Urlaub im Hotel Mama / -Oma

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Hotel Mama – natürlich mit Gartennutzung (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Was gibt es besseres als ein schönes „Hotel Mama“?!

Wir lieben es als Heranwachsende, als Studenten, die wieder einmal nach Hause zurückkehren oder eben auch, wenn wir selbst bereits Eltern sind und einfach mal etwas Entlastung im Alltag wünschen. Also am besten weniger Alltag. Weniger Wäsche, weniger Kochen und weniger Putzen. Weniger von dem, was den Tag so nervig machen kann.

Nach dem wir bereits im Mai das Weite gesucht hatten und mit unseren Kindern in den Urlaub* gefahren sind, hatte ich lange überlegt, ob wir während der Sommerferien eine weitere Reise antreten sollten, habe mich aber schlußendlich dagegen entschieden. Nicht nur, um den Geldbeutel zu schonen, sondern auch unsere elterlichen Nerven. Da wir uns derzeit einfach in der Hauptsaison (und vielleicht auch sonst eher nicht) eines dieser attraktiv erscheinenden Familienhotels mit Kinderbetreuung einfach nicht leisten können (wollen), uns aber zurzeit eine erneute Woche mit 24 Stunden Rundumbetreuung unserer Kinder nicht mehr zumuten wollten, blieb nur ein Reiseziel: Hotel Mama! All inclusive! Bettwäsche, Handtücher, Endreinigung und natürlich Vollpension. Ein großer Garten zur Mitbenutzung und neuerdings (!) auch zeitweilige Kinderbetreuung, z. B. in Form eines Hundes zum Gassi gehen (KindNr. 1 ist dann erst mal ein Stündchen außer Haus) oder stundenlanges Spielzeugautos-durch-die-Gegend-Schieben (wieder ist KindNr. 1 sehr glücklich) durch (Stief-)Opa’s-1:1-Betreuung (und der Opa hatte zu unserem Glück auch noch Urlaub), oder auch ein paar andere Erwachsene, die im Garten oder Haus mal ein Auge auf die Kinder haben, während man selber in Ruhe aufs Klo / unter die Dusche gehen kann oder sich mal eben unter den großen Walnussbaum auf eine Decke fläzt. Die Kinder sind jetzt in einem Alter, wo das geht. Absolutes Neudingens: die Eltern fahren in ein Luxus-Restaurant essen und lassen die Kinder von den Großeltern ins Bett bringen. Hat super geklappt! KindNr. 2 schlief nur etwas sehr spät ein. 😉

Tag 1: Nachmittags um 14:30 Uhr sind wir endlich soweit und können losfahren. 300 km ins Hotel Mama / -Oma liegen vor uns. Die Mama (also in dem Fall ich) hat den ganzen morgen gepackt. Der Papa schafft das Zeug ins mittlerweise sehr geräumige (weil neue) Auto und los geht’s.

Vier Stunden später sind wir am Ziel. Und weil beide Kinder so schön im Auto geschlafen haben, wird die abendliche Schlafenszeit natürlich großzügig nach hinten verschoben. Gäääähn!

Tag 2: Wie immer schläft der Papa mit KindNr. 1 in einem Zimmer und Mama mit KindNr. 2 in einem anderen, denn das Haus ist klein und so sind auch die Zimmer. KindNr. 2 schläft etwas länger, das ist schön. Es folgt ein ausgedehntes Frühstück  und Kinder, die im Schlafanzug im Garten herum laufen. In Ruhe duschen hat was. In der Nähe vom Hotel Mama ist ein Spielplatz, auf dem wir den restlichen Vormittag verbringen. Dann ruft das Mittagsmenu aus der stets hervorrangenden Küche à la Hotel Mama.

