Eltern in Trennung – Teil 3

Was ich mir selber vorzuwerfen habe oder warum es überhaupt so weit kommen musste. Ein Erklärungsversuch.

Wieso habe ich das alles so lange mitgemacht? Wieso habe ich so lange mit einem Mann gelebt, der mir schon so lange nicht mehr das Gefühl gab, dass er sich (noch) ernsthaft für mich interessiert, also für mein tiefstes Inneres, meine innerste Gefühlswelt? Bei dem ich dadurch nicht mehr das Gefühl hatte, dass er mich überhaupt noch liebt? Der mir mit seinen Launen, mit seinem Gemeckere, seiner Engstirnigkeit, seiner Trägheit und seiner Ignoranz nicht nur mir, sondern so vielen Dingen gegenüber – darunter auch denen, die mir wichtig sind – einfach zugesetzt hat? Der mein inneres Chaos durch sein äußeres Chaos immer wieder verschlimmert hat, es noch immer tut, das aber bis heute nicht erkennt? Ich habe auch gemeckert, denn ich wollte Verbesserung erreichen. Ich habe kritisiert, nicht weil ich kritisieren wollte, sondern weil ich Denkanstöße zu geben versuchte. Und ja, ich war unzufrieden. Unzufrieden, weil ich so viel vermisst habe. Vielleicht neige ich zu der Eigenschaft, ein unzufriedener Mensch zu sein. Jemand, der sich nicht so schnell zufrieden gibt, jemand mit Ehrgeiz und einem gewissen Hang zur Perfektion. Ja, es ist besser geworden. Ich werde langsam ruhiger in meinem Streben. Ich erkenne mehr und mehr, was mir wirklich wichtig ist, was für mich wirklich zählt im Leben, in meinem Leben. Ich habe erkannt, dass ich mit manchen Kompromissen nicht weiterleben möchte. Ich habe erkannt, dass ich mit diesem Mann auf gar keinen Fall alt werden möchte. Nicht so. Dabei lasse ich seine guten Eigenschaften nicht außer Acht. Aber sie reichen für ein gemeinsames Leben für mich einfach nicht mehr aus.

Wendepunkte im Leben

Ich habe diese Erkenntnisse lange vor meinem Burnout gehabt. Und wenn ich mir eines vorwerfen kann, wirklich vorwerfen sollte, dann die Tatsache, dass ich all die Jahre mit ihm zusammen geblieben bin, ohne ihn ausreichend zu lieben. Das ist der Knackpunkt und der Moment, wo auch ich mich frage: wieso? Und was ist Liebe überhaupt? Warum ist aus der Verliebtheitsphase, die es zweifelsohne gab, keine Liebe geworden? Oder ist sie das doch, aber im Laufe der Jahre und durch zu viele Probleme nach und nach gestorben? Tatsache ist: es ist keine Liebe mehr da, und ich behaupte mal, das ist auf beiden Seiten der traurige Fall. Und ich habe für mich erkannt, dass Liebe die Grundvoraussetzung für alles ist. Nur dann ist Nähe – körperliche wie auch emotionale – und Beziehung überhaupt erst tiefgehend und befriedigend möglich. Alles andere führt mit der Zeit zu Rückzug und Distanz. Bedingungslose Liebe und den anderen so nehmen können, wie er ist, das ist es, was ich mir schon lange wünsche. Aber ich habe das einfach nicht gekonnt. Mag auch mit meiner Beziehung davor zu tun haben, die für mich sehr enttäuschend endete. Ich glaube, danach wollte ich mich – unbewusst – emotional nicht wieder so tief binden. Die Beziehung zu meinem Mann war daher ein Kompromiss. Es gab jemanden, aber durch weniger Liebe war ich weniger auf dieser Ebene verletzlich. Und das tut mir wirklich von Herzen leid.

Geschichte wiederholt sich

Das alles klingt verdammt hart, und das ist es auch. Zumindest ist es unendlich traurig. Warum also habe ich all das auf mich genommen, mich im Grunde selber belogen? Weil ich nicht alleine sein wollte? Weil nie jemand daher kam, der besser gepasst hätte? Weil ich im Grunde eine treue Seele bin (auch wenn man jetzt anderes behaupten könnte) und ich nicht so einfach aufgeben will, wenn es zu Schwierigkeiten kommt? Weil ich hoffte, es besser machen zu können als meine Eltern und dabei genau den gleichen Fehler beging? Denn auf eines hat mich meine Therapeutin gebracht: weil ich es nicht anders kannte. Weil meine Eltern mit ihrer eigenen gescheiterten Ehe nicht in der Lage waren, mir eine funktionierte Liebes- und Paarbeziehung vorzuleben. Eine, die auf den Werten Liebe, Achtung und Respekt basiert. Und auf gemeinsam gefundenen Kompromissen und Lösungen.

Ich bin mit der Einstellung „ich muss das aushalten – für die Kinder“ groß geworden. Meine Mutter hatte es mir quasi vorgelebt. Sie ging von einem auf den anderen Tag, als ich 13 Jahre alt war und sie einfach nicht mehr konnte.

