Was man so hört… XIV Stichwort: Antidpressiva bei Müttern

Die Juristin hat ein interessantes Zitat von Müttern gebracht, die an mehreren „Fronten“ kämpfen. Viele von uns kennen das, dieses Gefühl, dass alles zu viel ist.

Von anderen studierenden Müttern (Studium, Kinder, Hausbau):

„Erst seit ich die Antidepressivia nehme, merke ich plötzlich, wie schlecht es mir eigentlich die ganze Zeit ging.“

Hier gehts zum Original.

Meine eigene Erfahrung

Ich selber habe nach einem kompletten Zusammenbruch 11 Monate lang Antidepressiva genommen. Es dauerte eine Weile, bis sie ihre positive Wirkung gezeigt haben. Zunächst einmal hatten sie ein paar Wochen ihre möglichen Nebenwirkungen offenbart. Meine Panikattacken waren schlimmer und zahlreicher als je zuvor. Und dann ging es mir eine ganze Zeit lang richtig gut. Ich war viel gelassener und insgesamt besser drauf. Stresssituationen, egal ob körperlich oder psychisch bedingt, konnte ich besser verkraften. Und vor allem konnte ich besser schlafen. Auch tagsüber mal schnell einpennen, um für die Kinder und den Alltag wieder Kraft zu tanken, war mir nun endlich wieder gegeben. Das alles tat mir gut und ich fühlte mich so gut wie zuletzt, bevor ich Mutter wurde und noch mein altes Leben mit Ruhepausen und Zeit für mich leben konnte. Ich sagte immer, dass ich zu mir selbst zurück gefunden hätte, eben auch mit Hilfe von Antidepressiva.

Mit oder ohne?

Vor einem Monat habe ich die Tabletten nach dem typischen Ausschleichen über mehre Wochen komplett abgesetzt. Ich dachte, ich sei soweit, ohne klar zu kommen. Doch in der jüngsten Zeit fing es wieder an mit einigen der Symptome, die ich auch hatte, bevor ich die Tabletten nahm bzw. in den ersten Monaten nach dem Burnout auch unter den Tabletten immer noch mal auftraten. Nun kommt hinzu, dass ich eine emotional sehr anstrengende Zeit hinter mir habe (ehrlich gestanden stecke ich noch mitten drin), dazu kam umständehalber auch zu wenig Schlaf. Oft kann ich wieder nicht richtig „runterfahren“, zur Ruhe kommen und somit in den Schlaf finden. Oder mein Schlaf ist recht oberflächlich. Ich habe weniger gute Laune, bin wieder reizbarer, der Alltag erscheint mir wieder anstrengender, denn manche körperlichen Symptome beeinträchtigen meinen Alltag und logischerweise mein Wohlbefinden. Ich bin also gerade mal wieder komplett „durch“. Und so überlege ich tatsächlich, das Zeug wieder zu nehmen, wenn es schlimmer wird, es mir also nicht durch „gutes Zureden“ wieder besser geht. Hier entsteht nämlich ein Teufelskreis. Man fühlt sich scheiße und kommt aus dem Gefühl einfach nicht raus, weil die Probleme anhalten und man dazu nicht die richtige Einstellung oder Lösung findet. Eventuell steigert man sich dann noch mehr rein und verstärkt somit die Symptome, denn die körperlichen Symptome spielen eben mit. Sie signalisieren mir, dass irgend etwas nicht stimmt. Jedenfalls geht es mir in meinem konkreten Fall so.

Mama muss funktionieren

Aber verdammt noch mal, ich muss funktionieren. Sei es in meinem Job oder als Mutter und Hausfrau etc. Ich wollte nicht noch einmal erleben, was ich vor einem Jahr erlebt habe. Aber es ist eben das Leben, mein Leben mit meiner (Hoch-)Sensibilität und der Vorbelastung aus einer depressiven Episode / dem Burnout. Da ist die Angst, das wieder zu erleben, sobald’s im Leben irgendwo hakt, eben ein (fast) ständiger Begleiter. Und ich habe nach wie vor wenig Zeit für mich, auch wenn es mir besser gelingt, sie für mich einzufordern als in der Zeit, als die Kinder noch sehr klein waren.

–> Gerade bin ich home alone, die Kinder sind bei den Großeltern, die ich spontan gefragt habe, mir zu helfen, weil es mir wirklich nicht gut geht. Und ich habe natürlich wieder das berühmte Mutter-Schlechte-Gewissen. Und das, obwohl die Kinder freudestrahlend ihre Sachen gepackt haben und ohne zu weinen mit OmaOpa mit gefahren sind. Ich vermisse meine Kinder tatsächlich gerade, aber ich habe gespürt, dass ich dringendst endlich mal wieder eine kleine Auszeit brauche und mal einen Morgen, an dem ich etwas länger schlafen darf. Ich weiß nicht, wie viele Monate es her ist, dass ich mal ausschlafen durfte. <–

Warum Antidepressiva?

Nun dürfte der Grund für die Einnahme von happy pills sehr individuell sein und die Präparate sind auch unterschiedlich. Der Gründe, warum eben auch vermehrt wir Mütter zu diesen Medikamten greifen, dürften also recht individuell sein. Aber oft ist eben eine deutliche Überbelastung und die in der heutigen Zeit extrem hohen Anforderungen, die an uns Frauen mit Kindern gestellt werden, dafür verantwortlich, dass es nicht ohne geht. Und das macht mich nachdenklich und traurig zugleich. Für mich entsteht hier ein Teufelskreis. Ich würde so gerne ohne diese Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI, also das Zeug, was ich mir eingeworfen habe) auskommen, ich fände es für mich persönlich schade, wenn es auf Dauer nicht ohne ginge. Denn die Tabletten dämpfen auch schöne Gefühle. (Und z. B. sexuell ist’s ohne einfach schöner 😉). Und sie haben noch weitere Nebenwirkungen. Aber am Ende zählt eben, dass es mir so gut geht, dass ich für die Kinder eine gute Mutter bin. So ist das eben.

Am Ende möchte ich meine LeserInnen bitten: traut Euch, schreibt mir Eure Erfahrungen zum Thema, natürlich gerne anonym. Ihr würdet mir echt helfen. Es ist noch immer ein großes Tabuthema, wenn Menschen – und eben auch wir Mütter – solche Medikationen benötigen, um auf den Beinen zu bleiben. Wieviele sind es wirklich da draußen. Meldet Euch!

Juraexamen mit Kind - war Justitia Mutter?

Von anderen studierenden Müttern (Studium, Kinder, Hausbau):

„Erst seit ich die Antidepressivia nehme, merke ich plötzlich, wie schlecht es mir eigentlich die ganze Zeit ging.“

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(M)ein Leben nach dem #Burnout – Ich bin „jede 5. Mutter“ *

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Der Weg ist das Ziel (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

(Aktualisierte und ergänzte Fassung vom 19. Jan. 2017)

Jetzt schreibt sie ja schon wieder von diesem Thema, das ewig gleiche. Die erschöpfte Mutter. Aber ich finde, das ist ein Thema, über das man in der heutigen Zeit nicht oft genug schreiben kann, um das Umfeld dafür zu sensibilieren. Um den Leuten, vor allem denen ohne Kinder und auch noch etlichen Herren der Schöpfung, einmal klar zu machen, dass wir Frauen und Mütter nicht immer das perfekt-schöne Leben führen, auch wenn wir zu Hause eine (angeblich) ruhige Kugel mit Kind(ern) schieben, im „Babyurlaub“ sind und gerade nicht „arbeiten“ im Sinne von Gelderwerb. Auch nicht dann, wenn viele Mütter häufig nur noch in Teilzeit arbeiten, so neben den Kindern und dem bißchen Haushalt, haha.

Wie aber geht es mir ganz persönlich nach diesem Zusammenbruch, den ich als „schweren Burnout“ bezeichne, wenn ich ihn mal „so nebenbei“ erwähne? Das ist gar nicht einfach zu beantworten. Ich werde es weiter unten versuchen. Fragen tut auf jeden Fall keiner – oder nur engste Freunde. Aber an und zu ergibt sich für mich die Gelegenheit, im Kollegen- oder Bekanntenkreis davon zu berichten. Beiläufig, mich möglichst nicht zu sehr in den Vordergrund drängend. Ich möchte andere für dieses ernste Thema sensibilisieren. Burnout – das trifft eben nicht nur überforderte Manager oder Arbeitnehmer, nein, es trifft auch Frauen, besser gesagt Mütter, die versuchen, Familie, Beruf und ihre eigenen Wünsche unter einen Hut zu bringen und allem und möglichst jedem gerecht zu werden. Mütter,  die gerade in der heutigen Zeit enorm unter Druck stehen. Weil einfach so viel von ihnen auf allen möglichen Ebenen verlangt und erwartet wird. Oder wir Mütter glauben, überall annähernd perfekt mitmischen zu müssen.

Vielleicht sind Alleinerziehende häufiger von einer totalen physischen und psychischer Erschöpfung betroffen, vor allem dann, wenn sie wirklich für alles alleine verantwortlich sind, es keinen Wochenend-Papa, Großeltern oder ein anderes verfügbares soziales Netzwerk gibt. Das ist dann der „worst case“. Aber auch Frauen mit viel arbeitenden Männern an ihrer Seite, oder mit Männern, die sich wenig für die Belange von „Mutti“ interessieren, sind in Gefahr. Ich selber fange den Schichtdienst meines Mannes auf, dazu gehören von ihm durchgearbeitete Wochenenden (wenn ich selber mal eine Pause bräuchte), Nachtschichten, vor und nach denen der Mann schlafen muss oder eben häufige 12-Stunden-Schichten. Hinzu kommen meine eigenen oft unregelmäßigen Arbeitszeiten, die bis in die Nacht hinein gehen.

