Warum Frauen alles organisieren und Männer nicht aufräumen können

20151018_101116_resized

(Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Warum Frauen alles organisieren und Männer nicht aufräumen können

Eine Blogparade der Teilzeitmutter und ich nehme teil – somit ist dies meine erste Teilnahme an einer Blogparade überhaupt. Es handelt sich hierbei um ein Thema, zu dem ich schon länger etwas schreiben wollte. Weil die gefühlten Ungerechtigkeiten bezüglich der alltäglich zu erledigenden Arbeiten rund um Haus(halt) und Kind(er) auch mich regelmäßig in den Wahnsinn treiben. Und in die Erschöpfung.

(Ärgerlich, wenn man den Samstagabend damit verbringt, einen Text für diesen Blog fertig zu schreiben und dadurch viel später ins Bett geht, als es des Alltag (und das frühe Aufstehen mit Kindern) erlaubt. Ich hatte endlich gute Ideen bzw. Formulierungen – zumindest nach meinem Gusto – auf dem Schirm, und dann das: durch einen mir bis jetzt nicht nachvollziehbaren Fehler erschien nicht meine Endversion auf der Homepage, sondern eine um mindestens eine Stunde veraltete Version – und ich konnte daran nichts mehr ändern, außer mich zu ärgern).

Heute also mein zweiter Versuch. Und aus Protest und weil ich weiß, dass ich das „so gut“ nicht noch einmal hin bekomme *schnüff*, schreibe ich den Beitrag jetzt in einer etwas anderen Form. Nach dem ich ursprünglich mehrere Zitate von Teilnehmerinnen und Teilnehmern (denn ein Papa ist auch dabei!) der Blogparade zitiert und dazu Stellung genommen habe, vermischt mit meinen eigenen Ansichten zu dem Thema, versuche ich es nun so:

Worin geht es in dieser Blogparade überhaupt?

Es geht um den „Problemfall Mann“, wie die Teilzeitmutter es nannte. Es geht um ein Thema, das viele von uns betrifft: die Aufteilung häuslicher Arbeiten und Kinderbetreuung neben eventueller Erwerbstätigkeiten, welche per se ja schon einige Stunden, um nicht zu sagen, einen Großteil des Tages, einnehmen. Froh dürfen wir uns natürlich schon einmal schätzen, wenn es überhaupt jemanden gibt, mit dem wir uns diese Arbeiten – zumindest theoretisch – teilen können.

Inzwischen gibt es einige Beiträge in dieser Blogparade. Viele Frauen haben sich gefragt, ob es sein müsste, sich so öffentlich über den eigenen Mann zu äußern. Ich persönlich finde es durchaus legitim und nachvollziehbar, dass die Teilzeitmutter sich ihrem Frust auf diese Weise Luft gemacht hat. Dabei lies sie nicht unerwähnt, dass wiederholtes Ansprechen des „Problems“ bei ihrem Mann nicht die gewünschten Reaktionen hervorgerufen hat, was es mir noch verständlicher macht, dass sie mit dieser Thematik an die Öffentlichkeit gegangen ist.

