Gefühle im Frühling

Frühling liegt in der Luft. Frühlingsgefühle sind zu vernehmen, ganz eindeutig. Die Sonne scheint und wärmt schon ein wenig, auch wenn es im Schatten, auch wenn die Nächte noch sehr kalt sein können. Am meisten liebe ich am Frühling, dass die Vöglein wieder singen. Sie singen so schön und laut. Es ist so schön, des morgens zu ihrem herrlichen Gesang aufzuwachen, aber sie auch tagsüber aus allen Ecken zwitschern zu hören. Ja, sie kommen mir gerade sehr laut vor. Ich denke an „Alle Vögel sind schon da“ und an „Ein Vogel wollte Hochzeit machen“ und freue mich mit ihnen, bewundere ihre Lebensfreude, ihre von der Natur vorherbestimmten Ambitionen, einen Partner zu finden und ihre Art zu erhalten. Sie tun das einfach. Der Vogelgesang ist eine Musik, die ich den Winter über immer sehr vermisse.

Ein Hase, umgeben von viel grüner Natur

Der Osterhase? Die ersten Jahre besuchte uns dieser regelmäßig auf unserem Grundstück – und fand auch gefallen am Abfressen der Krokusblüten. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Ich liebe dieses Frühlingserwachen, dieses Erwachen der Natur. Die ersten Frühblüher zeigen sich  auch in unserem Garten. Schneeglöckchen und Krokusse sind schon da, aber auch die Osterglocken werden bald blühen und mit ihrem leuchtenden Gelb erfreuen. Danach kommen die Tulpen. Auch die ersten Knospen an den Sträuchern sind zu sehen. Nicht mehr lange, dann werden auch die Bäume wieder grün. Dieses helle, zarte Grün, das ich so liebe. So wie ich einfach den Frühling liebe. Als Maikind war dies schon immer meine bevorzugte Jahreszeit.

Morgens fahre ich nun wieder im Hellen zum Dienst. Wenn dann noch die Sonne scheint bzw. der Sonnenaufgang zu bewundern ist, lässt das den oft müden Start in den Tag für mich deutlich besser ertragen. (Wenn auch die Zeitumstellung Ende des Monats für kurze Zeit diesen Genuß wieder hinfällig sein lassen wird). Und auch der Tag kann nun wieder länger mit Außenaktivitäten gestaltet werden, was gerade mit Kindern ein großer Vorteil ist.

Bald wird dieser betörende Duft in der Luft liegen, den ich so liebe. Dieser wundervolle typische Frühlingsduft. Ich bin ohnehin ein Duft-Typ. So wie mich viele Gerüche abstoßen, wie z. B. Parfüms oder Deos mit einem starken Eigengeruch (und ich dieses alles selber nicht benutze – also Deo schon ;-), aber das riecht neutral), so liebe ich manche Gerüche ganz besonders. Düfte in der Natur, an schon lauen Frühlingsabenden im Mai. Düfte bestimmter Menschen… . Selbst dem Güllegeruch, der im Frühsommer von den Feldern herüber weht, kann ich durchaus etwas abgewinnen, erinnert er mich doch an meine Kindheit in einem kleinen Dorf mit viel Landwirtschaft drum herum.

Ja, nun beginnt alles noch einmal von vorne, möchte man meinen. Es ist ein Neubeginn, der da in der Luft liegt. Er verpflichtet auch, z. B. den Garten herzurichten oder den Winterstaub zu beseitigen. Er verpflichtet zum Ausmisten, sei es im Kleiderschrank oder im Herzen. Ich liebe den Frühling, ich setze jedes Jahr erneut so viel Hoffnung in ihn. Vor einem Jahr genau um diese Zeit fing ich gerade erst wieder an, nach meinem körperlichen Zusammenbruch aufzustehen und neuen Lebensmut zu schöpfen. Das wäre mir im Winter vielleicht nicht so gut gelungen.

Genießt die kommende Zeit. Genießt die Sonne, sofern sie Euch scheint. Freut Euch des Lebens, so wie die Vögelein es tun. Und seid gut zu Euch. Es ist Euer Leben, Ihr habt nur dieses eine.