Am Nachmittag steht ein ungewöhnlicher Besuch auf dem Programm. Wir besuchen unsere Großtante. Ich selbst habe sie seit über 15 Jahren nicht gesehen. Das letzte Mal auf dem 60. Geburtstag meines Vaters. Es ist also einiges an Zeit vergangen seit damals. Sie hat mich auch nicht gleich erkannt. Diese Tante war die Lieblingstante meines Vaters, die Frau, die ihn (mit) groß gezogen hat. Nächsten Monat feiert sie ihren 90. Geburtstag. Sie hat Papa überlebt. Ich habe sie nicht nur in guter Erinnerung, ist sie doch eine anstrengende Person (gewesen). Aber sie war auch für uns da, als sich meine Eltern damals getrennt hatten. Nun erzählen wir über 2 Stunden lang. Sie erzählt sehr gerne von früher. Ein bißchen Glück ist es, dass KindNr. 1 nicht mit wollte. So haben wir mehr Ruhe. Und KindNr. 2 schläft auch erst mal ein Stündchen im Altenpflegeheim auf dem Teppich (was sich natürlich später rächen wird, allerdings an diesem Abend nicht für uns). Hier lebt die alte Dame seit 4 Jahren. Nach einem Schlaganfall, der ihren noch gesunden linken Arm lahm legte, ist sie auf Hilfe angewiesen. Ihr rechter Arm ist seit ihrer Geburt ohne Unterarm und Hand. Warum habe ich sie erst jetzt besucht? Ich habe mich nie getraut. Aber nach dem Tod unseres Vaters hatte sie meinem Bruder und mir eine sehr liebe Karte geschrieben, und dafür wollten wir uns persönlich bedanken.

Nach dem wir zurück sind, ist auch bald Abendbrotzeit. Hätte ich nur nicht so viel zu Mittag gegessen, denke ich, als mir der Mann kurz vor der Abendbrotzeit verkündet, dass wir zwei heute noch essen fahren werden. Er hat da etwas ausgesucht. Wir machen die Kinder soweit bettfertig und wünschen den Großeltern viel Glück für den restlichen Abend. Dann fahren wir 30 km, um bei bekanntem Landadel festlich (und sehr teuer!) zu speisen. Zum Glück hatte ich ein schönes Kleid und eine feinere Jacke eingepackt. Wir gönnen uns ein 3-Gänge-Menü, werden hervorragend bedient und ich bekomme auch noch ein Wein-Menü dazu. Das in Kombination mit zu viel Schokolade zum Dessert vertrage ich allerdings nicht so gut. Die Nacht wird etwas hart für mich. Schade um das gute Zeug!

Tag 3: Der dritte Tag beginnt daher für mich nicht ganz so angenehm. Ich brauche etwas, bis ich in Gang komme. Zu meinem Glück ist KindNr. 2 erst kurz vor unserer Ankuft nach 23 Uhr richtig eingeschlafen (die arme Oma) und schläft ein wenig länger am nächsten Morgen.

Am späten Vormittag steht ein für die Kinder neues Event auf dem Programm. Nach neun Jahren trauen sich ihre Eltern endlich wieder einmal auf Inliner, um in voller Montur eine ehemalige, jetzt seit vielen Jahren asphaltierte Bahnstrecke zu befahren. Der Anfang ist etwas holprig. Als ich den ersten Schwung nehmen will, trete ich erst einmal ins Leere. Mist, es sind keine Schlittschuhe, sondern Roller Blades unter meinen Füßen! Die Kinder benutzen ihre Laufräder, um den Eltern zwischen den Beinen herum zu fahren und sie zu etwas zu zwingen, was nicht gerade zu deren Stärke bei dieser Sportart gehört: das Bremsen. Aber schnelles Fahren ist ohnehin kaum möglich, so gelingt auch das Bremsen mehr oder weniger sicher. Wir haben trotzdem Spaß und kehren nach 1 1/2 Stunden zufrieden zu unserem Auto zurück. Nicht zu vergessen, dass wir ein paar schöne Steine gefunden haben. Mit denen haben wir noch etwas besonderes vor.

