AlltagsAnekdote Nr. 1

Ich finde es bezeichnend, wenn eine Frau in Chefposition, die selbst während Studium und intensiver Berufsausübung Kinder groß zu ziehen hatte, mich in Bezug auf eine bald anstehende 2 1/2-wöchige Dienstreise fragt:

„Und, kriegt Ihr Mann das denn hin in der Zeit?“

Äh, bin ich im falschen Film oder was? Und wieder war ich in dem Moment nicht schlagfertig genug bzw. zu vergesslich. Hatte mir doch vorgenommen, bei dieser (fast zu erwartenden) Frage zu kontern, ob Sie das auch die vielen männlichen Kollegen fragen würde, die Väter kleiner Kinder sind.

Ich stelle mir gerade vor, wie all diese Väter im Chefzimmer antreten müssen, um sich folgenden Kommentar anzuhören:

„Wir gehen ja demnächst auf längere Dienstreise. (Und Sie sind ja dann in Monat x und y auch noch hier und dort auf Dienstreise). Kriegt Ihre Frau zu Hause das denn alles hin in der Zeit, mit den kleinen Kindern?“

Weinen könnt‘  ich. Weinen!

#regrettingmotherhood versus #regrettingfatherhood

Oder: Wer darf eigentlich mehr bereuen?

Die bereute Mutterschaft war vor fast einem Jahr ein ganz großes Thema, nicht nur im Internet, sondern auf sämtlichen anderen Kanälen wie den Printmedien, Radio und TV. Nun dürfen auch die Männer bereuen, ganz ehrlich und öffentlich. Jedenfalls hat es einer gewagt. Doch wer hat eigentlich mehr Rechte auf dieses Gefühl?

Auch ich hatte damals versucht, in einem Blogbeitrag etwas näher auf diese Thematik aus meiner Sicht einzugehen. Jetzt haben sich Väter zu Wort gemeldet. Und das dürfen sie auch. Dürfen sie aber auch bereuen?

Witzigerweise hatte ich gerade an dem Abend zuvor genau darüber nachgedacht und mich gefragt, ab wann denn nun Väter auf den Zug aufspringen und der erste Artikel mit dem Hashtag #regrettingfatherhood veröffentlicht wird. Und zack, las ich diesen Blogbeitrag von Mutterseelesonnig, der mich gleich zur haz und der großen Frage weiterführte, „Machen Kinder unglücklich?“

Was ist Glück?

Das Kinder nicht immer nur glücklich machen, mag für den ein oder anderen vielleicht neu sein. Für viele Eltern allerdings ist es die Realität ihres Alltags, mit solch teilweise ambivalenten Gefühlen umgehen zu müssen, die neben oder aus der eigenen Erschöpfung und Übermüdung, ja auch Überforderung heraus entstehen. Es gibt sogar Studien dazu, welche belegen sollen, dass das Gefühl des Unglücklichseins in den ersten Jahren nach der Geburt eines (oder mehrerer) Kinder so stark zunehmen kann wie sonst nur nach dem Verlust der Arbeitsstelle oder dem Tod des Partners. (Bei weiteren Interesse bitte gugeln). Erst mit zunehmendem Alter der Kinder steige des Glücksgefühl über das eigene Leben wieder an. Nun bin ich zweifache Mutter, seit Jahren leide ich unter (teilweise) ernormen Schlafmangel und Zeitnot (vor allem für mich selber und für meinen Partner) und kann sagen, dass mich meine Mutterschaft bisher nicht zu einem glücklicheren Menschen hat werden lassen als der, welcher ich vor dieser Zeit war. Dazu stehe ich und habe es daher hier auch schon mehrfach ungeschönt von mir gegeben. Und ich finde, das dürfen auch Väter sagen.

Väter dürfen Jammern, genauso wie Mütter…

… sofern sie sich zu ähnlichen Anteilen in die Arbeit (ja, ich nenne es so!) rund um Kinder und Haushalt einbringen. Also ebenso durch diese neuen Pflichten in ihrem bis dato unabhängigem Leben stark eingeschränkt sind. So wie wir Frauen eben, die zu Müttern wurden.

Mutterseelesonnig hatte in ihrem Blogbeitrag von ihrer ganz persönlichen Erfahrung mit ihrem Ex-Mann und Vater ihrer zwei Kinder berichtet, der mit der ganzen Situation und seiner Vaterrolle schlicht überfordert schien. Sein Verantwortungsgefühl scheint sich erst nach der Trennung gemeldet zu haben. Inzwischen nimmt er alle zwei Wochen für 3 Nächte und 2 1/2 Tage seine Kinder zu sich und engagiert sich damit als von der Mutter der Kinder getrennt lebender Vater recht gut für seine Kinder. Wir wissen, dass das auch ganz anders geht. Männer, die zu Vätern geworden sind, schaffen es immer noch eher, sich aus dieser Lebenssituation wieder heraus zu katapultieren, also zu gut Deutsch aus dem Staub zu machen, wenn sie ihnen zu viel wird. Ist das Verantwortungsbewusstsein von Vätern gegenüber ihrer Kinder tatsächlich kleiner? Wieso bringen es viel weniger Mütter „über’s Herz“, Mann und Kinder ganz einfach zu verlassen und ihr Leben so zu leben, wie es ihnen mehr liegt? Ist es nicht so, dass ich in den ganz schwierigen Momenten der letzten Jahre nicht auch mal darüber nachgedacht hätte? Kurz.