Nach ihrem ersten Beitrag dachte ich allerdings: „Was für einen Arsch  hat die denn zu Hause ‚rumsitzen (im wahrsten Sinne…)?“ Aber dann habe ich  mich erinnert, dass mir dieses Phänomen  nicht zuletzt aus meinem Freundeskreis bekannt ist. Männer, die arbeiten und abends nach dem Job zu Hause dann erst einmal (verständlicherweise) ruhebedürftig sind, statt die Frau bei Haushalt und Kindern zu unterstützen. Sie lassen sich das oftmals warme Abendessen servieren und widmen sich anschließend lieber der Couch oder anderen eigenen Interessen, während die Frau die Küche aufräumt und die Kinder ins Bett bringt. Am Wochenende muss der Gute dann ausschlafen (möglichst an beiden Tagen) und sich im weiteren Verlauf von der anstrengenden Arbeitswoche erholen. Aktivitäten mit den Kindern sind eher eine Seltenheit, vor allem alleine mit ihnen, damit auch die Frau mal etwas Zeit für sich hätte. Wenn die Frau krank ist und / oder die Kinder, hält er sich gerne heraus. Es ist ihr Job! Er sorgt dafür, dass das Geld ins Haus kommt, alles andere fällt selbstverständlich in ihren Aufgabenbereich. Im Haushalt macht er fast gar nichts. Wenn man Glück hat, mäht er Samstags noch schnell den Rasen. Verständnis dafür, dass auch eine Woche zu Hause mit den Kindern sehr anstrengend sein kann, hat er logischerweise nicht – denn es mangelt ihm in dieser Hinsicht schlichtweg an Erfahrung!

Wenn die Frau auch noch arbeiten geht, muss sich an dieser Rollenverteilung nicht unbedingt viel ändern. Sie hat weiterhin zu Hause den gleichen Job zu machen. Er bringt mal den Müll raus – vielleicht.

Ja, das ist jetzt vielleicht überspitzt beschrieben, aber ich kenne solche Männer und so dachte ich, liebe Teilzeitmutter, ohne dieses Prachtexemplar von einem Mann wärst Du vielleicht nicht unbedingt schlechter dran.

Aber dann durfte ich einen weiteren Blogeintrag von ihr lesen, in dem sie die Sicht der Dinge etwas relativiert hat. Der Mann macht ja doch etwas zu Hause, gar nicht wenig, wie ich finde. Also, es gibt echt schlimmere von der Spezies. Und trotzdem kann ich sie verstehen, denn auch ich raste regelmäßig zu Hause aus, weil ich das Gefühl habe, alles alleine zu stemmen!

„Wenn Mutti eine Reise tut, dann kann sie was erleben“ – hinterher

Es ist Samstagmorgen, kurz vor 9. Sie ist müde. 24 Stunden Wachsein liegen hinter ihr, ein Flug über den „Großen Teich“. Sechs Tage Dienstreise,  welche sie auf den nordamerikanischen Kontinent brachte, dazu jetlagbedingter Schlafmangel „deluxe“, liegen hinter ihr. Im Flieger kann sie nie schlafen, jetzt hat sie nur noch einen Wunsch – und schließt die Haustür auf. Der Eingangsbereich sieht aus „wie Sau“, dabei hatte zu dieser Zeit heute noch niemand das Haus verlassen und mit dreckigen Schuhen erneut betreten. Der Dreck ist also älter. In der Küche sitzt die Familie beim gemeinsamen Frühstück beisammen, zusammen mit dem Abwasch des vorangegangenen Tages – mindestens. Sie begrüßt ihre zwei Kinder, die sie in der Woche so vermisst hatte, und ihren Ehemann. Sie setzt sich mit an den Tisch, redet ein wenig über dieses und jenes und möchte doch nur eines: endlich etwas Schlaf abkriegen! Nach dem das Frühstück beendet ist, legt sie sich hin. Aber es dauert eine Weile, bis ihre Kinder das akzeptiert haben und so viel Ruhe einkehrt, dass sie in einen 3stündigen kommatösen Schlaf fallen darf. Am liebsten hätte sie weitergeschlafen. Aber der Mann muss zur Nachtschicht und etwas Zeit mit den Kindern muss auch noch drin sein. Zu diesem Zeitpunkt ahnt sie  noch nicht, dass der Jetlag auch zurück in Deutschland zuschlagen wird und sie die nächsten Tage immer erst spät abends in den Schlaf findet – zeitgleich mit dem Erwachen eines ihrer Kinder. Außerdem stehen nächste Woche einige Konzerte an, da kann man nicht früh ins Bett gehen und muss nach 3 bis 4 Stunden wieder raus und die Kinder versorgen. Und der Mann ist die ganze Woche unterwegs, auch nachts.

