die viele Monate nicht mehr wirklich schlafen durfte. Es war die Hölle!

Ich traute mich kaum mit diesem Kind nach draußen. Spazieren gehen? Vergiss es, er schrie. Wurde zwar besser mit der Zeit, aber so hatte ich das nicht erwartet. Ich war gefesselt an mein Haus. Ich traute mich nicht in Gruppen mit anderen Müttern und deren (pflegeleichten) Kindern. Wir machten Babyschwimmen, das war ok. Dort traf ich eine Bekannte aus meinem Wochenend-Geburtsvorbereitungskurs wieder. Wir besuchen uns bis heute gegenseitig.  Als die beiden Jungs klein waren, griff ihrer den meinigen gerne mal körperlich an, Haare ziehen und so. Meiner war ein ruhiges, liebes Kind. Er machte nichts.

Bis er in den Kindergarten kam. Das war mit 25 Monaten und leider zeitgleich mit der Geburt seiner Schwester. Er wurde vom Thron geschuppst und war dann auch noch plötzlich täglich ca. 3 1/2 Stunden unter so vielen Kindern, in einer so lauten Umgebung, fort von MamaPapa und OmaOpa. Und da waren Kinder, die ich nicht gerne als Vorbilder gesehen habe. Die gibt es bis heute. Jetzt befindet er sich selbst im letzten Kindergartenjahr und gehört zu den großen Vorschulkindern.

Sein Verhalten gegenüber seiner Schwester war problematisch, obwohl ich versucht hatte, ihn vorzubereiten und einzubinden. Hinzu kam, dass ich selber völlig erschöpft war. Ich funktionierte irgendwie für beide kleinen Kinder, war auch nicht unbedingt unglücklich dabei, aber es wart hart! Einfach hart und sauanstrengend – jeden  einzelnenTag! Und ich war überfordert, diesem anspruchsvollen 2-jährigen gerecht zu werden, während ich noch ein Baby zu versorgen hatte und viel zu wenig Schlaf bekam.

Heute ist er nicht mehr der liebe, ruhige Junge

Zumindest ist er das nicht immer.

Ich habe mir oft die Schuld gegeben, dass ich in der Zeit, als ich eben die völlig überforderte Mutter war, viel bei ihm kaputt gemacht habe, oder in ihm. Dass ich sein problematisches soziales, also sein oppositionelles Verhalten, seine Wutausbrüche und seine Aggressivität, sein lautes Herumschreien, seine körperlichen Attacken gegenüber anderen Kindern und den Erzieherinnen zu verantworten habe. Nur ich! Weil ich die Mutter bin. Wenn jemand Schuld ist, dann die Mutter.

Ich bin die Mutter eines Jungen, der nicht so funktioniert wir er sollte, also wie unsere Gesellschaft sich das wünscht. Der in dieser braven Mädchen-ErzieherINNEN-Welt nicht vorkommen darf. Ein Junge, der viel Aufmerksamkeit braucht und Einzelbetreuung einfordert. Der ständig gesehen werden will und der lange gebraucht hat, sich auch mal alleine beschäftigen zu können. Das kann er inzwischen. Ein Junge mit auffälligem Sozialverhalten, der Neins schwer akzeptieren kann und selber Nein sagt. Der sich seine eigenen Regeln macht so wie es ihm gerade passt, damit er im Vorteil ist. Er, der immer der erste und beste sein will, der Willensstärke beweist und so fordernd ist. Der als anstrengend empfunden wird, auch von mir.

Aber er ist auch der Junge, der ein unheimlich gutes Gedächtnis hat und daher bereits jetzt einen großen Wissensschatz besitzt – und sich damit gerne zeigt. Er ist ein Kind mit Phantasie und Entdeckerfreude. Er kann seinen Namen schreiben und Zahlen, er kann rechnen und er interessiert sich für Englisch. Und für Autos – und manchmal möchte er eben kämpfen und jagen. Und dann ist er wieder so sanft und auch verständnisvoll, auch hilfsbereit kann er sein, wenn er es möchte.

„Was für ein fürchterliches Kind“

Bevor ich selber Mutter wurde bzw. bevor mein Kind sich so gezeigt hat, hatte auch ich Vorurteile gegenüber „schwierigen“ Kindern. Wie oft, wie schnell macht man dafür die Eltern verantwortlich. Heute weiß ich es besser, oder rede es mir zumindest ein. ICH BIN NICHT SCHULD! Es gab sicherlich ungünstige Umstände, es gab etliche Fehler meinerseits, aber er bringt dieses Wesen, diesen impulsiven Charakter auch ein Stück weit mit. Also auch die Gene dürften hier eine Rolle spielen.

Heute vor-verurteile ich keine Eltern mehr. Ich hinterfrage zwar, aber ich weiß, dass es immer mehrere Seiten der Geschichte gibt.

Verflucht sei der Kindergarten

Erst hieß es, er würde seine Grenzen austesten. Zu sehr. Immer wieder. Erste kleine Krisengespräche. Erste und dann wiederholte Empfehlungen an uns Eltern, einen  KESS-Kurs oder ähnliches zu besuchen, empfinde ich heute inzwischen geradezu als unverschämt. Ein Kindergarten, welcher also per se davon ausgeht, dass wir nicht mit unseren Kindern umzugehen wissen. Der gleiche Kindergarten, welcher erst vor wenigen Monaten mutmaßte, unser Sohn hätte eine Bindungsstörung zu uns Eltern und würde unter Trennungsängsten leiden– weil er mit seinen 5 Jahren äußerte,  er wolle lieber zu Mama und Papa. Der gleiche Kindergarten, welcher laut der selbstbewußten KiTa-Leitern über achsosuperausgebildete Pädagoginnen verfügt, die aber nicht mehr wussten, wie sie diesen Jungen in den Griff bekommen sollten (vor allem nicht unter krankheitsbedingtem Personalmangel in der Einrichtung) und statt dessen lieber uns Eltern baten, das Kind abzuholen. Klar, dass mein schlauer Sohn schon beim zweiten mal wusste,  was er tun muss, um früher nach Hause abgeholt zu werden. Diese tolle Einrichtung, die allerweltbeste in der ganzen weiten Umgebung – zumindest hört man das heraus, wenn man der Leiterin genau folgt, kommt mit meinem Kind nicht klar.

