Wie man es macht…

Familie, Beruf und dazu gar Freizeit & Hobbys sind nur schwer zu vereinbaren. Das ist keine Neuigkeit für alle Eltern. Mann, pardon, FRAU kann heutzutage alles haben – so rein theoretisch, aber nicht alles gleich intensiv oder gar zu hundert Prozent. Diese 100 % müssen aufgeteilt werden, sinnvoll und so, dass niemand auf der Strecke bleibt.

Als erstes – seien wir ehrlich – stecken immer noch die Frauen zurück. Sie haben nach der Geburt die längste Betreuungszeit zu Hause, steigen also bis zu mehreren Jahren aus der Erwerbstätigkeit aus, steigen dann irgendwann meist in Teilzeit wieder ein (Vollzeit arbeitende Mütter sind immer noch genauso eine Ausnahme wie Väter, die mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen) oder lassen das arbeiten sogar ganz – sofern der Mann genug Kohle nach Hause bringt. Häufig landen sie in der sog. Teilzeitfalle, ob nun gewollt oder ungewollt. D. h., häufig ist dann nach mehreren Jahren in Teilzeit ein Arbeiten in Vollzeit nicht mehr möglich, auch wenn man das wieder wünscht. Damit begeben sie sich aber auch in das Risiko Altersarmut, nach dem sie Mutter geworden sind. Noch ’ne Muddi hat es auf den Punkt gebracht und ihre persönliche Situation und Meinung zu dem Thema beschrieben.

Ich kann das Thema „Vereinbarkeit“ nicht mehr hören. Ich stoße mich schon an dem Begriff, und auch an der Tatsache, dass es meistens uns Frauen – also die Mütter – betrifft, die alles unter einen Hut zaubern müssen, während immer noch ein Großteil der Männer so weiter macht wie bisher. Keine Abstriche im Job oder auf lange Sicht an der Rente und oft auch weniger Abstriche in der Freizeitgestaltung. Noch immer wird von vielen als normal erachtet, dass es die Frauen sind, welche ihren Job (teilweise) aufgeben, um für Kinder und Haushalt (!!!) genügend Zeit zu haben.

Warum sind es eigentlich meistens die Frauen?

Gut, es gibt genug Frauen, die sich das wirklich wünschen, nur für die Kinder da zu sein, und so langsam verstehe ich auch, warum. Das ist auch schön, aber eben auch schön anstrengend! Man möchte doch viel Zeit mit den Kindern verbringen, sie prägen, für sie da sein und glaubt oft, dass auch unsere Kinder am liebsten nur mit uns zusammen sind.

Durch meine zunehmende Unzufriedenheit mit meiner Gesamtsituation in meinem einst so geliebten Beruf und der insgesamt zu großen Belastung, die mich ins Burnout getrieben hat, verstehe ich alle, die es anders machen wollen. Und wenn man einen Beruf hat oder eine Job hatte, der einen ohnehin nicht so ausgefüllt hat, ist es die logische Konsequenz, sich voll und ganz auf Heim & Kinder zu konzentrieren. Auch verdienen Männer in ihren Jobs oft immer noch um einiges mehr als die Frauen in den ihrigen – was an sich natürlich ein Skandal ist. Wer da zu Hause bleibt oder auf Teilzeit geht, ist dann oft nicht länger diskussionswürdig.

Ich finde es trotzdem traurig, dass diese Gesellschaft vor allem von uns Frauen erwartet, dass wir das alles schaffen. Und wenn man es dann nicht schafft und irgendwie scheitert, kriegt man auch noch einen übergebraten. Unsere Lebensmodelle werden zu unserem Nachteil, egal, wofür wie wir uns entscheiden. Irgendwer findet immer ein Haar in der Suppe!