Das klingt nach Gleichberechtigung, man wechselt sich ab. Vor ihrer Abreise hatte sie vorgearbeitet, ganz viel Wäsche gewaschen und vor allem auch gebügelt. Aber alles schafft sie eben auch nicht – so wie immer. Nun hatte sie doch tatsächlich gehofft, dass auch der Mann in der Woche etwas „Einsatz im Haus“ gezeigt hätte, immerhin hatte er Urlaub und die Kinder waren jeden Tag 4 – 5 Stunden in der KiTa.

Doch sie kennt das schon und lebt schon seit Jahren getreu dem Motto, „Erwarten Se nix!“ Zumindest versucht sie es immer wieder. Aber als sie sieht, dass nur eine Maschine Wäsche den Weg in den Trockenraum gefunden hat, und von da auch nicht mehr zurück, als sie erfährt, dass das Staubsaugen des Wohnzimmers unter Aufsicht der Kinder statt gefunden hat, genauso wie das Entfernen eines Bruchteils des Laubes, welches sich in den letzten Herbstwochen über das gesamte große Grundstück verteilt hatte, fragt sie sich doch: Was hat der Mann die ganze Woche mit seiner ungewohnten Freizeit angestellt?  Als sie am Sonntagnachmittag aufeinandertreffen, nach dem auch der Mann sich von der Nachtschicht schlafend erholt hatte und sie gerade die Küche und den liegengebliebenen Abwasch auf Vordermann bringt, konfrontiert er sie mit der Ansage: „Ich würde dann jetzt die Winterreifen auf Dein Auto ziehen!“

Sie ist verwirrt und wird sauer. Sie hatte doch extra das Auto dafür letzte Woche hier gelassen, war mit Kollegen zum Flughafen gefahren. Und jetzt muss sie zumindest versuchen, den Haushalt wieder ins Lot zu bringen, immerhin hat sie berufsbedingt nächste Woche auch kaum Zeit dazu. Aber vor allem hatte sie sich vorgenommen, für die anstehenden Konzerte zumindest mal ein Stündchen zu üben.

Wieso haben wir Frauen das Gefühl, mehr zu leisten als die Männer?

Oder täuscht uns unser Gefühl etwa?

Wissenschaftliche Studien wollen belegen, dass Frauen bei der Zeitinvestition für die Hausarbeit vor den Männer liegen. Ganze 70 Minuten täglich (im Schnitt) sollen es sein. Das glaube ich gerne! Und dann schaffen sie auch noch viel mehr Dinge in kürzerer Zeit als Männer. Zumindest ist das bei uns zu Hause so. Irgendwie kann ich die gleiche Aufgabe wesentlich schneller erledigen. Und auch nicht unbedingt schlechter bzw. ich gucke schon genau, was wie jetzt nötig ist, immerhin ist Zeit noch kostbarer geworden, seit man Kinder hat. Und so macht Frau es häufig lieber gleich selbst, statt den Mann stundenlang damit aufzuhalten. Das meiste geschieht bei mir sowieso irgendwie schnell mal zwischendurch, vieles erledige ich quasi gleichzeitig, und auch dahinter steckt System. Diese Art der Aufgabenerledigung finde ich oftmals einfacher, als wenn sich ein riesengroßer Berg ansammelt, der dann geballt abgebaut werden soll.

Und überhaupt, wenn wir schon beim Selbermachen sind: Männer haben halt andere Prioritäten, sie sehen vieles nicht so wie wir. Zum Beispiel den Dreck, oder Dinge, die am vermeintlich falschen Platz liegen. Da treffen eben zwei Individuen mit unterschiedlicher Wahrnehmung aufeinander. Den einen stören die herumfliegenden Wollmäuse und Klebespuren an den Fenstern, der andere sieht sie erst gar nicht – oder will sie nicht sehen.