Vor einem Jahr bin ich nach dem damaligen Gespräch mit den Erzieherinnen komplett zusammen gebrochen. Zwei Tage später fing mein Körper zu zittern und zu brummen an, was den nahenden völligen Zusammenbruch ankündigte. Ich vermute, es war der Tropfen, der das Faß bei mir damals zum Überlaufen brachte.

In letzter Zeit gab es einige längere Gespräche mit mir / uns im Kindergarten, und es nimmt kein Ende. Ein mir total unsymphatischer Pädagoge der Stadt (Träger der Einrichtung) oder what the fuck bohrte, was denn bei uns daheim bei uns nicht in Ordnung sei, dieses Verhalten müsse doch seinen Ursprung haben. Eine Leitung,  die sich so gut aus allem rausreden kann, die betont, wie toll sie doch alles machen und immer wieder versuchen würden. Und dazwischen ich, die versucht, stark und selbstbewusst zu sein. Und deren gute Erziehung sie davon abhält, einfach mal auf den Tisch zu hauen!

Ich, die Rabenmutter, die selber nach Antworten und Lösungen sucht. Verzweifelt. Oftmals getriggert von ihrem eigenen Kind. Die sich als Mutter erst finden musste und die irgendwann in der zunehmenden Erschöpfung nur noch versuchte zu funktionieren, weinend inmitten ihrer Familie sitzend, gereizt vor lauter Müdigkeit und Unterdrückung jeglicher eigener Bedürfnisse. Eine Mutter, nein eine Frau,  die nicht mehr lebte, sondern das Leben lediglich an sich vorbei ziehen sah, als wäre sie ihr eigener Zuschauer.

Die Hilfe, die ich hol(t)e

Neben dem ganzen Nachdenken, Reflektieren, Lesen von Literatur und dem Zerfleischen durch Selbstvorwürfe holte ich mir auch Hilfe von außen. Seit fast einem Jahr arbeiten wir mit einer Kinderpsychologin zusammen. Und ich spreche viel mit meiner eigenen Psychologin, die auch gelernte Erzieherin ist und in diesem Beruf auch mehrere gearbeitet hat. Vielleicht helfen mir diese Gespräche irgendwann dabei, das Gefühl von Schuld in mir zu besänftigen, dass NICHT ICH Schuld habe an diesem anspruchsvollen Kind, das uns alle so sehr fordert. Dass diese Momente, wo ich ihn an die Wand klatschen oder ihn zur Adoption frei geben möchte, neben meiner großen Liebe für ihn ganz normal sind. Ich muss mich dessen nicht schuldig fühlen. Und dass ich mit der Frage, „Warum gerade ich, warum hier? Warum MEIN KIND?“ nicht alleine bin. Ich schwanke zwischen Verzweiflung, wohin das führen soll und Zuversicht, wenn ich mit den Psychologen spreche. Er kommt bald in die Schule, dieses intelligente Kind. Wohin wird sein Weg ihn führen? Und werde ich dem auf Dauer gewachsen sein? Den Weg weiter mit ihm gehen, damit es gut wird?

Es gibt so viele gute Momente mit ihm

Und die Gedanken, es müsste doch irgendwann mal besser werden, ich gebe mir doch Mühe. Aber gebe mir wohl nicht genug Mühe, wenn sich nichts ändert. Und spüre die Schuldabladung der Einrichtung bei uns Eltern. Denn eines erkennt man bei den Gesprächen nie: dass der Kindergarten, sein (teilweise überfordertes und in Kur gehörendes) Personal, die vielleicht ungünstige Gruppenzusammenstellung (zu viele Raufbolde in der Gruppe meines Sohnes) und ganz speziell der Umgang mit meinem Sohn in den bestimmten Situationen auch nur irgendwie zur Verstärkung des „Problems“ beigetragen haben könnten. Nope!

Die Rolle des Kindergartens (Fortsetzung)

Oder: wir hetzen Ihnen mal eben ohne Vorankündigung bzw. unter Vortäuschung falscher Tatsachen das  Jugendamt auf den Hals

Da sitze ich nun. Es sollte eigentlich darum gehen, eine weitere Kraft in den Kindergarten zu holen, um die Betreuung unseres Sohnes zu unterstützen. Plötzlich ist da die junge Dame vom Jugendamt. Nein, es wird beschwichtigt, es geht ja nur darum uns zu helfen, nichts weiter. Aber es ist herauszuhören, dass die sich weiter aufzudrängen wünschen. Am liebsten hätten alle, also das Personal vom Jugendamt und die Erzieherinnen sowie in erster Linie vermutlich der Träger der KiTa, dass Leute vom Jugendamt zu uns nach Hause kommen. Alle, außer mir.  Und meine Wut auf die Einrichtung, seinen Träger und die KiTa-Leiterin steigt, je mehr und je länger ich darüber nachdenke, was hier eigentlich passiert. Aber ich bin auch wütend auf mich, weil ich mir das alles habe gefallen lassen / gefallen lasse und bei dem Gespräch natürlich wieder handzahm und höflich bleibe.

Wollen die uns wirklich für dumm verkaufen? Worum geht es hier eigentlich? Darum, dass wir als Eltern scheinbar total versagt haben und jetzt kontrolliert und neu angelernt werden müssen? Habe ich nicht schon genug unternommen? Dreht sich nicht mein Leben nur noch hauptsächlich um dieses eine Thema? Habe ich nicht schon seit einem Jahr therapeutische Hilfe an der Hand? Die Kinderpsychologin war auch bei uns zu Hause (und hatte im übrigen auch den Kindergarten und die Gruppe meines Sohnes besucht).

Was wollen die? 24 Stunden Überwachung? Das wäre nämlich nötig, um die schlechten Momente mit dem Sohn auch wirklich immer mit zu erleben. Oder unsere schlechten Momente als Eltern, die wir zweifelsohne haben, so wie vermutlich auch sehr viele der anderen Eltern der über 100 Kinder in dem Haus. Erwarten die vielleicht sogar, dass ich vor deren Augen mein Kind misshandele, damit sie es aus der Familie holen und sagen können, „Haben wir es doch gewußt!“ ? Glauben sie nicht daran, dass sie hier eine relativ normale Familie erwartet, wo vor allem der Streit der Geschwister zu Unmut führt? Sie wollen uns kontrollieren? Kontrollieren Sie bitte erst einmal ihre überforderten Erzieherinnen, vor allem die eine Haupterzieherin in der Gruppe meines Sohnes, die ich schon seit Jahren als „ausgebrannt“ bezeichnen würde.