Und ich selber hab diese Geschichte wiederholt, bin wegen der Kinder geblieben (und bleibe gerade noch). Wollte allen Ernstes durchhalten, bis sie groß genug sind, um auf eigenen Beinen zu stehen. Aber bitte, was bringt mir das? Ein unglückliches, von einer Grundstimmung aus Unzufriedenheit geprägtes Leben! Und die Erkenntnis, dass es in zwanzig Jahren aber zu spät ist für vieles andere. Ich will nicht warten, bis ich 60 oder noch älter bin und hoffen, dass ich dann noch mal eine Beziehung mit einem Mann führen kann, so wie ich sie mir wirklich von Herzen wünsche. Auch mit bedingungsloser Liebe, d. h. den anderen so annehmen zu können wie er ist, inklusive all seiner Marotten. Weil ich ihn im Grunde achte und respektiere. Weil er im Grunde genommen so ist, dass er zu mir passt. Das es eben passt. Und er mich sieht, wie ich bin. Und ihm ebenso gut gefällt wie ich bin. Und er eben mir.

Eine Trennung ist manchmal alternativlos

Was würde es meinen Kindern bringen, wenn nun alles beim Alten bliebe, Mama und Papa nur ihretwegen nach außen hin noch einen auf „Paar“ machen würden? Ich würde sagen, es brächte nur ein verdammt schlechtes Vorbild an Beziehung. Und weiterhin viel Spannung aufgrund ungelöste Konflikte.  Ich bin davon überzeugt, dass ich ihnen durch die Entscheidung zur Trennung nichts wegnehme, sondern ihnen etwas neues gebe. Vor allem hoffe ich, ihnen eine glücklichere Mutter sein zu können. Eine Mutter mit mehr innerer Balance. Wie sehr das gelingt, wird die Zeit zeigen. Hierbei spielen die Umstände, die eingeforderte Unterstützung und der Umgang der Eltern miteinander nach einer Trennung eine große Rolle.

Ich möchte nicht außer Acht lassen, dass auch der Vater meiner Kinder eine tiefe Unzufriedenheit ausstrahlt. Ich glaube, er weiß nur nicht genau, woher das rührt, da er sich mit Selbstreflektion (scheinbar) sehr schwer tut und lieber an etwas festhält, von dem er meint, es müsse auf alle Zeit so sein. Aus Bequemlichkeit, auch aus Angst, aber nicht aus Liebe zu mir. Denn das Gelebte der letzten Jahre kann keine Liebe gewesen sein.

Folgendes habe ich kürzlich gefunden.

5 Gründe für ein Beziehungsaus

  1. Zu viele Kompromisse bei der Partnerwahl. Emotionale Abhängigkeit, nicht alleine sein wollen. Bestätigung durch andere suchen.
  2. Wir wollen für immer verliebt sein. Denn Verliebtheit macht süchtig. Verliebtheit wird oft mit Liebe gleichgesetzt. Dabei ist Liebe die nächste Phase nach dem Verliebtsein.
  3. Nach der Bindungstheorie gibt es verschiedene Beziehungstypen. Und die müssen eben zusammen passen.
  4. Monogamie bzw. fehlende – soll nicht jederman(s)s Sache sein.
  5. Auseinanderleben durch unterschiedliche Entwicklungen im Laufe der Zeit.

Zu Punkt 1 kann ich sagen, dass ich hier meinen größten Fehler sehe. Ich bin zu viele Kompromisse eingegangen. Habe dies schon früh geahnt, schon ungefähr 1 Jahr nach dem Kennenlernen war mir klar, dass es nicht gut passen kann. Aus der anfänglichen Verliebheitsphase entwuchs nichts bedingungsloses. Und trotzdem habe ich die nächsten Schritte gemacht. Es war ja auch nicht alles schlecht, und ich war eben in alten Mustern gefangen. Und vielleicht einfach noch nicht so weit (jung, auf gewisse Art naiv), wollte eher nicht alleine sein, als dass ich mich gegen ein gemeinsames Leben mit jemandem entschieden hätte, mit dem ich vom Wesen und auch von den Werten auf Dauer eher weniger gut zusammen passe. Fakt ist: Dinge, die mich schon länger stören, störten mich im Laufe der Zeit immer mehr. Wurden wirklich gewichtig, als „Stressfaktoren“ wie die Kinder dazu kamen und das nötige „gemeinsam an einem Strang ziehen“ aufgrund unserer Unterschiede nicht erfolgen konnte.