Erwartungen und Wünsche beider Partnern gehen häufig auseinander, und darüber zu sprechen wäre mehr als wichtig, gelingt aber (im Alltag) nicht immer. Entweder aus gewissen Hemmungen heraus („Es muss doch funktionieren, dass ich das als Frau alleine schaffe. Andere schaffen es doch auch!“) oder weil der Mann es schlicht und einfach nicht fertig bringt, von seinen lieb gewonnenen Gewohnheiten abzuweichen. Das heißt, Frau spricht die vermeintlichen Störfaktoren mehrfach an, aber es ändert sich einfach nichts. Das führt immer wieder zu Enttäuschungen und das Miteinander ähnelt eher einem Gegeneinander.

Und ein bißchen zitieren möchte ich dann doch noch. So schreibt die rabenmutti:

„Das ist natürlich subjektiv, aber ich kenne tatsächlich viele Pappenheimer, die der Meinung sind, dass sie nichts tun müssen, solang sie sich nicht selber gestört fühlen. Da gibt es keine Kompromisse, da gibt es kein Entgegenkommen. Wir haben hier zwei Sichtweisen, zwei Perspektiven und statt sich in der Mitte zu treffen, wird eben stur geblieben. Da gibt es nur die Frauen, die zu viel möchten. Zu viel Unterstützung, die übertreiben und zickig sind…. In diesem Punkt war mein Mann sowas von doof. Ich habe mich so sehr aufgeregt und war stinksauer. Mit der jetzigen Situation lebe ich nun einfach, alles andere ist vergebene Liebesmüh´.“

Es gibt immer solche und solche

Ich habe einen vorbildlichen Mann. Nicht unbedingt in Punkto Ordnungssinn. Er macht auch einiges im Haushalt, das erkenne ich an. Nur leider macht er vieles nicht von sich aus. Man muss ihn erst dazu auffordern, mehrfach, und möglichst genaueste Arbeitsanweisungen geben, auch wenn er die Sachen schon zig mal zuvor gemacht hat. Aufräumen ist nicht so sein Ding. Ich muss innerlich jedes Mal grinsen, wenn er unseren Sohn versucht, zum Aufräumen zu motivieren.

Wenn er versucht, etwas im oder am Haus zu erledigen, fängt er an, und bringt es manchmal über Monate und Jahre (!) einfach nicht zu Ende. Keine Ahnung, voran das liegt. Und das Werkzeug dazu räumt er dann eben auch nicht wieder zurück. Wozu auch? Nächstes Jahr braucht er es vielleicht an genau der Stelle wieder. Das Kinderzimmer für Kind Nr. 2 – inzwischen 26 Monate alt – ist seit über einem Jahr eine Baustelle, mit Staub und Dreck und allem. Bevor ich tapezieren und streichen kann, müsste der Mann noch mal ran. Ok, wir haben wenig Zeit, aber: andere schaffen das doch auch. Und das ist nur ein winziges, unbedeutendes Beispiel. Welchen Rattenschwanz an Unordnung dieses fehlende Zimmer mit seinem großen Einbauschrank, der derzeit nicht genutzt werden kann, nach sich zieht, möchte ich nur am Rande erwähnt wissen.

Vorbildlich ist er allerdings, wenn es um die Zeit mit den Kindern geht. So zählt er in Deutschland immer noch zu einer Minderheitvon Väter, die mehr als zwei „Papamonate“ Elternzeit genommen haben. Aber in den 7 bzw. 5 Monaten seiner Zeit zu Hause, kam ich regelmäßig von meinen Diensten nach Hause und musste mich erst durch Dreck und Chaos wühlen. Viele Männer können das halt nicht so, sich organsieren und auch noch mit Kindern im Haushalt die anfallenden Arbeiten erledigen. Es fällt ihnen schon ohne Kinder schwer. Warum aber gelingt uns Frauen das besser? Liegt das in unserer Natur? Oder liegt es eben nicht in der Natur der Männer, so strukturiert einen Haushalt zu führen? Wieso setzen sie oftmals so ganz andere Prioritäten als wir? Vor etwa 5 Jahrzehnten wären wir Frauen von den abends heimkehrenden Männern wahrscheinlich noch gerüffelt worden, hätten sie einen derart verschlammten Haushalt vorgefunden. „Wie, das Essen ist noch nicht fertig? Was machst Du eigentlich den ganzen Tag? Das bißchen Haushalt macht sich doch von alleine…!“

