Mütter häufig(er) vom Burn-Out betroffen

Warum nur, frage ich mich regelmäßig. Aber dann fällt es mir wieder ein: wir Mütter müssen einfach so viele Aufgaben gleichzeitig bewältigen. Wir haben quasi mehrere Jobs, die alle gleichermassen gut erledigt sein wollen. Wir gehen nicht nur Geld verdienen, sondern arbeiten (!) zu Hause weiter, kümmern uns um Kinder und um den Haushalt. Sind sozusagen dauerbeansprucht, eben immer „in charge“ und für alles und jeden verantwortlich. Die Adventskalender müssen bestückt werden? Neue Winterklamotten her? Geschenke für diverse Kindergeburtstage organisiert werden? Weihnachten naht auch. Wer backt die Plätzchen, sucht Geschenke und Tannenbaum aus? Wer hat eben noch schnell die Martinslaterne gebastelt? Wer wäscht noch mal eben zwischendurch die dreckigen Klamotten und sieht dabei immer noch supersexy aus? Wir Mütter natürlich. Die Liste ist endlos lang von dem, was wir alles tun (müssen). Nicht, dass nicht auch Väter einige dieser Aufgaben übernehmen würden, das soll durchaus mal vorkommen. Aber sie denken nicht die ganze Zeit daran bzw. drüber nach. Ihre Köpfe sind nicht übervoll von To-Do’s. Wir Frauen fühlen uns einfach für alles zuständig, sind es häufig auch als wahre Organisationstalente und Multi-Tasker. Ich bin davon überzeugt: es sind weniger Väter, die derart gut den Überblick behalten können oder es überhaupt wollen. Entsprechend weniger brennen sie aus. Und manche schauen uns sogar seelenruhig dabei zu… .

Hier ein toller Artikel zum Thema.

Und noch einer.

Top lesenswert!

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48 Stunden im Leben einer berufstätigen Mutter

Der Blogbeitrag von mutterseelesonnig hat mich auf die Idee gebracht, einen Text von mir an ihren Text über die 48 Stunden im Leben einer Alleinerziehenden anzulehnen und etwas aus meinem Alltag zu erzählen, auch aus dem Bereich meines Jobs als Musikerin und wie man den vereinbaren kann mit Kindern. Nein, ich gehöre nicht zu der Gruppe der Alleinerziehenden. Noch nicht. Und selbst nach einer von mir angestrebten Trennung gehöre ich vermutlich eher zur Kategorie „getrennt erziehend“.

Wie dem auch sei, bei mir ist wahrlich nicht jeder Tag gleich. Das finde ich ansich sehr gut, ich brauche die Abwechslung. Aber die Vereinbarkeit, der Alltag mit Kindern wird dadurch nicht gerade leichter und es braucht ein gewisses Organisationstalent und auch viel Kraft.

Tag 1:

