Ehegattensplitting – wie Frau an der Nase herumgeführt wird

Nach meinem letzten Beitrag zur Familienpolitik möchte ich heute noch einen Text von Juramama teilen. Es geht um das Ehegattensplitting, an dem die Politik noch immer festhält, obwohl es so gar nicht mehr in unsere heutige Zeit passt.

Eine kleine Leseprobe, ein wirklich guter Abschnitt, findet Ihr im unteren Zitat. Den ganzen Text findet Ihr hier. Lesen lohnt sich.

„Den kinderlosen Single-Onkel gab es nämlich schon immer und es gibt ihn bis heute. Er hat zwar auch 2018 keinen Splittingvorteil aus einer Eheschließung und muss seine 60.000 Euro Jahresgehalt höher versteuern als die junge Familie ihre 60.000 Euro Familieneinkommen. Aber er sammelt Dank unseres merkwürdigen Rentensystems ein Erwerbsleben lang ungestört Vollzeitrentenpunkte, die er dann im Alter bei fremden Kindern einlösen darf. Er hat zwar nur einen Teil des Generationenvertrages eingehalten, wird aber von den Kindern der nächsten Generation finanziell mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen durch das Alter getragen. Das ist sozial gerechtfertigt und geht freilich klar. Was aber nicht klar geht und noch nie klar ging, sind die Dank der staatlichen Subvention des Ehegattensplittings automatisch fehlenden Rentenpunkte der Mütter.

Mütter, ob nun verheiratet oder unverheiratet, sind die einzigen, die im Alter kaum etwas bei ihren eigenen Kindern einlösen können und es wird uns bis zum heutigen Tage allen Ernstes verkauft, dass das gerecht ist.“

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Familienpolitik – viel zu oft für’n A…

Ich bin kein sehr politischer Mensch und zugegeben auch nicht allzu engagiert in dem Bereich. Ich halte mich in vielem meist raus und bin mehr so die stille Beobachterin. Aber ich verfolge natürlich politisches Geschehen, kann lesen und nachdenken, lese auch auf diversen Blogs über das Thema. Nicht nur schlummert seit Monaten ein angefangener Artikel zum Thema #carearbeitmusssichtbarwerden – initiiert durch http://www.mama-streikt.de – in meinem Blog-Speicher, auch das Thema Alleinerziehend ist nicht zuletzt durch mama-arbeitet.de und mutterseelesonnig (ihr neuester Blogeintrag passend zum Thema hier    in der Bloggerwelt ein Thema.

Ich bin auf dem Weg zur Alleinerziehenden. Ganz freiwillig gehöre ich zu den Frauen, von denen die Trennung vom Vater ihrer Kinder ausgeht. Dafür gibt es vielfältige Gründe, zu denen ich stehe und die ich jedem gerne zu erläutern versuche, der sich dafür interessiert.

„Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“ (G. C. Lichtenberg)

Natürlich mache ich mir so meine Gedanken als demnächst Getrennterziehende (ein Begriff, den ich für unser Situation einfach passender finde). Wie komme ich dann mit nur einem Gehalt über die Runden? Und auch wenn ich jetzt schon vieles alleine stemme, wieviel mehr an Belastung wird da auf mich zukommen? Und wie wird die neue Situation für die Kinder sein?

Familienpolitik in Zeiten gesellschaftlichen Wandels

Das Finanzielle ist so eine Sache und da sind wir am Punkt angekommen. Die Familienpolitik in Deutschland ist auch im Jahr 2018 noch immer für’n Arsch. Ehegattensplitting war bei uns nie ein Thema, wir verdienen beide gleich viel wenig, aber ich bin dennoch dagegen, drängt es Frauen und Männer doch in eine Rollenverteilung von anno 1958. Und bringt oft den Frauen große Probleme wie fehlende Rente im Alter oder Probleme, sollte der Brötchenverdiener wegfallen. Auch wenn sich manche Paare diese traditionelle Rollenverteilung gerne wünschen, sollten Frauen dabei besonders vorsichtig sein. Ich las erst neulich von einer Frau, deren Mann ihr unter anderem vorgaukelte, er würde ihre Altersversorgung mitfinanzieren. Als er weg war bemerkte sie, dass er sie allerdings nicht nur in diesem Punkt belogen und betrogen hatte. Gut, Extrembeispiel, ich geb’s zu.

