Die ewige Vereinbarkeitslüge, oder: der Witz des Tages

Es ist nicht immer wirklich einfach, die Berufstätigkeit mit der „Rolle“ als Mutter zu vereinbaren, also den Kindern bestmöglich gerecht zu werden, dazu den Haushalt, eventuell Ehemann oder Lebenspartner, den Freunden, der Ursprungsfamilie und auch noch sich selbst mit den ur-eigensten Wünschen und Bedürfnissen nach bestem Wissen und Gewissen zu „bedienen“. Es ist gelinde gesagt ein Ding der Unmöglichkeit.

Noch nie zuvor in der Menschheitsgeschichte mussten wir so vieles gleichzeitig bewältigen. So viel schnelllebigen Input meistern, allem gerecht werden, so viel gleichzeitig sollen, müssen, wollen – dabei kann nur Überforderung herauskommen. Denn wie kann ein Mensch das schaffen? Ich bin zu der Erkenntnis gekommen, dass das nicht geht, nicht gehen kann. Und ich das so in der Form eigentlich auch nicht mehr mitmachen will. Der Gesundheit zuliebe und für die eigene Lebens-Zufriedenheit. Letzteres ist unter diesen Umständen nicht einfach zu erreichen. Aber „höher, schneller, weiter“ ist etwas, von dem ich mich als im Grunde genommen Perfektionistin immer weiter zu distanzieren versuche.

Aber zurück zu dem, was ich eigentlich sagen wollte: auch ich jongliere. Auch ich mache mega viele Abstriche als fast Vollzeit arbeitende Mutter. Wechselnde Arbeitszeiten bei beiden Elternteilen tun ihr übriges, um Organisationsaufwand und Planungsflexibilität (dieses Wort dürfte ein Widerspruch in sich sein) zu vergrößern. Ich verzichte auf vieles, z. B. auf berufliches Fortkommen und höchste Erfüllung in selbigem. Das war gestern. Interessen, Hobbys? Sehr minimiert. Sport? Tja, schade… . Ein sauberer, gut geführter Haushalt? Ist Geschichte, immerhin will ich mich nicht umbringen! Ständige Events für die Kinder? Weniger ist hier mehr. Und so ließe sich die Liste endlos weiter führen.

Und manchmal kommt was neues um die Ecke und die Vereinbarkeit ist nochmal eine Spur schwieriger

Seit Anfang 2016 hat sich mein Arbeitgeber ein besonderes Gimmick ausgesucht. Statt um 8 h muss ich an normalen Tagen um 7:30 h im Dienst erscheinen. Pünktlich. Komme ich erst nach einer Karenzzeit von 15h Minuten, wird es mir von meinem Stundenkonto abgezogen. Als Mutter zweier Kinder passiert mir das ständig. Sehr zur Freude aller.

Noch leben meine Kinder und ich im Luxus, denn ihr Vater hat häufig später Dienst als ich (ist dafür ist auch deutlich später als ich zu Hause. Wohlgemerkt, an „normalen“ Tagen). Er bringt sie sogar nach seinen Nachtschichten noch in die , was ich ihm hoch anrechne. So weit, so gut.

Da ich mich vom Vater  meiner Kinder getrennt habe bzw. die räumliche Trennung im weiteren Verlauf dieses Trennungs-Prozesses ansteht, wird mich das zukünftig vor weitere Herausforderungen stellen, und ich bin bereits darüber in Kontakt mit meinen Vorgesetzten getreten.

Zwar macht die KiTa um  7 h auf, aber bei 30 Minuten Autofahrt zum Dienstort kann ich sie rein theoretisch nur vor die Tür der Einrichtung stellen, damit ich noch pünktlich bin. Habe ich seit dem noch nie geschafft. In zwei Monaten beginnt für KindNr. 1 die Schule. Es darf geraten werden, wann die beginnt! 7:50 h. Mit Frühbetreuung ab 7:30h, soweit ich mich gerade erinnere (Verdrängungsmechanismus!). Lösungsvorschläge nehme ich gerne entgegen. Es wird wohl darauf hinauslaufen, einem Erstklässler gut zu erklären, wie der Schließmechanismus unserer Haustür funktioniert und was man mit dem Schlüssel nicht tun sollte, nämlich verlieren. Und das er gefälligst in die Schule zu gehen hat, auch wenn er keine Lust dazu haben sollte! Zum Glück haben wir eine Ganztagesgrundschule. Zwar steht die Zusage für den Platz noch aus, aber ich bleibe mal optimistisch.

Ich bemühe mich, aber nicht auf Kosten aller

Das Wohlbefinden meiner Kinder liegt mir natürlich am Herzen. Und Kleinkinder aus dem Tiefschlaf zu wecken, versetzt mir jedes Mal einen Stich ins Herz. Außerdem wissen wir, dass das nicht gut für die Hirnentwicklung ist. Meine Kinder sind es daher nicht gewohnt. Zwar sind sie auch keine ausgeprochenen Langschläfer, aber wer freut sich nicht, wenn die Kinder an freien Tagen mal bis 7 h schlafen? Genau. Klappt nicht immer, ist für mich dann aber wie ausschlafen. Entsprechend ist derzeit unser Rhythmus.

Der Aufreger und Auslöser für diesen Beitrag

Ich habe gestern morgen den Fehler gemacht, mich zu rechtfertigen, also vor dem mir etwas vorgesetzten Kollegen. Dass ich’s mal wieder nicht geschafft habe, denn ich war erst um 8:10 h vor Ort. Er hat dann gleich gefragt, ab wann der Kindergarten eigentlich auf hätte. Meine Kinder mögen den Stress morgens halt nicht, wenn es schnell gehen muss, wenn keine Zeit mehr zum Spielen ist, zum Frühstücken zu Hause sowieso nicht. Wie gesagt, sie kennen es zu wenig. Und ich stehe dann da und muss zusehen, wie ich zwei  Kinder geweckt bekomme, falls sie es noch nicht alleine aus dem Traumland geschafft haben, und ich doch noch einigermaßen rechtzeitig das Haus mit ihnen verlasse. Schlechte Nächte (für mich), meine naturgegebene Neigung zum Eulentum (der „frühe Vogel“ kann mich mal, aber sowas von…) machen es auch mir selber schwer, noch früher aufzustehen. Es ist eine Quälerei für mich. Natürlich komme ich dann schlecht organisiert rüber, ich schäme mich auch dermaßen dafür. Aber hier der Tipp vom Kollegen:

Da KindNr. 1 ohnehin in zwei Monaten früher aufstehen muss, könne ich ihn ja jetzt schon daran gewöhnen. Damit er und seine Schwester abends eher müde werden, solle ich die Kinder doch bitte nachmittags schöööön müde machen!! Äh, ja ne, is klar…

  • Muss ich an dieser Stelle erwähnen, dass ich selber nachmittags meist so im Ar*** bin, dass ich jedesmal froh bin, wenn ich nicht mehr allzu viele schweißtreibende Aktionen mit den Kindern vor mir habe und wir es etwas ruhiger angehen lassen können? Zumal ich auch noch den Haushalt einigermaßen bedienen muss.
  • Muss ich erwähnen, dass KindNr. 1 ein ausgesprochener Wenig-Schläfer ist (schon immer war), der abends gerne lange aufbleibt (21:30 h und später) und trotzdem morgens um 6:30 h auf der Matte stehen kann?
  • Muss ich erwähnen, dass ich, seit die hellere Jahreszeit da ist, große Mühe habe, meine Kinder abends überhaupt ins Bett zu bekommen, bevor ich selber schon am Einschlafen bin?
  • Muss ich erwähnen, dass ich dankbar bin, wenn KindNr. 2 bereits beim Sandmännchen wegpennt und ich so nur noch ein Kind durch das lange Prozedere des Zubettbringens leiten muss und muss ich erwähnen, dass mich das in meiner eigenen Erschöpftheit viel Nerven kostet?
  • Muss ich erwähnen, dass mich das alles als getrennt erziehendes Elternteil vermutlich demnächst erst recht an und über meine Grenzen bringen dürfte?

An dieser Stelle darf der werte Leser ein tiefes Seufzen meinerseits vernehmen. Ich bin dann einfach gegangen und habe mir mein Teil gedacht von dem Mann, der Karriere macht und eine teilzeitarbeitende Frau zu Hause für seine vermutlich recht braven Kinder hat.