Wir sind alle von unseren frühesten Erfahrungen geprägt

Altlasten gibt es auf beiden Seiten. Jeder Mensch ist geprägt durch das, was er in seiner Kindheit und Jugend, was er durch einschneidende Erlebnisse in seinem Leben erfahren hat. In schwierigen Zeiten zeigt sich dann, wie man damit umgehen kann. Es kann dann unter Umständen wichtig werden, sich fachkundige Hilfe zu suchen, z. B. psychotherapeutische Unterstützung oder Beratung durch die Lebenshilfe, durch Sozialpädagogen etc. Wer das nicht tut und nicht bereit ist, Schuld und Verantwortung auch bei sich zu suchen, sondern sie immer nur an den Partner abgibt, guckt am Ende eben in die Röhre. Wenn einer der Partner nach wiederholten „Warnschüssen“ eben nicht mehr so tun kann, als wäre alles in Butter, kann eine Trennung das beste für beide sein. Wenn auch nur einer der beiden sein eigenes Lebensglück zu sehr beeinträchtigt sieht, muss er sich nicht zwingen, weiterhin faule Kompromisse einzugehen. Kompromisse ja, die gehören zu einer guten Beziehung immer dazu, aber eben keine faulen. Und seien wir mal ehrlich: wofür ist ein Lebenspartner da? Nicht zum Wäsche machen, bügeln, putzen, Essen kochen, nicht zur finanziellen Absicherung oder für ein wenig Spaß zwischendurch. Es gehört schon mehr dazu, gut miteinander auszukommen. Der berühmte „Seelenpartner“ ist da keine so schlechte Idee. Das gemeinsame Leben sollte auf gemeinsamen Ideen (von mir aus auf Idealen) und Werten beruhen, und sei es nur, sich das Leben nicht so kompliziert zu machen und das Chaos zu minimieren. Ach, es gäbe so vieles… .

Was erwarte ich von der Zukunft? Was stelle ich mir besser vor?

Kann es besser werden? Es muss besser werden, so viel steht fest. Einen weiteren Zusammenbruch aufgrund von zu hoher psychischer Belastung kann ich auch meinen Kindern gegenüber nicht verantworten.

Aber sollte man sich gleich in eine neue „Beziehung“ stürzen? Jein. Es ergibt sich eben manchmal und ist nicht immer voll beabsichtigt. Oft ist es wichtig, erst einmal Abstand zu gewinnen, um aus den Mustern der alten Beziehung ausbrechen zu können. Das ist ein Prozess. Das kann mehr oder weniger lange dauern. Was also tut man, wenn die vermeintlich „große Liebe“ bereits um die Ecke gebogen ist, während man noch die Altlasten bekämpft? Schwierig. Mir jedenfalls geht es mit dieser ganzen Geschichte gerade gar nicht gut. Ich bin unheimlich verunsichert, weil ich sowieso ansich kein resoluter und entscheidungsfreudiger Mensch bin – aufgrund von Angst vor Fehlern. Kopf und Bauch führen da schon mal den ein oder anderen Kampf. Wenn es dann auch in der neuen Verbindung zu Problemen kommt, wenn nicht nur Kraft gespendet, sondern durch ungünstige Umstände diese auch entzogen wird, kann dies zu einer weiteren belastenden Situation führen. Wir sind – gerade in Trennungs- und Neufindungsphasen – nicht unendlich belastbar. Hier gilt es, vor allem bei sich selbst zu bleiben. Als erstes achten und lieben wir uns am besten selbst und überlassen das nicht einer anderen Person. Das ist alles einfacher gesagt als getan, denn je nach eigener Konstitution führt das schon mal zu einem echten Dilemma.

Ruhe und ein geregeltes Leben

Ich würde mir wünschen, (innerlich) zur Ruhe kommen zu können. Daher wünsche ich mir eine baldige räumliche Trennung von meinem Noch-Ehemann und somit das Ordnen meiner Lebensverhältnisse, das „Erkunden“ (m)eines neuen Lebensweges. Im Sinne der Kinder, aber auch im Sinne der Erwachsenen. Dass ich leider zeitgleich schon Sehnsucht nach jemand habe, der irgendwann plötzlich und wirklich unerwartet in mein Leben getreten ist, dafür kann ich nichts. Das ist eben das Herz. Dagegen hat der Verstand einen schweren Stand. Ganz wichtig ist hier immer wieder: Geduld! Ohne die geht es nicht, ist aber nicht ganz einfach in dieser wirklich komplizierten Situation. Denn wie gesagt, Altlasten und den berühmten Rucksack bringt jeder mit, irgendwie sind wir alle mit Ängsten und Zweifeln ausgestattet. Vor allem, wenn wir schon ein ganzes Stück Leben hinter uns haben.

 

In Teil 4 – Eltern in Trennung, möchte ich mich im besonderen auf das Wohl der Kinder und unterschiedliche Familienkonstellationen konzentrieren. Dazu gibt es auch ein paar Buchtipps.

Eltern in Trennung – Teil 2

Warum Beziehungen scheitern können und weshalb man das akzeptieren sollte. Eine Bestandsaufnahme.

Ich versuche, Bilanz zu ziehen nach einer langen Beziehung, nach einem langen Weg, den man gemeinsam gegangen ist. In einer langen Zeit, in der man verschiedene Phasen des eigenen Lebens in Anwesenheit des anderen durchlaufen hat. Dies kann eine Zeit der tiefsten Prägung für die Zukunft und somit auch für eine folgende Beziehung sein.

Dies hier soll keine „Abrechnung“ sein, nur niedergeschriebene Erklärungsversuche für mich selbst. Vielleicht helfe ich dem ein oder anderen damit. Jedenfalls versuche ich gerade, mir selber zu helfen, denn ich kann nicht mehr. Der derzeitige Zustand zermürbt mich, es zieht mich emotional extrem runter. Ich glaube sogar, dass das so gewollt ist. Ich soll klein beigeben, zusammen brechen (erneut!). Das mag eine Unterstellung sein, aber sie liegt so nahe.

