Reblog: Ich gegen mich

Heute möchte ich Euch den Beitrag einer anderen Bloggerin vorstellen. Sie ist Ende 20, Mutter zweier Kinder und absolviert „nebenbei“ auch noch ein Studium. Die in Leipzig lebende Autorin schreibt ungemein offen und ehrlich aus ihrem eigenen Leben mit ihren zwei Kindern und, wie sie selber sagt, über die  „[…] Vereinbarkeit von Kindern & Selbstbestimmungsdrang, „Erziehungsproblemen“, Launen, Ideen und Nervenverlust. Vom vergeblichen Versuch, halbwegs richtig zu Leben… […]“.

Ich verfolge ihren Blog nun schon mehrere Jahre, nicht nur, weil ihr zweites Kind nur eine Woche älter ist als mein zweites Kind, sondern weil ihre Beiträge jedesmal ein stürmisches Kopfnicken in mir hervorrufen, so als könne sie meine Gedanken und teilweise auch Probleme lesen und diese auf ihrem Blog beschreiben. Sie schreibt also oftmals direkt aus meinem Herzen. Neben dem Alltag mit Kindern, Partner und Studium hat sie außerdem mit mehreren chronischen Krankheiten zu tun, welche ihr den Alltag zusätzlich erschweren (unter anderem mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn). Aber lest selbst! Der Text hat schon auch mit meinem letzten Thema zu tun, der „bereuten Elternschaft“. Er ist lang, aber ich kann nur sagen: es lohnt sich total!

BABYKRAM & KINDERKACKE

1) Immer wieder spülen meine Timelines Artikel in mein Blickfeld wie jüngst „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ von Franziska Schutzbach. Artikel also, die irgendwie mehr oder weniger mit dem „regretting  motherhood“-Ding zu tun haben.

2) Mein letzter Artikel ist vom 13. Dezember. In meinen jüngsten Artikeln ging es häufig nicht oder nur am Rande um Elternschaft, Mutterschaft, Leben mit Kindern.

3) Ich stecke mitten in einem Morbus Crohn-Schub und bin aktuell zusätzlich auf Cortison-Entzug. Ich fühle mich wie von jemandem ausgekackt, der einen dauerhaft entzündeten Darm hat. Sorry, für die Direktheit. Ich schlafe abends 21 Uhr mit den Kindern ein, wache kur nach 7 auf und fühle mich wie vom LKW überfahren. Meine Augen sind entzündet, ich hab Akne und ein Neurodermitis-Schub kündigt sich an. Wie schon so oft habe ich das Gefühl, dass mein verdammter Körper nicht für dieses verdammte Leben gemacht ist. Im…

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#regrettingmotherhood versus #regrettingfatherhood

Oder: Wer darf eigentlich mehr bereuen?

Die bereute Mutterschaft war vor fast einem Jahr ein ganz großes Thema, nicht nur im Internet, sondern auf sämtlichen anderen Kanälen wie den Printmedien, Radio und TV. Nun dürfen auch die Männer bereuen, ganz ehrlich und öffentlich. Jedenfalls hat es einer gewagt. Doch wer hat eigentlich mehr Rechte auf dieses Gefühl?

Auch ich hatte damals versucht, in einem Blogbeitrag etwas näher auf diese Thematik aus meiner Sicht einzugehen. Jetzt haben sich Väter zu Wort gemeldet. Und das dürfen sie auch. Dürfen sie aber auch bereuen?

Witzigerweise hatte ich gerade an dem Abend zuvor genau darüber nachgedacht und mich gefragt, ab wann denn nun Väter auf den Zug aufspringen und der erste Artikel mit dem Hashtag #regrettingfatherhood veröffentlicht wird. Und zack, las ich diesen Blogbeitrag von Mutterseelesonnig, der mich gleich zur haz und der großen Frage weiterführte, „Machen Kinder unglücklich?“

Was ist Glück?