 

P. S. Es ist 21 h. Hier schläft noch kein Kind. Sie haben den ganzen Tag bei der Hitze draußen verbracht, im Garten mit Wasser gespielt, Besuch gehabt. So viel zu dem Rat, ich solle meine Kinder schön müde machen. Ich habe hier einfach kleine Stehaufmännchen, die sich nicht so schnell ermüden lassen. Wtf…

 

 

48 Stunden im Leben einer berufstätigen Mutter

Der Blogbeitrag von mutterseelesonnig hat mich auf die Idee gebracht, einen Text von mir an ihren Text über die 48 Stunden im Leben einer Alleinerziehenden anzulehnen und etwas aus meinem Alltag zu erzählen, auch aus dem Bereich meines Jobs als Musikerin und wie man den vereinbaren kann mit Kindern. Nein, ich gehöre nicht zu der Gruppe der Alleinerziehenden. Noch nicht. Und selbst nach einer von mir angestrebten Trennung gehöre ich vermutlich eher zur Kategorie „getrennt erziehend“.

Wie dem auch sei, bei mir ist wahrlich nicht jeder Tag gleich. Das finde ich ansich sehr gut, ich brauche die Abwechslung. Aber die Vereinbarkeit, der Alltag mit Kindern wird dadurch nicht gerade leichter und es braucht ein gewisses Organisationstalent und auch viel Kraft.

Tag 1:

Es ist Dienstag, kurz vor 7 Uhr. Eigentlich habe ich endlich mal wieder lange genug geschlafen. Mal kein Weckerklingeln um kurz nach 6. Allerdings war meine Nacht sehr unruhig. Lag mal nicht an den Kindern, eher an den vielen Dingen, die mich beschäftigen. Habe mich den Großteil der Nacht nur rumgewälzt.
Wundere mich, dass mich noch kein Kind geweckt hat. Greife zum Handy. Lesen in der Früh, wie ungewöhnlich.
7:33h: K1 kommt zu mir, wir kuscheln und erzählen.
8:15h: Komisch, K2 schläft immer noch. Ich schleppe mich unter die Dusche. K1 verkleidet sich derweil als Pirat.
8:35h: Ich gehe in die Küche, räume die Spülmaschine aus, beseitige einen Teil des Chaos von gestern abend und decke den Tisch für ein Müsli-Frühstück. Bereite das KiGa-Frühstück für die Tochter und verstaue es in ihren Rucksack. Heute geht nur sie in den Kindergarten.
8:45h: beide Kinder trudeln in der Küche ein, im Schlafanzug. Ich koordiniere die Mahlzeit und achte darauf, dass kein Kakao umfällt oder eine Müslischüssel überläuft. Der Mann geht derweil duschen.
9:15h: ich will erst mal mich und die Kinder fertig machen, werde mich dem Chaos in der Küche später widmen. In einer halben Stunde müssen wir das Haus verlassen. Habe mit dem Sohn einen Arzttermin. Wie immer ist kein Kind bereit, sich anzuziehen.
9:20h: gebe auf und gehe ins Bad, Zähne putzen, Haare kämen und anföhnen, schminken.
9:30h: kein Kind will sich fertig machen lassen. Doch, K2 zieht sich mit meiner Hilfe um. Der Mann putzt ihr die Zähne. Zuvor hatte er noch mal eben seine Diensthemden gebügelt. Wann auch sonst. Haha.
9:35h: ich sage K1, dass wir gleich zum Termin müssen. Versuche immer wieder, ihn anzuziehen. Mache nebenher sein Bett ordentlich und Räume etwas auf.
9:55h: später als geplant sitzen wir endlich im Auto. In der Küche sieht es noch immer aus wie Sau. Später!
10:25h: wir sind 10 Minuten zu spät beim Termin. Hatte auch noch die ungünstigere Strecke gewählt. Müssen aber sowieso wie immer warten. Erst mal aufs Klo. Dann: Kind wird gewogen, gemessen etc. Dann Wartezimmer, spielen. Termin geht gut rum.
11:35h: stehen wieder auf der Strasse. Seit einer halben Stunde ist mein Parkschein abgelaufen. Puh, alles gut. Ich biete dem Kind an, entweder nach Hause zu fahren, wo ich ganz viel aufräumen  müsste, wir endlich mal Ostereier anmalen könnten und es später wie gewünscht Nudeln gibt oder: nach Schulranzen gucken und danach Pommes beim Fastfoodladen essen. Kind wählt zweiteres.
12:05h: Ankommen am empfohlenen Laden. 20 Minuten später hat eine Mitarbeiterin Zeit für uns. Bin ja nicht die einzige mit baldigem Schulkind, die ausgerechnet in den Ferien diesen Laden stürmt. Gute Beratung, Entscheidung.
13:05h: mit gekauftem Schulranzen und 225 Euro weniger auf dem Konto sitzen wir wieder im Auto. Fahrt zum Wohnort.
13:25h: Fastfood für Kind und Mutter. Merke den Zeitdruck. In spätestens 45 Minuten muss ich zum Dienst fahren.
13:50h: Verlassen des Fastfoodladens Richtung Grosseltern. Sie kümmern sich heute um die Kinder, holen später noch die Kleine vom Kindergarten ab und bringen dann beide nach Hause. Mann kommt erst 21:30 vom Dienst. Im Radio läuft „Supergirl“. Fange kurz zu heulen an.
14:05h: bin zu hause. Mache mich frisch, befülle meinen Rucksack mit dem, was ich noch brauche (Wasser und Schokoriegel nicht vergessen), Räume das Frühstücksgeschirr in die Spülmaschine, Tisch abwischen, Boden fegen. Briefkasten leeren.
14:20h: im Auto zur Dienststelle. Kleine Entspannung.
14:45h: Ankunft. Umziehen in Dienstkleidung für das heutige Konzert. Instrument, Noten, Jacke nicht vergessen. Alles in den Bus bringen. Noch mal aufs Klo.
15:07h: sitze im Bus. Noch 8 Minuten bis zur Abfahrt. Meine Augen brennen, ich fühle mich schon seit Tagen urlaubsreif. Träume von einem Wochenende ohne Kinder. Mein Akku ist leer. Jetzt im Bus versuche ich etwas zur Ruhe zu kommen. Beginne diesen Text. Mache die Augen zu, nachdenken. Dösen.
16:50h: Ankunft am heutigen Auftrittsort. Es gibt schönere! LKW wird entladen. Ich baue Notenpulte auf, schleppe sie an ihren Bestimmungsort, rücke Stühle, lege Noten. Baue mein Instrument zusammen. Die ersten Töne des Tages. Welches Blatt? Wie ist die Akkustik?
17:30h: die Anspielprobe des Orchesters beginnt.

Konzentration aufs Wesentliche

Die Halle hält, was sie verspricht, nämlich nichts. Die Akustik ist Mist,  ich höre mich selber kaum. Das wird ein Konzert mit weniger Spielfreude. Zum Kratzen im Hals gesellt sich sich ein Grummeln im Gedärm. Mir ist leicht übel. Hab ich schon erwähnt, dass ich recht müde bin? Ob ich krank werde?
17:30h: Probenende und Essen. Das mit Abstand schlechteste der letzten Zeit. Ich bin leicht frustriert. Zum Glück beginnt das Konzert heut schon um
19:30h: durch das die Halle füllende Publikum geht es jetzt mit der Akustik. Ich gebe mir Mühe. Immerhin liebe ich mein Instrument. Ich denke an die Kinder, die jetzt so langsam ins Bett gehen, heute begleitet von den Großeltern. Wird schon klappen. Mit etwas Glück bin ich noch kurz vor 1 Uhr in meinem Bettchen.
20:50h: die 2. Konzerthälfte beginnt. Das 2. Stück davon ist mein Lieblingsstück des aktuellen Programms, hier darf ich viele schnelle Töne spielen. Ich reisse mich zusammen, bin heute aber nicht so zufrieden. Nach diesem Stück verlässt mich wie immer so langsam die Kraft und Konzentration. Der Tag war immerhin schon lang.
21:50h: das Konzert ist zu Ende. Wir müssen noch abbauen. Ab dem Zeitpunkt wo die Busse rollen, dauert es noch 2 Stunden bis zu meinem Bett.
22:25h: wir sind schnell heute. Die Fahrzeuge rollen. Der Vollmond strahlt mich an. Ich setze meine Schlamassel auf und döse. Tief schlafen kann ich in Bus und Flugzeug leider nie.
23:45h: Ankunft am Dienstort. Torkele schlaftrunken aus dem Bus. Umziehen, Auto fahren. Immer wieder eine Herausforderung mit der nächtlichen Müdigkeit.
00:20h: bin zu Hause. Früher als erwartet. Wenn Konzerte weiter weg sind und zudem später beginnen, wird es auch schon mal 1:30h.
Dadele noch etwas auf dem Handy. Gegen 1 Uhr schlafe ich ein.