Im Netz ging nach dem Erscheinen des Beitrags zu #regrettingfatherhood ein kleiner Shit-Storm los. In diesem Artikel  wird etwas näher darauf eingegangen, dass den bereuenden Vätern nun mehr Kritik als Verständnis entgegenschlägt (anders als angeblich den Müttern im letzten Jahr). Sie hätten kein Recht dazu, da sie sich nach wie vor mehr Auszeiten und Freizeitvergnügen abseits der Familie gönnen würden. Ja, in vielen Fällen mag das stimmen. Väter führen ihr „altes Leben“ oftmals weiter, für sie ändert sich oft weniger nach der Geburt des Kindes als für die neuen Mütter. Doch weil es immer mehr Männer gibt, die sich familiär sehr engagieren und ebenfalls immer mehr zurück stecken, dürfen sie jetzt eben auch jammern und hinterher trauern, kurz: bereuen. Oder etwa nicht?

Es gibt unterschiedliche Facetten des Bereuens

Vor allem Frauen, die alleinerziehend sind oder viele Probleme mit ihren Partnern haben, finden es einfach nur lächerlich, dass die Väter sich nun zu Wort melden. Gut, ich verstehe die Wut, wenn die Säue sich einfach von Bord machen und die Frau mit allem alleine lassen. Feige Ar***. Und die Gesellschaft macht es ihnen nach wie vor leicht: ein Mann, der Frau und Kinder verlässt, wird noch immer weniger verurteilt als eine Frau, die einfach geht, weil ihr alles zu viel wird. Eine Frau wird viel eher gesellschaftlich verachtet, wenn sie bei einer Trennung die Kinder beim Vater lässt. Keiner will ihre Gründe verstehen.

Richtig drauf gehauen wird hier, und zwar auf Väter und Mütter gleichermaßen. Es tat mir schon fast körperlich weh, diesen Artikel zu lesen, so dass ich es nicht ein zweites Mal schaffe und hier nicht im Detail auf ihn eingehen kann. Lest selbst! Mich allerdings erinnert er an Aussagen von Leuten, für die der einzige Sinn im Leben eben in ihre Mutter- (oder Vater-)Rolle liegt oder die noch keine eigenen Kinder haben und daher nur unwissendes Geschwätz von sich geben.

Die beste Antwort auf den in der haz erschienenen Artikel findet sich bei Johnny vom weddingerberg.de. Jetzt lernen die neuen, modernen Väter eben auch endlich mal das Leben abseits von Freiheit, Hobbys und mmer toll aufgeräumter Wohnung kennen. Sie bringen sich ein, weil das in der heutigen Zeit von den Müttern eben so verlangt wird – und leiden nun eben auch unter der täglichen Überforderung und der Vereinbarkeitslüge. So schreibt Johnny unter anderem:

„Je mehr moderne Väter aktiv am Leben ihrer Kinder teilhaben haben möchten, desto mehr von ihnen werden genau die Erfahrung machen, die viele der Mütter schon hinter sich haben. Dass die Vereinbarkeit aller Lebensbereiche ein Drahtseilakt ist. Dass es den perfekten Elternteil, der immer alles richtig und magazintauglich hinbekommt nicht gibt. Dass Elternsein immer auch ein Kompromiss ist.

Natürlich darf ich meinem alten Leben romantisch hinterher blicken und sagen:“Hey Du, weißt Du noch? Damals..!“ Ich darf mit meinem derzeitigen Leben mindestens genauso frustriert sein. Sich aber dem Familienleben hingeben, obwohl man sich jeden Tag die Überstunden im Büro und die Cocktails mit den Kumpels herbeisehnt?

Oder anders formuliert: der Wunsch nach Erlebniskultur statt Vatersein? Freizeitpark statt Verantwortung? Einerseits will man also alles anders machen, als der eigene, emotionslose bzw. abwesende Vater. Andererseits sehnt man sich nach dem Leben in einer Werbebroschüre: immer verfügbar und immer cool. „Regretting fatherhood“ kommuniziert die Reue über das Elternwerden auf ganz anderen Ebenen, als reumütige Mütter dies zu tun scheinen. Kann das aber wirklich sein? Wäre das nicht erschreckend entlarvend? Mütter zweifeln an sich, Väter an ihrer Familie?“

Und mein Fazit?