Am Nachmittag fahre ich mit meinem Bruder zu einem Anwalt für Familienrecht, dem bereits das Testament der bösen Stiefmutter vorliegt. Also ein gemeinsames Testament von ihr und unserem kürzlich verstorbenen Vater. Leider und so unglaublich die ganze Geschichte erscheint, ist das Testament gültig. Die alte Hexe bekommt allerdings dieser Tage Post von besagtem Anwalt. Wir klagen unseren Pflichtteil ein. Leider wird sie am Ende immer noch mehr kriegen als uns lieb ist, aber rein rechtlich dürfen wir nicht leer ausgehen. Der Streitwert, also unser Elternhaus, ist nicht allzu viel wert. Hier geht es uns in erster Linie um das Prinzip, einer Frau, die 25 Jahre auf dieses Erbe gewartet hat, unseren Vater gerade in seinen letzten Lebenswochen (aber auch schon viele Jahre zuvor) richtiggehend gequält hat, am Ende nicht ihren Willen zu lassen.

Tag 4: Wir treffen noch Vorbereitungen für den 5. Geburtstag von KindNr. 1 am nächsten Tag. Also Kuchen backen. Es wird eine Gemeinschaftsproduktion von Oma, Papa und mir. Außerdem bemale ich mit den Kindern die Steine. Allerdings habe ich – wie komischerweise so oft an Samstagen – meinen berühmten Durchhänger und döse am Nachmittag erst mal über eine Stunde, während die Kinder im Garten spielen. Gut, wenn andere Aufpasser bereit stehen. Dank Hotel Mama ist so etwas möglich.

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Für jedes Lebensjahr einen Luftballon (Bildrechte: DieverlorenenSchuhe)

Am Abend geht es bei herbstlichen Temperaturen zu einer Sommerparty in mein Heimatdorf. Der beste Freund meines Bruders und dessen Schwester feiern zusammen ihren 101. Geburtstag. Eine große Feier im Garten, direkt an Äckern gelegen und mit einem weiten Blick über meine Heimatgemeinde, dazu Live-Musik. Auch die Kinder haben Spaß an der ungewohnten Aktion und laufen munter durch die Tische und Bänke und rocken zur Rockmusik. Trotzdem brechen wir um 21:30 Uhr auf, das reicht für die Kids. Sie schlafen aber erstaunlicherweise nicht im Auto ein, sondern erst einige Zeit später in unseren Schlafkojen…

Tag 5: … und sind viel zu früh wieder wach. Gääähn!

Herzlichen Glückwunsch, Luftballons und Geschenke. Grillen bei endlich mal wieder sommerlichem Wetter und Kuchen am Nachmittag. Der Kindergeburtstag ist ganz nach meinem Geschmack. Nur zwei Kinder und ein paar Erwachsene.

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Ein Stück vom Geburtstagskuchen. Kein Meisterwerk, aber wie vom Kind gewünscht: Schokolade mit Erdbeeren. (Bildrechte: Dieverlorenenschuhe)

Am Nachmittag besuchen wir das (vermutete!) Urnengrab unseres Vaters, da wir auf der eigentlichen Beerdigung nicht dabei waren. Ich, weil ich auf Dienstreise war und die böse Stiefmutter „alles schnell hinter sich bringen wollte“, ergo nicht warten konnte mit dem Termin und mein Bruder aus reinem Protest und um den anderen zu zeigen, was abgeht wegen ihres Verhaltens, ebenfalls nicht hingegangen ist. Wir legen die bemalten Steine auf die Stelle, wo wir die Urne vermuten und ich lese mein Lieblingsgedicht „Stufen“ von Hermann Hesse vom Handy ab. Anschließend packe ich mein Instrument aus und spiele den zweiten Satz des berühmtesten Konzerts für dieses Instrument. Kalt, aus dem Stehgreif und leider mit 2-3 Kieksern, weil die Sonne dann doch nichts ist für dieses Instrument und dieses Stück auf dem „grünen Rasen“ eben anders klingt als in einem Raum mit Hall. Bin trotzdem zufrieden. Hatte mir das vorgenommen und habe es gemach! Anschließend lege ich die Steine vor die Gedenkstätte der anonymen Urnengräber. Bin gespannt, ob sie in zwei Wochen noch da sind.