Was ich heute nicht geschafft habe: wichtige Termine machen. Vom Bus aus mag ich nicht telefonieren.

Tag 2:
Irgendwas zwischen 5:30 und 6 h: bin wach. Scheiß innere Uhr. Der Mann musste um 5:30h zur Frühschicht. Dösen.
6:27h: K1 kommt zu mir ins Zimmer. Warum reden Kinder schon morgens so laut? Er darf sich auf YouTube Videos über Playmobil Spielzeug ansehen. Unpädagogisch, aber meine Rettung. Döse weiter, höre die Stimmen von den Videos.
Schätzungsweise 7:30h: K2 kommt dazu. Ich höre alles, döse aber noch. Bin einfach zu müde. Könnte jetzt wieder einschlafen.
8:00h: Handywecker klingelt. K2 verlangt nach Peppa Wutz auf meinem Laptop. Mache ihr alles an. Schleppe mich unter die Dusche. In Ruhe duschen und anziehen ist den Medienkonsum der Kinder allemal wert.
8:30h: verkünde den Kindern, dass ich nun in die Küche gehe. Ob sie frühstücken wollen? Schmeisse Toast in den Toaster. Bereite mir ein Müsli für unterwegs. Wird mein Mittag sein.
8:36h: frage die ganze Kinder erneut, ob sie Frühstück wünschen.
8:41h: K1 kommt mit meinem Handy in die Küche. Er durfte es haben, wir sind ja unter uns.
K2 schlurft hinterher. Ich tische Müsli auf. Erfülle Sonderwünsche, schlichte Streit, renne in die Speisekammer im Keller. Bereite die Brotdosen für den KiGa. Versuche irgendwann, selber zu frühstücken.
9:10h: Räume den Tisch ab. Kinder sind fertig. Stelle die von ihnen kaum angerührten Müslis in den Kühlschrank. Spülmaschine einräumen, Tisch abwischen, fegen.
9:17h: bin im Bad. Was man so macht, Zähne putzen, schminken, Haare kämen. Kinder spielen derweil.
9:35h: Die Zeit drängt. K2 kriege ich angezogen. Sogar gewaschen und Zähne geputzt. K1 ignoriert mein Flehen und meine Drohung, ihn im Schlafanzug zu bringen.
9:45h: langsam werde ich nervös. Müssen um 10 h im Kiga sein.
Ich ziehe ihn um. Gesicht waschen. Haare kämen.
9:55h: alle noch mal Pipi. Nach mehrfacher Aufforderung ziehen die Kinder selbstständig ihre Schuhe an. Ich räume unsere Rucksäcke in den Kofferraum und prokele den Kindersitz, den der Opa gestern brauchte, ins Isofix.
9:58h: losfahren
10:03: endlich im Kindergarten. Dort herrscht Tumult. Vor dem Garderobenplatz der Tochter werden Osterzöpfe geformt.
10:10h: sitze wieder im Auto. Seufze ganz tief. Geschafft. Im doppelten Sinne. Während der Fahrt merke ich, wie müde ich eigentlich bin. Augen auf behalten kann hohe Kunst sein.
10:40h: Ankunft am Dienstort. Sachen von letzter Nacht aufräumen. Nichts für heute vergessen und alles in den Bus räumen.
11:19h: sitze im Bus.
11:30: Bus rollt.
13:30h: verspätete Ankunft am Auftrittsort. Hatten Stau. Schnell rein in die Klamotten, Instrument aufbauen, noch mal aufs Klo.
15:00h: Bus rollt wieder und direkt in den Stau auf der Autobahn.
16:40h: zurück am Dienstort. Trotz Einnickens im Bus gerädert. Bräuchte mal einen freien Tag, zumindest ab jetzt.
17:32h: endlich zu hause nach Stau und Umweg. Bin zu nicht mehr viel zu gebrauchen. Habe heute den Luxus, mit den Kindern nicht alleine zu sein. Abendbrot für alle. Danach ziehe ich mich etwas zurück. Mit schlechtem Gewissen zwar, aber nach einem Burnout lernt man dazu. Kann einfach nicht nehr, kann aber leider nicht schlafen.

Kinder ins Bett bringen – die allabendlichen Terrorhölle

21:00h: endlich kehrt Ruhe für heute ein. Ich habe Erschöpfungsanzeichen. Beine tun weh und ich bin verdächtig kurzatmig. Da ich aber über den Einschlaf-Punkt erst mal drüber bin, klappt es mit dem Runterfahren nicht. Schlafe erst ca. 23h ein. Bin ab grob halb 3 wach. Schlafe erst gegen 6h wieder ein. Was ich heute wieder nicht geschafft habe: wichtige Termine vereinbaren. Mal üben. Haushalt.

Am 3. Tag:

Werde um 7:03h von K1 geweckt. Benommenheit. Verzichte heute entgegen meiner Gewohnheit auf die Dusche und komme so nur eine halbe Stunde zu spät zu Dienst. Der Tag wird sich schrecklich ziehen und ich werde nachmittags wieder verzweifelt und erfolglos versuchen, etwas Schlaf nachzuholen. Und im haushältlichen Chaos versinken.

 

Ich wäre dann gerne mal weg

Endlich mal wieder ein Beitrag auf „Babykram & Kinderkacke“, einer meiner Lieblingsbloggerinnen, nachzulesen hier.

Ich lese den Text spät abends, nach dem ich gerade meine Tochter in ihr Bett gelegt und selbst die Schlafstätte gewechselt habe. Wie so oft bin ich bei ihr eingeschlafen. Es kann schon mal eine gute Stunde dauern, bis sie eingeschlafen ist, vor allem, wenn sie im Kindergarten Mittagsschlaf gehalten hat. Und dann döse auch ich weg, schaffe es nicht mehr, mich zu erheben und noch das mit dem Abend anzufangen, was ich normalerweise vor hatte. Ein Stündchen nur für mich. Lese dann manchmal noch im Handy, das geht auch ohne Licht. Am liebsten hätte ich sofort selbst in die Tasten gehauen, so sehr trifft der Text wieder einen Nerv von mir, lese ich von meinen eigenen Gedanken und Gefühlen und all dem, was mich selber immer wieder und allzu oft beschäftigt.

Wie oft habe ich in den letzten Monaten oder gar Jahren darüber nachgedacht, einfach auszusteigen aus diesem (gehetzten) Leben! Ich meine jetzt nicht unbedingt diese Gedanken, Mann und Kinder zurück zu lassen und wieder mein eigenes Ding zu machen, frei und ohne diese teils bleibernde Belastung der Verantwortung für Menschen, die ich in diese Welt gesetzt habe. Auch diese Momente gibt es, das gebe ich zu. Aber mit meiner Familie (oder zumindest mit meinen zwei Kindern) ein neues Leben beginnen, abseits dieser Konsum-Gesellschaft mit ihrem Druck, der schon auf die Kleinsten und somit auch deren Eltern ausgeübt wird, erscheint mir immer wieder verlockend. Weg von diesem ständigen „Höher-Schneller-Weiter-Besser“, diesem Leistungsdenken und vor allem der Profit-Gier. Alles wird individualisiert, Gemeinschaft, wie ich sie in meiner eigenen Kindheit noch kennenlernen durfte, existiert immer weniger.

Irgendwo auf dem Lande, Bio und viel Selbstversorgung, und andere Menschen, die uns ähnlich sind. Andere Familien und somit andere Kinder. Freiheit, Unbekümmertheit, Handeln zum Wohle aller, gemeinsam sind wir stärker. Ein bißchen „heile Welt“. Aber das sind alles Fantasien, schöne Tagträume… .