Das Elterngeld ist ansich ja eine gute Sache. Ohne dieses hätten wir finanziell durch die Geburt der Kinder erst mal echt alt ausgesehen. So haben wir nicht all unser Erspartes (sofern man sowas hat) aufgebraucht, aber auch sicher nichts mehr zurück legen können. Aber was passiert danach in vielen Familien? Viel zu schnell werden vor allem Frauen wieder zum Gelderwerb gedrängt, die Kinder müssen dann oft in Einrichtungen betreut werden, die viel zu oft viel zu viel von ihrem oftmals bescheidenen Teilzeitgehalt verschlingen (noch geht Rheinland-Pfalz da mit gutem Beispiel voran. Hier zahlt man ab dem 2. Geburtstag des  Kindes nur noch für das Essen). Zumindest sammeln Frauen, die schnell wieder Maloche gehen, so noch ein paar Rentenpunkte an. Und sammeln dabei zu früh nach der Geburt gerne mal zusätzlich Burnout-Punkte.

Die Politik investiert nicht immer an richtiger Stelle

KiTa-Ausbau, Betreuung bis in die Nacht hinein? Ja, kann für den ein oder anderen nützlich sein. Aber wer will das wirklich, sein Kind abends aus dem Schlaf reissen, um es zu Hause erneut zu betten, wenn das denn überhaupt gelingt? Fitte Kinder um Mitternacht… Eltern brauchen bekanntlich keinen Schlaf! Betreuung bis 22 oder gar 24h ist z. B. in meinem Beruf nicht ausreichend. Ich bin als durch die Lande reisende Orchestermusikerin oft noch später daheim. Und Schulkinder sind noch mal ein Thema für sich. Die müssen (viel zu früh) morgens schon aus den Federn. Wenn ich dann an so manchen Tagen nur nachmittags und abends arbeite, habe ich nicht wirklich viel Zeit mit meinem Schulkind verbracht. Schlaf ist aber auch dann Mangelware. Lieber hätte so manche Mutter  (und auch mancher Vater, Tendenz steigend) mehr Zeit für seine Kinder, quality time – ohne nicht zu wissen, wovon man laufende Kosten bedienen soll. Ohne auf Teufel komm raus zu „vereinbaren“ und uns früher oder später in der totalen Erschöpfung wieder zu finden. Been there, know that… .

Warum zielt die Politik und somit die Arbeitswelt nicht noch mehr darauf ab, beide Eltern gleich viel Zeit mit ihren Kindern einzuräumen? Warum muss es immer noch Feierabend-Wochenend-Väter geben und Frauen, die nie wirklich zur Ruhe kommen können und das Gefühl haben müssen, für alles alleine verantwortlich zu sein?

Steuerrecht? Murks

Warum muss ich nach einer Scheidung von Steuerklasse 4 (und damit bin ich ja als Frau schon eher die Ausnahme,  siehe oben unter Ehegattensplitting) steuerlich in Steuerklasse 2 oder vielleicht 1 schlechter dastehen, warum muss ich meine Familienzuschläge als nun Unverheiratete abgeben, obwohl ich mit meinen Kindern nach wie vor eine Familie bilde, auch wenn ich mit ihrem Vater nicht länger verheiratet bin? Und das, wo mir ohne ihn ohnehin schon ein ganzes zweites Gehalt in der Familienkasse fehlt und ich dadurch ohnehin schon finanziell schlechter dastehe? Und von nun nur einem Gehalt alleine Hauskredit bzw. Miete, Nebenkosten, Auto etc. pp. unterhalten muss. Und ich jammere da sicher schon auf hohem Niveau. Ich werde bestraft, wenn ich nicht in einer Ehe Kinder groß ziehe, sondern ohne Trauschein –  diese kleinen Wesen, die einmal fleißig folgende Generationen mit Rentenbeiträgen beglücken sollen und für die ich auf so vieles verzichte, während sich kinderlose Paare und auch so mancher kinderlose Single die Hände reibt? Ungerecht ist das, zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit.

„Aus finanziellen Gründen sollten wir uns nicht scheiden lassen“, sagte der Noch-Ehemann  zu mir. Da hat er wohl mal recht. Eine Scheidung ist teuer und erfreut die Anwälte. Der hauptsächlich dem Staat dienende Versorgungsausgleich oder auch das Verschieben von Rentenpunkten ist eine bittere Pille. Aber ich mag den Staat und unsere Arbeitgeber letztlich nicht hinters Licht führen (nicht zuletzt, weil ich klare Verhältnisse wünsche und die Möglichkeit erhalten möchte, wieder zu heiraten – weil man dann finanziell besser dasteht als in „wilder Ehe“, muhaha…).

Vielmehr wünsche ich mir eine gerechtere Unterstützung von unverheirateten und geschiedenen Eltern und auch Alleinerziehenden, die Kinder groß ziehen und dafür nicht nur Lob und Anerkennung verdient hätten. Selbst das allein fehlt schon viel zu oft.

„Hättest‘ halt nie geheiratet und keine Kinder gekriegt. Oder Dich nicht getrennt.“ – Stimmt, selber schuld. Was für eine armselige Argumentation.