Der Träger möchte, dass unser Sohn weiterhin aus dem Kindergarten abgeholt wird, wenn er aufmuckt. Diese Woche war er drei Tage dort, zwei Tage krank. An zwei der drei Tagen musste er um die Mittagszeit abgeholt werden. Einmal habe ich dafür den Großvater aus dem Mittagsschlaf geklingelt. Jeden Tag habe ich Angst, dass ich meine Arbeit stehen und liegen lassen muss, um dort hin zu eilen.

Mein Kind ist toll

Es weiß nur nicht, wohin mit seiner Wut. Die Wut, die ich nachvollziehen kann. Wut auf ungerechte Behandlung durch das pädagogische Personal seiner KiTa. Wut auf Fremdbestimmung. Wut auf seine Schwester, weil sie einfach da ist. Wut auf seine Eltern, die ihn nicht immer den großen Bestimmer, also den Boss markieren lassen, obwohl ihm das so wichtig ist.

Er hat ein ungemein großes Wissen, er saugt alles förmlich auf. Er ist ansonsten absolut schulreif, kann Buchstaben und Zahlen schreiben und rechnen. Er kann schon jetzt um die Ecke denken und sich auf vieles seinen eigenen Reim machen. Er hat Phantasie und beweist Kreativität im Spiel. Er ist mein Kind und ich liebe ihn. Immer wieder aber muss ich mir gut zureden, dass ich ihn so annehme, wie er ist. Weil mir von außen suggeriert wird, dass er nicht normal ist. Vielleicht ist er tatsächlich nicht normal, vielleicht ist aber auch das System heute nicht normal. Sicher habe ich Fehler gemacht und ich kämpfe gegen Schuldgefühle und schlechtes Gewissen an. Ich zermartere mir das Gehirn darüber. Und ich habe inzwischen diese StinkeWUT in mir auf diesen Kindergarten.

Noch ein halbes Jahr bis zur Einschulung. Was wird dann und was können wir bis dahin an positiver Entwicklung erreichen? Wir werden sehen.

Ich gebe nicht auf und kämpfe. Immer weiter – wenn es sein muss, bis zum nächsten Burnout.

Lesetipp: http://elternmorphose.de/du-hast-deine-kinder-nicht-im-griff-ueber-perfekte-eltern-und-kinder/

Dieses komische Gefühl

Man nennt es „Loslassen“, „Abschied nehmen“. Eine Phase des Lebens ist zu Ende und eine neue beginnt. Dies kann einhergehen mit „komischen Gefühlen“, die schwer zu benennen sind. Sie sind einfach da.

Seit gestern bringe ich beide Kinder gemeinsam in den Kindergarten. Gut, ich bin oft mit beiden dorthin gefahren, doch habe ich morgens meine kleine Tochter immer wieder mit nach Hause nehmen dürfen – oder, wenn ich arbeiten musste, zu den Großeltern gebracht. Nun ist sie zwei Jahre alt. Und so wie ihr großer Bruder darf sie nun auch in den Kindergarten gehen. Morgens macht sie sein Ritual mit: erst einmal in den Frühstücksgarten gehen, wo alle Kinder vormittags ab 8 Uhr frühstücken können, wenn und wann sie das möchten. Obwohl meine Kinder fast immer vorher zu Hause schon gefrühstückt haben, setzen sie sich sofort nach dem Ausziehen von Jacke und Co. und Anziehen der Hausschuhe an einen der kleinen Tische. Jetzt also Brüderchen & Schwesterchen nebeneinander. Ich sage dem Großen, er möge auf die Kleine aufpassen, sie danach in ihren Gruppenraum bringen und verabschiede mich dann. Die Kleine schaut mir hinterher, lächelt… .

Sie kommt gut klar im Kindergarten und Mama fährt Gedanken-Karrussell

Sie ist doch erst 2 Jahre alt! Noch so klein, eigentlich zu klein, um so viele Stunden ohne Mama (oder Papa!) zu sein. Das behaupten zumindest viele Stimmen. Kinder unter 3 (oder sogar 4) Jahren hätten in einer Fremdbetreuung nichts zu suchen, sondern gehören zu Mama (Väter werden in dem Zusammenhang seltener erwähnt) und die Mama gehört natürlich nach Hause, zu Kind(ern), Küche, Herd… . Wir kennen das! Nein, ich kann finanziell nicht auf meinen Job verzichten. Vielleicht auf einen Teil meines Gehaltes, mit den entsprechenden Einschränkungen, wie so gut wie nicht mehr in den Urlaub fahren (wir fahren nur ein Mal pro Jahr), jeden Cent umdrehen, sich selber nichts mehr gönnen (neue Klamotten für die Mama? Bücher? Haha…). Mein Mann verdient nicht genug, um uns alleine so durchzubringen, dass es total eng wird. Und ich mag es finanziell nicht total eng, denn genau so bin ich aufgewachsen! Ich höre sie, die Stimmen, die meinen, die ständige Nähe der Eltern sei wichtiger als ein paar Euros im Monat, die man großzügiger ausgeben kann, um mit den Kindern auch außerhalb der eigenen vier Wände mal was bieten zu können, oder gar etwas zu sparen, für später, für das neue Familienauto, für Renovierungsarbeiten am Haus. Außerdem habe ich keinen Bock auf totale Altersarmut, also kaum Rente! Sorry, ein sehr wichtiger Punkt für mich bezüglich meiner heutigen Erwerbstätigkeit. (Immerhin habe ich bis zu meinem 29. Lebensjahr studiert und gehe in meiner Branche auch nicht erst mit 67 in Rente).

Aber ich schweife ab.

Auch mein Sohn ist mit genau 2 Jahren in den Kindergarten eingewöhnt worden. Das war lange so geplant, noch vor meiner 2. Schwangerschaft. Bis dahin war auch er erst von mir, dann vom Vater, später von den Großeltern betreut worden. Letztere kommen hauptsächlich dann ins Spiel, wenn beide Elternteile gleichzeitig arbeiten müssen, was nicht immer der Fall ist. Denn wir haben beide Schichtdienst, allerdings in unterschiedlichen Branchen. Dadurch waren auch beide Kinder jeweils frühzeitig (also mit knapp 14 Monaten) daran gewöhnt, auch einmal ohne uns Eltern zu sein. Und das hat immer gut funktioniert – und daher, so vermute ich, auch die Kindergarteneingewöhnung.