Elternschaft anno 2016 – einfach war gestern

Längst ist das Leistungsdenken auch in der Elternschaft angekommen. Dies trifft vor allem die Mütter, aber auch immer mehr Väter. Abgesehen von der Tatsache, dass ein Gehalt heute in den seltensten Fällen reicht, um einen gewissen, durchaus nicht übertriebenen Lebensstandard zu finanzieren, fehlt vielen Eltern schlicht und einfach ein gut ausgebautes soziales Netz und somit der doppelte Boden. Gerade in meinem persönlichen Fall, die ich (und auch mein Mann) Heimat und bekannte Strukturen aufgrund von Studium und Job aufgegeben haben, um sich an einem Ort niederzulassen, der mitsamt seinen Menschen im Grunde so fremd ist, ist das noch immer eine Tücke des Alltags. Ich las es erst kürzlich irgendwo: anders als in vielen Naturvölkern wird uns Frauen hierzulande kurz nach der Geburt abverlangt, alles wieder zu schaffen wie zuvor, und zwar alleine (und eigentlich geht das schon in der Schwangerschaft los). Der Mann geht meist schnell wieder arbeiten, die umsorgende Verwandtschaft, Freunde, Bekannte und Nachbarn sind wenig bis gar nicht vorhanden. Da hat eine Frau / ein Paar ein (weiteres) Kind bekommen und soll  doch sehen, wie sie klar kommen! Geburtsverletzungen, Kaiserschnitt (also Bauch-OP)? Ach, die soll sich mal nicht so anstellen. Andere schaffen das doch auch!

Ich habe es selber erlebt. Schwiegereltern – zumindest bei der Geburt von Kind Nr. 2 vor Ort – was haben sie gemacht? Wie haben sie uns bzw. MICH unterstützt? Einmal Essen vorbei gebracht, nach dem mein Mann sie darum gebeten hatte. Und ja, mal Kind Nr. 1 genommen, aber eher selten, ging da ja schon in den Kindergarten. Spazierengehen mit Baby? Fehlanzeige. Kochen, Putzen für die frisch Entbundene oder einfach mal fragen, ob etwas benötigt wird? Nö. Ich hätte um alles bitten müssen, was für mich persönlich in solch einem (offensichtlichen) Fall einem Betteln gleich käme. Habe ich also nicht gemacht. Habe mich statt dessen mit dem Mann darum gestritten, dass seine Eltern so etwas von alleine sehen, kapieren und anbieten müssten.

Moody schreibt in ihrem Text:

„Wenn ich darüber nachdenke, wie die Verhältnisse sind, in denen wir leben, stelle ich fest: Wir leben in einer kinder- bzw. familienunfreundlichen Gesellschaft. Meiner Ansicht nach führt die Art unseres Zusammenlebens zu einer Überforderung der Eltern, die kaum auszuhalten ist. Wenn man annimmt, dass Menschen die meiste Zeit ihrer Existenz in überschaubaren Sozialzusammenhängen gelebt habenmit intensivem Kontakt zu den Mitmenschen; in Gemeinschaften, in denen Frauen etwa aller 3-4 Jahre ein Kind bekamen (so lange wurde das Kind getragen und gestillt), Kinder ab 4-5 Jahren mehr Zeit mit anderen Kindern in einer Art Kinderkultur verbracht haben als mit Erwachsenen, darüber hinaus außerdem viele der erwachsenen Gemeinschaftsmitglieder als Ansprechpartner und Bezugspersonen hatten […], Naturnähe, weitgehend freies Rumtollen, Begleitung der Erwachsenen bei ihren alltäglichen Tätigkeiten, viele andere Kinder… Wenn man nun diese Art des Gemeinschaftslebens dem heutigen gegenüberstellt: anonym, „zivilisiert“, individualisiert, Ich-bezogen, technisiert, geprägt von Lohnarbeit, rational, Grenzen, Zäune, Mauern, Straßen, Autos, in Städten kaum grün, separiert… dann stimmt mich das nachdenklich. […]

Das starke Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, nach Aktion von (insbesondere jungen) Kindern kann von einem Elternpaar meiner Meinung nach gar nicht adäquat befriedigt werden. Heranwachsende hatten (und haben in einigen Sozialzusammenhängen) immer eine Vielzahl an Bezugspersonen und Gefährten. Undenkbar, dass zwei Erwachsene allein mit ihren Kindern leben. Völlig unsinnig, dass Erwachsene Kinderspiele spielen. Ich wage mich mal noch weiter aus dem Fenster: In keiner der bekannten Jäger und Sammler-Clan-Kulturen sind Neurosen und psychische Krankheiten in der Art der Industrienationen bekannt. Woran liegt das? Wenn man hinschaut und darüber nachdenkt, kommt man vielleicht zu dem Schluss, dass Eltern uncool mit ihren Kindern umgehen, weil deren Eltern in ihrer Kindheit auch uncool mit ihnen umgegangen sind und deren Eltern wiederum… Und so weiter. Wenn es stimmt, dass Kinder (so wie es z.B. Renz-Polster behauptet) ziemlich „ursprünglich“ ticken, dann sind sie womöglich in Erwartung einer solchen Clan-mäßigen Gemeinschaft… also genau damit ausgestattet, was es für ein Leben mit Eltern, vielen Kindern, mit dabei sein beim Tun der Erwachsenen und unterschiedlichen Bezugspersone braucht. Ständige unkomplizierte Aufmerksamkeit garantiert. Man ist überall dabei und in älterem Alter ziemlich frei in seinem Tun, beim Erkunden der Welt. (Zumindest bis zur Pubertät, aber das ist ein anderes Thema.) […]

Nun werden diese ursprünglich tickenden Kinder geboren in ein Umfeld, das ganz anders tickt. Die Eltern sind die einzigen Bezugspersonen und müssen all das leisten/erfüllen, was in einem Clan viele verschiedene Erwachsene leisten. Außerdem haben sie eigentlich ständig etwas anderes zu tun und/oder im Kopf. Am Anfang wird die Mutter aus der Gemeinschaft gekickt und ist mit einem Säugling auf sich allein gestellt, um sich voll und ganz dem kleinen Bündel zu widmen. (Dass sie dabei einen Knall kriegt, weil man blöde wird, wenn man den ganzen Tag keine Erwachsenen sieht, interessiert nicht. In „ursprünglichen“ Sozialzusammenhängen käme das einer Verbannung gleich – so ziemlich das schlimmste, was dir passieren kann, denn ohne Clan bist du nichts, zum Beispiel nicht überlebensfähig.) Die etwas größeren, aber immernoch kleinen Kinder können beim Tun der Erwachsenen nicht dabei sein, sondern werden in Betreuungseinrichtungen gegeben. Das wäre eigentlich gar nicht mal so schlecht, wenn es nicht 1. so früh wäre und 2. wenn die Erwachsenen die Kinder nicht ständig kontrollieren, erziehen, maßregeln würden. Immerhin kommen sie hier mit vielen anderen Kindern zusammen und können mal andere Menschen als ihre Eltern sehen. Allerdings befinden sie sich in einem Schonraum und kriegen nichts von der „Erwachsenenwelt“ mit. Die Erwachsenen gehen 8 Stunden oft ziemlich stupiden und/oder kopflastigen Arbeiten nach, die sie wahlweise körperlich einseitig belasten (war schon bei Anbau und Ernte von Weizen der Fall) oder geistig derartig auslaugen, dass sie danach eigentlich zum Ausgleich 4 Stunden durch grüne Wälder laufen müssten. Können sie aber nicht, denn die Uhr tickt, der Nachwuchs muss abgeholt werden. Zu diesem Zeitpunkt sind die Erwachsenen eigentlich bereits völlig erschöpft und bräuchten dringend eine Pause von der Beanspruchung, müssen nun aber viele weitere Stunden in der „zweiten Schicht“ für ihre Kinder da und ansprechbar sein und verlangen sich – wie in jedem Bereich – alles ab. Dazwischen werden sie von Werbetafeln beballert und ihr Smartphone ruft nach ihnen. Wenn die Kinder abends schlafen, muss man sich noch um seine Selbstverwirklichung kümmern, man muss ja schließlich „was aus sich machen“. Der Kinder-„Schon“raum zieht sich dann 10-12 Jahre weiter in Institutionen, in denen Kinder sich stündlich wechselnd mit von Erwachsenen festgelegten Themen beschäftigen sollen, und zwar sitzend. 8-12 Stunden am Tag werden Informationen in sie hineingetrichtert und in regelmäßigen Abständen wird abgefragt, was sie sich merken konnten. Für die Eltern wird’s hier vielleicht etwas weniger stressig, weil die zweite Schicht quasi wegfällt. Die Kinder wollen gar nicht mehr so viel Aufmerksamkeit von ihren Eltern. Glotze, Smartphone und Zocken können das viel besser und ersetzen vom Action-Faktor vielleicht ein bisschen den Kick, den man sich eigentlich durch Stromern mit den anderen Clan-Kids in der Wildnis verschaffen würde. (In Jäger-Sammler-Gemeinschaften fangen „Kinder im Schulalter“ langsam an, die Erwachsenen bei der Jagd zu begleiten.)“

 

Ich denke, das trifft es einfach. Das hätte ich wahrlich nicht besser schreiben können.