Ich finde, wir dürfen alle mal sagen, wie anstrengend unser Leben und unser Alltag geworden ist, seit wir Kinder haben. Egal ob Mann oder Frau. Wenn wir es denn so empfinden, dann ist das eben so. Ich finde, wir dürfen ruhig mal laut äußern, auf was wir alles tagtäglich und auch im Großen und Ganzen verzichten und was wir manchmal schlicht und einfach in unserem Leben vermissen, seit wir Eltern sind – unabhängig davon, ob wir vieles in der Zeit vor unserer Elternschaft schon erlebt und gelebt haben. Das mag bei dem einen eben die schicke Designer-Wohnung, der tolle Sportwagen oder die durchgemachte Partynacht am Wochenende sein. Bei dem anderen ist es vielleicht ein ganz banaler Wunsch, wie endlich einmal wieder auszuschlafen oder in Ruhe zu duschen auf der Couch zu liegen und ein Buch zu lesen. Ich bin inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass Kinder eben nicht jede Sekunde an jedem Tag der Woche unendlich glücklich machen (und das im Übrigen auch nicht ihre Aufgabe ist, aber das ist ein anderes Thema!), sondern dieses Leben mit Kindern mit vielen Kompromissen und Einschränkungen jedweder Art eine große Belastungsprobe sein kann. Für den einen mehr, für den anderen weniger.

Und noch ein Lesetipp zum Thema #regrettingsmotherhood

Und ganz neu und heute erst von mir entdeckt der Artikel von Franziska Schutzbach auf „Präzis und Kopflos“. Sie stellt die Frage, die ich mir selber schon so oft in den letzten Jahren gestellt habe. „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ Und sie findet eine Antwort, die meiner entspricht. Viel Spaß beim Lesen! (Und Danke fürs Lesen hier bei den verlorenenschuhen).

P. S.: Ganz vergessen zu erwähnen hatte ich diesen Beitrag hier von Liz von kiddo.the.kid. Bei ihr lese ich auch gerne, sie schreibt voller Humor.

 

 

Eine unendliche Geschichte: die Vereinbarkeitslüge

Ursprünglich wollte ich meinen Blog auch mit anderen Geschichten füllen, mit Geschichten aus meiner Kindheit oder Gedanken zum Leben allgemein. Aber ich lande immer wieder hier, in der Falle der Vereinbarkeitslüge. Die Unvereinbarkeit meiner eigenen Berufstätigkeit mit meinem Mutterdasein lässt mich nicht los. Und ich jammere, das gebe ich zu, aber manchmal tut es gut, sich alles einfach von der Seele zu tippen.

Wieder einmal habe ich etwas nicht so hinbekommen wie ich sollte (wollte). Okay, so sollte ich nicht denken. Ich weiß inzwischen, was ich in den letzten Jahren alles geleistet habe – vieles ist eben aber meiner Meinung nach auch nicht so gut gelaufen. Ich bin keine Supermom und trotzdem schaffe ich es gleichzeitig nicht, auch noch eine Super-Arbeitnehmerin zu sein. Ich soll (nicht unbedingt gleichzusetzen mit ich möchte) auf 1000 Hochzeiten tanzen, also gleichzeitig, aber schaffe gerade mal eine, zersaust und ungeschminkt (bildlich betrachtet natürlich).

Ich weiß gar nicht, wo ich genau anfangen soll. Eine Woche ist vergangen, und die Enttäuschung über meinen Ausstieg aus einem Ressort, welches mir wirklich Spaß gemacht hat, hat mich anfangs viele Tränen vergießen lassen. Inzwischen bin ich etwas gefasster und sehe es als Chance, aus der Überforderung (zeitlich gesehen) als Mutter zweiter kleiner Kinder wieder etwas herauszukommen. Nicht umsonst hatte letztes Jahr das Burn-Out-Syndrom laut an meine Türe geklopft!

Warum ich immer so leicht verletzbar bin, ist die eine Frage. Wieso ich nicht über den Dingen stehen kann, die andere. Vielleicht, weil es sich zu oft wiederholt hat in meinem Leben, dieses „nicht genügen“, dieses „ausgeschlossen werden“. Ich muss ein so unglaublich unerträglicher Mensch sein, dass ich es langsam selber glaube. Meine Probleme sind von anderen nicht lösbar, das ist mir schon klar. Habe ich aber auch nie erwartet. Für Leute wie diesen Kollegen hier bin ich somit nicht tragbar, weshalb er mich jetzt aus seinem Team geworfen hat, nicht ohne mich spüren zu lassen, wie falsch ich doch mit meinen Ansichten liegen würde und wie wenig es ihn weiterhin interessiert, wenn es mir nicht gut geht, ich mich abstrampele, alles unter einen Hut zu bringen und durch die Überbelastung krank geworden bin. Ich genüge so seinen Ansprüchen nicht, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es andere doch auch schaffen würden.

Wo ist mein Weg?