Das Kinder nicht immer nur glücklich machen, mag für den ein oder anderen vielleicht neu sein. Für viele Eltern allerdings ist es die Realität ihres Alltags, mit solch teilweise ambivalenten Gefühlen umgehen zu müssen, die neben oder aus der eigenen Erschöpfung und Übermüdung, ja auch Überforderung heraus entstehen. Es gibt sogar Studien dazu, welche belegen sollen, dass das Gefühl des Unglücklichseins in den ersten Jahren nach der Geburt eines (oder mehrerer) Kinder so stark zunehmen kann wie sonst nur nach dem Verlust der Arbeitsstelle oder dem Tod des Partners. (Bei weiteren Interesse bitte gugeln). Erst mit zunehmendem Alter der Kinder steige des Glücksgefühl über das eigene Leben wieder an. Nun bin ich zweifache Mutter, seit Jahren leide ich unter (teilweise) ernormen Schlafmangel und Zeitnot (vor allem für mich selber und für meinen Partner) und kann sagen, dass mich meine Mutterschaft bisher nicht zu einem glücklicheren Menschen hat werden lassen als der, welcher ich vor dieser Zeit war. Dazu stehe ich und habe es daher hier auch schon mehrfach ungeschönt von mir gegeben. Und ich finde, das dürfen auch Väter sagen.

Väter dürfen Jammern, genauso wie Mütter…

… sofern sie sich zu ähnlichen Anteilen in die Arbeit (ja, ich nenne es so!) rund um Kinder und Haushalt einbringen. Also ebenso durch diese neuen Pflichten in ihrem bis dato unabhängigem Leben stark eingeschränkt sind. So wie wir Frauen eben, die zu Müttern wurden.

Mutterseelesonnig hatte in ihrem Blogbeitrag von ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit ihrem Ex-Mann und Vater ihrer zwei Kinder berichtet, der mit der ganzen Situation und seiner Vaterrolle schlicht überfordert schien. Sein Verantwortungsgefühl scheint sich erst nach der Trennung gemeldet zu haben. Inzwischen nimmt er alle zwei Wochen für 3 Nächte und 2 1/2 Tage seine Kinder zu sich und engagiert sich damit als von der Mutter der Kinder getrennt lebender Vater recht gut für seine Kinder. Wir wissen, dass das auch ganz anders geht. Männer, die zu Vätern geworden sind, schaffen es immer noch eher, sich aus dieser Lebenssituation wieder heraus zu katapultieren, also zu gut Deutsch aus dem Staub zu machen, wenn sie ihnen zu viel wird. Ist das Verantwortungsbewusstsein von Vätern gegenüber ihrer Kinder tatsächlich kleiner? Wieso bringen es viel weniger Mütter „über’s Herz“, Mann und Kinder ganz einfach zu verlassen und ihr Leben so zu leben, wie es ihnen mehr liegt? Ist es nicht so, dass ich in den ganz schwierigen Momenten der letzten Jahre nicht auch mal darüber nachgedacht hätte? Kurz.

Im Netz ging nach dem Erscheinen des Beitrags zu #regrettingfatherhood ein kleiner Shit-Storm los. In diesem Artikel  wird etwas näher darauf eingegangen, dass den bereuenden Vätern nun mehr Kritik als Verständnis entgegenschlägt (anders als angeblich den Müttern im letzten Jahr). Sie hätten kein Recht dazu, da sie sich nach wie vor mehr Auszeiten und Freizeitvergnügen abseits der Familie gönnen würden. Ja, in vielen Fällen mag das stimmen. Väter führen ihr „altes Leben“ oftmals weiter, für sie ändert sich oft weniger nach der Geburt des Kindes als für die neuen Mütter. Doch weil es immer mehr Männer gibt, die sich familiär sehr engagieren und ebenfalls immer mehr zurück stecken, dürfen sie jetzt eben auch jammern und hinterher trauern, kurz: bereuen. Oder etwa nicht?

Es gibt unterschiedliche Facetten des Bereuens

Vor allem Frauen, die alleinerziehend sind oder viele Probleme mit ihren Partnern haben, finden es einfach nur lächerlich, dass die Väter sich nun zu Wort melden. Gut, ich verstehe die Wut, wenn die Säue sich einfach von Bord machen und die Frau mit allem alleine lassen. Feige Ar***. Und die Gesellschaft macht es ihnen nach wie vor leicht: ein Mann, der Frau und Kinder verlässt, wird noch immer weniger verurteilt als eine Frau, die einfach geht, weil ihr alles zu viel wird. Eine Frau wird viel eher gesellschaftlich verachtet, wenn sie bei einer Trennung die Kinder beim Vater lässt. Keiner will ihre Gründe verstehen.