Früher war alles besser –  oder eben anders

Aber wir leben eben nicht mehr in den 50er oder 60er Jahren des letzten Jahrhunderts. Frauen müssen oder wollen auch arbeiten gehen. Dies erfordert ein Umdenken, doch der Grundsatz der Gleichberechtigung ist noch nicht in allen (Männer-)Köpfen angekommen. Wir müssen unseren Männern klar machen, was diese Mehrfachbelastung für uns bedeutet. Auch ein Teilzeitjob plus Kinderbetreuung und Haushalt ist ein Fulltime-Job, von dem auch eine Frau einmal eine Auszeit braucht. Und dann sind da auch noch Frauen (wie ich selber), die tatsächlich einen Vollzeitjob haben. Trotzdem organisiere ich das meiste rund um die Kinder alleine. Denn wie schnell hier alles im Chaos versinkt, wenn ich einmal ausfalle (also so krank bin, dass nichts mehr geht oder auf Dienstreise bin) habe ich schon oft genug gesehen.

Ein tolles Vorhaben. Der Mann fährt mit dem Sohn in seine ca. 500 Km entfernte Heimatstadt. Der Sohn freut sich auf die Fahrt mit dem ICE. Der Mann freut sich auf seine Verwandtschaft. Die Frau freut sich auf ein paar Tage nur alleine mit der kleinen Tochter zu Hause – und aufs Packen. Dieses Mal hat sie sich vorgenommen, soll der Mann mal schön selber packen, für sich UND das Kind. Sonst macht sie das immer. Wenn die ganze Familie in den Urlaub reist, den sie zuvor natürlich angeleiert und organisiert hat (Ort auswählen, natürlich mit dem Mann abstimmen, Unterkunft finden, Aktivitäten vor Ort auf Kinderfreundlichkeit checken) und dann eben alles packen, was man als Familie mit zwei Kleinkindern so braucht.

Aber auch dieses Mal muss sie erkennen: das gibt nichts! Der arme Junge. Wenn der Papa die Hälfte für ihn vergisst, könnte das unangenehm werden. Also legt sie seine Sachen raus und schreibt dem Vater noch eine Packliste. Und checkt mittels Nachfragen, ob alles dabei ist. Na, dann Gute Reise!

Jede(r) so, wie er es mag – sofern er die Wahlfreiheit hat

Seien wir ehrlich: es gibt auch genügend Frauen, die mit der heimischen Rollen- und Aufgabenverteilung vollkommen zufrieden sind, selbst wenn sie die Hauptlast tragen. Sie sind zu Hause bei den Kindern, genießen dies und gehen vollkommen in dieser Tätigkeit auf. Sie haben keine Angst vor Altersarmut oder einer Veränderung in der Familienkonstellation, welche die Zukunft ungewiss machen könnte – oder verdrängen aufkommende Gedanken daran. Oder sie gehen in Teilzeit arbeiten, und das reicht ihnen vollkommen (verständlicherweise!) – zum Glück auch finanziell. Logischerweise machen sie dann mehr zu Hause als der Mann, und finden das in Ordnung so. Sie sehen es als ihre quasi naturgegebene Aufgabe an. Es ist halt so, vielleicht, weil es schon immer so war. Sie fühlen sich wohl damit, und das ist auch gut so!