Letztendlich können auch Mütter, die mit ihren Kindern gänzlich zu Hause sind, von einem  Burnout betroffen sein. Denn viele Faktoren spielen beim Entstehen dieser Erkrankung eine Rolle.

Wenn der Körper streikt

Sicherlich sind Menschen unterschiedlich disponiert, was ihre ganz eigenen Resilienz, also ihrer Widerstandskraft gegenüber Belastungen angeht. Die einen halten länger unter hohen Belastungen durch, brauchen weniger Schlaf, weniger Auszeiten für sich selber und nehmen sich nicht gleich alle (gefühlte) Kritik  zu Herzen. Und andere trifft es eben eher. Sie sind weniger gelassen, halten dem übervollen Sorgenkonto irgendwann nicht mehr stand und erliegen schließlich ihrer totalen körperlichen und psychischen Erschöpfung. So wie ich. Als hochsensibler Mensch stoße ich vielleicht früher an meine Grenzen, wo mir alles zu viel wird als jemand, der mehr von den äußeren Reizen wegfiltern kann. Mir fehlt vor allem immer wieder Ruhe, Zeit mit mir alleine,  mein Selbst, meine Interessen, mein eigenes Leben eben – abseits meiner Kinder und der dazu kommenden, mehr als lästigen Hausarbeit. Auch habe ich unter meinen zwei Kindern ein sehr anstrengendes, welches uns Eltern in vielen Belangen sehr fordert. Und ich habe Altlasten.

Ausgebrannt

Ja, mir ist es passiert. Ich konnte irgendwann gar nicht mehr, nach dem ich schon lange nur noch aus dem „letzten Loch pfiff“. Ich habe mich lange gequält und es nicht wahr haben wollen. Besser, ich musste erst einmal realisieren, was da mit mir überhaupt geschieht und das es tatsächlich Panikattacken sind, die mich immer wieder heim suchen. Und die Ärzte, zu denen ich tatsächlich bereits ein gutes Jahr zuvor hilfesuchend ging, erwähnten, dass ein Burnout im Bereich des Möglichen wäre, aber keiner konnte mir sagen, was ich tun sollte, damit es nicht so weit kommt. Hier oder da mal ein Stündchen für mich hat einfach nicht mehr ausgereicht, um noch die Kurve zu kriegen, um mich so weit erholen zu können, dass die Akkus wieder annährend voll waren. Es war längst zu spät. Ich kam aus der Spirale nicht mehr heraus. So richtig hat mir also niemand geholfen und konnte mir niemand helfen. Damit war der totale Zusammenbruch quasi vorprogrammiert.

Um allen möglicherweise Betroffenen einerseits Mut zu machen, dass es ein „Leben danach“ gibt, aber auch eventuell eine Möglichkeit, dass es erst gar nicht so weit kommen muss, dafür möchte ich hier noch einmal aufschreiben, welche Symptome und Anzeichen es bei mir gegeben hat. Und was ist überhaupt ein Burnout? Eine Begriffserklärung aus meiner Sicht, ohne jetzt den Duden oder einschlägige psychologische Seiten zu konsultieren:

Burnout, das ist erst einmal ein moderner Begriff für eine Erschöpfungsdepression (oder auch: psychisches Belastungs-oder Erschöpfungssyndrom), ist also artverwandt mit einer Depression. Aber für mich ist es nicht unbedingt das gleiche. Es fühlt sich zeitweise vermutlich gleich an – und ich habe lange überlegt, ob ich nun depressiv bin oder nicht. Sicher, solche Momente geprägt von Niedergeschlagenheit, Traurigkeit, vielleicht sogar Aussichtslosigkeit, zumindest in dem Moment, die gab und gibt es immer mal wieder. Ich selber bin aber ein viel zu lebensbejahender und optimistischer Mensch – zumindest meiner ganz persönlichen Einschätzung nach – das ich glauben kann, eine (immer wiederkehrende) Depression zu haben. Eine depressive Episode war mein Burnout aber zweifelsohne. Und dem voraus ging eine Zeit, in dem mein Denken zunehmend von Sinnlosigkeit geprägt wurde.

Burnout, das heißt ausgebrannt sein. Und das trifft es für mich sehr gut. Die Akkus sind irgendwann komplett leer und lassen sich nicht so null-komma-nichts wieder aufladen. Wie gesagt, kleine Auszeiten haben es irgendwann nicht mehr gebracht. Ich war leer, wirklich ausgebrannt und zu nichts mehr fähig, mein Körper hat seinen Dienst schließlich komplett versagt.

Wie alles begann. Eine Mutmaßung

Angefangen hat das ganze vermutlich schon nach der Geburt meines ersten Kindes. Wenn ich ganz ehrlich bin, so habe ich die Weichen dafür vermutlich noch viel eher gestellt (Stichwort Altlasten). Mein Leben hat sich vor nun fast 5 1/2 Jahren von einem Tag auf den anderen mit der Geburt meines Sohnes total verändert. Nichts war mehr so wie vorher, alles, was zuvor mein Leben bestimmt hatte, schien plötzlich in weiter Ferne. Und auch die Liebe zu diesem neuen Menschlein konnte diesen gewissen Verlust nicht immer kompensieren. Hinzu kam wirklich ein unglaublicher Schlafmangel ausgelöst durch ein wirklich extrem schlecht schlafendes, viel schreiendes Baby. Und eine Monotonie des Alltags, die ich so nicht kannte. Nach 7 Monaten schließlich kam die Mehrfachbelastung, ich ging wieder in meinen alten Job zurück, und machte diesen – oder versuchte es zumindest – wie zuvor auch. Als wäre nichts gewesen.

2 Jahre später kam mein zweites Kind auf die Welt. Auch wenn ich dieses Mal wusste, was da auf mich zukommt oder kommen könnte und mir vieles leichter erschien, so hatte ich nun ja zwei kleine Menschlein zu versorgen. Auch wenn mir KindNr. 1 plötzlich so groß vorkam, so weiß ich heute, dass er noch so unglaublich klein war. Ich war schlicht überfordert, müde, ausgelaugt und vor allem existierte ich selber nicht mehr – und ging nach 9 Monaten erneut in den Job. Dieses Mal zweifelte ich diese Entscheidung aber enorm an, so wie plötzlich alles, was mein Leben und auch in der Vergangenheit gemachte Entscheidungen anbelangte. Und diese Zweifel wurden mit zunehmender Erschöpfung immer größer. Wozu mache ich das alles? Aber ich muss ja Geld verdienen, um im Jetzt und erst recht im Alter von etwas leben zu können. Mein Mann verdient zu wenig, um eine vierköpfige Familie zu ernähren, und in die Abhängigkeit würde ich mich ebenfalls niemals begeben wollen. Schon gar nicht bei unseren Paarproblemen, die mich zusätzlich – oder vielleicht sogar zu großen Teilen – mit nach unten zogen.

Jobalternativen gab (und gibt) es keine. Also machte ich einfach weiter. Mit schwierigem KindNr. 1, den ständigen, von ihm ausgehenden Geschwisterstreitigkeiten, meiner schwieriger Ehe, vielen Altlasten und dieser unsagbaren Müdigkeit. Und dann war da vor allem auch noch der Anspruch an mich und andere. Gut geführter, nicht allzu chaotischer Haushalt und gut im Job. Gute Mutter, die nicht ausrastet, wenn ihr alles zu viel wird, was ich nicht schaffte… . Also begleiteten mich auch noch diese ständigen Schuldgefühle, weil ich all meinen Aufgaben nicht gerecht werden konnte und viel zu viele Fehler machte. Darunter unverzeihliche. Und je schlechter es mir ging, desto mehr glaube ich, das gehöre so, also dass ich mich so aufopfere, dass ich selber nicht mehr zähle, dass ich keinen Anspruch mehr auf mich habe dürfe. Immerhin: ich hatte mich doch für das Muttersein entschieden, ich wollte Kinder, also bitte, dann muss ich da jetzt auch durch, dann ist es ganz normal, dass meine eigenen Bedürfnisse nicht mehr zur Debatte stehen. Das Darben gehört halt einfach dazu, basta! Ich glaube, ich müsse mich quälen, das würde man von mir verlangen bzw. ich verlangte es aufgrund dieser Vorstellungen von mir. Und lange Zeit hat mir auch niemand erzählt, dass ich auch irgendwie wichtig wäre. Ich ahnte es zwar und sehnte mich nach meinem alten Leben, wieder mit schlechtem Gewissen. Und klar, so lange die Kinder sehr klein sind, ist die Belastung besonders hoch. Da ist es sehr schwer oder nur mit sehr gut ausgebautem Netzwerk und viel Gelassenheit und Resilienz möglich, gut durch diese Zeit zu kommen. Ich hatte zu wenig von all dem und kam eben nicht durch. Ich funktionierte nicht mehr!