Tag 6: …dient in erster Linie dem Verpacken und Abreisen aus dem Hotel Mama. Am Ende hinterlassen wir wie so oft eine Schneise der Verwüstung. Es mag egoistisch erscheinen, aber im Hotel Mama gehört es zum guten Service dazu: sind die Gäste fort, wird eben aufgeräumt, die Betten abgezogen und die benutzen Handtücher gewaschen und einmal kräftig durchgestaubsaugt. Bis zum nächsten Besuch.

Nachmittags um kurz nach 14 Uhr geht es abermals los und gute 4 Stunden später sind wir zurück in unserer „Villa Kunterbunt“. Helau! Damit ist der Urlaub im Hotel Mama vorerst beendet. Wir kommen wieder! 🙂

 

 *Urlaub mit Kindern: die einen lieben es, die anderen sehen darin eine der größten Herausforderungen ihres Erwachsenenlebens.
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Mama-Auszeit

Darf eine Mutter das? Ein paar Tage wegfahren, alleine und ohne ihre Kinder? Ja, behaupte ich, das darf sie – wenn es ihr gut tut und somit auch die Familie von einer erholten oder zumindest körperlich wie auch psychisch gestärkten Frau und Mutter nach deren Rückkehr profitiert.

Ich habe mir die Entscheidung zu dieser Auszeit von Familie und häuslichen Pflichten  nicht leicht gemacht, war ich doch erst im November 5 Tage auf Dienstreise – was allerdings aufgrund von Jetlag und Schlafmangel körperlich sehr anstrengend für mich war. Jetzt stand wieder eine Reise mit etwa der Hälfte meiner Kollegen an und ich hatte im Vorfeld immer wieder hin- und her überlegt. Grünes Licht gab es vom Mann. Und sogar Kind Nr. 1, am Tag meiner Abreise fiebrig, antwortete auf meine Frage hin, ob ich denn wirklich wegfahren könne, mit einem beherzten „Ja“. Also habe ich es getan und es nicht bereut. Es hat mir in vielerlei Sicht unheimlich gut getan. Ich konnte mich körperlich betätigen, ich habe mir einen Tag lang Zeit nur für mich genommen und diesen mit Spazierengehen, Lesen und Faulenzen verbracht. Am Abend saß ich dann bei  dem ein oder anderen Glas Rotwein in geselliger Runde vor dem Kamin. Ich habe neue Impulse bekommen und hatte eine gute Zeit.

Erst „grüne Wiese“, dann „Winterwonderland“

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Heute morgen kurz vor der Abfahrt nach Hause. Ein Winterwonderland.                                               (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Los ging es am Montagmorgen mit einer guten Stunde Verspätung, weil die Batterie des Busses leer war und erst der Pannendienst kommen musste. Die Fahrt führte uns gen Süden in ein deutsches Windersportgebiet. Für die eine Hälfte stand Skifahren auf dem Programm, für die anderen ein attraktives Alternativangebot, welches man auch noch flexibel gestalten konnte. Ski gefahren bin ich das letzte Mal vor 8 Jahren und habe es mir bei dieser Reise wegen meiner sportlichen Inaktivität der letzten Jahre nicht zugetraut – zumal ich immer noch Anfängerin auf den Brettern bin. Ich brauche immer einen Tag, bis ich mich auf den Skiern wieder einigermaßen erfolgreich den Hang hinunter bewegen kann – wenn dieser nicht zu steil ist. Ein wenig bereut habe ich es dann doch, denn ich hätte mal wieder Lust auf Skifahren und möchte das unbedingt noch mal machen.