Ich selber strebe immer wieder eine Gleichberechtigung im Familienalltag an, da wir beide zu gleichen Teilen arbeiten gehen (was von uns beiden derzeit so erwünscht ist) und dabei gleich viel verdienen. Leider ist unser Alltag durch Schichtdienste sehr organisationsaufwendig. Und ich verstehe auch, wenn das einem der Partner besser liegt und er es daher übernimmt. Nur sollte dafür auch einmal ein Wort der Anerkennung drin sein und nicht noch Kritik, sollte etwas mal nicht so gut laufen.

Nur weil es vielen immer noch so erscheint, als sei diese Gleichberechtigung bei der Kindererziehung wie auch im Beruf eine widernatürliche Sache, die man nicht erreichen kann, kann und sollte man doch trotzdem versuchen, sie anzustreben. Familien in skandinavischen Ländern machen uns vor, dass es geht (zumindest eher als bei uns), allerdings – das darf man in diesem Zusammenhang nicht vergessen – mit einer gewissen politischen Unterstützung. Alte Rollenvorstellungen haben sich dort schon seit Jahrzehnten verändert, wir in Deutschland hinken dem hinterher.

Dazu dann doch noch das Zitat eines bloggenden Papas:

Ich denke, aufgrund der Tatsache, dass die meisten Frauen in der Regel eine längere Elternzeit als ihre Partner nehmen und öfters in Teilzeit arbeiten, in der schlechteren Ausgangsposition sind. Trotz neuer Elternzeitgesetze wird sich das auch erst langsam ändern. Aber so lange die Situation in Deutschland weder politisch noch gesellschaftlich wie in Skandinavien ist, muss innerhalb der Beziehung verhandelt werden. So blöd es auch klingt, sich neben dem vielen Stress, um Alltagsdinge zu streiten, ich denke da muss man(n) oder frau durch. Alles andere ist weder gut für die Beziehung noch gut für die Familie. Und je länger der Zustand der Ungleichheit andauert, desto schwieriger wird es, neue Kompromisse zu schließen.

Und ich denke, hier liegt der Hase im Pfeffer.

Was häufig fehlt ist das Verständnis und vor allem die Anerkennung dessen, was eine Frau mit Kindern UND Haushalt (und vielleicht auch noch Job) überhaupt leistet, und das dies nicht unbedingt weniger sein muss als die Belastung durch eine stundenmäßig gut ausgelastete Erwerbstätigkeit. Nur eben mit schlechterer Bezahlung (also gar keiner, um genau zu sein). Ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass dieser Job „zu Hause“ anstrengender sein kann, kommt doch auch noch die große Verantwortung für das Gedeihen und das Glück der eigenen Kinder  hinzu. Verbunden mit vielen Einschränkungen bezüglich des „eigenes Lebens“, was auch zu Frustrationen auf Seiten der Frauen führen kann, ist das  alles nicht so einfach, wie es für Außenstehende oder sogar den eigenen Mann aussehen mag.

Die Aufgaben sind nicht zu bewältigen, auch von beiden gemeinsam nicht

Auch auf marasgedanken wurde die Thematik über die Rolle des Mannes angeschnitten, in dem sie fragt: „Wo ist eigentlich mein Mann?“

„Ich bemühe für die heutige Partnerschaft mit Kind häufig das Bild von einem Zweier-Team, das zuviel Arbeit hat. Selbst wenn beide sich bis zum Letzten verausgaben, sind die Aufgaben nicht zu bewältigen. Beide werden unzufrieden und unglücklich und keiner der beiden kann etwas dafür. Wenn es ganz schlecht läuft, beginnen endlose Zweikämpfe um Nichtigkeiten und Wichtigkeiten und es endet in einer Scheidung.“

So sieht es auch bei uns aus. Unsere To-Do-Liste ist endlos und würde auf Papier geschrieben, vermutlich einmal den Erdball umrunden können.