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Bildrechte: DieverlorenenSchuhe

Ich war letztes Jahr sehr krank, ein paar Mal hat mein Körper mir einfach nicht mehr gehorcht – ich habe nicht mehr funktioniert, was neue Ängste in mir ausgelöst hat. Irgendwann im Frühjahr 2015 habe ich erkannt, dass es so nicht weitergeht und ich mich zugrunde richte, wenn ich die Situation weiterhin ignoriere. Und auch körperliche Beschwerden – welche mich immer begleiten. Die gehen nie ganz weg und kommen immer wieder. Ich hatte teilweise so starke Rückenschmerzen, eine Blockade im Sakralgelenk, nach dem ich viel zu lange einen erneuten Beckenschiefstand nach der Geburt von Kind 2 ignoriert hatte, Blockaden in der Halswirbelsäule, damit verbundenen Kopfschmerzen (das gerade wieder aktuell),  immer wieder Kribbeln in Händen, Füßen, Nasenspitze (seit ein paar Monaten, ganz interessantes Gefühl), Schmerzen in sämtlichen Gelenken, nächtliches Herzrasen, Atemprobleme (das Gefühl, keinen Sauerstoff mehr zu bekommen), Gefühl der extremen Schwäche bis hin zur Hyperventilationstetanie, weil ich mir dabei so langsam Sorgen gemacht habe, wie lange ich das noch überlebe. Und trotzdem hieß es für mich als zweifache Mutter mit Job immer nur: FUNKTIONIEREN!!! Und ich habe funktioniert, und dann eben auch ein paar Mal nicht mehr.

Seit ich vor 1 1/2 Jahren nach 9-monatiger Elternzeit und nun zweifacher Mutter wieder in meinen alten Beruf eingestiegen bin, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass ich das schaffen kann, weil ich es einfach schaffen wollte. Weil mein Frauenbild und meine Ansichten von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau skandinavisch-modern sind. Weil ich stark sein wollte. Aber schon schnell habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Es lief nicht mehr rund.

Ja, vielleicht wollte ich mir selber etwas beweisen, nämlich dass es geht. Um so enttäuschter bin ich jetzt von mir. Es geht nicht! Aber es muss gehen. Ich muss Geld verdienen, zumindest ein gewisses Sümmchen und habe keine Jobalternative. Und ich habe begreifen müssen, dass Mütter (oder auch Väter in gleicher Rolle) vom System nicht aufgefangen werden. Es ist ja auch ganz klar: einerseits sollen wir doch zeigen, was wir alles drauf haben, trotz der Mehrfachbelastung mit (kleinen) Kindern. Wir sollen unsere Gefühle im Griff haben und uns unsere Zerrissenheit und unsere Erschöpfung auf gar keinen Fall anmerken lassen. Das will niemand hören! Wir sind doch nicht alleine auf der Welt, jeder hat irgendetwas. Der eine Kollege hätte jetzt über Nacht einen Pflegefall in der Familie, der anderen starke Rückenschmerzen (bei dem Spruch konnte ich nur noch hysterisch auflachen!) Und andere (männliche!) Kollegen hätten doch auch zwei Kinder. Der Kollege unterstellt mir doch tatsächlich, ich würde nur mich sehen und nie die anderen. Und ich frage mich in meinem von Selbstzweifeln zerfressenen Dasein, was ich bloß ständig alles falsch mache, dass ich so rüberkomme.

Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass ich unter enormem Druck stehend und mit großer Erschöpfung behaftet meine Meinung gesagt hatte. Dieser Kollege erwartet – und das Gefühl habe ich nicht nur in Bezug auf mich – dass alle es so zu machen haben wie er, ungeahnt der Tatsache, wie deren aktuelle Lebenssituation gerade aussieht. Wann man also gerade quasi zu Kreuze kriecht, dann doch bitte mit Überstunden, so wie er. Wenn er aus einigen Musikformationen austritt und seine Solostelle an den Nagel hängt, habe ich doch bitte auch nicht danach zu streben, denn ich bin in seinem Team und da sind die anderen Dinge nicht mehr so wichtig. Es enttäuscht mich so. Und als ich beim Abschied meiner Lieblingskollegin vor dem Orchester unter Tränen gesagt habe, sie dürfe jetzt gehen, aber ich müsse noch hierbleiben, wird mir das sofort als negativ ausgelegt, so etwas könne ich vor den Leuten nicht bringen, als jemand, der das Orchester nach außen vertritt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Mein Fehler, ich wollte das so nicht erscheinen lassen.

Sie haben Gefühle? Behalten Sie diese bitte für sich!

Gefühle zeigen oder über eigene Probleme sprechen ist out. In dieser Gesellschaft ist das nicht gerne gesehen. Du darfst Deine Meinung nicht sagen, Du darfst keine Schwäche zeigen und ganz besonders solltest Du auf die Frage, „Und, wie geht es Dir heute!“ niemals ehrlich antworten, sollte dies negativ sein. Du hast nur noch zu reagieren, aber nicht zu agieren und schon gar nicht zu lamentieren. Wenn Du nicht mithalten kannst, wird Dich niemand mehr auffangen.

Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich auf einem besseren Weg, wollte aber nicht so wie er NOCH mehr Aufgaben außerhalb meines eigentlichen Jobs, der Musikerin, übernehmen, eben weil ich das nicht mehr schaffe. Ohne Kinder ja, mit eben nicht. Und dann sagt er zu mir, ich wolle ja alles! Nein, ich habe längst erkannt, dass ich nicht alles haben kann, aber ich habe vor allem auch eines erkannt und endlich angefangen, danach zu leben: dass ich Prioritäten setzen muss! Und zwar meine eigenen. Nur waren die eben nicht, 100%ig nach seiner Pfeife zu tanzen und jederzeit abrufbereit zu sein und so zu arbeiten, wie er das will. Bei den  Arbeitsbedingungen dort ohnehin ein Witz! Ein Computer für zig Mitarbeiter und so weiter. Ich war froh und dankbar für den Job, es hat mir echt Spaß gemacht, aber ich habe nie vorgegeben, ich würde dafür alles andere stehen und liegen lassen, mein geliebtes Instrument in die Ecke schmeißen und von nun an nichts anderes mehr machen als Presse und Öffentlichkeit durch Texte, Fotos und wat-weiß-ich zu beglücken.

Ich habe so manches mal länger gemacht, damit etwas fertig wurde. Texte für das CD-Booklet, die neue Internetpräsenz, wo am Anfang keiner wußte, wie es aussehen sollte und so weiter. Und zu Hause haben mein damals 3jähriger Sohn und meine gerade einmal 1jährige Tochter (und manchmal auf der Mann) auf mich gewartet. Es ist so unglaublich, dass ich das gemacht habe. Für (fast) nichts!

Und mit den Tränen kamen die Zweifel

Und die Wut, die ich mir vor einer Woche aus den Fingern getippt habe,  weswegen ich jetzt auch die letzten Abschnitte hier so stehen lasse, auch wenn es mir heute wieder etwas besser geht:

Mir fehlt inzwischen die Sinnhaftigkeit hinter meinem Tun, ich stelle das, was ich einst so geliebt habe, immer mehr in Frage. Mit jeder Verschlechterung glaube ich nicht mehr, dass es richtig ist, die Kindheit meiner Kleinen damit zu belasten, dass ich zu belastet bin durch zu viele Hochzeiten, auf denen ich bitteschön zu tanzen habe – tanzen ohne Schlaf und gesundheitlichem Wohlbefinden!

Ich verachte Leute die meinen, sie könnten anderen ihre Lebensweise aufstülpen. Man, ich habe mir für diese Firma den Arsch aufgerissen, ich habe so voll und ganz dahinter gestanden und das auch nach außen hin präsentiert, habe mich über die Leute (und tue es noch) innerlich aufgeregt, denen die „richtige Einstellung“ fehlt und die nichts besser können also mit dem Fallen des Taktstockes das Haus fluchtartig zu verlassen und anderen die Arbeit zu überlassen. Und dann, als ich selber gesundheitsbedingt und belastungsbedingt trotzdem noch mehr gemacht habe als die ein oder andere Nase dort, werde ich in den Arsch getreten und verleumdet.

Meine einstige Dankbarkeit darüber, diesen Job machen zu dürfen, schlägt immer mehr in Resignation um und mündet immer öfter in die Frage: Wozu das alles? Wozu tue ich mir das noch an? Habe ich das wirklich nötig? Wofür? Ich höre kein Dankeschön. Klar, er und noch weiter höhere Vorgesetzte haben meine Arbeit gelobt, meine Texte seien gut gewesen, meine Ideen und so weiter. Aber mir ist inzwischen bewusst geworden, dass meine Kinder – und vielleicht auch ich – sich in 20 Jahren nicht daran erinnern werden, welch tolle Berichterstattungen ich ins Internet geprügelt habe und wie schön ich mein Instrument gespielt habe (haha!), sondern daran, ob ich eine glückliche und zufriedene Mutter mit Geduld und guter Laune gewesen bin.

Und hier bin ich, gefangen, nicht in der Teilzeitfalle, die gibt es bislang bei uns immer noch nicht, aber in der Falle zwischen einst vorgestelltem Lebensweg und der bitteren Realität. Ja, wir Mütter sollen und wollen auch, ebenso wie die Männer, Kinder haben und arbeiten gehen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dabei von uns verlangt wird, was von Männern in gleicher Situation eher nicht erwartet wird: es alles 100%ig zu schaffen, ohne Verluste. Väter gelten nämlich schon als Helden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Mütter haben irgend ein Problem mit der Organisation, wenn sie Beruf, Haushalt und Kinder nicht gemeinsam gewuppt kriegen, sondern das Jammern anfangen. Hurra! Tolle Welt!

Mütter gegen Mütter – Teil II

Kürzlich war ich sehr begeistert von dem Text über die nicht immer zu verleugnenden Feindseligkeiten zwischen Müttern auf Kinder haben und trotzdem leben. Aber welche Erfahrungen habe ich selber mit dem Thema „mommy wars“ gemacht? Habe ich selber schon welche erlebt und am eigenen Leibe spüren müssen, wie eine Mutter mich „basht“ oder ich sie? Oder halte ich mich da eher heraus?

Wohl eher letzteres. Zumindest versuche ich das. Letztendlich glaube ich, handelt es sich hier um ein sehr sensibles Thema, was man nicht zuletzt an der Präsenz in den sozialen Medien erkennt. Es wird vermutlich immer kontrovers diskutiert werden, da es durchaus menschlich ist, anderen seine Meinung überstülpen zu wollen oder deren Meinung nur schwer hinnehmen kann. Der berühmte Satz „Wie man es macht, macht man es falsch!“ kommt hier einfach voll zum Tragen.