Endlose Weiten der Erinnerungen

Orte der Vertrautheit. Gefühle der Geborgenheit. Orte, an denen Unbeschwertheit stattfand. Kinderlachen. Freude. Aber auch Trauer und Nachdenklichkeit. Eine andere Zeit mit anderen Menschen. Das ist meine Heimat – und wird es immer sein.

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Orte der Sehnsucht. Wie hier, ganz im Westen Kanadas. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

 

Sie steht auf der Anhöhe, ihr Blick gleitet über die unendliche Weite dieser Landschaft und über das Dorf ihrer Kindheit. Es ist ein wunderschöner sonniger Frühlingstag. Ja, früher standen diese Häuser hier noch nicht. Es war das Feld von Landwirt W. Sie erinnert sich gut daran. Ihre Siedlung endete an diesem Feld. Nun stehen hier schöne Häuser neueren Baujahrs. Wie sie die Leute beneidet, die hier leben, direkt an Feld und Flur. Wunderschön und ruhig. Eine herrliche Landschaft. Felder, so weit das Auge reicht, durchzogen von einzelnen Feldwegen. Oben auf den Anhöhen der Wald, vorwiegend Laubbäume, die sich je nach Jahreszeit in den unterschiedlichen Farben zeigen. Jetzt herrscht das Gelb der Rapsfelder vor. Sie leuchten in der Sonne. Früher war hier weniger Raps. Aber der ist heutzutage recht rentabel für die Landwirte, vermutet sie. Von denen gibt es hier noch immer genug.

Was für ein schönes Dorf. Es wirkt etwas keiner als früher, etwas enger, aber übersichtlich. Die alten Höfe, meist aus Fachwerk oder rotem Backstein. Alles noch immer so vertraut. Früher kannte sie hier jeden Stein, jeden noch so kleinen Weg und jede Abkürzung. Sie geht über den Friedhof. Viele neue Gräber sind dazu gekommen, alte verschwunden. Die meisten Menschen werden hier recht alt, aber einige sterben auch früh, zu früh. Alles unter 80 ist zu früh, denkt sie. Sie liest die in dieser Region vorherrschenden Familiennamen, die sie so gut kennt. Ja, viele Alte von früher sind jetzt nicht mehr da. Wie oft sind sie als Kinder über den Friedhof geschlichen. Es war immer so spannend, die Grabsteine zu lesen.

Nur wenige Kilometer weiter, die kleine Stadt

Hier ist sie geboren und hat ihr Abitur gemacht. Die schönste Kleindstadt der Welt. Sie läuft vorbei an alten Fachwerkhäusern und Jugendstilvillen. Wie schön es hier ist. Die kleinen Gassen, so heimelig. Die vielen Cafés. Die alten Gemäuer, voller Geschichte. Gut, hier und da bröckelt der Putz, wie vielerorts. Alles so vertraut. Die Stadt ist durchzogen von Grünflächen und Wasser. So viel Natur. Immer wieder dieser Fluß und seine Nebenarme, die das Stadtbild prägen. Es ist so schön hier, denkt sie wieder. Warum nur bin ich jemals fortgegangen? Wieso kann ich jetzt nicht einfach zurück kommen? Vielleicht in 20 Jahren, sagt ihr Bruder. Ja, vielleicht. Aber jetzt geht es nicht. Doch die Sehnsucht bleibt. Nach damals, als sie jung war, und voller Hoffnung. Jetzt, wo ihr das Leben manchmal keinen Sinn mehr zu geben scheint. Bis auf ihre Kinder. Denen würde es hier auch gefallen, bestimmt. Aber ihr Job, es geht nicht. Und der Mann, den würde sie nicht mitnehmen. Er würde sie nicht gehen lassen, nicht mit den Kindern. Und wie gesagt, der Job. Ohne ihn ist kein Geld da, und die Altersarmut vorprogrammiert. Ein großer Lottogewinn müsste her, dann würde sie… . Sofort. Warum nur ist es hier so schön?

Damals.