Meine Symptome – Mama funktioniert nicht mehr

Meine Symptome waren folgende, mit der Zeit traten immer mehr auf (die Reihenfolge entspricht allerdings nicht ihrem tatsächlichen Auftreten):

  • Schwindelgefühle, und zwar nicht nur dann, wenn ich mal eben aufstand, sondern einfach so zwischendurch
  • Müdigkeit, permanente. Auch nach einer guten Nacht. Nach sehr wenig Schlaf hätte ich auf der Stelle einschlafen können, aber durfte nicht. Wie oft musste ich mich wachhalten und weiter funktionieren. Und wenn ich mal die Chance hatte, ging es auch nicht. Denn ich hatte
  • Schlafstörungen Tagsüber einschlafen konnte ich nicht mehr, und nachts wachte ich ständig auf, lag mehrere Stunden wach und das alles zu den von den Kindern verursachten Störungen. (Ich war allerdings schon lange ein schlechter Schläfer und glaubte, es gehöre dazu).
  • Gereiztheit, Aggressivität. Ich habe echt geglaubt, ich sei der schlechteste Mensch überhaupt und dass ich so langsam verrückt werde. Ja, richtig verrückt, psychische Störung, psychische Erkrankung oder so etwas. Ich habe mich nicht mehr für normal gehalten, sondern einfach für krank. Und ich fing häufiger an zu heulen, einfach so, aus dem Nichts. Sitze da mit den spielenden Kindern und plötzlich heule ich los.
  • Die ganzen körperlichen Symptome setzten eine Spirale der Angst in Gang. Ich fühlte mich fast immer so elend, ich konnte nur schwer körperlich krank sein. Krebs oder sonst etwas. Wieviel ich meine Symptome googelte, was das alles sein konnte. Und mein Blutbild wies sowieso immer einige Ungereimtheiten auf, zu hohe Entzündungswerte z. B. Und ein schwerer Eisenmangel der Körpereisenwerte. Auch das erschöpfte mich sicher zusätzlich.
  • Aus Angst, krank zu sein, frühzeitig sterben zu müssen, nicht mehr meine Kinder aufwachsen zu sehen, nicht mehr funktionieren zu können, bekam ich noch mehr Angst. Dies erzeugte Angst vor der Angst, ich hatte Angst- und Panikattacken. Wenn mich nach dem Zusammenbruch Leute fragten, was ich denn hätte, habe ich immer gesagt, ich leide unter einer Angst- und Panikstörung (mit depressiven Anteilen), denn das war meine Diagnose. Gerade als meine Erschöpfung ihren Höhepunkt erreichte und ich schließlich anfing, Antidepressiva zu nehmen, hatte ich unglaublich starke Panikattacken. Ich erlebte, wozu der Körper fähig ist, also im negativen Sinne.
  • Ich hatte immer wieder Herzrasen. Das wurde abgeklärt, es sollte alles in Ordnung sein. Es fühlte sich so an, als würde mein Kreislauf einfach zusammenbrechen. Am Ende war das natürlich besonders schlimm. Da lag ich einmal einfach nur auf dem Sofa und sah meinen Kindern beim Spielen zu und es wurde mir plötzlich ganz komisch und ich glaubte, im nächsten Moment sterben zu müssen.
  • Ich hatte Atemprobleme, für mich eines der schlimmsten Symptome, die mich lange und immer wieder begleiteten. Fühlte sich an, als wäre zu wenig Sauerstoff um mich herum. Ich bekam einfach nicht genug von dem lebenswichtigen Zeug. Und ich atmete häufiger nicht mehr autonom. Ich musste mich richtig darauf konzentrieren, damit ich das Atmen nicht vergesse. Nachts wachte ich auf, weil ich zu Atmen aufgehört hatte. Besonders in der ersten Zeit nach dem Komplettabsturz meines Systems gab das ganz schlimme Nächte, zusammen mit den nächtlichen Panikattacken. Ich war einfach kurzatmig, weil mir ja auch generell die Kraft fehlte.
  • Ganz am Ende hatte ich noch nicht einmal mehr die körperliche Kraft zum Sprechen. Versuchte, meinem Sohn ein Gute-Nacht-Buch vorzulesen und konnte fast nur Flüstern.
  • Ich kam kaum mehr hoch, musste mich richtiggehend zwingen. Ich hatte mental noch Lust auf das Leben, aber mein Körper wollte nicht mehr. Ich erinnere mich, dass ich auch nach einer gut geschlafenen Nacht nicht mehr konnte, mich unter die Dusche schleppte – und mich schließlich das erste Mal von meinem Mann ins Krankenhaus fahren ließ. Auf dem Weg dahin hatte ich eine Hyperventilationstetanie, mein gesamter Körper kribbelte und verkrampfte und ich dachte, ich müsse sterben. Es war mein Nahtoderlebnis. Seit dem ist eine Tüte mein ständiger Begleiter. Allerdings tauchte das Kribbeln auch auf, wenn ich wieder besonders unter Anspannung stand, ich also der Meinung war, nicht völlig falsch geatmet zu haben. Das Kribbeln meiner Nasenspitze z. B. war einfach nervig undunheimlich.
  • Überhaupt, mein Körper war zusehends total verkrampft. Ich konnte gar nicht mehr entspannen. Er muss überschüttet gewesen sein mit Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Diese Verkrampfung hatte ich auch hinterher, also nach den Monaten nach dem Zusammenbruch immer noch, es fühlte sich an wie eine Verkrampfung von innen. Fürchterliches Gefühl, als würde das Blut sich verfestigen und man innerlich verkleben oder so.
  • Ich hatte, passend zum Schwindel auch Sehstörungen. Also unscharf sehen auch mit Brille auf der Nase. Aber auch immer wieder einen gewissen Druck im Kopf und im gesamten Körper.
  • Ich hatte am Ende so etwas wie Hitzewallungen (und dachte an eine verfrühte Menopause), vor allem Hitzegefühle hinter der Stirn. Auch ein Gefühl, das man echt nicht haben muss.
  • Und dann fing irgendwann das Brummen und Zittern an. Spätestens da wusste ich, dass irgendwas Schlimmes im Gange sein muss. Dieses Brummen wurde immer lauter, es war so unheimlich laut, wie ein Tinnitus, der von meinem gesamten Körper produziert wurde. Das war vor allem nachts unheimlich nervig.
  • Es kribbelte, in den Händen, in den Füßen, das Gesicht, alles. Ich überlegte, was das sein könnte. Multiple Sklerose vielleicht? Und in den Tagen, bevor ich mich vom Krankenwagen abholen ließ, da fing plötzlich einfach mal ein komplettes Bein zu kribbeln an.

Und so konnte ich mich schließlich einfach nicht mehr auf den Beinen halten. Nichts ging mehr.

Wieder einmal in der Notaufnahme

Und dann kam der Arzt im Krankenhaus, der mich soweit ernst nahm und mir ein Antidepressivum verschrieb. Eines aus der Gruppe der SSRI, ein sog. Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer. Und es begann ein langer Prozess der Genesung bzw. des Akzeptierens, des Lernens, des Änderns meiner inneren Einstellung. Was mir gelang, als es mir körperlich besser ging. So gut wie seit Jahren nicht mehr. Also doch nicht todkrank, nur manchmal etwas müde und schlapp und einfach überfordert.

In den ersten Wochen lag ich einfach nur da, die Nächte waren schlimm und tagsüber konnte ich gar nicht schlafen. Ich konnte anfangs gar nichts machen, selbst Lesen war mir zu viel. Fast zwei Wochen habe ich gar nichts gegessen, selbst Schokolade kam mir nicht über die Lippen. Um meine Kinder musste sich mein Mann ganz alleine kümmern. Ich starte die Decke an oder hielt die Augen nach Möglichkeit einfach geschlossen, denn das war weniger anstrengend. Da lag ich und gab meinem Körper und Geist das, was er sich jahrelang immer deutlicher eingefordert hatte: Ruhe! Nach einiger Zeit konnte ich mich zeitweise in den Sessel oder auf meinen Sitzsack setzen. Ich schaute aus dem Fenster und genoss diese ruhigen Momente, wenn meine Kinder im Kindergarten waren. Viel tun konnte ich nicht. Bestimmt nicht üben oder all die Dinge, nach denen ich mich so lange schon sehnte, z. B. Klavier spielen oder Lesen. Irgendwann machte ich wieder ein wenig im Haushalt, aber nicht zu viel. Und ich fragte mich, ob dieses scheußliche Brummen und Zittern meinen Körper irgendwann wieder verlassen würde. Es sollte Wochen dauern, bis es weniger wurde, und Monate, bis ich es gar nicht mehr spürte….

Und heute? Oder: Phoenix aus der Asche

Wie geht es mir heute, 10 Monate danach?

Ich hatte den Text schon vor zwei Monaten getippt und ihn jetzt überarbeitet. Ja, zwischenzeitlich ging es mir richtig gut. Lest selbst:

Ich kann besser schlafen. D. h., ich schlafe auch tagsüber viel leichter wieder ein. Ich kann nämlich etwas besser loslassen und setze andere Prioritäten. Ich schlafe halt, anstatt den Haushalt zu machen oder zu glauben, noch Zeit für mich, für meine Interessen haben zu müssen. Schlafzeit ist die gesündeste Form der me-time. Ich übe noch weniger bis gar nicht, ich komme zu vielem nicht. Aber ich versuche, die Maschine am Laufen zu halten durch Schlaf und Ruhe.

Ich kann zu wenig Schlaf – und ich komme schnell unter das Pensum, welches ich eigentlich bräuchte –  überhaupt nicht mehr ab. Und sobald ich mich nicht gut fühle, irgendwas nicht stimmt, kommt die Angst zurück, die Angst davor, dass ich irgendwann wieder so ein Burnout erlebe, dass mein Körper erneut nicht mehr kann und aufhört zu funktionieren oder ich eben doch schwer krank bin. Ich muss auf mich achten, aber es ist gar nicht so einfach im Alltag, als berufstätige Mutter zweier Kinder. Ich habe gelernt, Dinge liegen zu lassen, weniger zu tun. Ich habe wieder mehr Freude am Leben, ich tue manchmal wieder etwas für mich. Ich habe meine Einstellung zu vielem geändert. Ich bin gelassener und ruhiger geworden.

Außerdem schrieb ich vor einiger  Zeit:

Im Internet las ich einen Artikel darüber, dass ein Burnout durch 4 Phasen ginge. Bevor man also komplett zusammen bricht, kündige sich das Ganze nach und nach an. Leider ist der Artikel online nicht mehr verfügbar, aber ich dachte mir beim Lesen so, dass ich sie alle erlebt habe, diese 4 Phasen eines Burnouts.