Gerade fahren wir durch eine wunderschöne Schneelandschaft bei herrlichstem Sonnenschein und wolkenlosem blauen Himmel. Leider ist die Woche aber für uns schon wieder vorbei und wir sind etwas traurig, denn so schönes sonniges Wetter gab es nur an einem Tag, an den anderen kämpften wir mit Regen, Sturm und Schneefall. Zumal am Anfang so gut wie gar kein Schnee lag. Unsere Schneeschuhwanderung am Dienstag hat zwar trotzdem ganz viel Spaß gemacht, aber wir wurden ziemlich naß und den letzten Rest zum Gipfel hat nur eine kleine Gruppe gewagt, bei der ich nicht dabei war. Bei einem Wettersturz mit starkem Schneefall und stärkeren Windböen musste ich einfach passen. Auch blieb uns aufgrund der Wetterlage eine fanatische Aussicht über die Alpen verwehrt.

Was man sich so alles an die Füße schnallen kann, wenn Winter ist

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Die verlorenen Schnee-Schuhe bei der Rast an einer einsamen Almhütte. Spaß hat es gemacht, 4 Stunden Schneeschuhwandern. Es hätte nur etwas mehr Schnee auf dem Boden, dafür weniger von oben geben sollen. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Schneeschuhwandern ist auf jeden Fall etwas, was ich noch einmal machen möchte. Natürlich muss ich auch hier meine schlechte Kondition beachten. Ich bin alles andere als eine Bergziege und in dieser Hinsicht bisher auch noch nicht so gut erprobt. Steile Anstiege bereiten mir derzeit  konditionelle Probleme. Ganz im Gegensatz zu unserem Bergführer. Dieser Mann ist nicht nur doppelt so alt wie ich, er hat auch noch eine tausend Mal bessere Kondition. Ein faszinierender Mensch, der mit sehr viel Wissen aufwarten konnte und Erfahrung nicht nur im Besteigen deutscher wie weltweiter Berge hat, sondern auch sonst alles macht, was man in den Bergen so machen kann – mit fast 80 Jahren.

Ich hatte mir für diese Reise noch etwas vorgenommen: nach 10 Jahren endlich einmal wieder Schlittschuhe an die Füße schnallen und Eislaufen gehen. Eine große Eissporthalle bot sich an, und so packte ich meine weißen Kunsteislaufschuhe ins Gepäck und hoffte, dass ich es zeitlich wahr machen konnte. Am letzten Tag vor unserer Abreise war es soweit. Bei miesem Wetter kann man gerne einmal ein paar Stunden (!) in einer Eislaufhalle zubringen. Während vier Kollegen, die mich zunächst begleitet hatten, nach einer halben Stunde aufgaben, zog ich 3 1/2 Stunden meine Runden, bis ich die Schmerzen in den Beinen nicht mehr aushielt und die Reisegruppe ohnehin im Bus die Rückfahrt zur Unterkunft antrat und mich vor der Eislaufhalle wieder einsammelte. Während also die vier Kollegen ein alkoholisches Getränk nach dem anderen in einer überhitzten Skihütte zu sich nahmen, zog ich meine Runden.

Nun, ich habe durchaus gemerkt, dass ich mit 40 Jahren nicht mehr ganz so gelenkig bin wie früher. In diesem Alter, das sollte man nicht vergessen, müssen Profis in diesem Bereich ihre aktive Karriere schon an den Nagel hängen, von daher versuche ich bei meinen eigenen Ansprüchen an meine Fähigkeiten natürlich auf dem (Eis-)Boden zu bleiben. Nach einer halben Stunde war ich aber wieder drin, hatte die Ängstlichkeiten überwunden und konnte fahren, wie ich es früher auch so oft getan hatte. Klar, ich kann keine Pirouetten drehen oder waghalsige Sprünge zeigen, aber ich bin zufrieden, dass ich sturzfrei und sicher übers Eis geglitten bin, mit den Kuven an Füßen durchaus gut variieren und spielen konnte und sogar mein Rückfährtsfahren etwas vorangetrieben habe – etwas, was ich unbedingt noch können möchte. Ich habe sehr junge Mädels beobachtet, die ihren Kunsteislauf geübt haben. Faszinierend. Ich habe früher so gerne Eiskunstlauf und auch Eiskunsttanzen im Fernsehen geschaut. Diese Sportart hat mich schon immer fasziniert. Es hat mir unheimlich Spaß gemacht und ich hoffe, dass dieses Mal nicht wieder ein Jahrzehnt vergeht, bevor ich mich erneut auf die Kuven wage. Wieso überhaupt so eine lange Pause, bin ich doch früher häufiger gefahren. Die letzten 5 Jahre sind selbsterklärend, aber die 5 davor? Und außerdem kommt Kind Nr. 1 so langsam in das Alter, in dem ich ihn mal mitnehmen könnte. Juchuh!