Es ist Dienstag, kurz vor 7 Uhr. Eigentlich habe ich endlich mal wieder lange genug geschlafen. Mal kein Weckerklingeln um kurz nach 6. Allerdings war meine Nacht sehr unruhig. Lag mal nicht an den Kindern, eher an den vielen Dingen, die mich beschäftigen. Habe mich den Großteil der Nacht nur rumgewälzt.
Wundere mich, dass mich noch kein Kind geweckt hat. Greife zum Handy. Lesen in der Früh, wie ungewöhnlich.
7:33h: K1 kommt zu mir, wir kuscheln und erzählen.
8:15h: Komisch, K2 schläft immer noch. Ich schleppe mich unter die Dusche. K1 verkleidet sich derweil als Pirat.
8:35h: Ich gehe in die Küche, räume die Spülmaschine aus, beseitige einen Teil des Chaos von gestern abend und decke den Tisch für ein Müsli-Frühstück. Bereite das KiGa-Frühstück für die Tochter und verstaue es in ihren Rucksack. Heute geht nur sie in den Kindergarten.
8:45h: beide Kinder trudeln in der Küche ein, im Schlafanzug. Ich koordiniere die Mahlzeit und achte darauf, dass kein Kakao umfällt oder eine Müslischüssel überläuft. Der Mann geht derweil duschen.
9:15h: ich will erst mal mich und die Kinder fertig machen, werde mich dem Chaos in der Küche später widmen. In einer halben Stunde müssen wir das Haus verlassen. Habe mit dem Sohn einen Arzttermin. Wie immer ist kein Kind bereit, sich anzuziehen.
9:20h: gebe auf und gehe ins Bad, Zähne putzen, Haare kämen und anföhnen, schminken.
9:30h: kein Kind will sich fertig machen lassen. Doch, K2 zieht sich mit meiner Hilfe um. Der Mann putzt ihr die Zähne. Zuvor hatte er noch mal eben seine Diensthemden gebügelt. Wann auch sonst. Haha.
9:35h: ich sage K1, dass wir gleich zum Termin müssen. Versuche immer wieder, ihn anzuziehen. Mache nebenher sein Bett ordentlich und Räume etwas auf.
9:55h: später als geplant sitzen wir endlich im Auto. In der Küche sieht es noch immer aus wie Sau. Später!
10:25h: wir sind 10 Minuten zu spät beim Termin. Hatte auch noch die ungünstigere Strecke gewählt. Müssen aber sowieso wie immer warten. Erst mal aufs Klo. Dann: Kind wird gewogen, gemessen etc. Dann Wartezimmer, spielen. Termin geht gut rum.
11:35h: stehen wieder auf der Strasse. Seit einer halben Stunde ist mein Parkschein abgelaufen. Puh, alles gut. Ich biete dem Kind an, entweder nach Hause zu fahren, wo ich ganz viel aufräumen  müsste, wir endlich mal Ostereier anmalen könnten und es später wie gewünscht Nudeln gibt oder: nach Schulranzen gucken und danach Pommes beim Fastfoodladen essen. Kind wählt zweiteres.
12:05h: Ankommen am empfohlenen Laden. 20 Minuten später hat eine Mitarbeiterin Zeit für uns. Bin ja nicht die einzige mit baldigem Schulkind, die ausgerechnet in den Ferien diesen Laden stürmt. Gute Beratung, Entscheidung.
13:05h: mit gekauftem Schulranzen und 225 Euro weniger auf dem Konto sitzen wir wieder im Auto. Fahrt zum Wohnort.
13:25h: Fastfood für Kind und Mutter. Merke den Zeitdruck. In spätestens 45 Minuten muss ich zum Dienst fahren.
13:50h: Verlassen des Fastfoodladens Richtung Grosseltern. Sie kümmern sich heute um die Kinder, holen später noch die Kleine vom Kindergarten ab und bringen dann beide nach Hause. Mann kommt erst 21:30 vom Dienst. Im Radio läuft „Supergirl“. Fange kurz zu heulen an.
14:05h: bin zu hause. Mache mich frisch, befülle meinen Rucksack mit dem, was ich noch brauche (Wasser und Schokoriegel nicht vergessen), Räume das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine, Tisch abwischen, Boden fegen. Briefkasten leeren.
14:20h: im Auto zur Dienststelle. Kleine Entspannung.
14:45h: Ankunft. Umziehen in Dienstkleidung für das heutige Konzert. Instrument, Noten, Jacke nicht vergessen. Alles in den Bus bringen. Noch mal aufs Klo.
15:07h: sitze im Bus. Noch 8 Minuten bis zur Abfahrt. Meine Augen brennen, ich fühle mich schon seit Tagen urlaubsreif. Träume von einem Wochenende ohne Kinder. Mein Akku ist leer. Jetzt im Bus versuche ich etwas zur Ruhe zu kommen. Beginne diesen Text. Mache die Augen zu, nachdenken. Dösen.
16:50h: Ankunft am heutigen Auftrittsort. Es gibt schönere! LKW wird entladen. Ich baue Notenpulte auf, schleppe sie an ihren Bestimmungsort, rücke Stühle, lege Noten. Baue mein Instrument zusammen. Die ersten Töne des Tages. Welches Blatt? Wie ist die Akkustik?
17:30h: die Anspielprobe des Orchesters beginnt.