Richtig drauf gehauen wird hier, und zwar auf Väter und Mütter gleichermaßen. Es tat mir schon fast körperlich weh, diesen Artikel zu lesen, so dass ich es nicht ein zweites Mal schaffe und hier nicht im Detail auf ihn eingehen kann. Lest selbst! Mich allerdings erinnert er an Aussagen von Leuten, für die der einzige Sinn im Leben eben in ihre Mutter- (oder Vater-)Rolle liegt oder die noch keine eigenen Kinder haben und daher nur unwissendes Geschwätz von sich geben.

Die beste Antwort auf den in der haz erschienenen Artikel findet sich bei Johnny vom weddingerberg.de. Jetzt lernen die neuen, modernen Väter eben auch endlich mal das Leben abseits von Freiheit, Hobbys und mmer toll aufgeräumter Wohnung kennen. Sie bringen sich ein, weil das in der heutigen Zeit von den Müttern eben so verlangt wird – und leiden nun eben auch unter der täglichen Überforderung und der Vereinbarkeitslüge. So schreibt Johnny unter anderem:

„Je mehr moderne Väter aktiv am Leben ihrer Kinder teilhaben haben möchten, desto mehr von ihnen werden genau die Erfahrung machen, die viele der Mütter schon hinter sich haben. Dass die Vereinbarkeit aller Lebensbereiche ein Drahtseilakt ist. Dass es den perfekten Elternteil, der immer alles richtig und magazintauglich hinbekommt nicht gibt. Dass Elternsein immer auch ein Kompromiss ist.

Natürlich darf ich meinem alten Leben romantisch hinterher blicken und sagen:“Hey Du, weißt Du noch? Damals..!“ Ich darf mit meinem derzeitigen Leben mindestens genauso frustriert sein. Sich aber dem Familienleben hingeben, obwohl man sich jeden Tag die Überstunden im Büro und die Cocktails mit den Kumpels herbeisehnt?

Oder anders formuliert: der Wunsch nach Erlebniskultur statt Vatersein? Freizeitpark statt Verantwortung? Einerseits will man also alles anders machen, als der eigene, emotionslose bzw. abwesende Vater. Andererseits sehnt man sich nach dem Leben in einer Werbebroschüre: immer verfügbar und immer cool. „Regretting fatherhood“ kommuniziert die Reue über das Elternwerden auf ganz anderen Ebenen, als reumütige Mütter dies zu tun scheinen. Kann das aber wirklich sein? Wäre das nicht erschreckend entlarvend? Mütter zweifeln an sich, Väter an ihrer Familie?“

Und mein Fazit?

Ich finde, wir dürfen alle mal sagen, wie anstrengend unser Leben und unser Alltag geworden ist, seit wir Kinder haben. Egal ob Mann oder Frau. Wenn wir es denn so empfinden, dann ist das eben so. Ich finde, wir dürfen ruhig mal laut äußern, auf was wir alles tagtäglich und auch im Großen und Ganzen verzichten und was wir manchmal schlicht und einfach in unserem Leben vermissen, seit wir Eltern sind – unabhängig davon, ob wir vieles in der Zeit vor unserer Elternschaft schon erlebt und gelebt haben. Das mag bei dem einen eben die schicke Designer-Wohnung, der tolle Sportwagen oder die durchgemachte Partynacht am Wochenende sein. Bei dem anderen ist es vielleicht ein ganz banaler Wunsch, wie endlich einmal wieder auszuschlafen oder in Ruhe zu duschen auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen. Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Kinder eben nicht jede Sekunde an jedem Tag der Woche unendlich glücklich machen (und das im Übrigen auch nicht ihre Aufgabe ist, aber das ist ein anderes Thema!), sondern dieses Leben mit Kindern mit vielen Kompromissen und Einschränkungen jedweder Art eine große Belastungsprobe sein kann. Für den einen mehr, für den anderen weniger.

Und noch ein Lesetipp zum Thema #regrettingsmotherhood

Und ganz neu und heute erst von mir entdeckt der Artikel von Franziska Schutzbach auf „Präzis und Kopflos“. Sie stellt die Frage, die ich mir selber schon so oft in den letzten Jahren gestellt habe. „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ Und sie findet eine Antwort, die meiner entspricht. Viel Spaß beim Lesen! (Und Danke fürs Lesen hier bei den verlorenenschuhen).

P. S.: Ganz vergessen zu erwähnen hatte ich diesen Beitrag hier von Liz von kiddo.the.kid. Bei ihr lese ich auch gerne, sie schreibt voller Humor.