(An anderer Stelle fand ich eine 12-stufige Spirale, die den Weg zum totalen Zusammenbruch anzeigt).

Was mir von dem Artikel am meisten in Erinnerung geblieben ist, ist der Abschnitt darüber, dass das eigene Leben plötzlich verstärkt angezweifelt wird und Entscheidungen nur noch sehr schwer zu treffen sind. So war es auch bei mir. Ich war erstaunt darüber, dass mich selbst Kleinigkeiten vor schwerwiegende Entscheidungsfindungen stellten. Ich konnte mich oft einfach nicht mehr entscheiden, weil ich Angst davor hatte, Fehler zu machen. Für mein weiteres Leben gravierende Fehler. Ich habe in meiner starken physischen wie auch psychischen Erschöpfung mein Leben komplett angezweifelt, und zwar jede Facette. Angefangen von der Partnerwahl, meinem Wohnort und Haus, meinem Job bis hin zu der Entscheidung, zwei Kinder bekommen zu haben. Ich konnte kaum mehr nachvollziehen, dass es eine Zeit in meinem Leben gegeben haben sollte, wo ich mich für Dinge entschieden hatte und Risiken eingegangen war, um etwas z. B. beruflich zu erreichen. Dieses Wesen erschien mir so unheimlich weit weg. Auch der lebenslustige Mensch, der Freude an so vielen Dinge hatte, nicht zuletzt an der Gesellschaft anderer Menschen und geselliger Runden, kannte ich nicht mehr.

Mein Körper zeigte mir mehr als ein Mal an, dass ihm alles zu viel war. Ich war immer wieder „komisch und für mich unerklärbar“ krank. Ich wußte einfach nicht, was es ist, was mich da immer so lahm legte, dass ich kaum mehr hoch kam – oder sofort wieder völlig kraftlos zusammen sackte. Frauen entwickeln aus dieser völligen Überbeanspruchung ihrer Kräfte dann häufig eine Angst- und / oder Panikstörung. Auch die zeigte sich bei mir bereits immer wieder im Laufe des dem Zusammenbruch vorangehenden Jahres. Aber ich habe sie lange Zeit nicht erkannt und mit schlimmen Krankheiten in Verbindung gebracht, die ich mir ergoogelte oder über wikipedia zu Gemüte führte. Die Symptome hätten auch oft gepasst. Aber Herzrasen, Atemnot, totale körperliche Schwäche und Abgeschlagenheit, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kopfschmerzen, völlige Verspannung des gesamten Körpers, das passiert eben auch, wenn der Körper über Jahre extremem Schlafmangel und permanenten Stress ausgesetzt ist. Vieles von dem Stress selbstgemacht und im Kopf entstanden. Als dann noch permanenten Zittern und auch Kribbeln im Körper dazu kam, kam auch  immer öfter die Todesangst. Ernsthaft! Gleich bricht mein Kreislauf komplett zusammen, dachte ich mehr als ein Mal.

Erst durch eine Einstellungsänderung zu meinem derzeitigen Leben, psychologische Unterstützung von mehreren Seiten und einem Serotonin-Wideraufnahme-Hemmer (SSRI, auch bekannt als Antidepressivum), haben mich wieder auf die Beine gebracht. Ich funktioniere weitestgehend wieder, sei es in meinem Job als Orchestermusikerin wie auch privat als Mutter. Ich habe wieder mehr Freude am Leben. Aber ich muss sehr auf mich Acht geben und Ruhepausen auch wirklich nutzen. Ich merke sofort, wenn ich zu wenig schlafe. Ich bekomme dann Angst, Angst im Alltag zu versagen, weil ich zu schwach bin für die Erledigung der mir auferlegten Aufgaben und Verantwortungen. Weil ich Angst habe, dass mir das wieder passiert. Ich möchte nicht wieder wochenlang aus meinem gewohnten Leben gerissen werden, weil ich nicht mehr kann. Ich möchte nicht wieder das Gefühl haben, total depressiv zu sein, obwohl ich meiner Ansicht nach allenfalls ein nachdenklicher und melancholischer Mensch bin, aber nicht ernsthaft depressiv. Ich habe Spaß am Leben! Aber dafür brauche ich inzwischen ein Grundmaß an Wohlbefinden. Alles andere kommt einer Quälerei gleich, durch die ich mehrere Jahre gegangen bin.

Ungläubig schaue ich heute manchmal zurück und frage mich, wie ich das schaffen konnte. Das alles, die letzten Jahre. Ich habe mich so alleine gefühlt – und war es wohl auch.

Und doch – und das hier ist die Fortsetzung 2 Monate später – gerade die letzten Wochen waren wieder sehr anstrengend für mich. Die Probleme mit KindNr. 1, die erneute (!) Verschlechterung meiner Beziehung, das alles bleibt eine große psychische Belastung und verlangt viel Kraft von mir. Auch die Schlafstörungen sind zurück. Ich bin bereits seit 2 Uhr heute nacht wach, konnte nicht mehr einschlafen. Jedenfalls nicht bis zu dem Zeitpunkt, als um 5:50 h mein Wecker klingelte. Dass ich nicht gut einschlafen kann oder wieder öfter aufwache, beobachte ich nun schon seit mehreren Wochen. Daher glaube ich, hat es wenig damit zu tun, dass ich vor 2 Wochen begonnen habe, das Antidepressivum auszuschleichen.

Dazu habe ich vermehrt (wieder) Magen-Darm-Probleme, unter anderem mit Magenschmerzen und Übelkeit, was mich kräftemäßig sehr runterzieht. Dazu große Probleme im  Nacken- und Rückenbereich, so dass ich inzwischen Gefühlsstörungen in den Fingern der linken Hand habe. Beängstigent, nicht nur als Linkshänderin, sondern als Berufsmusikerin, die alle ihre 10 Finger braucht. Mit dieser Sorge und tauben Fingern dem Alltag immer total gelassen zu begegnen, fällt mir nicht leicht. Und manchmal ist da wieder dieses Gefühl mit den Kreislauf und der Angst… . Also, Baustellen ohne Ende. Und gerade fehlt es mir wieder so, dass ich zu nichts komme, die Kinder, vor allem das erste, erst sehr spät ins Bett gehen. Da bleibt einfach keine Zeit für mich!  Schon gar keine qualitativ hochwertige.

Die Schuldfrage

Damit kein falscher Eindruck entsteht: meine Kinder können nichts dafür. Sie sind gewollt, sie sind da und ich liebe sie. Aber: ich hatte nicht damit gerechnet, dass es so anstrengend für mich sein würde, Mutter zu sein. Vielleicht hätte ich es als jüngere Mutter auch besser „weggestreckt“, diese ganze Anstrengung, die Anforderungen an mich und meinen Körper. Vielleicht aber auch nicht. Auf diese Frage werde ich keine Antwort mehr finden.

Ich bin der Meinung, es ist auch Schuld der Gesellschaft und eben dieser Zeit, in der wir gerade leben, denn die macht es uns heute nur auf den ersten Blick leichter. Ich glaube fest, dass unsere Eltern damals vor einigen Jahrzehnten eine leichtere Rolle als Eltern hatten.

Ich selber habe Schuld, weil ich vermutlich zu hohe Erwartungen an mein Leben habe und davon auch noch ein bißchen für mich übrig behalten möchte, mich also nicht komplett für andere aufopfern kann. Es ist ein Zusammenspiel aus ganz vielen Faktoren. Ich kann mich schwer davon frei machen, dass ich nicht doch einfach nur zu schwach bin für diese Welt. Auch wenn ich inzwischen weiß, dass ich mit meinem Burnout-Erlebnis kein Einzelfall bin, sondern eine von vielen Müttern  -Tendenz steigend – in dieser Situation. *

Insgesamt habe ich gerade in den letzten Wochen regelmäßig immer wieder das Gefühl, auf einen erneuten kleinen Zusammenbruch zu zusteuern. Ich muss mehr auf mich achten, is‘ klar. Ich muss mir die berühmten „Inseln“ schaffen und Zeit für mich einräumen. Klar, versuche ich. Gelingt aber nicht immer. Ich mache Kompromisse, jeden Tag. Ertrage den Dreck und das Chaos um mich herum und die Tatsache, dass vieles liegen bleibt. Und dass ich mich oft einfach nur als Rabenmutter fühle, damit ich selber nicht ganz zu kurz komme. Ich wäre schon froh, wenn die Abende, an denen ich zu Hause bin (also nicht arbeiten muss), auch einmal mehr mir gehören würden. Aber seit einer geraumen Zeit schlafen die Kinder später ein, Nr. 1 schafft es oft bis 21:30 Uhr und noch später. Und dann heißt es auch für Mama längst: Gute Nacht!

Aber ich darf nicht jammern. Ich bin Mutter. Ich habe es ja so gewollt!

Buchtipp:

Nicht direkt zum Thema Burnout, aber sehr interessiert habe ich vor einigen Wochen das Buch „Nur die Liebe fehlt – Von Depression nach der Geburt und Müttern, die ihr Glück erst finden mussten“ von Petra Wiegers gelesen. Ich fand es klasse und die Fallbeispiele in dem Buch haben mir gezeigt, dass es viele Mütter gibt, denen es ähnlich wie mir geht. Ich hatte keine Postpartale Depression, sondern einfach nur eine schwere Zeit nach den Geburten meiner Kinder. Auch dies zu verarbeiten, zu akzeptieren und mir ein Stück weit zu verzeihen, dabei hat mir das Buch geholfen.