Auch der Sich-Trennende leidet

Warum mache ich nach 16 Jahren und zwei gemeinsamen Kindern Schluß? Warum sieht es nach außen hin vielleicht so aus, als sei das ganz einfach für mich, eine Entscheidung aus einer Laune heraus? Ich kann sagen, dass es das eben nicht ist. Denn sonst hätte ich schon eher diesen Schritt gewagt. Aber auch ich habe moralische Bedenken, also meinen Kindern gegenüber. Auch ich hatte den Traum von einer heilen, glücklichen Familie.

Aber irgendwann kam die Erkenntnis: besser ein beherzter Trennungsschritt als ein jahrelanges Dahinsiechen der Partnerschaft oder Ehe! Doch genau diese Entscheidung erfordert Mut und Entschlossenheit. Wenn nicht, kann ein langsamer, depressiver Prozess einsetzen, der eine große Gefahr darstellt, nämlich seelische Krankheiten und körperliche Fehlfunktionen. Ja, hallo Burnout. Und hallo scheiss Zustand, in dem ich mich gerade befinde, niedergeschlagen und teilweise depressiv-verstimmt. Verzweifelt und traurig. Also lieber ein Ende mit Schmerz, als Schmerz ohne Ende.

Das Leben der anderen

Es wird vermutlich immer Leute geben, die mich verurteilen werden. Es wird Leute geben, die denken, ich mache das alles aus einer oberflächlichen Laune heraus oder weil ein anderer Mann meinen Weg gekreuzt hat. Es dürfte immer Leute geben, die einen neuen Partner in solch einer Situation als denjenigen betrachten, der die Ehe auseinander gebracht hat. Es wird immer Leute geben, die urteilen, ohne nach den Hintergründen zu fragen. Die Dinge sagen werden wie, „Die armen Kinder, wie kann sie das nur tun“ und „Ihr Mann ist doch so ein netter Typ“. Auf all das stelle ich mich ein und ganz ehrlich – es geht mir schon jetzt ziemlich am Allerwertesten vorbei. Ich bin aus dem Alter raus, wo ich so unheimlich viel auf das Gerede und die Meinungen anderer über mich gebe. Das ist auch etwas, was ich nach meinem Burnout verbessern konnte.

Nur  i c h weiß, wie lange schon und wie heftig ich mit mir ringe. Nur ich weiß, durch welchen Gefühlssumpf ich gehe. Und nur ich kenne mein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht weiter zur völligen Aufopferung zur Verfügung stelle, bis meine eigene Gesundheit noch mehr darunter leidet.

Hey Leute, ich war ganz tief unten, mein Körper hatte sämtliche psychosomatische Register gezogen, die so ein Körper ziehen kann, und die alle gleichzeitig. Ich habe geglaubt, mein Leben wäre zu Ende. Aber ich bin noch da und in diesem einen Jahr, das vergangen ist, habe ich verdammt-noch-mal erkannt, was ich will, welche Werte mir im Grunde genommen wichtig sind und vor allem weiß ich, was ich nicht mehr will.

Ich will nicht mehr mit einem Menschen zusammen leben, der mich so viel vermissen lässt und mich seit Jahren – ob bewusst oder unbewusst spielt erst einmal keine Rolle – dermaßen runterzieht, dass ich mich gezwungen sehe, einen neuen Weg zu gehen, wenn ich am Leben bleiben möchte. Ich weiß schon lange: mit diesem Mann kann und will ich nicht alt werden. Nur für die Kinder wollte ich so lange wie möglich durchhalten. Aber wie lange kann ein „so lange wie möglich“ sein?

Es ist nicht neu, was für manch Außenstehenden neu erscheinen mag

Ich habe den Trennungswunsch und diese Empfindungen und Gedanken nicht erst seit letztem Jahr. Ich hatte sie schon einige Jahre davor, immer wieder. Ich hatte sie auch schon, noch bevor meine Kinder 2011 und 2013 geboren wurden. Irgendwas hat sich für mich schon lange falsch angefühlt. Und das weiß nicht nur ich, sondern das wissen engste Freunde von mir, das weiß meine Familie, also meine Mutter, mein Bruder (und natürlich mein Papa auf seiner Wolke). Sie alle kennen meine jahrelangen Zweifel, meine Äußerungen darüber, haben teilweise die Auseinandersetzungen mitbekommen. Und sie haben sich teilweise immer wieder gewundert. Darüber, dass ich weitergemacht habe, dass ich das Haus gekauft habe, vor allem, dass ich die Kinder bekommen habe mit diesem Mann. Meine Kinder, die ich über alles liebe und derenwegen ich versucht habe, immer wieder durchzuhalten in einer Lebens- und Paarsituation, die sich für mich immer falscher und falscher anfühlte, einfach nicht (mehr) zu mir passt. Muss eine Beziehung so sein, dass man versucht, dem anderen das Gefühl zu geben, klein und unbedeutend zu sein und alles falsch zu machen? Müssen Machtausübung und Dagegensprechen, müssen Ablehnung und Ignorieren des Partners wirklich sein? Muss eine Beziehung um jeden Preis weitergeführt werden, wenn das Kommunikationsverhalten auch nach wiederholten Verbesserungsversuchen einfach nicht zu ertragen ist? Wenn man nicht mehr weiß, wie man mit seinem Partner Probleme und Sorgen besprechen kann, wenn egal was man sagt, einem kein Verständnis oder Wohlwollen entgegen schlägt, sondern ein „Dagegen“ und sogar Ignoranz?Zumindest keine großartige Empathie, kein Trost oder ein gemeinsames Suchen nach Lösungen. Irgendwann bleibt einem nichts übrig als der eigene Rückzug. Und man fühlt sich mit allem verdammt alleine, unverstanden und ungeliebt. Und jedes einst positive Gefühl für den Partner geht den Bach hinunter.