Was sich ändern müsste

Das Männer einfach mal etwas von sich aus machen, ohne ständige Aufforderung, das wäre schon eine Erleichterung des Alltags. Oder einfach mal organisieren können. Wenn man einen Partner hat, der das nicht kann, sieht man eben alt aus. Gerade diese ständig anfallenden Organisationsarbeit kann auf Dauer sehr schlauchend sein. Wenn der Mann ruhigen Gewissens eben dieses und jenes „vergisst“ und ohne die Frau scheinbar kaum etwas funktioniert, nervt das auf Dauer. Nicht das es bei uns so wäre, also zumindest nicht immer.

Wer kümmert sich um die Adventskalender und Geschenke für die Kinder, das gerade zum Entwicklungsstand passende Spielzeug, das Aussortieren zu klein gewordener Kleidung und das Beschaffen der nötigen „Ersatzteile“, ohne die das Kind vermutlich früher oder später nackt herum laufen müsste? Wer packt vor der Urlaubsreise die ganzen Koffer und schleppt das Zeug heran, welches benötigt wird? Und so weiter, beliebig fortsetzbar.

Das Experiment, einfach selber mal nichts mehr machen und zu sehen, was passiert, traue ich mich nicht zu starten. Es reichen mir die Zeiten, in denen ich aus welchen Gründen auch immer mal für mehrere Tage als Arbeitskraft zu Hause ausfalle. Danach sind es eben noch mehr Maschinen Wäsche, die gewaschen werden wollen.

In ihrem Buch „Alleinerziehend mit Mann“ beschreiben Monika Bittl und Silke Neumayer sehr humorvoll, wie das Leben eben aussieht, wenn der Mann sich für fast nichts verantwortlich fühlt oder eine ganz andere Wahrnehmung seiner Tätigkeiten hat als die Frau. Denn Männer glauben oft schon, sie hätten sich 50:50 in die Hausarbeit und Kinderbetreuung eingebracht, wenn sie mal die Geschirrspülmaschine ausgeräumt oder die Wäsche aufgehängt haben. Was alles „im Hintergrund“ passiert, quasi mal eben zwischendurch, nehmen sie häufig gar nicht wahr, da sie die Arbeit gar nicht als solche erkennen. Männer nehmen oft schlicht und einfach für selbstverständlich, was Frauen machen. Und je mehr Frauen machen, desto weniger machen Männer – habe ich das Gefühl.

Das einzige, was die nervige und immer wieder anfallende Hausarbeit für alle beteiligten entzerren kann, ist meiner Meinung nach eine gute (!) Putzhilfe. Ich hatte ein paar Monate lang das Vergnügen, und es war wirklich ein gutes Gefühl (wenn auch in manchen Punkten noch optimierbar). Ich hoffe, dass ich bald wieder jemanden finde. Allerdings kostet das nun mal auch Geld, und das muss man erst einmal über haben bzw. muss es einem das Wert sein. Mir ist Zeit für die Kinder oder für mich inzwischen wichtiger, und wenn ich schon so viel arbeite, muss das einfach drin sein.

So lange wir uns in jahrezehntealten Rollenvorstellungen bewegen, so lange Söhne anders sozialsiert werden als Mädchen, also schon in der Erziehung auf diese zukünftigen „Rollen“ hingearbeitet wird, so lange Männer ihr bisheriges Leben auch dann weiterführen, obwohl sie Vater geworden sind, aber von den Frauen verlangt wird, dass sie alles in ihrem Leben bisher da gewesene „an den Nageln hängen“, wird sich sobald nichts ändern. So lange die Politik dies auch noch unterstützt und auch Arbeitgeber keine wirkliche Wahlfreiheit zulassen, bleibt alles beim Alten. Wir  müssen da bei uns zu Hause anfangen, im Kleinen. Das fängt schon mit der Partnerwahl an. Äh, aber lassen wir das, das ist ein anderes Thema.

 

Advertisements