 

*Inzwischen hat das Thema „Burnout bei Müttern“ in den Medien an Präsenz gewonnen. Laut eines Textes, den ich vor nicht allzu langer Zeit lesen durfte, erkrankt heute jede 5. Mutter an einem Burnout. Die Anträge auf eine Mutter-Kind-Kur mit dieser Diagnose oder damit im Zusammenhang stehenden Diagnosen haben in den letzten Jahren stark zugenommen.

 

#regrettingmotherhood versus #regrettingfatherhood

Oder: Wer darf eigentlich mehr bereuen?

Die bereute Mutterschaft war vor fast einem Jahr ein ganz großes Thema, nicht nur im Internet, sondern auf sämtlichen anderen Kanälen wie den Printmedien, Radio und TV. Nun dürfen auch die Männer bereuen, ganz ehrlich und öffentlich. Jedenfalls hat es einer gewagt. Doch wer hat eigentlich mehr Rechte auf dieses Gefühl?

Auch ich hatte damals versucht, in einem Blogbeitrag etwas näher auf diese Thematik aus meiner Sicht einzugehen. Jetzt haben sich Väter zu Wort gemeldet. Und das dürfen sie auch. Dürfen sie aber auch bereuen?

Witzigerweise hatte ich gerade an dem Abend zuvor genau darüber nachgedacht und mich gefragt, ab wann denn nun Väter auf den Zug aufspringen und der erste Artikel mit dem Hashtag #regrettingfatherhood veröffentlicht wird. Und zack, las ich diesen Blogbeitrag von Mutterseelesonnig, der mich gleich zur haz und der großen Frage weiterführte, „Machen Kinder unglücklich?“

Was ist Glück?

Das Kinder nicht immer nur glücklich machen, mag für den ein oder anderen vielleicht neu sein. Für viele Eltern allerdings ist es die Realität ihres Alltags, mit solch teilweise ambivalenten Gefühlen umgehen zu müssen, die neben oder aus der eigenen Erschöpfung und Übermüdung, ja auch Überforderung heraus entstehen. Es gibt sogar Studien dazu, welche belegen sollen, dass das Gefühl des Unglücklichseins in den ersten Jahren nach der Geburt eines (oder mehrerer) Kinder so stark zunehmen kann wie sonst nur nach dem Verlust der Arbeitsstelle oder dem Tod des Partners. (Bei weiteren Interesse bitte gugeln). Erst mit zunehmendem Alter der Kinder steige des Glücksgefühl über das eigene Leben wieder an. Nun bin ich zweifache Mutter, seit Jahren leide ich unter (teilweise) ernormen Schlafmangel und Zeitnot (vor allem für mich selber und für meinen Partner) und kann sagen, dass mich meine Mutterschaft bisher nicht zu einem glücklicheren Menschen hat werden lassen als der, welcher ich vor dieser Zeit war. Dazu stehe ich und habe es daher hier auch schon mehrfach ungeschönt von mir gegeben. Und ich finde, das dürfen auch Väter sagen.

Väter dürfen Jammern, genauso wie Mütter…

… sofern sie sich zu ähnlichen Anteilen in die Arbeit (ja, ich nenne es so!) rund um Kinder und Haushalt einbringen. Also ebenso durch diese neuen Pflichten in ihrem bis dato unabhängigem Leben stark eingeschränkt sind. So wie wir Frauen eben, die zu Müttern wurden.

Mutterseelesonnig hatte in ihrem Blogbeitrag von ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit ihrem Ex-Mann und Vater ihrer zwei Kinder berichtet, der mit der ganzen Situation und seiner Vaterrolle schlicht überfordert schien. Sein Verantwortungsgefühl scheint sich erst nach der Trennung gemeldet zu haben. Inzwischen nimmt er alle zwei Wochen für 3 Nächte und 2 1/2 Tage seine Kinder zu sich und engagiert sich damit als von der Mutter der Kinder getrennt lebender Vater recht gut für seine Kinder. Wir wissen, dass das auch ganz anders geht. Männer, die zu Vätern geworden sind, schaffen es immer noch eher, sich aus dieser Lebenssituation wieder heraus zu katapultieren, also zu gut Deutsch aus dem Staub zu machen, wenn sie ihnen zu viel wird. Ist das Verantwortungsbewusstsein von Vätern gegenüber ihrer Kinder tatsächlich kleiner? Wieso bringen es viel weniger Mütter „über’s Herz“, Mann und Kinder ganz einfach zu verlassen und ihr Leben so zu leben, wie es ihnen mehr liegt? Ist es nicht so, dass ich in den ganz schwierigen Momenten der letzten Jahre nicht auch mal darüber nachgedacht hätte? Kurz.

Im Netz ging nach dem Erscheinen des Beitrags zu #regrettingfatherhood ein kleiner Shit-Storm los. In diesem Artikel  wird etwas näher darauf eingegangen, dass den bereuenden Vätern nun mehr Kritik als Verständnis entgegenschlägt (anders als angeblich den Müttern im letzten Jahr). Sie hätten kein Recht dazu, da sie sich nach wie vor mehr Auszeiten und Freizeitvergnügen abseits der Familie gönnen würden. Ja, in vielen Fällen mag das stimmen. Väter führen ihr „altes Leben“ oftmals weiter, für sie ändert sich oft weniger nach der Geburt des Kindes als für die neuen Mütter. Doch weil es immer mehr Männer gibt, die sich familiär sehr engagieren und ebenfalls immer mehr zurück stecken, dürfen sie jetzt eben auch jammern und hinterher trauern, kurz: bereuen. Oder etwa nicht?

Es gibt unterschiedliche Facetten des Bereuens

Vor allem Frauen, die alleinerziehend sind oder viele Probleme mit ihren Partnern haben, finden es einfach nur lächerlich, dass die Väter sich nun zu Wort melden. Gut, ich verstehe die Wut, wenn die Säue sich einfach von Bord machen und die Frau mit allem alleine lassen. Feige Ar***. Und die Gesellschaft macht es ihnen nach wie vor leicht: ein Mann, der Frau und Kinder verlässt, wird noch immer weniger verurteilt als eine Frau, die einfach geht, weil ihr alles zu viel wird. Eine Frau wird viel eher gesellschaftlich verachtet, wenn sie bei einer Trennung die Kinder beim Vater lässt. Keiner will ihre Gründe verstehen.

Richtig drauf gehauen wird hier, und zwar auf Väter und Mütter gleichermaßen. Es tat mir schon fast körperlich weh, diesen Artikel zu lesen, so dass ich es nicht ein zweites Mal schaffe und hier nicht im Detail auf ihn eingehen kann. Lest selbst! Mich allerdings erinnert er an Aussagen von Leuten, für die der einzige Sinn im Leben eben in ihre Mutter- (oder Vater-)Rolle liegt oder die noch keine eigenen Kinder haben und daher nur unwissendes Geschwätz von sich geben.

Die beste Antwort auf den in der haz erschienenen Artikel findet sich bei Johnny vom weddingerberg.de. Jetzt lernen die neuen, modernen Väter eben auch endlich mal das Leben abseits von Freiheit, Hobbys und mmer toll aufgeräumter Wohnung kennen. Sie bringen sich ein, weil das in der heutigen Zeit von den Müttern eben so verlangt wird – und leiden nun eben auch unter der täglichen Überforderung und der Vereinbarkeitslüge. So schreibt Johnny unter anderem:

„Je mehr moderne Väter aktiv am Leben ihrer Kinder teilhaben haben möchten, desto mehr von ihnen werden genau die Erfahrung machen, die viele der Mütter schon hinter sich haben. Dass die Vereinbarkeit aller Lebensbereiche ein Drahtseilakt ist. Dass es den perfekten Elternteil, der immer alles richtig und magazintauglich hinbekommt nicht gibt. Dass Elternsein immer auch ein Kompromiss ist.

Natürlich darf ich meinem alten Leben romantisch hinterher blicken und sagen:“Hey Du, weißt Du noch? Damals..!“ Ich darf mit meinem derzeitigen Leben mindestens genauso frustriert sein. Sich aber dem Familienleben hingeben, obwohl man sich jeden Tag die Überstunden im Büro und die Cocktails mit den Kumpels herbeisehnt?

Oder anders formuliert: der Wunsch nach Erlebniskultur statt Vatersein? Freizeitpark statt Verantwortung? Einerseits will man also alles anders machen, als der eigene, emotionslose bzw. abwesende Vater. Andererseits sehnt man sich nach dem Leben in einer Werbebroschüre: immer verfügbar und immer cool. „Regretting fatherhood“ kommuniziert die Reue über das Elternwerden auf ganz anderen Ebenen, als reumütige Mütter dies zu tun scheinen. Kann das aber wirklich sein? Wäre das nicht erschreckend entlarvend? Mütter zweifeln an sich, Väter an ihrer Familie?“

Und mein Fazit?

Ich finde, wir dürfen alle mal sagen, wie anstrengend unser Leben und unser Alltag geworden ist, seit wir Kinder haben. Egal ob Mann oder Frau. Wenn wir es denn so empfinden, dann ist das eben so. Ich finde, wir dürfen ruhig mal laut äußern, auf was wir alles tagtäglich und auch im Großen und Ganzen verzichten und was wir manchmal schlicht und einfach in unserem Leben vermissen, seit wir Eltern sind – unabhängig davon, ob wir vieles in der Zeit vor unserer Elternschaft schon erlebt und gelebt haben. Das mag bei dem einen eben die schicke Designer-Wohnung, der tolle Sportwagen oder die durchgemachte Partynacht am Wochenende sein. Bei dem anderen ist es vielleicht ein ganz banaler Wunsch, wie endlich einmal wieder auszuschlafen oder in Ruhe zu duschen auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen. Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Kinder eben nicht jede Sekunde an jedem Tag der Woche unendlich glücklich machen (und das im Übrigen auch nicht ihre Aufgabe ist, aber das ist ein anderes Thema!), sondern dieses Leben mit Kindern mit vielen Kompromissen und Einschränkungen jedweder Art eine große Belastungsprobe sein kann. Für den einen mehr, für den anderen weniger.