Konzentration aufs Wesentliche

Die Halle hält, was sie verspricht, nämlich nichts. Die Akustik ist Mist,  ich höre mich selber kaum. Das wird ein Konzert mit weniger Spielfreude. Zum Kratzen im Hals gesellt sich sich ein Grummeln im Gedärm. Mir ist leicht übel. Hab ich schon erwähnt, dass ich recht müde bin? Ob ich krank werde?
17:30h: Probenende und Essen. Das mit Abstand schlechteste der letzten Zeit. Ich bin leicht frustriert. Zum Glück beginnt das Konzert heut schon um
19:30h: durch das die Halle füllende Publikum geht es jetzt mit der Akustik. Ich gebe mir Mühe. Immerhin liebe ich mein Instrument. Ich denke an die Kinder, die jetzt so langsam ins Bett gehen, heute begleitet von den Großeltern. Wird schon klappen. Mit etwas Glück bin ich noch kurz vor 1 Uhr in meinem Bettchen.
20:50h: die 2. Konzerthälfte beginnt. Das 2. Stück davon ist mein Lieblingsstück des aktuellen Programms, hier darf ich viele schnelle Töne spielen. Ich reisse mich zusammen, bin heute aber nicht so zufrieden. Nach diesem Stück verlässt mich wie immer so langsam die Kraft und Konzentration. Der Tag war immerhin schon lang.
21:50h: das Konzert ist zu Ende. Wir müssen noch abbauen. Ab dem Zeitpunkt wo die Busse rollen, dauert es noch 2 Stunden bis zu meinem Bett.
22:25h: wir sind schnell heute. Die Fahrzeuge rollen. Der Vollmond strahlt mich an. Ich setze meine Schlamassel auf und döse. Tief schlafen kann ich in Bus und Flugzeug leider nie.
23:45h: Ankunft am Dienstort. Torkele schlaftrunken aus dem Bus. Umziehen, Auto fahren. Immer wieder eine Herausforderung mit der nächtlichen Müdigkeit.
00:20h: bin zu Hause. Früher als erwartet. Wenn Konzerte weiter weg sind und zudem später beginnen, wird es auch schon mal 1:30h.
Dadele noch etwas auf dem Handy. Gegen 1 Uhr schlafe ich ein.

Was ich heute nicht geschafft habe: wichtige Termine machen. Vom Bus aus mag ich nicht telefonieren.