Muss man all das ertragen wenn es darum geht, einen Alltag mit Kindern zu organisieren? Was ansich schon anstrengend ist und einem sowieso schon so viel Kraft abverlangt. Wenn dann statt eines Miteinanders gefühlt nur ein Gegeneinander stattfindet, neigt sich die Kraft schnell dem Ende zu. Gegenseitige blöde Bemerkungen sind in einem anstrengenden Alltag doppelt zermürbend.

Wenn zwei sich streiten, freut sich vielleicht ein dritter

Die Außenwelt mag denken was sie will. Das Stöckchen war schon lange weggezogen, welches den Stein des Anstoßes ins Rollen brachte. Dass der Stein an Geschwindigkeit zunahm, als ich bemerkte, dass ich Gefühle für einen anderen Mann habe, möchte ich nicht bestreiten. Überhaupt, dieses Gefühl des Verliebtseins kannte ich nicht mehr, hatte sogar geglaubt, dazu nicht mehr fähig zu sein. Aber ich weiß jetzt: es geht noch. Und es lag nicht an mir alleine.

So ist es also. Ich mag nichts mehr schönreden

Ich bin also seit Jahren total unzufrieden und unglücklich in dieser Partnerschaft. (Ich bin auch seit Jahren total untervögelt, aber das nur am Rande). Mir wird seit Jahren nicht zugehört, meine Trennungswünsche in der Vergangenheit wurden nie ernst genommen. Am nächsten Tag wurde weitergemacht wie immer, alles ignoriert und ich fühlte mich somit nicht für voll genommen. Heute wird sogar mehr oder weniger behauptet, dass es diese Ansagen von mir nie gegeben hätte. Auch nicht die Gespräche, die ich suchte, Monologe die ich führte, um irgendetwas noch zu retten oder zu bewegen. Leises Flehen, er möge sich doch auch (mal) Hilfe von außen holen, brachte nur ganz kurz einen Lichtblick und war so nicht ganz der richtige Weg. Und es war schon zu spät.

Ich habe meine Unzufriedenheit offen gezeigt. Ich habe nicht so getan, als wäre alles in Ordnung und die Liebe groß. Denn ich bin kein guter Schauspieler.

Ja klar, es gab auch gute Momente, Phasen, in denen dieser Mann nett zu mir war, sich bemühte und ich Hoffnung schöpfte. Es waren die Momente, die mich dann erst einmal zum bleiben animierten. Und in denen auch ich wieder anders sein, aus meinem Schneckenhäuslein über die Mauer schauen konnte. Aber immer wieder hatte ich das Gefühl, dass es ihm dann am besten ging, wenn es mir am schlechtesten ging. Mein Burnout, den er im Vorfeld nicht erkannte und auch nicht durch emotionale Unterstützung zu verhindern suchte – denn ich bin überzeugt, dass mir das in einer guten Partnerschaft so nie passiert wäre – wird mir heute regelrecht zum Vorwurf gemacht. Weil er ja dann auf der Arbeit so viel gefehlt hat, um für mich da zu sein! Und er wäre ja für mich da gewesen! Und er hätte ja reden wollen.

Dass das alles zu spät war und ich zu dem Zeitpunkt schon lange resigniert und die Schotten zugemacht hatte, wird heute nicht gesehen. Überhaupt, Selbstreflektion, was ist das? Oder Schuld und Verantwortung auch einmal bei sich selber suchen, sich gar zu entschuldigen, aufeinander zu zugehen wie erwachsene Menschen, bei diesem Mann scheint das ein Fremdwort zu sein. Statt dessen bin ich an allem, wirklich an allem Schuld.  Das ist die bittere Realität.

Natürlich habe ich weiß-Gott nicht alles richtig gemacht. Ich habe mir selber auch viele Fehler vorzuhalten. Aber ich kann das auch, denn reflektieren kann ich. Und es einsehen und mich entschuldigen kann ich auch.

Aber davon handelt der 3. Teil meiner kleinen Serie mitten aus dem Leben, „Eltern in Trennung“.

 

Eltern in Trennung – Teil 1

„Das Leben ist kein „Ponyschlecken“, wir gehen durch unsere kleineren und größeren Krisen und wissen manchmal nicht, wo der Weg uns hinführt. Wir streben nach Glück und Zufriedenheit und das ist gut so. Viel schlimmer wäre es wohl, wenn jegliches Streben eingestellt und nur noch kampflos hingenommen werden würde.