Und noch ein Lesetipp zum Thema #regrettingsmotherhood

Und ganz neu und heute erst von mir entdeckt der Artikel von Franziska Schutzbach auf „Präzis und Kopflos“. Sie stellt die Frage, die ich mir selber schon so oft in den letzten Jahren gestellt habe. „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ Und sie findet eine Antwort, die meiner entspricht. Viel Spaß beim Lesen! (Und Danke fürs Lesen hier bei den verlorenenschuhen).

P. S.: Ganz vergessen zu erwähnen hatte ich diesen Beitrag hier von Liz von kiddo.the.kid. Bei ihr lese ich auch gerne, sie schreibt voller Humor.

 

 

Eine unendliche Geschichte: die Vereinbarkeitslüge

Ursprünglich wollte ich meinen Blog auch mit anderen Geschichten füllen, mit Geschichten aus meiner Kindheit oder Gedanken zum Leben allgemein. Aber ich lande immer wieder hier, in der Falle der Vereinbarkeitslüge. Die Unvereinbarkeit meiner eigenen Berufstätigkeit mit meinem Mutterdasein lässt mich nicht los. Und ich jammere, das gebe ich zu, aber manchmal tut es gut, sich alles einfach von der Seele zu tippen.

Wieder einmal habe ich etwas nicht so hinbekommen wie ich sollte (wollte). Okay, so sollte ich nicht denken. Ich weiß inzwischen, was ich in den letzten Jahren alles geleistet habe – vieles ist eben aber meiner Meinung nach auch nicht so gut gelaufen. Ich bin keine Supermom und trotzdem schaffe ich es gleichzeitig nicht, auch noch eine Super-Arbeitnehmerin zu sein. Ich soll (nicht unbedingt gleichzusetzen mit ich möchte) auf 1000 Hochzeiten tanzen, also gleichzeitig, aber schaffe gerade mal eine, zersaust und ungeschminkt (bildlich betrachtet natürlich).

Ich weiß gar nicht, wo ich genau anfangen soll. Eine Woche ist vergangen, und die Enttäuschung über meinen Ausstieg aus einem Ressort, welches mir wirklich Spaß gemacht hat, hat mich anfangs viele Tränen vergießen lassen. Inzwischen bin ich etwas gefasster und sehe es als Chance, aus der Überforderung (zeitlich gesehen) als Mutter zweiter kleiner Kinder wieder etwas herauszukommen. Nicht umsonst hatte letztes Jahr das Burn-Out-Syndrom laut an meine Türe geklopft!

Warum ich immer so leicht verletzbar bin, ist die eine Frage. Wieso ich nicht über den Dingen stehen kann, die andere. Vielleicht, weil es sich zu oft wiederholt hat in meinem Leben, dieses „nicht genügen“, dieses „ausgeschlossen werden“. Ich muss ein so unglaublich unerträglicher Mensch sein, dass ich es langsam selber glaube. Meine Probleme sind von anderen nicht lösbar, das ist mir schon klar. Habe ich aber auch nie erwartet. Für Leute wie diesen Kollegen hier bin ich somit nicht tragbar, weshalb er mich jetzt aus seinem Team geworfen hat, nicht ohne mich spüren zu lassen, wie falsch ich doch mit meinen Ansichten liegen würde und wie wenig es ihn weiterhin interessiert, wenn es mir nicht gut geht, ich mich abstrampele, alles unter einen Hut zu bringen und durch die Überbelastung krank geworden bin. Ich genüge so seinen Ansprüchen nicht, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es andere doch auch schaffen würden.

Wo ist mein Weg?

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Bildrechte: DieverlorenenSchuhe

Ich war letztes Jahr sehr krank, ein paar Mal hat mein Körper mir einfach nicht mehr gehorcht – ich habe nicht mehr funktioniert, was neue Ängste in mir ausgelöst hat. Irgendwann im Frühjahr 2015 habe ich erkannt, dass es so nicht weitergeht und ich mich zugrunde richte, wenn ich die Situation weiterhin ignoriere. Und auch körperliche Beschwerden – welche mich immer begleiten. Die gehen nie ganz weg und kommen immer wieder. Ich hatte teilweise so starke Rückenschmerzen, eine Blockade im Sakralgelenk, nach dem ich viel zu lange einen erneuten Beckenschiefstand nach der Geburt von Kind 2 ignoriert hatte, Blockaden in der Halswirbelsäule, damit verbundenen Kopfschmerzen (das gerade wieder aktuell),  immer wieder Kribbeln in Händen, Füßen, Nasenspitze (seit ein paar Monaten, ganz interessantes Gefühl), Schmerzen in sämtlichen Gelenken, nächtliches Herzrasen, Atemprobleme (das Gefühl, keinen Sauerstoff mehr zu bekommen), Gefühl der extremen Schwäche bis hin zur Hyperventilationstetanie, weil ich mir dabei so langsam Sorgen gemacht habe, wie lange ich das noch überlebe. Und trotzdem hieß es für mich als zweifache Mutter mit Job immer nur: FUNKTIONIEREN!!! Und ich habe funktioniert, und dann eben auch ein paar Mal nicht mehr.

Seit ich vor 1 1/2 Jahren nach 9-monatiger Elternzeit und nun zweifacher Mutter wieder in meinen alten Beruf eingestiegen bin, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass ich das schaffen kann, weil ich es einfach schaffen wollte. Weil mein Frauenbild und meine Ansichten von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau skandinavisch-modern sind. Weil ich stark sein wollte. Aber schon schnell habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Es lief nicht mehr rund.

Ja, vielleicht wollte ich mir selber etwas beweisen, nämlich dass es geht. Um so enttäuschter bin ich jetzt von mir. Es geht nicht! Aber es muss gehen. Ich muss Geld verdienen, zumindest ein gewisses Sümmchen und habe keine Jobalternative. Und ich habe begreifen müssen, dass Mütter (oder auch Väter in gleicher Rolle) vom System nicht aufgefangen werden. Es ist ja auch ganz klar: einerseits sollen wir doch zeigen, was wir alles drauf haben, trotz der Mehrfachbelastung mit (kleinen) Kindern. Wir sollen unsere Gefühle im Griff haben und uns unsere Zerrissenheit und unsere Erschöpfung auf gar keinen Fall anmerken lassen. Das will niemand hören! Wir sind doch nicht alleine auf der Welt, jeder hat irgendetwas. Der eine Kollege hätte jetzt über Nacht einen Pflegefall in der Familie, der anderen starke Rückenschmerzen (bei dem Spruch konnte ich nur noch hysterisch auflachen!) Und andere (männliche!) Kollegen hätten doch auch zwei Kinder. Der Kollege unterstellt mir doch tatsächlich, ich würde nur mich sehen und nie die anderen. Und ich frage mich in meinem von Selbstzweifeln zerfressenen Dasein, was ich bloß ständig alles falsch mache, dass ich so rüberkomme.

Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass ich unter enormem Druck stehend und mit großer Erschöpfung behaftet meine Meinung gesagt hatte. Dieser Kollege erwartet – und das Gefühl habe ich nicht nur in Bezug auf mich – dass alle es so zu machen haben wie er, ungeahnt der Tatsache, wie deren aktuelle Lebenssituation gerade aussieht. Wann man also gerade quasi zu Kreuze kriecht, dann doch bitte mit Überstunden, so wie er. Wenn er aus einigen Musikformationen austritt und seine Solostelle an den Nagel hängt, habe ich doch bitte auch nicht danach zu streben, denn ich bin in seinem Team und da sind die anderen Dinge nicht mehr so wichtig. Es enttäuscht mich so. Und als ich beim Abschied meiner Lieblingskollegin vor dem Orchester unter Tränen gesagt habe, sie dürfe jetzt gehen, aber ich müsse noch hierbleiben, wird mir das sofort als negativ ausgelegt, so etwas könne ich vor den Leuten nicht bringen, als jemand, der das Orchester nach außen vertritt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Mein Fehler, ich wollte das so nicht erscheinen lassen.

Sie haben Gefühle? Behalten Sie diese bitte für sich!

Gefühle zeigen oder über eigene Probleme sprechen ist out. In dieser Gesellschaft ist das nicht gerne gesehen. Du darfst Deine Meinung nicht sagen, Du darfst keine Schwäche zeigen und ganz besonders solltest Du auf die Frage, „Und, wie geht es Dir heute!“ niemals ehrlich antworten, sollte dies negativ sein. Du hast nur noch zu reagieren, aber nicht zu agieren und schon gar nicht zu lamentieren. Wenn Du nicht mithalten kannst, wird Dich niemand mehr auffangen.

Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich auf einem besseren Weg, wollte aber nicht so wie er NOCH mehr Aufgaben außerhalb meines eigentlichen Jobs, der Musikerin, übernehmen, eben weil ich das nicht mehr schaffe. Ohne Kinder ja, mit eben nicht. Und dann sagt er zu mir, ich wolle ja alles! Nein, ich habe längst erkannt, dass ich nicht alles haben kann, aber ich habe vor allem auch eines erkannt und endlich angefangen, danach zu leben: dass ich Prioritäten setzen muss! Und zwar meine eigenen. Nur waren die eben nicht, 100%ig nach seiner Pfeife zu tanzen und jederzeit abrufbereit zu sein und so zu arbeiten, wie er das will. Bei den  Arbeitsbedingungen dort ohnehin ein Witz! Ein Computer für zig Mitarbeiter und so weiter. Ich war froh und dankbar für den Job, es hat mir echt Spaß gemacht, aber ich habe nie vorgegeben, ich würde dafür alles andere stehen und liegen lassen, mein geliebtes Instrument in die Ecke schmeißen und von nun an nichts anderes mehr machen als Presse und Öffentlichkeit durch Texte, Fotos und wat-weiß-ich zu beglücken.