Die Mütter in meiner Umgebung

Ich habe eher wenig oder nur sporadischen Kontakt zu anderen Müttern, was unter anderem mit meiner zeitintensiven Berufstätigkeit zu tun hat. In meinem Job sind Frauen in der Minderheit – Mütter sowieso. Bisher sind wir zu zweit. Manche Mütter sind Freundinnen von mir, die ich noch aus der Zeit kenne, als wir „nur“ Frauen waren, also kinderlose Studentinnen und Berufsanfängerinnen, die ihren Weg im Leben suchten. Gerne hätte ich mehr Kontakt zu ehemals (guten) Freundinnen, Mitschülerinnen und Kommilitoninnen, die heute – so wie ich – Mütter sind. Dann wären es eben genau die Frauen, mit denen ich schon damals eher auf einer Wellenlänge lag. Ich glaube nämlich, dass sich auch unsere Ansichten in punkto Kindererziehung und Vorstellungen im Leben mit Kindern weniger unterscheiden würden und Kriege kaum aufkämen – eben weil wir damals schon so gut harmonierten. Oder wir ganz einfach so viel Achtung voreinander hätten, nicht auf den Erziehungsmethoden der anderen herumzuhacken. Vermutlich ist die Hemmschwelle dazu niedriger, wenn man sich quasi kaum kennt – und die Sympathien auch nicht unbedingt gegeben sind. Okay, eine Gefahr gibt es immer, nämlich nicht ganz ehrlich zueinander zu sein – oder nicht alles auszusprechen, was man denkt. Denn muss man das?

Bevor ich nämlich etwas sage, was zu einer riesengroßen Grundsatzdiskussion führen könnte, sage ich eher gar nichts. So z. B. geschehen im letzten Sommer, als eine langjährige Freundin von mir mit ihren zwei Kindern für zwei Tage bei uns zu Besuch war. Ihre Kinder sind nur wenig älter als meine. Wir machen sicher nicht alles gleich, auch unsere Leben und unsere Einstellungen unterscheiden sich teilweise, auch wenn wir einst sehr eng befreundet waren. Ich habe nichts gesagt, als ich während dieser Tage immer wieder miterleben musste, wie ihre Kinder so lange am Tisch sitzen bleiben mussten, bis sie ihre Portionen aufgegessen hatten – obwohl es sich innerlich in mir sträubte. Ich beobachtete ihre 5jährige Tochter, die sich die letzten Bissen Pizza reinquälte, da sie sich in ihrem Übermut und aus einer gewissen Fehleinschätzung heraus einfach noch ein Stück hatte geben lassen. Meine Freundin meinte, mit dieser Methode hätte sie es geschafft, gerade ihren 6jährigen Sohn, der immer ein sehr schlechter und wählerischer Esser gewesen ist, zum Essen zu bringen. Aha! Ja, mich ärgert es auch, dass meine Kinder, vor allem mein Sohn, oftmals noch nach Nachschlag verlangen, um dann nach dem ersten Bissen zu verkünden: „Ich bin fertig!“ Aber ich möchte sie nicht zwingen, sich vollzustopfen und mit der Zeit ihr natürliches Sättigungsgefühl zu verlieren. So dürfen sie auch inzwischen dann den Tisch verlassen, wenn sie definitiv fertig sind. Das ist mir lieber als das aus Langeweile entstehende Gemansche.

Hätte ich etwas sagen sollen? Wozu? Es sind ihre Regeln und ihre Meinung.

Andere Familien, andere Sitten

Es interessiert mich, wie andere es machen, Mütter und Väter. Nicht zuletzt deswegen verbringe ich inzwischen viel Zeit mit dem Lesen anderer (Familien-)Blogs. Ich möchte in erster Linie zuhören, nicht bewertend rüberkommen, wenn wir über unseren Alltag sprechen. Ich erzähle gerne, wie ich es mache, wenn man mich danach fragt und lege meine Meinung dar, ohne dass ich möchte, dass diese als die allgemeingültige erscheint. Das ist nicht mein Ziel. Und trotzdem kann ich mich natürlich nicht völlig frei machen von Bewertungen. Auch mein Blog lebt sicher davon, dass ich andersartiges in Frage stelle.

Ich finde nur wenig Anschluss zu anderen Müttern, die ich vorher nicht kannte, bevor meine Kinder auf der Welt waren bzw. den Kindergarten besucht haben, wo ich anderen Müttern (und hin und wieder auch anderen Vätern) nun regelmäßig über den Weg laufe. Ich bin eher der zurückhaltende Typ und mir ist es nicht ganz unwichtig, was andere über mich denken. Deshalb scheue ich auch Auseinandersetzungen und Streitigkeiten. Vielleicht mit ein Grund, wieso ich selten von mir aus versucht habe, Kontakte aufzubauen.