Meine Tochter scheint sich wirklich wohl zu fühlen, sie kennt den Kindergarten ja im Prinzip auch bereits seit ihrer Geburt. Sie ist so offen und scheint keine Angst zu haben. Heute Morgen ist sie auch ohne ihren Bruder in den Frühstücksgarten gestratzt, der kam dann nach.

Ich versuche mich zu beruhigen: die Kinder brauchen andere Kinder, und nicht nur ihre Eltern

Für den Sohn war es damals dann doch etwas doof. Denn noch während seiner Eingewöhnungszeit wurde die kleine Schwester geboren. Aus meinem ruhigen, zurückhaltenden Jungen wurde in der Folgezeit im Kindergarten ein teilweise aufmüpfiges Kind, der mit aggressivem Verhalten und Kraftausdrücke nach Hause kam. Und ich rätsele bis heute, ob das a) nur mit der Geburt des Babys zu tun hatte oder b) mit den teilweise nicht gerade tollen Vorbildern im Kindergarten (manche, vor allem Jungs, sind da echt heftig) oder c) es eine ganz normale Entwicklung ist, die auch so gekommen wäre. Nun, ich werde wohl nie eine Antwort darauf finden, da ich das „Experiment“ nicht erneut und anders starten kann.

Wie wird sich nun also die Kleine verändern? Sie, die nie Einzelkind war, durch ihren Bruder viel ertragen musste. Ist sie gerade deswegen härter, resistenter? Sie ist doch sowieso anders, oder nicht? Selbstbewußt, offen, wenig ängstlich.

Ich persönlich finde tatsächlich, dass Kinder unter 2 Jahren nicht in so einem großen und offenen Kindergarten wie den unseren gehören bzw. dass es je nach Kindertyp Probleme geben kann. Es gibt hier eine Raupengruppe für Kinder ab 1 Jahr, aber gerade nachmittags sind diese ‚Winzlinge bei den großen dabei, die 2jährigen sowieso immer, denn Nestgruppen gibt es nicht. Letzteres war für mich damals ein großer Punkt für Überlegungen, denn im Katholischen Kindergarten hier um die Ecke gibt es die. Ich habe mich dagegen entschieden, auch weil mir der Kommunale Kindergarten in anderer Hinsicht mehr zugesagt hat. Nachmittags, wenn ich das Kind (jetzt: die Kinder) abhole, treffe ich öfter auf einen 1jährigen Jungen, und sehe ihn immer nur weinen. Und leider wird er auch nur wenig getröstet, wie es mir scheint. Vielleicht haben die Erzieherinnen etwas resigniert. Auf jeden Fall ist das für mich immer etwas befremdlich… .

Mein Sohn ging in den ersten 14 Monaten seiner Kindergartenlaufbahn nur bis 12 Uhr dorthin, dann holte ich ihn zum Mittagessen nach Hause. Mit Baby (und dessen Bedürfnissen) war das eine echt stressige Zeit, von der mein Mann mich nach 9 Monaten ablöste. Ich hatte schon so ein schlechtes Gewissen genug, dass ich – gerade in Elternzeit – meinen Erstgeborenen überhaupt in eine „Einrichtung“ schickte. Aber ich dachte, so 3 am Tag mit anderen Kindern wären auch gut für ihn. Von unserem Ganztagesplatz bin ich damals also zurück getreten und habe ihn dann wieder aufleben lassen, als auch mein Mann seine Elternzeit beendete.

Was dieses Mal anders ist

Meine Tochter allerdings wird von Anfang an als Ganztageskind eingewöhnt, d. h. sie isst dort bereits zu Mittag und wird ab nächster Woche auch dort anschließend ruhen / Mittagsschlaf halten. Sie ist mit ihren gerade 2 Jahren also durchaus länger im Kindergarten als damals ihr Bruder, allerdings mit dem Vorteil, dass noch ein Familienmitglied in ihrer Nähe ist. Für mich bedeutet das: noch mehr Loslassen, vertrauen. Und beide Kinder doch eher nach Hause holen, wenn es meine beruflichen Verpflichtungen zulassen – Ihretwegen!

Was mir bei ihr einfach mehr Sorgen macht ist, dass sie insgesamt ein größerer Draufgänger ist. Mehr Klettern, Rumturnen und sich dabei überschätzen (oder das Gewicht des Köpfchens), ihr „Talent“, schnell über ihre eigenen Füße zu stolpern, weil sie oft nicht guckt, was im Wege lieget, oder sich am Kopf zu stoßen. Aber da muss ich durch und einfach hoffen, dass ich nie in die Situation komme, dass etwas schlimmeres passiert.

Wie man es macht, macht man es sowieso falsch

Zumindest in den Augen anderer. Ich habe versucht, einen „goldenen Mittelweg“ zu finden, was die Betreuung meiner Kinder angeht, um eben trotz dem Geld verdienen und meinem Beruf nachgehen zu können. Dass mich gerade letzteres zusehends nicht mehr so zufrieden macht wie früher, das ist einen extra Blogbeitrag wert (und in Arbeit).

Die ersten 9 Monate ihrer Geburt war ich Tag UND Nacht für sie da, fast nur ich. Ich konnte das genießen, es war anstrengend, aber ihre Nähe so wichtig für mich. Der erste Abschied kam, als mein Mann nach dieser Zeit auch die Nachtschichten übernahm (zu die Nachtschichten beim Sohn, wohlbemerkt). Ich ging wieder arbeiten, stillte die Kleine noch am Morgen und dann nach und nach gar nicht mehr. Denn als sie 10 Monate war, flog ich für eine Woche nach Finnland auf Dienstreise. Und das war dann total komisch. Davor hatte ich bereits ein Wochenende in Österreich Dienst gemacht, aber jetzt kam ich mir vor wie ein Junkie auf Entzug. Auch ohne meine Kinder konnte ich nicht durch- bzw. ausschlafen. Das ist bei mir nicht mehr drin. Sie fehlten mir so, vor allem die körperliche Nähe zu meinem Baby. Und so ging es weiter mit dem Abschied auf Raten. Die Nächte verbringe ich meist alleine, obwohl unsere Tochter noch immer im Schlafzimmer schläft. Wenn ich nachts bei ihr bin, schläft sie oft besonders schlecht, beim Vater meist gut. Sie scheint meine Nähe zu spüren und „knubbelt“ dann oft stundenlang wach an mir rum. Das ist einfach kein Ideal-Zustand.