 

Kinder haben ist anstrengend – heute mehr denn je

Haben sich meine Eltern jemals so viele Gedanken gemacht, machen müssen, wie sie mit uns Kindern interagieren? Heute werden Eltern viel schneller an den „Pranger“ gestellt.

Wenn das Kind nicht „funktioniert“, sind die falschen Erziehungsmethoden der Eltern Schuld.

Geht die Mutter arbeiten, ist sie eine Rabenmutter. Bleibt sie zu Hause, wird sie ebenso unverständlich angesehen.

Umsorgt man das Kind zu sehr, ist man ein Helikopter-Elter.

Lässt man ihnen zu viel Freiraum und alles durchgehen, ist man vernachlässigend und / oder gefährdet das Kindswohl.

usw. usf.

Ich bin in einer dörflichen Gemeinschaft groß geworden, meine Mutter blieb die ersten 6 Jahre meines Lebens zu Hause, obwohl das finanziell nicht gerade günstig für die Familie war. Aber sie wollte nicht schon wieder ein Kind täglich weinend bei der Oma lassen, wie es ihr mit meinem älteren Bruder erging. Immerhin gab es diese Oma, gleich nebenan, mit einem großen Grundstück und riesigem Nutz-Garten. Dazu viele Tanten, Onkels, Cousins und Cousinen, Nachbarn, die einander geholfen haben. Viele Kinder in meinem Alter. Wir stromerten herum, oft den ganzen Tag. Schon ab dem Alter von 4 Jahren waren wir alleine unterwegs. Da ging das damals noch. Das ganze Dorf war nicht nur unser Spielplatz, sondern zog uns quasi mit groß. Es war eine Idylle, aus heutiger Sicht, und zwar auch für meine Eltern. Sie mussten nicht mit uns auf den Spielplatz gehen, obwohl sie gerade keine Lust oder Zeit dazu hatten. Wir sind alleine gegangen. Sie hatten Zeit, ihr eigenes Ding zu machen – ganz ohne schlechtes Gewissen.

Die Grundschule war nicht besonders anspruchsvoll. Es gab nicht den Druck, unbedingt Abitur machen zu müssen (und ich bin einige von sehr wenigen aus der damaligen zahlreichen Kindergemeinschaft mit Abi und abgeschlossenem Studium). Heute ist eben vieles ganz anders.

„Eltern sind heute m.E. überfordert, weil sie im Kleinfamilien-Kontext dazu gezwungen werden, etwas zu leisten, das unmenschlich ist. Sie müssen leisten, was „eigentlich“ eine Vielzahl von Menschen gemeinsam leisten sollte/müsste. Zudem ist der Einfluss der Eltern auf die Kinder (und ihre Psyche) dadurch, dass es kaum andere ernsthafte Beziehungen und Vorbilder für Kinder gibt, immens. Wo viele Erwachsene sind, die Kinder ständig beeinflussen, ist ein cholerischer Vater weniger ein Problem für die Entwicklung des Kindes. (Das Kind kann ihm im Zweifelsfall einfach aus dem Weg gehen.) Ist „der Choleriker“, „die Depressive“, „die Unentspannte“, „die Gereizte“ usw. aber die wichtigste bzw. einzige intensive Bezugsperson, multipliziert sich die Abhängigkeit von den und damit auch die Verantwortung der Eltern. Das ist – im wahrsten Sinne des Wortes – eigentlich ziemlich unerträglich!

Erschwerend kommen hinzu: Individualismus, Selbstverwirklichungsdrängen, Biografiezwang. Wie soll man sich Kindern widmen, wenn man ständig den Zwang verspürt, das Beste aus sich herausholen zu müssen, um im Zweifelsfall auch zu erklären, wer man ist und was man macht? Die Kinder nehmen so viel Zeit weg, in der man etwas „sinnvolles“ tun könnte. Der Spruch oder Gedanke „Ich habe heute noch gar nichts geschafft“ am Abend eines Tages, den man „nur“ mit den Kindern verbracht hat, spricht Bände.

Dann wäre da noch: Eine rational eingerichtete Umwelt, die nicht zum „irrationalen“ Verhalten von Kindern passt: Funktionalität überall, bestimmte Arten und Weisen wie etwas „richtig“ zu gebrauchen ist und so so viel, was Kinder ständig falsch machen können. Und sie tun es ja auch ständig, etwas „falsch“ machen. Das geben wir ihnen auch ununterbrochen zu verstehen. Man könnte Kinder auch liebevoll in die Welt einführen, mit Verständnis dafür, dass sie xy nicht einfach so können und dass es Zeit braucht, bis das der Fall ist, so wie es in Jäger-Sammler-Kulturen. Aber dafür tickt hier und heute die Uhr zu laut, der Tag hat zu wenig Stunden für all das, was wir meinen, zu tun zu haben. Das viele, viele Andere. […]

So gesehen sind die Genervtheit, die Gereiztheit, die Überforderung, die Last, der Druck von Eltern völlig logische Konsequenzen. Und auch die zunehmende Anzahl von Kindern und Erwachsenen mit psychischen Problemen erscheint mir vor dem Hintergrund durchaus plausibel. Ebenso, dass immer weniger Menschen überhaupt Kinder bekommen (wollen). Wer kann das – in so einem Kontext – schon ernsthaft wollen? Eigentlich sind Kinder doch in einer rationalen, funktionalen, an Effizienz, Optimierung und Fortschritt ausgerichteten Industriegesellschaft überall im Weg. Ein einziges Ärgernis. Neue Menschen braucht aber auch diese Gesellschaft dummerweise. Können die nicht irgendwie als fertige, als „richtige“, als vernünftige Menschen zur Welt kommen? Dann wäre alles so viel einfacher. Die Genforschung wird dafür bestimmt bald eine Lösung haben.“

Ja!

 

Es braucht 2 Arme pro Kind – mindestens

Das ist meine Meinung. Ich habe 2 Kinder, aber nicht 4 Arme. So geht es vielen Alleinerziehenden und mir und meinem Mann immerhin zeitweise, weil der andere (hier vor allem der Mann) beruflich weg ist, auch an Feiertagen und dem Wochenende. Dann steht man mit allem oft völlig alleine da, weil eben das Auffangnetz sehr dünn ist. Und beim Lesen des Blogbeitrages wurde mir nicht zum ersten Mal klar, was wir hier in der heutigen Zeit leisten. Und das es anstrengend ist und sein darf und wir verdammt noch mal auch darüber sprechen dürfen und sollten!

„Also fing ich an, darüber zu schreiben. Und relativ bald zeigten andere Eltern ihre Erleichterung. Vermutlich, weil ich (und andere) zeigten, dass sie nicht allein sind, dass es anderen auch so geht wie ihnen, dass wir ähnliche Probleme teilen. Und auch meine Leserinnen gaben mir ein gutes Gefühl, weil es kurz – ganz kurz – meine Schuldgefühle reduzierte. Das fühlte sich gut und richtig an, nach einer eingeschworenen Gemeinschaft von desillusionierten Eltern wider der Romantisierung von Elternschaft.