Kritikfähigkeit gilt es immer zu überdenken

Nehme ich mir zu Herzen, was andere sagen? Wie interpretiere ich die ein oder andere Aussage? Fühle ich mich persönlich angegriffen? Habe ich selber Angst vor Kritik? Ja, vielleicht. Das liegt aber auch daran, dass ich von Natur aus ein Mensch bin, der sehr schnell in ein Rechtfertigungsverhalten verfällt, das vielleicht nicht immer sein müsste.

Gerade im Netz und hier insbesondere auf facebook kann man meiner Meinung nach gut beobachten, wie Mütter sich gegenseitig „virtuell an die Gurgel springen“. Natürlich gibt es beim geschriebenen Wort immer das Problem mit der Verständlichkeit. Es fehlen Tonfall, Gestik und Mimik und somit mag die ein oder andere Aussage eben schärfer verstanden werden als sie ursprünglich gemeint war. Oft wollen Mütter nur beschreiben, wie es bei ihnen zu Hause abläuft  und damit unterstützend wirken für all die Unsicheren unter den Meinungsfindern. Trotzdem glaube ich manchmal herauszulesen, wie toll die ein oder andere es doch macht und wie super es ausgerechnet bei ihr funktioniert, während die andere Mutter es nicht auf die Reihe kriegt. Und auch gerade, wenn die Thematik „Zu Hause bleiben versus Arbeiten gehen“ im Fokus steht, wird oft heiß diskutiert. Gerade hier bleibt auch bei mir oft der Eindruck hängen, „wie Frau es macht, macht sie es falsch!“

Meiner Ansicht nach kann es bei der Fülle an Möglichkeiten, die auch wir Mütter in der heutigen Zeit haben, unser Leben zu gestalten (zumindest theoretisch) nicht ausbleiben, dass Unsicherheiten entstehen – und damit zwangsläufig Angriffspunkte. Wenn das Selbstbewusstsein und die Überzeugung darüber, dass man selber es richtig macht sinkt, dann sinkt auch die eigene Kritikfähigkeit und man wird verletzlicher.

Es gibt andere Kriege unter Frauen, die mich mehr stören

Dazu gehören eindeutig die auch in letzter Zeit vermehrt geführten Diskussionen darüber, wer es nun schwerer hat: die alleinerziehende Mutter oder die Mutter, welche noch einen Mann im Hintergrund hat, auch wenn dieser unter Umständen aufgrund von beruflichen Verpflichtungen durch häufige Abwesenheit glänzt – oder sich generell eher gerne aus allen häuslichen Pflichten heraus hält. Eigentlich könnte man die Liste unendlich weiterführen, denn es gibt nun einmal unterschiedliche Grundbedingungen. Ist es schwieriger, nur ein Kind zu haben, während manv ollzeit arbeiten geht, oder zwei Kinder, mit denen man zu Hause ist (um nur ein Beispiel zu nennen)? Letztendlich mag all das auch abhängig sein von der eigenen Konstitution und den eigenen Einstellungen.

Um noch mal auf die Alleinerziehende zurück zu kommen: ich erkenne mit viel Respekt an, was diese Frauen leisten. Aber um ganz ehrlich zu sein: ich kann es nicht mehr hören! Wie viel schwerer es diese Frauen haben im Gegensatz zu beispielsweise einer Frau, die auch Vollzeit arbeiten gehen muss, nach Dienstschluss und an den Wochenenden aber eben doch noch häufig mit den Kindern ganz alleine ist, auch sehr wenig schläft, weil sie ihren und den Schichtdienst des Mannes auffängt und ebenfalls manchmal nicht weiß, wann sie noch den Haushalt schaffen soll geschweige denn mal eine Stunde für sich haben könnte. Ja, das bin ich. Und ich finde das auch anstrengend. Ja, ich bin dankbar, dass ich noch einen Papa im Hintergrund habe, der sich so toll kümmert und aktuell mit den Kindern in der Sonne spazieren geht, damit ich – nach einer kurzen Nacht, noch etwas Ruhe finde. Danke! Ich mag mich nicht darüber streiten, wer es nun schwerer hat. Jede Mutter lebt ihr Modell, lebt nach ihren Vorstellungen, oder wenn das nicht geht, dann versucht sie zumindest mit den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln das beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Und wenn das bedeutet, dass sie viel arbeitet, dafür aber weniger mit den Kindern bastelt, dann ist das ebenso.

Und die Väter?

Ich glaube, für die ist das Ganze viel weniger ein Thema. Zumindest ist mir der Begriff „daddy wars“ noch nicht begegnet. Männer sind von Natur aus mit mehr Selbstbewusstsein und der Einstellung „Mir doch egal, wie ich es mache, ist es gut!“ ausgestattet. Frauen scheinen dem gegenüber viel öfter an sich und ihren Entscheidungen zu zweifeln. Sie wollen es besonders gut machen, es allen Recht machen und auf ihnen lastet in der Regel der meiste (gesellschaftliche) Druck in punkto Kinderbetreuung und der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber das ist ja nichts Neues.