Ehrlich gesagt habe ich mich auch auf diesen Tag gefreut, wo auch meine Tochter mit in den Kindergarten geht. Und nun sitze ich hier, habe Zeit für mich, kann mal wieder üben (oder bügeln, haha!) und natürlich fühlt sich das komisch an, wenn man gerade frei hat und die Kinder trotzdem nicht da sind. Das wird es öfter mal geben! Es ist sicher einfacher, wenn sie in der Schule sind, denn immerhin müssen sie in die Schule, brauchen aber nicht gezwungenermaßen einen Kindergarten besuchen. Und ja, bei meinem Beruf wird es vorkommen, dass wir uns dann tagsüber gar nicht sehen, weil ich eben erst mittags oder nachmittags zum Job muss. Früher hatte ich mir immer vorgenommen, sie dann vormittags aus dem Kindergarten zu lassen, aber sehe das auch als falsches Signal, denn in Schulzeiten wird das dann auch nicht mehr gehen. Ich muss da abwägen, von Fall zu Fall entscheiden und vor allem eines nicht vergessen: ich war nicht umsonst so lange Zeit so total erschöpft, dass ich sogar ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen musste! Nach 4 Jahren als Mutter wird es Zeit, selbige hin und wieder auch mal nur für mich zur Verfügung zu haben. Es wird nach wie vor nicht viel sein, aber es tut gut! Und damit versuche ich mich zu beruhigen! Loslassen und Durchatmen!

Unverhofft kommt oft

Sie haben Pläne? Sie haben Kinder? Vergessen Sie’s! Das ist ein Widerspruch in sich und beides nicht miteinander kompatibel.

Zumindest nicht immer. Auch uns trifft das Unvorhergesehene immer mal wieder.

Es ist Freitagmittag. Ich verlasse zeitig den Ort, an den ich immer wieder zurückkehren muss, damit mir am Monatsende dieses fette Gehalt auf mein Konto überwiesen wird, und eile nach Hause. Dort erwartet mich der Gatte mit Kind Nr. 2. Dieses hat nun schon 8 Tage Eingewöhnung im Kindergarten hinter sich, und es läuft recht gut. Für Montag ist sogar ein erstes Mittagessen dort geplant (für das wir irgendwie schon den ganzen September bezahlt haben). Insgeheim freue ich mich, dass sie schon so viele Stunden alleine dort verbringen kann, denn ab Montag habe ich zwei Wochen Urlaub, um den Mann bei der Eingewöhnungsbegleitung abzulösen. Ich mache Pläne: jeden Vormittag zwei Stunden üben, mindestens. Mir nach 2 Monaten ohne endlich wieder eine neue Putzhilfe suchen, denn das bißchen Haushalt macht sich neben meinem Job und den Kindern eben nicht mehr so alleine und ich stolpere zusehens über quieschfidele Wollmäuse.

Aber jetzt am Freitag bereitet der Mann erst mal das Mittagessen. Das dauert. Kind Nr. 2 wird müde. Ich wundere mich nicht, manchmal macht sie noch ein kleines Mittagsschläfchen. Ich lasse Mann und Kind auf der Couch zurück, esse, ruhe mich kurz aus und fahre dann Kind Nr. 1 aus der KiTa abholen. Es ist 14 Uhr. Er hat nicht vergessen, dass heute Puppentheater in der Stadthalle ist und will da unbedingt hin. Ok, kein Problem für mich, denn das war auch mein Plan. Wir fahren nach Hause. Kind Nr. 2 ist in der Zwischenzeit wieder wach geworden, hatte ungefähr zwei Stückchen Möhren gegessen und sich dann übergeben. Sie hat Fieber. Dem Mann ist auch schlecht. Im Kindergarten geht Scharlach um. Wir vermuten das schlimmste. Ich möchte, dass meine Tochter vom Kinderarzt untersucht wird. Dann fällt mir ein: es ist Freitagnachmittag.

Wieso werden meine Kinder immer zum Wochenende hin krank, bevorzugt Freitagsnachmittags oder Samstagsfrüh?

Ok, als arbeitende Mutter hat das sogar Vorteile. Wenn ich mich allerdings entschließe, einen Arzt drüber gucken zu lassen, muss ich jetzt zum 35 km entfernten Krankenhaus mit Pädiatrie-Abteilung fahren. Kind Nr. 1 tobt – so wie er es am liebsten macht – er möchte jetzt sofort dieses und jenes. Wie immer redet er ohne Punkt und Komma. Ich schlage ihm vor, mit Oma & Opa zum Puppentheater zu gehen. NEIN, auf gar keinen Fall!!! Nur mit Mama! Ich überlege, wäge ab, wäre lieber beim Arztbesuch der Tochter dabei. Der Mann soll nicht alleine fahren, immerhin ist er auch krank, außerdem habe ich Angst, dass die Kleine sich hinten im Auto erneut erbricht und er dann alleine mit ihr ist. Ich rufe die Großeltern an, frage, ob jemand von denen mitfahren kann, bereite dann meine Tochter für die Fahrt zum Arzt vor.

Das kranke Kind ist im Auto verstaut. Mein Mann fährt los. Ich habe in der Zwischenzeit auch Kind Nr. 1 ausgehfertig gemacht, also umgezogen, gesäubert und alles für den Theaterbesuch klar gemacht und will gerade mit ihm das Haus verlassen, als mein Mann schon wieder zurückkommt. Schon in der ersten Kurve, ungefähr 10 Meter von unserem Haus entfernt, hat sie sich übergeben. Alles ist voller kleinster Möhrenstücke. Ich ziehe das arme Kind aus, sie lässt alles geduldig geschehen, mache sie sauber, ziehe sie neu an, packe die vollgek*** Sachen inklusive weißen Teddybär in eine Mülltüte und hänge sie an die Kellertür – für später. Der Mann reinigt den Kindersitz. Eine Viertelstunde später fahren sie erneut los, mit Wechselklamotten im Gepäck.

Sohn und ich verlassen das Haus, fahren zur Stadthalle, kaufen Eintrittskarten und gehen dann noch ein Eis essen. Später gibt es noch Popcorn und einen Lolli. Alles ist gut, er bekommt, was er sich gewünscht hat und ich freue mich über die nette Mama mit ihren 4jährigen Zwillingstöchtern, die neben uns sitzen. Sie kommen aus dem Nachbarort. Gerne hätte ich sie um ihre Visitenkarte gebeten, weil mir selten sympathische Mütter über den Weg laufen, und dann noch eine, die sogar mit mir kommuniziert. Die meisten Mütter ignorieren mich eher.