Nach einigen Jahren der größeren Krise in meinem eigenen Leben, nach Erschöpfung und Zusammenbruch, nach stark gespürter Unzufriedenheit und vielen Zweifeln, habe ich mich in ein neues Leben aufgemacht, unter anderem mit psychotherapeutischer Unterstützung, aber auch durch viel Selbstreflektion. Nach dem ich jahrelang eigene Bedürfnisse und Gefühle ignoriert habe, ignorieren musste, habe ich durch meine Erkrankung und die Zeit danach erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, nicht weitergehen darf und die unzufriedene Mutter und Frau niemandem nützt. Und das mein eigenes Leben etwas wert ist, MIR etwas wert sein sollte. Und in der berühmten Lebensmitte, also so um die 40, gehen so einige Menschen in sich, ziehen Bilanz und sortieren ihr Leben noch einmal neu.

Manchmal muss sich einfach etwas ändern

Nach dem ich in beruflicher Hinsicht wenig ändern konnte und wollte (außer zu mehr Gelassenheit zu gelangen), war es mein Privatleben, meine Beziehung zu Menschen und zu meinem Mann, wo ich ansetzen musste. Dass meine Ehe seit Jahren schon für mich wenig Glück bedeutete, war hierbei keine neue Erkenntnis, aber dazu später mehr.

Viele Jahre fühlte ich mich – heimatfern und entwurzelt – sozial ziemlich abgeschnitten und einsam. Dann fand ich eine inzwischen gute Freundin hier im Ort und durch ein neues Hobby tolle Menschen in der Nähe. Und endlich konnte ich das auch wieder zulassen, dieses Zwischenmenschliche, was mir in meinem Leben so sehr gefehlt hatte.

Bloggen als Lebenshilfe

Aber es sind nicht immer nur die Menschen von nebenan. Mir bleibt wenig Zeit, andere Blogs mit größerer Aufmerksamkeit zu verfolgen. Ich habe es aber zu schätzen gelernt, auf diese Weise in die Gedanken anderer einzutauchen. Ich schätze es sehr, wenn die fleißigen Blogger da draußen uns auf diese Weise an ihrem teilweise tiefsten Gefühlsleben und ihrer Gedankenwelt teilhaben lassen. Gerade als geforderte Mutter mit Beruf und Haushalt, mit Problemen und Sorgen tut es immer wieder gut, durch dieses Medium zu sehen: ich bin nicht alleine mit dem ganzen Mist! Da sind andere. Und zu lesen, wie sie damit umgehen, kann mir helfen, meinen eigenen Weg zu gestalten.

Minusch ist eine von den wenigen, bei denen ich regelmäßig mitlese. Und ihre Offenheit fasziniert mich und tut mir immer wieder gut. Daher möchte ich einen ihrer aktuellsten Beiträge hier mit Euch teilen. Sie beschreibt darin so wunderbar die verschiedenen Phasen rund um die Trennung von ihrem Mann, dem Vater ihrer Kinder, die Schwierigkeiten drum herum. Sie lässt uns teilhaben an ihrem Leben alleine mit zwei Kindern, alleine in dieser großen Verantwortung ohne nennenswerte Unterstützung und mit finanziellen Problemen. Dabei sich und die eigenen Bedürfnisse nicht ganz aus den Augen zu verlieren, ist eine weitere Herausforderung nach einer Trennung. Um eben weiterhin durchzukommen, klar zu kommen und unter der riesigen Last möglichst nicht zusammenzubrechen, bedarf es der Mobilisierung oft letzter Kraftreserven. Immerhin ist das Aufziehen von Nachwuchs schon mit Partner ein echter Kraftakt.

Warum überhaupt Trennung?

Minusch ist nur eine von vielen Alleinerziehenden, meist ja Frauen, hierzulande. Und die Zahl steigt. Woran kann das liegen? Gehen Paare, die auch Eltern sind, heute wirklich leichtfertigen auseinander? Ich sage: jein! Manche tun das vielleicht, aber viele hadern ewig lange, grübeln und wägen ab.Aber wenn es einfach nicht mehr geht, dann geht es eben nicht mehr!

Meine Mutter sagte vor einigen Wochen zu mir, dass Männer oft an einer eigentlich unbefriedigenden Situation / Paarbeziehung festhalten, während Frauen die Unzufriedenheit deutlicher spüren (und eher seltener mit einer simplen Sex-Affäre außerhalb zu kompensieren suchen) und ihre Konsequenzen daraus ziehen. Und das kann ich auch beobachten. Immer öfter geht die Trennung von der Frau aus, und das, obwohl sie sich dann mit größeren Schwierigkeiten konfrontiert sieht als zuvor. Oftmals bringt es neben dem ganzen Schmerz rund ums Scheitern der Beziehung auch finanzielle Probleme mit sich. Das Männergehalt fällt weg, Frauen verdienen im Schnitt aber weniger, können wegen der Kinder vielleicht nur in Teilzeit arbeiten und ähnliche Aspekte spielen hier eine Rolle. Wenn frau Glück hat, gibts zumindest Unterhalt für die Kinder und im besten Fall einen Vater, der sich sowieso kümmert. Aber das ist nicht immer so.