 

Wer Kinder kriegt, ist selber Schuld

In kaum einem westlichen Land gilt dieser Satz – meiner Meinung nach – so stark wie hier in Deutschland. Auch wenn der Staat in den letzten 10 Jahren versucht hat, Eltern zumindest einen kleinen (!) finanziellen Anreiz zum Kinderhaben zu geben (Stichwort Elterngeld), bekommt man hierzulande noch zu oft zu spüren, dass Kinder zu haben doch bitte ein rein freiwilliges Privatvergnügen darstellt.

Vom ganzen Dorf, das es braucht, Kinder groß werden zu lassen, ist selten etwas zu spüren. Unsere Gesellschaft ist kaum mehr ausgerichtet auf Kinder. Mehr noch, häufig werden sie als störend empfunden  (weil sie mit Geräusch verbunden. Frei nach Wilhelm Busch).

In Zeiten von Pille und Co. und einer Übervölkerung der Welt gilt als verrückt, wer 1, 2 oder gar mehr Kinder in die Welt setzt. Dass wir Eltern zukünftige Steuerzahler und somit Unterstützer unseres deutschen Rentensystems großziehen, wird gerne übersehen. So argumentiere ich gerade bei kinderlosen Mitmenschen auch gerne mal mit dem Punkt, dass es meine Kinder sein könnten, die ihnen irgendwann den Arsch abwischen und die Schnabeltasse halten. Oder immerhin die Kinder der nach Deutschland Zuwandernden.

Das andere Leben – ohne Kinder

Mit gewisser Wahrscheinlichkeit hätte auch ich ein angenehmeres, bequemeres und sorgenfreieres Leben, wenn ich keine Mutter geworden wäre. Ich hätte mich weiter in meinem Dasein als Musikerin selbstverwirklichen können, aber vermutlich hätte ich dann in den vergangenen Jahren auch nur halb so viel gelernt, und zwar über mich und über das Leben ganz allgemein. Und die Chance auf ein einsames Leben im Lehnstuhl wäre sehr viel wahrscheinlicher. Ganz ehrlich: nur ein oder mehrere Hunde ist dann eben auch nicht so meins. Ich wollte Kinder, wollte wissen, wie das Leben mit Kindern ist. Jetzt weiß ich es. Es ist sehr fordernd und manchmal ist da durchaus der Gedanke, dass es ohne auch gut gewesen wäre. Ich hätte definitiv mehr Schlaf und mehr Zeit für mich, aber vieles hätte ich ohne Kinder nie erlebt und erfahren. Sie prägen mich und meine Persönlichkeit nachhaltig, davon bin ich überzeugt.

Kleine Tyrannen-Gesellschaft

Sehr interessant, dass gerade mein Beitrag Die Mama und ihr Arschlochkind so viele Klicks erhalten hat. Das Wort Arschlochkind scheint also Leser magisch anzuziehen – warum auch immer. Nicht unbedingt – so vermute ich zumindest, weil sie selber ein kleines tyrannisches a******** Kind zu Hause haben, sondern diese ihrer Meinung nach täglich in ihrem Leben begegnen – als Kinder anderer. Es ist sehr einfach, Kinder als kleine Tyrannen zu bezeichnen oder zu behaupten, die heutige Elterngeneration würde in erster Linie selbige gross ziehen, wenn man nicht selber welche hat.

Wer keine Kinder hat, hält besser das Maul

Erst, wer eigene Kinder hat, kann wirklich bei diesem Thema mitreden. Alles andere sind Mutmaßungen. Ich selber weiß auch fast nichts über Hundehaltung. Erst, wer selbst durch bestimmte Probleme und schwierige Zeiten gegangen ist, kann diese nachvollziehen und den anderen verstehen. Schuldzuweisungen sind nicht angebracht. Ich rede auch keinem kinderlosen in seine Lebensentscheidung rein, er wird seine guten Gründe haben. Aber ich möchte auch nicht ständig diskriminiert werden, weil ich – auch zum gesellschaftlichen Nutzen, auf vieles verzichte, um Kinder gross zu ziehen. Ich erwarte dafür auch keine besondere Anerkennung, aber manchmal zumindest ein wenig Verständnis, dass Eltern ein anderes Leben führen und schon genug rotieren, um alles unter einen Hut zu bringen. Und ja, die heutigen Zeiten fordern uns anders als noch die Generation unserer Eltern. Vielen scheint das noch immer nicht klar zu sein.

Ich finde es toll, dass gerade wieder mehr Kinder in Deutschland geboren werden und es einen Trend zur Großfamilie (also ab dem 3. Kind) gibt. Kinder sind wichtig. Aber sie sollten auch von allen als wichtig und wertvoll behandelt werden. Familien, aber auch die zunehmende Zahl von Alleinerziehenden, also die Familien mit nur einem Elternteil, müssen von der Politik ernst genommen werden. Das Elterngeld ist da nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein.

Ich wünsche mir einfach mehr Kinderfreundlichkeit hierzulande.