Verschnaufen is‘ nich‘ – Sie sind Mutter!

Gerade sind wir wieder zu Hause, da kommt auch der Mann zurück. Nach dem er die Oma wieder zu Hause abgesetzt hatte, hat sich Kind Nr. 2 erneut im Auto übergeben müssen. Also wieder Sachen wechseln, Kindersitz sauber machen, das arme Kind trösten. Zum Glück ist es wohl kein Scharlach, sondern die Erkältung hat sich zu einer Mittelohrentzündung entwickelt. Ich mache mir Vorwürfe, habe ich erst am Abend zuvor Nasentropfen gegeben und nicht schon Tage vorher. Ich selber war auch krank (und bin es noch, aber es geht wieder). Dem Mann ist immer noch schlecht. Ich vermute ja auch noch einen leichten Magen-Darm-Infekt bei beiden. Die Kinderärztin in der Klinik hatte uns freigestellt, ein Antibiotikum zu geben. Ich selber weiß, dass man bei Mittelohrentzündungen inzwischen eher davon absieht. Ich beschließe, das Kind erst mal weiter zu beoachten.

Am Samstagmorgen geht es ihr besser, sie isst sogar etwas Müsli, dann aber über den Tag nur noch ein paar Kekse und schläft öfter mal kurz. Sonst ist sie ganz gut drauf, nur ihr schelmisches Lachen fehlt etwas und taucht erst am Abend wieder auf. Das Fieber ist eher niedrig.

Trotdzem ist mein Montag wohl im Eimer, dann fahre ich vermutlich noch mal mit ihr zu unserem Kinderarzt und lasse sie außerdem aus dem Kindergarten. Vielleicht auch noch am Dienstag. So ist das halt, verzögert sich eben die Eingewöhnung. Dass ich nach diesen 2 Wochen keinen Jahresurlaub mehr übrig habe bzw. die restlichen Tage für die Herbstferienwoche nehmen musste, ist sicher kaum erwähnenswert. Genauso wenig wie die Tatsache, dass ich vor diesem Freitag in der Nacht nur wieder mal 4 Stunden geschlafen hatte, weil Kind Nr. 1 so gerne mal nachts ein wenig Stress macht, und auch seine Schwester dann ein paar Stunden wach war. Abends gehe ich trotzdem nicht sofort ins Bett. Nach dem der Teddy gewaschen und zum Trocknen auf der Heizung liegt, der Müll rausgebracht ist und Mann und Kinder schlafen, mache ich erst mal Filmabend. Entspannung pur!

Morgen ist Sonntag, das Wetter soll ganz gut werden. Ich hatte mir einen Ausflug mit den Kindern vorgenommen, vielleicht doch noch mal Zoo, haben wir dieses Jahr noch nicht geschafft. Naja, daraus wird jetzt wohl nichts. Aber es gibt auch so genug: Apfelkuchen backen und die restlichen Äpfel unter’m Apfelbaum auflesen, Fliegenpilze basteln, Wäsche waschen und vielleicht mal etwas üben? Haha. Genau, bei dem letzten Punkt musste ich jetzt auch etwas lachen.

Mamas auf der Anklagebank

Einmal im Jahr ist es soweit. Das Entwicklungsgespräch im Kindergarten steht an. Das Kind auf dem Prüfstand – oder sind es eher seine Eltern? Zumindest ich als Mutter fühlte mich heute wieder einmal, als käme ich direkt von der Anklagebank. Habe ich alles richtig gemacht oder bin ich Schuld an eventuellen Defiziten meines Kindes?

Nach dem wir erst Ende Juli mit Kind Nr. 1 die U8 „bestanden“ haben und unser Kinderarzt meinte, der Junge sei doch soweit sehr gut entwickelt, kriege ich heute das Wort „Ergotherapie“ nicht mehr aus meinem Kopf. Was mir als Rabenmutter gar nicht aufgefallen war, wurde heute von den Erzieherinnen dargelegt: mein Sohn bewege seinen Oberkörper zu wenig. Er hat das wohl mal gekonnt, noch vor einem Jahr hieß es, er sei besonders interessiert an Musik und Tanz. Jetzt verweigere er sich da öfter, wolle gar nicht mehr mit machen. Es sei jetzt also besonders aufgefallen, dass er den Oberkörper eher steif halte, die Beine aber nach wie vor gut bewege. Man hätte an Ergotherapie gedacht. Ob der Junge denn Sport mache, Kinderturnen oder so, wurde erneut gefragt. Und wieder einmal ruft da mein schlechtes Gewissen: als ich mit Kind Nr. 2 schwanger war, ging ich ein paar Mal mit meinem Sohn zum Kinderturnen hier gleich um die Ecke. Es hat uns aber nicht besonders gefallen. Am anderen Ende des Ortes wird ein Kinderturnen angeboten, das einen sehr guten Ruf hat, und wo auch viele Kinder aus unserem Kindergarten hin gehen. Ich allerdings war bisher zu bequem, meinen Sohn einmal die Woche direkt nach dem Kindergarten dorthin zu schleppen, zumal es mit meinen Arbeitszeiten sehr oft nicht kompatibel ist und in echten Stress ausarten würde weil ich a) es zeitlich kaum schaffe, ihn nach dem Dienst vom Kindergarten abzuholen und sofort zum Turnen zu verfrachten oder b) ich oftmals sogar gar nicht kann und die Großeltern schicken muss. Im Schlepptau dabei sehr oft die kleine Schwester. Nun fängt die Altersgruppe ab 4 Jahren sogar noch eine Stunde eher an, für Kind Nr. 2 fände ich Turnen jetzt auch ganz toll, sie wäre dann eine Stunde später dran. Probleme siehe oben! Wie soll ich das schaffen? Nach der Geburt meines zweiten Kindes vor 2 Jahren war ich sowieso erst mal froh, nicht ständig noch mit beiden zu irgendwelchen Kursen eilen zu müssen. Es ist nicht einfach, zwei Kindern gleichzeitig gerecht zu werden. Es ist oftmals sogar unmöglich

Beim Entwicklungsgespräch vor einem Jahr, mein Sohn damals also 3 Jahre, fiel das Wort Logopädie. Unser Kinderarzt, den wir kurze Zeit später zur U7a aufsuchten, schüttelte den Kopf. Viel zu früh! Nur, weil er jetzt noch nicht ganz so gut sprechen könne wie das ein oder andere Kind, gäbe es keinen Grund für eine Sprachtherapie, das mache man nicht vor dem 5 Lebensjahr. Und siehe da, inzwischen spricht der Bursche zwar noch nicht fehlerfrei, aber ganz gut. Und das ohne Pause. Für mich also mehr als genug, hat er doch bis kurz nach seinem 2. Geburtstag kaum etwas gesagt. In Bezug auf Ergotherapie sieht der Kinderarzt es zum Glück auch ganz entspannt.