Gründe für eine Trennung sind vielfältig

Frauen, die eine Trennung initiieren, werden triftige Gründe haben, und das sind nicht immer ein „wir haben uns halt über die Kinder auseinander gelebt“, „die Liebe ist entschwunden“, „Ich hab mich in eine(n) andere(n) verguckt“ oder ähnlich banal erscheinende Gründe. Nein, ich spreche hier von häuslicher Gewalt, vom schlagenden und drohenden Mann, von psychischer Gewalt, von Unterdrückung und Machtausübung von Seiten des Mannes. Damit gebe ich nicht per se Männern die Schuld an einer Trennung oder schließe die Schuld auf Seiten der Frau generell aus. Aber es ist erschreckend, was hinter den Fassaden noch immer vor sich geht. Da kann eine Trennung ein echter Befreiungschlag und sogar im Sinne der Kinder sein. Ein „wir müssen aber wegen der Kinder zusamnenbleiben“, halte ich nicht für die ideale Lösung, wenn Spannungen und Streitereien den Alltag bestimmen und aggressives Verhalten, verbal oder gar körperlich, sogar im Beisein der Kinder ausgetragen wird.

Ich bin selber gerade in diesem Prozess, bin mittendrin. Meine Ehe ist gescheitert. Eine Trennung ist unausweichlich nach jahrelanger Unzufriedenheit und psychischer Überforderung meinerseits in einer Lebenssituation, die mich mit in den Burnout trieb. Davon aber mehr in der Fortsetzung zu diesem Thema.

 

Auf der Achterbahn der Gefühle

Ihre Gefühle fahren Achterbahn, ihre Gedanken stehen Kopf, drehen sich im Kreis. Immerzu, ohne anzuhalten. Sie mochte Achterbahnen noch nie, wollte nie wieder damit fahren. Nun ist sie freiwillig eingestiegen und fährt und fährt. Mal glaubt sie sich oben, da ist sie auch schon wieder unten. Wohin geht diese Fahrt und wie lange noch? Wann endlich darf sie aussteigen? Torkelnd vermutlich,  kaum mehr den Boden unter ihren Füßen spürend. Und sie ist müde, unendlich müde. Nur schlafen kann sie einfach nicht. Immer zu tief, immer gleich zu viel Herz. Zu viel Verletzlichkeit. Immer. Das gehört bei ihr wohl dazu, wenn es echt sein soll. Ist es echt? Ihr Herz schreit. Sowas von echt. Gewartet hatte sie, nur auf ihn. Die Suche ist vorbei. Sie lebt und liebt – endlich unendlich. Welch ein seltenes Glück. Doch sie weint. Was werden soll, weiß sie nicht.

Seit Jahren dieses Grübeln, dieses Überlegen, was werden soll. Weil die Situation im Grunde unerträglich für sie ist, sie aber nicht rauskommt aus ihr. Bisher. Sie hat es einfach nie geschafft, nie die Schritte gewagt, die nötig gewesen wären. Sie ist immer geblieben, wegen der Kinder natürlich und wegen des Hauses. Dieses Haus, welches so zu ihr zu passen schien. Als sie es sah, wollte sie unbedingt nur das. Wie alt und renovierungsbedürftig es wirklich ist, sah sie erst auf den zweiten und dritten Blick. Alt und renovierungsbedürftig, unperfekt eben, so wie sie selbst. Und vieles kam erst später, weil sie (er!) sich zu wenig zu kümmern bereit war. Ursprünglich wollte sie keine Immobilie erwerben. Zu viel Bindung. Und schon damals, als er sie beim Tapezieren herumkommandierte, bereute sie den Kauf. Es war falsch. Aber falsch waren nie die Kinder. Doch, zugegeben, auch diese Gedanken hatte sie, als sie ganz unten und vom Burnout gezeichnet keine Kraft mehr hatte. Aber sie träumte. Alleine mit ihren Kindern in dem Haus, wie schön wäre das. Aber sie kann es nicht schaffen. Finanziell nicht, weil neben dem Bedienen des Kredites ja auch viele Nebenkosten anfallen. Schon gar nicht, die Bude in Schwung zu bringen und zu erhalten. Und dann die viele Arbeit. Putzen, großes Grundstück. Das ist jetzt schon zu viel, wo noch ein Mann da ist, der durchaus mal etwas übernimmt (gerne erst nach mehrfacher Einladung).

Damals betrat sie das Haus das erste Mal und da war sofort dieses Gefühl von JA, das ist es. Und der Geruch im Keller erinnerte sie an das Haus ihrer Oma, an das direkt ihr kleines Elternhaus gebaut war. Omas Haus war nur wenige Jahre älter als ihr Haus. Und der Geruch auf dem  Dachboden? Ihr Elternhaus, eindeutig. Und als Kind hatte sie so gerne Zeit dort oben verbracht und in alten Sachen gestöbert. Überhaupt, altes, antiquiertes hat sie schon immer besonders fasziniert. Deswegen wohl auch dieses Haus mit den höheren Decken, der großen breiten Eingangstür und dem alten hohen Fliesenspiegel in der Küche, die natürlich nach Norden ausgerichtet ist. So war das damals. Unten in der „Waschküche“ steht noch der alte Waschzuber, in dem früher angefeuert und Wäsche gekocht wurde.