Ich habe so manches mal länger gemacht, damit etwas fertig wurde. Texte für das CD-Booklet, die neue Internetpräsenz, wo am Anfang keiner wußte, wie es aussehen sollte und so weiter. Und zu Hause haben mein damals 3jähriger Sohn und meine gerade einmal 1jährige Tochter (und manchmal auf der Mann) auf mich gewartet. Es ist so unglaublich, dass ich das gemacht habe. Für (fast) nichts!

Und mit den Tränen kamen die Zweifel

Und die Wut, die ich mir vor einer Woche aus den Fingern getippt habe,  weswegen ich jetzt auch die letzten Abschnitte hier so stehen lasse, auch wenn es mir heute wieder etwas besser geht:

Mir fehlt inzwischen die Sinnhaftigkeit hinter meinem Tun, ich stelle das, was ich einst so geliebt habe, immer mehr in Frage. Mit jeder Verschlechterung glaube ich nicht mehr, dass es richtig ist, die Kindheit meiner Kleinen damit zu belasten, dass ich zu belastet bin durch zu viele Hochzeiten, auf denen ich bitteschön zu tanzen habe – tanzen ohne Schlaf und gesundheitlichem Wohlbefinden!

Ich verachte Leute die meinen, sie könnten anderen ihre Lebensweise aufstülpen. Man, ich habe mir für diese Firma den Arsch aufgerissen, ich habe so voll und ganz dahinter gestanden und das auch nach außen hin präsentiert, habe mich über die Leute (und tue es noch) innerlich aufgeregt, denen die „richtige Einstellung“ fehlt und die nichts besser können also mit dem Fallen des Taktstockes das Haus fluchtartig zu verlassen und anderen die Arbeit zu überlassen. Und dann, als ich selber gesundheitsbedingt und belastungsbedingt trotzdem noch mehr gemacht habe als die ein oder andere Nase dort, werde ich in den Arsch getreten und verleumdet.

Meine einstige Dankbarkeit darüber, diesen Job machen zu dürfen, schlägt immer mehr in Resignation um und mündet immer öfter in die Frage: Wozu das alles? Wozu tue ich mir das noch an? Habe ich das wirklich nötig? Wofür? Ich höre kein Dankeschön. Klar, er und noch weiter höhere Vorgesetzte haben meine Arbeit gelobt, meine Texte seien gut gewesen, meine Ideen und so weiter. Aber mir ist inzwischen bewusst geworden, dass meine Kinder – und vielleicht auch ich – sich in 20 Jahren nicht daran erinnern werden, welch tolle Berichterstattungen ich ins Internet geprügelt habe und wie schön ich mein Instrument gespielt habe (haha!), sondern daran, ob ich eine glückliche und zufriedene Mutter mit Geduld und guter Laune gewesen bin.

Und hier bin ich, gefangen, nicht in der Teilzeitfalle, die gibt es bislang bei uns immer noch nicht, aber in der Falle zwischen einst vorgestelltem Lebensweg und der bitteren Realität. Ja, wir Mütter sollen und wollen auch, ebenso wie die Männer, Kinder haben und arbeiten gehen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dabei von uns verlangt wird, was von Männern in gleicher Situation eher nicht erwartet wird: es alles 100%ig zu schaffen, ohne Verluste. Väter gelten nämlich schon als Helden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Mütter haben irgend ein Problem mit der Organisation, wenn sie Beruf, Haushalt und Kinder nicht gemeinsam gewuppt kriegen, sondern das Jammern anfangen. Hurra! Tolle Welt!

Mütter gegen Mütter – Teil II

Kürzlich war ich sehr begeistert von dem Text über die nicht immer zu verleugnenden Feindseligkeiten zwischen Müttern auf Kinder haben und trotzdem leben. Aber welche Erfahrungen habe ich selber mit dem Thema „mommy wars“ gemacht? Habe ich selber schon welche erlebt und am eigenen Leibe spüren müssen, wie eine Mutter mich „basht“ oder ich sie? Oder halte ich mich da eher heraus?

Wohl eher letzteres. Zumindest versuche ich das. Letztendlich glaube ich, handelt es sich hier um ein sehr sensibles Thema, was man nicht zuletzt an der Präsenz in den sozialen Medien erkennt. Es wird vermutlich immer kontrovers diskutiert werden, da es durchaus menschlich ist, anderen seine Meinung überstülpen zu wollen oder deren Meinung nur schwer hinnehmen kann. Der berühmte Satz „Wie man es macht, macht man es falsch!“ kommt hier einfach voll zum Tragen.

Die Mütter in meiner Umgebung

Ich habe eher wenig oder nur sporadischen Kontakt zu anderen Müttern, was unter anderem mit meiner zeitintensiven Berufstätigkeit zu tun hat. In meinem Job sind Frauen in der Minderheit – Mütter sowieso. Bisher sind wir zu zweit. Manche Mütter sind Freundinnen von mir, die ich noch aus der Zeit kenne, als wir „nur“ Frauen waren, also kinderlose Studentinnen und Berufsanfängerinnen, die ihren Weg im Leben suchten. Gerne hätte ich mehr Kontakt zu ehemals (guten) Freundinnen, Mitschülerinnen und Kommilitoninnen, die heute – so wie ich – Mütter sind. Dann wären es eben genau die Frauen, mit denen ich schon damals eher auf einer Wellenlänge lag. Ich glaube nämlich, dass sich auch unsere Ansichten in punkto Kindererziehung und Vorstellungen im Leben mit Kindern weniger unterscheiden würden und Kriege kaum aufkämen – eben weil wir damals schon so gut harmonierten. Oder wir ganz einfach so viel Achtung voreinander hätten, nicht auf den Erziehungsmethoden der anderen herumzuhacken. Vermutlich ist die Hemmschwelle dazu niedriger, wenn man sich quasi kaum kennt – und die Sympathien auch nicht unbedingt gegeben sind. Okay, eine Gefahr gibt es immer, nämlich nicht ganz ehrlich zueinander zu sein – oder nicht alles auszusprechen, was man denkt. Denn muss man das?

Bevor ich nämlich etwas sage, was zu einer riesengroßen Grundsatzdiskussion führen könnte, sage ich eher gar nichts. So z. B. geschehen im letzten Sommer, als eine langjährige Freundin von mir mit ihren zwei Kindern für zwei Tage bei uns zu Besuch war. Ihre Kinder sind nur wenig älter als meine. Wir machen sicher nicht alles gleich, auch unsere Leben und unsere Einstellungen unterscheiden sich teilweise, auch wenn wir einst sehr eng befreundet waren. Ich habe nichts gesagt, als ich während dieser Tage immer wieder miterleben musste, wie ihre Kinder so lange am Tisch sitzen bleiben mussten, bis sie ihre Portionen aufgegessen hatten – obwohl es sich innerlich in mir sträubte. Ich beobachtete ihre 5jährige Tochter, die sich die letzten Bissen Pizza reinquälte, da sie sich in ihrem Übermut und aus einer gewissen Fehleinschätzung heraus einfach noch ein Stück hatte geben lassen. Meine Freundin meinte, mit dieser Methode hätte sie es geschafft, gerade ihren 6jährigen Sohn, der immer ein sehr schlechter und wählerischer Esser gewesen ist, zum Essen zu bringen. Aha! Ja, mich ärgert es auch, dass meine Kinder, vor allem mein Sohn, oftmals noch nach Nachschlag verlangen, um dann nach dem ersten Bissen zu verkünden: „Ich bin fertig!“ Aber ich möchte sie nicht zwingen, sich vollzustopfen und mit der Zeit ihr natürliches Sättigungsgefühl zu verlieren. So dürfen sie auch inzwischen dann den Tisch verlassen, wenn sie definitiv fertig sind. Das ist mir lieber als das aus Langeweile entstehende Gemansche.

Hätte ich etwas sagen sollen? Wozu? Es sind ihre Regeln und ihre Meinung.

Andere Familien, andere Sitten

Es interessiert mich, wie andere es machen, Mütter und Väter. Nicht zuletzt deswegen verbringe ich inzwischen viel Zeit mit dem Lesen anderer (Familien-)Blogs. Ich möchte in erster Linie zuhören, nicht bewertend rüberkommen, wenn wir über unseren Alltag sprechen. Ich erzähle gerne, wie ich es mache, wenn man mich danach fragt und lege meine Meinung dar, ohne dass ich möchte, dass diese als die allgemeingültige erscheint. Das ist nicht mein Ziel. Und trotzdem kann ich mich natürlich nicht völlig frei machen von Bewertungen. Auch mein Blog lebt sicher davon, dass ich andersartiges in Frage stelle.

Ich finde nur wenig Anschluss zu anderen Müttern, die ich vorher nicht kannte, bevor meine Kinder auf der Welt waren bzw. den Kindergarten besucht haben, wo ich anderen Müttern (und hin und wieder auch anderen Vätern) nun regelmäßig über den Weg laufe. Ich bin eher der zurückhaltende Typ und mir ist es nicht ganz unwichtig, was andere über mich denken. Deshalb scheue ich auch Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Vielleicht mit ein Grund, wieso ich selten von mir aus versucht habe, Kontakte aufzubauen.

Kritikfähigkeit gilt es immer zu überdenken

Nehme ich mir zu Herzen, was andere sagen? Wie interpretiere ich die ein oder andere Aussage? Fühle ich mich persönlich angegriffen? Habe ich selber Angst vor Kritik? Ja, vielleicht. Das liegt aber auch daran, dass ich von Natur aus ein Mensch bin, der sehr schnell in ein Rechtfertigungsverhalten verfällt, das vielleicht nicht immer sein müsste.