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Mama On Ice. Leider konnte ich meine eigenen Schlittschuhe nicht benutzen. Sie müssen dringen einen neuen Schliff bekommen, und das passiert hier nur am Wochenende. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Warum sollten Mütter nicht dürfen, was für viele Väter selbstverständlich zu sein scheint

Es war für mich also die richtige Entscheidung, diese Reise anzutreten. Im Vorfeld habe ich mich auch gefragt, wieso ich darauf verzichten sollte, wenn doch auch Kollegen mitfahren, die kleine Kinder daheim haben, also Familienväter, die nun auch ihrer Frau und anderen Menschen wie Großeltern oder Erzieherinnen die Kinderbetreuung einmal für ein paar Tage komplett überlassen. Wieso sollten Väter das eher dürfen als Mütter? Eben. Natürlich ist es immer ein zwiespältiges Gefühl, für ein paar Tage von den eigenen Kindern getrennt zu sein und damit leben zu müssen, dass man in der Zeit zu Hause bestimmt nicht die Nummer Eins ist und vielleicht auch nach der Rückkehr die eigenen Kinder erst einmal wieder mit einem warm werden müssen. Nun habe ich ohnehin Papa-Kinder zu Hause, das macht es mir vielleicht etwas leichter. Übrigens war es das erste Mal, dass ich nicht geweint habe, als ich das Haus zur Abreise verlassen musste. Vielleicht zeigt das auch, wie erholungsbedürftig ich gerade die letzten Wochen, die aus bestimmten Gründen echt hart für mich waren, gewesen bin.

Übrigens habe ich auch schon im letzten Mai eine Auszeit von der Familie genommen und bin für 4 Nächte in meine nordische Lieblingsstadt geflogen. Natürlich sollte man im Gegenzug auch seinem Partner so ein Privileg zugestehen. So fährt auch mein Mann jedes Jahr für ein Wochenende mit seinen Kollegen weg. Worauf ich mich aber auch immer wieder besonders freue, sind Aktivitäten mit der ganzen Familie. Und ich gehe davon aus, dass es mit zunehmendem Alter der Kinder einfacher wird, auch mal einen Wander- oder Skiurlaub einzulegen oder Dinge zu tun, die jetzt einfach noch (fast) unmöglich sind oder nur mit sehr viel Aufwand und Stress verbunden wären.

 

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„Freu Dich aufs Allgäu“, so hieß es noch am Montag. Der Bus rollt nun wieder Richtung Norden. (Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Mein persönliches Fazit