Fördere ich das Kind zu wenig? Lasse ich ihn einfach zu viel „frei spielen“?

Mein Sohn zeigt im Kindergarten außerdem wenig Interesse an Brettspielen. Wir haben einige zu Hause, aber auch hier ist es nicht sein Lieblingsspielzeug. Ihn immer wieder dazu animieren? Ja, ich bin faul, oft erschöpft, und während ich mich auf ein Brettspiel mit ihm zu konzentrieren versuche, zerstört seine Schwester in der Zeit das Zubehör. Aber „Lotti Karotti“ lief in letzter Zeit ganz gut, nur mal so am Rande… .

Dass mein Sohn bisher kein großes Talent als Maler und Zeichner zeigt, ist mir schon lange klar. Er malt mit seinen 4 Jahren noch eher selten bewußten Kreise oder gar Männchen, sondern eher wie seine 2 Jahre jüngere Schwester. Wir malen öfter, auch mit Tusche. Ein Maltisch mit Buntstiften ist frei zugänglich (und wird vom kleinen Mädchen gerne frequentiert, die darüber hinaus auch gerne Möbel mit Farbe verschönert), aber mein Sohn mag nur krickeln und krackeln. Seine Feinmotorik ist noch nicht so gut entwickelt, meinen die Erzieherinnen. Er hält auch den Stift noch nicht so gut. Seit kurzem ist es besser, aber das ließ er sich leider nicht von mir zeigen, dafür brauchte es den Kindergarten. Rabenmutteralarm!

Was kann man als Eltern tun, wenn man im Schichtdienst arbeitet, zwei Kinder hat aber trotzdem nur das Beste für jedes einzelne will?

Resignieren. Immer wieder.

Über das manchmal nicht so tolle Sozialverhalten meines Sohnes gab es im vergangenen Jahr schon zwei Krisengespräche im Kindergarten. Sein ständiges NEIN, seine ständige Verweigerung, auf seine Eltern zu hören und sein aggressives Verhalten anderen Kindern und vor allem seiner Schwester gegenüber, überraschten mich, war er doch bis zum Kindergarteneintritt sehr ruhig und zurückhaltend. Das alles hat mich in der vergangenen Zeit noch zusätzlich ziemlich an meine Grenzen gebracht. Teilweise ist das immer noch nicht besser. Der Empfehlung unseres Kinderarztes, darüber mal mit einem Kinderpsychologen (ohne gleich zu therapieren) zu sprechen, bin ich noch nicht nachgekommen. Die Erzieherinnen legen mir jetzt KESS ans Herz. Ich habe recherchiert und würde das gerne mit meinem Mann zusammen machen, aber beim Wochenendkurs muss er arbeiten, bei dem über mehrere Wochen laufenden Kurs muss immer mal wieder einer von uns an einem Termin arbeiten. Es ist so schwierig, wenn man als Mutter nicht Teilzeit arbeitet und jeden Mittag pünktlich aus dem Büro kommt, diverse Angebote für oder wegen der Kinder zu nutzen.

Verbaue ich meinen Kindern die Chance auf eine erfolgreiche Zukunft?

Achso, das Entwicklungsgespräch. Ich sitze da und habe wieder einmal das Gefühl, mich für alles rechtfertigen zu müssen. Wieso ich dieses oder jenes nicht mache, warum er dieses und jenes nicht kann. Ich bin keine Förderwahnmutter, ich möchte mein Kind nicht ständig von A nach B schleifen, neben dem Kindergarten und meinem eigenen Job, Kind Nr. 2 auch noch im Schlepptau. Ich bin durchaus froh, dass wir nun einen Platz in der Musikalischen Früherziehung bekommen haben, weiß aber nicht, ob er daran noch dauerhaft Interesse zeigt. Habe ich das verbockt? Singe und tanze ich doch viel zu wenig mit meinen eigenen Kindern, obwohl ich selber Musikerin bin. (Hat mit mir aber übrigens auch keiner gemacht, als ich klein war. Aber das soll natürlich keine Entschuldigung sein).

Schon jetzt müssen wir daran denken, dass das Kind ja schon in 2 Jahren in die Schule kommt und dann „fit“ sein muss, zu groß ist der Druck heutzutage, nicht nur auf den Kindern. Ich habe das Gefühl, dass vor allem uns Eltern unheimlich viel Druck gemacht wird. Und wenn wir Mütter, die wir doch von Geburt an dafür prädestiniert sind, uns möglichst um unsere Brut zu kümmern, auch noch arbeiten gehen, mehr als 20 Stunden die Woche, dann hört das schlechte Gewissen niemals auf. Ich bin Schuld daran, wenn meine Kinder in der Schule versagen. Ich habe sie zu wenig bespielt, gefördert oder therapieren lassen. Weil ich mich dagegen wehre. Weil ich meine Kinder oft nur spielen lasse. Als ich dort heute saß, schrumpfte mein mütterliches Selbstbewußtsein wieder einmal auf ein Minimum. Ich bin selber mit schlechten Voraussetzungen bis zum Abitur und Hochschulabschluß gekommen. Gut, mein Mann nicht, aber er hat heute trotzdem einen guten Job. Der Fernseher läuft bei uns so gut wie nie. Erst seit kurzem gibt es mal gelegentlich (ich vergesse das oft tatsächlich einfach) eine Folge „Die Sendung mit der Maus“ Sonntags auf dem KiKa oder etwas anderes ausgesuchtes auf DVD. Wir verfügen über eine sehr dürftige Sammlung, so etwas wie „Biene Maja“ (aber die aus meiner Kindheit), Jim Knopf und Benjamin Blümchen. Es ist noch nicht lange, dass er ab und zu etwas gucken darf, und dann wochenlang gar nicht mehr an die Möglichkeit denkt, wozu dieser alte Kasten (wir haben noch ein Röhrenfernsehgerät!) überhaupt gut ist. PC, Tablet oder Smartphone kam hier für die Kinder zwar schon zum Einsatz, aber auch das nur sehr selten und sehr ausgesucht. Meine Tochter guckt jetzt auch schon mal mit auf die Mattscheibe, obwohl sie ja eigentlich noch zu klein dafür ist, und verliert dann nach kurzer Zeit das Interesse. Sie spielen lieber. Und sind bei gutem Wetter mit uns im Garten oder im Wald. Ich schleppe regelmäßig einen neuen Stapel mit von mir sorgfältig ausgesuchten Kinderbüchern an. Mein Sohn liebt Bücher. Meine Tochter auch, allerdings eher zum herumblättern. Ihr Interesse dafür kommt jetzt erst so langsam. Auf Hörspiele kann er sich weniger konzentrieren. Wir basteln nicht übermäßig viel, aber auch das habe ich jetzt öfter vor, auch wenn ich selber alles andere als eine Bastel-Queen bin.