Und jetzt ist sie im Begriff, alles zu verlieren. Zum zweiten Mal verliert sie ein Haus, ein ZUHAUSE, an dem sie wirklich hing. Dieses Mal freiwillig – mehr oder weniger freiwillig. Jahrelang hat sie nicht zuletzt wegen dieses Hauses nichts unternommen, um aus dieser Beziehung auszubrechen, die schon lange nicht mehr zu ihr passt. Sie wollte alles für die Kinder erhalten – so wie es einst ihre Mutter für sie versuchte – und für sie selbst. Die schönen Tage im Garten. Perdü. Die Besonderheiten dieses Gebäudes – wird sie nie wieder haben. Zu einer Zeit, wo sie auch ihr Elternhaus gerade (zum zweiten Mal!) verloren hat und ihr am Ende, wenn sie Glück hat, nur ein paar wenige Tausender von ihrem Pflichterbteil bleiben – und die Erinnerungen, die richtig weh tun können, wenn sie es zulässt.

Sie wollte damals dort nicht wirklich weg und sie will es auch jetzt hier nicht. Aber sie sieht einfach keinen anderen Weg mehr. Mit einem Menschen zusammen zu leben, der sie sukzessive mit in den totalen Zusammenbruch getrieben hat durch seine ganze Art, seine Kommentare und auch Nicht-Kommentare, seine Ignoranz, auch der Ignoranz ihrer Gefühle, empathielos und gleichzeitig fordernd. Sie, das Vöglein im goldenen Käfig, das zu singen hat, wenn Gesang erwünscht. Und ansonsten den Schnabel zu halten und runterzuschlucken hat, was sie quält. Geht nicht mehr! Jetzt erst Recht nicht mehr.

Aber es tut so unendlich weh, wegen der Kinder, wegen ihres Traumes von der heilen Familie, die sie selber damals als Teenager für immer verlor. Immer wieder hat sie ihm eine Chance gegeben – und selbst verdrängt, dass es einfach nicht der richtige Weg für sie sein konnte. Nicht alt werden mit ihm, sondern mit ihren Kindern. Sie wollte durchhalten, bis die Kinder groß sind. Dann hätte sie ihnen vermutlich zwar auch das Elternhaus genommen, aber bis dahin hätten sie dort eine schöne Zeit gehabt.Vielleicht können sie das auch immer noch… Aber wenn sie jetzt nicht geht – innerlich ist sie längst gegangen, wird es sie komplett zerstören. Sie muss es tun, und weint dabei bitterlich. Den eigenen Arsch retten, wie egoistisch. Ihre eigene Mutter hatte es auch lange Zeit versucht, wollte alles aufrecht erhalten. Sie selber hat genau das gleiche gemacht und ist ebenso gescheitert. Die Kinder werden es irgendwann verstehen, aber es wird Wunden reißen und Narben hinterlassen.

Und sie träumt davon, alles richtig gut und freundschaftlich zu meistern, die Trennung und irgendwann die Scheidung. Einvernehmlich, so nennt man das. Trotzdem für die Kinder gleichermaßen da sein, Vorbild sein für die Kinder und für andere Paare, das wünscht sie sich so sehr. Das macht sie eigentlich am meisten traurig, dass er behauptet er wolle, dass es den Kindern gut geht, aber so dagegen arbeitet. Nur weil er von der emotionalen Ebene nicht mal in die rationale Ebene schalten kann, weil es die bei ihm nicht gibt. Und emotional bedeutet hier, männliches Machtgehabe, Rachegelüste, Besitzdenken.

Das alles wird sie sehr viel kosten. Jetzt werden eben auch in diesem Bereich viele Federn gelassen werden müssen. So ist das. Strafe muss sein.

Und immer wieder schleichen sich die Zweifel ein. Nicht in ihr Herz, das weiß was es will. Aber der Verstand schüttelt mit dem Kopf und flüstert weiterhin, „Du bist geboren um Dich aufzuopfern. Du hast diese Entscheidungen einst gefällt, also stehe das jetzt auch durch. Auch wenn es Dich umbringt. Besser hast Du es nicht verdient! Eigenes Glück ist doch nichts gegen das Glück Deiner Kinder“.
Sich aufopfern für andere, das hallt irgendwie tief in ihr nach. Ist das das Leben, wovon sie geträumt hat? Sind sie wirklich glücklicher, wenn die Mama es nicht ist, weil sie mit ihrem Vater schon sehr, sehr lange nicht mehr klar kommt, ihn auch nicht mehr liebt und teilweise sogar Gefühle wie Hass empfindet? Ist das wirklich besser? Sie denkt Nein.

So ist das. Sie liebt und möchte lieben und geliebt werden und vor allem will sie leben, ihr eigenes Leben. Und nicht das von einer Frau, die sie gar nicht kennt. Denn das hier, das ist sie nicht.