[…] in denen sich Menschen über die „jammernden“ neuen Eltern beschwerten oder lustig machten, ließen mich zuweilen stark an „meinem Projekt“ zweifeln. Ist das öffentliche Äußern der eigenen Überforderung eine scheiß Idee? Sollte man das lieber für sich behalten und weiter die Zähne zusammenbeißen? […]

Warum kriege ich es nicht hin, meine Kinder zu genießen? Nett, verständnisvoll, geduldig zu sein? Ich habe den Fehler bei mir gesucht, dazu neige ich. Habe in mir gegraben, einiges gefunden und darunter gelitten, meinen Kindern keine „besser Mutter“ sein zu können. Ich fühlte mich mal egoistisch, mal egozentrisch, mal faul, mal schwach und unbelastbar, ständig unsicher und andauernd überfordert.“

Ich kenne das nur allzu gut mit den Schuldgefühlen, den Selbstzweifeln an der Mutterrolle und wie man sie ausübt, der Angst vor (weitreichenden) Fehlern im Umgang mit den lieben Kleinen, auch die Genervtheit und die Überforderung. Das alles ist eben nicht unsere Schuld alleine und schon gar nicht die der Kinder. Sie können am allerwenigsten dafür. Es ist das Land, diese Gesellschaft, diese schier nicht zu erreichenden Ansprüche. Auch wenn man versucht, sich davon zu befreien (immer mehr, und nach einem Burnout bleibt einem auch nichts anderes übrig), es ist allgegenwärtig und nicht immer leicht zu ignorieren. Ja, das Kind kommt bald in die Schule und muss dort „funktionieren“, was also tun? Was tun, wenn schon im Kindergarten „Druck“ gemacht wird, weil das Kind sich anders verhält, negativ auffällt? Wohin soll das noch alles führen? Sicher nicht zu einer gesünderen Gesellschaft und einem besseren Leben, davon bin ich überzeugt. „Früher war alles besser!“ An dieser Aussage ist doch manchmal etwas dran.

Reblog: Ich gegen mich

Heute möchte ich Euch den Beitrag einer anderen Bloggerin vorstellen. Sie ist Ende 20, Mutter zweier Kinder und absolviert „nebenbei“ auch noch ein Studium. Die in Leipzig lebende Autorin schreibt ungemein offen und ehrlich aus ihrem eigenen Leben mit ihren zwei Kindern und, wie sie selber sagt, über die  „[…] Vereinbarkeit von Kindern & Selbstbestimmungsdrang, „Erziehungsproblemen“, Launen, Ideen und Nervenverlust. Vom vergeblichen Versuch, halbwegs richtig zu Leben… […]“.

Ich verfolge ihren Blog nun schon mehrere Jahre, nicht nur, weil ihr zweites Kind nur eine Woche älter ist als mein zweites Kind, sondern weil ihre Beiträge jedesmal ein stürmisches Kopfnicken in mir hervorrufen, so als könne sie meine Gedanken und teilweise auch Probleme lesen und diese auf ihrem Blog beschreiben. Sie schreibt also oftmals direkt aus meinem Herzen. Neben dem Alltag mit Kindern, Partner und Studium hat sie außerdem mit mehreren chronischen Krankheiten zu tun, welche ihr den Alltag zusätzlich erschweren (unter anderem mit der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn). Aber lest selbst! Der Text hat schon auch mit meinem letzten Thema zu tun, der „bereuten Elternschaft“. Er ist lang, aber ich kann nur sagen: es lohnt sich total!

BABYKRAM & KINDERKACKE

1) Immer wieder spülen meine Timelines Artikel in mein Blickfeld wie jüngst „Würde ich mich nochmal fürs Muttersein entscheiden?“ von Franziska Schutzbach. Artikel also, die irgendwie mehr oder weniger mit dem „regretting  motherhood“-Ding zu tun haben.

2) Mein letzter Artikel ist vom 13. Dezember. In meinen jüngsten Artikeln ging es häufig nicht oder nur am Rande um Elternschaft, Mutterschaft, Leben mit Kindern.

3) Ich stecke mitten in einem Morbus Crohn-Schub und bin aktuell zusätzlich auf Cortison-Entzug. Ich fühle mich wie von jemandem ausgekackt, der einen dauerhaft entzündeten Darm hat. Sorry, für die Direktheit. Ich schlafe abends 21 Uhr mit den Kindern ein, wache kur nach 7 auf und fühle mich wie vom LKW überfahren. Meine Augen sind entzündet, ich hab Akne und ein Neurodermitis-Schub kündigt sich an. Wie schon so oft habe ich das Gefühl, dass mein verdammter Körper nicht für dieses verdammte Leben gemacht ist. Im…

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Eltern im Job – unterstützt oder rausgeekelt?

Nach dem die Juristin meinen letzten Artikel rebloggt habe, nehme ich mir heute einmal die Freiheit, es ihr mit ihrem neuesten Eintrag gleich zu tun. Hier fordert sie uns Eltern auf, unsere Erfahrungen im Job als Eltern mit ihr und anderen auf ihrer Seite zu teilen. Sie bittet um Gastbeiträge. Ich denke, für den ein oder anderen wäre es sicher toll, sich daran zu beteiligen.

 

 

Juraexamen mit Kind - war Justitia Mutter?

Nachdem ich bereits den Beitrag Die Vereinbarkeitslüge von dieverlorenenschuhe verlinkt habe, möchte ich, um dem Thema mehr Raum zu geben, unter der neuen Kategorie „Eltern im Job – Persönliches zur Vereinbarkeit“ in loser Reihe Müttern und Vätern als Gastautoren die Möglichkeiten geben, von ihren Erfahrungen zu berichten. Ich wünsche mir, dass die Unterscheidung der Arbeitswelt in „Eltern“ und „Menschen“ bald aufhört. Es kann ja nicht jeder selbständig sein. Wer mitmachen möchte, meldet sich einfach. Ihr könnt von Euren positiven oder negativen Erfahrungen berichten.

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Eine unendliche Geschichte: die Vereinbarkeitslüge

Ursprünglich wollte ich meinen Blog auch mit anderen Geschichten füllen, mit Geschichten aus meiner Kindheit oder Gedanken zum Leben allgemein. Aber ich lande immer wieder hier, in der Falle der Vereinbarkeitslüge. Die Unvereinbarkeit meiner eigenen Berufstätigkeit mit meinem Mutterdasein lässt mich nicht los. Und ich jammere, das gebe ich zu, aber manchmal tut es gut, sich alles einfach von der Seele zu tippen.

Wieder einmal habe ich etwas nicht so hinbekommen wie ich sollte (wollte). Okay, so sollte ich nicht denken. Ich weiß inzwischen, was ich in den letzten Jahren alles geleistet habe – vieles ist eben aber meiner Meinung nach auch nicht so gut gelaufen. Ich bin keine Supermom und trotzdem schaffe ich es gleichzeitig nicht, auch noch eine Super-Arbeitnehmerin zu sein. Ich soll (nicht unbedingt gleichzusetzen mit ich möchte) auf 1000 Hochzeiten tanzen, also gleichzeitig, aber schaffe gerade mal eine, zersaust und ungeschminkt (bildlich betrachtet natürlich).

Ich weiß gar nicht, wo ich genau anfangen soll. Eine Woche ist vergangen, und die Enttäuschung über meinen Ausstieg aus einem Ressort, welches mir wirklich Spaß gemacht hat, hat mich anfangs viele Tränen vergießen lassen. Inzwischen bin ich etwas gefasster und sehe es als Chance, aus der Überforderung (zeitlich gesehen) als Mutter zweiter kleiner Kinder wieder etwas herauszukommen. Nicht umsonst hatte letztes Jahr das Burn-Out-Syndrom laut an meine Türe geklopft!

Warum ich immer so leicht verletzbar bin, ist die eine Frage. Wieso ich nicht über den Dingen stehen kann, die andere. Vielleicht, weil es sich zu oft wiederholt hat in meinem Leben, dieses „nicht genügen“, dieses „ausgeschlossen werden“. Ich muss ein so unglaublich unerträglicher Mensch sein, dass ich es langsam selber glaube. Meine Probleme sind von anderen nicht lösbar, das ist mir schon klar. Habe ich aber auch nie erwartet. Für Leute wie diesen Kollegen hier bin ich somit nicht tragbar, weshalb er mich jetzt aus seinem Team geworfen hat, nicht ohne mich spüren zu lassen, wie falsch ich doch mit meinen Ansichten liegen würde und wie wenig es ihn weiterhin interessiert, wenn es mir nicht gut geht, ich mich abstrampele, alles unter einen Hut zu bringen und durch die Überbelastung krank geworden bin. Ich genüge so seinen Ansprüchen nicht, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass es andere doch auch schaffen würden.

Wo ist mein Weg?