Gerade im Netz und hier insbesondere auf facebook kann man meiner Meinung nach gut beobachten, wie Mütter sich gegenseitig „virtuell an die Gurgel springen“. Natürlich gibt es beim geschriebenen Wort immer das Problem mit der Verständlichkeit. Es fehlen Tonfall, Gestik und Mimik und somit mag die ein oder andere Aussage eben schärfer verstanden werden als sie ursprünglich gemeint war. Oft wollen Mütter nur beschreiben, wie es bei ihnen zu Hause abläuft  und damit unterstützend wirken für all die Unsicheren unter den Meinungsfindern. Trotzdem glaube ich manchmal herauszulesen, wie toll die ein oder andere es doch macht und wie super es ausgerechnet bei ihr funktioniert, während die andere Mutter es nicht auf die Reihe kriegt. Und auch gerade, wenn die Thematik „Zu Hause bleiben versus Arbeiten gehen“ im Fokus steht, wird oft heiß diskutiert. Gerade hier bleibt auch bei mir oft der Eindruck hängen, „wie Frau es macht, macht sie es falsch!“

Meiner Ansicht nach kann es bei der Fülle an Möglichkeiten, die auch wir Mütter in der heutigen Zeit haben, unser Leben zu gestalten (zumindest theoretisch) nicht ausbleiben, dass Unsicherheiten entstehen – und damit zwangsläufig Angriffspunkte. Wenn das Selbstbewusstsein und die Überzeugung darüber, dass man selber es richtig macht sinkt, dann sinkt auch die eigene Kritikfähigkeit und man wird verletzlicher.

Es gibt andere Kriege unter Frauen, die mich mehr stören

Dazu gehören eindeutig die auch in letzter Zeit vermehrt geführten Diskussionen darüber, wer es nun schwerer hat: die alleinerziehende Mutter oder die Mutter, welche noch einen Mann im Hintergrund hat, auch wenn dieser unter Umständen aufgrund von beruflichen Verpflichtungen durch häufige Abwesenheit glänzt – oder sich generell eher gerne aus allen häuslichen Pflichten heraus hält. Eigentlich könnte man die Liste unendlich weiterführen, denn es gibt nun einmal unterschiedliche Grundbedingungen. Ist es schwieriger, nur ein Kind zu haben, während manv ollzeit arbeiten geht, oder zwei Kinder, mit denen man zu Hause ist (um nur ein Beispiel zu nennen)? Letztendlich mag all das auch abhängig sein von der eigenen Konstitution und den eigenen Einstellungen.

Um noch mal auf die Alleinerziehende zurück zu kommen: ich erkenne mit viel Respekt an, was diese Frauen leisten. Aber um ganz ehrlich zu sein: ich kann es nicht mehr hören! Wie viel schwerer es diese Frauen haben im Gegensatz zu beispielsweise einer Frau, die auch Vollzeit arbeiten gehen muss, nach Dienstschluss und an den Wochenenden aber eben doch noch häufig mit den Kindern ganz alleine ist, auch sehr wenig schläft, weil sie ihren und den Schichtdienst des Mannes auffängt und ebenfalls manchmal nicht weiß, wann sie noch den Haushalt schaffen soll geschweige denn mal eine Stunde für sich haben könnte. Ja, das bin ich. Und ich finde das auch anstrengend. Ja, ich bin dankbar, dass ich noch einen Papa im Hintergrund habe, der sich so toll kümmert und aktuell mit den Kindern in der Sonne spazieren geht, damit ich – nach einer kurzen Nacht, noch etwas Ruhe finde. Danke! Ich mag mich nicht darüber streiten, wer es nun schwerer hat. Jede Mutter lebt ihr Modell, lebt nach ihren Vorstellungen, oder wenn das nicht geht, dann versucht sie zumindest mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Und wenn das bedeutet, dass sie viel arbeitet, dafür aber weniger mit den Kindern bastelt, dann ist das ebenso.

Und die Väter?

Ich glaube, für die ist das Ganze viel weniger ein Thema. Zumindest ist mir der Begriff „daddy wars“ noch nicht begegnet. Männer sind von Natur aus mit mehr Selbstbewusstsein und der Einstellung „Mir doch egal, wie ich es mache, ist es gut!“ ausgestattet. Frauen scheinen dem gegenüber viel öfter an sich und ihren Entscheidungen zu zweifeln. Sie wollen es besonders gut machen, es allen Recht machen und auf ihnen lastet in der Regel der meiste (gesellschaftliche) Druck in punkto Kinderbetreuung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber das ist ja nichts Neues.

Ein Fazit für mich lautet: ich vertrete meine Meinung, aber vor allem dann, wenn ich danach gefragt werde. Ungefragt gebe ich eher selten Tipps oder mische mich nur ungern ein. Wer wissen will, welche Erfahrungen ich gemacht habe, darf sich gerne berichten lassen. Sollte ich mich angegriffen fühlen, werde ich mich gerne rechtfertigen, weil ich das nur schwer abstellen kann. Oder schweigend lächeln.

Das Leben mit Kindern ist nicht einfach. So zumindest meine persönliche Erfahrung aus den letzten 4 1/2 Jahren. Ich bin nicht zur Supermom geboren. Machen wir uns nicht noch gegenseitig das Leben zur Hölle, sondern versuchen wir, Verständnis für den Weg des anderen zu zeigen und einander zu unterstützen, damit es gemeinsam leichter geht.

 

 

Sind Väter die besseren Mütter?

So lautet der Aufmacher der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe. Ich selber bin kein Spiegel-Leser, freue mich aber über die Blogbeiträge zu diesem Artikel, in der Mehrheit von Vätern. Und die sind richtig klasse und treffen genau meinen Nerv. Immerhin handelt es sich hierbei um eines meiner Lieblingsthemen: Gleichberechtigung in Partnerschaften mit Kindern.

So macht Jochen König den Anfang.

Gut finde ich auch den Beitrag von diesem Papa hier. Er beschreibt, was für ihn selbstverständlich ist, nämlich das Einbringen in den Alltag mit Kindern auf Augenhöhe mit der Mutter und bezeichnet sich selber gerne als „Elter“.

Kritisch setzt sich Johnny vom Bog WeddingerBerg mit dem Thema auseinander und beschreibt, dass viele Väter noch immer einen Vorwand finden, sich aus dem Thema größtenteils rauszuhalten.

„Die Statistik zeigt nämlich auch, dass diese sogenannten modernen Väter nichts anderes tun, als sich in die eigene Hosentasche zu lügen. Und das ganz unabhängig von ‚matneral gatekeeping‘. Da wird lamentiert, dass man sich gern mehr Zeit für die Familie nehmen würde, der Vorgesetzte aber leider nicht mitspiele. Da wird sich dann umso heftiger auf die Schulter geklopft, weil man ganz aufgeklärt zwei Monate Elternzeit genommen und für eine kurzen Moment Superdad gespielt hat. Da wird am liebsten so getan, als wäre dieses althergebrachte Versorgungsmodell völlig alternativlos in der heutigen Zeit. In manchem Fällen mag dies durchaus so sein. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich auch, dass es viele andere Modelle gibt, die ihrerseits teilweise sogar viel besser funktionieren. Auch, weil sie die Mutter aus der Abhängigkeit des Partners herausholt. […]

Ich selbst bin Vater einer Tochter. Ich habe mich für das Leben mit ihr und gegen die Vollzeitstelle entschieden. Auch meine Freundin musste einschneidende Entscheidungen für sich und ihr Leben treffen. Applaus hat sie dafür keinen bekommen. Und ich will ihn auch nicht. […]“

Worum geht es im Spiegel-Artikel?

Ohne ihn gelesen zu haben, ich kann mich nur auf die Hinweise anderer Blogger und deren Kommentatoren berufen, geht es unter anderem darum, dass uns Müttern wieder einmal die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Wir jammern zwar, würden die Väter aber nicht „ran lassen“. Maternal gatekeeping nennt sich das auf Neu-Deutsch. Aha! Am Ende sind halt immer die Mütter Schuld, und wenn sie es mal nicht sind, sind sie es trotzdem, so will es das Gesetz!

Im Gegenzug wird hervorgehoben, dass Mütter eben nicht die naturgegeben wichtigste Bezugsperson für die Kinder sein müssen, sondern auch Väter diese Rolle / Aufgaben übernehmen könn(t)en. Sehe ich auch so. Aber sie dürfen ja nicht (haha!). Wir Mütter lassen sie nicht richtig, also sind wir wieder einmal an unserem Dilemma selber Schuld.

Väter müssen keine besseren Mütter sein, sondern einfach nur Väter. Und Mütter eben Mütter. Oder beide zusammen eben Eltern, oder jeder eben ein „Elter“. Aber nicht unbedingt nach alt hergebrachten Rollenmodellen, sondern so, wie es sich jede Familie für sich vorstellt. Wenn uns die Wahlfreiheit fehlt, so liegt es meiner Ansicht nach daran, dass Wahlfreiheit von Arbeitgebern und der Politik ganz allgemein bisher nicht ausreichend unterstützt wird.

Aber nicht nur die Väter haben geschrieben. Die hoch geschätzte Patricia  von DasNuf (ich habe kürzlich ihr Buch mit Begeisterung und vielen lauten Lachanfällen verschlungen) hat hier einfach mal den Alltag einer Familie aufgeschrieben – mit vertauschten Rollen. Klasse und vielen Dank dafür!

Aber lest selbst!

P. S.: Eine weitere Stellungsnahme gibt es auf nido.de

P. P. S.: Und ich reiche noch nach: eine Stimme aus Österreich