Wer Kinder kriegt, ist selber Schuld

In kaum einem westlichen Land gilt dieser Satz – meiner Meinung nach – so stark wie hier in Deutschland. Auch wenn der Staat in den letzten 10 Jahren versucht hat, Eltern zumindest einen kleinen (!) finanziellen Anreiz zum Kinderhaben zu geben (Stichwort Elterngeld), bekommt man hierzulande noch zu oft zu spüren, dass Kinder zu haben doch bitte ein rein freiwilliges Privatvergnügen darstellt.

Vom ganzen Dorf, das es braucht, Kinder groß werden zu lassen, ist selten etwas zu spüren. Unsere Gesellschaft ist kaum mehr ausgerichtet auf Kinder. Mehr noch, häufig werden sie als störend empfunden  (weil sie mit Geräusch verbunden. Frei nach Wilhelm Busch).

In Zeiten von Pille und Co. und einer Übervölkerung der Welt gilt als verrückt, wer 1, 2 oder gar mehr Kinder in die Welt setzt. Dass wir Eltern zukünftige Steuerzahler und somit Unterstützer unseres deutschen Rentensystems großziehen, wird gerne übersehen. So argumentiere ich gerade bei kinderlosen Mitmenschen auch gerne mal mit dem Punkt, dass es meine Kinder sein könnten, die ihnen irgendwann den Arsch abwischen und die Schnabeltasse halten. Oder immerhin die Kinder der nach Deutschland Zuwandernden.

Das andere Leben – ohne Kinder

Mit gewisser Wahrscheinlichkeit hätte auch ich ein angenehmeres, bequemeres und sorgenfreieres Leben, wenn ich keine Mutter geworden wäre. Ich hätte mich weiter in meinem Dasein als Musikerin selbstverwirklichen können, aber vermutlich hätte ich dann in den vergangenen Jahren auch nur halb so viel gelernt, und zwar über mich und über das Leben ganz allgemein. Und die Chance auf ein einsames Leben im Lehnstuhl wäre sehr viel wahrscheinlicher. Ganz ehrlich: nur ein oder mehrere Hunde ist dann eben auch nicht so meins. Ich wollte Kinder, wollte wissen, wie das Leben mit Kindern ist. Jetzt weiß ich es. Es ist sehr fordernd und manchmal ist da durchaus der Gedanke, dass es ohne auch gut gewesen wäre. Ich hätte definitiv mehr Schlaf und mehr Zeit für mich, aber vieles hätte ich ohne Kinder nie erlebt und erfahren. Sie prägen mich und meine Persönlichkeit nachhaltig, davon bin ich überzeugt.

Kleine Tyrannen-Gesellschaft

Sehr interessant, dass gerade mein Beitrag Die Mama und ihr Arschlochkind so viele Klicks erhalten hat. Das Wort Arschlochkind scheint also Leser magisch anzuziehen – warum auch immer. Nicht unbedingt – so vermute ich zumindest, weil sie selber ein kleines tyrannisches a******** Kind zu Hause haben, sondern diese ihrer Meinung nach täglich in ihrem Leben begegnen – als Kinder anderer. Es ist sehr einfach, Kinder als kleine Tyrannen zu bezeichnen oder zu behaupten, die heutige Elterngeneration würde in erster Linie selbige gross ziehen, wenn man nicht selber welche hat.

Wer keine Kinder hat, hält besser das Maul

Erst, wer eigene Kinder hat, kann wirklich bei diesem Thema mitreden. Alles andere sind Mutmaßungen. Ich selber weiß auch fast nichts über Hundehaltung. Erst, wer selbst durch bestimmte Probleme und schwierige Zeiten gegangen ist, kann diese nachvollziehen und den anderen verstehen. Schuldzuweisungen sind nicht angebracht. Ich rede auch keinem kinderlosen in seine Lebensentscheidung rein, er wird seine guten Gründe haben. Aber ich möchte auch nicht ständig diskriminiert werden, weil ich – auch zum gesellschaftlichen Nutzen, auf vieles verzichte, um Kinder gross zu ziehen. Ich erwarte dafür auch keine besondere Anerkennung, aber manchmal zumindest ein wenig Verständnis, dass Eltern ein anderes Leben führen und schon genug rotieren, um alles unter einen Hut zu bringen. Und ja, die heutigen Zeiten fordern uns anders als noch die Generation unserer Eltern. Vielen scheint das noch immer nicht klar zu sein.

Ich finde es toll, dass gerade wieder mehr Kinder in Deutschland geboren werden und es einen Trend zur Großfamilie (also ab dem 3. Kind) gibt. Kinder sind wichtig. Aber sie sollten auch von allen als wichtig und wertvoll behandelt werden. Familien, aber auch die zunehmende Zahl von Alleinerziehenden, also die Familien mit nur einem Elternteil, müssen von der Politik ernst genommen werden. Das Elterngeld ist da nur ein kleiner Tropfen auf dem heißen Stein.

Ich wünsche mir einfach mehr Kinderfreundlichkeit hierzulande.

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