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Bildrechte: DieverlorenenSchuhe

Ich war letztes Jahr sehr krank, ein paar Mal hat mein Körper mir einfach nicht mehr gehorcht – ich habe nicht mehr funktioniert, was neue Ängste in mir ausgelöst hat. Irgendwann im Frühjahr 2015 habe ich erkannt, dass es so nicht weitergeht und ich mich zugrunde richte, wenn ich die Situation weiterhin ignoriere. Und auch körperliche Beschwerden – welche mich immer begleiten. Die gehen nie ganz weg und kommen immer wieder. Ich hatte teilweise so starke Rückenschmerzen, eine Blockade im Sakralgelenk, nach dem ich viel zu lange einen erneuten Beckenschiefstand nach der Geburt von Kind 2 ignoriert hatte, Blockaden in der Halswirbelsäule, damit verbundenen Kopfschmerzen (das gerade wieder aktuell),  immer wieder Kribbeln in Händen, Füßen, Nasenspitze (seit ein paar Monaten, ganz interessantes Gefühl), Schmerzen in sämtlichen Gelenken, nächtliches Herzrasen, Atemprobleme (das Gefühl, keinen Sauerstoff mehr zu bekommen), Gefühl der extremen Schwäche bis hin zur Hyperventilationstetanie, weil ich mir dabei so langsam Sorgen gemacht habe, wie lange ich das noch überlebe. Und trotzdem hieß es für mich als zweifache Mutter mit Job immer nur: FUNKTIONIEREN!!! Und ich habe funktioniert, und dann eben auch ein paar Mal nicht mehr.

Seit ich vor 1 1/2 Jahren nach 9-monatiger Elternzeit und nun zweifacher Mutter wieder in meinen alten Beruf eingestiegen bin, habe ich tatsächlich noch daran geglaubt, dass ich das schaffen kann, weil ich es einfach schaffen wollte. Weil mein Frauenbild und meine Ansichten von der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau skandinavisch-modern sind. Weil ich stark sein wollte. Aber schon schnell habe ich gemerkt, dass irgendetwas nicht mehr stimmt. Es lief nicht mehr rund.

Ja, vielleicht wollte ich mir selber etwas beweisen, nämlich dass es geht. Um so enttäuschter bin ich jetzt von mir. Es geht nicht! Aber es muss gehen. Ich muss Geld verdienen, zumindest ein gewisses Sümmchen und habe keine Jobalternative. Und ich habe begreifen müssen, dass Mütter (oder auch Väter in gleicher Rolle) vom System nicht aufgefangen werden. Es ist ja auch ganz klar: einerseits sollen wir doch zeigen, was wir alles drauf haben, trotz der Mehrfachbelastung mit (kleinen) Kindern. Wir sollen unsere Gefühle im Griff haben und uns unsere Zerrissenheit und unsere Erschöpfung auf gar keinen Fall anmerken lassen. Das will niemand hören! Wir sind doch nicht alleine auf der Welt, jeder hat irgendetwas. Der eine Kollege hätte jetzt über Nacht einen Pflegefall in der Familie, der anderen starke Rückenschmerzen (bei dem Spruch konnte ich nur noch hysterisch auflachen!) Und andere (männliche!) Kollegen hätten doch auch zwei Kinder. Der Kollege unterstellt mir doch tatsächlich, ich würde nur mich sehen und nie die anderen. Und ich frage mich in meinem von Selbstzweifeln zerfressenen Dasein, was ich bloß ständig alles falsch mache, dass ich so rüberkomme.

Das berühmte Fass zum Überlaufen brachte die Tatsache, dass ich unter enormem Druck stehend und mit großer Erschöpfung behaftet meine Meinung gesagt hatte. Dieser Kollege erwartet – und das Gefühl habe ich nicht nur in Bezug auf mich – dass alle es so zu machen haben wie er, ungeahnt der Tatsache, wie deren aktuelle Lebenssituation gerade aussieht. Wann man also gerade quasi zu Kreuze kriecht, dann doch bitte mit Überstunden, so wie er. Wenn er aus einigen Musikformationen austritt und seine Solostelle an den Nagel hängt, habe ich doch bitte auch nicht danach zu streben, denn ich bin in seinem Team und da sind die anderen Dinge nicht mehr so wichtig. Es enttäuscht mich so. Und als ich beim Abschied meiner Lieblingskollegin vor dem Orchester unter Tränen gesagt habe, sie dürfe jetzt gehen, aber ich müsse noch hierbleiben, wird mir das sofort als negativ ausgelegt, so etwas könne ich vor den Leuten nicht bringen, als jemand, der das Orchester nach außen vertritt. Ich dachte, ich höre nicht richtig. Mein Fehler, ich wollte das so nicht erscheinen lassen.

Sie haben Gefühle? Behalten Sie diese bitte für sich!

Gefühle zeigen oder über eigene Probleme sprechen ist out. In dieser Gesellschaft ist das nicht gerne gesehen. Du darfst Deine Meinung nicht sagen, Du darfst keine Schwäche zeigen und ganz besonders solltest Du auf die Frage, „Und, wie geht es Dir heute!“ niemals ehrlich antworten, sollte dies negativ sein. Du hast nur noch zu reagieren, aber nicht zu agieren und schon gar nicht zu lamentieren. Wenn Du nicht mithalten kannst, wird Dich niemand mehr auffangen.

Ich habe das nicht erwartet. Ich fühlte mich auf einem besseren Weg, wollte aber nicht so wie er NOCH mehr Aufgaben außerhalb meines eigentlichen Jobs, der Musikerin, übernehmen, eben weil ich das nicht mehr schaffe. Ohne Kinder ja, mit eben nicht. Und dann sagt er zu mir, ich wolle ja alles! Nein, ich habe längst erkannt, dass ich nicht alles haben kann, aber ich habe vor allem auch eines erkannt und endlich angefangen, danach zu leben: dass ich Prioritäten setzen muss! Und zwar meine eigenen. Nur waren die eben nicht, 100%ig nach seiner Pfeife zu tanzen und jederzeit abrufbereit zu sein und so zu arbeiten, wie er das will. Bei den  Arbeitsbedingungen dort ohnehin ein Witz! Ein Computer für zig Mitarbeiter und so weiter. Ich war froh und dankbar für den Job, es hat mir echt Spaß gemacht, aber ich habe nie vorgegeben, ich würde dafür alles andere stehen und liegen lassen, mein geliebtes Instrument in die Ecke schmeißen und von nun an nichts anderes mehr machen als Presse und Öffentlichkeit durch Texte, Fotos und wat-weiß-ich zu beglücken.

Ich habe so manches mal länger gemacht, damit etwas fertig wurde. Texte für das CD-Booklet, die neue Internetpräsenz, wo am Anfang keiner wußte, wie es aussehen sollte und so weiter. Und zu Hause haben mein damals 3jähriger Sohn und meine gerade einmal 1jährige Tochter (und manchmal auf der Mann) auf mich gewartet. Es ist so unglaublich, dass ich das gemacht habe. Für (fast) nichts!

Und mit den Tränen kamen die Zweifel

Und die Wut, die ich mir vor einer Woche aus den Fingern getippt habe,  weswegen ich jetzt auch die letzten Abschnitte hier so stehen lasse, auch wenn es mir heute wieder etwas besser geht:

Mir fehlt inzwischen die Sinnhaftigkeit hinter meinem Tun, ich stelle das, was ich einst so geliebt habe, immer mehr in Frage. Mit jeder Verschlechterung glaube ich nicht mehr, dass es richtig ist, die Kindheit meiner Kleinen damit zu belasten, dass ich zu belastet bin durch zu viele Hochzeiten, auf denen ich bitteschön zu tanzen habe – tanzen ohne Schlaf und gesundheitlichem Wohlbefinden!

Ich verachte Leute die meinen, sie könnten anderen ihre Lebensweise aufstülpen. Man, ich habe mir für diese Firma den Arsch aufgerissen, ich habe so voll und ganz dahinter gestanden und das auch nach außen hin präsentiert, habe mich über die Leute (und tue es noch) innerlich aufgeregt, denen die „richtige Einstellung“ fehlt und die nichts besser können also mit dem Fallen des Taktstockes das Haus fluchtartig zu verlassen und anderen die Arbeit zu überlassen. Und dann, als ich selber gesundheitsbedingt und belastungsbedingt trotzdem noch mehr gemacht habe als die ein oder andere Nase dort, werde ich in den Arsch getreten und verleumdet.

Meine einstige Dankbarkeit darüber, diesen Job machen zu dürfen, schlägt immer mehr in Resignation um und mündet immer öfter in die Frage: Wozu das alles? Wozu tue ich mir das noch an? Habe ich das wirklich nötig? Wofür? Ich höre kein Dankeschön. Klar, er und noch weiter höhere Vorgesetzte haben meine Arbeit gelobt, meine Texte seien gut gewesen, meine Ideen und so weiter. Aber mir ist inzwischen bewusst geworden, dass meine Kinder – und vielleicht auch ich – sich in 20 Jahren nicht daran erinnern werden, welch tolle Berichterstattungen ich ins Internet geprügelt habe und wie schön ich mein Instrument gespielt habe (haha!), sondern daran, ob ich eine glückliche und zufriedene Mutter mit Geduld und guter Laune gewesen bin.