Ein Fazit für mich lautet: ich vertrete meine Meinung, aber vor allem dann, wenn ich danach gefragt werde. Ungefragt gebe ich eher selten Tipps oder mische mich nur ungern ein. Wer wissen will, welche Erfahrungen ich gemacht habe, darf sich gerne berichten lassen. Sollte ich mich angegriffen fühlen, werde ich mich gerne rechtfertigen, weil ich das nur schwer abstellen kann. Oder schweigend lächeln.

Das Leben mit Kindern ist nicht einfach. So zumindest meine persönliche Erfahrung aus den letzten 4 1/2 Jahren. Ich bin nicht zur Supermom geboren. Machen wir uns nicht noch gegenseitig das Leben zur Hölle, sondern versuchen wir, Verständnis für den Weg des anderen zu zeigen und einander zu unterstützen, damit es gemeinsam leichter geht.

 

 

Sind Väter die besseren Mütter?

So lautet der Aufmacher der aktuellen „Spiegel“-Ausgabe. Ich selber bin kein Spiegel-Leser, freue mich aber über die Blogbeiträge zu diesem Artikel, in der Mehrheit von Vätern. Und die sind richtig klasse und treffen genau meinen Nerv. Immerhin handelt es sich hierbei um eines meiner Lieblingsthemen: Gleichberechtigung in Partnerschaften mit Kindern.

So macht Jochen König den Anfang.

Gut finde ich auch den Beitrag von diesem Papa hier. Er beschreibt, was für ihn selbstverständlich ist, nämlich das Einbringen in den Alltag mit Kindern auf Augenhöhe mit der Mutter und bezeichnet sich selber gerne als „Elter“.

Kritisch setzt sich Johnny vom Bog WeddingerBerg mit dem Thema auseinander und beschreibt, dass viele Väter noch immer einen Vorwand finden, sich aus dem Thema größtenteils rauszuhalten.

„Die Statistik zeigt nämlich auch, dass diese sogenannten modernen Väter nichts anderes tun, als sich in die eigene Hosentasche zu lügen. Und das ganz unabhängig von ‚matneral gatekeeping‘. Da wird lamentiert, dass man sich gern mehr Zeit für die Familie nehmen würde, der Vorgesetzte aber leider nicht mitspiele. Da wird sich dann umso heftiger auf die Schulter geklopft, weil man ganz aufgeklärt zwei Monate Elternzeit genommen und für eine kurzen Moment Superdad gespielt hat. Da wird am liebsten so getan, als wäre dieses althergebrachte Versorgungsmodell völlig alternativlos in der heutigen Zeit. In manchem Fällen mag dies durchaus so sein. Aus eigener Erfahrung aber weiß ich auch, dass es viele andere Modelle gibt, die ihrerseits teilweise sogar viel besser funktionieren. Auch, weil sie die Mutter aus der Abhängigkeit des Partners herausholt. […]

Ich selbst bin Vater einer Tochter. Ich habe mich für das Leben mit ihr und gegen die Vollzeitstelle entschieden. Auch meine Freundin musste einschneidende Entscheidungen für sich und ihr Leben treffen. Applaus hat sie dafür keinen bekommen. Und ich will ihn auch nicht. […]“

Worum geht es im Spiegel-Artikel?

Ohne ihn gelesen zu haben, ich kann mich nur auf die Hinweise anderer Blogger und deren Kommentatoren berufen, geht es unter anderem darum, dass uns Müttern wieder einmal die Schuld in die Schuhe geschoben wird. Wir jammern zwar, würden die Väter aber nicht „ran lassen“. Maternal gatekeeping nennt sich das auf Neu-Deutsch. Aha! Am Ende sind halt immer die Mütter Schuld, und wenn sie es mal nicht sind, sind sie es trotzdem, so will es das Gesetz!

Im Gegenzug wird hervorgehoben, dass Mütter eben nicht die naturgegeben wichtigste Bezugsperson für die Kinder sein müssen, sondern auch Väter diese Rolle / Aufgaben übernehmen könn(t)en. Sehe ich auch so. Aber sie dürfen ja nicht (haha!). Wir Mütter lassen sie nicht richtig, also sind wir wieder einmal an unserem Dilemma selber Schuld.

Väter müssen keine besseren Mütter sein, sondern einfach nur Väter. Und Mütter eben Mütter. Oder beide zusammen eben Eltern, oder jeder eben ein „Elter“. Aber nicht unbedingt nach alt hergebrachten Rollenmodellen, sondern so, wie es sich jede Familie für sich vorstellt. Wenn uns die Wahlfreiheit fehlt, so liegt es meiner Ansicht nach daran, dass Wahlfreiheit von Arbeitgebern und der Politik ganz allgemein bisher nicht ausreichend unterstützt wird.

Aber nicht nur die Väter haben geschrieben. Die hoch geschätzte Patricia  von DasNuf (ich habe kürzlich ihr Buch mit Begeisterung und vielen lauten Lachanfällen verschlungen) hat hier einfach mal den Alltag einer Familie aufgeschrieben – mit vertauschten Rollen. Klasse und vielen Dank dafür!

Aber lest selbst!

P. S.: Eine weitere Stellungsnahme gibt es auf nido.de

P. P. S.: Und ich reiche noch nach: eine Stimme aus Österreich