Ja, ich arbeite. Ja, ich bin oft mit den Kindern alleine. Ja, ich muss nebenbei noch den Haushalt erledigen, irgendwie. Ja, ich selber bin oft müde und erschöpft und außerdem frustriert, weil ich selber mit meinen eigenen Interessen (also denen neben meiner Mutterrolle) so ziemlich komplett auf der Strecke bleibe. Deswegen bin ich sicher nicht die Übersuperduper-Mutter. Ja, ich mache mir Sorgen, dass ich mehr fördern müsste und es bisher zu wenig getan habe, weil es durch manche Umstände auch vereitelt wurde. Aber ich gehe mit meinem Sohn sicherlich nicht zur Ergotherapie, bevor er nicht mindestens 5 Jahre alt ist. Aber ich rufe dann mal beim Fußballverein an, das hatte ich schon länger vor. Das wären dann zwei feste Termine die Woche, ich persönlich finde, das reicht für einen 4jährigen. Vielleicht ab un zu noch Mutter-Kind-Reiten, da habe ich was gefunden… . Und für die Kleine doch Kinder-Turnen im Nachbarstadtteil?

Und passend zu dem Thema gerade heute auf facebook über diesen lesenswerten Artikel gestoßen.

Das ganze Leben ist ein Kindergarten

Auch ohne Kinder vermutlich.

Kind #1 spielt derzeit gerne „Ich-bin-die-Mama“. Nein, nicht Papa, auch wenn er ein Junge ist, aber er wäre in dieser Lebensphase sowieso gerne lieber ein Mädchen, mit „Scheide“, versteht sich. Und fragt mich morgens (oder wann auch immer mich der Weg zum Dienst führt), ob ich in den Kindergarten gehen würde.

Das kann ich jedes Mal ohne schlechtes Gewissen bejahen! Ja, ich gehe in den Kindergarten, immer wieder. Auch wenn ich selber in den ersten 6 Jahren meines Lebens niemals eine solche Einrichtung besucht habe, bietet doch das Erwachsenen-Leben genug Kindergarten. Und vermutlich ist das sogar eine Beleidigung für die Einrichtung, die Kind #1 täglich besuchen darf. Aber auch unter den gut 60 „Mitarbeitern“ meiner „Firma“ wird täglich gespielt, geübt, gestritten und sich an sozialer Kompetenz versucht, die manche wohl nicht mehr zu erlernen im Stande sind.

Was dieser/s Blog zu bieten hat, wird sich zeigen

Nach dem ich mich schon einige Jahre schreibend vor allem über meinen Beruf (in der Anfangszeit) und später hauptsächlich über meine Kinder bzw. die (Un-)vereinbarkeit von dem einen mit dem anderen ausgelassen habe, hier nun eine Neuauflage. Anderer Titel, andere Domain, neuer Versuch. Ich werde weiterhin meinen Beruf erwähnen, zumindest in Grundzügen, aber nicht zu ausführlich, denn ich bin nur eine von sehr wenigen – Stichwort „Frauenquote“ – in diesem Land, die tatsächlich diesen Job in dieser Form machen. Daneben gehört das Klagen über meine Situation als berufstätige Mutter in einem noch immer familienunfreundlichem Land sicher zu den Hauptinhalten meines journalistischen Schaffens auf dieser Präsenz. Desweiteren, und das ist neu, möchte ich wirklich bunt gemischte Inhalte schaffen und damit auch Gedanken aufschreiben, die ich normalerweise ohne Internet einem Tagebuch anvertraut hätte (so wie ich es lange Zeit getan habe). Warum öffentlich? Vielleicht erspart mir das ja den Therapeuten. Ich bin auf Eure / Ihre Kommentare gespannt. Die hätte ich im Tagebuch nicht.

Schreibstil ist nicht gleich Schreibstil

Ich bin eher der saloppe Typ, wenn ich  mich nicht gerade – auch das soll vorkommen – tatsächlich als semiseriöse Autorin versuche. In meinem Schreibstil möchte ich durchaus meinen ausgeprägten Sinn für Humor durchschimmern lassen. Ob mir das gelingt, ist mir bis zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Aber vielleicht verfasse ich auch mal einen Text, der wieder in einem ganz anderen Ton daher kommt.

Tatsache ist: ich habe kaum Zeit zum schreiben! Mir fallen oft Themen und Formulierungen ein, die ich gerne mit meinen 10 Fingern mal eben flugs in die Tastatur hämmern würde, Worte, die im Kopf sprudeln und Gefallen bei mir finden – aber es ist eben gerade keine Gelegenheit dazu. Entweder habe ich mein Instrument in der Hand (Job) oder eines meiner zwei Kinder. Von daher werde ich auch nicht immer, so wie ich es sonst bei dem Verfassen von offiziellen Texten mache, stundenlang Korrektur lesen, Wörter hin- und her tauschen und meinem eigenen Perfektionismus Anspruch versuchen, zu genügen. Ich verfahre dann mehr nach dem Motto, „es kommt raus, wie es eben raus kommt“ Also meist ganz spontan. Letztendlich soll es doch zu meinem eigenen Vergnügen passieren. Und das muss ich hier leider jäh beenden. Es ist fast 22:00 h, mein Biorhythmus ist heute noch erstaunlich im Lot, aber leider sprechen Kinder (Wenigschläfer, extreme Frühaufsteher) eine andere Sprache.

In diesem Sinne, Gute Nacht allerseits und bis die Tage!