Natürlich wird es auch Stimmen geben – ich höre sie förmlich schon – die der Meinung sind, dass Eltern sich Zeit ohne ihre Kinder in keinem Fall erlauben dürften. Letztendlich muss selbstverständlich jede Mutter, jeder Vater selbst entscheiden, ob er oder sie es für richtig oder falsch hält, ein Wochenende oder noch länger ohne seine Kinder zu sein. (Es soll ja durchaus Eltern geben, die sich einmal ein Wochenende oder sogar eine ganze Woche ohne ihre Kinder gönnen. Bei uns ist bisher immer ein Elternteil daheim geblieben. Denn tatsächlich finde ich unsere Kinder noch zu jung dafür, glaube aber fest daran, dass wir in mehreren Jahren einmal ohne Kinder Urlaub machen werden). Ich finde eben, man sollte es nicht von vorne herein verurteilen oder gänzlich für sich ausschließen. Es gibt sicherlich unterschiedliche Einstellungen zu dem Thema und auch Mütter, die einfach immer nur mit ihren Kindern sein wollen. Aber wenn der Gedanke aufkommt, eine Auszeit zu nehmen, sollte man sich nicht scheuen, es wahr werden zu lassen. Es kann allen sehr gut tun, wie ich weiter oben bereits erwähnt habe. Ich selber bin eben eine Mutter, die ihre Kinder bei Abwesenheit zwar vermisst und vom schlechten Gewissen ohnehin immer wieder eingeholt wird, aber ich brauche Auszeiten. Da ich mir diese im alltäglichen Leben kaum nehme (nehmen kann), versuche ich es immer wieder einmal auf die nun geschehene Weise. Erkannt habe ich allerdings, dass es für mich und meine körperliche wie auch psychische Gesundheit sehr wichtig wäre, öfter einmal hier und da ein Stündchen für ich zu haben, wo ich nicht noch eben alleine schnell das Haus putze oder andere alltägliche Dinge erledige, sondern etwas tue, was nur für mich ist. Ich hoffe, das in den nächsten Jahren besser umsetzen zu können. Denn egal, wie sehr ich meine Kinder auch liebe, auch mein eigenes Leben getrennt von der Familie hat eine gewissen Bedeutung für mich. Vielleicht versteht das ja der/die ein oder andere meiner LeserInnen.

Urlaub 2015

Auch wir hatten uns als Familie einmal einen „Tapetenwechsel“ verdient. Eine Woche Nordsee erschien da vor ein paar Monaten als gute Idee. Ein großer Sandkasten für die Kinder und eine Umgebung, in der auch die Mutter sich wohlfühlen kann.

Ab in den Urlaub  (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Ab in den Urlaub
(Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Man nehme:

  • eine Nordseeinsel (mit Hochseeklima)
  • viel Sand, und Dank einer großen vorgelagerten Sandbank wenig Wellen, was gut ist für das Planschen mit Kleinkindern
  • eine superschöne Ferienwohnung über den Dächern der Insel, mit Blick auf das Meer, den Sonnenuntergang, den Leuchtturm und über die ganze Insel, außerdem sehr nah am Strand und Mitten im Leben gelegen, so dass die Abende beim „Kinder hüten“ sich nicht ganz so verloren anfühlten. Diese Wohnung war ein Zufallsfund von mir und ich bin sehr froh über diesen Zufall
  • das Auswählen der „richtigen“ Woche, und das schon Monate im Vorraus 😉 mit dem perfekten Wetter. Strandwetter mit Sonnenschein ohne Wind und mit Wind, etwas bedeckter Himmel, was das Fahrrad fahren mit Kindern zu einem Genuß werden lässt, nie zu heiß oder zu kalt (wohl aber teilweise etwas schwül) und Regentropfen nur sehr vereinzelt des nachts bzw. am Abreisetag
  • Eine Spielinsel gleich um die Ecke, Indoor und perfekt vor allem für den regnerischen Abreisetag und das Warten auf die Abfahrt, während das Auto schon vollgepackt ist
  • keine Ferien mehr in NRW, das erleichtert die An- und Abfahrt am jeweiligen Samstag
Einfach mal die Füße ins Wasser halten (Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Einfach mal die Füße ins Wasser halten
(Quelle/Bildrechte: dieverlorenenschuhe)

Schön war’s!

Urlaub mit zwei kleinen Kindern, das eine davon mehr als schwierig in vielen Momenten, ist natürlich erst mal keine Erholung, und nach so viel Familie in nur einer Woche gönne ich mir heute mal eine kleine Pause (dienstlich verordnet). Aber dieser Moment, als ich am Strand stand, meine kleine Tochter um mich herum und mir bewußt wurde, dass ich mich an das Leben vor den Kindern gar nicht mehr richtig erinnern kann, der war richtig schön! Vielleicht habe ich da trotz der Überlastung alles richtig gemacht?!

Und doch gibt es ungelöste Probleme zu Hauf… . Ich muss jetzt einfach mal versuchen, bei mir zu bleiben… .