Tag 2:
Irgendwas zwischen 5:30 und 6 h: bin wach. Scheiß innere Uhr. Der Mann musste um 5:30h zur Frühschicht. Dösen.
6:27h: K1 kommt zu mir ins Zimmer. Warum reden Kinder schon morgens so laut? Er darf sich auf YouTube Videos über Playmobil Spielzeug ansehen. Unpädagogisch, aber meine Rettung. Döse weiter, höre die Stimmen von den Videos.
Schätzungsweise 7:30h: K2 kommt dazu. Ich höre alles, döse aber noch. Bin einfach zu müde. Könnte jetzt wieder einschlafen.
8:00h: Handywecker klingelt. K2 verlangt nach Peppa Wutz auf meinem Laptop. Mache ihr alles an. Schleppe mich unter die Dusche. In Ruhe duschen und anziehen ist den Medienkonsum der Kinder allemal wert.
8:30h: verkünde den Kindern, dass ich nun in die Küche gehe. Ob sie frühstücken wollen? Schmeisse Toast in den Toaster. Bereite mir ein Müsli für unterwegs. Wird mein Mittag sein.
8:36h: frage die ganze Kinder erneut, ob sie Frühstück wünschen.
8:41h: K1 kommt mit meinem Handy in die Küche. Er durfte es haben, wir sind ja unter uns.
K2 schlurft hinterher. Ich tische Müsli auf. Erfülle Sonderwünsche, schlichte Streit, renne in die Speisekammer im Keller. Bereite die Brotdosen für den KiGa. Versuche irgendwann, selber zu frühstücken.
9:10h: Räume den Tisch ab. Kinder sind fertig. Stelle die von ihnen kaum angerührten Müslis in den Kühlschrank. Spülmaschine einräumen, Tisch abwischen, fegen.
9:17h: bin im Bad. Was man so macht, Zähne putzen, schminken, Haare kämen. Kinder spielen derweil.
9:35h: Die Zeit drängt. K2 kriege ich angezogen. Sogar gewaschen und Zähne geputzt. K1 ignoriert mein Flehen und meine Drohung, ihn im Schlafanzug zu bringen.
9:45h: langsam werde ich nervös. Müssen um 10 h im Kiga sein.
Ich ziehe ihn um. Gesicht waschen. Haare kämen.
9:55h: alle noch mal Pipi. Nach mehrfacher Aufforderung ziehen die Kinder selbstständig ihre Schuhe an. Ich räume unsere Rucksäcke in den Kofferraum und prokele den Kindersitz, den der Opa gestern brauchte, ins Isofix.
9:58h: losfahren
10:03: endlich im Kindergarten. Dort herrscht Tumult. Vor dem Garderobenplatz der Tochter werden Osterzöpfe geformt.
10:10h: sitze wieder im Auto. Seufze ganz tief. Geschafft. Im doppelten Sinne. Während der Fahrt merke ich, wie müde ich eigentlich bin. Augen auf behalten kann hohe Kunst sein.
10:40h: Ankunft am Dienstort. Sachen von letzter Nacht aufräumen. Nichts für heute vergessen und alles in den Bus räumen.
11:19h: sitze im Bus.
11:30: Bus rollt.
13:30h: verspätete Ankunft am Auftrittsort. Hatten Stau. Schnell rein in die Klamotten, Instrument aufbauen, noch mal aufs Klo.
15:00h: Bus rollt wieder und direkt in den Stau auf der Autobahn.
16:40h: zurück am Dienstort. Trotz Einnickens im Bus gerädert. Bräuchte mal einen freien Tag, zumindest ab jetzt.
17:32h: endlich zu hause nach Stau und Umweg. Bin zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Habe heute den Luxus, mit den Kindern nicht alleine zu sein. Abendbrot für alle. Danach ziehe ich mich etwas zurück. Mit schlechtem Gewissen zwar, aber nach einem Burnout lernt man dazu. Kann einfach nicht nehr, kann aber leider nicht schlafen.

Kinder ins Bett bringen – die allabendlichen Terrorhölle

21:00h: endlich kehrt Ruhe für heute ein. Ich habe Erschöpfungsanzeichen. Beine tun weh und ich bin verdächtig kurzatmig. Da ich aber über den Einschlaf-Punkt erst mal drüber bin, klappt es mit dem Runterfahren nicht. Schlafe erst ca. 23h ein. Bin ab grob halb 3 wach. Schlafe erst gegen 6h wieder ein. Was ich heute wieder nicht geschafft habe: wichtige Termine vereinbaren. Mal üben. Haushalt.

Am 3. Tag:

Werde um 7:03h von K1 geweckt. Benommenheit. Verzichte heute entgegen meiner Gewohnheit auf die Dusche und komme so nur eine halbe Stunde zu spät zu Dienst. Der Tag wird sich schrecklich ziehen und ich werde nachmittags wieder verzweifelt und erfolglos versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Und im haushältlichen Chaos versinken.