Und hier bin ich, gefangen, nicht in der Teilzeitfalle, die gibt es bislang bei uns immer noch nicht, aber in der Falle zwischen einst vorgestelltem Lebensweg und der bitteren Realität. Ja, wir Mütter sollen und wollen auch, ebenso wie die Männer, Kinder haben und arbeiten gehen. Aber ich werde das Gefühl nicht los, dass dabei von uns verlangt wird, was von Männern in gleicher Situation eher nicht erwartet wird: es alles 100%ig zu schaffen, ohne Verluste. Väter gelten nämlich schon als Helden, wenn sie zwei Monate Elternzeit nehmen. Mütter haben irgend ein Problem mit der Organisation, wenn sie Beruf, Haushalt und Kinder nicht gemeinsam gewuppt kriegen, sondern das Jammern anfangen. Hurra! Tolle Welt!

Familienfreundlichkeit hoch 0

Alle sprechen von Familienfreundlichkeit und der Vereinbarkeit von Familie & Beruf (den Begriff „Karriere“ lassen wir mal besser in diesem Zusammenhang, das wäre zu hoch gegriffen), doch es gibt Bereiche, in denen wir davon meilenweit entfernt sind und schlimmer noch: uns immer weiter entfernen. In diesem Bereich habe ich meinen Job, den ich bis zu dem Zeitpunkt als ich aus meiner zweiten Elternzeit zurückkehrte, immer sehr geliebt hatte.

Jetzt ist vieles anders, und wird nicht besser. Als Frau mit Kindern mutet die Vereinbarkeit in diesem Bereich geradezu grotesk an. Auch wird es mir immer schwerer gemacht, eine Berufszufriedenheit aufrecht zu halten, wie ich unter anderem hier schon einmal beschrieben habe. Jetzt kommt das nächste Sahnebonbon: Dienstzeiten werden nach vorne verlegt. Statt bisher an „normalen“ Tagen um 8 Uhr an meinem Dienstort sein zu müssen, soll es ab Januar 7:30 Uhr sein. Bei einer reinen Fahrtzeit von fast 30 Minuten und einem Kindergarten, der um 7:00 Uhr öffnet (immerhin!) darf ich also demnächst meine Kinder vor die Tür der KiTa stellen und dann sofort losdüsen. Wie ich es überhaupt schaffen soll, bis dahin zwei Kinder angezogen und glücklich zu hinterlassen, bleibt mir ein unlösbares Rätsel. Es war bisher schon immer knapp mit der Zeit, wie ich kürzlich auch in diesem Text erwähnt habe. Und später da sein und dafür länger machen bzw. dies von der Arbeitszeit abgezogen bekommen, erscheint mir im Moment auch noch nicht so richtig familienfreundlich. Natürlich gibt es auch andere Firmen, in denen es so läuft, aber wieso ein System kaputt machen, welches funktioniert hat?

Und so überlege ich erneut, ob es beruflich nicht so eine Alternative für mich geben könnte, finde sie aber nicht, schon gar nicht für das Gehalt. Weniger arbeiten und weniger verdienen, ok. Aber was soll ich machen? Ich war gerne Musikerin, und was „Vernünftiges“ habe ich nun einmal nicht gelernt. Wovon soll ich im Alter leben? Und möchte ich mich wirklich in dieses traditionelle Rollenmodell pressen lassen, in dem der Mann das Geld ranschafft und ich zu Hause bin (was finanziell nicht geht) und ich lediglich ein bißchen die Haushaltskasse mit aufbessere, im Alter aber aus der Röhre gucke? Und wenn wir uns scheiden lassen oder der Mann verstirbt, dann wird alles nur noch schlimmer.

In diesem Text hier hatte ich bereits von einem Ehepaar mit zwei Kindern geschrieben. Sie machen beide beruflich das gleiche, verdienen das gleiche. Und trotzdem hat der Mann nicht einen Monat Elternzeit genommen. Sie war jedesmal 2 Jahre zu Hause. Auch für sie ist ein vorgezogener Dienstbeginn mit organisatorischen Problemen verknüpft. Denn das erste Kind ist bereits in der Schule (was ja auch in knapp zwei Jahren auf mich zukommt). Mit Eintritt in die Grundschule verschärft sich das Problem der Kinderbetreuung, wenn auch Mutti (!) malochen geht. Beide suchen nach Alternativen, allerdings denke ich, dass sich beide in einem traditionellen Rollemodell sehr wohl fühlen, denn er sagte zu mir, sie kämen finanziell gut klar (die Raten für deren Haus alleine sind vermutlich sehr viel geringer als unsere) und sie könne zu Hause bleiben. Wow! Er geht arbeiten und sie bleibt zu Hause, mit Mitte 30. Bin ich neidisch? Oder einfach nur entsetzt?

Wieso ist in Deutschland nicht möglich, was in Ländern wie Norwegen und Schweden usus ist?

Machen wir uns nichts vor: in der (deutschen) Gesellschaft gelten Kinder immer noch als „Privatvergnügen“. Mit der Mehrfachbelastung muss Frau man halt irgendwie klar kommen, möglichst ohne sich anmerken zu lassen, wie sehr das an

die eigene Substanz gehen kann. Jammern unerwünscht! Ändern wird sich sowieso nichts. Wenn man es nicht schafft oder dabei vor die Hunde geht, ist das eben auch „Privatsache“ und man ist selber Schuld, weil man an der ein oder anderen Stelle die Organisation nicht auf die Reihe kriegt oder wie auch immer. Niemanden interessiert das! Oder schafft Euch halt keine Kinder an, ihr habt es doch vorher gewußt! Gerade in dem Job! (Habe ich glatt  in dem Zusammenhang von einer kinderlosen Kollegin zu hören bekommen!).

Genau. War doch vorher klar, dass sich irgendwann alles nur verschlechtern statt verbessern würde, haha! Wir hätten zumindest damit rechnen und das Kinderkriegen daher sein lassen müssen! Dass wir Eltern – meiner Meinung nach – auch einen Dienst für die Gesellschaft leisten, wenn wir Kinder großziehen, scheint gerne verdrängt zu werden. Vielleicht machen sich die kinderlosen Besserwisser ja mal Gedanken darüber, wer ihnen im Alter den Arsch abwischt oder ihre Rente finanziert.
Mit Sicherheit nicht ihr Dackel oder Schäferhund.

Eltern müssen also wahnsinnig flexibel sein, damit wir die (sich verschlechternden) Jobbedingungen unter einen Hut zaubern können, nur damit sich vor allem für die Kinderlosen nichts ändert. Wer schon viel zu tragen hat, darf gerne noch etwas oben drauf bekommen.

Gemeinschaftliches Tun war gestern

Ich beobachte schon seit Jahren, dass das Leben mit seinem ganzen Drumherum immer mehr zum Einzelkampf wird, gegenseitige Hilfe ist immer weniger zu beobachten. Die Individualisierung der Gesellschaft führt auch bei mir dazu, dass ich keinen Bock mehr habe, mich übermäßig einzubringen. Dank dafür hört man sowieso nie! Auf jeden Fall steht für mich fest, dass es Eltern durch diese Einstellung nicht leichter gemacht wird. Das ganze Dorf, welches die Kinder (mit) groß zieht, ist schon lange  Geschichte!

Ich weiß nicht, was in zwei Jahren sein wird, oder in fünf. Ich plane nicht mehr so viel, versuche aber, immer auch mit dem Schlimmsten zu rechnen bzw. mich nicht allzu sehr festzulegen. Das erhöht die eigene Frustrationstoleranz und die eigene Flexibilität. Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, nicht alles kehrt sich immer zum Guten, und so muss man mit allem rechnen und das Best daraus machen. Hoffe ich also, dass mir die Großeltern der Kinder als Einspringer in der Betreuung noch lange erhalten bleiben, nur mal so, um einen der Risikofaktoren zu nennen, die das Kartenhaus schnell zum Einsturz bringen können… .

Das Ende der Fahnenstange ist mit Sicherheit noch nicht erreicht. Na dann, Gute Nacht liebes Deutschland!