Die Kinder sollen glücklich sein – „Unser Alltag ist ihre Kindheit!“

Ich bin davon überzeugt, dass auch andere Bezugspersonen wichtig für unsere Kinder sind, spätestens nach dem ersten Babyjahr. Ich weiß von Kleinkindern, die sich nur durch Mami ins Bett bringen lassen, weil sie es nicht anders kennen. Meine Kinder kennen auch den Papa, und zwar sehr gut (so dass ich mich selber manchmal frage, ob ich nicht überflüssig bin). Desweiteren gibt es noch ein Großelternpaar am Wohnort. Meine Kinder lieben ihre Großeltern, und das nimmt mir ein wenig das schlechte Gewissen, wenn ich sie von ihnen betreuen lasse, weil ich selber arbeiten muss.

Ich kann nicht rund um die Uhr für meine Kinder da sein. Ich vermisse sie, wenn ich nicht da bin. Ob sie mich vermissen, weiß ich nicht. Sie werden groß, viel zu schnell natürlich, und es wird der Tag kommen, wo ich vermutlich noch froh sein werde, sie überhaupt noch zu Gesicht zu bekommen. Aber trotzdem geht das jetzt nicht immer, nur Mama hier und Mama da! Ich brauche meinen Ausgleich. Da für Hobbys keine Zeit ist (oder ich sie mir nicht nehme), ist das meist mein Job. Den muss ich leider Vollzeit ausüben, da mir eine Teilzeit von oberster Stelle bisher verwehrt wird. Das ginge hier nicht. Den Klageweg bin ich bisher nicht beschritten, denn bisher war es soweit in Ordnung und machbar und wechselnde Arbeitszeiten verlangen zwar viel Flexibiltät, aber man ist eben nicht jeden Tag den ganzen Tag weg.

Und trotzdem ändern sich die Zeiten, ändern sich Einstellungen. Ich habe das Gefühl, dass meine Kinder mit der Situation gut klar kommen, da sie neben mir verlässliche Betreuungspersonen haben und auch gerne in den Kindergarten zu gehen scheinen. Es ist doch oft reiner Egoismus, dass gerade wir Mütter glauben, für unsere Kinder unersätzlich zu sein, weil wir Mütter Zeit mit ihnen verbringen wollen. Bloß nichts verpassen in deren Entwicklung!

Doch in Bezug auf meinen Job frage ich mich in letzter Zeit schon immer öfter, warum ich das noch mache, außer für das Geld! Für den Spaß an der Sache, für eine Sinnhaftigkeit, die für mich ganz persönlich dahinter steht, daran zweifele ich immer mehr bzw. in bestimmten Momenten besonders stark. Meine Arbeitsbedingungen verschlechtern sich immer weiter und eine Vereinbarkeit von meinem Beruf mit meiner Familie wird dadurch nicht einfacher. In zwei Jahren kommt das erste Kind in die Grundschule. Eine total neue Herausforderung, der wir uns rechtzeitig stellen müssen. Dann werden die Karten vermutlich noch einmal neu gemischt.

Es gibt ein Leben nach der Erwerbstätigkeit

Was viele Frauen in Teilzeit oder sog. „Zuhausebleib-Mütter“ oft meiner Meinung nach ignorieren, oder zumindest verdrängen, ist die drohende Altersarmut. Wenn dann irgendwann auch noch der Partner ausfallen sollte, kann dies zu einem echten Disaster führen. Übrigens auch schon während des Erwerbstätigenalter. Durch Trennung oder im schlimmsten Falle sogar durch einen frühzeitigen Tod steht die Frau mit den Kindern dann meist alleine da.

Das Geld im Hier und Jetzt ist die eine Sache, sicher kann man da Abstriche machen. Drei Mal im Jahr in den Urlaub fahren braucht kein Mensch, wohl aber beruhigt ein kleines Häufchen Erspartes für den Fall, dass die Heizung den Geist aufgibt oder das Auto kaputt geht. Auch deswegen arbeite ich heute, damit ich später auch noch ein klein wenig habe, zumal meine Erwerbsbiografie in der Hinsicht sowieso nicht lückenlos ist.

Im nächsten Beitrag zu diesem Thema möchte ich den wehrten Leser noch mit ein paar Fallbeispielen aus meinem Umfeld beglücken. Denn wie man es macht… Und jeder so, wie er meint. Wir sollten zu unseren Entscheidungen stehen. Ich übe das noch!